„Du, lass dich nicht verhärten“

Jesu Gleichnis vom vierfachen Ackerboden.

Jesus macht mit seinem Gleichnis Mut. Fühlen wir uns wie der Sämann, sagt er uns: „Es gibt noch genug guten Boden, der Früchte hervorbringt.“ Und wenn wir uns im Ackerfeld wiedererkennen: „Manchmal kommt ihr euch vor wie ein zertrampeltes Feld oder wie ein Dornengestrüpp. Aber irgendwann entdeckt ihr auch in euch wieder den guten Ackerboden.“

Hortus Deliciarum, Das Gleichnis vom Sämann, circa 1180. By Herrad von Landsberg (Hortus Deliciarum) [Public domain] (<a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AHortus_Deliciarum%2C_Das_Gleichnis_vom_S%C3%A4mann.JPG">via Wikimedia Commons</a>) Dieses Foto wurde von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Dnalor_01">Dnalor_01</a> erstellt und unter nachfolgend aufgeführter Lizenz veröffentlicht. Das Bild kann frei verwendet werden, solange der Urheber, die Quelle (Wikimedia Commons) und die Lizenz (CC-BY-SA 3.0) unmittelbar beim Bild genannt wird.

Das Gleichnis vom Sämann, circa 1180. By Herrad von Landsberg (Hortus Deliciarum) [Public domain] (via Wikimedia Commons) Dieses Foto wurde von Dnalor_01 erstellt und unter nachfolgend aufgeführter Lizenz veröffentlicht. Das Bild kann frei verwendet werden, solange der Urheber, die Quelle (Wikimedia Commons) und die Lizenz (CC-BY-SA 3.0) unmittelbar beim Bild genannt wird.

#predigtGottesdienst am Sonntag Estomihi, 22. Februar 2009, 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen (ursprünglich: Abendmahlsgottesdienst am Sonntag Sexagesimae, den 4. Februar 1991, um 9.30 Uhr in der Landesnervenklinik Alzey)

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Herzlich willkommen im Gottesdienst am Sonntag vor der Passionszeit mit dem Thema: „Du, lass dich nicht verhärten!“ In der Predigt geht es heute um das Gleichnis vom Sämann und vom vierfachen Ackerboden – also um die Suche nach Leben, die in Gott ihr Ziel findet.

Lied 371, 1-5:

1) Gib dich zufrieden und sei stille in dem Gotte deines Lebens. In ihm ruht aller Freuden Fülle, ohn ihn mühst du dich vergebens; er ist dein Quell und deine Sonne, scheint täglich hell zu deiner Wonne. Gib dich zufrieden!

2) Er ist voll Lichtes, Trosts und Gnaden, ungefärbten, treuen Herzens; wo er steht, tut dir keinen Schaden auch die Pein des größten Schmerzens. Kreuz, Angst und Not kann er bald wenden, ja auch den Tod hat er in Händen. Gib dich zufrieden!

3) Wie dirs und andern oft ergehe, ist ihm wahrlich nicht verborgen; er sieht und kennet aus der Höhle der betrübten Herzen Sorgen. Er zählt den Lauf der heißen Tränen und fasst zu Hauf all unser Sehnen. Gib dich zufrieden!

4) Wenn gar kein einz’ger mehr auf Erden, dessen Treue du darfst trauen, alsdann will er dein Treuster werden und zu deinem Besten schauen. Er weiß dein Leid und heimlich Grämen, auch weiß er Zeit, dir‘s abzunehmen. Gib dich zufrieden!

5) Er hört die Seufzer deiner Seelen und das Herzens stilles Klagen, und was du keinem darfst erzählen, magst du Gott gar kühnlich sagen. Er ist nicht fern, steht in der Mitten, hört bald und gern der Armen Bitten. Gib dich zufrieden!

