Christsein – eine leichte Last

Jesus sagt: Versucht es mit meinem Joch. Lernt von meiner Art, Lasten zu tragen. Ich bin sanftmütig. Wer sanft mit sich selbst umgeht, nimmt sich an und bittet notfalls um Hilfe. Sanft miteinander umgehen heißt: auf Gewalt verzichten, behutsam sein und aufmerksam darauf, dass die anderen ebenso verletzbar sind wie wir selbst. Vielleicht haben gerade die Frechsten die größten Probleme.

Wasserträger in Bhutan mit einer Art Joch auf den Schultern, an denen Wassergefäße hängen

Wasserträger in Bhutan mit einem allerdings nicht sehr bequem geformten Joch (Bild: pixabay.com)

#predigtKonfirmationsgottesdienst am Sonntag Misericordias Domini, 4. Mai 2003, 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen
Orgelvorspiel und Einzug der Konfirmandinnen und Konfirmanden

Herzlich willkommen zur Konfirmation in der Pauluskirche! Genauer gesagt zum ersten von zwei Konfirmationsgottesdiensten, denn die Kirche wäre für 23 Konfirmanden und ihre Angehörigen wohl nicht groß genug. Deshalb begrüße ich heute 5 Mädchen und 5 Jungen, die konfirmiert werden; in zwei Wochen um 14 Uhr sind die anderen 13 dran.

Wie gewohnt feiern  wir auch diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“

Auch im Namen der Konfirmandengruppe begrüße ich alle, die hierhergekommen sind: Eltern und andere Verwandte, Paten und Freunde, den Kirchenvorstand und andere aus der Paulusgemeinde!

Unsere Konfirmation soll ein schönes Fest ohne Hektik sein. Darum bitten wir Sie alle, die folgenden Regeln einzuhalten: Während des Gottesdienstes wird nicht fotografiert. Mit Video wird nur von der Empore gefilmt. Nach dem Gottesdienst ist Gelegenheit zum Fotografieren vor der Kirche oder am Altar.

Am letzten Sonntag wurden 150,17 Euro als Kollekte für unsere Partnerkirche in Nordindien gespendet. Vielen Dank dafür!

Über die heutige Kollekte durften wir Konfirmanden entscheiden. Die Spenden am Ausgang werden nachher für Kinder eingesammelt, die unter den Kriegsfolgen im Irak leiden. Das Geld wird über das Diakonische Werk in Hessen und Nassau weitergeleitet.

Der Frauenkreis der Paulusgemeinde lädt am nächsten Donnerstag um 19.45 Uhr alle interessierten Frauen zu einer Gesprächsrunde ein, in der es um das Thema „Unsere Mütter“ geht.

Auch im Gottesdienst am nächsten Sonntag um halb sechs in Paulus geht es um die Mütter. Das genaue Thema des Abendgottesdienstes um 17.30 Uhr lautet: „Mamma mia Muttertag!“

Der Gottesdienst heute steht unter dem Thema: „Christsein – eine leichte Last“. Beginnt mit der Konfirmation der Ernst des Lebens? Ist die Last des Lebens leichter zu tragen, wenn man als Christ lebt?

Jetzt singen wir das Lied 334: „Danke!“

Danke für diesen guten Morgen

Wir hören Worte aus dem Psalm 81 (Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift © 1980 by Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart – teilweise in vereinfachter Sprache):

2 Jubelt Gott zu, er ist unsre Zuflucht.

3 Stimmt an den Gesang, spielt eure Instrumente!

6 Eine Stimme höre ich, die ich noch nie vernahm:

7 „Deine Schulter habe ich von der Last befreit, deine Hände kamen los von der Tragestange.

8 Du riefst in der Not, und ich riss dich heraus; ich habe dich erhört.

9 Höre, mein Volk, ich will dich mahnen! Wolltest du doch auf mich hören!“

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Christsein – eine leichte Last – erfahren wir das so? Erwachsene erfahren, je älter sie werden, dass die Belastungen immer schwerer wiegen. Und auch viele Jugendliche haben‘s nicht leicht, müssen Lasten in der Familie mittragen, haben Mühe mit der Schule und auf der Suche nach Lehrstelle und Arbeitsplatz. Können unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden erfahren, dass Gott ihre Schultern von einer Last befreit? Ist es für sie nicht umgekehrt? Wird ihnen nicht eine Last abgenommen sein, wenn ihr Unterricht beendet ist, wenn sie nicht mehr zur Kirche gehen „müssen“?

