Nicht vor die Hunde gehen

„Ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben, und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen.“

Im Bibelkreis sagte ich, dass manche Konfis das, was mir heilig ist, in den Dreck ziehen. Jemand erwiderte: „Vielleicht sind die Konfirmanden ja die Perlen.“ Stimmt! Es geht im Konfi-Unterricht in erster Linie darum, dass die Konfis nicht vor die Hunde gehen.

Eine Schatzkiste, aus der Perlenketten herausquellen

Eine Schatzkiste mit kostbaren Perlen (Bild: pixabay.com)

#predigtKonfi-Gottesdienst mit Jugendband am Sonntag Palmarum, den 1. April 2007, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Unseren Gottesdienst am Palmsonntag feiern wir in diesem Jahr zum Thema: „Nicht vor die Hunde gehen“. Dieser Sonntag ist ja nach den Palmzweigen benannt, die man auf der Straße ausbreitete, als Jesus in die Stadt Jerusalem einzog. Wie einen König begrüßte man ihn. Doch wenige Tage später jubelte man ihm nicht mehr zu, sondern man schrie: „Kreuzige ihn!“ Es war, als ginge er buchstäblich vor die Hunde. Aber er ging diesen Weg, damit wir nicht vor die Hunde gehen.

Die Jugendband mit von Weyhe, Hinz, Klinkert und SchmuckerBesonders freuen wir uns, dass die Jugendband unserer Gemeinde sich mit drei Liedern an der Gestaltung beteiligt. Jetzt spielt die Jugendband ihren Song „Rock im Blut“, selbst getextet und komponiert:

Rock im Blut

Nach diesem rockigen Einstieg in den Gottesdienst sprechen und singen wir die normale Anfangsliturgie, wie sie vorn im Gesangbuch auf den gelben Blättern steht. In diesem Teil hören wir heute die Lesung des Evangeliums und zwei Teile aus dem Psalm 22. Als Glaubensbekenntnis sprechen wir ein Bekenntnis von Dietrich Bonhoeffer.

Wir feiern unseren Gottesdienst Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“

Im Evangelium nach Johannes 12, 12-19, ist die Schriftlesung zum heutigen Palmsonntag aufgezeichnet (Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift © 1980 by Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart):

12 Die Volksmenge, die sich zum Fest eingefunden hatte, [hörte,] Jesus komme nach Jerusalem.

13 Da nahmen sie Palmzweige, zogen hinaus, um ihn zu empfangen, und riefen: Hosianna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn, der König Israels!

14 Jesus fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie es in der Schrift heißt:

15 Fürchte dich nicht, Tochter Zion! Siehe, dein König kommt; er sitzt auf dem Fohlen einer Eselin.

16 Das alles verstanden seine Jünger zunächst nicht; als Jesus aber verherrlicht war, da wurde ihnen bewusst, dass es so über ihn in der Schrift stand und dass man so an ihm gehandelt hatte.

19 Die Pharisäer aber sagten zueinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; alle Welt läuft ihm nach.

Kommt, lasst uns anbet en! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Alle Welt läuft Jesus nach?

Das sagen damals Leute, die Jesus für eine Gefahr halten. Er bringt Unruhe ins Volk, in die Religion, in die Politik. Zwar will Jesus in dieser Welt ausdrücklich kein Reich von dieser Welt aufrichten, aber die Menschen, die ihn in Jerusalem mit Palmzweigen empfangen, verstehen ihn anders, wollen ihn zum König machen. Er soll die Machthaber absetzen, die in Jerusalem und in Rom in den Dreck ziehen, was den Menschen heilig ist und die armen Leute vor die Hunde gehen lassen.

Aber genau das tut Jesus nicht. Und nach wenigen Tagen geht er selber vor die Hunde, wird er selber in den Dreck getreten. Er bekommt zum Spott einen Königsmantel angezogen, eine Königskrone aus Dornen aufgesetzt und darf in der Höhe über Jerusalem thronen – indem er oben auf der Schädelstätte Golgatha am Kreuz hängt.

Alle Welt läuft Jesus nach?

Kann man einem solchen Menschen nachfolgen?

Wir beten Worte aus dem Psalm 22, den Jesus selber am Kreuz betet:

2 Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.

3 Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.

7 Ich bin ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und verachtet vom Volke.

8 Alle, die mich sehen, verspotten mich, sperren das Maul auf und schütteln den Kopf:

9 „Er klage es dem HERRN, der helfe ihm heraus und rette ihn, hat er Gefallen an ihm.“

16 Du legst mich in des Todes Staub.

17 Denn Hunde haben mich umgeben, und der Bösen Rotte hat mich umringt; sie haben meine Hände und Füße durchgraben.

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Menschen, denen es wie Jesus geht, können ihre Klage vor Gott bringen.

