Rettung vor dem Drachen

Spielszene mit Handpuppen mit Kita-Kindern auf der Empore der evangelischen Pauluskirche Gießen vor dem Westfenster, das den Erzengel Michael im Kampf mit dem Drachen zeigt.

Pfarrer: Hallo Kinder, heute bin ich mit euch auf die Empore von der Pauluskirche geklettert. Ich möchte euch mal das Fensterbild hier oben zeigen. Lutz und Gabi und Jamal sind mit dabei, weil die auch neugierig sind auf das Bild, und Fischli kann uns sogar eine Geschichte darüber erzählen. Aber zuerst singen wir ein Lied:

„Er hält die ganze Welt in seiner Hand“

Dieses Lied steht im Evangelischen Gesangbuch unter Nr. 619 im hessischen Anhang. Ich habe es ausgewählt, weil in der zweiten Strophe das winzigkleine Baby und in der dritten Sonne und Mond vorkommen, die ja auch auf dem Fensterbild zu sehen sind.

Ich habe das Bild mit vielen der 82 Kinder unseres Kindergartens zwischen 3 und 6 Jahren angeschaut, in drei Gruppen zu je zehn bis zwanzig Kindern.

Das Bild zeigt den Erzengel Michael mit Flügeln, der mit einer Lanze einen neunköpfigen Lindwurm, der ebenfalls Flügel hat, in Schach hält. Rechts im Hintergrund steht Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm auf der Mondsichel, 12 Strahlen gehen von ihr aus. Den Hintergrund bildet ein leuchtend gelbes Kreuz, die vier Ecken sind im Hintergrund rot gefärbt.

Das Westfenster der evangelischen Pauluskirche Gießen über der Orgelempore

Wie findet ihr das Bild? Schön? Gruselig? Oder cool?

Viele Mädchen fanden das Bild eher schön, viele Jungen eher cool, einige – vor allem Mädchen – fanden es auch gruselig. Am gruseligsten fanden sie die Schlangen auf dem Bild rechts unten. Es gab aber auch einzelne Kinder, die das ganze Bild gruselig fanden.

Was seht ihr denn alles auf dem Bild?

Interessant war, dass die Kinder in den drei menschlichen Gestalten zunächst ein Baby mit Mama und Papa wahrnahmen. Einige Kinder meinten, das ist der Jesus mit seiner Mama Maria. Erst als ich auf die Flügel der männlichen Gestalt hinwies, meinten einige: Das ist ein Engel. Ich fragte, ob denn ein Papa auch ein Engel sein kann. Da meinten einige Ja, andere Nein. Ich sagte: Wenn ein Papa sein Kind beschützt und lieb hat, dann ist er wie ein Engel für sein Kind da. Engel müssen nicht immer Flügel haben.

Den Drachen haben die Kinder zuerst alle nicht als Drachen erkannt, sondern als verschiedene Schlangen. Nachdem ich ihnen gesagt hatte, dass der Drache sieben Schlangenköpfe hat und auf dem Rücken liegt, wo er spitze Zacken hat, so ähnlich wie manche Dinosaurier, da meinten einige: „Das sind Krallen!“

Ein Junge sah als erstes auf dem Bild Waffen. Nicht nur den Speer, dessen Spitze vom Drachen aufgefressen wird, wie er meinte, sondern für ihn sah der nach oben gerichtete Flügel des Engels wie ein Schwert aus und die Strahlen, die die Frau umgeben, wie spitze Messer. OK, meinte ich, vielleicht sind die Sonnenstrahlen ja auch auch wie Waffen, die die Frau vor Gefahren schützen.

Lutz: Also ich versteh das nicht mit der Frau da oben rechts, wo steht die denn da eigentlich? Auf dem Mond, oder was?

Gabi: Und ich finde das mit den Schlangen da unten rechts gruselig. Hu, da kriege ich richtig Angst.

Fischli: Das Bild ist wirklich ein bisschen komisch und auch ein bisschen gruselig. Wollt ihr dazu eine Geschichte hören?

Jamal: Dann erzähl, Fischli, ich bin schon ganz gespannt.

Fischli: Die Geschichte ist ein Traum, der in der Bibel steht. Ein Mann, er heißt Johannes, hat diesen Traum geträumt. Er hat den Traum aber nicht beim Schlafen in der Nacht, sondern am Tag, wo er wach ist. Da hat Johannes diesen Traum, und er weiß gleich, dieser Traum kommt von Gott.

In der Bibel steht die Vision des Sehers Johannes in der Offenbarung 12.

Gabi: Kommen denn auch Alpträume von Gott? Will Gott uns damit Angst machen?

Fischli: Nein. Aber wenn wir sowieso Angst haben, will Gott uns helfen, dass die Angst wieder weg geht. Die Geschichte geht jedenfalls am Ende gut aus.

Einige Kinder erzählten auch von Alpträumen. Ein Mädchen meinte, wenn sie einen Alptraum hat, dann geht sie zu ihrer Mama, und die nimmt sie in den Arm und tröstet sie dann.

Lutz: Fang endlich an! Was ist mit der Frau auf dem Mond?

Fischli: Die Frau steht in dem Traum wirklich auf dem Mond. Sie strahlt wie die Sonne und auf ihrem Kopf sind zwölf Sterne, wie eine Krone. Sie sieht aus wie eine Königin. Sie ist eine wunderschöne Mama, denn sie hat gerade ein Baby bekommen.

Gaby: Ist das Baby der Jesus? Und ist die Mama die Maria?

