Echte Wärme für eine kalte Welt

Jesus sagt: „Es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen.“ Niemand soll verloren gehen. Der Adventskranz ist ein Gleichnis für das Licht, das in der Dunkelheit leuchtet und die Angst vertreibt. Und der Nikolaus bringt Wärme in das Leben vor allem der Kinder.

Winkender Nikolaus mit Mitra bei einem Nikolausumzug in Holland

Heute gibt es in der Predigt eine Nikolausgeschichte (Foto von einem Nikolausumzug in Holland: pixabay.com)

direkt-predigtGottesdienst am 2. Advent, den 6. Dezember 1992, um 9.30 Uhr in der Kapelle der Landesnervenklinik Alzey

Herzlich willkommen im Gottesdienst in unserer Klinik-Kapelle! Zwei Kerzen brennen heute am Adventskranz – wir haben den 2. Sonntag im Advent, in dieser Zeit des Wartens vor Weihnachten. Advent heißt Ankunft – Advent heißt: es kommt etwas auf uns zu, etwas, worauf wir uns freuen können, Advent heißt: Geduld üben, Hoffnung bewahren, ein kleines Licht nach dem andern anzünden, bis irgendwann der helle Glanz des Lichtes alle Dunkelheit vertreibt. In der Predigt hören wir mehr von dieser Hoffnung des Advent.

Außerdem ist heute noch ein besonderer Tag, über den sich besonders die Kinder sehr freuen: der Nikolaustag! Auch darauf werde ich in der Predigt noch ein wenig eingehen.

Doch zunächst singen wir ein neueres Adventslied, es ist in dem blauen Liederheft gleich das erste Lied, und wir singen, weil wir erst den zweiten Advent haben, heute nur die ersten beiden Strophen:
Wir sagen euch an den lieben Advent
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Mit Worten des Psalms 80 bitten wir, dass Gott uns zu Hilfe kommt, so wie vor Zeiten das Volk Israel um das Kommen Gottes gebeten hat:

2 Du Hirte Israels, höre, der du Josef hütest wie Schafe!

3 Erwecke deine Kraft und komm uns zu Hilfe!

4 Gott, tröste uns wieder und lass leuchten dein Antlitz, so genesen wir.

5 Herr, Gott Zebaoth, wie lange willst du zürnen, während dein Volk zu dir betet?

6 Du speisest sie mit Tränenbrot und tränkest sie mit einem großen Krug voll Tränen.

8 Gott, tröste uns wieder und lass leuchten dein Antlitz, so genesen wir.

19 So wollen wir nicht von dir weichen. Lass uns leben, so wollen wir deinen Namen anrufen.

20 Gott, tröste uns wieder und lass leuchten dein Antlitz, so genesen wir.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Ach Gott im Himmel, jedes Jahr in der Zeit vor Weihnachten spüren wir: es ist nicht selbstverständlich, schöne Weihnachten feiern zu können. Es gibt so viele Menschen, die an Weihnachten nur gute Geschäfte machen wollen. Es gibt so viele Menschen, die in der Adventszeit überhaupt nicht zur Ruhe kommen. Und für viele Menschen ist Weihnachten ein verlogenes Fest, weil man meint, Gefühle zeigen zu müssen, die nicht echt sind. Gott, was hat man nur aus dem Fest der Geburt deines Sohnes gemacht? Gott im Himmel, lass uns wieder ganz neu lernen, was Weihnachten eigentlich bedeutet! Schenke uns Ruhe, Geduld, Hoffnung im Warten auf das, worauf es wirklich ankommt! Denn das große Geschenk, das du uns machen willst, das bist du selbst, du mit deiner übergroßen Liebe zu uns Menschenkindern! Mache uns bereit, dass wir dein Geschenk annehmen, mach uns offen für deine Liebe! Das erbitten wir von dir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören Worte des Propheten Jesaja 63, 15 – 64, 3; es sind Worte der Hoffnung, gesprochen in einer Zeit, in der der Tempel in Jerusalem zerstört war, das Volk Israel in der Verbannung lebte und sich vollkommen von Gott verlassen fühlte:

15 So schau nun vom Himmel und sieh herab von deiner heiligen, herrlichen Wohnung! Wo ist nun dein Eifer und deine Macht? Deine große, herzliche Barmherzigkeit hält sich hart gegen mich.

