Fußballpredigt

Im Fußball gibt es Regeln. Auch das Spiel unseres Lebens braucht Regeln, ohne die es nicht funktioniert, Lebensregeln von Gott. Ich finde es reizvoll, die Lebensregeln Gottes einmal mit Regeln und Begriffen des Fußballs zu vergleichen.

Fußballpredigt: Das Bild zeigt den farbig leuchtenden Umriss eines Fußballspielers mit Ball vor schwarzem Hintergrund

Im Spiel des Lebens wie im Fußball gelten Regeln (Bild: Dieter_G – pixabay.com)

#predigtGottesdienst am 2. Sonntag nach Trinitatis, 8. Juni 1986, um 9.30 Uhr an der Mehrzweckhalle Reichelsheim, um 10.30 Uhr in der Heuchelheimer Kirche und um 13.00 Uhr in Dorn-Assenheim

Liebe Festgäste, zum dritten Mal haben die beiden musikalischen Vereine Reichelsheim gemeinsam mit dem Mehrzweckhallenwirt zu einem volkstümlichen Grilltag eingeladen; und wir haben auch in diesem Jahr den Brauch beibehalten, diesen Tag mit einem Gottesdienst im Freien zu beginnen. Die beteiligten Vereine werden auch wieder den Gottesdienst musikalisch gestalten. Wir beginnen mit dem ersten Lied auf dem Liedblatt: „Nun danket all und bringet Ehr!“

Lied EKG 231 (EG 322), 1+5-7:

1. Nun danket all und bringet Ehr, ihr Menschen in der Welt, dem, dessen Lob der Engel Heer im Himmel stets vermeld‘t.

5. Er gebe uns ein fröhlich Herz, erfrische Geist und Sinn und werf all Angst, Furcht, Sorg und Schmerz ins Meeres Tiefe hin.

6. Er lasse seinen Frieden ruhn auf unserm Volk und Land; er gebe Glück zu unserm Tun und Heil zu allem Stand.

7. Er lasse seine Lieb und Güt um, bei und mit uns gehn, was aber ängstet und bemüht, gar ferne von uns stehn.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

So spricht Mose zu seinem Volk Israel und so spricht er sinngemäß auch zum Volk der Glaubenden in der Christenheit (5. Buch Mose – Deuteronomium 7, 7-8):

Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern -, sondern weil er euch geliebt hat.

Lasst uns beten.

Herr, unser himmlischer Vater! Wieder feiern wir an diesem ungewöhnlichen Ort Gottesdienst. Da, wo es nachher gesellig und gemütlich bei volkstümlichen Klängen zugehen soll, denken wir zunächst an dich, Gott, dem wir es verdanken, dass wir frohe Feste feiern können. Es ist in deinem Sinne, dass wir mit den Fröhlichen lachen, genau so wie es gut ist, wenn wir mitfühlen können mit den Traurigen. Heute bitten wir dich zunächst: schenke uns offene Ohren für dein Wort. Du willst es uns ganz neu heute wieder sagen, so dass es in uns etwas anstößt und zum Klingen bringt, etwas ganz Wichtiges für unser Leben. Komm zu uns im Heiligen Geist, im Geist des Glaubens und der Hoffnung und der Liebe, durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Gesangverein: „Morgenrot“

Wir hören die Schriftlesung aus dem Brief des Paulus an die Philipper 3, 12 – 4, 1 (GNB). Dort schreibt Paulus:

12 Ich meine nicht, dass ich schon vollkommen bin und das Ziel erreicht habe. Ich laufe aber auf das Ziel zu, um es zu ergreifen, nachdem Jesus Christus von mir Besitz ergriffen hat.

13 Ich bilde mir nicht ein, [Geschwister,] dass ich es schon geschafft habe. Aber ich lasse alles hinter mir und sehe nur noch, was vor mir liegt.

14 Ich halte geradewegs auf das Ziel zu, um den Siegespreis zu gewinnen. Dieser Preis ist das neue Leben, zu dem Gott mich durch Jesus Christus berufen hat.

16 Lasst uns auf keinen Fall zurückfallen hinter das, was wir erreicht haben!

18 Ich habe euch schon oft gesagt und wiederhole es jetzt unter Tränen: Es gibt viele, die sich durch ihre Lebensführung als Feinde des Kreuzes Christi erweisen.