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Wir beten mit Psalm 116:

1 Ich liebe den HERRN, denn er hört die Stimme meines Flehens.

2 Er neigte sein Ohr zu mir; darum will ich mein Leben lang ihn anrufen.

3 Stricke des Todes hatten mich umfangen, des Totenreichs Schrecken hatten mich getroffen; ich kam in Jammer und Not.

4 Aber ich rief an den Namen des HERRN: Ach, HERR, errette mich!

5 Der HERR ist gnädig und gerecht, und unser Gott ist barmherzig.

6 Der HERR behütet die Unmündigen; wenn ich schwach bin, so hilft er mir.

7 Sei nun wieder zufrieden, meine Seele; denn der HERR tut dir Gutes.

8 Denn du hast meine Seele vom Tode errettet, mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten.

9 Ich werde wandeln vor dem HERRN im Lande der Lebendigen.

10 Ich glaube, auch wenn ich sage: Ich werde sehr geplagt.

11 Ich sprach in meinem Zagen: Alle Menschen sind Lügner.

12 Wie soll ich dem HERRN vergelten all seine Wohltat, die er an mir tut?

13 Ich will den Kelch des Heils nehmen und des HERRN Namen anrufen.

Kommt, lasst uns Gott anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Wir suchen – suchen nach Worten, die nicht Angst machen. Wir suchen – suchen nach Wegen, die nicht in Sackgassen enden. Wir suchen – suchen nach Leben, das nicht in Gewohnheiten erstickt. Wir rufen zu dir:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Vater im Himmel, du redest mit uns und zeigst uns den Weg, wie wir das Leben gewinnen. Wir suchen – und finden bei dir und deinem Sohn Worte, die verbinden, die Gegensätze überbrücken und befreiend wirken. Wir suchen – und finden bei dir und deinem Sohn Wege, die ins Weite führen, die Grenzen überwinden und uns anderen näher bringen. Wir suchen – und finden bei dir und deinem Sohn Leben, das einen langen Atem hat, das an Enttäuschungen nicht stirbt, sondern Kräfte entfaltet, die es wachsen lassen, das der Erde treu bleibt und sich dem Himmel öffnet.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Lass uns Worte hören, Gott, mit denen du uns triffst. Lass uns entdecken, Gott, wo deine Spuren sind. Lass uns das Leben finden, Gott, das für uns angefangen hat mit Jesus Christus, deinem Sohn, unserem Herrn. „Amen.“

Wir hören die biblische Lesung aus dem Buch des Propheten Jeremia 9, 22-23:

22 So spricht der HERR: Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums.

23 Sondern wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne, dass ich der HERR bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden; denn solches gefällt mir, spricht der HERR.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis
Lied 166, 4-6:

4) Mache mich zum guten Lande, wenn dein Samkorn auf mich fällt, gib mir Licht in dem Verstande, und was mir wird vorgestellt, präge du im Herzen ein, lass es mir zur Frucht gedeihn.

5) Stärk in mir den schwachen Glauben, lass dein teures Kleinod mir nimmer aus dem Herzen rauben, halte mir dein Wort stets für, dass es mir zum Leitstern dient und zum Trost im Herzen grünt.

6) Rede, Herr, so will hören, und dein Wille werd erfüllt; nichts lass meine Andacht stören, wenn der Brunn des Lebens quillt; speise mich mit Himmelsbrot, tröste mich in aller Not.

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Zur Predigt hören wir aus dem Evangelium nach Lukas 8, 4-8:

4 Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus den Städten zu [Jesus] eilten, redete er in einem Gleichnis:

5 Es ging ein Sämann aus, zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges auf den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen’s auf.

6 Und einiges fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte.

7 Und einiges fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten’s.

8 Und einiges fiel auf gutes Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Als er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Liebe Gemeinde!

Das Gleichnis vom Sämann ist schon oft ausgelegt worden; vielleicht haben Sie auch schon einmal eine Predigt darüber gehört; vielleicht haben Sie sich Ihre eigenen Gedanken darüber gemacht. Meist wird es so ausgelegt, dass Jesus der Sämann ist und sein Wort ausstreut, und die Menschen sind der Ackerboden und nur ein Teil der Menschen nimmt das Wort in sich auf und trägt viel Frucht. Manche Menschen sind dadurch in Sorge geraten und haben sich gefragt: Bin ich denn ein guter Acker für Gottes Wort? Findet das Wort des Lebens guten Boden in mir? Kann ich es aufnehmen und festhalten? Wird das Wort durch nichts in meinem Leben überdeckt und erstickt? Kann es wachsen und gute Frucht bringen?

