Wärmende Gemeinschaft

Die christliche Gemeinde wird nicht durch Pflichtgefühl und Zwangsmaßnahmen zusammengehalten, sondern durch die Wärme der Liebe Christi. Wenn wir davon nichts merken, ist etwas faul an unserer Art, Gottesdienst zu feiern. Von Gott bekommen wir den Start für ein neues Leben – umsonst. Er macht uns frei zur Liebe – auch für die manchmal schwierige Gemeinschaft einer Gemeinde von Christen.

Wärmende Gemeinschaft: Ein Lagerfeuer, neben dem Menschen sitzen, die einander die Hände halten und wärmen

Die Gemeinde Jesu kann wie ein wärmendes Lagerfeuer sein (Bild: Artem_Apukhtin – pixabay.com)

#predigtGottesdienst mit Taufen am Palmsonntag, 12. April 1987, um 13.00 Uhr in der evangelischen Kirche zu Heuchelheim

Im Gottesdienst am Palmsonntag begrüße ich Sie alle herzlich in der Heuchelheimer Kirche, insbesondere die beiden Kinder … und … mit ihren Eltern und Paten und Verwandten! … und … sollen in diesem Gottesdienst getauft werden, und darüber freuen wir uns besonders!

Der heutige Sonntag heißt Palmsonntag, Sonntag der Palmen. Dieser Name erinnert an den Tag, als Jesus wenige Tage vor seinem gewaltsamen Tod nach Jerusalem kam und in die Stadt einzog. Da begrüßte man ihn mit Jubel und Hallo, man rollte ihm zwar keinen roten Teppich aus, aber man bestreute ihm den Weg mit Palmzweigen – wie einen König empfing man ihn. Der Palmsonntag ist daher ein Anlass, um darüber nachzudenken: Wie ernst meinen wir es, wenn wir zu Jesus Ja sagen, wenn wir zu ihm gehören wollen, wenn wir Kinder auf seinen Namen taufen? Ist unsere Zustimmung zu Jesus mehr als ein vorübergehendes Mitläufertum, das schnell wieder in Gleichgültigkeit oder Ablehnung umschlagen kann?

Zu Beginn singen wir ein Lied, das genau zum Palmsonntag passt, in unserem Gesangbuch aber der Adventszeit zugeordnet ist, weil es darin auch um das Warten auf die Ankunft Jesu geht:

Lied EKG 12 (EG 14), 1+2+6:

1. Dein König kommt in niedern Hüllen, ihn trägt der lastbarn Es‘lin Füllen, empfang ihn froh, Jerusalem! Trag ihm entgegen Friedenspalmen, bestreu den Pfad mit grünen Halmen; so ist‘s dem Herren angenehm.

2. O mächt‘ger Herrscher ohne Heere, gewalt‘ger Kämpfer ohne Speere, o Friedefürst von großer Macht! Es wollen dir der Erde Herren den Weg zu deinem Throne sperren, doch du gewinnst ihn ohne Schlacht.

6. O lass dein Licht auf Erden siegen, die Macht der Finsternis erliegen und lösch der Zwietracht Glimmen aus, dass wir, die Völker und die Thronen, vereint als Brüder wieder wohnen in deines großen Vaters Haus.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Wir nennen uns Christen. Wir taufen Kinder auf Christi Namen. Aber nicht jeder meint es ernst. Nicht überall entfaltet ein Getaufter auch seinen Glauben. Doch genau darauf kommt es an. Nicht auf Äußerlichkeiten. Sondern auf den Glauben und auf das im Alltag gelebte Christsein. Es kommt darauf an, dass wir unser Leben zur Ehre Gottes führen, in Dankbarkeit gegenüber dem menschenfreundlichen Gott.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Hilf uns, Gott, zu dir zu reden! Vor dich können wir alles bringen, was uns bewegt – Lust und Liebe, Freude und Vergnügen, aber auch Zorn und Ärger, Angst und Leid. Hilf uns auch, dir zuzuhören. Denn du redest zu uns, z. B. durch die Bibel, z. B. durch Menschen, die Christen sind. Du nimmst uns so, wie wir sind, dafür danken wir dir; und manchmal rührst du in uns etwas an und veränderst uns; auch dafür sind wir dankbar. Wir freuen uns, dass wir dich kennenlernen in deinem Sohn, in Jesus Christus, unserem Herrn. „Amen.“