19 Sie laufen in ihr Verderben. Ihr Bauch ist ihr Gott. Sie sind stolz auf das, was ihnen Schande macht. Sie haben nur Irdisches im Sinn.

20 Wir dagegen sind Bürger des Himmels. Von dorther erwarten wir auch unseren Retter, Jesus Christus, den Herrn.

21 Er wird unseren schwachen, vergänglichen Körper verwandeln, so dass er genauso herrlich wird wie der Körper, den er selbst seit seiner Auferstehung hat.

4, 1 Deshalb bleibt standhaft, meine geliebten [Geschwister], und haltet fest, was euch durch den Herrn geschenkt ist. Ich sehne mich so sehr nach euch! Ihr seid doch meine Freude und mein Siegeskranz!

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja!

Lied EKG 238, 1+3+5 (EG 330, 1+3+6):

1. O dass ich tausend Zungen hätte und einen tausendfachen Mund, so stimmt ich damit um die Wette vom allertiefsten Herzensgrund ein Loblied nach dem andern an von dem, was Gott an mir getan.

3. Ihr grünen Blätter in den Wäldern, bewegt und regt euch doch mit mir; ihr schwanken Gräslein in den Feldern, ihr Blumen, lasst doch eure Zier zu Gottes Ruhm belebet sein und stimmet lieblich mit mir ein.

6. Ich will von deiner Güte singen, solange sich die Zunge regt; ich will dir Freudenopfer bringen, solange sich mein Herz bewegt; ja wenn der Mund wird kraftlos sein, so stimm ich doch mit Seufzen ein.

Gnade und Friede sei mit uns allen von Gott, unserem Vater, und Jesus Christus, unserem Herrn. Amen.

Zur Predigt hören wir noch einmal einen Vers von Paulus aus dem Brief an die Philipper 3, 14:

[Ich] jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.

Liebe Gemeinde!

Paulus muss ein sportinteressierter Mann gewesen sein. Jedenfalls streut er hier und da Bemerkungen in seine Briefe ein, die darauf schließen lassen, dass er sich in den damaligen sportlichen Disziplinen etwas ausgekannt hat. Er scheut sich auch nicht, Begriffe aus der Welt des sportlichen Wettkampfs aufzugreifen, um Dinge des Glaubens zu erklären.

Wie ein Sprinter auf der Aschenbahn zur Zielgeraden läuft, so jagt Paulus seinem großen Ziel nach, das ewige Leben zu erlangen. Und wie es olympische Medaillen und andere sportliche Trophäen gibt, so gibt es nach Paulus auch einen großen Siegespreis für den, der sich am Glaubenskampf in einem christlichen Leben beteiligt, nämlich die klare Zusage Gottes: Du bist mir recht, du bist mir lieb und teuer, ich begleite dich bis an dein Lebensende und nehme dich auf in mein himmlisches Reich.

Wenn Paulus das konnte: Vergleiche ziehen zwischen Sport und Glauben, dann kann das auch heute nicht verkehrt sein. Immerhin stehen wir gerade inmitten einiger heißer Fußballwochen, die sicher auch einen großen Teil von Ihnen Abend für Abend in ihren Bann ziehen. Und obwohl dieser festliche Tag heute nicht vom Sportverein ausgerichtet wird, wo dieses Thema noch besser passen würde, möchte ich es einmal versuchen, Ihnen eine Fußballpredigt zu halten.

Im Fußball gibt es Regeln. Jedes Spiel braucht Regeln, sonst macht jeder, was er will. So ist es auch mit unserem Leben. Auch das Spiel unseres Lebens – das Bild sei einmal erlaubt, auch wenn das Leben mehr als ein Spiel ist – braucht Regeln. Unser Zuaammenleben braucht Regeln, ohne die es nicht funktioniert, Lebensregeln von Gott. Ich finde es sehr reizvoll, die Lebensregeln Gottes einmal mit Regeln und Begriffen des Fußballs zu vergleichen, sie von daher zu erklären. Auch wer sich im Fußball nicht auskennt, wird verstehen, was ich meine.

Kennen Sie die kürzeste Fußballregel? Sie stammt von Sepp Herberger. Als er einmal nach den Chancen in einem Fußballspiel gefragt wurde, soll er geantwortet haben: „Der Ball ist rund, und das Spiel dauert 90 Minuten.“ Eine Einschätzung, die auch in diesen Tagen trotz aller klugen Voraussagen immer wieder recht behält. Es gibt in jedem Spiel so viele Unwägbarkeiten, dass es bis zum Schluss offen sein kann, wer gewinnt. Ist so nicht auch das Leben? Es gibt so vieles, das sich nicht vorausplanen lässt, das sich unserem Wollen und Vollbringen entzieht. Es gibt manchen Strich durch die Lebensrechnung, es gibt aber auch so viele glückliche Umstände, dass man nur staunen kann.