16 Bist du doch unser Vater; denn Abraham weiß von uns nichts, und Israel kennt uns nicht. Du, HERR, bist unser Vater; »Unser Erlöser«, das ist von alters her dein Name.

17 Warum lässt du uns, HERR, abirren von deinen Wegen und unser Herz verstocken, dass wir dich nicht fürchten? Kehr zurück um deiner Knechte willen, um der Stämme willen, die dein Erbe sind!

18 Kurze Zeit haben sie dein heiliges Volk vertrieben, unsre Widersacher haben dein Heiligtum zertreten.

19 Wir sind geworden wie solche, über die du niemals herrschtest, wie Leute, über die dein Name nie genannt wurde. Ach dass du den Himmel zerrissest und führest herab, dass die Berge vor dir zerflössen,

1 wie Feuer Reisig entzündet und wie Feuer Wasser sieden macht, dass dein Name kund würde unter deinen Feinden und die Völker vor dir zittern müssten,

2 wenn du Furchtbares tust, das wir nicht erwarten – und führest herab, dass die Berge vor dir zerflössen! –

3 und das man von alters her nicht vernommen hat. Kein Ohr hat gehört, kein Auge hat gesehen einen Gott außer dir, der so wohl tut denen, die auf ihn harren.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Wir singen das Lied Nr. 5 – egal ob im blauen Heft oder im Gesangbuch, es ist die gleiche Nummer – und zwar Strophe 1 bis 5. In diesem Lied wird in verschiedenen Bildern aus der Natur ausgemalt, wie sehr wir Menschen uns danach sehnen können, dass Gott mit seiner Erlösung, mit seiner Liebe endlich zu uns auf die Erde kommt:

1) O Heiland, reiß die Himmel auf, herab, herab vom Himmel lauf. Reiß ab vom Himmel Tor und Tür, reiß ab, wo Schloss und Riegel für.

2) O Gott, ein Tau vom Himmel gieß, im Tau herab, o Heiland, fließ. Ihr Wolken, brecht und regnet aus den König über Jakobs Haus.

3) O Erd, schlag aus, schlag aus, o Erd, dass Berg und Tal grün alles werd. O Erd, herfür dies Blümlein bring, o Heiland, aus der Erden spring.

4) Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt, darauf sie all ihr Hoffnung stellt? O komm, ach komm vom höchsten Saal, komm, tröst uns hier im Jammertal.

5) O klare Sonn, du schöner Stern, dich wollten wir anschauen gern; o Sonn, geh auf! Ohn deinen Schein in Finsternis wir alle sein.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Zur Predigt hören wir, wie Jesus selber im Evangelium nach Matthäus 24, 1-14, von der Zukunft spricht, von dem, was auf uns zukommt, von dem, was uns Hoffnung geben kann, auch wenn wir selber noch nicht viel von einer heilen Welt wahrnehmen können:

1 Und Jesus ging aus dem Tempel fort, und seine Jünger traten zu ihm und zeigten ihm die Gebäude des Tempels.

2 Er aber sprach zu ihnen: Seht ihr nicht das alles? Wahrlich, ich sage euch: Es wird hier nicht ein Stein auf dem andern bleiben, der nicht zerbrochen werde.

3 Und als er auf dem Ölberg saß, traten seine Jünger zu ihm und sprachen, als sie allein waren: Sage uns, wann wird das geschehen? und was wird das Zeichen sein für dein Kommen und für das Ende der Welt?

4 Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Seht zu, dass euch nicht jemand verführe.

5 Denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin der Christus, und sie werden viele verführen.

6 Ihr werdet hören von Kriegen und Kriegsgeschrei; seht zu und erschreckt nicht. Denn das muss so geschehen; aber es ist noch nicht das Ende da.

7 Denn es wird sich ein Volk gegen das andere erheben und ein Königreich gegen das andere; und es werden Hungersnöte sein und Erdbeben hier und dort.

8 Das alles aber ist der Anfang der Wehen.

9 Dann werden sie euch der Bedrängnis preisgeben und euch töten. Und ihr werdet gehasst werden um meines Namens willen von allen Völkern.