Er scheint nicht zu antworten, und trotzdem hört er.

Er scheint uns verlassen zu haben, und ohne dass wir es spüren, ist er doch da.

Wir wollen vor Scham im Boden versinken, und dürfen doch vor Gott aufstehen und ihm unser Leid klagen.

Menschen, die uns wie eine Hundemeute bedrohen, versetzen uns in Panik, und wir können uns doch in das Gebet flüchten, das Jesus uns vorbetet.

Dieses Gebet ist noch nicht zu Ende. Es endet nicht mit Verzweiflung, sondern mit großer Hoffnung:

20 Aber du, HERR, sei nicht ferne; meine Stärke, eile, mir zu helfen!

21 Errette meine Seele vom Schwert, mein Leben von den Hunden!

22 Hilf mir aus dem Rachen des Löwen und vor den Hörnern wilder Stiere – du hast mich erhört!

25 Denn der HERR hat nicht verachtet noch verschmäht das Elend des Armen und sein Antlitz vor ihm nicht verborgen; und als er zu ihm schrie, hörte er’s.

27 Die Elenden sollen essen, dass sie satt werden; und die nach dem HERRN fragen, werden ihn preisen; euer Herz soll ewiglich leben.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist gross Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.

Der Herr sei mit euch! „Und mit deinem Geist!“

Vater Jesu Christi, wir denken über den Weg deines Sohnes in Jerusalem nach, der erst ein Triumphzug war und dann ein Spießrutenlaufen. Ist sein Leben vor die Hunde gegangen, als er am Kreuz starb?

Wir denken über uns nach: Wie wird unser Lebensweg in der Zukunft aussehen? Werden wir erfolgreich und glücklich sein, wird unser Leben erfüllt sein? Oder laufen wir Gefahr, vor die Hunde zu gehen?

Wir denken über uns und über Jesus nach. Haben wir etwas mit ihm zu tun, kann uns Jesus helfen, ausgerechnet er, dass wir unser Leben meistern?

Gott, schenke uns Klarheit und Zuversicht für unser Leben durch deinen Sohn Jesus Christus, unseren Herrn. „Amen.“

In der Schriftlesung hören wir heute nur einen Vers aus dem Evangelium nach Matthäus 7, 6. Dieser Satz wird gleichzeitig der Text zur Predigt sein. Der Evangelist Matthäus hat ihn im Zusammenhang der Bergpredigt Jesu überliefert:

6 Ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben, und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen, damit die sie nicht zertreten mit ihren Füßen und sich umwenden und euch zerreißen.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Amen. „Amen.“

Wir bekennen heute unseren Glauben mit Worten, die Dietrich Bonhoeffer formuliert hat, als er wegen seines Widerstandes gegen den Nationalsozialismus im Gefängnis saß:

Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum besten dienen lassen.

Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.

Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Schicksal ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet. Amen.

Bertram Hinz und Carina von Weyhe

Lied: „Mensch, es ist dir gesagt, was gut ist“
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde aus jungen und älteren Menschen!

Wenn man sich in der Welt oder auch nur in Gießen umschaut, wenn man die Nachrichten verfolgt oder nur im eigenen Alltag genau hinsieht, dann hat man manchmal den Eindruck: Auf der einen Seite leben wir in einer wahnsinnig fortschrittlichen Welt, und auf der anderen Seite scheint diese Welt in einem Wahnsinnstempo vor die Hunde zu gehen.

Auf der einen Seite: Internet, Handy, Flatrate. Vor dreißig Jahren hätten wir noch nicht einmal gewusst, was diese Wörter bedeuten. Auf der anderen Seite: Jugendliche veranstalten Komasaufen bis zum Eintritt des Todes. Ein neugeborenes Kind wird einfach aus dem Fenster geworfen. In der Nachbarschaft unserer Gemeinde liegt eine junge Frau tot in ihrer Wohnung, und man kann ihren Todeszeitpunkt nicht bestimmen, weil sich seit Silvester niemand um sie gekümmert hat.

Noch ein Beispiel für den Fortschritt: Als Dr. Barnard vor 40 Jahren die erste Herzverpflanzung vornahm, war das eine Sensation, heute sind solche medizinischen Wundertaten an der Tagesordnung. Aber wohin schreitet der Fortschritt fort? Er macht die Menschheit nicht automatisch glücklicher. Es bleibt uns überlassen, ob wir gerecht verteilen, was es im Überfluss gibt, ob wir den Überblick behalten, wenn die Freiheit scheinbar grenzenlos wird.

