Elisa begleitet Elia „über den Jordan“

Auf wunderbare Weise teilt sich das Wasser des Jordan. Mose teilte ein Meer, um das Volk Israel vor todbringenden Verfolgern zu retten. Für Elia wird der Übergang zum Tod ein Durchgang zu etwas Neuem. Den Tod selbst wird Elia allein erleben, aber auf dem Weg des Sterbens darf Elisa ihn begleiten, in den Wassern des Todes müssen beide nicht versinken.

Ein leeres Ruderboot auf einem Fluss oder Meer zielt mit dem Bug Richtung Sonne am Horizont

Elia und Elisa brauchten kein Ruderboot, um über den Jordan zu kommen (Bild: pixabay.com)

#predigtAbendmahlsgottesdienst am Sonntag Jubilate, den 2. Mai 2004, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Heute ist der Sonntag Jubilate, in der Freudenzeit nach Ostern eigentlich ein Sonntag zum Jubeln. Einigen unter Ihnen ist jedoch heute gar nicht zum Jubeln zumute, denn Sie haben erst vor kurzem einen geliebten Menschen zu Grabe tragen müssen.

Herr Pfarrer Schütz hat für diesen Gottesdienst daher eine Geschichte von zwei Propheten ausgesucht, in der es darum geht, Abschied zu nehmen und neu anzufangen. Sie erzählt, wie der Prophet Elia sterben muss und sein Schüler Elisa ihn in seinen letzten Stunden begleitet.

Lied 393, 6-8:

6. Kommt, Kinder, lasst uns gehen, der Vater gehet mit; er selbst will bei uns stehen bei jedem sauren Tritt; er will uns machen Mut, mit süßen Sonnenblicken uns locken und erquicken; ach ja, wir haben’s gut, ach ja, wir haben’s gut.

7. Kommt, Kinder, lasst uns wandern, wir gehen Hand in Hand; eins freuet sich am andern in diesem wilden Land. Kommt, lasst uns kindlich sein, uns auf dem Weg nicht streiten; die Engel selbst begleiten als Brüder unsre Reihn, als Brüder unsre Reihn.

8. Sollt wo ein Schwacher fallen, so greif der Stärkre zu; man trag, man helfe allen, man pflanze Lieb und Ruh. Kommt, bindet fester an; ein jeder sei der Kleinste, doch auch wohl gern der Reinste auf unsrer Liebesbahn, auf unsrer Liebesbahn.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

An der Hand des Vaters haben wir Halt im Leben. In den Armen der Mutter finden wir Trost. Gott ist uns Vater uns Mutter, Zuflucht und Orientierung im Leben und im Sterben.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Wenn uns der Boden unter den Füßen weggerissen wird, wenn uns alle Felle wegschwimmen, wenn wir ratlos und verzweifelt sind, wenn wir in Schuld oder Selbstzweifeln versinken, dann rufen wir zu dir:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. (2. Korinther 5, 17)

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Gott, du führst uns auf unterschiedlichen Wegen. Viele von uns müssen sich bewähren in Arbeit und Mühe. Manche müssen geduldig aushalten, was sie nicht ändern können. Andere brauchen Mut für neue Schritte, neue Entscheidungen. Einige müssen Abschied nehmen von vertrauten Menschen. Wieder andere müssen schädliche Verhaltensweisen aufgeben. In jedem Ende liegt ein neuer Anfang. Aber jeder Abschied und jede Neuorientierung tut weh. Wir bitten dich, Gott: Lass uns getröstet werden, wenn wir traurig sind. Verwandle Ratlosigkeit und Verzweiflung in neue Hoffnung. Darum bitten wir dich im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Lesung aus dem Buch 1. Könige 19, 19-21. Da wird erzählt, wie der alt und müde gewordene Prophet Elia im Auftrag Gottes den Landwirt Elisa zu seinem Schüler und Nachfolger bestimmt.

19 Und Elia … fand Elisa, den Sohn Schafats, als er pflügte mit zwölf Jochen vor sich her, und er war selbst bei dem zwölften. Und Elia ging zu ihm und warf seinen Mantel über ihn.

20 Und er verließ die Rinder und lief Elia nach und sprach: Lass mich meinen Vater und meine Mutter küssen, dann will ich dir nachfolgen. Er sprach zu ihm: Wohlan, kehre um! Bedenke, was ich dir getan habe!

