„Suchet der Stadt Bestes!“

Wir leben nicht im Exil wie die Juden damals in Babylon. Während ich das sage, merke ich, dass das nicht hundertprozentig stimmt. „Wir“ in dieser Paulusgemeinde, das sind auch Menschen, die woanders aufgewachsen sind, in Russland, Kasachstan, USA, Eritrea, China, Thailand, Spanien und – und – und… Ob sich alle, die zu diesem „Wir“ gehören, hier vollkommen zu Hause fühlen?

Die Fotos auf dieser Seite wurden vor dem Gottesdienst beim Kräppelkaffee und bei der Eröffnung der Ausstellung mit Bildern von Erich Dritsch „Wie das Leben so strömt“ aufgenommen

Die Fotos auf dieser Seite wurden vor dem Gottesdienst beim Kräppelkaffee und bei der Eröffnung der Ausstellung mit Bildern von Erich Dritsch „Wie das Leben so strömt“ aufgenommen

direkt-predigtGottesdienst am Sonntag, den 27. Januar 2008, um 16 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Tag, liebe Gemeinde!

Viele von Ihnen waren beim Kräppelkaffee und bei der Ausstellung im Gemeindesaal.

Kräppel vom KräppelkaffeeJetzt begrüße ich Sie und euch alle herzlich in der Pauluskirche! Wir feiern gemeinsam einen Gottesdienst zum Thema: „Suchet der Stadt Bestes!“ Er wurde vorbereitet vom „Team halb 6“, findet aber ausnahmsweise nicht erst um halb 6 in Paulus statt, weil nachher für Nachzügler noch Gelegenheit sein soll, zur Wahl zu gehen.

Wir singen das Lied 428:
Komm in unsre stolze Welt, Herr, mit deiner Liebe Werben
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“

„Wie das Leben so strömt“, so hieß das Motto der Ausstellung mit den Bilder von Erich Dritsch, die wir vorhin im Gemeindesaal nebenan eröffnet haben. Mitten im Strom unseres Lebens sind wir heute hier in dieser Kirche versammelt, um Gott anzubeten, um Gottes Wort zu hören, um uns neu hinaussenden zu lassen in den Strom des Lebens.

Kommt, lasst uns Gott anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Heute, am Tag der Landtagswahl, denken wir besonders nach über die Verantwortung für unser Land. „Suchet der Stadt Bestes!“ werden wir uns vom Propheten Jeremia zurufen lassen. Wählen wir Parteien und Politiker, die das Beste für unser Land suchen? Wie erkennen wir, wer nur das Beste für sich selbst und seine Interessengruppe erreichen will? Mit ungeklärten Fragen kommen wir zu dir, Gott, viel zu klagen gibt es in Wahlkampfzeiten. Nur schwer ist zu unterscheiden zwischen Lüge und Wahrheit, zwischen ehrlich gemeinten Zielvorstellungen und leeren Versprechungen, zwischen notwendiger Kritik, die auch einmal scharf ausfallen darf, und schädlicher Stimmungsmache, die dauerhaften Unfrieden im Land verursacht. Gott, gib uns Klarheit und den Mut zu Entscheidungen, für die wir die Verantwortung übernehmen. In all dem brauchen wir dein Wort, deine Vergebung, deine Gnade.

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Jesus rief einmal die zusammen, die von ihm lernen wollten und sprach zu ihnen (Markus 10, 42-44):

42 Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an.

43 Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein;

44 und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Gott, mach uns bewusst, welchen Einfluss wir haben, weil wir wählen dürfen in unserem Land. Lass uns Politiker wählen, die nicht herrschen, sondern dem allgemeinen Wohl dienen wollen. Lass uns darüber nachdenken, welche Verantwortung wir als Christinnen und Christen tragen, in Staat und Land, in Stadt und Stadtteil. Darum bitten wir dich, Gott, im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Lesung aus 1. Timotheus 2, 1-4:

1 So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen,

2 für die Könige und für alle Obrigkeit, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Frömmigkeit und Ehrbarkeit.