Viele kommen mit der Freiheit und mit dem Überfluss in unserem Land nicht zurecht. Und zwar wohl auch deshalb, weil beides ja in Wirklichkeit viel begrenzter ist, als man denkt. Scheinbar gibt es alles, aber für die meisten Menschen nur auf Kredit. Und die Freiheit verwechseln viele mit Ungebundenheit, Egoismus.

Ich will unsere heutige Welt nicht schlechter reden, als sie ist. Vor allem glaube ich nicht, dass sie schlechter ist als in früheren Zeiten. Früher war anderes schlecht und auch anderes gut als heute. Aber für das Schlechte von früher hat man gerade, wenn man älter wird, einen gut funktionierenden blinden Fleck ausgebildet. Man erinnert sich halt lieber an das Gute und nimmt in der modernen Welt, mit der man nicht mehr so zurechtkommt, eher das Negative wahr als das Positive.

In dieser Predigt gehe ich an ein Wort von Jesus mit der Frage heran: Was ist unsere Welt für eine Welt? Kann das Leben schön sein in dieser Welt? Oder kann man in dieser Welt nur vor die Hunde gehen?

Vorhin haben wir den Satz von Jesus gehört:

6 Ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben, und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen, damit die sie nicht zertreten mit ihren Füßen und sich umwenden und euch zerreißen.

Was meint Jesus mit diesem Satz?

In der Regel wird er so verstanden: Gute Gedanken soll man nicht vor Leuten äußern, die dafür keinen Sinn haben, die sogar das Heiligste in den Dreck ziehen.

Aber würde das nicht eher zu den Pharisäern passen, die Jesus vorwarfen, dass er sich mit unreinen Leuten abgab? Jesus sagte doch immer, er sei wie ein Arzt zu den Kranken gesandt. Er meinte, dass die Halsabschneider von den römischen Finanzbehörden und die Damen des horizontalen Gewerbes eher in den Himmel kommen als diejenigen, die sich selber für fromm und gut halten.

Als wir im ökumenischen Bibelkreis über diesen Vers sprachen, sprach ich von meiner Ratlosigkeit wegen dieser Worte Jesu. Ich gab zu, dass ich manchmal im Konfirmandenunterricht das Gefühl hatte, als ob einige von euch Konfis das, was mir wichtig und heilig ist, in den Dreck ziehen würden. Und da ist mir auch schon mal dieses Wort von Jesus in den Sinn gekommen.

Ein Teilnehmer des Bibelkreises sagte dann: „Vielleicht sind die Konfirmanden ja die Perlen.“ Damit hat er mir die Augen geöffnet. Ja, darum geht es. Es geht im Konfi-Unterricht gar nicht darum, was mir als Pfarrer wichtig und heilig ist, jedenfalls nicht nur und nicht in erster Linie, sondern es geht darum, dass ihr, die Konfis nicht vor die Hunde geht. Es mag ja sein, dass ich einfach nicht die richtigen Worte und Methoden finde, um euch dort zu erreichen, wo ihr lebt. Hin und wieder klappt es ja, dass wir dann doch die gleiche Sprache sprechen, dass wir uns verstehen, dass ein Gespräch zustande kommt. Die Unterrichtssituation ist vielleicht oft einfach nicht der richtige Ort, um zu erkennen, was euch wirklich heilig ist, und was die Anliegen sind, um die es euch wirklich geht.

6 Ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben, und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen

– das heißt also: Wir sollen alles tun, damit die jungen Menschen, die uns anvertraut sind, nicht vor die Hunde gehen und nicht in den Dreck getreten werden. Laura Klinkert und Steffen Schmucker Heilig ist in erster Linie Gott, heilig ist aber auch jedes Menschenleben, denn jeder Mensch ist nach Gottes Bild geschaffen, und überall, wo ein Mensch uns braucht, begegnet uns Jesus selbst in diesem Menschen.

Hier unterbreche ich die Predigt, und wir hören von der Jugendband das Lied „One Of Us“, auf Deutsch: „Einer von uns“. Was wäre, wenn Gott einer von uns wäre, wenn er ein Fremder im Bus wäre, dem wir den Platz anbieten oder eben auch nicht? Was wäre, wenn Gott ein Gesicht hätte? Würden wir ihm ins Gesicht sehen wollen, wenn das bedeuten würde, dass wir anfangen müssten, ihn ernst zu nehmen, an ihn zu glauben, unser Leben zu ändern und all so was?

One Of Us

Liebe Gemeinde, ein zweites Mal betrachte ich das Wort von Jesus:

6 Ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben, und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen, damit die sie nicht zertreten mit ihren Füßen und sich umwenden und euch zerreißen.

