Zehn kleine Christen

Einer der Konfi-Texte: »Gott ist wie ein unbeschreibliches, überdimensionales Ding. Manchmal habe ich auch Angst vor seinen Augen. Vorstellen tu ich ihn mir wie einen normalen Menschen. Ich denke immer, er sieht immer, wenn ich etwas anstelle. Aber wenn ich dann in den Gottesdienst gehe, sagt der Pfarrer immer, dass Gott uns alles vergibt, und das erleichtert schon ganz schön.«

Helix nebula - sieht wie ein interstellares Auge aus

Ist Gott vergleichbar einem riesigen interstellaren Auge? (Bild: pixabay.com)

#predigtKonfirmationsgottesdienst am Sonntag Palmarum, den 27. März 1988 um 9.30 Uhr in der evangelischen Kirche zu Reichelsheim/Wetterau mit Pfarrer Helmut Schütz

Im Konfirmationsgottesdienst am Palmsonntag 1988 begrüße ich vor allem erst einmal Euch, liebe Konfirmandin und liebe Konfirmanden – denn dies ist Euer Gottesdienst, heute dreht sich zunächst einmal alles um Euch. Das heißt: es geht um Euch in Eurer Beziehung zu Gott und zu Jesus Christus, denn in seinem Namen feiern wir auch diesen Gottesdienst. Und dann seien auch Sie herzlich willkommen, liebe Eltern und Paten, Verwandte und Freunde der Konfirmanden, und liebe Gemeinde! In Ihrer Mitte werden heute die Konfirmanden zu selbständigen, eigenverantwortlichen, mündigen Gliedern der Gemeinde erklärt. Darum ist Konfirmation ein feierlicher Anlass, und wir haben Grund, Gott zu loben. Wir beginnen wir diesen Gottesdienst mit einem Loblied – „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren!“

Lied 234, 1-3:

Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren, meine geliebete Seele, das ist mein Begehren. Kommet zuhauf, Psalter und Harfe, wacht auf, lasset den Lobgesang hören!

Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret, der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet, der dich erhält, wie es dir selber gefällt; hast du nicht dieses verspüret?

Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet. In wieviel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Konfirmation heißt „Befestigung“, „Bekräftigung“, „Bestätigung“. Das Taufversprechen wird bestätigt, das Eure Eltern oder Ihr selbst vor Jahren abgegeben haben. Es geht um Eure Sache mit Gott heute – ihr habt die Chance, etwas festzuklopfen, fest etwas mit ihm auszumachen – heute nicht nur einen Weg zu beenden, den Weg in Eurer Konfirmandengruppe, sondern einen Weg zu beginnen, Euren Weg als Christen in der Gemeinde.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Wir beten mit den Worten eines modernen Psalms, eines Psalms für Konfirmanden:

Manchmal kann ich nicht genug kriegen…
Und manchmal, vielleicht heute in diesem Gottesdienst, höre ich eine Stimme..
Darin entdeck ich etwas von dir, mein Gott…
Wird es heute so sein? Lässt Du Dich entdecken? Werden wir aufmerksam sein auf das, was Du uns sagen willst, trotz all der Aufregung, in all der ungewohnten Feierlichkeit? Wir bitten Dich darum, sei uns heute nahe! Wir bitten dich im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Die Konfirmanden haben sich einmal ein paar Gedanken darüber gemacht, was sie sich eigentlich von Gott wünschen und was sie für Gott und für andere Menschen tun könnten. Wir hören ihre Texte, wobei allerdings nicht jeder seinen eigenen Text vorliest, und erfahren dabei etwas über den Glauben dieser Konfirmandengruppe.

