„Stärk in mir den schwachen Glauben!“

Wie wird unser schwacher Glaube stark? Indem Gott selbst uns sein Wort vorhält, das wie ein Samenkorn in uns aufgehen soll. Gott spricht uns an, sein Wort ist Anspruch und Zuspruch zugleich; es ist ein Leitstern, an dem wir uns orientieren können, und zugleich lässt dieses Wort in unseren Herzen Trost heranwachsen wie einen grünen Baum: Ermutigung, Getrostheit, innere Kraft.

Ein mit Blättern begrüntes Herz

„Halte mir dein Wort stets für, dass es mir zum Trost im Herzen grünt.“ (Bild: pixabay.com)

#predigtAbendmahlsgottesdienst am 14. Sonntag nach Trinitatis, den 1. September 2013, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Ich begrüße Sie und Euch zum Abendmahlsgottesdienst in der Pauluskirche mit dem Wort aus 1. Petrus 5, 7:

Alle eure Sorge werft auf Gott, denn er sorgt für euch!

Im Mittelpunkt des Gottesdienstes steht heute eine Zeile aus einem Lied im Evangelischen Gesangbuch: „Stärk in mir den schwachen Glauben!“

Lied 440:

1. All Morgen ist ganz frisch und neu des Herren Gnad und große Treu; sie hat kein End den langen Tag, drauf jeder sich verlassen mag.

2. O Gott, du schöner Morgenstern, gib uns, was wir von dir begehrn: Zünd deine Lichter in uns an, lass uns an Gnad kein Mangel han.

3. Treib aus, o Licht, all Finsternis, behüt uns, Herr, vor Ärgernis, vor Blindheit und vor aller Schand und reich uns Tag und Nacht dein Hand,

4. zu wandeln als am lichten Tag, damit, was immer sich zutrag, wir stehn im Glauben bis ans End und bleiben von dir ungetrennt.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Wir beten mit Worten aus dem Psalm 92. Sie stehen im Gesangbuch unter der Nr. 737. Lesen Sie, lest ihr bitte die eingerückten Verse:

2 Das ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken und lobsingen deinem Namen, du Höchster,

3 des Morgens deine Gnade und des Nachts deine Wahrheit verkündigen.

5 Denn, Herr, du lässest mich fröhlich singen von deinen Werken, und ich rühme die Taten deiner Hände.

6 Herr, wie sind deine Werke so groß! Deine Gedanken sind sehr tief.

7 Ein Törichter glaubt das nicht, und ein Narr begreift es nicht.

8 Die Gottlosen grünen wie das Gras, und die Übeltäter blühen alle – nur um vertilgt zu werden für immer!

9 Aber du, Herr, bist der Höchste und bleibest ewiglich.

13 Der Gerechte wird grünen wie ein Palmbaum, er wird wachsen wie eine Zeder auf dem Libanon.

14 Die gepflanzt sind im Hause des Herrn, werden in den Vorhöfen unsres Gottes grünen.

15 Und wenn sie auch alt werden, werden sie dennoch blühen, fruchtbar und frisch sein,

16 dass sie verkündigen, wie der Herr es recht macht; er ist mein Fels, und kein Unrecht ist an ihm.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Im Glauben stehen, standhaft bleiben, einen starken Glauben haben – das haben wir nicht aus eigener Kraft. Wir brauchen Kraft von oben für unseren Glauben. Vertrauen auf Gott wächst in uns, wo wir spüren, dass wir von ihm geliebt sind. Wenn unser Gottvertrauen verkümmert und schwach ist, rufen wir zu dir, Gott:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Der Apostel Paulus ruft uns zu mit Worten aus 1. Korinther 16, 13-14:

13 Wachet, steht im Glauben, seid mutig und seid stark!

14 Alle eure Dinge lasst in der Liebe geschehen!

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Um Glauben bitten wir dich, Gott, hilf uns, auf dich vertrauen zu können, denn mehr brauchen wir nicht, um getrost leben zu können. Sei du selbst die Kraft des Glaubens in uns. Darum bitten wir dich im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Lesung aus dem Evangelium nach Lukas 17, 5-6:

5 Und die Apostel sprachen zu dem Herrn: Stärke uns den Glauben!

6 Der Herr aber sprach: Wenn ihr Glauben hättet so groß wie ein Senfkorn, dann könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und versetze dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis

Wir singen das Lied 414:

1. Lass mich, o Herr, in allen Dingen auf deinen Willen sehn und dir mich weihn; gib selbst das Wollen und Vollbringen und lass mein Herz dir ganz geheiligt sein. Nimm meinen Leib und Geist zum Opfer hin; dein, Herr, ist alles, was ich hab und bin.

