Ruhe für unsere Seele – Ruhe für die Toten

Macht keinen harten Stock aus eurem Herzen, mit dem ihr euch selbst hart macht und andere prügelt, sondern traut der Güte Gottes etwas zu. Lasst euer Herz fühlen, es ist keine Schande, ein Weich-Ei zu sein. Ruhe finden, das geht oft erst dann, wenn die Tränen geweint, der Schmerz gespürt und das Herz ausgeschüttet werden konnten.

Eine Ruhebank an einem Baum an einem Bach

Eine Bank zum Ausruhen (Foto: pixabay.com)

direkt-predigtGottesdienst am Ewigkeitssonntag, den 24. November 2002, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Im Gottesdienst am Ewigkeitssonntag begrüße ich Sie herzlich in der Pauluskirche mit dem Bibelwort aus Hebräer 4, 9:

„Es ist … noch eine Ruhe vorhanden für das Volk Gottes.“

Von der Ruhe in Gott wird Pfarrer Schütz heute predigen, um die Ruhe, die wir im Vertrauen auf Gott finden, geht es auch in den Liedern und Gebeten dieses Gottesdienstes.

Wir singen das Lied 352:

1) Alles ist an Gottes Segen und an seiner Gnad gelegen über alles Geld und Gut. Wer auf Gott sein Hoffnung setzet, der behält ganz unverletzet einen freien Heldenmut.

2) Der mich bisher hat ernähret und mir manches Glück bescheret, ist und bleibet ewig mein. Der mich wunderbar geführet und noch leitet und regieret, wird forthin mein Helfer sein.

3) Sollt ich mich bemühn um Sachen, die nur Sorg und Unruh machen und ganz unbeständig sind? Nein, ich will nach Gütern ringen, die mir wahre Ruhe bringen, die man in der Welt nicht find’t.

4) Hoffnung kann das Herz erquicken; was ich wünsche, wird sich schicken, wenn es meinem Gott gefällt. Meine Seele, Leib und Leben hab ich seiner Gnad ergeben und ihm alles heimgestellt.

5) Er weiß schon nach seinem Willen mein Verlangen zu erfüllen, es hat alles seine Zeit. Ich hab ihm nichts vorzuschreiben; wie Gott will, so muss es bleiben, wann Gott will, bin ich bereit.

6) Soll ich hier noch länger leben, will ich ihm nicht widerstreben, ich verlasse mich auf ihn. Ist doch nichts, das lang bestehet, alles Irdische vergehet und fährt wie ein Strom dahin.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

„Ich will nach Gütern ringen, die mir wahre Ruhe bringen, die man in der Welt nicht find’t.“ So haben wir gesungen. Wahre Ruhe, wo finde ich sie? Nicht in dieser Welt – erst in der nächsten? Oder auch dort nicht?

Als Kind ging ich immer zu einem Friseur, der hatte ein Schild an der Wand, an das ich mich bis heute erinnere: „Gott schuf die Zeit. Von Eile hat er nichts gesagt.“ Suchen wir Ruhe bei Gott! Bei dem, der die Zeit geschaffen hat, der uns unsere Zeit geschenkt hat.

Kommt, lasst uns ihn anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Die wahre Ruhe – in der Welt finden wir sie nicht. Eine Saison jagt die nächste, Halloween und Weihnachtsgeschäft, Silvesterfeuerwerk und Karneval, es muss Umsatz gemacht werden. Die Familie fordert Aufmerksamkeit, aber noch mehr der Beruf, wer nicht vollen Einsatz bringt, gefährdet seinen Arbeitsplatz. Wann haben wir Zeit zum Leben? Zeit für Freunde, für Partnerschaft, für uns selbst? Bleibt noch Zeit übrig für ruhiges Nachdenken und stilles Gebet?

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Lasst uns zu Gott um wahre Ruhe beten mit Worten aus dem Psalm 55:

2 Gott, höre mein Gebet und verbirg dich nicht vor meinem Flehen.

3 Merke auf mich und erhöre mich, wie ich so ruhelos klage und heule.

5 Mein Herz ängstet sich in meinem Leibe, und Todesfurcht ist auf mich gefallen.

6 Furcht und Zittern ist über mich gekommen, und Grauen hat mich überfallen.

7 Ich sprach: O hätte ich Flügel wie Tauben, dass ich wegflöge und Ruhe fände!

8 Siehe, so wollte ich in die Ferne fliehen und in der Wüste bleiben.

9 Ich wollte eilen, dass ich entrinne vor dem Sturmwind und Wetter.

17 Ich aber will zu Gott rufen, und der HERR wird mir helfen.

18 Abends und morgens und mittags will ich klagen und heulen; so wird er meine Stimme hören.

19 Er erlöst mich von denen, die an mich wollen, und schafft mir Ruhe.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Ewiger Gott, lass uns in dir wahre Ruhe finden! Hier auf dieser Erde, hier in diesem Leben – im Vertrauen auf dich. Dort in deiner neuen Welt – wenn wir dich in Ewigkeit schauen. In unserer Trauer um geliebte Angehörige – indem wir sie deiner Liebe anvertrauen. Lass uns Ruhe finden in dir! Darum bitten wir dich im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören Worte Jesu aus dem Evangelium nach Matthäus 11, 28-30:

28 Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.

