Kain und Abel in der Bibel und im Koran

Eine schlimme Geschichte von Eifersucht.

Spielszene mit Handpuppen im Stuhlkreis der Kita-Kinder der Evangelischen Paulusgemeinde Gießen.
Zappi, die Schildkröten-Handpuppe

Zappi weiß viele Geschichten aus der Bibel, vor allem aus dem Alten Testament

Zappi: Hallo Kinder! Heute bin ich wieder mit Jamal bei euch.

Jamal: Salaam, Kinder! Wollt ihr eine Geschichte von uns hören? * * *

Zappi: OK. Wir erzählen euch von den beiden ersten Kindern von Adam und Eva. Die steht in der Bibel (im 1. Buch Mose, Genesis 4, 1-16) …

Jamal: … und von Kain und Abel wird auch im Koran erzählt (Sure 5, 27-32).

Zappi: Als Kain ganz klein ist, da ist er das einzige Kind in der Familie. Das findet er toll! Die Mama kümmert sich immer nur um ihn. Der Papa ist ganz stolz auf ihn.

Jamal, die kleine Kamel-Handpuppe

Jamal weiß viel über den Koran und den Propheten Muhammad

Jamal: Dann wird Abel geboren, der kleine Bruder von dem Kain. Da kann sich die Mama nicht mehr so viel um den Kain kümmern. Sie muss den Abel füttern, er kann ja noch nicht allein essen. Der Papa trägt ihn viel auf dem Arm. Er kann ja noch nicht laufen.

Zappi: Das findet Kain überhaupt nicht schön. Kain ist zwar schon groß, aber sooo groß auch noch nicht. Manchmal will er auch noch bei Mama kuscheln! Und Papa soll nicht den kleinen Bruder lieber haben als ihn!

Jamal: Merkt ihr was, Kinder? Was ist los mit dem Kain? * * *

Zappi: Kain ist eifersüchtig auf seinen kleinen Bruder. Er meint, die Mama hat den Abel mehr lieb. Er meint, der Papa ist jetzt nur noch stolz auf den Abel.

Jamal: Wisst ihr auch, wie das ist: eifersüchtig sein? * * *

Zappi: Dann werden Kain und Abel größer. Sie gehen in die Schule. Sie lernen einen Beruf. Kain wird Bauer. Er arbeitet auf dem Feld. Er sät und erntet Korn. Er pflanzt Gemüse und reißt Unkraut raus. Er muss immer viel arbeiten.

Jamal: Und Abel wird ein Hirte. Er hat viele Schafe auf der Weide. Die geben Milch, dafür kriegt er Geld von den Leuten. Er verkauft auch die Wolle. Manchmal schlachtet er ein Schaf, dann verkauft er das Fleisch. Was meint ihr, Kinder, vertragen sich die Brüder jetzt? * * *

Zappi: Nein. Kain denkt: Der Abel verdient viel mehr als ich. Der sieht nur zu, wie die Schafe Milch geben und fett werden. Und ich muss mir den Rücken krumm schuften auf dem Feld.

Jamal: Dabei arbeitet der Abel auch. Er muss die Mutterschafe melken. Er muss die Schafe vor den wilden Tieren beschützen. Er muss den Schafen die Wolle abscheren.

Zappi: Kain meint, der Abel hat es besser. Er ist immer noch eifersüchtig.

Jamal: Und Abel versteht nicht, warum der Kain unzufrieden ist.

Zappi: „Mit dir rede ich nicht mehr! Du verstehst mich sowieso nicht!“ So schreit der Kain den Abel einmal an.

Jamal: „Dann hau doch ab und lass mich in Ruhe!“, schreit Abel zurück. Merkt ihr was? Kain und Abel sind groß und streiten noch immer!

Zappi: Einmal feiern beide ein Erntedankfest. Kain will Gott danken, dass er so viel Korn auf dem Feld erntet.

