Vertrauen auf Gottes Stärke

Gott hat sein Volk Israel nicht deshalb erwählt und Gott hat Martin Luther nicht deshalb beauftragt, weil sie bessere Menschen gewesen wären, sondern weil er zeigen wollte, was schwache und sündige Menschen durch seine Kraft tun können. So können wir es gelassener hinnehmen, dass auch in unserer Zeit der Zustand unserer Kirche und unserer Welt alles andere als ideal ist.

Eine trutzige, auf einen Felsen gebaute Burg

Sein Lied „Ein feste Burg“ hat Martin Luther nach Psalm 46 gedichtet (Foto: pixabay.com)

direkt-predigtGottesdienst am Reformationstag, 31. Oktober 1982, um 9.30 in Reichelsheim, 10.30 in Heuchelheim, 13.00 in Dorn-Assenheim

Ich begrüße Sie herzlich im Gottesdienst zum Reformationsfest, das in diesem Jahr einmal auf einen Sonntag fällt. Heute vor 465 Jahren, am Vorabend von Allerheiligen, schlug Martin Luther seine berühmt gewordenen 95 Thesen gegen den kirchlichen Ablasshandel und für eine lebenslange Buße der Christen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg. Dass ich heute diesen Gottesdienst auch in der katholischen Kirche in Dorn-Assenheim halten kann, ist ein Zeichen dafür, dass der damals zum Ausbruch kommende Gegensatz zur katholischen Kirche uns heute nicht mehr in der gleichen Weise trennt. Nach wie vor ist der Reformationstag aber ein Anlass, uns auf den Ursprung unseres Glaubens zurück zu besinnen, auf Jesus Christus; bei dieser Rückbesinnung kann Martin Luther uns auch heute noch eine große Hilfe sein.

Wir singen heute drei Lieder, die Martin Luther gedichtet hat. Das erste ist sozusagen ein Liebeslied für Gott; in kraftvollen und zugleich zärtlichen Worten beschreibt Luther den Kampf, den es Gott gekostet hat, in Jesus der Bruder der von Tod und Sünde gefangenen Menschen zu werden.

EKG 239, 1+5-7 (EG 341):

1. Nun freut euch, lieben Christen g’mein, und lasst uns fröhlich springen, dass wir getrost und all in ein mit Lust und Liebe singen, was Gott an uns gewendet hat und seine süße Wundertat; gar teu’r hat er’s erworben.

5. Er sprach zu seinem lieben Sohn: »Die Zeit ist hier zu erbarmen; fahr hin, meins Herzens werte Kron, und sei das Heil dem Armen und hilf ihm aus der Sünden Not, erwürg für ihn den bittern Tod und lass ihn mit dir leben.«

6. Der Sohn dem Vater g’horsam ward, er kam zu mir auf Erden von einer Jungfrau rein und zart; er sollt mein Bruder werden. Gar heimlich führt er sein Gewalt, er ging in meiner armen G’stalt, den Teufel wollt er fangen.

7. Er sprach zu mir: »Halt dich an mich, es soll dir jetzt gelingen; ich geb mich selber ganz für dich, da will ich für dich ringen; denn ich bin dein und du bist mein, und wo ich bleib, da sollst du sein, uns soll der Feind nicht scheiden.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. (1. Korinther 3, 11)

Herr, unser Gott! Wir sind oft für Reformen und Änderungen, wenn es andere betrifft und wenn wir so bleiben können, wie wir sind. Ändern sollen sich die anderen. Wir sind schon recht. Wenn wir so denken, ändert sich nicht viel. Die Kirche muss anders werden, sagen wir, und wir bedenken nicht, dass wir zur Kirche gehören, dass wir auch Kirche sind. Es liegt vieles im Argen in der Kirche, in den vielen Gemeinden. Es mangelt an Gemeinschaft, am Willen, Gottes Wort zu hören, am Hunger nach Gottes Wort und am Gehorsam gegen dieses Wort. Herr und Gott! Lass uns einsehen, dass deine Kirche neu werden muss. Reformiere deine Gemeinde, mache sie neu, ändere sie und korrigiere sie – und fang bei uns selbst an. Amen.