Wir hören die Schriftlesung am Palmsonntag aus dem Evangelium nach Johannes 12, 12-19:

Als … die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem käme, nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und riefen: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, der König von Israel! Jesus aber fand einen jungen Esel und ritt darauf, wie geschrieben steht: Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen. Das verstanden seine Jünger zuerst nicht, doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand und man so mit ihm getan hatte. Das Volk aber, das bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, rühmte die Tat. Darum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan. Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, dass wir nichts gegen ihn ausrichten; siehe, alle Welt läuft ihm nach.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja.“

Wir singen aus dem Liederheft vom Glauben an Christus das Lied 9, 1-6:

Glauben heißt: Christus mit Worten zu nennen

Liebe Tauffamilien und liebe Gemeinde!

Auch wenn man Jesus eben noch zugejubelt hat, wie es die Menschenmenge am Palmsonntag getan hatte, konnte man ihn doch einige Tage später im Stich lassen und sogar ans Kreuz bringen. Die Leute waren enttäuscht von Jesus; sie hatten wohl von ihm noch mehr Sensationen erwartet, Totenauferweckungen und die Ausrufung zum neuen König. Er hätte wohl die Römer davonjagen und gegen alles Unrecht endlich einmal richtig durchgreifen sollen. Aber so ein König war Jesus nicht, wollte er nicht sein. Er hat die Welt auf eine viel lautlosere Art verändert, indem er Menschenherzen angerührt hat, indem er Menschen seine Liebe hat spüren lassen, indem er der Macht der brutalen Gewalt seine Macht der Liebe und des Leidens entgegengesetzt hat.

Dieser Jesus ist immer wieder missverstanden worden, auch in der Christenheit. Man hat immer wieder so getan, als könne man Jesus als Aushängeschild für irgendein weltliches Reich benutzen, für das sogenannte christliche Abendland z. B., und hat dann in seinem Namen Kreuzzüge und Hexenprozesse geführt und Juden verfolgt. Damit hat man Jesus und seine Liebe verraten.

Heute leben wir in einer Zeit, in der die äußere Macht der Kirche immer mehr zurückgeht, in der es wieder darauf ankommt, eine eigene Haltung zur Kirche und zum Glauben zu finden, und nicht einfach mit den anderen mitlaufen kam. Das bedeutet, dass es für manche nicht mehr einzusehen ist, warum sie überhaupt noch in der Kirche Mitglied sein sollen, in die sie einmal hineingetauft worden waren. Aber für andere bedeutet es wiederum, dass sie tiefer darüber nachdenken, wozu die Kirche überhaupt da ist und was für sie selbst mit dem Glauben verbunden ist.

Ich gehe auf diese Dinge deshalb so ausführlich ein, weil wir heute hier nicht nur zwei Kinder taufen wollen, sondern weil wir außerdem auch zwei frühere Mitglieder unserer Kirche, die vor neun Jahren aus der Kirche ausgetreten waren, wieder in unsere Gemeinschaft aufnehmen wollen. Wir verbinden diese Anlässe, Taufe und Wiederaufnahme, deshalb so eng miteinander, weil wir einen der beiden Wiederaufgenommenen dann sogleich mit einem kirchlichen Dienst beauftragen, nämlich mit der Patenschaft für eins unserer Taufkinder.