Die schwierigste Fußballregel war für mich lange Zeit die Abseitsregel. Ich habe lange nicht verstanden, dass immer dann, wenn einer schön frei vor dem Tor stand, auf einmal abgepfiffen wurde. Das war Abseits, hieß es. Der angreifende Spieler stand im Abseits. Wenn im Fußball einer „abseits“ steht, dann ist das für ihn ein unangemessen großer Vorteil. Die Regel lässt das nicht zu.

Wenn einer im Leben im Abseits steht, dann ist es gerade umgekehrt. Das ist für ihn ein unangemessen großer Nachteil. Und das Lebensspiel wird auch nicht ihm zuliebe abgepfiffen, sondern es rollt gerade um so härter über ihn hinweg. Da spielt es auch gar keine Rolle, ob er aus eigener Schuld ins Abseits geraten ist oder ins Abseits gedrängt wurde. Sicher ist: von allein kommt er kaum wieder heraus.

Wir sagen oft ziemlich leichtfertig: Wer bei uns ins gesellschaftliche Abseits gerät, der ist selbst schuld. Natürlich sind auch nicht immer die berühmten „Verhältnisse“ schuld, aber es können viele Faktoren zusammenkommen, die einen Menschen zu Fall bringen können. Ich denke z. B. an einen Menschen, der sich etwas hat zuschulden kommen lassen, eine Strafe verbüßt hat und nun neu anfangen will. Die Familie hat ihn vielleicht verstoßen, er hat keinen Wohnsitz, er bekommt keine Arbeit – wie soll er aus eigener Kraft wieder mitspielen können? Da kann es sogar sein, dass er vom Abseits ganz ins Aus gerät. Oder behinderte und kranke Menschen; sie sind in Gefahr, ins Abseits geschoben zu werden, benachteiligt zu werden neben ihren scheinbar gesunden Mitmenschen.

Gott hat eine andere Abseitsregel aufgestellt. Jesus hat gesagt (Lukas 19, 10 – Elberfelder Bibel revidierte Fassung © 1994 R. Brockhaus Verlag, Wuppertal):

Der Menschensohn ist gekommen zu suchen und zu retten, was verloren ist.

Er hat sich gerade um die im Abseits gekümmert, weil die aus eigener Kraft nicht mehr hochkamen. Ihre Umwelt hatte sie abgeschrieben. Denken Sie an Zachäus, den Zöllner. Ein Betrüger war das. Jesus geht in sein Haus, und auf einmal wird er ganz anders. Er ändert sein Leben. Und Jesus gibt den Auftrag an seine Jünger und an uns weiter (Matthäus 25, 40):

Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.

So soll es auch bei uns zugehen, dass keiner auf der Strecke bleibt.

Dann kommt es beim Fußball vor, dass einer verletzt wird. Meistens steht er bald wieder, wenn sich der Masseur um ihn gekümmert hat. Manche Spieler sind auch Meister darin, sich laut stöhnend im Gras zu wälzen, um einen Vorteil für ihre Mannschaft herauszuschinden; und da muss der Schiedsrichter eingreifen.

Blessuren gibt es auch im Leben. Ich meine das jetzt mehr im übertragenen Sinn. Es gibt Unrecht, Verleumdung, üble Nachrede; Worte können Wunden aufreißen. Und noch viel größere Verletzungen entstehen: Ein Unglücksfall zerstört ein junges Leben. Der Tod schlägt Lücken. Trauer, Enttäuschung, Schmerz, Leid – keiner von uns bleibt unversehrt in seinem Lebensspiel.

Und wo ist der Masseur? Viele Verletzte bleiben liegen, es kommt weder der Sanitäter angerannt, noch wird das Spiel unterbrochen. Aber manchmal gibt es einen Barmherzigen Samariter. Er hat einfach das Nötige getan. Jesus hat ihn als Vorbild hingestellt: Gehe hin und mach es genauso. Und Paulus hat gesagt (Römer 15, 7):

Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat.

