Geist der Glaubensstärke

An den Beispielen vieler Männer der Bibel zeigt ein Pfingstlied von Philipp Spitta, wie Gottes Geist auch uns berühren, ergreifen und verändern will. Wir könnten noch weit mehr als sieben Strophen singen, auch von Frauen wie Sara und Hagar, Debora und Tamar, Maria und Lydia. Wir bitten: Komm, heiliger Geist, erfülle uns mit der Kraft des Gottvertrauens.

Kuppelmalerei in einem Dom

Malerei in der Kuppel eines Domes (Bild: pixabay.com)

direkt-predigtPfingstgottesdienst am Pfingstsonntag, 24. Mai 2015, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Herzlich willkommen im Gottesdienst am Pfingstsonntag, am Tag der Ausgießung des Heiligen Geistes! Im Mittelpunkt der Predigt wird heute ein nicht ganz 200 Jahre altes Lied stehen, das von der Stärke handelt, die der Heilige Geist im Glauben schenkt.

Zu Beginn singen wir jedoch ein anderes Pfingstlied, es steht unter der Nummer 135, und wir singen die Strophen 1 bis 2 und 5:

1. Schmückt das Fest mit Maien, lasset Blumen streuen, zündet Opfer an, denn der Geist der Gnaden hat sich eingeladen, machet ihm die Bahn! Nehmt ihn ein, so wird sein Schein euch mit Licht und Heil erfüllen und den Kummer stillen.

2. Tröster der Betrübten, Siegel der Geliebten, Geist voll Rat und Tat, starker Gottesfinger, Friedensüberbringer, Licht auf unserm Pfad: gib uns Kraft und Lebenssaft, lass uns deine teuren Gaben zur Genüge laben.

5. Gib zu allen Dingen Wollen und Vollbringen, führ uns ein und aus; wohn in unsrer Seele, unser Herz erwähle dir zum eignen Haus; wertes Pfand, mach uns bekannt, wie wir Jesus recht erkennen und Gott Vater nennen.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“

Wir beten mit Psalm 118:

24 Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

27 Der HERR ist Gott, der uns erleuchtet. Schmückt das Fest mit Maien…!

29 Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.

Kommt, lasst uns ihn anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

So wie wir an Ostern von Karfreitag herkommen, so kommen wir an Pfingsten von Himmelfahrt her. So wie es erst Ostern werden muss, indem der Glaube an die Liebe Gottes wächst, die den Tod überwindet, so muss es auch erst Pfingsten werden, nachdem Jesus von seinem leibhaftigen Wirken auf Erden endgültig Abschied genommen hat. Wo unsere Seele ausgetrocknet ist, begieße sie mit deinem belebenden Geist der Liebe. Wo unsere Energiereserven aufgebraucht sind, schenke uns neue Kraft. Wo wir nicht wissen, wohin wir gehen sollen, gib unserem Leben ein neues Ziel; zeige uns, was du mit uns vorhast. Wir rufen zu dir:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

„Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth.“ (Sacharja 4, 6)

Nicht mit Gewalt, nicht auf zwanghafte Weise erreichen wir den Sinn unseres Lebens oder den Aufbau einer lebendigen Gemeinde. Gottes Geist selber erfüllt unser Leben, so dass wir wissen, wo es lang geht, und wie wir den Weg bewältigen können. Gottes Geist selber ist es auch, der unsere Gemeinde aufbaut. Lasst uns Gott lobsingen!

„Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.

Der Herr sei mit euch! „Und mit deinem Geist!“

Gott, dein Atem gibt uns Leben. Wie der Wind die Blätter der Bäume bewegt, so bewegst du auch uns. Gott, dein Geisthauch rührt uns an, so dass wir glauben. Das erbitten wir von dir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Lesung zum Pfingstfest in der Apostelgeschichte 2 (Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift © 1980 by Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart):

1 Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort.

2 Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren.

3 Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder.

4 Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.

7 Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden?

8 Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören?