Gott im Himmel, ich weiß das – wir wissen das: Kirche kann als Last empfunden werden. Ich weiß aber auch und wünsche diesen jungen Menschen, dass das nicht ihre letzte Erfahrung mit der Kirche ist und vor allem nicht mit dir. Denn ich bin wirklich überzeugt: Du bist einer, der uns mehr Lasten abnimmt, als er uns auferlegt.

Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Danke, Gott, dass wir Konfirmation feiern können. Danke, dass der Unterricht bewältigt ist, die Lernstücke gelernt sind und dass vorbei ist, was stressig war mit dem Pfarrer und den Mitkonfirmanden. Danke, Gott, für Konfi-Freizeit und Konfi-Tage, für Erfahrungen im Internet-Treff und an der Kletterwand. Ich persönlich danke dir dafür, dass ich die erste Nacht bei der Konfi-Freizeit trotz allem unbeschadet überstanden habe und dass es Konfirmanden gab, die sich mir im persönlichen Gespräch anvertrauen konnten. Gott, du verstehst uns besser, als wir uns begreifen. Du siehst uns, wie wir heute sind, und begleitest uns auf dem Weg in die Zukunft.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen.“

Wir hören die Lesung, über die ich auch predigen werde – sie steht im Evangelium nach Matthäus 11, 25-30 (die Verse 25-27 nach der GNB):

25. Danach rief Jesus: »Vater, Herr über Himmel und Erde, ich preise dich dafür, dass du den Unwissenden zeigst, was du den Klugen und Gelehrten verborgen hast!

26. Ja, Vater; so wolltest du es haben!

27. Mein Vater hat alles in meine Macht gestellt. Nur der Vater kennt den Sohn, und nur der Sohn kennt den Vater – und jeder, dem der Sohn ihn zeigen will.

28. Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

29. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.

30. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Nun singt ein Chor, der sich auch aus Konfirmandinnen und Konfirmanden zusammensetzt, die in zwei Wochen konfirmiert werden, das Lied:
„Oh Happy Day“
Gott gebe euch ein Herz für sein Wort und Worte für euer Herz. Amen.

Liebe Gemeinde! Vor allem liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden!

Warum lasst ihr euch konfirmieren? Manche zeichnen eine zynische Karikatur der Konfirmation, sehen sie als simples Tauschgeschäft – auf der einen Seite kommen in die Waagschale ca. 70 bis 80 Stunden Unterricht, außerdem etwa 20 besuchte Gottesdienste, ausgeglichen wird das Ganze auf der anderen Seite durch die Geschenke bei der Konfirmation, wobei ein ganz guter Stundenlohn herauskommt. Ich glaube das nicht. Ich glaube nicht, dass ihr euch nur wegen der Geschenke konfirmieren lasst. Da steckt mehr dahinter. Aber was? Das kann ich nicht genau sagen, das würdet wohl nicht einmal ihr selber genau sagen können oder wollen. Es ist nicht einmal für Erwachsene leicht, genau zu sagen, was sie religiös bewegt, ob es Gott gibt, was denn eigentlich der Sinn des Lebens ist.

Auf jeden Fall hat die Konfirmation etwas mit dem Erwachsenwerden zu tun. So wie heute sieht man euch sonst nicht, in feierlicher Kleidung, dieser Tag ist schon ein Schritt auf dem Weg, kein Kind mehr zu sein und in der Zukunft immer mehr Verantwortung für das eigene Leben übernehmen zu müssen. Früher war es so, in der Generation meiner Eltern – die noch Älteren als ich werden sich erinnern -, dass am Tag nach der Konfirmation der Ernst des Lebens anfing: Nach der behüteten Kindheit das erwachsene Leben als schwere Last. Da trat man die Lehre an oder man ging in Stellung; mit der Kindheit war auch das Lernen in der Schule und das Spielen in der Freizeit vorbei – nach der Konfirmation folgten harte Lehrjahre, die keine Herrenjahre waren, oder harte Arbeit mit wenig freier Zeit höchstens am Wochenende. Und von dem Verdienst musste man das meiste zu Hause als Kostgeld abgeben.