Schriftlesung: Die Seligpreisungen Jesu nach Matthäus 5, 1-10

1 Als er aber das Volk sah, ging er auf einen Berg und setzte sich; und seine Jünger traten zu ihm.

2 Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach:

3 Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.

4 Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.

5 Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.

6 Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.

7 Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.

8 Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.

9 Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.

10 Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.

Wir singen nun das wohl bekannteste Lied von Martin Luther: Ein feste Burg ist unser Gott. In kriegerischen Worten wird da etwas zum Ausdruck gebracht, was menschliches Zur-Wehr-Setzen mit verletzenden und tötenden Waffen grundsätzlich in Frage stellt: Dass Gott unsere „Wehr und Waffen“ ist, dass er für uns kämpft, mit seinen Mitteln, völlig unkriegerischen Mitteln, mit der Macht des Wortes und der Macht des Leidens:

EKG 201, 1-4 (EG 362)

1. Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen. Er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen. Der alt böse Feind mit Ernst er’s jetzt meint; groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist, auf Erd ist nicht seinsgleichen.

2. Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren; es streit’ für uns der rechte Mann, den Gott hat selbst erkoren. Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ, der Herr Zebaoth, und ist kein andrer Gott, das Feld muss er behalten.

3. Und wenn die Welt voll Teufel wär und wollt uns gar verschlingen, so fürchten wir uns nicht so sehr, es soll uns doch gelingen. Der Fürst dieser Welt, wie sau’r er sich stellt, tut er uns doch nicht; das macht, er ist gericht’: Ein Wörtlein kann ihn fällen.

4. Das Wort sie sollen lassen stahn und kein’ Dank dazu haben; er ist bei uns wohl auf dem Plan mit seinem Geist und Gaben. Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib: Lass fahren dahin, sie haben’s kein’ Gewinn, das Reich muss uns doch bleiben.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus!
Predigttext: Psalm 46

2 Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben.

3 Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer sänken,

4 wenngleich das Meer wütete und wallte und von seinem Ungestüm die Berge einfielen.

5 Dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben mit ihren Brünnlein, da die heiligen Wohnungen des Höchsten sind.

6 Gott ist bei ihr drinnen, darum wird sie fest bleiben; Gott hilft ihr früh am Morgen.

7 Die Heiden müssen verzagen und die Königreiche fallen, das Erdreich muss vergehen, wenn er sich hören lässt.

8 Der Herr Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz.

9 Kommt her und schauet die Werke des HERRN, der auf Erden solch ein Zerstören anrichtet,

10 der den Kriegen steuert in aller Welt, der Bogen zerbricht, Spieße zerschlägt und Wagen mit Feuer verbrennt.

11 Seid stille und erkennet, daß ich Gott bin! Ich will der Höchste sein unter den Heiden, der Höchste auf Erden.

12 Der Herr Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz.

Liebe Gemeinde!

Das war der Psalm, durch den sich Martin Luther hat anregen lassen, sein Lied „Ein feste Burg“ zu dichten. Der Psalm muss in einer Zeit voller Angst und Schrecken entstanden sein: Jerusalem, die heilige Stadt der Juden, ist von Feinden belagert, scheint wehrlos den heidnischen Völkern in die Hände zu fallen. Die heraufbeschworene Weltuntergangsstimmung ist nicht übertrieben dargestellt, wenn wir bedenken, dass Israel – damals wie heute – ein winziges Land ist, eingekreist von meist feindlichen Völkern, und immer in der Gefahr, zwischen den Großmächten aufgerieben zu werden.

Und in dieser Zeit wagen es die Juden, zu singen: Wir fürchten uns nicht. Die Stadt Gottes soll fein lustig bleiben mit ihren Brünnlein.

Sie tun das nicht, weil sie etwa eine neue militärische Wunderwaffe gegen die Feinde gefunden hätten. Sie tun das nicht, weil sie sich aufgrund ihrer Verteidigungsanstrengungen sicher fühlen. Sie tun das auch nicht, weil sie ihre Angst einfach verdrängen, wie wir das so oft tun. Sie singen: Wir fürchten uns nicht! – weil Gott ihre Stärke und Zuversicht ist. Sie singen: Die Stadt soll fein lustig bleiben! – weil Gott bei ihr drinnen ist.