Wir sollten die Frage beantworten: „Was wünsche ich mir von Gott? Oder: Was kann ich von Gott erwarten?“ Darauf gab es folgende Antworten:

»Von Gott kann ich folgendes erwarten: dass er mich beschützt, mir beisteht.«

»Ich wünsche mir von Gott, dass er mir hilft, wenn ich in Not bin. Dass er bei mir ist, wenn ich einsam bin.«

»Gott soll die Menschen beschützen, sie nicht verhungern lassen, nicht verdursten lassen.«

»Was ich mir von Gott wünsche? Dass er mich beschützt. Dass er auf mich aufpasst, dass ich nichts Böses tue.«

»Dass er mein Gewissen positiv beeinflusst und mir die Kraft gibt, mich nach ihm zu richten.«

»Dass er mir weiterhin ein glückliches Leben schenkt, und dass er mir viel Mut gibt, damit ich nicht versage. Das ist zwar nicht so schlimm, wenn ich mal versage, aber es wäre doch besser, Erfolg zu haben.«

»Ich kann erwarten, dass er mir meine Sünden vergibt und ich immer einen zum Ansprechen habe, auch wenn ich manchmal das Gefühl habe, dass er nicht zuhört. Das kommt wahrscheinlich daher, dass ich ihn nicht sehen kann. Deswegen rede ich auch selten mit ihm.«

»Ich habe die Erwartung, dass er mir hilft. Wenn ich an Gott glaube, kann ich mich konzentrieren, z. B. vor Klassenarbeiten. Aber lernen muss ich trotzdem.«

»Ich hoffe, dass ich in den Himmel komme und dass ich von Gott beschützt werde und von ihm durch mein Leben begleitet werde…«

»Ich wünsche mir, dass meine Familie und meine Mitmenschen glücklich und in Frieden miteinander leben und dass es keinen Krieg mehr gibt.«

»Ich wünsche mir von Gott – Glück! Dass mir nichts passiert. Dass ich immer an ihn glauben werde. Dass es Frieden geben wird in aller Welt. Keine Eifersucht, keinen Hass, sondern Liebe und Freunde.«

Als weitere Frage sollten wir beantworten: „Was bin ich bereit, für Gott oder für andere Menschen zu tun?“ Darauf wurde geantwortet:

»Dass ich anderen helfe. Dass ich an ihn glaube.«

»Anderen Menschen helfen und sie beschützen.«

»In die Kirche gehen, beten und ihm treu bleiben.«

»Ich will für Frieden sorgen.«

»Ich bin bereit, anderen Menschen zu helfen, soweit es in meiner Macht steht.«

»Auf Gott zu hören, so lange ich seine Stimme höre, und seine Ratschläge zu befolgen.«

»Ich könnte z. B. die Gräber von meinen verstorbenen Familienmitgliedern öfters besuchen und sie pflegen.«

»An ihn glauben, anderen Menschen helfen, die krank, behindert oder hilflos sind, und vieles mehr.«

»Anderen Freunden helfen und ihnen bei Problemen Rat geben. Des öfteren in die Kirche gehen.«

»Ich glaube an ihn, gehe in den Gottesdienst und lese dort manchmal etwas vor. Viel mehr machen kann ich glaube ich nicht. Vielmehr kann er etwas für mich machen. Der Glaube ist, glaube ich, das Wichtigste, was man für Gott machen kann.«

»Ich würde in meinem Leben niemals jemanden ungerecht behandeln, was wohl im Sinne Gottes wäre. Auch würde ich niemals etwas tun, was meinen Mitmenschen schadet.«

Vielen Dank für Eure Texte! Und nun singen wir noch einmal, bevor wir einen Text aus der Bibel hören.

Lied 246, 3+5+8:

Ein Christ seim Nächsten hilft aus Not, tut solchs zu Ehren seinem Gott. Was seine rechte Hand reicht dar, des wird die linke nicht gewahr.

Wie Gott lässt scheinen seine Sonn und regnen über Bös und Fromm, so solln wir nicht allein dem Freund dienen, sondern auch unserm Feind.

O Herr Christ, deck zu unsre Sünd und solche Lieb in uns anzünd, dass wir mit Lust dem Nächsten tun, wie du uns tust, o Gottes Sohn.