Das ist heute anders. Zwar will man kein Kind mehr sein, aber zur Schule geht man weiter, auch das Spielen gibt man in der Spaßgesellschaft nicht auf, und viele lassen sich noch sehr sehr lange im Hotel „Mama“ verwöhnen. Man muss sich sein Geld nicht schon unmittelbar nach der Konfirmation selbst verdienen. Vielleicht sind Konfirmierte deshalb so froh darüber, dass sie wenigstens zur Konfirmation selbst einen größeren Geldbetrag bekommen, über den sie frei verfügen können – sozusagen doch ein Stück selbstverdientes Geld.

Konfirmation ist also immer noch ein Schritt auf dem Weg zum Erwachsenwerden – aber richtig ernst mit der erwachsenen Selbständigkeit, mit dem sogenannten Ernst des Lebens, wird es erst viel später. Liegt es daran, dass manche Konfirmanden auch ihrem Verhalten nach noch wie Kinder wirken? Wie oft haben wir uns im Kirchenvorstand gefragt, warum sie so viel herumkaspern und den Gottesdienst stören. Natürlich tun es nicht alle, nicht einmal die meisten, aber leider ist es ja so: Wer auffällt, auf den achtet man besonders, und dann heißt es: „die“ Konfirmanden haben gestört! Ihr glaubt es vielleicht nicht, aber wir haben uns über euch Gedanken gemacht. Wir haben uns gefragt, was uns diejenigen, die stören, mit ihrem Stören eigentlich sagen wollen. Als ich den Predigttext las, habe ich gedacht: Steckt da vielleicht eine Antwort auf diese Frage drin?

Da betet Jesus:

Vater, Herr über Himmel und Erde, ich preise dich dafür, dass du den Unmündigen zeigst, was du den Klugen und Gelehrten verborgen hast!

Ja, Vater; so wolltest du es haben!

Jesus meint also, dass Unmündige etwas von Gott wissen, was Erwachsene nicht wissen. Die Leute mit Lebenserfahrung, wir also, wir Pfarrer, wir Eltern, wir Älteren, die immer alles besser wissen, wir kriegen von Jesus gesagt: Wartet mal – geht ihr eigentlich mit denen richtig um, die ihr die Unmündigen nennt?

Ein Un-Mündiger kann noch nicht alles mit seinem eigenen Mund für sich selber entscheiden. Krass gesagt: Ein Un-Mündiger hat zwar einen Mund, aber er soll ihn gefälligst halten. Unmündigen Kleinkindern, etwa beim Taufgottesdienst, sieht man es noch nach, dass sie plappern und auch mal schreien – sie wissen es ja noch nicht besser. Jesus sagt ja auch: Lasst die Kinder zu mir kommen! Aber wenn ihr Konfirmanden euren Mund nicht haltet, fühlen wir Erwachsenen uns gestört. Von euch erwarten wir kontrolliertes, erwachsenes Verhalten: ruhig und aufmerksam.

Jetzt sagt Jesus: Gott lässt Unmündige mehr wissen als Erwachsene. Meint er damit auch, dass wir euch Konfirmanden im Gottesdienst nicht den Mund verbieten dürfen?

Ich glaube, er meint jedenfalls damit, dass wir es nicht aufgeben dürfen, uns mit euch auseinanderzusetzen. Letzten Sonntag meinte jemand: Warum schicken Sie denn die Konfirmanden nicht nach Hause? Das ist doch eine Quälerei für sie und für uns, wenn Sie sie dauernd ermahnen müssen! Ich widerspreche: Jugend gehört in die Kirche, auch wenn es manchmal anstrengend ist – für euch, die Regeln zu lernen und euch daran zu halten, für uns, die Geduld aufzubringen, bis ihr das geschafft habt.