2. Gib meinem Glauben Mut und Stärke und lass ihn in der Liebe tätig sein, dass man an seinen Früchten merke, er sei kein eitler Traum und falscher Schein. Er stärke mich in meiner Pilgerschaft und gebe mir zum Kampf und Siege Kraft.

3. Lass mich, solang ich hier soll leben, in gut und bösen Tagen sein vergnügt und deinem Willen mich ergeben, der mir zum Besten alles weislich fügt; gib Furcht und Demut, wann du mich beglückst, Geduld und Trost, wann du mir Trübsal schickst.

4. Ach, hilf mir beten, wachen, ringen, so will ich dir, wenn ich den Lauf vollbracht, stets Dank und Ruhm und Ehre bringen, dir, der du alles hast so wohl gemacht. Dann werd ich heilig, rein und dir geweiht, dein Lob verkündigen in Ewigkeit.

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde!

„Stärke uns den Glauben!“ So wird Jesus von seinen engsten Vertrauten bestürmt. Und Jesus gibt diese merkwürdige Antwort: „Wenn ihr Glauben hättet so groß wie ein Senfkorn, dann könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und versetze dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen.“ Vor sechs Jahren habe ich in einer Predigt zu erklären versucht, worauf Jesus hier hinaus will. Unter dem Maulbeerbaum zu sitzen, war in biblischen Zeiten ein Bild des Friedens. Frieden gab es aber für Israel schon lange nicht mehr. Das Meer erschien den Menschen damals sowieso als ein Ort des Todes; in den Wellen konnte man Schiffbruch erleiden, untergehen. Überdies war den Evangelisten, die von Jesus erzählten, der See Genezareth als ein Ort bekannt, wo die römischen Besatzer im jüdisch-römischen Krieg ein großes Blutbad anrichteten. In diesem Meer einen Maulbeerbaum zu pflanzen, würde also so viel bedeuten wie: „Hört nicht auf, an den Frieden zu glauben, obwohl ihr einen furchtbaren Krieg erlebt habt!“ Und nur scheinbar verlangt Jesus von seinen Jüngern Unmögliches, Übermenschliches. Es ist ja Gott selbst, der das Gottvertrauen in ihnen weckt und wachsen lässt. Und es reicht schon ein winzig kleiner Glaube, nicht größer als ein kleines Senfkorn, um Maulbeerbäume des Friedens in einem Meer von Unfrieden und Gewalt zu pflanzen.

Das war die Kurzfassung der Predigt von vor sechs Jahren. Aber die heutige Predigt fängt jetzt erst an. Ich möchte nämlich auf die Frage der Jünger „Stärke uns den Glauben“ noch einmal ausführlicher eingehen, indem ich ein Lied aus unserem Evangelischen Gesangbuch auslege. Es ist das Lied 166, der Text ist im Jahr 1734 von Benjamin Schmolck gedichtet worden, und wir hören zuerst den Text der ersten Strophe:

1. Tut mir auf die schöne Pforte, führt in Gottes Haus mich ein;
ach wie wird an diesem Orte meine Seele fröhlich sein!
Hier ist Gottes Angesicht, hier ist lauter Trost und Licht.