Wir hören einen Bibeltext aus dem Evangelium nach Lukas 17, 11-19:

11 Und es begab sich, als Jesus nach Jerusalem wanderte, dass er durch Samarien und Galiläa hin zog.

12 Und als er in ein Dorf kam, begegneten ihm zehn aussätzige Männer; die standen von ferne

13 und erhoben ihre Stimme und sprachen: Jesus, lieber Meister, erbarme dich unser!

14 Und als er sie sah, sprach er zu ihnen: Geht hin und zeigt euch den Priestern! Und es geschah, als sie hingingen, da wurden sie rein.

15 Einer aber unter ihnen, als er sah, dass er gesund geworden war, kehrte er um und pries Gott mit lauter Stimme

16 und fiel nieder auf sein Angesicht zu Jesu Füßen und dankte ihm. Und das war ein Samariter.

17 Jesus aber antwortete und sprach: Sind nicht die zehn rein geworden? Wo sind aber die neun?

18 Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrte, um Gott die Ehre zu geben, als nur dieser Fremde?

19 Und er sprach zu ihm: Steh auf, geh hin; dein Glaube hat dir geholfen.

Liebe Konfirmanden, erinnert Ihr Euch noch an das Gedicht von den zehn kleinen Christen? Ich glaube, wir haben es in Eurem Einführungsgottesdienst schon einmal vorgelesen, …, Du wirst es wohl noch nicht kennen. Für Euch und Sie alle noch einmal – „Zehn kleine Christen“:

Zehn kleine Christen sich ihres Glaubens freun

Nur einer bleibt übrig, bei den zehn kleinen Christen in diesem Gedicht, und bei den zehn Leuten, die aussätzig gewesen und von Jesus geheilt worden waren. Nur einer merkt überhaupt, dass da etwas Besonderes geschehen ist. Nur einer ist dankbar, so dankbar, dass er zurückkehrt und seinen Dank ausspricht.

Ist für Euch das Konfirmandenjahr etwas Besonderes gewesen? Habt Ihr etwas mitbekommen davon, dass Gott kein Tyrann ist, dass Gott vielmehr einer ist, der austeilt und schenkt? Er gibt zum Beispiel Geborgenheit und Trost, aber auch Lebensregeln und Ansporn. Er traut uns viel zu. Er nimmt uns wichtig.

Aber ob das weiterwirken wird? So viele Gründe gibt es, nach der Konfirmation nicht weiter zur Kirche zu gehen, nicht als Mitarbeiter aktiv zu werden oder zu bleiben. Nur wenige von Ihnen allen, die heute hier versammelt sind, würden sich als „gute Kirchgänger“ bezeichnen. Nur wenige erwarten so viel von Gott, dass sie oft hierher oder in den Bibelkreis kommen, um weiterzukommen im Glauben, um aufzutanken für die Aufgaben des Alltags. Und wie zu Jesu Zeiten empfinden nur ganz wenige Menschen Dankbarkeit gegenüber Gott. Aber nur wenn man weiß, dass man Gott viel verdankt, fühlt man sich auch mitverantwortlich für die Kirche. Dann arbeitet man auch gern mit. Wenn man jedoch den Glauben nur als eine Pflichtübung ansieht, und wenn man denkt, dass man Gott einen großen Gefallen tut, indem man mal in die Kirche geht, das hat alles nicht viel Zweck. Es sei denn, es geht einem im Gottesdienst dann doch plötzlich ein Licht auf: Ich brauche Gott ja gar keinen Gefallen zu tun, Gott will mir ja Gutes tun! Ich kann ja was von ihm erwarten! Trotzdem: So viele Gründe gibt es, die Stimme Gottes zu überhören, die Sache mit Gott auf später zu verschieben. Was würden denn die Freunde, die Nachbarn sagen, wenn man plötzlich „fromm“ würde? Es scheint in Reichelsheim fast eine ungeschriebene Regel zu geben: „Geh ja nicht zu viel in die Kirche, es sei denn, du bist Konfirmand oder Kirchenvorsteher!“ Also, es gehört schon etwas dazu, auch wenn man nicht mehr Konfirmand ist, zu seiner Kirche zu stehen und mit anderen Christen zusammen etwas auf die Beine zu stellen. Nein, ich will Euch nicht unter Druck setzen und verlange nichts von Euch. Aber bitte fragt Euch selbst, wie ernst Ihr das gemeint habt, als Ihr aufgeschrieben habt, was Ihr von Gott erwartet und was Ihr für ihn tun wollt. Fragt Euch selbst, ob Ihr Euch für die Kirche einsetzen möchtet. Die Kirchengemeinde braucht Euch, und sie ist zugleich ein Ort, wo auch Ihr Hilfe finden könnt.