Für uns sind Schweine nützliche Tiere, weil wir Schweinefleisch essen, und Hunde stehen für uns noch eine Stufe höher, weil wir sie als Haustiere halten und sogar freundschaftliche Gefühle für sie entwickeln können. Aber trotzdem kann das Wort „Sau“ oder „Schwein“ ein schlimmes Schimpfwort sein, und auch wenn wir jemanden „Du Hund“ oder „Hundesohn“ nennen, ist das nicht als Kompliment gemeint. In der Bibel galten sowohl Schweine als auch Hunde fast immer als unreine Tiere. Das zeigt zum Beispiel ein Vers aus 2. Petrus 2, 22, wo das Sprichwort zitiert wird:

22 Der Hund frisst wieder, was er gespien hat; und: Die Sau wälzt sich nach der Schwemme wieder im Dreck.

Warum redet Jesus mit so scharfen Worten von den Hunden und den Säuen?

Viel spricht dafür, dass er damit seine Wirklichkeit beschreibt, eine Wirklichkeit, die es in ähnlicher Weise bis heute gibt. Vorhin im Psalm 22 haben wir gehört:

17 Denn Hunde haben mich umgeben, und der Bösen Rotte hat mich umringt; sie haben meine Hände und Füße durchgraben.

21 Errette meine Seele vom Schwert, mein Leben von den Hunden!

Jesus hat diesen Psalm am Kreuz gebetet. Die Hunde, die ihn umgeben, die seine Hände und Füße durchbohren, die sein Leben am Kreuz beenden, das sind Menschen, die im Auftrag und Namen einer mörderischen Staatsmacht handeln, ähnlich wie später die Menschen, die Dietrich Bonhoeffer ins Gefängnis stecken und hinrichten. Jesus sieht sich offenbar einer Welt ausgeliefert, in der die Unreinheit regiert: römische Götzenkulte überall, Orgien und Unzucht sind an der Tagesordnung, die Gebote Gottes werden mit Füßen getreten. Das ist eine Welt, in der auch diejenigen vor die Hunde zu gehen drohen, die dabei nicht mitmachen wollen. Jesus machte sich schon damals Sorgen um die Kleinen, deren Vertrauen zerstört wird.

Und heute? Haben Kinder eine Chance auf Reinheit, wenn sie von klein auf mit Bildern von Sex und Gewalt vor Augen aufwachsen, statt liebevoll umsorgt zu sein und klare Grenzen gezeigt zu bekommen? Unsere Verantwortung ist groß, wenn bei uns kein Kind vor die Hunde gehen soll – denn viele Eltern werden Eltern, wenn sie selber eigentlich noch Kinder sind; viele von ihnen sind überfordert und brauchen Hilfe bei ihrer Aufgabe, für die eigenen Kinder da zu sein und ihnen zu zeigen, worauf es im Leben ankommt.

Aber wo sind heute die Hunde und die Säue zu finden, die an allem schuld sind? Man kann nicht auf bestimmte einzelne Menschen mit dem Finger zeigen und sagen: Die sind schuld. Vielleicht kann man sagen: Geld regiert die Welt, und man muss denjenigen, die über das meiste Geld verfügen, auf die Finger sehen, weil sie verantwortlich damit umzugehen haben. Vielleicht regiert die scheinbare grenzenlose Freiheit, die in Wahrheit die grenzenlose Herrschaft des Egoismus ist, und je mehr Macht ein Egoist hat, desto mehr Menschen kann er in den Dreck treten.

Solchen Egoisten will Jesus keine Perlen und nichts Heiliges vorwerfen. Vor ihnen will Jesus die Kleinen bewahren, die auf ihn vertrauen. Wir können eine Menge tun, um Jesus dabei zu helfen. Wir können Kinder stark machen, innerlich stark, indem wir uns Zeit für sie nehmen, Geduld mit ihnen haben, manchmal bis an die Grenzen unserer Kräfte und Nerven. Wenn Kinder von uns lernen, dass man nicht alles haben muss, um zufrieden zu sein, dann sind sie weniger verführbar durch den grenzenlosen Konsumdruck. Wenn Kinder ein Selbstbewusstsein lernen, das nicht vom größten Bankkonto, vom größten Sportwagen oder vom größten Busen abhängt, dann müssen sie nicht anders sein wollen, als sie sind, weil sie allein als der Mensch, der sie sind, schon wertvoll sind. Wir sind wertvoll, weil wir von Gott geliebt sind und weil wir die phantastische Fähigkeit haben, selber auch andere Menschen zu lieben.

