Osterfestmahl mit dem Herrn Zebaoth?

Wenn Gott der Vater aller Menschen ist, dann können sich seine Heerscharen nicht gegen die Menschen anderer Völker richten. Christliche Mission kommt nicht als Kriegserklärung daher, sondern ist wie eine Einladung zum Festmahl mit Gott. Wir dürfen Jesus nachfolgen, fortführen, was Jesus angefangen hat – Sünden vergeben, Tränen trocknen, Fremdheit, Feindschaft und Grenzen überwinden.

Strahlend leuchtende Lichter rund um den Globus

Wie würde es aussehen, wenn die ganze Welt gemeinsam ein Festmahl feiert? (Bild: pixabay.com)

direkt-predigtGottesdienst am Ostermontag, den 16. April 2001, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Am Ostermontag begrüße ich Sie mit dem Bibelwort aus der Offenbarung 1, 18 – Christus spricht:

„Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit und Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle“.

Was Ostern für unsere Welt bedeutet, für den Weg der Menschen und für die ganze Schöpfung, davon singen und hören wir in diesem Gottesdienst.

Am Anfang singen wir das Osterlied 110:

1) Die ganze Welt, Herr Jesu Christ, Halleluja, Halleluja, in deiner Urständ fröhlich ist. Halleluja, Halleluja.

2) Das himmlisch Heer im Himmel singt, Halleluja, Halleluja, die Christenheit auf Erden klingt. Halleluja, Halleluja.

3) Jetzt grünet, was nur grünen kann, Halleluja, Halleluja, die Bäum zu blühen fangen an. Halleluja, Halleluja.

4) Es singen jetzt die Vögel all, Halleluja, Halleluja, jetzt singt und klingt die Nachtigall. Halleluja, Halleluja.

5) Der Sonnenschein jetzt kommt herein, Halleluja, Halleluja, und gibt der Welt ein‘ neuen Schein. Halleluja, Halleluja.

6) Die ganze Welt, Herr Jesu Christ, Halleluja, Halleluja, in deiner Urständ fröhlich ist. Halleluja, Halleluja.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Ostern – für die Kinder ein Fest der Ostereier. Ostern – ein Fest im Frühling. Neues Leben entspringt: aus Eiern und Knospen, aus scheinbar totem Holz in der Wärme der Sonne. Auferstehung ist wie der Frühling – die ganze Welt im Aufbruch – Neuanfang des Lebens.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Es ist Frühling, aber es kann noch recht kalt sein. Es ist Ostern, aber nicht jedem ist nach einem fröhlichen Fest zumute. Es passt gut, dass wir das Fest der Auferstehung im Frühjahr feiern, selbst wenn das Wetter noch kalt ist – denn wie der Frühling seine Zeit braucht, bis er sich durchsetzt, so braucht auch die christliche Ostererfahrung in uns Zeit zum Wachsen. Zweifel lassen sich nicht so leicht zum Schweigen bringen, Angst ist nicht einfach zu beruhigen, und womit wir im Alltag einander verletzen, das nehmen wir oft nicht einmal wahr. Gott, vergib uns, wenn unser Herz kälter ist, als es der Osterzeit entspricht. Lass durch deine Liebe unsere Liebe auftauen und lass uns aufstehen aus dem, was uns gefangen hält.

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Wir beten mit dem Psalm 16, einem Lied Davids:

1 Bewahre mich, Gott; denn ich traue auf dich.

2 Ich habe gesagt zu dem HERRN: Du bist ja der Herr! Ich weiß von keinem Gut außer dir.

5 Der HERR ist mein Gut und mein Teil; du erhältst mir mein Erbteil.

9 Darum freut sich mein Herz, und meine Seele ist fröhlich; auch mein Leib wird sicher liegen.

10 Denn du wirst mich nicht dem Tode überlassen und nicht zugeben, daß dein Heiliger die Grube sehe.

11 Du tust mir kund den Weg zum Leben: Vor dir ist Freude die Fülle und Wonne zu deiner Rechten ewiglich.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Gott, lass es in uns und bei uns Ostern werden. Begleite uns auf dem Weg zu unserem eigenen Osterfest. Lass uns den lebendigen Christus finden, lehre uns aufstehen aus dem Tod der Sünde und schenke uns Trost in Trauer und Angst. Darum bitten wir dich im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Lesung zum Ostermontag aus dem Evangelium nach Lukas 24, 13-35:

13 Und siehe, zwei von ihnen [von den Jüngern Jesu] gingen an demselben Tage in ein Dorf, das war von Jerusalem etwa zwei Wegstunden entfernt; dessen Name ist Emmaus.