12 Alle gerieten außer sich und waren ratlos. Die einen sagten zueinander: Was hat das zu bedeuten?

13 Andere aber spotteten: Sie sind vom süßen Wein betrunken.

14 Da trat Petrus auf … und begann zu reden:

15 Diese Männer sind nicht betrunken, wie ihr meint; es ist ja erst die dritte Stunde am Morgen;

16 sondern jetzt geschieht, was durch den Propheten Joël gesagt worden ist:

17 In den letzten Tagen wird es geschehen, so spricht Gott: Ich werde von meinem Geist ausgießen über alles Fleisch. Eure Söhne und eure Töchter werden Propheten sein, eure jungen Männer werden Visionen haben, und eure Alten werden Träume haben.

38 Am Schluss seiner Predigt rief Petrus: Kehrt um, und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung seiner Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.

41 Die nun, die sein Wort annahmen, ließen sich taufen, an diesem Tag etwa dreitausend Menschen.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Wir bekennen den Glauben an den dreieinigen Gott:
Glaubensbekenntnis
Vor, während und nach der Predigt werden alle Strophen aus dem Lied 137 gesungen, an dieser Stelle die beiden ersten. Den Text gebe ich an den Stellen wieder, an denen ich auf ihn in der Predigt eingehe.
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde! Heiligen Geist schenkt uns Gott, einfach gesagt ist dieser Geist nichts anderes als Gottes Liebe, die uns erfüllen will, und die Art dieser Liebe ist an Jesus Christus erkennbar, wie er gelebt und gelitten hat und für Freunde und Feinde gestorben ist.

Aber im Einzelnen und ganz Konkreten ist es mit dem Heiligen Geist dann doch wieder komplizierter. In jedem Leben wirkt sich Gottes Heiliger Geist anders aus. Darum erzählt die Bibel Hunderte von Geschichten von Gott aus der Sicht der Menschen, die mit ihm wunderbare Dinge erleben. Ein paar von diesen Menschen werden in einem Pfingstlied besungen, das ich noch nie in einem Gottesdienst habe singen lassen. Heute will ich es einmal tun, und ich will zugleich ausführlich auf seinen Inhalt eingehen. Er ist nicht unbedingt leicht zu verstehen, und ob wir mit allen Aussagen des Liedes selber mitgehen möchten, ist dann auch noch die Frage.

Zwei Strophen des Liedes haben wir schon gesungen, als Einleitung. Auch darauf möchte ich noch einmal eingehen. Auf dreifache Weise wird der Heilige Geist angesprochen, erstens als…

1. Geist des Glaubens, Geist der Stärke, des Gehorsams und der Zucht.

Gottes Geist schenkt Glauben und Stärke. Welcher Art diese Stärke ist, werden wir sehen. Auf jeden Fall gehört nach dem Liederdichter Philipp Spitta auch Gehorsam und Zucht zu diesem Geist. Beide Worte sind übel missbraucht worden, um Menschen im Dritten Reich zur Unterwerfung unter einen menschenverachtenden Diktator zu zwingen. Im positiven Sinn ist mit Gehorsam ein Hören auf die gute Wegweisung von Gott gemeint und mit der Zucht eine Selbstdisziplin, in der man dem Gebot folgt: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!

Zweitens wird Gottes Geist angeredet als…

Schöpfer aller Gotteswerke, Träger aller Himmelsfrucht.

Der Geist ist gleichzusetzen mit Gottes Weisheit, die vor Gott gespielt hat, als er die Welt erschuf, wie es in der Bibel heißt. Planvoll entsteht eine Schöpfung, in der von Anfang an Raum ist für Spiel und Freude und die im Lauf der Zeit immer mehr erfüllt werden soll durch Früchte des Himmels, die der Geist in die Welt hineinträgt.

Schließlich wird der Geist mit bestimmten Menschen in Verbindung gesehen:

Geist, der einst der heilgen Männer, Kön’ge und Prophetenschar,
der Apostel und Bekenner Trieb und Kraft und Zeugnis war.

Was hier fehlt, sind die heiligen Frauen, Königinnen und Prophetinnen, Jüngerinnen und Bekennerinnen des Glaubens. Sie zu erwähnen, kann man von dem Liederdichter in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vielleicht nicht erwarten, wir müssen sie uns dazu denken, sonst könnten wir das Lied heute nicht guten Gewissens singen.

Heiliger Geist ist es jedenfalls, der heilige Menschen antreibt, ihnen Kraft gibt und sie dazu bringt, mutig für Gott und Jesus Christus einzutreten.

