Beerdigung einer alten Binnenschifferin

Trauerfeier für eine alte Frau, die fast ihr ganzes Leben lang auf einem Schleppkahn gelebt und gearbeitet hat.

Beerdigung einer alten Binnenschifferin: Ein Kahn auf dem Rhein unterhalb des Loreleyfelsens

Binnenschiff auf dem Rhein bei der Loreley (Bild: pixabay.com)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Gott spricht (Jesaja 46, 4):

Bis in euer Alter bin ich derselbe, und ich will euch tragen, bis ihr grau werdet. Ich habe es getan; ich will heben und tragen und erretten.

Wir sind hier versammelt, um Abschied zu nehmen von Frau M., die mit [über 90] Jahren gestorben ist.

In dieser Stunde denken wir an das Leben der Verstorbenen.

Erinnerungen an das Leben der Verstorbenen

Wenn ein Mensch in einem so hohen Alter stirbt, dann können wir wohl mit Recht annehmen: Hier ist ein erfülltes Leben zu Ende gegangen. Doch es ist gar nicht so einfach, ganz genau zu sagen, was denn ein Leben zu einem erfüllten Leben macht. Wir beschreiben das Wesen eines Menschen, wir sagen zum Beispiel von der Verstorbenen: Sie war immer hilfsbereit und hatte für jeden ein gutes Wort. Wir führen uns die verschiedenen Phasen ihres Lebens vor Augen, wie abwechslungsreich es war und was ihr Herz erfreut hat. Aber dann gab es auch das Schwere, das sie durchmachen musste. Da war der allmähliche Abschied vom aktiven Leben bis dahin, dass sie pflegebedürftig und bettlägerig wurde. Und nun der Tod – wir Menschen begreifen ihn einfach nicht. Wir haben zwar den Tieren eines voraus: Wir sind uns bewusst, dass wir sterben müssen, aber begreifen können wir den Tod dennoch nicht. Er bleibt für uns ein letzten Endes doch furchtbares Geheimnis.

Darum erinnern wir uns hier in der Trauerhalle auch an Worte der Bibel, die der Erfahrung des Todes andere Erfahrungen gegenüberstellen: Erfahrungen mit Gott. Nur Gott ist dem Tod gewachsen, nur der Allmächtige ist stark genug, um uns Hoffnung zu geben über den Tod hinaus. Nur wer an Gott glaubt, kann ein ganzes Leben mit allen Höhen und Tiefen als ein letztendlich erfülltes Leben begreifen, mit Gesundheit und Krankheit, mit Stärke und Schwachheit, mit Jugend und Alter. Mit seiner Liebe erfüllt Gott unser Leben; selbst wo wir nur leere Hände vorweisen können, beschenkt er uns; selbst wo wir mit unseren nachlassenden Kräften nicht mehr viel tun können, behält unser Leben in Gottes Augen doch seinen ewigen Sinn.

Als ich einen Bibeltext für die Erinnerung an eine Frau suchte, die viele Jahrzehnte ihres Lebens auf einem Schleppkahn gelebt und gearbeitet hat, fiel mir ein, wie oft Jesus mit einem Boot fahren musste; einmal hat er sogar vom Boot aus einen ganzen Tag lang gepredigt. Diese Geschichte steht im Evangelium nach Markus 4:

1 Und er fing abermals an, am See zu lehren. Und es versammelte sich eine sehr große Menge bei ihm, so dass er in ein Boot steigen musste, das im Wasser lag; er setzte sich, und alles Volk stand auf dem Lande am See.

2 Und er lehrte sie vieles in Gleichnissen.

35 Und am Abend desselben Tages sprach er zu ihnen: Lasst uns hinüberfahren.

36 Und sie ließen das Volk gehen und nahmen ihn mit, wie er im Boot war, und es waren noch andere Boote bei ihm.

37 Und es erhob sich ein großer Windwirbel, und die Wellen schlugen in das Boot, so dass das Boot schon voll wurde.

38 Und er war hinten im Boot und schlief auf einem Kissen. Und sie weckten ihn auf und sprachen zu ihm: Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen?

39 Und er stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig und verstumme! Und der Wind legte sich, und es entstand eine große Stille.

40 Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so furchtsam? Habt noch keinen Glauben?

41 Sie aber fürchteten sich sehr und sprachen untereinander: Wer ist der? Auch Wind und Meer sind ihm gehorsam!

Ja, liebe Trauergemeinde, Jesus hat so viel Vertrauen zu seinem himmlischen Vater, dass er in einem Boot sitzend nicht nur predigt, er legt sich sogar mitten auf dem Wasser darin schlafen. Und als die Jünger in einen Sturm geraten und vor Angst plötzlich nicht mehr aus noch ein wissen – da erinnert er sie an das Gottvertrauen. Sie sollen tun, was sie als erfahrene Schiffer in einer Notsituation zu tun gelernt haben, aber alles weitere sollen sie in die Hand Gottes stellen. Wenn Gott will, dass sie mit dem Leben davonkommen, dann werden sie leben. Und wenn sie wirklich sterben müssen, dann bleiben sie trotzdem in Gottes Hand geborgen – auch im Tod.

In diesem Sinne vertrauen wir heute auch Frau M. der Liebe Gottes an. Ihr irdisches Leben ist zu Ende; aber Gott lässt sie nicht in Ewigkeit verlorengehen. Amen.

Wir beten mit dem Psalm 104:

1 Lobe den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, du bist sehr herrlich; du bist schön und prächtig geschmückt.

2 Licht ist dein Kleid, das du anhast. Du breitest den Himmel aus wie einen Teppich;

3 du baust deine Gemächer über den Wassern. Du fährst auf den Wolken wie auf einem Wagen und kommst daher auf den Fittichen des Windes.

10 Du lässest Wasser in den Tälern quellen, dass sie zwischen den Bergen dahinfließen,

11 dass alle Tiere des Feldes trinken und das Wild seinen Durst lösche.

12 Darüber sitzen die Vögel des Himmels und singen unter den Zweigen.

23 So geht dann der Mensch aus an seine Arbeit und an sein Werk bis an den Abend.

24 HERR, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter.

25 Da ist das Meer, das so groß und weit ist, da wimmelt’s ohne Zahl, große und kleine Tiere.

26 Dort ziehen Schiffe dahin; da sind große Fische, die du gemacht hast, damit zu spielen.

33 Ich will dem HERRN singen mein Leben lang und meinen Gott loben, solange ich bin.

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