Die „schöne Pforte“ unserer Pauluskirche ist zur Zeit nicht zugänglich, weil die Eingangstreppe gesperrt ist. Aber in die Kirche hineingekommen sind wir trotzdem, weil wir den Umweg über die Rampe durch den Gemeindesaal benutzen konnten. Trotzdem – schöner ist es schon, wenn man mit Glockengeläut im Gottesdienst empfangen wird und durch den Haupteingang hineingehen kann. Besonders bei kirchlichen Hochzeitsfeiern gehört ein feierlicher Einzug in die Kirche einfach dazu – kein Wunder, dass zwei Hochzeitspaare ihre Trauung, die eigentlich in der Pauluskirche geplant war, in den letzten beiden Wochen in eine andere Kirche verlegt haben. Unser Lied spricht von einer Vorfreude auf die Kirche: Hier kann die Seele entspannen und Freude finden, weil Gott hier ist. Obwohl man Gott nicht sehen kann, zeigt er in der Kirche doch sein Gesicht – wir erkennen ihn in den Worten der Bibel, in Worten des Friedens, im liebevollen Angesicht Jesu. Wir erkennen Gott, wo wir uns getröstet fühlen und ein Licht in der Dunkelheit unserer Angst oder Traurigkeit aufscheint. Ein Licht geht uns auch dort auf, wo wir Orientierung gewinnen mitten in Unsicherheit und Ratlosigkeit.

2. Ich bin, Herr, zu dir gekommen, komme du nun auch zu mir.
Wo du Wohnung hast genommen, da ist lauter Himmel hier.
Zieh in meinem Herzen ein, lass es deinen Tempel sein.

Hier in der Kirche haben wir einen Ort geschaffen, an dem verschiedene Bilder und Symbole besonders an Gott erinnern und deutlich machen: Er will uns nahe sein, er ist mitten unter uns. Es entsteht ein Stück Himmel auf Erden, wenn wir uns hier in seinem Namen versammeln, hier in der Kirche, in der wir uns Gott besonders nahe fühlen. Trotzdem wohnt Gott nicht nur hier in diesem Kirchengebäude. Wenn Gottvertrauen in uns wächst, dann sind wir selber Tempel, Kirchen, Gotteshäuser, in denen Gott mit seiner Liebe wohnt.

3. Lass in Furcht mich vor dich treten, heilige du Leib und Geist,
dass mein Singen und mein Beten ein gefällig Opfer heißt.
Heilige du Mund und Ohr, zieh das Herze ganz empor.

Wenn wir in die Kirche gehen, dann sollen wir das mit Gottesfurcht tun. Gemeint ist nicht eine Angst vor Gott, sondern der nötige Respekt. Eine Kirche ist ein besonderer Ort, ein heiliger Ort. Darum passt es auch nicht so gut, wenn ein Konfirmand mit seinem Handy spielt – ich weiß, ihr tut das nicht! -, oder wenn man sich während der Gebete oder der Predigt miteinander unterhält, so dass die anderen sich nicht konzentrieren können. „Wir sollen Gott fürchten und lieben“, so hatte Martin Luther vor fünf Jahrhunderten den Sinn der Zehn Gebote zusammengefasst; wir sollen wissen, dass der Gott, der uns liebt, auch von uns etwas erwarten darf, nämlich dass wir uns von ihm anrühren, ansprechen, bewegen und verändern lassen. Er liebt uns, und er will, dass wir in unserem Leben Liebe üben!

Das ist in unserem Lied mit dem Satz gemeint: „Heilige du Leib und Geist!“ Unser ganzes Leben, Körper und Seele, Gefühl und Verstand, sollen Gott gehören, sollen dem Frieden dienen, sollen Gutes bewirken und nicht zu bösen Worten und Taten missbraucht werden.

Eigentümlich klingt es, wenn „unser Singen und Beten“ als ein „gefälliges Opfer“ für Gott bezeichnet werden. Ist es denn ein Opfer, wenn man singt und betet? Schön ist es doch, wenn es Spaß macht, Lieder zu singen, und wenn ein Gebet von Herzen kommt, dann empfinden wir es doch nicht als ein Opfer, das wir Gott vielleicht schweren Herzens darbringen. Das Lied erinnert daran, dass manche Menschen denken: zu Gott kann man nur kommen, wenn man das auch verdient, wenn man ihm erst einmal Opfer darbringt, um ihm zu gefallen. Aber das will Gott gar nicht. Er freut sich über Lieder, die wir gerne singen, ihm gefallen Gebete, die ehrlich sind, sogar wenn wir Gott hin und wieder auch sagen: „Ich verstehe dich nicht, warum lässt du zu, dass Menschen so viel leiden müssen?“