An diesen Heiligen Geist richten wir mit unserem Lied eine große Bitte:

2. Rüste du mit deinen Gaben auch uns schwache Kinder aus,
Kraft und Glaubensmut zu haben, Eifer für des Herren Haus;
eine Welt mit ihren Schätzen, Menschengunst und gute Zeit,
Leib und Leben dranzusetzen in dem großen, heilgen Streit.

Wir müssen nicht von uns aus stark sein. Es ist keine Schande, wenn wir als schwache Kinder vor Gott stehen. Kraft und Mut zum Glauben kriegen wir ja eben von Gott, ebenso den Eifer, mit dem wir uns für die Kirche, das aus vielen Menschen aufgebaute Haus des Herrn, engagieren.

Der Liederdichter sieht diesen Einsatz für die Kirche als einen großen, heiligen Streit. Welche Art von Streit und Kampf das ist, werden wir auch noch sehen. Aber schon hier ist klar, wie groß der Einsatz ist, der hier gefordert wird: Eine ganze Welt mit ihren Schätzen, also alles, woran unser Herz in dieser Welt hängen kann, sollen wir bereit sein, für Gott einzusetzen, ebenso unsere kostbare Zeit, ja, unseren Leib und unser Leben und auch das, was der Liederdichter „Menschengunst“ nennt, also, dass wir bei möglichst vielen Menschen beliebt sind. Wer an Gott glauben, sich für ihn einsetzen, von seinem Geist erfüllt werden will, der mag also eine ganze Menge aufs Spiel setzen und verlieren, wenn es darauf ankommt.

Wenn wir jetzt noch nicht davon abgeschreckt sind, uns auf den Heiligen Geist Gottes einzulassen, werden uns in sieben weiteren Strophen Menschen der Bibel vor Augen gestellt, die Vorbilder des Glaubens waren.

Beginnen wir mit Abraham:

3. Gib uns Abrahams gewisse, feste Glaubenszuversicht,
die durch alle Hindernisse, alle Zweifel siegend bricht;
die nicht bloß dem Gnadenbunde trauet froh und unbewegt,
auch das Liebste jede Stunde Gott zu Füßen niederlegt.

Abraham ist das Urbild für einen festen Glauben, der alle Hindernisse und Zweifel überwindet. Er glaubt Gott einfach, dass er der Stammvater eines zahlreichen Volkes werden wird, obwohl er bis zum Alter von 99 Jahren noch nicht einmal ein einziges Kind hat. Gott schließt einen Bund der Gnade mit ihm, das genügt ihm, um sein Leben lang darauf zu warten, dass Gott sein Versprechen halten wird. Und als er dann stolzer Vater seines Sohnes Isaak ist, kommt eine neue Prüfung auf ihn zu. Gott scheint von ihm zu erwarten, dass er den Sohn ihm zurückgibt, ihm opfert. Abraham ist zu allem bereit, immer noch vertraut er Gott vorbehaltlos, er weiß nicht, warum Gott so etwas fordern sollte, er vertraut ihm aber, dass er am Ende alles gut werden lässt. So kommt es dann auch: Gott verlangt nicht wirklich, dass er den Sohn tötet; er bleibt am Leben, und das Versprechen Gottes wird erfüllt. Durch Isaak wird Abraham Stammvater des Volkes Israel.

4. Gib uns Moses Flehn und Beten um Erbarmung und Geduld,
wenn durch freches Übertreten unser Volk häuft Schuld auf Schuld.
Lass uns nicht mit kaltem Herzen unter den Verdorbnen stehn,
nein, mit Moses heilgen Schmerzen für sie seufzen, weinen, flehn.

Hier wünscht sich der Liederdichter, dass wir für unser eigenes Volk eintreten, wenn es Gottes Gebote so frech übertritt, wie es das Volk Israel getan hat, als es an Stelle des befreienden Gottes ein Götterbild aus Gold anbeten wollte, ein goldenes Kälbchen. Hier ist die Frage: Wo übertritt unser Volk so frech die Gebote Gottes? Wo beten wir falsche Götter an? Nicht dort, wo wir uns mit Respekt auf das Gespräch mit Menschen anderer Religion einlassen. Sondern eher dort, wo wir aus Angst vor allem Fremdem Vorurteile und Feindschaft schüren, wo Menschen ausgegrenzt und benachteiligt werden, wo aus reinem Profitdenken die Gerechtigkeit auf der Strecke bleibt.