3 Dies ist gut und wohlgefällig vor Gott, unserm Heiland,

4 welcher will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja.“

Wir singen das Lied 634:
Die Erde ist des Herrn. Geliehen ist der Stern, auf dem wir leben
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, es gab mal eine Zeit, da hatten viele Kirchenbesucher Angst vor politischen Predigten. Und zwar vor solchen, die den Eindruck erweckten, man müsse als Christ ganz bestimmte Parteien wählen und ganz bestimmte Positionen vertreten. Eine solche Predigt bekommen Sie heute nicht zu hören. Aber politisch ist diese Predigt doch. Sie hat nämlich das Thema „Suchet der Stadt Bestes!“ und es geht in ihr um die Frage, welche Verantwortung wir als Christen für unsere Stadt und unser Land tragen.

Den Satz „Suchet der Stadt Bestes!“ hat der Prophet Jeremia in einem Brief an das Volk Israel geschrieben, als dieses Volk eine schwere Zeit durchmachte. Hören wir seine Worte im Buch Jeremia 29:

1 Dies sind die Worte des Briefes, den der Prophet Jeremia von Jerusalem sandte … an das ganze Volk, das Nebukadnezar von Jerusalem nach Babel weggeführt hatte:

4 So spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels, zu den Weggeführten, die ich von Jerusalem nach Babel habe wegführen lassen:

5 Baut Häuser und wohnt darin; pflanzt Gärten und esst ihre Früchte;

6 nehmt euch Frauen und zeugt Söhne und Töchter, nehmt für eure Söhne Frauen, und gebt eure Töchter Männern, dass sie Söhne und Töchter gebären; mehret euch dort, dass ihr nicht weniger werdet.

7 Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum HERRN; denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s auch euch wohl.

10 Denn so spricht der HERR: Wenn für Babel 70 Jahre voll sind, so will ich euch heimsuchen und will mein gnädiges Wort an euch erfüllen, dass ich euch wieder an diesen Ort bringe.

11 Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe das Ende, des ihr wartet.

„Suchet der Stadt Bestes“, das ist also zuerst einem Volk gesagt, das deportiert worden war. Israel hatte alles verloren, das eigene Land, die eigene Stadt, den eigenen Tempel. Alles lag in Schutt und Asche, dazu noch in unerreichbarer Ferne, man durfte nicht zurück, jedenfalls nicht, bevor 70 Jahre um waren. In diese Situation hinein schreibt Jeremia seinen Brief. Auch wenn ihr fremd in der Stadt Babylon seid, setzt euch für das Wohl dieser Stadt ein. Lasst den Kopf nicht hängen, baut Häuser, pflanzt Gärten, gründet Familien, denn ihr habt eine Zukunft.

Jeremia behielt Recht. 70 Jahre später verloren die Babylonier ihre Vormachtstellung an die Perser, und die Juden durften ins eigene Land zurückkehren.

Aber was hat diese alte Geschichte der Juden mit uns heute in Hessen zu tun? Wir leben doch im eigenen Land, wir leben nicht im Exil wie die Juden damals in Babylon.

Während ich das so sage, merke ich, dass das nicht hundertprozentig stimmt. Wer ist denn dieses „wir“, das hier in dieser Kirche zusammenkommt, das hier in diesem Land zusammenlebt? „Wir“ in dieser Kirche, in dieser Paulusgemeinde, das sind auch Menschen, die ganz woanders geboren und aufgewachsen sind, in Russland, in Kasachstan, vielleicht in den USA, in Eritrea, in China, Thailand oder in Spanien. Und ob sich alle, die zu diesem „Wir“ gehören, hier vollkommen zu Hause fühlen, weiß ich nicht.

Ein Bild der Ausstellung von Erich Dritsch „Wie das Leben so strömt“

Ein Bild der Ausstellung von Erich Dritsch „Wie das Leben so strömt“

Hören Sie das Beispiel eines Mannes, er hieß anders, aber nennen wir ihn Heinrich. Seine Familie stammte ursprünglich aus Hessen und wanderte vor über 200 Jahren nach Russland aus, denn hier gab es damals nach dem Siebenjährigen Krieg durch Verwüstungen und hohe Kriegssteuern kein Auskommen mehr. An der Wolga konnten sich die Vorfahren von Heinrich eine eigene Landwirtschaft aufbauen.