Wohlgemerkt! Da heißt es nicht: Weil Gott auf unserer Seite ist, werden wir im Kampf schon siegen. Da steht nicht „Gott mit uns“ auf den Koppelschlössern von Soldaten wie bei uns im Ersten Weltkrieg. Sondern von Gott heißt es hier: er richtet auf Erden ein besonderes Zerstören an, nämlich solches Zerstören: er steuert den Kriegen in aller Welt, er zerbricht die Bogen, zerschlägt die Spieße und verbrennt die Kriegswagen.

Wie er das macht und wie er den Juden hilft – das wird nicht beschrieben. Doch das Schicksal Israels lehrt uns: da, wo die Juden auf ihre eigene militärische Kraft vertrauten und gegen den Rat der Propheten Bündnisse eingingen und Kriege führten, da wurde ihr Staat zerstört, wurden sie in die Verbannung geführt. Und da, wo Juden sich auf ihren Glauben besannen, auf ihre Zugehörigkeit zu dem von Gott auserwählten Volk, da haben sie über Jahrtausende ihre Eigenständigkeit als Volk bewahrt, auch wenn sie zerstreut waren über die ganze Welt, auch wenn sie immer wieder verfolgt wurden und bis heute einen Stein des Anstoßes bilden.

Manche Juden meinen, dass Israel unter Begins und Scharons Führung durch das Vertrauen auf die eigene militärische Kraft im Libanon sich erneut selbst den Untergang als Staat bereiten könnte. Ja, schon die Neugründung Israels nach dem Krieg schloss die arabischen Palästinenser nicht gleichberechtigt ein und legte den Keim für die explosive Lage im Nahen Osten. Wer will da aber urteilen? Wer den Film über Golda Meir gesehen hat, wird eine Menge Verständnis für die Haltung der Israelis gewonnen haben. Aber was ist dort heute mit dem Vertrauen auf Gottes Stärke?

Vor fünf Jahrhunderten dichtet Martin Luther den Psalm 46 um und singt mit denen, die zu ihm halten: Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen. Als Waffe gegen Bevormundung und falsche Lehre entdeckte Luther das einfache Wort der Bibel wieder, als Waffe gegen die Sünde die frei geschenkte Gnade Gottes, als Waffe gegen die Verfolger Luthers und seiner Anhänger: die Bereitschaft, um des Glaubens willen im Extremfall zu leiden oder sogar zu sterben. Nicht nur bei den Juden vorhin, sondern auch hier ist wieder zu fragen: haben die Evangelischen diesen Grundsatz, allein auf Gott zu vertrauen, immer durchgehalten? Luther hat sich mit einer Reihe von Fürsten verbündet, die ihn schützten, die später auch Kriege gegen die Katholischen führten. Wieder ist es nicht leicht für uns, zu urteilen: Hätten die Evangelischen denn das Feld kampflos den Katholischen wieder überlassen sollen? Oder hätte Gott andere Wege gewusst, um den unverfälschten Glauben an ihn am Leben zu erhalten? Ich kann nicht so einfach glauben, dass Kriege um der Religion willen gerechtfertigt sein sollen. Um einer Religion willen, deren zentrale Person die Friedensstifter selig preist.

Ich möchte an dieser Stelle keine abschließende Antwort geben. Ich finde es nur wichtig zu sehen: sowohl das auserwählte Volk Israel als auch ein so wichtiger Mann, wie es Martin Luther für unsere Kirche ist: sie haben von der Zuversicht auf Gott, vom Vertrauen nur auf Gottes Stärke gesprochen und diesen Glauben auch gelebt; sie haben aber auch Dinge getan, die im Widerspruch zu diesem Vertrauen auf Gott standen. Und ich halte es nicht für gut, das Volk Israel oder einen Mann wie Luther zu idealisieren. Gott hat sein Volk, Gott hat Luther nicht deshalb erwählt bzw. beauftragt, weil sie bessere Menschen gewesen wären, sondern weil er zeigen wollte, was schwache und sündige Menschen doch durch seine Kraft tun können.