Mose hatte aber auch für sein Volk um Erbarmen gebeten, Gott sollte Geduld haben mit unvollkommenen Menschen und ihnen eine zweite Chance geben. Ja, Mose wollte lieber selber von Gott verstoßen werden, als sein Volk verloren geben, das meint der Liederdichter mit den heiligen Schmerzen, in denen Mose für Leute eintritt, die man als verdorben bezeichnen könnte.

5. Gib uns Davids Mut, zu streiten mit den Feinden Israels,
sein Vertraun in Leidenszeiten auf den Herren, seinen Fels;
Feindeslieb und Freundestreue, seinen königlichen Geist
und ein Herz, das voller Reue Gottes Gnade sucht und preist.

Wenn im Lied um einen Mut gebetet wird, der dem Mut von König David entspricht, als er mit den Feinden Israels gekämpft hat, dann sollen wir uns vor allem an den jungen David erinnern, der nur mit einer Steinschleuder bewaffnet dem riesenhaften Krieger Goliath entgegentrat.

Ein Vorbild kann David uns auch sein, indem er zur Harfe Vertrauenspsalmen gedichtet und gesungen hat, das Lied vom Guten Hirten zum Beispiel oder das Gebet zu Gott, seinem Fels.

Sein wahrhaft königlicher Geist zeigte sich darin, dass er treu zu seinem geliebten Freund Jonathan stand, obwohl dessen Vater Saul anfing, David zu hassen und zu verfolgen. David wiederum vergalt Saul diesen Hass mit Feindesliebe; er verschonte ihn mehrfach, obwohl er ihn hätte töten können.

Nicht zuletzt war David auch fähig zur Reue, als er schwer gegen Gottes Gebote verstoßen hatte, durch den Ehebruch mit Bathseba und die Preisgabe ihres Mannes in den Tod. Er tat nicht so, als stünde ein König über Gottes Gesetz, sondern suchte Vergebung und pries in seinen Psalmen die Gnade Gottes.

Während wir diese Strophe gesungen haben, ist mir noch etwas eingefallen zu der Zeile: „Gib uns Mut zu streiten mit den Feinden Israels.“ Ich sprach gestern, als ich zu Gast war beim Sommerfest der Türkisch-Islamischen Gemeinde, mit einem Mann, dessen Nachbarin eine Palästinenserin ist, die von Israelis aus ihrem Haus vertrieben worden war. Verständlicherweise ist er entsetzt über dieses Verhalten von Menschen, deren Volk selber Verfolgung erlitten hatte. Was kann es bedeuten, für Israel zu streiten? Es kann nicht bedeuten, alles gutzuheißen, was Israelis aus ihrem verständlichen Wunsch heraus tun, niemals wieder Opfer werden zu wollen. Wer zum Täter wird, muss dafür auch zur Rechenschaft gezogen werden. Gerade als Deutsche müssen wir aber zur besonnenen Kritik mahnen, denn allzuleicht gerät eine Kritik an Israel ins altbekannte Fahrwasser des Antisemitismus. Oder diejenigen, die das Existenzrecht Israels grundsätzlich verneinen, von denen es in der arabischen und islamischen Welt ja nicht wenige gibt, fühlen sich bestätigt. Wie habe ich für Israel gestritten? Ich habe einfach erzählt, dass unsere ehemalige Organistin zur Zeit ein Praktikum in Jerusalem macht, in einer Einrichtung, in der Menschen jüdischen, christlichen und islamischen Glaubens im Frieden miteinander leben, und dass es darauf ankommt, solche Wege des Friedens zu gehen, dort in Israel nicht anders als hier in Deutschland.

6. Gib Elias heilge Strenge, wenn den Götzen dieser Zeit
die verführte blinde Menge Tempel und Altäre weiht,
dass wir nie vor ihnen beugen Haupt und Knie, auch nicht zum Schein,
sondern fest als deine Zeugen dastehn, wenn auch ganz allein.

