„Gelobt sei Gott, der meine Hände kämpfen lehrt“

Trauerfeier für eine Frau, die eine Kämpferin war, indem sie sich unermüdlich für ihre Familie eingesetzt und sie zusammengehalten hat.

Die Skulptur einer Kämpferin mit der linken Hand auf einem Buch, der rechten auf ihrer Brust

Eine Frau in selbstbewusster, kämpferischer Pose (Bild: pixabay.com)

Im Namen Gottes, der für uns da ist wie ein guter Vater und wie eine gute Mutter. Im Namen Gottes, der uns in Jesus Christus vorgelebt hat, was es heißt, ein Kind Gottes zu sein. Im Namen des heiligen Geistes, der in uns Glauben und Liebe, Hoffnung und Trost wachsen lässt. Amen.

Liebe Familie A., liebe Trauergemeinde, wir sind hier versammelt, um Abschied zu nehmen von Frau A., die im Alter von [über 70] Jahren ganz plötzlich gestorben ist.

Wir erinnern uns an sie, wir stehen einander bei, wir sammeln uns in dieser Stunde um Gottes tröstendes Wort.

Wir beten mit Worten aus einem alten Lied der Bibel, das schon König David gesungen hat, aus dem Psalm 144:

1 Gelobt sei der HERR, mein Fels, der meine Hände kämpfen lehrt,

2 meine Hilfe und meine Burg, mein Schutz und mein Erretter, mein Schild, auf den ich traue.

3 HERR, was ist der Mensch, dass du dich seiner annimmst, und des Menschen Kind, dass du ihn so beachtest?

4 Ist doch der Mensch gleich wie nichts; seine Zeit fährt dahin wie ein Schatten.

5 HERR, neige deinen Himmel und fahre herab;

7 streck aus deine Hand von der Höhe.

12 Unsere Söhne seien wie Pflanzen, die aufschießen in ihrer Jugendkraft – unsere Töchter wie Säulen, geschnitzt für Paläste –

13 unsere Kammern gefüllt, dass sie Vorrat geben, einen nach dem andern

14 – und kein Klagegeschrei sei auf unsern Gassen.

15 Wohl dem Volk, dem es so ergeht! Wohl dem Volk, dessen Gott der HERR ist!

Liebe Trauergemeinde!

So dicht lagen Freude und Leid nebeneinander in der vergangenen Woche: Den einen Tag wurde Geburtstag gefeiert, am nächsten Tag musste Frau A. sterben. Sie wusste selbst, wie krank sie war – und doch kam ihr Tod zu plötzlich, allzu früh, sie fehlt überall, sie hinterlässt eine große Lücke in ihrer Familie, im Leben aller, die an ihr gehangen haben.

Erinnerungen an Freude und Leid im Leben der Verstorbenen

Sie alle denken heute an die Frau, die Sie geliebt und geschätzt haben, die Frau, die Ihnen nahestand. Jeder von Ihnen erinnert sich an anderes aus ihrem Leben, an Begegnungen, die wichtig und prägend für Sie wurden, oder auch an ganz alltägliche Begebenheiten. Da waren die Besuche an den Wochenenden, die gemeinsamen Feste, da war die ständige Sorge um ihre Gesundheit, da war auch das, was ihr besondere Freude gemacht hat.

Wenn wir uns fragen, was für ein Mensch Frau A. eigentlich war, dann komme ich in Gedanken immer wieder darauf zurück, was Sie mir vorgestern im Gespräch gesagt haben: Sie war eine Kämpferin. Und als ich darüber nachdachte und in der Bibel nach einem passenden Vers für diese Ansprache suchte, stieß ich auf den Psalm 144, aus dem ich zu Beginn vorgelesen habe. Dort ist es der König David, der ein Lied mit den Worten beginnt:

Gelobt sei der HERR, mein Fels, der meine Hände kämpfen lehrt.

Das ist ein ungewöhnlicher Bibelspruch, sind wir es doch gewohnt, dass die Bibel eher zur Geduld aufruft und nicht zum Kämpfen. Offenbar ist es die Frage, was wir aus einem so dicken Buch wie der Bibel für uns selber auswählen; und offenbar widerspricht es dem Glauben an Gott nicht, wenn man sein Leben kämpferisch in die eigene Hand nimmt – so lange die Kräfte reichen. In unserem Bibelvers erscheint Gott als der Fels in der Brandung, den nichts erschüttert und an dem wir sicheren Halt finden; Gott ist der feste Grund unter unseren Füßen, ohne den es unmöglich wäre, einen aussichtsreichen Kampf zu führen. Gott ist der Grund für unser Urvertrauen ins Leben und für die Zuversicht, dass es sinnvoll ist, sich einzusetzen – zum Beispiel für Ehrlichkeit und Gerechtigkeit, was der Verstorbenen sehr wichtig war.