30 Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis

Lasst uns nun aus dem bekannten Abendlied 477, „Nun ruhen alle Wälder“, die Strophen 3 bis 6 singen – dort wird die Ruhe der Nacht auch als Bild für die ewige Ruhe besungen:

3) Der Tag ist nun vergangen, die güldnen Sternlein prangen am blauen Himmelssaal; also werd ich auch stehen, wenn mich wird heißen gehen mein Gott aus diesem Jammertal.

4) Der Leib eilt nun zur Ruhe, legt ab das Kleid und Schuhe, das Bild der Sterblichkeit; die zieh ich aus, dagegen wird Christus mir anlegen den Rock der Ehr und Herrlichkeit.

5) Das Haupt, die Füß und Hände sind froh, dass nun zum Ende die Arbeit kommen sei. Herz, freu dich, du sollst werden vom Elend dieser Erden und von der Sünden Arbeit frei.

6) Nun geht, ihr matten Glieder, geht hin und legt euch nieder, der Betten ihr begehrt. Es kommen Stund und Zeiten, da man euch wird bereiten zur Ruh ein Bettlein in der Erd.

Liebe Gemeinde!

„Ruhe sanft!“, sagt der Friedhofsgärtner, wenn er die Urne in das Grab gesenkt hat. „Hier ruht in Gott“ – so heißt es von vielen Verstorbenen auf den Grabsteinen. Aber bis unsere Seele wieder zur Ruhe findet, das braucht seine Zeit, denn es berührt uns tief, wenn jemand stirbt, mit dem wir in Liebe verbunden waren.

Es geht in diesem Gottesdienst also um beides: um die Ruhe der Toten und um die Ruhe für unsere Seele.

Für alle Verstorbenen der Paulusgemeinde im vergangenen Kirchenjahr zünden wir heute eine Kerze an. Ein Licht zum Zeichen, dass wir mit den Toten in Liebe verbunden bleiben. Ein Licht auch zum Zeichen, dass die Toten bewahrt bleiben in Gottes ewiger Liebe.

So schließen wir in unsere Fürbitte ein und zünden eine Kerze an – für:

38 Verstorbene des vergangenen Kirchenjahres

Vielleicht gibt es noch andere Menschen, um die Sie trauern, die nicht hier oder nicht in diesem Jahr bestattet worden sind. Sie können, wenn Sie möchten, jetzt nach vorn kommen und auch für sie eine Kerze anzünden.

Nun lasst uns das Lied 533 singen:
Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde, kürzlich stand ich an der Bushaltestelle im starken Regen, und einer Frau, die schon ganz nass geregnet war, bot ich an, meinen Schirm über sie zu halten. „Sind Sie nicht ein Pfarrer?“, fragte sie mich. Sie sei ja nicht Mitglied unserer Gemeinde, aber sie wollte doch wissen, ob ich ein gläubiger Pfarrer sei. Es gebe ja auch andere. Als ich Ja sagte, meinte sie, es sei doch einfacher zu leben, wenn man glauben könne, dass es nach dem Tode noch etwas gibt.

Ich weiß nicht, ob das Leben immer einfacher ist, wenn es einem geschenkt ist, glauben zu können. Aber die Frau hat sicher insofern recht: Wer glauben kann, kann getrost leben, auch wenn das Leben nicht immer einfach ist, Zuversicht gewinnen, auch wenn immer wieder Zweifel kommen, Ruhe finden für die Seele, weil das Herz ohne Gott immer wieder unruhig in uns schlägt.

Von der Ruhe, die wir bei Gott finden, handelt unser heutiger Predigttext im Brief an die Hebräer 4, 9-11:

9 Es ist also noch eine Ruhe vorhanden für das Volk Gottes.

10 Denn wer zu Gottes Ruhe gekommen ist, der ruht auch von seinen Werken so wie Gott von den seinen.

11 So lasst uns nun bemüht sein, zu dieser Ruhe zu kommen, damit nicht jemand zu Fall komme durch den gleichen Ungehorsam.