Wenn das Gleichnis so verstanden wird, kann es einem eng ums Herz werden. Man bekommt ein schlechtes Gewissen; man versucht in krampfhafter Anstrengung, ja nicht so zu sein wie der Weg, auf dem der Same des Wortes zertreten wird. Man will ja nicht so sein wie der Fels, auf dem die Keimlinge verdorren. Man möchte auf keinen Fall so sein wie die Dornen, unter denen die heranwachsenden Pflanzen ersticken.

Aber Jesus wollte die Menschen mit seinen Gleichnissen nicht niederdrücken, nicht mutlos machen. Und daher könnte sein Gleichnis vielleicht auch ganz anders gemeint sein. Vielleicht ist es ja doch eine tröstliche, mutmachende Geschichte.

Bleiben wir ein Weilchen bei den Bildern vom Weg und von den Vögeln, vom Fels und von den Dornen, und von dem guten Ackerboden.

Kann man denn einen Felsen dafür beschuldigen, dass er nicht weich ist? Kann man Dornen dafür anklagen, dass sie wild wachsen und wuchern? Kann man es einem Vogel vorwerfen, wenn er seinen Magen füllt? Ist das alles böse und schlecht, ist das ein Versagen, eine Schuld? Sind wir böse und schuldig, wenn wir manchmal in unserem Leben nicht wie ein fruchtbarer Ackerboden sind, sondern hart und dornig und wie die gedankenlosen Vögel?

Schauen wir das Gleichnis doch einmal aus der Sicht der Vögel an. Ist es nicht gut, dass einiges von dem Samen auf den Weg fiel? Denn Vögel säen nicht und ernten nicht, und Gott ernährt sie doch auf wunderbare Weise; so hat es Jesus in seiner Bergpredigt gesagt. Ist es nicht eine Entlastung, wenigstens manchmal so leben zu können wie die Vögel, wenn uns etwas zufällt, wenn uns etwas geschenkt wird, wofür wir nichts tun mussten?

Dann ist da der Felsen. Ruhig liegt er da, wird vom Regen ausgewaschen, von der Sonne beschienen. Hart, widerstandsfähig, beständig. Keiner kann etwas von ihm fordern, keiner kann ihn überfordern. Ist es nicht eine Entlastung, einmal auszuruhen, einmal so gelassen zu sein, einmal keine Angst vor Verletzung zu haben?

Schließlich noch die Dornen. Wehrhaft sind sie. Sie können allein stehen, lassen sich nicht vereinnahmen und nichts anderes kann sie überwuchern. Manchmal haben wir einen solchen Abstand von allem andern nötig und müssen uns wehren. Es tut gut, dann zu erleben, dass man es schafft, auch wenn es weh tut.

Auf dem Acker des Sämanns gibt es Vögel, Felsen und Dornen, genau wie auf dem Acker des Lebens. Wir Menschen können so sein, manchmal oberflächlich-flüchtig, manchmal hart oder stachelig. Jesus hat nicht gesagt, dass es die Vögel, die Felsen und die Dornen nicht geben dürfe. Sie gehörten zu dem Leben, das Jesus kannte. Und sie alle nähren sich auf irgendeine Weise von der Saat, die ausgestreut wird.

Und daneben gibt es die weiche Erde, die satte Erde, die bereit ist, den Samen aufzunehmen und wachsen zu lassen. Hier geht die Saat auf und ist reich und reicht für den Sämann und für die Aussaat im nächsten Jahr.

Ich glaube, dass Jesus die Menschen nicht unterteilen will in gedankenlose, harte, dornige und fruchtbare. Vielleicht will er sagen: In jedem von uns gibt es diesen vierfachen Acker. In jedem von uns gibt es Helles und Dunkles, Hartes und Weiches, Flüchtiges und Beständiges. Alle diese Anteile gehören zu uns. Wir können es nicht ändern, dass wir selber manchmal hart und dornig und manchmal auch gedankenlos sind, ja wir brauchen es auch manchmal, so zu sein. Wir brauchen manchmal den Schutz vor Verletzungen, den Schutz vor Überforderung. Aber genauso gehören auch die anderen Anteile zu uns, auch das können wir nicht ändern: unsere weichen, fruchtbaren, beständigen Seiten, wie ein guter Ackerboden.