Mit der Patenschaft wiederum und ebenso mit der Aufgabe christlicher Eltern ist heute eine viel größere Verantwortung verbunden, als man das früher oft gesehen hat. Eltern und Paten sind ja mitverantwortlich dafür, dass ein Kind nicht nur formal zur Kirche dazugehört, sondern dass es den Glauben an Gott praktisch von Anfang an vorgelebt bekommt, dass es Gott liebgewinnen kam und eine lebendige, aktive Beziehung auch zur Kirche gewinnen kann. Ein Kind christlich zu erziehen, mag daher schwer erscheinen, wenn man bedenkt, wie viele junge und auch ältere Menschen heute tatsächlich ohne innere Beziehung zur Kirche leben. Aber vielleicht ist christliche Erziehung gar nicht so schwer, wenn man sich klarmacht: eigentlich kommt es nur darauf an, selber den Glauben ernstzunehmen, selber eine neue, offene Beziehung zur Kirche zu finden, selber sich neu von Gott ansprechen zu lassen. Dann wird man wie von selbst auch ein Vorbild und ein Ansprechpartner für junge Menschen sein können.

…, das eine unserer Taufkinder, ist in eine größere Geschwisterschar hineingeboren worden. Die älteren Schwestern und der Bruder wissen schon, wie das hier in Heuchelheim läuft mit der Kirche und dem Kindergottesdienst, mit Konfirmation und Kirchenblättchen-Verteilen. Euch kann ich keine neuen Hinweise mehr geben, was ihr in der Kirche noch tun könntet. Ich freue mich einfach darüber, dass ihr hier am Ort zum kirchlichen leben aktiv und fröhlich beitragt.

Für den … kann ich nur wünschen, dass er ebenfalls da hineinwächst und im Kreis der Familie, der Paten und der Gemeinschaft im Dorf gut aufgehoben ist. Als Taufspruch für … habe ich aus dem Brief an die Römer 15, 7 ausgewählt:

Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob!

Das heißt: so wie Jesus Christus die Menschen lieb haben konnte, auch wenn nicht immer ihre Taten in Ordnung waren, so können wir uns auch umeinander bemühen und trotz mancher Probleme und manchen Streits immer wieder miteinander klarkommen. Das ist in einer großen Familie wichtig, aber auch für ein Dorf wie Heuchelheim, in dem die meisten Kinder sich gegenseitig kennen und auch immer wieder zusammenkommen.

…, unser anderes Taufkind, ist in einer ganz anderen Situation. Er ist das erste Kind seiner Eltern, die noch gar nicht lange in Reichelsheim wohnen. Da stehen natürlich zunächst ganz andere Fragen im Vordergrund; die junge Familie findet ja erst allmählich in die neue Erfahrung mit dem Leben zu dritt hinein. Es wird sich zeigen, wie rasch Kontakte im Ort angeknüpft werden können; junge Mütter und auch Väter tun sich allerdings in der Regel nicht so schwer damit – ein Kind hilft beim Aufbau von Freundschaften. Und später kann dann der Georg vielleicht auch hineinwachsen in die Gruppen am Ort, die z. B. von der Kirche angeboten werden.

Als Taufspruch haben Sie für … Psalm 23, 1 ausgesucht:

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

Wenn wir ihm diesen Spruch mit auf den Weg geben, weisen wir auf den hin, bei dem er zeitlebens einen festen Halt finden kann: auf den guten Hirten, dem wir uns anvertrauen können, ganz gleich in welcher Lebenslage. Mir wird nichts mangeln – das heißt natürlich nicht, dass jeder Wunsch erfüllbar ist. Es heißt aber, dass ein Leben im Glauben an Gott in jedem Falle ein erfülltes Leben sein wird, wie auch immer es äußerlich ablaufen mag. Nie wird es uns an Gottes Liebe mangeln, auch … wird nie von Gott verlassen sein.

