Das Verbindungsstück

Zu guter Letzt

Bergsteiger am Gipfelkreuz

Bergsteiger am Gipfelkreuz (Foto: pixabay.com)

… denke ich über das Kreuz Jesu nach. Trennt es die Menschen oder verbindet es sie miteinander?

Sieht man das Christentum als eine Religion, die sich gegen andere Religionen behaupten muss, kann das Kreuz zum Symbol der Trennung werden, zur Waffe im „Kreuzzug“ gegen den Andersgläubigen.

Nimmt man im Kreuz Jesu jedoch das Leiden der „geringsten Geschwister“ des Sohnes Gottes wahr, stellt es Verbindungen her mit Menschen, die auf Verständnis, Hilfe, Liebe angewiesen sind – über jede Grenze hinweg.

Den Gott, der in Christus lebt, stirbt und aufersteht, erleben nur diejenigen als unbarmherzig, die selber nicht barmherzig sind, die ihr Herz seiner Liebe nicht öffnen. Im Gleichnis vom „Verlorenen Sohn“ ist ausgerechnet der Daheimgebliebene in der Gefahr, verlorenzugehen, weil er die Freude des Vaters über den heimgekehrten Taugenichts nicht teilen will.

Als sich in der Todesstunde Jesu seine Wege mit zwei gleichfalls zum Tod am Kreuz Verurteilten kreuzen, verspottet ihn der eine, weil Jesus sich so elend ans Kreuz hat schlagen lassen (Lukas 23, 39): „Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns!“ So dicht er dran ist an der Hilfe, die ihn retten könnte – zwar nicht mehr vom irdischen, doch vom ewigen Tod – er nimmt sie nicht an. Der andere bittet Jesus um Fürsprache bei Gott, und Jesus versichert ihm (Lukas 23, 43): „Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“

Wo sich unsere Wege mit den Wegen Jesu kreuzen, in eigenem Leid oder wo andere in Nöten sind, haben auch wir die Chance, das Kreuz als Verbindungsstück zu erleben – mit Jesu Geschwistern auf Erden.

Liebe heilt

Sich nach einer
Umarmung zu sehnen,
ist alles andere
als menschliche Verarmung!

francesco

Ihr Pfarrer Helmut Schütz

„Zu guter Letzt“ März – Mai 2004 im Gemeindebrief der Evangelischen Paulusgemeinde Gießen. Das Gedicht stammt von Markus Bernard.

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