14 Und sie redeten miteinander von allen diesen Geschichten.

15 Und es geschah, als sie so redeten und sich miteinander besprachen, da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen.

16 Aber ihre Augen wurden gehalten, dass sie ihn nicht erkannten.

17 Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Dinge, die ihr miteinander verhandelt unterwegs? Da blieben sie traurig stehen.

18 Und der eine, mit Namen Kleopas, antwortete und sprach zu ihm: Bist du der einzige unter den Fremden in Jerusalem, der nicht weiß, was in diesen Tagen dort geschehen ist?

19 Und er sprach zu ihnen: Was denn? Sie aber sprachen zu ihm: Das mit Jesus von Nazareth, der ein Prophet war, mächtig in Taten und Worten vor Gott und allem Volk;

20 wie ihn unsre Hohenpriester und Oberen zur Todesstrafe überantwortet und gekreuzigt haben.

21 Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde. Und über das alles ist heute der dritte Tag, dass dies geschehen ist.

22 Auch haben uns erschreckt einige Frauen aus unserer Mitte, die sind früh bei dem Grab gewesen,

23 haben seinen Leib nicht gefunden, kommen und sagen, sie haben eine Erscheinung von Engeln gesehen, die sagen, er lebe.

24 Und einige von uns gingen hin zum Grab und fanden’s so, wie die Frauen sagten; aber ihn sahen sie nicht.

25 Und er sprach zu ihnen: O ihr Toren, zu trägen Herzens, all dem zu glauben, was die Propheten geredet haben!

26 Musste nicht Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen?

27 Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in der ganzen Schrift von ihm gesagt war.

28 Und sie kamen nahe an das Dorf, wo sie hingingen. Und er stellte sich, als wollte er weitergehen.

29 Und sie nötigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben.

30 Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch saß, nahm er das Brot, dankte, brach’s und gab’s ihnen.

31 Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen.

32 Und sie sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete?

33 Und sie standen auf zu derselben Stunde, kehrten zurück nach Jerusalem und fanden die Elf versammelt und die bei ihnen waren;

34 die sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und Simon erschienen.

35 Und sie erzählten ihnen, was auf dem Wege geschehen war und wie er von ihnen erkannt wurde, als er das Brot brach.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis

Wir singen das Lied 100:

1) Wir wollen alle fröhlich sein in dieser österlichen Zeit; denn unser Heil hat Gott bereit‘. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, gelobt sei Christus, Marien Sohn.

2) Es ist erstanden Jesus Christ, der an dem Kreuz gestorben ist, dem sei Lob, Ehr zu aller Frist. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, gelobt sei Christus, Marien Sohn.

3) Er hat zerstört der Höllen Pfort, die Seinen all herausgeführt und uns erlöst vom ewgen Tod. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, gelobt sei Christus, Marien Sohn.

4) Es singt der ganze Erdenkreis dem Gottessohne Lob und Preis, der uns erkauft das Paradeis. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, gelobt sei Christus, Marien Sohn.

5) Des freu sich alle Christenheit und lobe die Dreifaltigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, gelobt sei Christus, Marien Sohn.

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, der Weg zweier Jünger am Ostertag endet mit einem Abendessen. Sie essen zusammen und erkennen plötzlich, wer bei ihnen sitzt, wer sie schon die ganze Zeit begleitet – und getröstet hat.

Der Text zur heutigen Predigt beginnt mit einem Essen, zu dem Gott einlädt auf einem Berg. Ich lese aus Jesaja 25:

6 Der HERR Zebaoth wird auf diesem Berge allen Völkern ein fettes Mahl machen, ein Mahl von reinem Wein, von Fett, von Mark, von Wein, darin keine Hefe ist.

8 Er wird den Tod verschlingen auf ewig. Und Gott der HERR wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen und wird aufheben die Schmach seines Volks in allen Landen; denn der HERR hat’s gesagt.