Unsere dornigen, felsigen oder unbeständigen Anteile schmerzen uns. Wir sind nicht gern wie die Dornen, wie felsiger Boden oder wie die leichtfertigen Vögel. Wir sind es ja auch nicht immer, und wir sind nie ganz so. Wir sind auch der fruchtbare Ackerboden, und wir tragen Samen in uns, der keimen, wachsen und Frucht tragen wird, wenn es soweit ist.

Der Liedermacher Wolf Biermann hat in der früheren DDR ein Lied davon gesungen, dass man sich in harten Zeiten nicht selber verhärten soll. „Du, lass dich nicht verhärten in dieser harten Zeit. Die allzu hart sind, brechen, die allzu spitz sind, stechen und brechen ab sogleich.“ Mal sind wir zwar wie die Felsen, an die nichts herankommt, mal sind wir zwar wie die Dornen, die sich gegen alles wehren. Aber das geht bei einem Menschen nicht auf die Dauer gut. Wir Menschen leben davon, dass bei uns auch wieder etwas wachsen und blühen kann: Vertrauen und Liebe. Und das wächst eben nicht in einem felsigen Boden oder unter lauter stacheligen Dornen. Und wenn uns auch Vertrauen und Liebe zunächst einmal so zufallen, wie den Vögeln die Nahrung auf dem Weg zufällt; so müssen wir doch auch ein Stück Verantwortung für unsere Liebe übernehmen, müssen zusehen, dass wir nicht selber mutwillig das Vertrauen aufs Spiel setzen, das ein anderer in uns setzt. Liebe und Vertrauen wächst langsam, vielleicht da, wo tief drin in uns eine Sehnsucht vorhanden ist, eine Sehnsucht nach erfülltem Leben. Das ist der gute Ackerboden, der weiche Grund, der in jedem von uns verborgen ist.

Wir singen das Lied „Ermutigung“ von Wolf Biermann, auch wenn manche Strophen nicht in die heutige Zeit zu passen scheinen:

Du, lass dich nicht verhärten in dieser harten Zeit

Mutlosigkeit, Müdigkeit und Verzweiflung muss Wolf Biermann gespürt und um sich herum gesehen haben. Dagegen wollte er angehen und seine Freunde bitten: „Gebt nicht auf! Werdet nicht bitter, werdet nicht ganz zu Stein!“ Er sagt nicht: Es ist doch alles nicht so schlimm! Die Zeit ist hart, er gibt es zu. Aber er bittet: Werdet nicht selber hart!

Heute gibt es die DDR, aus der man Biermann wegen seiner kritischen Lieder damals ausgebürgert hat; schon lange nicht mehr. Gibt es noch Herrschende? Sicher, aber sie bieten keine solche Angriffsfläche wie damals im Ostblock, und dass Reiche immer reicher, Arme immer ärmer, die öffentlichen Kassen leerer werden, geschieht in unserer Welt scheinbar wie von selbst, schleichend. Lohnt es noch, sich für Gerechtigkeit einzusetzen, für Menschlichkeit? Auf jeden Fall brauchen wir auch heute noch Ermutigung.

Wir haben das Gleichnis bisher vom Ackerboden her betrachtet. Aber wie sieht das Gleichnis von der anderen Seite her aus, vom Sämann her? Der Sämann setzt sich ein. Er hat seinen Samen ausgestreut, sich selbst dabei verausgabt. Er hat Ziele. Er hofft auf Ertrag. Und nun muss er erleben, wie bedroht seine Saat ist. Vogelschwärme fressen auf, was er gesät hat. Menschen zertrampeln sein Feld. Immer wieder liegen Steine im Boden, und Unkraut überwuchert die zarten Pflanzen.