Und was ist mit den Egoisten selbst, mit den Hunden und Schweinen? Jesus hat kein Verständnis für sie, denn sie treten das Heilige in den Dreck und sie machen auch das Bild Gottes im eigenen Leben unerkennbar. Trotzdem begegnet Jesus sogar ihnen nicht mit Hass und Verachtung. Er tritt ihnen mit einem übermenschlichen Mitgefühl gegenüber. Als er am Kreuz hängt, sagt er über sie (Lukas 23, 34):

Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.

Er gibt nicht die Hoffnung auf, dass selbst menschliche Hunde und Schweine sich ändern können. Sie wissen nicht, was sie tun, aber sie sollten es wissen. Jeder einzelne Mensch sollte sich klar machen, was er tut, wenn er respektlos handelt, wenn er in den Dreck zieht, was einem anderen heilig ist, wenn er ein Kind prügelt oder vernachlässigt oder gar missbraucht.

Jesus will nicht, dass wir vor die Hunde gehen. Aber hört gut zu: Wirklich vor die Hunde geht nur der Mensch, der andere vor die Hunde gehen lässt und niemals von diesem Weg umkehrt. Eine vergewaltigte Frau, ein gedemütigter Mann, ein ermordetes Kind, sie gehen nicht wirklich vor die Hunde. Jesus nimmt sie in seine Arme, diese Menschen bleiben in Gottes Augen seine geliebten Kinder. So ging auch der ermordete Jesus am Kreuz nicht vor die Hunde. Der Vater im Himmel erweckte ihn zum Leben und machte ihn zum Herrn dieser Welt. Dieser Herr hat es nicht nötig, andere in den Dreck zu treten. Im Gegenteil (Lukas 1, 52):

Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen.

Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Lied „Schritt für Schritt“: Neue Schritte wagen, gehn in deiner Spur

Die JugendbandWir wollen still werden und miteinander beten, wir bitten die Gemeinde dazu aufzustehen:

Gott, damit wir nicht vor die Hunde gehen, lass uns von dir und deinem Sohn lernen.

Mit einem Gebet aus Afrika unter der Stichwort „Verweilen“ richte ich unsere Bitten an dich, o Herr:

Lass mich langsamer gehen, Herr. Entlaste das eilige Schlagen meines Herzens durch das Stillwerden meiner Seele. Lass meine hastigen Schritte stetiger werden mit dem Blick auf die weite Zeit der Ewigkeit. Gib mir inmitten der Verwirrung des Tages die Ruhe der ewigen Berge. Löse die Anspannung meiner Nerven und Muskeln durch die sanfte Musik der singenden Wasser, die in meiner Erinnerung lebendig sind. Lass mich die Zauberkraft des Schlafens erkennen, die mich erneuert. Lehre mich die Kunst des freien Augenblicks. Lass mich langsamer gehen, um eine Blume zu sehen, ein paar Worte mit einem Freund zu wechseln, einen Hund zu streicheln, ein paar Zeilen in einem Buch zu lesen. Lass mich langsamer gehen, Herr, und gib mir den Wunsch, meine Wurzeln tief in den ewigen Grund zu senken, damit ich emporwachse zu meiner wahren Bestimmung.

Und, barmherziger Gott, wir bitten dich heute für zwei Menschen, die gestorben und die wir in der vergangenen Woche kirchlich bestattet haben: … . Wir wissen im Glauben, dass du sie mit Ehren annimmst in deinem himmlischen Reich, dass du alle ihre geweinten und ungeweinten Tränen abwischen wirst, dass sie erlöst sind von ihren Krankheiten und ihren Leiden, und dass die Liebe ihres Lebens in Ewigkeit bei dir aufbewahrt bleiben wird. Sei du auch bei denen, die ihnen nahestanden, begleite sie auf dem schweren Weg ihrer Trauer, lass sie getröstet sein und ihr Leben im Vertrauen und in Liebe führen.

Was wir außerdem auf dem Herzen haben, sagen wir dir in der Stille:

Gebetsstille und Vater unser
Lied: „Jesus Christus segne dich“
Abkündigungen

Vielen Dank, liebe Laura Klinkert, liebe Carina von Weyhe, lieber Steffen Schmucker und lieber Bertram Hinz für eure Musik. Wir hören noch ein Nachspiel von euch, danach sind alle zum Kirchencafé herzlich eingeladen, doch erst gibt es Gottes Segen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

In deiner Hand
Die Jugendband in der ersten Reihe der Pauluskirche

Die Jugendband: Steffen Schmucker, Bertram Hinz, Laura Klinkert und Carina von Weyhe

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