Manche meinen ja, man kann seinen Glauben auch allein haben. Ich denke, dass man einen Glauben gar nicht „haben“ kann. Wer sich seines Glaubens zu sicher ist, der kann ihn leicht ganz verlieren. Gerade die bewusstesten Christen haben gebetet: „Ich glaube, Herr, hilf meinem Unglauben!“ Und die Gemeinde, ja, wozu braucht man die? Dazu erzählen die Konfirmanden eine Geschichte:

Ein Vater hatte sieben Söhne, die öfter miteinander Streit hatten und sich das Leben schwer machten. Das tat ihm weh, und er war besorgt, dass sie nach seinem Tode ganz auseinanderkommen würden.

Da ließ der alte Mann alle sieben Söhne zusammenkommen, legte ihnen sieben Stäbe vor, die fest zusammengebunden waren, und sagte: »Dem von euch, der dieses Bündel Stäbe zerbricht, zahle ich hundert Taler.«

Einer nach dem andern strengte alle seine Kräfte an, und jeder sagte nach langem vergeblichen Bemühen: »Es ist gar nicht möglich!«

»Und doch«, sagte der Vater, »ist nichts leichter!« Er löste das Bündel auf und zerbrach einen Stab nach dem andern mit geringer Mühe. »Ei«, riefen die Söhne, »so ist es freilich leicht, so könnte es ein kleiner Junge!«

Der Vater aber sprach: »Wie es mit diesen Stäben ist, so ist es mit euch, meine Söhne. Solange ihr fest zusammenhaltet, werdet ihr bestehen, und niemand wird euch überwältigen können. Wird aber das Band der Eintracht, das euch verbinden soll, aufgelöst, so ergeht es euch wie den Stäben, die hier zerbrochen auf dem Boden umherliegen.«

Ja, dafür ist auch eine christliche Gemeinde da: zum Zusammenhalten, zum Einüben der Gemeinschaft, damit man Festigkeit und einen Halt bekommt, auch wenn schwere Zeiten kommen. Dabei muss „Gemeinde“ nicht immer nur „Gottesdienst“ heißen. Manche finden eher in einer bestimmten Gemeindegruppe ihre „geistliche Heimat“. Für junge Menschen kann zum Beispiel eine Jugendgruppe der Ort sein, wo sie sich zugehörig fühlen und für die sie sich einsetzen.

Aber ganz gleich, wie Ihr Euch entscheiden werdet, ob Ihr weiter mitmacht in der Gemeinde oder nicht, ob Ihr Euren Glauben bewahrt und weiterentwickelt oder ob Ihr ihn einfriert oder einmottet oder einrosten lasst – einen großen Fehler dürfen wir alle nicht machen: Wir dürfen nicht hochmütig sein. Wir dürfen nicht so tun, als seien wir selber viel bessere Christen als diese Konfirmanden oder als irgendjemand sonst. Wenn einer sich als Christ fühlt, dann soll er davon etwas weitersagen, wofür er dankbar ist und was das Christsein für ihn bedeutet. Aber er soll nicht andere bedrängen, dass sie genau das Gleiche empfinden müssten. Das geht gar nicht. Niemand kann zum Glauben kommen, wenn es ihm nicht geschenkt wird. Umgekehrt muss keiner sagen: „Ich bin für den Glauben nicht geschaffen.“ Bei keinem sind Hopfen und Malz verloren. Wenn wir das begriffen haben, dass Jesus gerade zu denen geht, die religiös überhaupt nichts zu bieten haben, dann haben wir das Evangelium kapiert. Die Kirche ist kein Eliteclub von besonders frommen und guten Leuten, sondern eine Gemeinschaft von Menschen mit Fehlern und „Macken“, die wissen, dass sie Vergebung brauchen. Wir lassen uns noch einmal eine Geschichte vorlesen; sie stammt aus dem Chinesischen und macht deutlich, was gemeint ist:

Es waren einmal zehn Bauern, die gingen miteinander über das Feld. Sie wurden von einem schweren Gewitter überrascht und flüchteten sich in einen halb zerfallenen Tempel.

Der Donner aber kam immer näher, und es war ein Getöse, dass die Luft ringsum erzitterte. Kreisend fuhr ein Blitz fortwährend um den Tempel her. Die Bauern fürchteten sich sehr und dachten, es müsse wohl ein Sünder unter ihnen sein, den der Blitz erschlagen wolle.

Um herauszubringen, wer es sei, machten sie aus, ihre Strohhüte vor die Tür zu hängen; wessen Hut weggeweht werde, der solle sich draußen dem Schicksal stellen.

Kaum waren die Hüte draußen, so ward auch einer weggeweht, und mitleidlos stießen die andern den Unglücklichen vor die Tür.

Als er aber den Tempel verlassen hatte, da hörte der Blitz zu kreisen auf und schlug krachend – in den Tempel ein.

Der eine, den sie verstoßen hatten, war der einzige Gerechte gewesen, um dessentwillen der Blitz das Haus verschonte. So mussten die neun ihre Hartherzigkeit mit dem Leben bezahlen.

Christsein hat also nichts mit dem Ausstoßen aus der Gemeinschaft zu tun, sondern mit dem Aufbau von Gemeinschaft. Dabei kommt es nicht auf die großen Zahlen an, sondern darauf, ob einem selber die Sache wichtig ist. Dann kann es mit dem Gedicht von den zehn kleinen Christen nämlich am Ende auch wieder so weitergehen:

Ein kleiner Christ, ach, der erscheint so klein,
wenn auch die Neune laufen gehn, Gott lässt ihn nicht allein.


wenn du und ich da auch mitmachen, dann sinds wieder zehn.

Amen!

Lied 231, 1+5+6:

Nun danket all und bringet Ehr, ihr Menschen in der Welt, dem, dessen Lob der Engel Heer im Himmel stets vermeldt.

Er gebe uns ein fröhlich Herz, erfrische Geist und Sinn und werf all Angst, Furcht, Sorg und Schmerz ins Meeres Tiefe hin.

Er lasse seinen Frieden ruhn auf unserm Volk und Land; er gebe Glück zu unserm Tun und Heil zu allem Stand.

Vor der Einsegnung hören wir jetzt noch einmal Texte, die die Konfirmanden selbst formuliert haben, zur Frage: Wie ist Gott für mich?

»Gott ist für mich wie ein Vater.«

»Der Vater, der die Welt erschaffen hat.«

»Ein Vater, der mich überall hin begleitet und beschützt.«

»Gott ist für mich wie ein Beschützer, eine Art Talisman.«

»Gott ist für mich wie ein Vater zu seinem Sohn.«

»Ein Beschützer. Ein Bild, an das ich in meinem Geist glauben kann. Ein Herrscher über alles, Gutes und Böses. Ein Sinnbild des Friedens der friedlichen Macht.«