In diesen wenigen Versen tun sich eine Menge Fragen auf. Erste Frage: Wie sicher ist es, dass wir Ruhe bei Gott finden, wenn es da heißt, es ist „noch“ eine Ruhe vorhanden ist für das Wort Gottes? Kann es sein, dass es diese Ruhe nicht für alle gibt oder nur unter bestimmten Bedingungen? Bemühen sollen wir uns, zu dieser Ruhe zu kommen. Vor Ungehorsam sollen wir uns hüten, damit wir nicht zu Fall kommen. Könnten wir uns sonst die Ruhe bei Gott verscherzen?

Wir verstehen diese Worte nur richtig im Zusammenhang, aus dem sie herausgerissen wurden. Der Hebräerbrief erinnert nämlich an ein Wort Gottes, das er in der Wüste zu den Israeliten gesagt hatte. Sie waren aus der Sklaverei in Ägypten herausgeführt worden. Sie waren auf dem Weg ins versprochene Land der Freiheit. Aber immer wieder zweifelten sie an Gottes Güte und regten sich auf über das Leben in der Wüste. Immer wieder jammerten und meckerten sie, zum Beispiel so (2. Buch Mose – Exodus 16, 3):

Wollte Gott, wir wären in Ägypten gestorben durch des HERRN Hand, als wir bei den Fleischtöpfen saßen und hatten Brot die Fülle zu essen.

Das Ende vom Lied ist: Das Volk irrt 40 Jahre lang in der Wüste umher, erst dann kann eine neue jüngere Generation das versprochene Land bewohnen. Die Zweifler, die Murrenden, die zu wenig Vertrauen hatten, bleiben sozusagen draußen vor der Tür, selbst der alte Mose darf das Gelobte Land nur von weitem sehen.

Über diese Israliten, die starben, ohne das Gelobte Land zu sehen, sagt die Überlieferung der Bibel im Rückblick (Hebräer 3), dass Gott über sie zornig geworden sei:

10 Darum wurde ich zornig über dieses Geschlecht und sprach: Immer irren sie im Herzen! Aber sie verstanden meine Wege nicht,

11 so dass ich schwor in meinem Zorn: Sie sollen nicht zu meiner Ruhe kommen.

Aber sind das nicht überholte Vorstellungen von Gott? Ist der zornige Gott des Alten Testaments nicht längst durch den Gott der Liebe abgelöst, den Jesus gepredigt hat? Darf man sich Gott so naiv vorstellen, als ob er menschliche Gefühle hätte?

Ich glaube, es steckt sehr tiefe Wahrheit darin, wenn wir auch als Christen vom Zorn Gottes reden. Natürlich nicht so, als ob Gott ein Mensch wäre, der von unkontrollierbaren Affekten hin- und hergeschüttelt würde. Gottes Zorn ist vielmehr ein heiliger Zorn, die Kehrseite seiner Liebe. Er will nicht, dass Menschen in ihr Unglück rennen, dass Menschen diese so gut von ihm geschaffene Erde in ein Schlachtfeld und einen Schrottplatz verwandeln. Wir dürfen von Gott durchaus reden wie von einem Menschen, den wir lieben und der vor allem uns liebt. Hinter seinem Zorn steckt eine fühlende Seele, die in Liebe mit uns verbunden ist – er will uns in manchen Heimsuchungen buchstäblich heim-suchen, zurückführen, heimholen.

Wir können es auch anders ausdrücken. Es muss nicht eine von Gott bewusst gewollte Strafe für uns Menschen sein, wenn wir seinen Zorn zu spüren bekommen. Als die Israeliten in der Wüste mit Gott nur unzufrieden waren, hatten sie die Antenne für seine Güte und Liebe so sehr verloren, dass sie ihr Schicksal nur noch als übel und sinnlos erfahren konnten. Das war genau die Art und Weise, in der sie Gott nun erlebten: einen zornigen Gott, der ihnen die kalte Schulter zeigte, der sie nicht ins versprochene Land hineinließ. Sie hatten einfach nicht mehr die Zuversicht, dass Gott seine Versprechungen einlöst – und ihr Unglaube und Misstrauen gegen Gott richtete sich gegen sie selbst. Gottes Zorn ist das, was Menschen erleben, denen Gott fremd geworden ist oder die von Gottes Liebe nichts wissen wollen.