Das ist Gottes Regel. Ob wir Christen so etwas sein könnten wie Masseure? Wenn einer am Boden liegt, ihm wieder aufhelfen? Ihn verbinden, trösten, aufmuntern? Wir sprechen ja auch von Seelenmassage. Das ist besser, als wenn wir jemandem durch unbedachtes Reden noch den letzten Rest geben.

Nach einem Foulspiel gibt es für die anderen einen Freistoß oder sogar einen Elfmeter: beim Beinstellen, Handspiel, Stoßen, Aufstützen usw. Bei einem schweren Foul zieht der Schiedsrichter die gelbe Karte, wenn es sich wiederholt, die rote Karte. Das heißt, der Spieler darf nicht mehr mitspielen.

Fouls gibt es auch im Leben. Ich meine nicht die offensichtlichen Gesetzesverstöße, sondern die versteckten Fouls, die uns gar nicht immer als solche bewusst sind.

Da will einer im Beruf vorankommen. Er denkt an seine Karriere. Das ist ja nichts Schlimmes. Aber gefährlich wird es, wenn er an nichts anderes mehr denkt. Wenn ihm die Karriereleiter wichtiger ist als seine Mitmenschen. Da ist schnell mal der Fuß hingehalten, dass der Mitbewerber ins Straucheln kommt, da wird mit harten Bandagen gespielt, werden die Ellbogen über Gebühr strapaziert. Und möglicherweise kommen die Mitspieler daheim in der Familie gar nicht mehr an den Ball. Er stürmt nach vorn im Alleingang und merkt, dass er auf einmal ganz allein dasteht, nur noch Gegner um sich, und er selbst im Abseits. Auch der beste Mittelstürmer ist nichts wert ohne seine Mannschaft.

Es gibt noch andere Fouls, jedem von uns unterlaufen sie. Fouls gegen Menschen und Fouls gegen Gott. Als Menschen sind wir unvollkommen, wir tun Unnrecht, wir versagen, wir beleidigen, wir sind eingeschnappt, wir streiten uns, wir hassen und neiden, wir sehen uns zuerst und unseren Vorteil, übersehen den Nächsten. Die Reihe lässt sich fortsetzen. Die Bibel nennt das alles zusammen Schuld.

Wie geht Gott mit unseren Fouls um? Zeigt er uns die rote Karte? Seine Regel lautet (Psalm 103, 10):

Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat.

So steht es in einem Psalm. Gott vergibt unsere Schuld. Versagen wird nicht angerechnet oder geahndet. Es gibt keinen Freistoß für die anderen gegen mich, sondern ich selbst bekomme einen Freistoß zugesprochen. Ja, das Spiel wird für mich neu angepfiffen. Ich kann noch einmal neu anfangen.

Jesus sagt mehrfach zu Menschen (z. B. Lukas 5, 20):

Deine Sünden sind dir vergeben.

Wenn ich ihn das zu mir sagen lasse, dann kann ich gar nicht anders, als genauso zu handeln (Epheser 4, 32):

Vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.

Vergebung heißt das Stichwort gegen unsere zwischenmenschlichen Fouls. Wir sind so frei, dass wir über unseren Schatten springen können, den ersten Schritt auf den anderen zu zu machen, Wir können vergeben und um Vergebung bitten, einander die Hand reichen. Die Sache in Ordnung bringen, dass man sich wieder in die Augen blicken kann.

Der mächtigste Mann, aber auch der umstrittenste auf dem Sportplatz, ist der Schiedsrichter. Er entscheidet alles. Er fällt seine Urteile sofort und ohne Verhandlung. Mancher von uns fühlt sich gern als Schiedsrichter, es ist auch viel leichter, ein schnelles Urteil zur Hand zu haben, es ist einfacher, mit seinen Mitmenschen umzugehen, wenn man sie gleich in die entsprechende Schublade einsortiert hat.

In der Fußballgeschichte gab es schon manches Fehlurteil, wie man es heute durch Videoaufnahmen nachträglich leicht feststellen kann; aber Fehlurteile und Vorurteile im Spiel unseres Lebens sind weit schwerwiegender. Geben wir es lieber auf, Richter von eigenen Gnaden zu sein. Es zerstört unsere Offenheit, es verbaut Möglichkeiten der Umkehr, Grenzen werden festgeschrieben, Brücken abgerissen.