Ein ungewöhnlicher Ostertext, liebe Gemeinde. Der Schauplatz ist nicht weit entfernt vom Weg der Jünger zwischen Jerusalem und Emmaus, es ist der Tempelberg Zion in Jerusalem, auf dem nach dem Buch Jesaja der Herr Zebaoth wohnt. Auf den Berg Zion lädt Gott alle Völker zu einem fetten Mahl ein, an Cholesterin und Alkohol und Wohlgeschmack wird dabei nicht gespart.

Ein wenig fremd sind mir diese Sprache und diese Bilder. Der Gott Zebaoth ist als Herr der Heerscharen ein streitbarer Gott mit einer Armee von Engeln um sich herum. Und das Festmahl, zu dem er einlädt, sieht aus wie das Festgelage eines weltlichen Herrschers, ganz anders als unser Abendmahl.

Allerdings erinnert dieses Festmahl durchaus an die Art, wie Jesus Feste feiert. Bei der Hochzeit zu Kana sorgt er selbst für guten Wein. Im Haus der Zöllner kehrt er ein, obwohl sie für die heidnischen Römer arbeiten. Als Fresser und Weinsäufer beschimpfen ihn die Pharisäer, die Wert auf das Fasten legen.

Jesus hält nichts vom Verzichten um seiner selbst willen. Er will, dass Menschen bekommen, was sie brauchen, dass alle satt werden, dass alle genug Liebe bekommen, dass alle wissen, wozu sie auf der Welt sind. Deshalb genießt er das Leben und feiert die Feste, wie sie fallen. Und als er zum letzten Mal mit seinen Jüngern zusammensitzt, beim Abendmahl vor seinem Tod, da sagt er ihnen (Matthäus 26, 29):

Ich werde von nun an nicht mehr von diesem Gewächs des Weinstocks trinken bis an den Tag, an dem ich von neuem davon trinken werde mit euch in meines Vaters Reich.

Beim Abschied von seinen Jüngern hat er eine ähnliche Vision wie Jesaja vor Augen, fröhliches Essen und Trinken im Reich Gottes.

Aber ein Unterschied fällt auf zwischen Jesaja und Jesus. Jesus spricht vom Reich seines Vaters, Jesaja vom Herrn Zebaoth, dem Herrn der Heerscharen.

Der Herr Zebaoth, ein geheimnisvolles Wort, Luther lässt es unübersetzt stehen in der deutschen Bibel. Dieser Name hat Missverständnisse ausgelöst, als ob der Gott des Alten Testaments ein Kriegsgott sei, der die ganze Welt unter seine Oberhoheit zwingen wolle. Nein, das ist nicht die Absicht des Gottes der Juden. Wenn Israel Kriege mit Unterstützung des Herrn Zebaoth führt, wehrt es sich aus einer unterlegenen Position heraus gegen Unterwerfung. Setzt sich jedoch Israel selbst ins Unrecht, muss es erfahren, dass Gott sich strafend gegen sein eigenes Volk wendet. Wonach sich das Volk Israel sehnt, formuliert Jesaja so: „Gott wird aufheben die Schmach seines Volks in allen Landen.“ Irgendwann soll der Name der Juden kein Schimpfname mehr sein, Juden sollen in ihrem Land wohnen ohne die Angst, von ihren Feinden ins Meer getrieben zu werden, und Synagogen sollen nicht mehr rund um die Uhr Polizeischutz benötigen. Aber wann wird das sein? Es ist gut zu verstehen, dass Juden nach wie vor den Herrn der himmlischen Heerscharen anrufen und dass sie sich zur Abwehr feindlicher Angriffe auch auf menschliche Heere verlassen. Das christliche Abendland ist ja mehrheitlich ebenso davon überzeugt, dass es nicht ohne militärische Landesverteidigung geht, wenn man die Freiheit bewahren will.

Trotzdem weiß schon der Prophet Jesaja – unbedroht ist die Freiheit jedes Volkes erst dann, wenn die Völker es gelernt haben, friedlich miteinander auszukommen. Erst dann ist es vorstellbar, dass sie am großen Festmahl der Völker teilnehmen. Aber können irdische oder himmlische Heere diesen Frieden schaffen?