So können wir von einem Mann wie Luther vieles lernen – und doch in vielen Punkten kritisch an ihn herangehen. Und wir können es gelassener hinnehmen, dass auch in unserer Zeit der Zustand unserer Kirche und unserer Welt alles andere als ideal ist. Gelassener insofern, als wir nicht Angst haben müssen um unsere Kirche, weil doch die Zusage Jesu für alle Zeiten gilt, dass er bei uns ist. Gelassener insofern, als wir nicht unserer Kirche einfach den Rücken kehren, wenn andere Kirchenmitglieder sich nach unserer Meinung falsch verhalten. Gelassener insofern, als wir auch selbstkritisch an das herangehen können, was in unseren Auffassungen vom Leben und von der Welt der Botschaft Jesu von Gott in bestimmten Punkten widerspricht.

Wir fürchten uns nicht, wenngleich die Welt unterginge – dieser Satz passt auch in unsere Situation. Ich glaube, nicht so, dass wir die Ängste vor den realen Gefahren verdrängen sollten. Sondern dass wir die Angst als Signal nehmen, etwas zu tun, uns einzusetzen – für die Erhaltung der Umwelt, für den Frieden. So kann Angst überwunden werden, im Vertrauen auf den, der gesagt hat: In der Welt habt ihr Angst, doch siehe, ich habe die Welt überwunden. Angst überwinden ist etwas völlig anderes als Angst verdrängen. Überwundene Angst ist Mut, Tatkraft, schafft neues Leben. Verdrängte Angst aus Angst vor der Angst – bleibt; sie ist gefährlich, weil man sie nicht mehr wahrnimmt, sie macht krank oder ruft übermäßige Abwehrreaktionen gegen andere Menschen hervor. Eigene Angst einzugestehen und Wege zu ihrer Überwindung zu suchen – ein solches Verhalten entspricht der Zuversicht auf Gott. Denn das Gegenteil von Angst ist ein Vertrauen, das wächst. Diesen Weg muss man übrigens nicht allein gehen. Wer in seinem persönlichen Leben unter Ängsten leidet, mit denen er nicht fertig wird, kann sich vertrauensvoll an seinen Seelsorger wenden. Wer die Angst vor den Friedensbedrohungen nicht verdrängen will, kann in der Friedensgruppe Gesprächspartner finden.

Seid stille und erkennt, dass ich Gott bin! So spricht Gott. Das sagt Gott, nachdem erklärt wurde, dass Gott alles Kriegsgerät zerstören wird, dass Gott durch seine bloße Stimme die Mächtigen entmachten kann. Seid stille – das heißt – wir sollen nicht zu schnell sein mit unseren Einwänden, mit unseren fertigen Antworten, mit unseren im Laufe der Jahre erworbenen Überzeugungen. Wir sollen Gottes Wort neu in uns hineinlassen, es einwirken lassen. Und wenn uns das beunruhigt? ja, das ist vielleicht nicht angenehm, aber das ist seine ureigenste Aufgabe. Gottes Wort soll uns beunruhigen, wenn wir uns in falscher Sicherheit wiegen. Wenn wir auf menschliche Stärke und Sicherheit bauen statt auf die Kraft Gottes, die in den Schwachen mächtig ist. Gottes Wort soll uns beunruhigen, damit wir nicht Bequemlichkeit mit der Ruhe und mit dem Frieden verwechseln, die er uns verheißen hat.

Wir sollen erkennen, dass Gott Gott ist. Dann setzen wir nicht mehr andere Dinge an die Stelle Gottes, nehmen nichts und auch uns selbst nicht mehr wichtiger als Gott. Wir nehmen Gott ernst als den, der unser Schöpfer ist und uns etwas zu sagen hat und auf dessen Schutz wir uns verlassen können. Und wir nehmen uns ernst und wichtig als die, die Gott geschaffen hat und die einander nicht das Leben schwer machen, sondern einander lieben sollen, wie jeder sich auch selbst lieben soll.