Lassen wir lieber Gott unseren Richter sein. Vor ihm haben wir uns alle zu verantworten. Aber wir sind bei ihm in guten Händen. Bloß gut, dass er nicht nach Fußballregeln urteilt. Sonst hätten wir sehr schnell den Platzverweis. Er urteilt überhaupt nicht nach menschlichen Regeln, er hat seine eigenen. Sein Maßstab ist die Gnade. Weil wir es doch niemals allein schaffen würden, hat er selbst uns Recht verschafft, hat er selbst unsere Schuld auf sich genommen. Seine Regel lautet (Psalm 103, 13):

Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, die [an ihn glauben].

Ich weiß nicht, ob die moderne Fußballtaktik noch den Libero hat, einen Spieler, der im eigenen Strafraum für Ordnung sorgt, der den Angriff stoppen kam. Er ist oftmals der Retter in letzter Sekunde gewesen. So einen würden wir uns im Leben auch wünschen, einen Retter, der die gefährlichen Situationen bereinigt, der den Angriff auf uns abwehrt. Ich kenne nur einen, liebe Gemeinde, der das kann: Jesus Christus. Wir nennen ihn mit der Bibel auch Retter, Erlöser, Befreier. Er ist unser Libero. Er gewinnt das Spiel für uns. Er gibt dem Spiel unseres Lebens die entscheidende Wende. Unser Spiel ist Stückwerk. Er bringt es zur Vollendung. Jesus sagt (Johannes 14, 6):

Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.

So setzt sich unser Libero Jesus Christus für uns ein.

Ja, und dann sind 90 Minuten irgendwann vorbei. Der Schlusspfiff. Das Ergebnis steht fest. Nichts geht mehr. Sieg oder Niederlage? Punktgewinn oder vielleicht der Pokal?

Wir fragen uns manchmal, wenn wir einen lieben Menschen hergeben mussten: Was ist nun das Ergebnis? Was kommt unterm Strich raus? Auch wenn wir das eigene Leben bedenken: Was hat‘s bis jetzt gebracht? Sieg oder Niederlage? Pokal oder Abstieg? Alles aus und vorbei? Wenn Gott unser Leben abpfeift, wie stehen wir da in der Tabelle?

In der Tabelle Gottes schneiden wir immer unterm Strich ab. Aber er lässt uns trotzdem nicht absteigen. Er hat versprochen, dass das Spiel weitergeht. Der Schlusspfiff ist nicht das endgültige Aus. Das Grab ist nicht das Ende des Lebens. Gott schenkt uns die fehlenden Punkte. Er überreicht uns den Pokal, den Siegespreis, unverdient. Wer das nicht glaubt, mag in der Bibel nachschlagen:

Ich bin gewiss dass weder Tod noch Leben … uns scheiden kann von der Liebe Gottes. (Römer 8, 38-39)

[Gott ist der,] der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit. (Psalm 103, 4)

Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. (Offenbarung 2, 10)

Werfen wir zuletzt noch einen Blick auf die Mannschaft. Sie muss aufeinander eingespielt sein, die Regeln beherrschen, sie muss sich verstehen. Sie braucht einen guten Trainer, der sie aufbaut, taktisch und psychologisch einstellt auf das Spiel.

In einer Welt, wo nach ungeschriebener Regel jeder am liebsten für sich sorgt und manchmal jeder gegen jeden kämpft, da ist folgende Regel Gottes besonders wichtig: Haltet Gemeinschaft untereinander! Seid eine Mannschaft!

Einer trage des andern Last. (Galater 6, 2)

Gutes zu tun und mit andern zu teilen, vergesst nicht. (Hebräer 13, 16)

Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. (3. Buch Mose – Levitikus 19, 18)

Die Gemeinde der Christen soll wie eine Mannschaft sein, in der Gemeinschaft herrscht, Geborgenheit. Da soll sich der einzelne wohlfühlen können. Da soll man Kraft schöpfen können, eingestellt werden auf den Alltag des Lebens. Da sollen die Spielregeln Gottes eingeübt werden, damit das Leben gelingt. Wenn Sie wollen, können Sie den Pfarrer als Trainer sehen. Aber auch der muss immer wieder in seinem Regelbuch nachschlagen und üben. Und zur Gemeinschaft der Christen zu diesem Mannschaftsgeist, kann jeder sein Teil beitragen, jeder mit seinen eigenen Fähigkeiten und Begabungen.