Jamal: Und Abel will Gott danken, dass er so viele Schafe hat.

Zappi: Damals machte man das so: Wenn ein Bauer Gott danken wollte, dann gab er Gott ein Opfer. Das verbrannte er auf einem Altar. Ein Altar war so ein Tisch aus Steinen draußen auf dem Feld.

Jamal: Abel schlachtet das beste von seinen Schafen, er isst es nicht selber auf, er schenkt es Gott.

Zappi: Auch Kain gibt Gott etwas von dem Korn, das er geerntet hat. Aber dann hat er das Gefühl: Gott will sein Geschenk gar nicht. Kain denkt wirklich: Auch Gott mag den Abel lieber als mich!

Jamal: Was meint ihr, Kinder? Kann das sein? Mag Gott nur den Abel und den Kain mag er nicht? * * *

Zappi: Kain ist jetzt ganz wütend. Wütend auf Gott und auf Abel. In der Bibel steht, dass Kain ein ganz böses Gesicht macht. Er kuckt keinen mehr an, sieht nur noch nach unten.

Jamal: Und im Koran steht, dass Kain zu Abel sagt: „Ich mach dich tot!“

Zappi: Was sagt denn der Abel dazu?

Jamal: Abel sagt: „Wenn du so etwas Böses sagst, das mag Gott wirklich nicht. Aber auch wenn du mich töten willst, ich will dich nicht töten. Auch wenn ich wütend bin, Gott will nicht, dass wir uns totmachen.“

Zappi: In der Bibel steht dann etwas Merkwürdiges. Gott spricht mit Kain! Die Stimme von Gott, die hört der Kain so innen drin.

Jamal: Ich sage jetzt, was Gott zu Kain sagt. Dann hört ihr das auch.

Zappi: Und ich sage das, was Kain zu Gott sagt.

Jamal: „Hallo Kain, hier spricht Gott, hörst du mir zu?“

Zappi: „Wieso kann ich Gott hören? Was will Gott von mir?“

Jamal: „Warum bist du so unzufrieden? Du könntest doch dankbar sein.“

Zappi: „Dankbar wofür? Alles kann Abel besser!“

Jamal: „Du hast genug zu essen. Du hast Felder und ein Haus.“

Zappi: „Aber alle mögen Abel lieber.“

Jamal: „Warum bist du so eifersüchtig? Willst du besser sein als Abel?“

Zappi: „Ich will dir nicht zuhören. Du magst mich ja auch nicht.“

Jamal: „Du kuckst niemanden an. Siehst immer nur nach unten. Da siehst du ja gar nicht, wenn dich jemand mag.“

Zappi: „Ich will niemanden sehen. Keiner mag mich!“

Jamal: „Pass auf, dass du nicht mal was ganz Böses tust!“

Zappi: „Hau ab, Gott, dich gibt es sowieso nicht!“

Jamal: Da hört Gott auf, zu Kain zu sprechen. Schade, dass Kain gar nicht auf Gott hört.

Zappi: Ein paar Tage später ist der Kain auf seinem Feld. Auf einmal muss er doch seine Augen ganz weit aufmachen. Er sieht etwas ganz Schönes und ruft sofort den Abel. Ich spreche jetzt mal den Kain.

Jamal: OK, und ich spreche den Abel.

Zappi: „Hallo Abel, kommst du mal mit auf mein Feld?“

Jamal: „Warum Kain? Was ist denn los?“

Zappi: „Komm nur mit, das musst du selber sehen!“

Jamal: „Da bin ich aber gespannt. Na, wo ist denn deine Überraschung?“

Zappi: „Ich habe doch Korn ausgesät. Das ist noch nicht lange her. Und siehst du: Da kommt schon das neue Grün!“

Jamal: „Wo denn? Ich seh nichts.“

Zappi: „Sieh doch, hier und hier. Wenn das so weiter wächst, kann ich zweimal im Jahr ernten!“