Vor hundert Jahren waren die Deutschen in Russland immer weniger geduldet, aber als Heinrich geboren wurde, gab es immer noch die Republik Wolgadeutschland, und er konnte die deutsche Schule besuchen. Dann wurde es ganz schlimm unter Stalin; Heinrichs Vater wurde verhaftet und kam ums Leben, die Deutschen durften nicht mehr deutsch sprechen. Und als Russland 1941 von Hitler angegriffen wurde, schloss Heinrich sich gern der deutschen Wehrmacht an. Nach 1945 blieb er in Westdeutschland.

Heinrich war heimgekehrt, aber das Deutschland, das er hier erlebte, war nicht sein Deutschland, das er von der Wolga her kannte. Er fühlte sich im eigenen Land als Fremdling. Er hatte sich an der Wolga im fremden Land als Deutscher gefühlt, wenn auch bedrängt von den Einheimischen dort.

Heinrichs Traum, als Deutscher in Deutschland so zu leben wie früher dort an der Wolga, zerplatzte wie eine Seifenblase. Ihm gelang es nicht, diese Bundesrepublik als sein Land anzunehmen und ihr Bestes zu suchen.

Dies ist ein extremes Beispiel von einem Mann, der seit über 60 Jahren als Deutscher in Deutschland lebt und sich dennoch hier fremd fühlt. So fremd, dass er am liebsten gar nichts zu tun hat mit diesem Staat.

Ein Bild der Ausstellung von Erich Dritsch „Wie das Leben so strömt“

Sonnenblumen: Ein Bild der Ausstellung von Erich Dritsch „Wie das Leben so strömt“

Umgekehrt fühlen sich viele zu Hause hier, deren Eltern aus fremden Ländern stammen. Im Kindergarten fragte ich einmal die Kinder, wer von ihnen aus Deutschland stammt. Da sagten einige: „Meine Eltern sind aus Polen oder aus der Türkei oder aus Russland. Aber ich bin aus Deutschland.“

Es ist also eine Sache der Einstellung, ob man Ja sagt zu dem Land, in dem man lebt, egal, ob man da geboren ist und gerne dort lebt, ob man freiwillig oder unter dem Druck der Umstände gegen den eigenen Willen dahin gekommen ist.

Die meisten Kirchenmitglieder im heutigen Deutschland fühlen sich hier zu Hause. Jedenfalls im Westen. Wie das im Osten ist, weiß ich nicht. Trotzdem höre ich oft von Menschen, die nicht zur Wahl gehen wollen, obwohl sie deutsche Bürger und über 18 Jahre alt sind. Sie denken, auf ihre Stimme komme es nicht an. „Die Politiker machen doch sowieso, was sie wollen!“

Aber Jeremia ruft auch uns dazu auf: „Suchet der Stadt Bestes!“ Tut, so viel an euch liegt. Jede Stimme zählt. Überlasst die Politik nicht denjenigen, die sowieso machen, was sie wollen; wir können nicht alles ändern, aber wir müssen auch nicht alles hinnehmen.

Unsere Kirche ist groß und hat viele Mitglieder, die unterschiedlich denken. Darum können wir uns nicht alle einigen und sagen: Wir wählen gemeinsam diese oder jene Partei. Aber hier in der Kirche können wir uns der Mitverantwortung bewusst werden, die wir als Christen auch für die Politik haben. Die Entscheidung in der Wahlkabine muss jeder für sich treffen.

Bevor die Predigt weitergeht singen wir das Lied 432:
Gott gab uns Atem, damit wir leben

Liebe Gemeinde, Jeremia ruft dazu auf, der Stadt Bestes zu suchen, auch wenn diese Stadt nicht unsere Heimat ist. Aber was ist das eigentlich, das Beste der Stadt? Jede Partei beansprucht, das Beste für unser Land zu wollen, alle wollen gewählt werden. Gibt es Maßstäbe in der Bibel, an denen wir messen können, was das Beste in der Politik ist?