Noch einmal bitten wir mit dem Lied darum, dass Gott unseren Mund und unser Ohr heiligt. Was wir mit unserem Mund sagen und singen, soll dazu passen, dass Gott uns liebt. Er hält es aus, dass wir ihm auch unseren Zorn und unsere Verzweiflung mitteilen; aber es wäre für uns selber nicht gut, wenn wir ihn verspotten oder so tun, als hätte er uns nichts zu sagen. Unser Ohr wird nämlich dann geheiligt, wenn es offen ist, um zu hören, was Gott uns sagen will. Dann kann Gott auch unser Herz nach oben ziehen; er kann uns Mut machen, wenn wir verzagt und niedergeschlagen sind, er kann uns vergeben und Kraft zum Guten schenken, wenn wir Menschen wehgetan und böse Dinge getan haben.

4. Mache mich zum guten Lande, wenn dein Samkorn auf mich fällt.
Gib mir Licht in dem Verstande und, was mir wird vorgestellt,
präge du im Herzen ein, lass es mir zur Frucht gedeihn.

Diese Strophe erinnert an ein Gleichnis Jesu, in dem er das Wort Gottes mit dem Samen vergleicht, den ein Bauer auf das Ackerfeld ausstreut. Es ist gut, wenn das Wort Gottes in unserem Leben Früchte trägt. Wie das geht, beschreibt unser Lied sehr genau. Es fängt damit an, dass Worte, die uns gesagt werden und die unser Ohr aufnimmt, erst einmal in unserem Verstand ein Licht aufgehen lassen. Viele Worte hören wir zwar, aber sie gehen in einem Ohr hinein und im anderen wieder heraus, wenn wir nicht wirklich zuhören. Dann verstehen wir nichts, und es bleibt in unserem Verstand dunkel wie zuvor. Hören wir aber zu, dann haben wir die Chance zu verstehen und eine Vorstellung von dem zu entwickeln, was Gott für uns tut und was er von uns erwartet. Wenn diese Vorstellung sich in unserem Herzen einprägt, können wir eine Lebenshaltung entwickeln, die Gottes Willen entspricht, und die Worte Gottes lassen Früchte gedeihen. Jede Tat der Liebe ist so eine Frucht. Überall, wo wir anderen Menschen helfen, wo wir Toleranz üben und Vorurteile überwinden, wächst unter uns ein Stückchen mehr Gottes Reich.

5. Stärk in mir den schwachen Glauben, lass dein teures Kleinod mir
nimmer aus dem Herzen rauben, halte mir dein Wort stets für,
dass es mir zum Leitstern dient und zum Trost im Herzen grünt.

Erst hier in der fünften Strophe kommt die Bitte, um die sich meine ganze Predigt dreht: „Stärk in mir den schwachen Glauben!“ Die Jünger Jesu hatten damals die Bitte ausgesprochen: „Stärke uns den Glauben!“ Im Lied machen wir uns die Bitte der Jünger als einzelne Menschen, jeder und jede für sich, zu eigen: In mir soll der schwache Glaube seine Kraft entfalten.

Als „teures Kleinod“ wird dieser Glaube bezeichnet, damit ist eine Kostbarkeit gemeint, die man nicht mit Geld aufwiegen kann. Wer im Gottvertrauen lebt, sich einlassen kann auf verlässliche andere Menschen und auch Selbstvertrauen gewinnt, der hat festen Halt und klare Orientierung. Mit dem Lied bitten wir darum, dass uns niemand in diesem Grundvertrauen erschüttert und uns die Gewissheit raubt, von Herzen an Gott glauben zu können.

Wie wird unser schwacher Glaube stark? Indem Gott selbst uns sein Wort vorhält, das Wort, das bereits in der vorigen Strophe im Bild des Samenkorns vorkam. Gott spricht uns an, sein Wort ist Anspruch und Zuspruch zugleich; es ist ein Leitstern, an dem wir uns orientieren sollen und können, und zugleich lässt dieses Wort in unseren Herzen Trost heranwachsen wie einen grünen Baum: Ermutigung, Getrostheit, innere Kraft.