Bei David geht der Vers noch weiter, er dankt sogar für die Fähigkeit, mit „seinen Fäusten Krieg zu führen“. Aber bei Frau A. hat das Kämpfen nichts mit dem Krieg zu tun. Sie hat sich eingesetzt für ihre Kinder und auch für andere Menschen; sie konnte sich durchsetzen und hat die große Familie zusammengehalten. Nicht so wichtig war es ihr, für ihr eigenes gutes Recht zu kämpfen, vor allem lag es ihr am Herzen, ehrlich zu bleiben. Und wollte sie in einer Auseinandersetzung hart bleiben, behielt ihr weicher Kern doch auf Dauer die Oberhand.

Der schwierigste Kampf in ihrem Leben war vielleicht der mit ihrer Herzkrankheit. Sie achtete sehr auf ihre Gesundheit und musste über Jahre hin immer damit rechnen, diesen Kampf zu verlieren. Sie wusste nie genau: Würde sie noch die Konfirmation dieses Enkels miterleben oder seine erste Freundin kennenlernen? Würde sie sich noch bestimmte Wünsche erfüllen können?

Heute wissen wir: Manche Wünsche sind erfüllt worden, obwohl sie selbst nicht damit gerechnet hatte, anderes konnte sie nicht mehr verwirklichen. Ihr Leben ist zu Ende gegangen, ohne dass Sie sagen könnten, dass Frau A. ihr Leben gelebt hat – nein, da war vieles, was sie sich noch vorgenommen hatte, und sie wurde noch an so vielen Stellen gebraucht.

Und so sind wir heute zwar dankbar für alles, was Frau A. so vielen Menschen bedeutet hat, doch zugleich auch traurig über das plötzliche Ende dieses Lebens. Alles, was wir heute empfinden, auch das, was wir gar nicht in Worte fassen können, bringen wir vor Gott im Gebet.

Wir können das getrost tun. Denn er ist ein Fels, der Menschen kämpfen lehrt. Daher können wir uns an ihm festhalten – auch in einem Kampf, der nicht gegen widrige Umstände oder gegen äußere Feinde geführt wird, sondern gegen die unheimliche Macht des Todes. Wenn der Tod uns herunterziehen will in Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, dann dürfen wir zu unseren Tränen stehen, dürfen aussprechen, was uns belastet. Das ist kein Kampf, in dem wir uns zusammenreißen, unsere Gefühle unterdrücken müssen. Es kommt nur darauf an, dass wir einander nicht allein lassen, wenn wir nicht weiterwissen oder wenn uns die Tränen kommen. Und in allem dürfen wir gewiss sein: Wie ein Fels steht Gott da, an dem wir Halt gewinnen, bei dem wir unser Herz ausschütten können. Er ist es auch, dem wir heute Frau A. anvertrauen. Wir lassen sie los in seine starken und barmherzigen Hände hinein. Amen.

EG 351:

1. Ist Gott für mich, so trete gleich alles wider mich; sooft ich ruf und bete, weicht alles hinter sich. Hab ich das Haupt zum Freunde und bin geliebt bei Gott, was kann mir tun der Feinde und Widersacher Rott?

2. Nun weiß und glaub ich feste, ich rühm‘s auch ohne Scheu, dass Gott, der Höchst und Beste, mein Freund und Vater sei und dass in allen Fällen er mir zur Rechten steh und dämpfe Sturm und Wellen und was mir bringet Weh.

Barmherziger Gott, du bist uns ein Halt, wenn wir kämpfen oder wenn wir schwach sind. Du bist unser Trost, wenn wir verzweifeln. Du umgibst uns mit deiner Liebe, wenn wir uns einsam fühlen und nichts als Traurigkeit und Leere empfinden. Hilf uns auszuhalten, was wir fühlen. Lass uns beieinanderstehen im Sinne des Zusammenhalts, der Frau A. wichtig war. Gib uns den Mut, für Gerechtigkeit und Ehrlichkeit einzutreten, auch wenn das heute nicht mehr selbstverständlich ist. Lass uns die Geborgenheit in deiner Liebe erfahren auf allen unseren Wegen, so wie die Verstorbene auf ewig in deiner Liebe geborgen bleibt. Amen.

Hinweise zur Veröffentlichung anonymisierter Texte von Trauerfeiern auf dieser Homepage

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.