Sie haben‘s gemerkt, es gibt doch kleine Unterschiede zwischen den Spielregeln beim Fußball und den Spielregeln Gottes. Die Fußballregeln sind gemacht für die angeblich schönste Nebensache der Welt, manche würde heute sagen – aber erst nach Tennis. Gottes Regeln aber sind gemacht für die schönste Hauptsache der Welt – das Leben. Wir haben die Lebensspielregeln von Gott bekommen, damit uns dieses Leben, das wir nur einmal haben, auch gelingt, und zwar im Ganzen. Gott hat uns Regeln gegeben, nicht um immer wieder die Verlierer zu sein, sondern damit wir gewinnen.

So einen ähnlichen Satz hat Wolfgang Overath, einer der großen Fußballspieler früherer Weltmeisterschaften, einmal gesagt:

„Wie oft passiert es, dass ich in schwierigen Situationen stehe… Dann gibt es für mich nur einen, den ich ansprechen kann, nur Jesus Christus. Und wie oft habe ich erfahren, dass er mir half, diese Klippen zu umschiffen. Und wenn es misslang – er weiß warum -, habe ich trotzdem nicht an Jesus gezweifelt. Mit ihm stehe ich immer auf der Seite des Gewinners.“

Diese Worte schärft er auch seinen beiden Söhnen ein, mit denen er sonntags zur Kirche geht. Was würde er ihnen sagen, wenn er für immer von ihnen Abschied nehmen müsste? Wolfgang Overath antwortete:

„Ich würde meinen Söhnen sagen: Das Wichtigste für euch ist der Glaube an Jesus Christus, sonst ist das Leben sinnlos. Ihr müsst wissen: Einer ist immer für euch da, wenn ihr an ihn glaubt. Mit ihm geht alles weiter, auch nach diesem Leben.“

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.
Gesangverein: „Herr, deine Güte“

Lasst uns beten.

Gott, unser Vater im Himmel! Begleite uns in den Kämpfen unseres Lebens und schenke uns immer wieder Stunden der Besinnung auf das Wesentliche. Hilf uns, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden und der Frage nicht auszuweichen, was denn eigentlich das Ziel meines eigenen Lebens ist. Wenn wir dich aus den Augen verloren haben, schenk uns neue Offenheit für dich, dass wir uns Zeit nehmen, dich zu suchen, in der Bibel, im Gottesdienst, im Kontakt mit lebendigen Gliedern deiner Gemeinde. Wenn wir an dich glauben wollen, aber manchmal den Mut sinken lassen, stärke uns immer wieder mit deinem Wort, lass deinen heiligen Geist in uns aufleben; lass uns aufatmen und mit unseren kleinen Kräften dem Ziel zustreben, das du uns, uns ganz persönlich, vorgesteckt hast.

Viele freuen sich in diesen Wochen über eine der schönsten Nebensachen der Welt, die Fußball-WM; wir wünschen und bitten, dass nicht Fanatismus, sondern Fairness die Spiele prägt, und dass auch zu Hause in den Familien nicht der Fernsehschirm alles andere heherrscht, sondern dass wir uns vor allem Zeit füreinander nehmen und Verständnis füreinander aufbringen.

Hier in Reichelsheim bitten wir um einen guten Festverlauf, um frohe Entspannung und Geselligkeit. Und, Herr, wir bitten auch für all jene, denen heute nicht der Sinn nach Spiel und Festlichkeit steht, die von Krankheit oder Schwermut betroffen sind, die sich mit Sorgen und Ängsten abplagen. Wir wollen sie nicht vergessen; hilf uns dabei, einander aufzusuchen und füreinander zu beten! In der Stille bringen wir vor dich, was wir in dieser Stunde auf dem Herzen haben.

Was uns jetzt bewegt, fassen wir zusammen in dem Gebet, das Jesus uns gelehrt hat:

Vater unser und Segen
Lied EKG 436 (EG 331), 1+10+11:

1. Großer Gott, wir loben dich, Herr, wir preisen deine Stärke. Vor dir neigt die Erde sich und bewundert deine Werke. Wie du warst vor aller Zeit, so bleibst du in Ewigkeit.

10. Alle Tage wollen wir dich und deinen Namen preisen und zu allen Zeiten dir Ehre, Lob und Dank erweisen. Rett aus Sünden, rett aus Tod, sei uns gnädig, Herre Gott!

11. Herr, erbarm, erbarme dich. Lass uns deine Güte schauen; deine Treue zeige sich, wie wir fest auf dich vertrauen. Auf dich hoffen wir allein: Lass uns nicht verloren sein.

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