Elia war einer der bekanntesten Propheten Israels, der sich dem König Ahab entgegenstellte, als er fremde Götter ins Land holte und in ihrem Namen die Gebote des einen Gottes in Israel außer Kraft zu setzen drohte und die Freiheit der Menschen aufs Spiel setzte. Um seine heilige Strenge zu bitten, bedeutet, dass wir uns klar machen, welche Götzen, also falschen Götter, in unserer Zeit angebetet werden. Ein falscher Gott könnte der Profit um jeden Preis sein, oder ein Gott, der angeblich befiehlt, Andersgläubige zu töten. Beim Fest der islamischen Gemeinde traf ich gestern auch einen Professor der Turkologie, der an der Universität Gießen lehrt. Mit ihm war ich einig, dass wir Menschen anderer Religion, die also anders zu Gott beten als wir, dann mit Respekt begegnen können, wenn sie zum Frieden bereit sind. Aber man macht aus Gott einen Götzen, wenn man statt des befreienden Gottes ein Goldenes Kalb anbetet, wenn man im Namen des Kreuzes Kriege gegen Andersgläubige führt oder wenn man im Namen des Islam eine Schreckensherrschaft errichtet und Terror verbreitet. Menschen, die so etwas tun, haben mit dem wirklichen Anliegen der Religion, die sie missbrauchen, nichts gemein.

Allerdings hat Elia damals auch die Priester des falschen Gottes Baal getötet. War auch er ein Fanatiker? Ich mächte ihn sehen als einen Kämpfer für den gerechten Gott Israels, der in tiefste Selbstzweifel verfiel, nachdem er die Rache an den Götzendienern in die eigene Hand genommen hatte. Sie sehen, mit Elia als Vorbild tue ich mich schwer. Überhaupt sind die Menschen der Bibel keine fehlerfreien Helden, sie alle waren darauf angewiesen, sich immer wieder neu vom Geist Gottes leiten zu lassen und ihr Denken und Handeln zu überprüfen. Das war ja später übrigens auch mit Martin Luther so. Auch er ist nicht ein fehlerfreier Held unserer evangelischen Kirche, sondern er hat zum Beispiel zum Krieg gegen aufständische Bauern aufgerufen und Dinge gegen die Juden gesagt, die wir heute nur mit aller Schärfe zurückweisen können.

7. Gib uns der Apostel hohen, ungebeugten Zeugenmut,
aller Welt trotz Spott und Drohen zu verkünden Christi Blut.
Lass die Wahrheit uns bekennen, die uns froh und frei gemacht;
gib, dass wir’s nicht lassen können, habe du die Übermacht.

Und schon sind wir im Neuen Testament. Hier stellt uns unser Lied die Apostel Jesu Christi als Glaubensvorbilder vor Augen. Durch den Heiligen Geist gewannen sie am Pfingstfest den Mut, die Gnade Jesu Christi zu verkünden, seinen Tod am Kreuz für die Sünden aller Menschen. Man verspottete sie, sie seien ja betrunken, man drohte ihnen, sie ins Gefängnis zu stecken oder zu töten, aber sie redeten trotzdem frei und offen zu allen Menschen von der Wahrheit, dass Jesus Gottes Sohn ist, dass wir im Vertrauen zu ihm ewiges, von Liebe erfülltes Leben gewinnen. Wir sind ebenso dazu aufgerufen, uns zu Jesus zu bekennen, dazu, dass er uns durch seine Liebe Freude und Freiheit schenkt. Wir dürfen den Heiligen Geist um den Mut bitten, dass wir es nicht lassen können, für die Wahrheit einzutreten, die mit Jesus in die Welt kam. „Habe du die Übermacht“, diese Bitte an den Geist Gottes klingt gewaltig; gemeint ist keine äußerliche Gewalt, sondern eine Kraft, die in Schwachen mächtig ist, die Menschen überzeugt, statt sie unter Druck zu setzen, und die mit Respekt auch den Menschen begegnen kann, die sich nicht überzeugen lassen mögen.

8. Schenk gleich Stephanus uns Frieden mitten in der Angst der Welt,
wenn das Los, das uns beschieden in den schwersten Kampf uns stellt.
In dem rasenden Getümmel schenk uns Glaubensheiterkeit,
öffn im Sterben uns den Himmel, zeig uns Jesu Herrlichkeit.