Und ich glaube, Jesus will uns noch mehr sagen. Ich persönlich finde nämlich, dass wir Erwachsenen wirklich davon profitieren, wenn ihr Jugendlichen euch persönlich in Gottesdienste einbringt. Nicht störend, nein, das meine ich nicht. Aber zum Beispiel mit Spielszenen oder mit dem Gesang eben; ihr wart ja freiwillig dazu bereit mitzusingen. Wer weiß, vielleicht stellen wir ja in der Paulusgemeinde einen richtigen kleinen Jugendchor auf die Beine! Vielleicht gelingt es auch immer öfter, einen Gottesdienst so interessant zu gestalten, dass ihr auch nach der Konfirmation gern hierher kommt, zum Beispiel bei einem Gottesdienst um halb sechs in Paulus.

Weiter im Text von Jesus! Was wissen die Unmündigen von Gott besser als die Erfahrenen? Jesus sagt:

Mein Vater hat alles in meine Macht gestellt. Nur der Vater kennt den Sohn, und nur der Sohn kennt den Vater – und jeder, dem der Sohn ihn zeigen will.

Ich versuche, das mal zu übersetzen. Jesus meint: Nicht jeder, der alles über Gott zu wissen meint, weiß wirklich etwas über Gott. Sondern wer über Gott das Entscheidende wissen will, muss sich an Jesus wenden.

Das hat damals den offiziellen Theologen gar nicht gepasst. Und wir gelernten Pfarrer heute, wir regelmäßigen Kirchgänger, wir haben Gott auch nicht allein gepachtet.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass ihr wirklich mehr über Gott wisst als wir – oder wenigstens, dass ihr über Gott auf eure Art genau so viel von ihm wisst. Von einigen weiß ich, dass sie bereits jetzt ihren eigenen Glauben haben, auch wenn sie wenig darüber reden.

Was erfährt man von Jesus konkret über Gott? Jesus macht ein großes Angebot:

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

Wer‘s schwer hat, darf zu ihm kommen. Wer belastet ist, wird bei ihm Lasten los. Erquicken ist ein altes Wort für das, was man heute Wellness nennt: erfrischen, aufbauen, mit neuer Energie auftanken. Wer sich nicht viel zutraut – Jesus nimmt dich, wie du bist.

Aber dann sagt Jesus etwas Komisches:

Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.

Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Ein Joch sollen wir auf uns nehmen? Was ist das – ein Joch? Vielleicht denkt ihr dabei an so ein Ochsengespann, wo zwei Lasttiere mit einer Stange zusammengezwungen werden und gemeinsam einen Karren oder Pflug ziehen. Oder an Spielfilme, wo Sklaven mit Holzbalken um den Hals und in Ketten verschleppt werden – meint Jesus so etwas?

Nein. Ich denke an etwas, was wir im Urlaub in Ostfriesland kennengelernt haben. Wenn die Ostfriesen in schweren Eimern Wasser tragen mussten, dann haben sie dazu „Jück un Emmers“ benutzt. Sie haben nicht etwa die Eimer einfach rechts und links in die Hand genommen. Das ist viel zu anstrengend. Sie haben eine Tragestange gebastelt, die bequem auf den Schultern liegen konnte, und an die Stange haben sie rechts und links die Eimer gehängt. So – mit Jück un Emmers – mit Joch und Eimern – machte das Eimerschleppen weniger Mühe. Und so verstehe ich auch das Joch Jesu – ein sanftes Joch, das Lasten zu tragen erleichtert. Christsein – eine leichte Last. Ich weiß, liebe Konfirmandinnen, liebe Konfirmanden, mehr als die Hälfte aus eurem Jahrgang fragt sich, ob es Gott wirklich gibt, weil er das Böse nicht beseitigt. Viele haben beim letzten Infotreff diesen Satz angekreuzt. Fast genau so viele meinten aber: Gott verhindert nicht alles Unglück, aber er hilft, das Leid zu tragen.

Wie geht ihr mit Lasten um, die ihr zu tragen habt? Familienlasten, die ihr mittragt. Probleme auf dem Schulhof und mit den Schulnoten. Dummheiten, die man ausbaden muss. Ausgelacht werden, weil man anders ist als die anderen.