6. Rede, Herr, so will ich hören, und dein Wille werd erfüllt;
nichts lass meine Andacht stören, wenn der Brunn des Lebens quillt;
speise mich mit Himmelsbrot, tröste mich in aller Not.

Die letzte Strophe betont noch einmal, dass es beim Glauben zunächst auf das Hören, das aufmerksame Zuhören ankommt. Gott sagt uns seine Liebe zu, er will, dass wir diese Liebe in unserem Leben weitergeben. So erfüllen wir seinen Willen.

Das Wort „Andacht“ verwenden wir in der Kirche fast nur noch für kurze Redebeiträge des Pfarrers, die zum Beispiel zum Beginn einer Kirchenvorstandssitzung vorgetragen werden, eigentlich beschreibt dieses Wort eine innere Haltung, nämlich bewusst an Gott zu denken und uns darauf zu konzentrieren, was er für uns übrig hat und mit uns vorhat. Eine solche Haltung der Andacht bringen wir natürlich nur dann auf, wenn wir tatsächlich damit rechnen, dass Gottes Wort wie ein Brunnen des Lebens für uns ist, eine Quelle guter Gedanken und Anregungen, die tatsächlich hilfreich sind, um unser Leben zu meistern und mit Sinn zu erfüllen. Um Gott andächtig zuhören zu können, brauchen wir Zeit, in der wir uns nicht stören lassen und auch andere in ihrer Andacht nicht stören.

Zuletzt bitten wir mit dem Lied um Himmelsbrot und um Trost in aller Not. Himmelsbrot bekam das Volk Israel, als es durch die Wüste wanderte, in Form von Manna, das am Morgen wie geronnener Tau auf dem Boden lag, süß schmeckte und ihr Überleben sicherte. Himmelsbrot nennt Jesus alles, was unser Leben von Gott her erfüllt: Liebe, Ermutigung, Kraft zum Durchhalten, ja, das Vertrauen zu Gott selbst.

Im Abendmahl werden wir gleich auch Brot zu uns nehmen, das für uns Himmelsbrot werden kann, wenn wir es als Zeichen der Gemeinschaft mit Gott und mit den anderen in der Gemeinde Jesu Christi in uns aufnehmen. Denn letzten Endes kann unser Glaube nur dann stark werden und bleiben, wenn wir uns als Teil der Gemeinde begreifen und uns gegenseitig beistehen und unseren Glauben stärken.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Zur Vorbereitung auf das Abendmahl singen wir gleich noch ein Lied. Es hat nur eine Strophe, das Lied 220:

Herr, du wollest uns bereiten zu deines Mahles Seligkeiten; sei mitten unter uns, o Gott! Lass uns, Leben zu empfahen, mit glaubensvollem Herzen nahen und sprich uns los von Sünd und Tod. Wir sind, o Jesu, dein; dein lass uns ewig sein! Amen, Amen. Anbetung dir! Einst feiern wir das große Abendmahl mit dir.

Im Abendmahl sind wir eingeladen, das Himmelsbrot der Liebe Gottes zu empfangen, um den Glauben in uns zu stärken.

Gott, sei du unser Seelsorger, schaue in unser Herz, spüre böse Gedanken auf, was verhärtet und verbittert ist, und bringe uns auf den Weg des Friedens. In der Stille bringen wir vor dich, was unsere Seele belastet:

Beichtstille

Wollt Ihr Gottes Treue und Vergebung annehmen, so sagt laut oder leise oder auch still im Herzen: Ja!

Auf euer aufrichtiges Bekenntnis spreche ich euch die Vergebung eurer Sünden zu – im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Der Herr sei mit euch. „Und mit deinem Geiste.“

Erhebet eure Herzen! „Wir erheben sie zum Herren.“

Lasset uns Dank sagen dem Herrn, unserem Gott. „Das ist würdig und recht.“

Würdig und recht ist es, Gott ernst zu nehmen als den der groß ist in seiner Güte und Freundlichkeit zu uns Menschen. Würdig und recht ist es, uns selber anzunehmen als Menschen mit aufrechtem Gang, von Gott geliebt und verantwortlich für unser Leben. Zu dir rufen wir und preisen dich, Heiliger Gott:

Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll. Hosianna in der Höhe. Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe.

