„Gegen die Treuen bist du treu“

Eine treue Seele war die Verstorbene, für die wir die Trauerfeier halten. Ein Vers aus dem Psalm 18 greift diese Treue auf, denn dort wird zu Gott gebetet, der selber gegen die Treuen treu ist.

"Gegen die Treuen bist du treu" - ein Herz, gebildet aus einem festen Seil oder Tau

Auf Gottes Treue ist Verlass (Bild: congerdesign – pixabay.com)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Liebe Trauergemeinde, wir sind hier versammelt, um Abschied zu nehmen von Frau T., die im Alter von [über 70] Jahren gestorben ist.

Wir denken gemeinsam an ihr Leben, wir begleiten einander auf dem Weg des Abschieds, und wir besinnen uns angesichts des Todes auf Worte Gottes, die uns trösten und zum Leben helfen.

Lasst uns beten mit Worten aus Psalm 18:

3 HERR, mein Fels, meine Burg, mein Erretter; mein Gott, mein Hort, auf den ich traue, mein Schild und Berg meines Heiles und mein Schutz!

5 Es umfingen mich des Todes Bande, und die Fluten des Verderbens erschreckten mich.

6 Des Totenreichs Bande umfingen mich, und des Todes Stricke überwältigten mich.

7 Als mir angst war, rief ich den HERRN an und schrie zu meinem Gott. Da erhörte er meine Stimme…, und mein Schreien kam vor ihn zu seinen Ohren.

19 Der HERR ward meine Zuversicht.

26 Gegen die Heiligen bist du heilig, und gegen die Treuen bist du treu,

27 gegen die Reinen bist du rein, und gegen die Verkehrten bist du verkehrt.

28 Denn du hilfst dem elenden Volk, aber stolze Augen erniedrigst du.

29 Ja, du machst hell meine Leuchte, der HERR, mein Gott, macht meine Finsternis licht.

31 Gottes Wege sind vollkommen, die Worte HERRN sind durchläutert. Er ist ein Schild allen, die ihm vertrauen.

32 Denn wer ist Gott, wenn nicht der HERR, oder ein Fels, wenn nicht unser Gott?

33 Gott rüstet mich mit Kraft und macht meine Wege ohne Tadel.

Lieber Herr T., liebe Trauernde!

Erinnerungen an das Leben der Verstorbenen

Eine treue Seele war Frau T., so haben Sie es mir gesagt. Nun musste sie gehen; das Band zwischen ihr und denen, die ihr nahestanden, ist zerrissen, und Sie vermissen sie.

So weit Menschen treu sein können, haben Sie einander Treue gegeben, bis zum Tod. Jetzt müssen wir einen anderen nach seiner Treue fragen – nach einer Treue, die über den Tod hinausreicht. Wir wenden uns an Gott, den Vater aller Treue, denn er verheißt uns, dass wir auch im Tod nicht verlorengehen.

Im Psalm 18, 26 haben wir dieses Bibelwort gehört:

Gegen die Treuen bist du treu.

Das klingt fast so, als ob Gott zur Belohnung für unsere Treue auch uns treu ist. Ich glaube aber, dass es eher umgekehrt ist: Gottes Treue macht es möglich, dass wir eine treue Seele sind, dass wir im Vertrauen leben und nicht im Misstrauen, dass wir füreinander da sind, ohne uns zu fragen, was wir davon haben. Indem wir unser Leben als Geschenk aus Gottes Hand nehmen und verantwortlich miteinander umgehen, in Treue eben, erfahren wir zugleich, dass Gott treu zu uns steht.

Diese Treue Gottes hört nicht auf, wenn wir sterben und wenn wir einen geliebten Menschen im Tode verlieren. Er bleibt uns treu, und es ist gut, wenn wir eine Antenne dafür haben, dass das so ist. Diese Antenne für Gottes Liebe und Treue können wir Glauben nennen. Das ist ein Glaube, der uns geschenkt ist, einfach das Gefühl und Bewusstsein: Es gibt mehr als dieses Leben und diese Welt, wir sind umgeben und getragen in der Liebe eines Gottes, der immer da war und ewig sein wird.

Zu diesem Gott dürfen wir auch heute beten und ihm Frau T. anvertrauen.

Gegen die Treuen bist du treu.

Auch uns selbst vertrauen wir deiner Treue an, denn auf dem Weg der Trauer brauchen wir Begleitung – von Menschen und guten Mächten des Himmels. Amen.

Wir beten zu Gott mit Worten aus dem Lied 38:

3. Lass mir deine Güt und Treu täglich werden immer neu. Gott, mein Gott, verlass mich nicht, wenn mich Not und Tod anficht. Lass mich deine Herrlichkeit, deine Wundergütigkeit schauen in der Ewigkeit.

Barmherziger Gott, nimm Frau T. gnädig auf in dein himmlisches Reich! Bewahre uns auf der Weg der Trauer, wenn uns die Lücke schmerzlich bewusst wird, die durch ihren Tod in unserem Leben entstanden ist. Lass uns aufeinander achten, damit wir Halt finden und Halt geben können. Wo wir festen Boden unter den Füßen verloren haben, lass unsere Schritte wieder fest werden und neue Orientierung finden. Und gib uns die Kraft, unseren Lebenszielen treu zu sein. Amen.

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