Ein Bild der Ausstellung von Erich Dritsch „Wie das Leben so strömt“

Klatschmohn: Ein Bild der Ausstellung von Erich Dritsch „Wie das Leben so strömt“

Vielleicht hilft es, den zentralen Vers, den Luther mit „Suchet der Stadt Bestes!“ übersetzt, noch einmal wörtlich aus dem Hebräischen ins Deutsche zu übersetzen. Dann hören wir:

Gott spricht: „Fragt dem Frieden der Stadt nach, wohin ich euch verschleppen ließ, denn in ihrem Frieden wird euch Frieden sein.“

Drei Mal das Wort Schalom, Frieden. Das Beste der Stadt Babylon ist Frieden, Schalom, und damit ist für das Volk Israel nicht nur ein Leben ohne Krieg gemeint, sondern zum Schalom gehört Gerechtigkeit: dass jeder sein Auskommen hat, in Sicherheit wohnt und sein gutes Recht bekommt. Vielleicht könnte man Schalom auch mit „Menschenwürde“ übersetzen, die ja in unserem Grundgesetz als oberster Wert drinsteht. Natürlich weiß Jeremia, dass das Leben in Babylon nicht das Paradies ist, aber er erwartet von seinen Landsleuten, dass sie das Leben sich und anderen nicht noch mehr zur Hölle machen. „Darum sucht Frieden, fragt nach dem Schalom, setzt euch ein für Gerechtigkeit, für so viel Freiheit wie möglich auch im fremden Land.

Interessant ist: Israel soll dort im fremden Land das einüben, was es im eigenen Land nicht geschafft hatte. Im Volk Israel hatte ja der Wille Gottes gelten sollen, die Zehn Gebote, das Recht der Schwächeren. Und als auch dort Ausbeutung und Unrecht um sich griffen, musste das Gottesvolk die Konsequenzen tragen: Es verlor sein Land und seine Freiheit. Gott sagt den harten Satz: „Ich ließ sie wegführen.“ König Nebukadnezar von Babylon war nur Gottes Werkzeug. Und nun bekommt dieses Volk vom Propheten Jeremia zu hören: Gerade in dem Land, in dem ihr nicht freiwillig seid, wo ihr Heimweh habt nach den Orten eurer Kindheit, da sollt ihr den Einheimischen nichts Böses wünschen, sondern zu Gott für sie beten und „der Stadt Bestes suchen“. Gott mutet denen eine Menge zu, die auf ihn vertrauen wollen.

Ähnlich ging es Menschen in der ehemaligen DDR, die zur Kirche gehörten.

Sie waren gewissermaßen ‚in einem fremden Land‘, im Land des Atheismus, und sie sahen genauso wenig wie die nach Babylon Verschleppten einen Ausweg in naher Zukunft. Und auch sie mussten sich arrangieren, auch sie mussten im Sinn Jeremias ‚des Staates Bestes‘ suchen, denn in seinem Wohl lag ja auch ihr Wohl. (Diethelm Michel)

Ein Bild der Ausstellung von Erich Dritsch „Wie das Leben so strömt“

Ein Bild der Ausstellung von Erich Dritsch „Wie das Leben so strömt“

Interessant ist nun, dass es in der Bibel eine Reihe von Stellen gibt, die uns Christen nahelegen: Eigentlich sind wir überall auf der Erde nur Gäste, und zu Hause sind wir als Christen woanders.

Das Evangelium nach Johannes 18 überliefert ein Gespräch Jesu mit dem Vertreter der römischen Staatsgewalt im besetzten Israel:

33 Pilatus … rief Jesus und fragte ihn: Bist du der König der Juden?

36 Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt.