Wir beten mit den Worten, die uns Jesus zu beten gelehrt hat:

Vater unser und Einsetzungsworte

Gott schenkt sich uns in seinem Wort und ganz besonders mit dem Leben seines Sohnes. Jesus stirbt aus Liebe für uns am Kreuz. Nehmt und gebt weiter, was euch gegeben ist – den lebendigen Leib der Liebe Christi.

Herumreichen des Korbs

Wir trinken aus dem Kelch der unerschöpflichen Liebe Gottes, damit unser Vertrauen zu Gott gestärkt wird. Nehmt hin den Kelch der Vergebung und der Versöhnung, den Kelch des neuen Lebens.

Austeilen der Kelche

Christus Jesus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium. Geht hin im Frieden. Amen.

Lasst uns beten.

Ewiger Gott, ewig barmherziger Gott! Dir vertrauen wir uns an! In deinen Armen sind und bleiben wir geborgen. An deiner Hand haben wir Orientierung und gute Wegweisung. Zeige uns den nächsten Schritt, den wir gehen können! Gib uns Kraft, Geduld zu üben und auszuhalten, was wir tragen müssen! Schenke uns Mut und Hoffnung, auch wenn wir die Zukunft nicht kennen. Stärke in uns unseren schwachen Glauben. Amen.

Mit dem Lied 344 beten wir noch einmal den Inhalt des Gebetes Jesu, das wir bereits vor dem Abendmahl gemeinsam gesprochen haben:

1. Vater unser im Himmelreich, der du uns alle heißest gleich Brüder sein und dich rufen an und willst das Beten von uns han: gib, dass nicht bet allein der Mund, hilf, dass es geh von Herzensgrund.

2. Geheiligt werd der Name dein, dein Wort bei uns hilf halten rein, dass auch wir leben heiliglich, nach deinem Namen würdiglich. Behüt uns, Herr, vor falscher Lehr, das arm verführet Volk bekehr.

3. Es komm dein Reich zu dieser Zeit und dort hernach in Ewigkeit. Der Heilig Geist uns wohne bei mit seinen Gaben mancherlei; des Satans Zorn und groß Gewalt zerbrich, vor ihm dein Kirch erhalt.

4. Dein Will gescheh, Herr Gott, zugleich auf Erden wie im Himmelreich. Gib uns Geduld in Leidenszeit, gehorsam sein in Lieb und Leid; wehr und steu’r allem Fleisch und Blut, das wider deinen Willen tut.

5. Gib uns heut unser täglich Brot und was man b’darf zur Leibesnot; behüt uns, Herr, vor Unfried, Streit, vor Seuchen und vor teurer Zeit, dass wir in gutem Frieden stehn, der Sorg und Geizens müßig gehn.

6. All unsre Schuld vergib uns, Herr, dass sie uns nicht betrübe mehr, wie wir auch unsern Schuldigern ihr Schuld und Fehl vergeben gern. Zu dienen mach uns all bereit in rechter Lieb und Einigkeit.

7. Führ uns, Herr, in Versuchung nicht, wenn uns der böse Geist anficht; zur linken und zur rechten Hand hilf uns tun starken Widerstand im Glauben fest und wohlgerüst‘ und durch des Heilgen Geistes Trost.

8. Von allem Übel uns erlös; es sind die Zeit und Tage bös. Erlös uns vom ewigen Tod und tröst uns in der letzten Not. Bescher uns auch ein seligs End, nimm unsre Seel in deine Händ.

9. Amen, das ist: es werde wahr. Stärk unsern Glauben immerdar, auf daß wir ja nicht zweifeln dran, was wir hiermit gebeten han auf dein Wort, in dem Namen dein. So sprechen wir das Amen fein.

Abkündigungen

Und nun geht mit Gottes Segen – wer möchte, ist im Anschluss noch herzlich zum Beisammensein mit Kaffee oder Tee im Gemeindesaal eingeladen.

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.