Jesus redet niemals von himmlischen Heerscharen. Wenn andere ihn auffordern, er solle sich doch von Gott Engel zu Hilfe schicken lassen, lehnt er ab. Einmal will die Stimme des Versuchers Jesus dazu bringen, von der Zinne des Tempels zu springen. Gottes Engel fangen dich doch auf! Jesus sagt Nein. Später höhnen sie unter dem Kreuz: Ruf doch zu Gott, dass er dir vom Kreuz herunter hilft! Jesus ruft nicht die Heerscharen Gottes an. Er schreit zum Vater, und so stirbt er.

Hätte Jesus nicht besser mit Hilfe himmlischer Heere die Römer aus dem Land werfen, die Bösen bestrafen und so ein Reich des Friedens aufbauen sollen? Jesus weiß es besser. Ein solches Reich wäre wieder auf Gewalt und Zwang aufgebaut und müsste Angst haben vor Gegengewalt. Sein Reich ist nicht von dieser Welt, Friede entsteht nicht auf diese Art.

Jesus geht einen anderen Weg. Er schart Menschen aus dem einfachen Volk um sich, ehemalige Fischer, Zöllner und Dirnen. Er verlässt sich auf die Macht von Worten, will Vertrauen wecken. Er weiß, dass das Reich Gottes schon hier auf Erden beginnt, aber nicht, wo Gewalt eingesetzt wird, sondern wo Menschen auf die Liebe des himmlischen Vaters vertrauen und Mitmenschen als Geschwister achten.

Im Kleinen wird für Jesus die Vision des Jesaja von der Versöhnung der Völker schon hier und jetzt wahr. Er spricht mit der Frau aus Syrien, mit dem Hauptmann aus Rom und lässt sich von ihrem Vertrauen beeindrucken, das er von ihnen nicht erwartet hätte. Wohl kennt Jesus das Problem, dass es schwer ist, sich auf Fremde einzulassen. Menschen aus einer anderen Kultur oder Religion oder sozialen Schicht rufen Unsicherheit oder sogar Angst hervor, einfach weil man mit einer ganz anderen Welt konfrontiert wird und man sich nicht gleich orientieren kann. Jesus denkt zuerst, er sei als Sohn Davids nur zum Volk der Juden gesandt. Aber dann lernt er von den Fremden. Wenn Gott der Vater aller Menschen ist, dann können sich seine Heerscharen nicht gegen die Menschen anderer Völker richten. Gott begegnet ihm auch in den Menschen anderer Herkunft.

Doch sein Kontakt mit Zöllnern und Heiden, mit Dirnen und Aussätzigen, all diese Grenzüberschreitungen, machen Jesus in den Augen der offiziellen Religion verdächtig und unmöglich. Er unterwandert die Grundfesten der bestehenden Ordnung und setzt sich selbst an die Stelle Gottes. Darum kreuzigt man ihn am Schandpfahl der heidnischen Justiz.

Und nun ist Ostern. Tränen werden geweint um Jesus. Verzweifelte Jünger wissen nicht, was sie noch in Jerusalem tun sollen, ihre Hoffnungen, die sie auf Jesus gesetzt haben, sind zunichte. „Er sollte doch Israel erlösen!“ Warum konnte er nicht vollenden, was Jesaja geschaut hatte – das Ende der Schmach für Israel und die Versöhnung der Völker, die Heilung der Kranken und den Trost für Traurige?

So beginnt der Ostertag für die beiden, die nach Emmaus wandern. Doch am Ende des gleichen Tages sind die Verzweifelten getröstet. Sie haben in ihrem Wegbegleiter und Tischgenossen den auferstandenen Jesus wiedererkannt. Jesus trocknet ihre ungeweinten Tränen ab, wie er auch die Tränen der trauernden Frauen abwischt. Sie wissen auf einmal, was Ostern bedeutet: Jesu Tod ist nicht das Ende aller Hoffnung, sondern er steht am Anfang der Erfüllung von Gottes Verheißungen!

Mit dem Osterfest ist endgültig wahr, was bereits Jesaja sieht: „Gott wird den Tod verschlingen auf ewig.“ Der Tod, der bedrohlich auf uns wartet wie ein grausam geöffneter Rachen, der uns verschlingen will, der wird selber verschlungen. Der Abgrund des Nichts, der alles sinnlos machen könnte, was wir auf Erden tun, entpuppt sich als die Hand Gottes, in die wir hineinfallen, wenn wir sterben.