Wie geht ihr mit solchen und anderen Lasten um? Manche meinen, man kann eh nichts ändern, man muss sich ein dickes Fell zulegen, man muss zurückschlagen, man muss einstecken, aber auch austeilen können. Wer sich klein fühlt, reißt das Maul um so größer auf. Aber was, wenn das alles nicht gelingt? Zieht man sich dann ganz zurück, steigt man aus oder – schlimmstenfalls – bringt man sich um?

Jesus sagt: Versucht es mit meinem Joch, mit meiner Art, Lasten zu tragen. Lernt von mir, sagt er. Ich bin sanftmütig. Ich bin von Herzen demütig. Das ist anders gemeint, als es klingt. Sanft ist ein Mut, der es nicht nötig hat, gewalttätig zu werden. Wer sanft mit sich selbst umgeht, nimmt sich an und bittet notfalls um Hilfe. Sanft miteinander umgehen heißt: Behutsam sein, aufmerksam darauf, dass die anderen ebenso verletzbar sind wie wir selbst. Vielleicht haben gerade die Frechsten die größten Probleme.

Und demütig ist nicht einer, der sich duckt und klein machen lässt. Nein, auch der Demütige hat Mut. De-Mut, Mut zum Dienen. Dazu gehört wirklich Mut in einer egoistischen Spaßgesellschaft – dem andern etwas Gutes tun, dem Mitschüler helfen, der alten Dame im Bus den Platz anbieten.

Wer auf diese Weise mutig ist, wer Probleme auf sanfte Weise löst, ohne Gewalt, wer hilfsbereit ist, ohne Egoimus, von dem sagt Jesus: er findet Ruhe für seine Seele. Keine untätige faule Ruhe, sondern eine, von der wir sagen können: In der Ruhe liegt die Kraft.

Ihr werdet heute konfirmiert. Ihr werdet zu mündigen Christinnen und Christen erklärt. Niemand kann euch ab heute dabei noch Vorschriften machen – ihr seid selbst dafür verantwortlich, wie ihr lebt – als Christin, als Christ. Ihr werdet es auf unterschiedliche Weise tun – ich hoffe, dass ihr es tut: dass ihr von Jesus lernt, seine Tragehilfe für Lasten des Lebens anzunehmen.

Geht das Leben sanft an, geht behutsam miteinander um, nehmt einander Lasten ab. Dann ist auch die Last leichter, die ihr selber tragen müsst. Christsein – eine leichte Last. Amen.

Gott erfülle euch mit aller Freude und mit Frieden im Glauben. Amen.
Lied 623: Du bist da, wo Menschen leben, du bist da, wo Leben ist

Liebe Konfirmandinnen und liebe Konfirmanden!

In der Predigt hat es eine Rolle gespielt, dass Jesus den Unmündigen viel zutraut. Noch seid ihr das – unmündig; erst mit 18 seid ihr volljährig, erwachsen vor dem Gesetz. Aber schon mit 14 Jahren könnt ihr allein entscheiden, wie ihr‘s mit der Religion haltet. Mit der Konfirmation erteilt euch die evangelische Kirche die Lizenz zur Mündigkeit.

Zwei von euch werden heute getauft. Die anderen sind getauft, weil ihre Eltern das so wollten. Zwei von euch sagen heute: Ja, ich will getauft werden. Die anderen sagen: Das mit der Taufe war damals in Ordnung; es ist gut, getauft zu sein, zur Kirche zu gehören, meinen Weg mit Gott zu gehen. Ihr werdet konfirmiert, ihr bekennt euch zu Gott – mit Fragen und Zweifeln, die ihr trotzdem habt. Ihr als Konfirmanden sprecht nun gemeinsam das Glaubensbekenntnis, die Gemeinde betet es still mit. Wir schließen alle gemeinsam mit „Amen.“

Glaubensbekenntnis

Einsegnung – ich spreche euch den Konfirmationsspruch zu als persönliches Segenswort für euer Leben. Ich segne euch, denn Gott euch beschenkt. Er gibt nicht immer, was Ihr wünscht. Er gibt, was Ihr braucht.