10 Dann werden viele abfallen und werden sich untereinander verraten und werden sich untereinander hassen.

11 Und es werden sich viele falsche Propheten erheben und werden viele verführen.

12 Und weil die Ungerechtigkeit überhand nehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten.

13 Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig werden.

14 Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen.

Liebe Gemeinde! Dieser Text passt nicht zu einer adventlich-weihnachtlichen Stimmung, wie sie so allgemein üblich ist. Da ist von Kriegen und Katastrophen die Rede, und die Gedanken an solche Dinge will man an Weihnachten doch lieber verdrängen. Wenn Kriege länger andauern, schließt man sogar Waffenstillstände an Weihnachten; aber sie werden meistens doch wieder gebrochen.

Die Bibel ist nicht einfach ein Buch, um eine bestimmte Stimmung zu erzeugen. Sie will nicht die Wirklichkeit zudecken. Sie ist wahrhaftig. Und dennoch ist sie ein Hoffnungsbuch.

Das Matthäusevangelium schildert, wie Jesus den Jüngern darüber eine Lehrstunde gibt: Wie kann man der Wahrheit ins Auge sehen und dennoch Hoffnung bewahren?

Es fängt eigentlich ganz harmlos an. Jesus ist mit seinen Jüngern im Tempel, so wie man in eine schöne prachtvolle Kirche geht, vielleicht in den Mainzer Dom, und beim Herausgehen zeigen ihm die Jünger alle Gebäude des Tempels und sagen: »Wie schön ist dieser Tempel – der ist für die Ewigkeit gebaut!« Der Tempel steht hier als Symbol für eine Schönheit, die von Menschenhand geschaffen werden kann, die man sehen und anstaunen kann, für die Macht und Stärke einer Religionsgemeinschaft, die sich in herrlichen Gebäuden und äußerer Prachtentfaltung ausdrückt.

Aber Jesus kann sich nicht nur freuen über das alles. Er weiß: Das ist nur scheinbar für die Ewigkeit gemacht. Er weiß: Es ist sogar gefährlich, wenn Menschen äußere Schönheit und Pracht für wichtiger halten als die inneren Werte.

Deshalb dieses harte, bittere Wort von Jesus: „Wahrlich, ich sage euch: Es wird hier nicht ein Stein auf dem andern bleiben, der nicht zerbrochen werde.“

Jesus macht nur diese Bemerkung, und die Jünger haben Angst. Alles geht kaputt, auch der schöne Tempel! Da wollen sie genau wissen, wann das sein wird. So haben sie wenigstens die Kontrolle über die Katastrophe. Noch heute lesen manche Leute gerne im Horoskop, was die Zukunft bringt, oder sie gehen zur Wahrsagerin, weil sie die Ungewissheit über die Zukunft nicht ertragen möchten. Und manchmal führt jemand etwas Schlimmes auch selbst herbei – sei es gewollt oder ohne Absicht; denn der Gedanke ist verführerisch: Wenn alles einmal kaputt geht, dann hat sowieso alles keinen Sinn, dann will ich wenigstens nicht von einem Unglück überrascht werden.

Die Jünger glauben fest daran: lange wird diese Welt nicht mehr bestehen, und Jesus wird wieder auf die Erde kommen, und dann ist das Ende der Welt da, und ein neuer Himmel und eine neue Erde wird kommen. Und als sie etwas später mit Jesus auf dem Ölberg zusammen sind, wollen sie genau von ihm wissen: wie wird das geschehen, wann wird das sein, an welchen Zeichen wird man erkennen, wann es soweit ist?

Aber Jesus will auf diese Frage so gar nicht eingehen. Denn er weiß: Es macht die Menschen nicht glücklich, wenn sie genau über die Zukunft Bescheid wissen, nein, das würde ihnen noch mehr Angst machen. Zuversichtlich können die Menschen nur werden, wenn sie Vertrauen gewinnen, ein ganz tief innen drin wachsendes Vertrauen auf Gott. Und dieses Vertrauen ist kein naiver Optimismus, als ob es keine schrecklichen Dinge in der Welt gäbe, sondern gerade wer Gott vertraut, kann die Welt so sehen, wie sie ist, und trotzdem zuversichtlich und voller Hoffnung leben.