Als Jesus am Kreuz stirbt, befiehlt er seinen Geist in Gottes Hände. Er haucht seinen Lebensatem aus und Gottes Hände fangen ihn auf, dort, in der anderen Welt, die wir jetzt noch nicht sehen. Mit den Augen des Glaubens schauen die Freundinnen und Freunde Jesu schon nach drei Tagen einen Abglanz dieser herrlichen Welt. Ihnen erscheint der Auferstandene. Sie spüren, er ist da, er ist für sie da. Sie erfahren, was Jesaja schaut: „Gott wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen.“

Es dauert nicht lange, da erzählen sie ihre Erfahrungen weiter. Das ist christliche Mission, sie kommt nicht als Kriegserklärung daher, sondern ist wie eine Einladung zum Festmahl mit Gott. Wer einlädt, sucht den Kontakt, den Dialog, achtet die Freiheit des anderen, und hat zugleich Kostbares anzubieten. Alle Menschen in der Welt sollen wissen: Der Tod ist überwunden, auch die Sünde ist besiegt, Jesus hat die Menschen versöhnt – mit Gott, miteinander, mit sich selbst. Wir dürfen Jesus nachfolgen, fortführen, was Jesus angefangen hat – Sünden vergeben, Tränen trocknen, Fremdheit, Feindschaft und Grenzen überwinden. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Wir singen aus dem Lied 113 die Strophen 5 bis 8:

5) Es war getötet Jesus Christ, und sieh, er lebet wieder. Weil nun das Haupt erstanden ist, stehn wir auch auf, die Glieder. So jemand Christi Worten glaubt, im Tod und Grabe der nicht bleibt; er lebt, ob er gleich stirbet.

6) Wer täglich hier durch wahre Reu mit Christus auferstehet, ist dort vom andern Tode frei, derselb ihn nicht angehet. Genommen ist dem Tod die Macht, Unschuld und Leben wiederbracht und unvergänglich Wesen.

7) Das ist die reiche Osterbeut, der wir teilhaftig werden: Fried, Freude, Heil, Gerechtigkeit im Himmel und auf Erden. Hier sind wir still und warten fort, bis unser Leib wird ähnlich dort Christi verklärtem Leibe.

8) O Tod, wo ist dein Stachel nun? Wo ist dein Sieg, o Hölle? Was kann uns jetzt der Teufel tun wie grausam er sich stelle? Gott sei gedankt, der uns den Sieg so herrlich hat in diesem Krieg durch Jesus Christ gegeben!

Abkündigungen

Vater im Himmel, Herr der Heerscharen, wie nennen wir dich richtig an, wie Jesus oder wie Jesaja? Du hörst uns als der Vater aller Menschenkinder – gib uns Orientierung im Wandel der Zeiten und Werte, gib uns Richtung auf unseren eigenen ungewissen Pfaden, gib uns Trost an den Rändern unserer Lebenserfahrung, da, wo wir nicht mehr weiterwissen.

Und, Gott, lass uns dich auch erfahren als der Herr der Heerscharen, der lauter gute Engel um sich hat, die uns bewahren und beschützen. So wie du nicht einsam bist, vertreibe unsere Einsamkeit und unsere Furcht, auf Fremde zuzugehen und uns auf Neues einzulassen. Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott, du bist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag. Vater, schenke uns auf Erden erfülltes Leben und am Ende seliges Sterben. Amen.

In der Stille bringen wir vor dich, Gott, was wir außerdem auf dem Herzen haben:

Gebetsstille und Vater unser

Zum Schluss singen wir das Lied 107:

1) Wir danken dir, Herr Jesu Christ, dass du vom Tod erstanden bist und hast dem Tod zerstört sein Macht und uns zum Leben wiederbracht. Halleluja.

2) Wir bitten dich durch deine Gnad: nimm von uns unsre Missetat und hilf uns durch die Güte dein, dass wir dein treuen Diener sein. Halleluja.

3) Gott Vater in dem höchsten Thron samt seinem eingebornen Sohn, dem Heilgen Geist in gleicher Weis in Ewigkeit sei Lob und Preis! Halleluja.

Und nun geht mit Gottes Segen. Vielleicht bleiben Sie auch noch ein wenig zusammen im Gemeindesaal bei Kaffee oder Tee.

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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