Der Hebräerbrief redet uns nun ins Gewissen. Lasst es euch eine Mahnung sein, was damals in der Wüste geschah! Auch ihr seid in eurem Leben oft in der Wüste. Ihr müsst Durststrecken überwinden, schwere Zeiten durchstehen, Trauer tragen, Konflikte bewältigen und über den eigenen Schatten springen. Aber lasst euch durch solche Wüstenzeiten, die manchmal für die Seele regelrecht wüste Zeiten sind, nicht verbittern. Wörtlich heißt es in Hebräer 3, 15:

15 »Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht, wie es bei der Verbitterung geschah«

– also macht keinen harten Stock aus eurem Herzen, mit dem ihr euch selbst hart macht und andere prügelt, sondern traut der Güte Gottes etwas zu. Lasst euer Herz fühlen, lasst es weich sein, es ist keine Schande, ein Weich-Ei zu sein. Ruhe finden, das geht oft erst dann, wenn man dem Herzen erlaubt hat, sehr viel Unruhe und Bewegung zu fühlen, wenn die Tränen geweint, der Schmerz gespürt und das Herz ausgeschüttet werden konnte.

Aber darf man das denn? Darf man sich in dieser harten Welt solche Gefühle erlauben?

Es mag eine harte Welt sein, aber es ist eine Welt, die von Gott selbst besucht wurde, woran wir uns bald in der Weihnachtszeit wieder erinnern. Von diesem Gott, der in seinem Sohn Jesus Christus unsere Welt hineinkam, heißt es in Hebräer 4, 15: Er war nicht einer,

15 … der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde.

Gott wird schwach – und ist gerade auf diese Weise stark. Gott fühlt mit uns mit – und zeigt uns auf diese Weise einen Weg, wie wir mit unserer wunden Seele umgehen können. Gott weiß, wie schwer wir uns tun mit Gut und Böse und wie verloren wir uns deswegen oft fühlen – und eben darum vergibt er uns und will, dass wir neu anfangen.

Was die Bibel als Zorn Gottes beschreibt, empfinden wir modernen Menschen auch. Nur nennen wir es anders. Wir sagen: Gott gibt es gar nicht. Wir zweifeln an Gottes Gerechtigkeit: „Wenn es einen Gott gäbe, dann könnte er nicht so viel Böses zulassen.“ Was uns nicht bewusst ist: Wir laufen mit Scheuklappen durch die Gegend. Wir nehmen den Gott nicht wahr, der wirklich auf dieser Erde gelebt hat. Der bis zum Ende erlitten hat, was uns allen zu schaffen macht. Der sogar erlitten hat, womit wir ihm zu schaffen machen – unsere eigene Sünde, unser Versagen, unsere verborgenen Schattenseiten, die verhärteten Stellen in unserem Herzen, die gekränkten Eitelkeiten in unserer Seele. Es ist ungeheuer erleichternd, dies alles aufgeben zu können. Wir haben die Sünde nicht nötig, denn wir können einem Gott vertrauen, der uns so annimmt, wie wir sind. In schönen alten Worten spricht der Hebräerbrief von diesem Gottvertrauen (Hebräer 4, 16):

16 Darum lasst uns hinzutreten mit Zuversicht zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben.

So sieht die Ruhe aus, die wir bei Gott finden.

9 Es ist also noch eine Ruhe vorhanden für das Volk Gottes.

Sie ist vorhanden für alle, die sich beschenken lassen wollen, die ihre hektischen Versuche loslassen möchten, sich selbst den Sinn des Lebens zu schaffen. Mit dieser Ruhe ist keine Langeweile gemeint. Gerade wer in sich ruht, kann ausgesprochen aktiv sein, mit langem Atem und klarem Ziel vor Augen. Diese Ruhe ist deswegen so stark und tragfähig, weil sie vom ewigen Gott ausgeht. Sie ist – bildlich gesprochen – nicht die Ruhe vor dem Sturm, sondern – wie der Hebräerbrief ausdrücklich sagt – die Ruhe nach getaner Arbeit:

10 Denn wer zu Gottes Ruhe gekommen ist, der ruht auch von seinen Werken so wie Gott von den seinen.

Von Gott heißt es, dass er nach dem Werk seiner Schöpfung von seiner Arbeit ausruht (1. Buch Mose – Genesis 2, 3):

3 Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte.