Mit diesem Erkennen Gottes werden wir nie fertig. Wir haben Gott nicht ein für allemal in der Tasche. Ich genau so wenig wie Sie, obwohl ich Theologie studiert habe. Und Sie ebensowenig wie ich, auch wenn Sie viel mehr Erfahrung haben als ich. Daher ist es gut, wenn wir jede Gelegenheit nutzen, einander auch Fragen zu stellen und uns weiterzuhelfen im Glauben. Es ist nicht schlimm, wenn wir dabei auch manchmal Angst empfinden, weil manche Fragen Zweifel auslösen oder weil wir mit unseren Gedanken auf unbekanntes Gelände geraten. Denn Gott selbst ist mit uns in dieser Angst und hilft uns, sie durchzustehen. Wir sind mit ihm auf dem Weg.

Ich möchte mit einem Wort von Martin Luther schließen, worin er sich gegen ein „fertiges“ Christsein ausspricht und für ein Christsein „auf dem Wege“:

Dies Leben ist nit ein Frommkeit, sondern ein Fromm-werden,
nit ein Gesundheit, sondern ein Gesund-werden,
nit ein Wesen, sondern ein Werden,
nit ein Ruhe, sondern ein Übunge.
Wir seins noch nit, wir werdens aber.
Es ist noch nit getan und geschehen, es ist aber im Gang und Schwange.
Es ist nit das End, es ist aber der Weg.
Es glühet und glitzt noch nicht alles, es fegt sich aber alles.
(WA 7, 337)

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Ein drittes Lied von Martin Luther singen wir nun, in dem angesprochen wird, was Gott für uns getan hat, was nur sein Werk sein kann, nämlich dass er uns unverdientermaßen liebt und vergibt; und es wird angesprochen, was Gott auf Erden lieb ist, was wir aus Glauben und in Liebe tun können:

EKG 182, 1-3 (EG 280):

1. Es wolle Gott uns gnädig sein und seinen Segen geben, sein Antlitz uns mit hellem Schein erleucht zum ewgen Leben, dass wir erkennen seine Werk und was ihm lieb auf Erden, und Jesus Christus, Heil und Stärk bekannt den Heiden werden und sie zu Gott bekehren.

2. So danken, Gott, und loben dich die Heiden überalle, und alle Welt, die freue sich und sing mit großem Schalle, dass du auf Erden Richter bist und lässt die Sünd nicht walten; dein Wort die Hut und Weide ist, die alles Volk erhalten, in rechter Bahn zu wallen.

3. Es danke, Gott, und lobe dich das Volk in guten Taten; das Land bringt Frucht und bessert sich, dein Wort ist wohlgeraten. Uns segne Vater und der Sohn, uns segne Gott der Heilig Geist, dem alle Welt die Ehre tu, vor ihm sich fürchte allermeist. Nun sprecht von Herzen: Amen.

Abkündigungen

Du barmherziger Gott! Wir können Reformationsfest nicht feiern als selbstbewusste Protestanten, die sich ihres besseren Glauben sicher sind. Alles, was wir meinen, fest im Griff zu haben, zerrinnt, oder erweist sich als starr und leblos. Wir sind mit unsrem Glauben auf einem Weg, auf dem Gott die Hand über uns hält. Auch er will nicht uns im Griff haben, sondern wir können die Hand ergreifen, wenn wir es wollen. Wir können bitten um Glaubensgewissheit, um Zuversicht, um Beistand in Zweifeln, um Trost in der Trauer, um Hilfe in der Not. Wir können uns öffnen füreinander in der Gemeinde und uns öffnen auch für die Probleme der Welt. Wir können mit unserer Angst in Kontakt kommen und gemeinsam Vertrauen lernen und Mut entwickeln. Herr, wir bitten dich, mache uns neu, schenke uns, was wir brauchen, durch unsere eigene Arbeit und durch die Hilfe anderer. Mach uns bereit, dich selbst zu erkennen. Amen.

Vater unser und Segen
EKG 145, 1-2 (EKG 196):

1. Herr, für dein Wort sei hoch gepreist; lass uns dabei verbleiben und gib uns deinen Heilgen Geist, dass wir dem Worte glauben, dasselb annehmen jederzeit mit Sanftmut, Ehre, Lieb und Freud als Gottes, nicht der Menschen.

2. Öffn uns die Ohren und das Herz, dass wir das Wort recht fassen, in Lieb und Leid, in Freud und Schmerz es aus der Acht nicht lassen; dass wir nicht Hörer nur allein des Wortes, sondern Täter sein, Frucht hundertfältig bringen.

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