„Seht zu, dass euch nicht jemand verführe“, so warnt uns Jesus ausdrücklich. „Denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin der Christus, und sie werden viele verführen.“ Alle, die uns mehr Angst machen vor der Zukunft, als dass sie uns Mut und Zuversicht vermitteln, haben nichts mit dem Jesus der Bibel zu tun. Auf die, die uns weismachen wollen, dass man die Zukunft vorausberechnen und unter Kontrolle kriegen könne, soll man lieber nicht hören.

Und wenn jemand sagt: Heute gibt es so viele Kriege, so viele Katastrophen, die Menschen können die Erde heutzutage selber kaputtmachen, bald muss also das Ende da sein, dann ist alles aus, wir wissen es genau! Was dann? Jesus sagt dazu: Ja, „ihr werdet hören von Kriegen und Kriegsgeschrei; seht zu und erschreckt nicht. Denn das muss so geschehen; aber es ist noch nicht das Ende da.“

Ich sehe hier Jesus ganz deutlich als einen Menschen, der sich nicht als Supermann aufführt, der nicht sagt: Ich werde alle Kriege verhindern! Wer diese Erwartung an Gott oder an Jesus richtet, wird enttäuscht. Gott will uns auf andere Weise helfen, nicht mit Zauberei, nicht mit Gewalt.

Realistisch betrachtet Jesus das, was in der Geschichte der Erde und der Menschen zu allen Zeiten passiert ist und was wir bis heute in den Nachrichten mitbekommen: „Es wird sich ein Volk gegen das andere erheben und ein Königreich gegen das andere; und es werden Hungersnöte sein und Erdbeben hier und dort.“

Aber Jesus zieht daraus nicht den Schluss, dass deswegen sowieso alles sinnlos wäre. Und eines will er um keinen Preis: dass wir unsere Gefühle abstumpfen und unsere Augen verschließen vor dem Leid in der Welt oder im eigenen Leben. Denn nur wenn wir spüren, was weh tut, können wir auch unterscheiden: Welches Leid kann verhindert oder gelindert werden? Und was muss man einfach hinnehmen, weil es nicht zu ändern ist?

Jesus weiß: Durch manches Leid, manche Angst, manche Schmerzen muss man hindurchgehen. Manche Tränen müssen geweint werden, manchmal kann man vor Wut und Schmerzen nur laut aufschreien. Und erst danach wird man vielleicht feststellen: Das Leben geht doch weiter, es gibt neues Glück, obwohl man gemeint hatte, es wäre alles aus.

Jesus drückt diesen Gedanken in einem eigentümlichen Vergleich aus: „Das alles aber ist der Anfang der Wehen.“ Er vergleicht das Schlimme, was in der Welt passiert, was so weh tut, mit den Wehen, die eine Frau hat, wenn sie ein Kind bekommt. Jesus weiß: Furchtbare Dinge können gerade den Menschen passieren, die an Gott glauben, die sich für ihren Herrn Jesus einsetzen und die sich nicht mit Gewalt gegen Verfolgung wehren wollen. Und Jesus beschreibt sehr deutlich, was mit den Christen später in bestimmten Verfolgungszeiten immer wieder geschehen ist: „Dann werden sie euch der Bedrängnis preisgeben und euch töten. Und ihr werdet gehasst werden um meines Namens willen von allen Völkern. Dann werden viele abfallen und werden sich untereinander verraten und werden sich untereinander hassen. Und es werden sich viele falsche Propheten erheben und werden viele verführen. Und weil die Ungerechtigkeit überhand nehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten.“

Heute gibt es bei uns keine gewaltsame Christenverfolgung. Aber trotzdem gibt es viele, die den Glauben verlieren, die die Liebe für überholt halten, die keine Hoffnung mehr haben. Auch uns will Jesus ermutigen, durchzuhalten. Denn Hoffnung besteht für unsere Welt nur da, wo Glaube und Liebe am Leben bleiben, wo die Gefühle nicht erkalten in scheinbarer Stärke.

„Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig werden“, das bedeutet eben nicht, sich immer zusammenreißen zu müssen. Etwas ganz anderes ist gemeint: Wenn man weiß, dass man nicht allein ist, wenn man gelernt hat, zu vertrauen, dann kann man dem standhalten, was im Innern weh tut, dann kann man die Tränen weinen, die geweint werden wollen, dann kann man eben so sein, wie man ist – als ein geliebtes Kind Gottes.