Als letztes Glaubensvorbild wird in unserem Lied Stephanus besungen. Er war der erste Märtyrer für Jesus und wurde von einer fanatischen Menschenmenge zu Tode gesteinigt, weil sie es nicht aushielten, wie er ihnen ihre Sünden vorhielt und Jesus als den gekreuzigten und auferstandenen Sohn Gottes predigte. Während Stephanus starb, sah er den Himmel über sich offen und bat für seine Mörder um Vergebung. Ich weiß nicht, wie ich mich in einer ähnlichen Situation verhalten würde. Meine Eltern- und Großelterngeneration, bei euch Konfis sind es schon die Ur- oder Ururgroßeltern, mussten in der Hitlerzeit zum Teil ähnliche Situationen durchstehen. Wir können den Heiligen Geist nur bitten, dass uns dann, wenn es darauf ankommt, alles geschenkt wird, was wir brauchen: inner Friede, obwohl wir vor Angst zittern, wenn wir uns in einem harten Kampf bewähren müssen, eine Heiterkeit des Glaubens inmitten von Unmenschen, die keinen Humor kennen, und schließlich den offenen Himmel, wenn wir uns dem Tod gegenübersehen.

Damit kommen wir zur letzten Strophe des Liedes, die fast wörtlich noch einmal die erste Strophe aufnimmt:

9. Geist des Glaubens, Geist der Stärke, des Gehorsams und der Zucht,
Schöpfer aller Gotteswerke, Träger aller Himmelsfrucht, Geist,
du Geist der heilgen Männer, Kön’ge und Prophetenschar,
der Apostel und Bekenner: auch bei uns werd offenbar!

Ich hoffe, es ist deutlich geworden, dass wir aus den Beispielen vieler Menschen der Bibel lernen können, wie Gottes Geist auch uns berühren, ergreifen und verändern will. Wir könnten noch weit mehr als sieben Strophen von ihnen singen, vor allem auch von Frauen wie Sara und Hagar, Debora und Tamar, Maria und Lydia. Aber für heute lassen wir es genug sein und bitten einfach: Komm, heiliger Geist, erfülle uns mit der Kraft des Gottvertrauens. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Nun feiern wir das heilige Abendmahl miteinander. Christus ist nicht leiblich, körperlich bei uns. Aber er ist innerlich bei uns, durch die Kraft, die er uns schenkt, durch Gottes Heiligen Geist. Und so wie wir satt werden, wenn wir essen, so will Gott durch seinen Geist unseren Hunger nach Liebe stillen. So wie unser Durst gelöscht wird, wenn wir trinken, so will Gott auch unseren Durst nach Vergebung löschen.

Gott, lass uns nicht einsam um uns selber kreisen in Verzagtheit oder Übermut, in Egoismus oder Gleichgültigkeit. In der Stille bringen wir vor dich, was unsere Seele belastet:

Beichtstille

Wollt Ihr euch verwandeln lassen durch Gottes Heiligen Geist und seine Vergebung der Sünden für euer Leben annehmen? Dann sagt laut oder leise oder auch still im Herzen: Ja!

Auf euer aufrichtiges Bekenntnis spreche ich euch die Vergebung eurer Sünden zu – im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Der Herr sei mit euch. „Und mit deinem Geiste.“

Erhebet eure Herzen! „Wir erheben sie zum Herren.“

Lasset uns Dank sagen dem Herrn, unserem Gott. „Das ist würdig und recht.“

Würdig und recht ist es, auf den Heiligen Geist zu hoffen, mit dem Gott selber uns erfüllt, mit dem Gott selber seine Kirche aufbaut und dazu uns selbst als Bausteine verwendet. Zu dir rufen wir und preisen dich, Heiliger Gott:

Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll. Hosianna in der Höhe. Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe.

Vater unser und Abendmahlsworte

Jesus Christus spricht: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nehmt hin den heiligen Geist!“

Nehmt und gebt weiter, was euch gegeben ist – den lebendigen Leib der Liebe Gottes.

Herumreichen des Korbs

Jesus Christus spricht: „Ich bin das Wasser des Lebens. Wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.“

Austeilen der Kelche

Gehet hin im Frieden!

Fürbitten

Wir singen das Lied 562:

Segne und behüte
Abkündigungen

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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