Und im Brief an die Hebräer 13, heißt es:

14 Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

So gesehen sind wir, wenn wir uns als Christen verstehen, in keinem Land dieser Welt hundertprozentig beheimatet. Kein Reich dieser Welt ist so, dass wir sagen könnten: Hier richtet sich jeder nach den Zehn Geboten, hier hören alle auf das Wort Gottes. Hier tritt niemand die Menschenwürde irgendeines Mannes, einer Frau oder eines Kindes mit Füßen. Aber genau wie Jeremia lässt uns Jesus keine Chance, um mit gutem Gewissen die Hände in den Schoß zu legen und gar nichts zu tun. Hören wir, was Jesus sagt, als er nach seinem Reich gefragt wird (Lukas 17):

20 Als Jesus von den Pharisäern gefragt wurde: Wann kommt das Reich Gottes?, antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man’s beobachten kann;

21 man wird auch nicht sagen: Siehe, hier ist es! oder: Da ist es! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.

Was Jesus da sagt, können wir vielleicht so in unsere Situation übersetzen: Gewiss ist sein Reich nicht von dieser Welt. Trotzdem ist es auch nicht nur oben im Himmel, sondern es ist hier auf der Erde, mitten unter uns. Es ist da, wo wir der Stadt Bestes suchen, wo wir unser Gottvertrauen leben, wo wir Zivilcourage üben, wo wir uns für Gerechtigkeit und Frieden einsetzen, wo Gottes Liebe in uns zu spüren ist.

Sogar wenn wir uns in diesem Land nicht vollkommen heimisch fühlen, sind wir doch mitverantwortlich dafür, was aus den Menschen in diesem Land wird. Wir können dankbar sein für ein Grundgesetz, das die Würde des Menschen als obersten Wert festschreibt, und wir haben die Pflicht, darauf zu achten, dass niemand menschenunwürdig behandelt wird, egal ob er die deutsche Staatsbürgerschaft hat oder nicht.

Vielleicht denkt jemand: das reicht nicht, ein Wunder muss geschehen, damit Gerechtigkeit und Frieden sich durchsetzen in unserem Land, in unserer Welt. Stimmt. Das glaube ich auch.

Aber Jeremia und Jesus würden sagten: Genau dieses Wunder dürfen wir von Gott erwarten. Wir dürfen es tätig erwarten, denn Gott braucht uns als Mitarbeiter, um die kleinen Wunder in unserem Land, in unserer Stadt, in unserer Familie zu tun. Aus vielen kleinen Wundern, die in unserem Alltag geschehen, setzt sich ein großes Wunder zusammen: Der Stadt Bestes. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Wir singen gemeinsam das Lied 425:

Gib uns Frieden jeden Tag! Lass uns nicht allein

Wir beten zu Gott mit dem Gebet von Paul Roth:

„Ein paar Ja oder Nein“

Wir in unserer stolzen Welt, wir in unserm reichen Land, wir in unserer lauten Stadt, wir in diesem festen Haus, wir mit den dunklen Ecken unserer Herzen, wir bitten dich, Gott, Jesus, Heiliger Geist: Komm und baue uns auf mit deiner Demut, erfülle uns mit deiner Armut, lass uns auf deine Stille hören. Zerbrich scheinbare Sicherheit und führe uns auf den Weg der Gewissheit im Vertrauen auf dich. Amen.

Was wir noch auf dem Herzen haben, bringen wir in der Stille vor Gott:

Gebetsstille und Vater unser

Wir singen das Lied 630:

Wo ein Mensch Vertrauen gibt, nicht nur an sich selber denkt
Abkündigungen

Wer noch nicht gewählt hat, hat jetzt bis 18 Uhr Zeit, das nachzuholen. Für die anderen besteht nebenan die Gelegenheit, in Ruhe die Ausstellung anzusehen. Und ich glaube, ein Glas Sekt gibt es jetzt auch noch für alle, die es möchten.

Geht mit Gottes Segen:

Der Segen des Gottes von Mose und Mirjam, der Segen des Sohnes, von Maria geboren, der Segen des Geistes, der in die Freiheit führt, sei mit euch allen. „Amen, Amen, Amen.“

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