… und … können noch nicht selber Ja zum Glauben an Gott sagen. Stellvertretend für die beiden können wir unseren Glauben aussprechen und unseren Wunsch ausdrücken, dass auch sie in diesen Glauben hineinwachsen. Wir bitten um Glauben, den wir ja nie fest in der Hand haben, indem wir die Worte des Apostolischen Glaubensbekenntnisses miteinander sprechen. Ich bitte auch Sie, liebe Frau … und lieber Herr …, dieses Bekenntnis mitzusprechen, zum Zeichen Ihres Bekenntnisses zu unserem dreieinigen Gott und als Ausdruck Ihres Wunsches, wieder zu unserer evangelischen Kirche dazugehören zu wollen:

Glaubensbekenntnis

Nun bitte ich zunächst Herrn und Frau …, kurz nach vorn zu kommen.

Lieber Herr …, liebe Frau …, Sie sind beide getauft, Sie hatten sich von unserer Kirche getrennt, und Sie sind inzwischen zu dem Entschluss gekommen, sich unserer Kirche wieder anzuschließen. Wir haben darüber gesprochen, und es gab auch keine Einwände im Reichelsheimer Kirchenvorstand. Gemeinsam mit uns allen haben Sie sich zu unserem christlichen Glauben bekannt. Und so erkläre ich, dass Sie wiederaufgenommen sind in die Gemeinschaft der evangelischen Kirche. Sie sind eingeladen, am Leben der Gemeinde teilzunehmen, auf Gottes Wort zu hören und das Heilige Abendmahl zu feiern. Sie sind in der Kirche willkommen, nicht nur wenn Sie sich aktiv und engagiert beteiligen, sondern auch wenn Sie kritische Fragen stellen oder wenn Sie selber Hilfe brauchen. Ich wünsche Ihnen Gottes Segen für die Zukunft!

Und nun kann Herr … als Taufpate gleich hier vorn bleiben, und die Familie … kommt mit dem kleinen … dazu.

Liebe Eltern und liebe Paten! Sie haben gewünscht, dass … auf den Namen Jesu Christi getauft werden und ein Christ heißen soll. Wenn Sie bereit sind, ihn christlich zu erziehen, ihn auf seinem Weg in der christlichen Gemeinde zu begleiten und ihm ein Vorbild zu sein in der Art, wie Sie Ihren eigenen Glauben leben, so bestätigen Sie es mit den Worten: Ja, mit Gottes Hilfe!

…, wir taufen dich im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. Geh deinen Weg, geborgen in der Liebe Gottes, befreit zur Hilfe für jeden, der dich brauchen wird, Geh einen Weg des Friedens und der Liebe.

Gott segne Sie, liebe Eltern und liebe Paten, in allem, was Sie mit diesem Kind erleben werden, dann, wenn Sie sich miteinander freuen, und auch dann, wenn Sie Belastungen tragen müssen. Lassen Sie sich leiten von Gottes gutem Geist, so werden Sie gute erwachsene Begleiter Ihrer Kinder sein. Amen.

Und jetzt bitte ich den kleinen … mit seinen Eltern und seiner Taufpatin nach vorn.

Liebe Eltern, liebe Frau …, da Sie gewünscht haben, dass … auf den Namen Jesu getauft werden und zu seiner Gemeinde gehören soll, frage ich Sie: Sind Sie bereit, die Verantwortung für seine christliche Erziehung zu übernehmen, ihn auf seinem Weg in der christlichen Gemeinde zu begleiten und ihm erwachsene Vorbilder im Glauben zu sein, so antworten Sie: Ja, mit Gottes Hilfe!

…, wir taufen dich im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Gott ist wie das Haus, das dich schützt, wie der Weg, der ins Freie führt, wie der Freund, der ehrlich bleibt, wie das Lachen, das verbindet, wie das Weinen, das befreit.

Liebe Eltern, liebe Patin! Denken Sie daran, dass Ihr Kind getauft ist, in allem, was Ihnen gelingt oder fehlschlägt, in allem, was Ihnen Freude oder Sorgen macht, wenn Sie Ja sagen wollen oder Nein sagen müssen. Lassen Sie sich leiten von Gottes gutem Geist, so werden Sie gute erwachsene Begleiter dieses Kindes sein. Amen.