An dieser Stelle singen wir ein neues Lied zur Weihnachtszeit, im blauen Liederheft Nummer 48:
Ein Licht geht uns auf in der Dunkelheit

Ja, liebe Gemeinde, alles, was Jesus von Gott erzählt hat, dass er die Menschen lieb hat, dass er die Sünden vergibt, dass er uns niemals verlässt, diese Frohe Botschaft ist Grund genug dafür, die Hoffnung nicht zu verlieren, auch wenn wir immer wieder Nachrichten hören, die uns Angst machen.

Jesus sagt: „Es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen.“ Erst dann kommt das Ende, vorher nicht. So drückt Jesus die Zuversicht aus: niemand soll verloren gehen.

Vieles tut weh in unserer Welt, im Großen und im Kleinen, im Leben der Völker und im einzelnen Menschenleben. Jesus wollte uns klarmachen: Es nützt uns nichts, wenn wir alles schon vorher wissen und dann sagen: Ich hab’s ja gleich gesagt – es hat alles keinen Zweck. Jesus wollte zeigen, wie wichtig es ist, trotz allem standzuhalten, nachzudenken, zu fühlen, nicht aufzugeben. Er wollte nichts als Liebe schenken, Vertrauen wecken, Hoffnung aufbauen, ein Stück Wärme in eine kalte Welt hineinbringen.

Und nun merken wir vielleicht: unser Predigttext widerspricht ja gar nicht dem, was alle die Bilder ausdrücken wollen, die mit der Adventszeit zusammenhängen:

Das Licht, das am Adventskranz brennt, heute schon das zweite, das ist doch auch ein Gleichnis für das Licht, das anfängt in der Dunkelheit zu leuchten und die Angst zu vertreiben.

Die Türchen, die am Adventskalender aufgemacht werden, heute schon das sechste – jeden Tag wird eine neue Tür aufgemacht, und die Kinder sind ganz gespannt, was dahinter versteckt ist – das ist eine kleine und doch so schöne Freude für kleine Menschen, die über Kleines staunen können.

Und schließlich der Nikolaus, an den wir uns heute am 6. Dezember besonders erinnern, auch er ist eine Gestalt, die ein wenig Wärme und Freude in das Leben vor allem der Kinder bringt.

Der Nikolaus hat übrigens wirklich gelebt, vor vielen hundert Jahren. Soll ich noch von ihm erzählen, heute am Nikolaustag?

Vor langer Zeit lebte im Morgenland ein junger Mann mit Namen Nikolaus. Seine Eltern waren reich. Der Vater besaß mehrere Bauernhöfe. Knechte und Mägde besorgten die Weizen- und Gerstenfelder. Ein Dutzend Handelsschiffe gehörten ihm. Sie führten Waren aus dem Morgenland nach Europa. Die Familie lebte in einem wunderschönen Haus in Patara. Einer der Diener war als Hauslehrer angestellt. Er brachte dem jungen Nikolaus das Lesen und Schreiben bei. Er erzählte ihm viele Geschichten. Vor allem von Jesus und seinen Jüngern. Nikolaus konnte nie genug schöne Geschichten hören.

Als er zwölf Jahre alt war, starben seine Eltern. Er war sehr traurig, auch wenn er keine Not leiden musste. Von einem Tag auf den andern gehörte der ganze Reichtum seiner Eltern ihm, dem einzigen Erben. Er war ein reiches armes Waisenkind.

Als Nikolaus älter wurde und seine Schmerz überwunden hatte, behielt er offene Augen und Ohren für die, die nicht so reich waren wie er selbst. Er wusste, dass nur wenige Menschen so leben konnten wie er.

Eines Abends, als er von einem Spaziergang zurückkehrte, hörte er aus einem Nachbarhaus aufgeregte Stimmen. »Bringt mir Geld«, schrie ein Mann, »wir haben nichts mehr zu essen! Und ohne Geld könnte ihr auch nie heiraten.« Er meinte damit seine drei Töchter. Es war damals Brauch, dass eine junge Frau nur heiraten konnte, wenn sie Hausgeräte und etwas Geld in die Ehe brachte. »Für dich, Petra, wäre es an der Zeit, eine Familie zu gründen«, rief der Vater.