Jesus beschönigt nichts. Sachlich beschreibt er das Leben mit seinen Schwierigkeiten. Ein Leben wie das von Müttern, die Kinder großziehen. Wie das von Menschen im Alter von Mitte Vierzig, die um ihre Arbeitsstelle fürchten. Wie das von alten Menschen, die fragen, was bleibt. Jesus deckt nichts zu. Traurigkeit darf Worte finden. Mutlosigkeit darf auf Gehör hoffen. Viele sehen das Leben so, mit dem ständigen Blick auf all das, was zertreten, was erstickt, was aufgefressen wird. Es gibt genug Anlässe, nun auch selber hart und bitter zu werden.

Jesus erzählt von der harten Arbeit des Säens. Und er erzählt, zwischen den Zeilen, von der harten Zeit des Wartens auf Wachstum oder Vergehen. Der Sämann sät für das Leben. Doch im menschlichen Leben gibt es Scheitern, im menschlichen Leben gibt es Vergeblichkeit. Genauso sachlich setzt Jesus daneben, dass die Ernte gut ist, dass die Arbeit sich lohnt, dass der Same Frucht bringt. Das Bild vom Sämann wird zu einem Bild, das Mut macht. Nicht alles gelingt, aber doch etwas. Und dieses Etwas genügt. Hundertfache Frucht bringt der gute Ackerboden; da fällt gar nicht ins Gewicht, was auf dem Weg, auf dem Felsen und unter den Dornen verlorengegangen ist.

Jesus will uns mit seinem Gleichnis Mut machen. Wenn wir uns im Sämann wiedererkennen, will er uns sagen: „Seht her, die Arbeit ist mühsam, hart und dornenreich. Oft seht ihr keinen Erfolg. Und dennoch trägt sie Früchte. Sorgt euch nicht zu sehr! Es gibt noch genug guten Boden, der Früchte hervorbringt.“

Und wenn wir uns im Ackerfeld wiedererkennen, will Jesus uns sagen: „Mag sein, dass ihr euch manchmal vorkommt wie ein zertrampeltes Feld, von dem die Vögel alles wegpicken, oder wie ein felsiger Acker, auf dem nichts aufgehen kann, oder wie ein Dornengestrüpp, das abweisend ist gegen alles Liebe und Gute. Aber denkt dran: in diesen Zeiten ist es in Ordnung, dass einmal die anderen dran sind, ihre Frucht zu bringen, auch für euch mit da zu sein, eure Aufgabe mit zu tun, euch wieder zurechtzubringen. Und denkt dran: Irgendwann könnt ihr auch in euch wieder den guten Ackerboden entdecken. Da geht dann auch Frucht auf.“

„Und einiges fiel auf gutes Land. Und es ging auf und trug hundertfältig Frucht.“ Gott hat mit uns noch etwas vor, manchmal mehr als wir ahnen. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Lied 621: Ins Wasser fällt ein Stein
Verabschiedung der Küster Daniel Marx und Kai Nguyen

Und nun lasst uns beten.

Vater im Himmel, wir sagen dir Dank für Jesus. Er ist das Wort, das den Hunger unserer Seele stillt und uns zum Leben Kraft gibt. Wir danken dir für unsere gestillte Sehnsucht, für Nähe und Geborgenheit, für Liebe und Vertrauen, für Verständnis und Vergebung. Wir danken für alle Menschen, die uns lieb sind und die uns stützen auf unserem Weg.

Wir sagen Dank für den Dienst, den unsere jungen Küster der Paulusgemeinde in den letzten acht Jahren erwiesen haben, und bitten dich, du wollest sie auch auf ihrem Weg in der Zukunft begleiten und bewahren.

Vater im Himmel, wir bitten dich für Menschen, die sich einsetzen für Gerechtigkeit und Frieden. Wir bitten für Menschen, die sich ausgebrannt fühlen und keine Kraft mehr haben. Wir bitten für Menschen, die traurig sind, weil sie einen geliebten Menschen verloren haben. Insbesondere beten wir heute für Herrn …, der im Alter von 81 Jahren gestorben ist und den wir kirchlich bestattet haben. Schenke ihm die ewige Ruhe in deinem Reich und begleite seine Angehörigen mit deinem Trost. Amen.

In der Stille bringen wir vor Gott, was wir außerdem auf dem Herzen haben:

Gebetsstille und Vater unser
Lied 590: Herr, wir bitten: Komm und segne uns
Abkündigungen

Geht mit Gottes Segen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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