Fischli: Das kann schon sein. In einem Traum weiß man das nicht immer so genau. Aber ich glaube, es sind wirklich der Jesus und die Maria. Und die beiden sind in dem Traum in ganz großer Gefahr.

Lutz: Warum? Die Frau ist doch groß und stark und steht auf dem Mond und kann das Kind auf ihrem Arm beschützen.

Fischli: Aber da ist auch noch ein furchtbarer Drache am Himmel. Er ist groß und so rot wie Feuer. Er hat sieben Köpfe und sieben Hörner und sieben Kronen auf den Köpfen.

Gabi: Ach, sind die Schlangen da unten gar keine Schlangen, sondern alles Drachenköpfe? Das ist ja noch gruseliger, als ich schon dachte!

Fischli: Ja, dieser schreckliche Drache mit seinen sieben Köpfen will die Frau angreifen und ihr Kind fressen. Aber das lässt Gott nicht zu. Er holt das Kind zu sich und beschützt es selbst. Und die Frau bekommt von Gott Adlerflügel und kann vor dem Drachen wegfliegen, weit weg in eine Wüste.

Lutz: Und was tut dann der Drache?

Fischli: Der will sowieso schon immer Ärger im Himmel machen. Alle seine sieben Schlangenköpfe zischen immer wieder böse Wörter und wollen Gott einreden: „Alle Menschen sind böse, mach die Menschen kaputt!“

Jamal: Jetzt weiß ich, wer dieser Drache ist. Im heiligen Buch der Muslime, im Koran, nennen wir ihn den Teufel oder Scheïtan. Er ist eifersüchtig auf die Menschen und will sie bei Gott schlecht machen.

Fischli: Genau. Aber Gott sagt zu seinen Engeln: „Der Drache kann nicht hier im Himmel bleiben.“ Der Engel da, das ist der Erzengel Michael, der ist der Anführer im Kampf gegen den Drachen. Am Ende ist der Drache aus dem Himmel runtergefallen auf die Erde.

Jamal: Im Koran steht so etwas Ähnliches (Sure 37, 6-10). Der unterste Himmel mit den Sternen schützt die oberen Himmel auch vor jedem rebellischen Satan. Die bösen Teufel werden von allen Seiten beworfen und vertrieben.

Gabi: Aber jetzt ist der Teufel auf der Erde. Das ist nicht schön.

Lutz: Du meinst aber doch nicht etwa mich mit meinen Hörnchen?

Gabi: Nein, Lutz, du bist ja kein böser Teufel.

Fischli: Genau. Lutz sieht nur so aus, wie manche sich den Teufel vorstellen. Ihr dürft nicht vergessen: Was ich euch erzählt habe, ist ja ein Traum. Und der Teufel sieht in Wirklichkeit nicht so aus wie dieser Drache oder wie eine Schlange, und er hat auch keine Hörner.

Jamal: Das sehe ich genau so. Der Teufel ist in Wirklichkeit eine böse Stimme in uns, die uns sagt: Tut einfach was Böses, ist doch egal, ist doch gar nicht so schlimm!

Lutz: Aber was ist denn nun mit dem Kind und der Frau? Sind die immer noch in Gefahr?

Gabi: Hast du eben nicht zugehört? Das Kind ist doch bei Gott selber und wird von ihm beschützt. Und die Frau hat Flügel von einem Adler bekommen und konnte wegfliegen.

Lutz: Ja, aber sie ist in eine Wüste geflogen. Ist sie da nicht verhungert und verdurstet?

Fischli: Nein, lieber Lutz, das nicht. In der Wüste ist eine Oase, das ist ein Platz, wo Wasser aus dem Boden kommt, und da wachsen Palmen, und die Frau findet etwas zum Trinken und zum Essen. Aber trotzdem ist die Frau noch nicht ganz in Sicherheit. Denn der Drache, der auf die Erde runtergefallen ist, ist sehr wütend und will die Frau töten. Er verwandelt sich plötzlich in eine einzige große Schlange und spuckt ganz viel Wasser hinter der Frau her, und dieses Wasser soll die ganze Wüste überfluten und die Frau soll darin ertrinken.

Gabi: Erst die heiße Wüste und dann so viel Wasser, die arme Frau muss aber viel durchmachen!

Fischli: Ich sagte aber schon: Der Traum geht gut aus. Was meint ihr, wer hilft der Frau?

Die Kinder meinen: Gott hilft ihr.

Fischli: Die Erde selber kommt der Frau zu Hilfe. Sie macht ihren Mund auf und trinkt das ganze Wasser weg.

Lutz: Aber die Erde hat doch keinen Mund!

Bevor Lutz das sagt, rufen das auch schon viele Kinder.

Fischli: Vielleicht sieht es auch nur so aus. Das Wasser fließt in eine große Spalte in der Erde, und die Wüste wird nicht überschwemmt. Es fließt nur ein Fluss durch die Wüste, und die Frau hat noch mehr zu trinken. Da merkt der Drache, dass die Frau von Gott beschützt wird, und er geht woanders hin, um andere Menschen zu überreden, Böses zu tun. Aber die Frau ist gerettet und kann wieder als liebe Mama für ihr Kind da sein, bis es groß ist.

Pfarrer: Und jetzt singen wir noch ein Lied (EG 608):

„Alles, was wir sind, hat Gott geschenkt, Amen.
Alles nehmen wir aus seiner Hand. Amen…“

Einige Kinder haben sich das Lied schon gewünscht, es steht im Evangelischen Gesangbuch im hessischen Anhang unter der Nummer 608, und sie finden den Rhythmus cool zum Klatschen und Mitsingen.

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