Jamal: „Das ist alles? Ich dachte, es wäre was Besonderes.“

Zappi: „Ich dachte, du würdest dich mit mir freuen.“

Jamal: „Also weißt du, ich habe genug Arbeit, und da rufst du mich wegen so blöden grünen Stengelchen.“

Zappi: „Du bist böse. Du magst mich überhaupt nicht!“

Jamal: „Nein, du bist böse! Immer bist du eifersüchtig! Immer musst du Streit anfangen!“

Zappi: „Du hast doch den Streit angefangen.“

Kachel mit der Darstellung, wie Kain seinen Bruder Abel mit einer Keule erschlägt

Kain erschlägt Abel (Wandfliese in einer gekachelten Wohnstube aus Borstel, um 1820-30, im Altonaer Museum; Foto: Fritz Jörn, www.joern.de)

Jamal: „Nein, du!“

Zappi: „Nein, du!“

Jamal: „Du!“

Zappi: „Du!“

Jamal: „Jetzt hör endlich auf, so böse zu sein!“

Zappi: „Hör du doch auf!“

Jamal: „Nein, du!“

Zappi: „Na gut, wenn ich sowieso böse bin, dann haue ich dich eben!“

Jamal: „Mach doch, du traust dich ja nicht!“

Zappi: „Ich trau mich doch!“

Jamal: „Feigling, Feigling!“

Zappi: „Feigling? Ich zeig dir, wer ein Feigling ist!“

Jamal: „Au, au, du tust mir weh!“

Zappi: „Ich will dir wehtun! Ich bin kein Feigling! Ich hau dich ganz fest!“

Jamal: „Au, au, au!“

Zappi: Der Kain hat Wut und schlägt ganz fest zu. Auf einmal liegt der Abel einfach so da. Er sagt nicht mal mehr „Au“. Er blutet ganz doll. Er bewegt sich überhaupt nicht mehr.

Jamal: Was meint ihr, Kinder, was ist passiert? * * *

Zappi: Ja, der Kain hat wirklich den Abel tot gemacht.

Jamal: Und im Koran steht, dass Kain nicht weiß, was er tun soll. Da sieht er einen Raben, der in der Erde scharrt. Und da fällt ihm ein: er muss wenigstens seinen Bruder begraben.

Zappi: In der Bibel steht, dass Kain auf einmal wieder Gott reden hört.

Jamal: „Kain, Kain, hörst du mir zu?“

Zappi: „Warum soll ich dir zuhören?“

Jamal: „Ich will wissen: Wo ist dein Bruder Abel?“

Zappi: „Abel? Woher soll ich das wissen? Ich muss doch nicht auf ihn aufpassen. Er ist doch nicht mein Schaf und ich bin nicht sein Hirte.“

Jamal: „Aber du bist sein Bruder. Weißt du, was du gemacht hast?“

Zappi: „Was habe ich gemacht?“

Jamal: „Du hast ihn tot gemacht. Abel ist tot. Er ist jetzt bei mir im Himmel. Aber er wäre noch gern auf der Erde geblieben, bei den Schafen.

Zappi: „Das wollte ich nicht. Ich hab ihn doch liebgehabt.“

Jamal: „Ich weiß.“

Zappi: „Werden mich die anderen Menschen jetzt auch tot machen?“

Jamal: „Nein, niemand soll dich tot machen. Und du sollst auch niemanden tot machen. Du sollst lieb sein und den Menschen helfen.“

Zappi: Das war die Geschichte von Kain und Abel.

Jamal: So schlimm kann es ausgehen, wenn zwei Streit haben und sich nicht vertragen. Am liebsten würde ich jetzt ein Lied singen, wie man mit dem Streiten aufhören kann.

Zappi: Wollen wir mal den Pfarrer Schütz fragen, ob er so ein Lied kennt? * * *

Pfarrer: Dann singen wir jetzt das Lied:

„Streit – Streit – Streit – es ist sehr schnell so weit…“

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