Einsegnung

Gott ist für euch da wie ein guter Freund, wie eine gute Freundin. Jesus macht euch frei zum Leben und sein Geist lässt in euch Glauben, Hoffnung und Liebe wachsen. Amen.

Lasst uns beten für diese Neukonfirmierten. Sie sind keine Kinder mehr, aber auch noch nicht ganz erwachsen. Hilf ihnen, ihr Glück zu finden und schwere Tage durchzustehen. Schenke ihnen weiterhin die Unterstützung und Begleitung ihrer Familie und ihrer Freunde. Und gib ihnen das gute Gefühl, in unserer Gemeinde willkommen zu sein. Amen.

Worte an die Neukonfirmierten (Kirchenvorsteher)
Lied 632: Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht

Wir feiern nun miteinander das heilige Abendmahl. Die Konfirmierten empfangen als erste das Abendmahl gemeinsam hier vorn. Danach teilen sie es der Gemeinde aus. Sie kommen zu Ihnen in die Bank- und Stuhlreihen und reichen Ihnen Brot in Körben und Saft in Bechern. Bitte geben Sie Brot und Saft weiter. Niemand muss am Abendmahl teilnehmen. Aber bitte bleiben Sie während der Feier mit uns zusammen. Reichen Sie den Korb oder den Becher einfach weiter.

Gott, du legst uns Lasten auf, aber du hilfst uns auch. Du schaffst uns als bedürftige Wesen, hungrig, durstig, abenteuerlustig und mit der Sehnsucht nach Liebe. Und du lässt uns satt werden, willst, dass wir zufrieden leben, Liebe finden und geben. Zeichenhaft erfahren wir das, wenn wir im Abendmahl dein Brot essen, wenn wir den Saft der Trauben trinken. Danke, dass du sanft mit uns umgehst und dass die Last deiner Forderungen uns nicht erdrückt.

Abendmahlsfeier
Lied 209: Ich möcht, dass einer mit mir geht

Lasst uns nun zu Gott beten und dazu noch einmal still werden.

Wir danken dir, Gott, für die schönen Erlebnisse im Konfirmandenjahr, für alles, was Spaß gemacht hat und was uns weitergebracht hat.

Wir danken dir, Gott, für unsere Familie und für unsere Freunde, für alle Menschen, die für uns da sind.

Wir danken dir, Gott, für unsere Konfirmation und für alles, was wir geschenkt bekommen.

Wir danken dir, Gott, für unser Leben und für unsere Gesundheit.

Wir danken dir, Gott, für die Begabungen, die du uns schenkst.

Wir danken dir, Gott, dass wir in unserem Land im Frieden leben können.

Gott, wir haben dir viel zu verdanken. Und zugleich tragen wir dir unsere Wünsche vor.

Gott, wir bitten dich um gesundes Selbstbewusstsein, dass wir uns uns nicht kleiner machen, als wir sind, und dass wir uns nicht größer machen, als wir sind.

Gott, wir bitten dich für die Menschen, die anders sind als wir. Lass uns unsere Vorurteile überwinden.

Gott, wir bitten dich für die Menschen, die weniger haben als wir. Mach uns bereit, mit ihnen zu teilen.

Gott, wir bitten dich, dass die Kriege in der Welt aufhören, dass die Menschen im Irak wieder Frieden finden und auch die Menschen in Israel und Palästina.

Gott, wir bitten dich: Lass uns den Frieden bewahren, indem wir unsere Gedanken nicht von Hass und Fanatismus anstecken lassen.

Gott, wir bitten dich für unseren Alltag. Lass uns von dir lernen, wenn uns unsere Lasten zu schwer werden.

Gott, wir bitten dich für unsere Zukunft. Lass uns nach dir fragen, wenn wir ein Ziel für unser Leben suchen.

Gott, wir bitten dich für diesen Tag. Lass den Tag der Konfirmation ein schönes Fest werden, dass alle sich später gern daran erinnern. Amen.

Chor: „I Will Follow Him“
Ein Kreuz als Geschenk von der Kirche

Der Herr segne Euch und Er behüte Euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über Euch uns sei Euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf Euch und gebe Euch Frieden. „Amen, Amen, Amen.“

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