»Gott ist für mich ein Helfer, eine Gewissensstütze.«

»Er ist wie ein unbeschreibliches, überdimensionales Ding. Manchmal habe ich auch Angst vor seinen Augen. Vorstellen tu ich ihn mir wie einen normalen Menschen. Ich denke immer, er sieht immer, wenn ich etwas anstelle. Aber wenn ich dann in den Gottesdienst gehe, sagt der Pfarrer immer, dass Gott uns alles vergibt, und das erleichtert schon ganz schön.«

»Ich stelle mir Gott als großen Herrscher vor, der seine Macht aber nicht missbraucht. Er beschützt einen in der Not. Manchmal fragt man sich auch, wenn man an Gott denkt, ob es ihn auch wirklich gibt. Man kann sich schlecht etwas unter Gott vorstellen.«

»Gott ist für mich wie ein zweiter Vater, dem ich alles, durch z. B. einen Pfarrer, sagen kann, und der mich versteht, und der mir auch manche Sachen verzeihen kann. Dem ich vertrauen kann und der mich nicht verrät.«

»Gott beeinflusst den Menschen innerlich und nicht äußerlich. Ich glaube, dass Gott für das Gewissen verantwortlich ist. Er kann zwar ein Wörtchen mitreden, aber die endgültige Entscheidung fällt man selbst, ob man sich nach Gott richtet oder nicht.«

»Gott ist für mich mächtig. Er will, dass die Menschen sich lieb haben und sich nicht gegeneinander bekriegen. Ich bemühe mich, kein falsches Zeugnis über andere zu reden. Ich bin bereit, jedem behilflich zu sein.«

Vielen Dank sage ich Euch, die Ihr vorgelesen habt und Euch allen, die Ihr Texte formuliert habt!

Wir hören, wie unterschiedlich sich der Glaube dieser jungen Leute ausprägt. Es ist normal, dass nicht einer wie der andere glaubt. Und daher kann ein Glaubensbekenntnis auch keinen Zwang darstellen: So musst du glauben, zu jedem I-Tüpfelchen musst du Ja sagen! Vielmehr kommt es heute auf einen kritisch nachdenkenden Glauben an.

Wenn wir nun das gemeinsame Glaubensbekenntnis der Kirche miteinander sprechen, dann sagen wir damit: Wir bitten um Glauben. Wir fühlen uns Gott und der Kirche zugehörig, auch wenn wir einzelne Formulierungen des Bekenntnisses nicht verstehen oder nicht akzeptieren können. In diesem Sinne sprechen wir das Apostolische Glaubensbekenntnis:

Glaubensbekenntnis

So, liebe Konfirmanden, nun kommt der eigentliche Augenblick Eurer Konfirmation, Eurer Einsegnung. Ihr seid ab heute selbst verantwortlich für Euer religiöses und kirchliches Leben. Ihr entscheidet selbst über Eure Teilnahme am Gottesdienst oder an anderen Gruppen und Veranstaltungen der Kirchengemeinde. Ihr könnt Pate werden für ein Kind, und die Kirche wird Eure Mithilfe brauchen in vielen Aufgabengebieten.

Und für dieses Euer Leben als Christen spreche ich Euch heute Gottes Segen zu. Segen ist das, was Gott Euch schenken wird. Er wird nicht immer das schenken, was Ihr Euch wünschen werdet. Er gibt das, was aus Eurem Leben ein erfülltes Leben machen wird. Ich sage Euch den Konfirmationsspruch als ein persönliches Segenswort für Euren Lebensweg, und ich segne Euch, wenn Ihr Euch vor Gott hinkniet, mit einem gemeinsamen Segen, der Euch mit der christlichen Gemeinschaft verbindet.

Einsegnung von 10 Konfirmanden und 1 Konfirmandin

Gott ist für Euch da euer ganzes Leben lang
wie ein guter Vater und wie eine gute Mutter.
Jesus, Euer Bruder, macht euch frei zum Leben
und sein Heiliger Geist lässt in Euch wachsen
den Glauben, die Hoffnung und die Liebe. Amen.

Lied 300, 1-2
Fürbitten und Vater unser
Abkündigungen
Segen
Abendmahlsfeier

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