Nikolaus eilte in sein Haus. Er nahm aus einer Truhe drei Goldstücke, wickelte sie in einen Stofflappen, machte einen Knoten und ging, als es ganz dunkel war, zum Haus des armen Nachbarn. Dort warf er das kostbare Geschenk durch das offene Fenster und verschwand.

Bald darauf wurde in der Stadt die Heirat der Petra bekanntgegeben. Und es war nicht das letzte Mal, dass Nikolaus einem Menschen, der in Not war, so heimlich geholfen hatte. Dieser junge Mann namens Nikolaus kannte nicht Schöneres, als einem anderen Menschen Freude zu bereiten. Deshalb gibt es bis heute, wenn wir am 6. Dezember Nikolaustag feiern, kleine Geschenke für Kinder und manchmal auch für große Leute.

Später wurde Nikolaus zum Bischof von Myra gewählt, das heißt, er musste als Pfarrer in der Kirche predigen und die Gemeinden in einem großen Bezirk leiten. Er machte das sehr gut und hörte auch als Bischof nicht auf, an die Not der armen Leute zu denken. Und weil er als Bischof oft ein rotes Bischofsgewand trug, deshalb trägt bis heute, wer sich als Nikolaus verkleidet, einen roten Nikolausmantel! Vielleicht haben Sie ja auch schon in den letzten Tagen einen Nikolaus gesehen – einen, der Kindern und Erwachsenen ein bisschen Freude schenken will!

Noch einmal: Advent und Weihnachten soll nicht eine Zeit der falschen Gefühle und unechten Stimmungen sein. Sondern es geht um etwas ganz Wichtiges: dass ein bisschen echte Wärme einzieht in eine kalte Welt, dass wir uns ergreifen lassen von der Liebe, mit der Gott uns beschenken will. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Wir singen aus dem Liederheft das Lied 8, 1-3 (im Gesangbuch 8, 2+3+5):

2) Auf, ihr betrübten Herzen, der König ist gar nah; hinweg all Angst und Schmerzen, der Helfer ist schon da. Seht, wie so mancher Ort hochtröstlich ist zu nennen, da wir ihn finden können im Nachtmahl, Tauf und Wort.

3) Auf, auf, ihr Vielgeplagten, der König ist nicht fern. Seid fröhlich, ihr Verzagten, dort kommt der Morgenstern. Der Herr will in der Not mit reichem Trost euch speisen, er will euch Hilf erweisen, ja dämpfen gar den Tod.

5) Frischauf in Gott, ihr Armen, der König sorgt für euch; er will durch sein Erbarmen euch machen groß und reich. Der an das Tier gedacht, der wird auch euch ernähren; was Menschen nur begehren, das steht in seiner Macht.

Nun feiern wir – wie immer am ersten Sonntag des Monats – das heilige Abendmahl miteinander. Wer kommen will, mag gleich nach vorn kommen, wer nicht mitmachen will, mag auf seinem Platz bleiben.

Herr Jesus Christus, du bist das Licht der Welt und das Licht auf unserem eigenen Lebensweg. Leite uns durch die Finsternis, damit wir getrost unseren Weg gehen können. Halte uns fest an deiner Hand und stärke uns für unseren Weg mit deinem Heiligen Abendmahl. Amen.

Einsetzungsworte und Abendmahl

Gott, wir sagen Dank für Brot und Kelch, für unsern gestillten Hunger und unsere gestillte Sehnsucht, für Nähe und Geborgenheit, für Liebe und Vertrauen. Wir sagen Dank für alle Menschen, die uns lieb sind und die uns stützen auf unserem Weg.

Und wir bitten dich, unser lieber Herr, höre nicht auf, uns zu begleiten und uns beizustehen. Lass uns nicht los, wenn wir meinen, unser Schicksal nicht mehr ertragen zu können. Und auch wenn wir mitten in finsterer Verzweiflung stecken: lass uns das Licht deiner Hoffnung sehen! Amen.

Alles, was uns heute bewegt, schließen wir im Gebet Jesu zusammen:

Vater unser

Zum Schluss singen wir aus dem blauen Liederheft das Lied 15, 1-3:

Lobt den Herrn, lobt den Herrn, unter uns erblüht sein Stern

Und nun geht mit Gottes Segen in den Sonntag und in die neue Woche:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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