Wörtlich steht da im Hebräischen sogar das Wort „m‘lacha“, das unserem Wort „Maloche“ zugrunde liegt. Gott macht sich mit unserer Welt sozusagen die Hände schmutzig, aber er kennt auch den Feierabend. Das Gleiche wiederholt sich im Schicksal des Gottessohnes – wieder ist sich Gott nicht zu schade für diese Welt und das Elend, das wir Menschen über die Erde und uns selbst gebracht haben. Er greift ein – nicht mit Donnerschlag von oben, nicht mit Pauken und Trompeten und großen Schaueffekten, sondern indem er als einfaches Menschenkind geboren wird und seinen Weg der Liebe unbeirrbar geht. Er teilt mit den Menschen alles – die Freude und das Leid. Er nimmt uns Lasten ab, er trägt unsere Schuld, nur eins müssen wir tragen: unser eigenes Kreuz, das er uns sogar tragen hilft. Und wieder heißt es: Nach getaner Arbeit gibt es auch das Ausruhen. Nach dem Kreuz die Auferstehung. Nach dem Abstieg ins Totenreich der Aufstieg in die Herrlichkeit des Himmels. Es ist noch eine Ruhe vorhanden für das Volk Gottes. Mit Christus werden wir leben. Auch in einem anderen Sinne ruhen wir von unseren Werken, wie Gott von den seinen: Es sind nämlich nicht unsere Werke, die uns selig machen. Nicht was wir tun, rettet uns, sondern unser Vertrauen zu Gott. In Gott Ruhe finden, heißt also zu guter Letzt: Wir brauchen nicht zu fragen, ob wir gut genug sind für Gott, ob unsere Leistungen ausreichen, um ihm zu gefallen. Wir brauchen nur zu bitten: Gott, sei mir Sünder gnädig und nimm mich an als dein Kind! Auf diese Weise leben wir hier auf Erden getrost unser Leben, bis wir einmal selig sterben werden. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit Trost und Zuversicht und Frieden im Glauben. Amen.

Wir singen das Lied 525:

1) Mach’s mit mir, Gott, nach deiner Güt, hilf mir in meinem Leiden; ruf ich dich an, versag mir’s nicht: wenn sich mein Seel will scheiden, so nimm sie, Herr, in deine Händ; ist alles gut, wenn gut das End.

2) Gern will ich folgen, liebster Herr, du lässt mich nicht verderben. Ach du bist doch von mir nicht fern, wenn ich gleich hier muss sterben, verlassen meine liebsten Freund, die’s mit mir herzlich gut gemeint.

3) Ruht doch der Leib sanft in der Erd, die Seel zu dir sich schwinget; in deiner Hand sie unversehrt durch Tod ins Leben dringet. Hier ist doch nur ein Tränental, Angst, Not, Müh, Arbeit überall.

4) Tod, Teufel, Höll, die Welt und Sünd mir können nicht mehr schaden; an dir, o Herr, ich Rettung find, ich tröst mich deiner Gnaden. Dein ein’ger Sohn aus Lieb und Huld für mich bezahlt hat alle Schuld.

5) Was wollt ich denn lang traurig sein, weil ich so wohl bestehe, bekleid’t mit Christi Unschuld rein wie eine Braut hergehe? Gehab dich wohl, du schnöde Welt, bei Gott zu leben mir gefällt.

Barmherziger Gott, wir vertrauen dir all die geliebten Verstorbenen an, deren Lebenslicht hier auf Erden verloschen ist. Zünde es neu an in deinem Himmel und lass sie in deiner Liebe auf ewig ruhen.

Gib ein Stück deiner Ruhe auch in unser Herz, dass wir Hektik loslassen, falsche Wege verlassen und gute Ziele klar ins Auge fassen können. Lass uns erkennen, worauf es wirklich ankommt, wenn das Schicksal zuschlägt: nicht die Zähne zusammenbeißen, sondern sich einem Menschen anvertrauen, der vertrauenswürdig ist, nicht hart werden, sondern das Fühlen zulassen, nicht verbittert werden, sondern ein liebendes Herz bewahren.

Mit dem Kirchenvater Augustinus beten wir:

Groß bist Du, Herr, und sehr zu loben; groß ist Deine Kraft, und Deine Weisheit ist unermesslich. Und loben will Dich der Mensch, ein kleiner Teil Deiner Schöpfung, der Mensch, der sein Sterben mit sich schleppt.

Du weckst uns auf, dass Dich zu loben Freude macht; denn Du schufst uns zu Dir hin, und unser Herz bleibt unruhig, bis dass es Ruhe findet in Dir.“

Amen.

In der Stille bringen wir vor Gott, was wir außerdem auf dem Herzen haben:

Stille und Vater unser

Wir singen das Lied 532:

Nun sich das Herz von allem löste, was es an Glück und Gut umschließt
Abkündigungen

Nun geht mit Gottes Segen – wer möchte, ist herzlich eingeladen, bei einer Tasse Kaffee oder Tee im Gemeindesaal noch ein wenig zu verweilen und miteinander ins Gespräch zu kommen.

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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