Nach der Taufe singen wir nun aus dem Liederheft ein Lied von Gottes Güte, das Lied 78, 1-4:

Regenbogen, bunt und schön
Gottes Gnade und Liebe sei mit uns allen. Amen.

Zur Predigt gehe ich heute von einem kurzen Vers aus. Er steht im Evangelium nach Matthäus 18, 20. Jesus spricht:

Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.

Liebe Gemeinde!

Wir haben heute Kinder getauft, wir haben Mitglieder der Kirche wiederaufgenommen in die Gemeinde – warum tun wir das? Es gibt ja viele Leute, auch solche, die von sich sagen, dass sie Christen seien, die denken nicht gut von der Kirche. Sie meinen, dass man ganz gut auch ohne solch eine Gemeinschaft Christ sein kann.

Aber Jesus spricht ausdrücklich davon, dass er bei uns ist, wenn wir uns versammeln, nicht wenn wir immer nur allein für uns bleiben. Es müssen nicht viele zusammenkommen, es brauchen nur zwei oder drei zu sein, aber auf solchen kleinen Gemeinschaften liegt Segen.

Wir kennen ja solche kleinen Gemeinschaften sehr gut, manchmal sind wir nur ein verlorenes Häuflein beim Gottesdienst hier in der Kirche, aber eben das will uns Jesus sagen: verloren sind wir nicht, auch wenn wir wenige sind, er ist mitten unter uns, auch da, wo nur zwei oder drei versammelt sind.

Natürlich ist es auch mal schön, wenn die Kirche übervoll ist, aber schon das Beispiel des Palmsonntags zeigt: auf der großen Zahl der Menschen muss nicht immer auch ein Segen ruhen. Entscheidend ist, egal wie viele wir sind, dass wir uns im Namen Jesu versammeln, dass wir uns einlassen auf das, was Jesus uns geben kann und was er von uns erwartet.

Ich will heute nicht mehr viel erklären und argumentieren, ich will dazu einfach noch eine Geschichte weitererzählen, die ich irgendwo gelesen habe, eine Geschichte zu der Frage, warum wir uns denn als Kirche im Gottesdienst versammeln oder ob wir nicht auch ohne Kirche zu Jesus gehören können.

In dieser Geschichte kommt einer zu Jesus und beginnt zu fragen: „Meister, wir alle wissen, dass du von Gott kommst und die Wege der Wahrheit lehrst. Aber was deine Jünger angeht, dein Gefolge oder deine Gemeinde, wie du das nennen magst, so muss ich gestehen, dass mir das nicht besonders zusagt, im Gegenteil. Erst kürzlich hatte ich wieder einmal Streit mit einem deiner Getreuen. Und wie jeder weiß, sind sich deine Jünger untereinander auch nicht immer einig. Ich möchte deshalb ganz offen fragen: Kann man nicht auch so zu dir gehören, ich meine: ohne besondere Beziehungen mit deinen sogenannten Anhängern zu unterhalten? Ich möchte dir schon folgen und ein Christ sein, aber ohne die sogenannte Gemeinde, ohne Kirche und all das!“

Da sah ihn Jesus aufmerksam an. „Hör zu“, sagte er dann, „ich will dir eine Geschichte erzählen: Da waren ein paar Männer, die saßen eines Tages im Gespräch zusammen. Als nun der Abend kam und die Dunkelheit hereinbrach, trugen sie Holz herbei zu einem Holzstoß und entfachten ein Feuer. Da saßen sie miteinander, die Glut des Feuers wärmte sie, und der Schein der Flammen erhellte ihre Gesichter.

Da war aber nun einer unter ihnen, der wollte nicht länger im Kreis bei den anderen sitzen, sondern für sich allein. So nahm er einen brennenden Holzspan vom gemeinsamen Feuer und setzte sich damit abseits, fern von den andern. Der glimmende Span leuchtete auch ihm und strahlte Wärme aus. Bald aber ließ die Glut nach, und der alleinsitzende Mann spürte erneut die Dunkelheit und die Kälte der Nacht.

Da besann er sich und nahm das schon erkaltete Stück Holz und trug es zurück in die Glut des großen Feuers, wo es sich erneut entzündete und Feuer fing und zu brennen begann. Und der Mann setzte sich wieder in den Kreis der andern. Er wärmte sich auf, und der Schein der Flammen erhellte sein Gesicht.“

So erzählte Jesus, und er fügte hinzu (wie es in Lukas 12, 49 überliefert ist):

Ich bin gekommen, ein Feuer anzuzünden auf Erden; was wollte ich lieber, als dass es schon brennte!

„Wer zu mir gehört, ist dem Feuer nahe. Ja, ich bin gekommen, um das große Feuer auf der Erde zu entzünden, das Feuer der Liebe, und wie sehr sehne ich mich danach, es hell auflodern zu sehen!“

So ist das also, liebe Gemeinde, mit der Gemeinschaft, die auch wir hier zusammen bilden, mit der christlichen Gemeinde. Keine Gemeinschaft, die man durch Pflichtgefühl und Zwangsmaßnahmen zusammenhalten müsste, sondern eine Gemeinschaft, in der wir etwas vom der Wärme spüren, die von der Liebe Christi ausgeht.

Wenn wir davon nichts merken, muss etwas faul sein an unserer Art, Gottesdienst zu feiern. Vielleicht brauchen wir dann mehr Gelegenheiten, uns auch über unseren Glauben auszusprechen, uns auch persönlich näherzukommen, uns zu besuchen, uns um Hilfe zu bitten oder unsere Hilfe anzubieten. Vielleicht müssen wir uns aber auch innerlich darüber klar werden, was wir von Gott brauchen.

Von Gott bekommen wir den Start für ein neues Leben – umsonst. Zuversicht für jeden neuen Tag – ohne uns seine Liebe verdienen zu müssen. Denn Gott liebt uns so sehr, dass er in Jesus sogar sein Leben für uns hingab. Das macht auch uns frei zur Liebe, und frei für die manchmal schwierige Gemeinschaft einer Gemeinde von Christen. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserem Herrn. Amen.
Lied EKG 59 (EG 79), 1-4:

1. Wir danken dir, Herr Jesu Christ, dass du für uns gestorben bist und hast uns durch dein teures Blut gemacht vor Gott gerecht und gut,

2. und bitten dich, wahr‘ Mensch und Gott, durch dein heilig fünf Wunden rot: Erlös uns von dem ewgen Tod und tröst uns in der letzten Not.

3. Behüt uns auch vor Sünd und Schand und reich uns dein allmächtig Hand, dass wir im Kreuz geduldig sein, uns trösten deiner schweren Pein

4. und schöpfen draus die Zuversicht, dass du uns wirst verlassen nicht, sondern ganz treulich bei uns stehn, dass wir durchs Kreuz ins Leben gehn.

Lasst uns beten, für uns und für die Kinder, die wir getauft haben, mit einem Kindergebet:

Mein Gott, ich kann dich nicht sehen, nicht anfassen, nicht riechen, nicht hören! Ich möchte dich sehen. Ich möchte dich hören. Ich möchte dich spüren, dich anfassen, mein Gott! Aber das geht nicht. Manchmal bin ich traurig deswegen. Bitte, Gott, sei trotzdem bei mir! Lass mich spüren, dass du da bist! Du bist wie ein lieber Vater, der sich sorgt um sein Kind. Du bist wie die Mutter, die mich streichelt, die mich umarmt, auch wenn ich unfreundlich war. Du bist wie eine warme Decke im Winter, wie ein kühler Wind im Sommer, wie eine Quelle in der Wüste. Ich brauche dich, Gott. Amen.

Alles, was wir heute außerdem auf dem Herzen haben, unsere Fürbitten für nahe und ferne Nächste, unsere Fragen und Probleme, all das schließen wir zusammen in dem Gebet Jesu:

Vater unser
Lied EG 170, 1-4: Komm, Herr, segne uns
Abkündigungen und Segen

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