21 Und Elisa wandte sich von ihm weg und nahm ein Joch Rinder und opferte es und mit den Jochen der Rinder kochte er das Fleisch und gab’s den Leuten, dass sie aßen. Und er machte sich auf und folgte Elia nach und diente ihm.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis
Lied 614, 1-3: Lass uns in deinem Namen, Herr, die nötigen Schritte tun
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde! Die letzte Geschichte vom Propheten Elia, die Geschichte seines Sterbens, ist zugleich die zweite Geschichte in der Bibel vom Propheten Elisa. Vorhin hörten wir, wie Elia seinen Mantel über Elisa warf und ihn damit zu seinem Nachfolger bestimmte. Danach kein weiteres Wort vom gemeinsamen Leben des Schülers mit seinem Lehrer! Wir wissen nichts davon, was Elia dem Elisa beigebracht hat oder ob sie gemeinsam als Propheten aufgetreten sind. Aber vom Tod Elias wird ausführlich erzählt, in 2. Könige 2:

1 Als aber der HERR Elia im Wetter gen Himmel holen wollte, gingen Elia und Elisa von Gilgal weg.

Der erste Vers schildert den Aufbruch von Gilgal, wo die beiden Propheten ihr Zuhause haben. Wie in einer Überschrift gibt der Erzähler das Thema der Geschichte an: Von dort, wo wir nur Gast auf Erden sind, will Gott Elia „gen Himmel holen“. Zeitweise hatte Elia sterben wollen. Aber da sollte er nach Gottes Willen noch leben. Jetzt ist die Zeit gekommen; Gott will Elia zu sich holen. Die Vorstellung, dass die Menschen nach dem Tod in den Himmel kommen, war damals noch nicht allgemein verbreitet; man dachte, die Toten fristen im Totenreich unter der Erde ein Schattendasein. Elia war einer der ersten, von denen man erwartete, dass er mit seinem großen Gottvertrauen auch im Tod Gott nahe bleiben würde.

Die Art, wie Elia stirbt, wird eigenartig beschrieben: „im Wetter“ soll es geschehen, in einem Unwetter, in einer Katastrophe, unter dramatischen Umständen. Zugleich wird es eine Heimholung sein in Gottes Himmel. Tröstliche Worte trotz aller Dramatik schon am Beginn der Geschichte:

2 Und Elia sprach zu Elisa: Bleibe du hier, denn der HERR hat mich nach Bethel gesandt. Elisa aber sprach: So wahr der HERR lebt und du lebst: ich verlasse dich nicht.

Der Schüler will dem Lehrer bis zuletzt folgen, indem er seinen Worten nicht folgt. Irgendwie scheint Elisa zu wissen: Mit Elia geht es zu Ende, und auf diesem letzten Weg darf er ihn nicht allein lassen. Warum nicht? Mit einem heiligen Schwur begründet er, warum er sich Elias Bitte, zu Hause zu bleiben, widersetzt: „So wahr der HERR lebt und du lebst: ich verlasse dich nicht“. Erstens weil Gott lebt. Der hat ihn, den Elisa, zum Schüler und Nachfolger des Elia bestimmt. Der tröstet, auch wenn man einen traurigen Weg miteinander gehen muss. Zweitens, „so wahr du lebst“ – denn noch ist Elia nicht tot. Das Sterben ist ein Teil des Lebens. Der Sterbende darf seinen letzten Weg in Begleitung eines vertrauten Menschen gehen. Er muss sich nicht zurückziehen, um niemandem zur Last zu fallen, um keinem das Herz schwer zu machen.

Und als sie hinab nach Bethel kamen,

3 gingen die Prophetenjünger, die in Bethel waren, heraus zu Elisa und sprachen zu ihm: Weißt du auch, dass der HERR heute deinen Herrn von dir hinwegnehmen wird? Er aber sprach: Auch ich weiß es wohl; schweigt nur still.

Das ist mir von Krankenhausfluren her vertraut. In einem Zimmer liegt ein Sterbender, und man spricht draußen über ihn, ohne dass er es hören soll. Man möchte ihn schonen vor der Wahrheit, sagt man, mehr noch ängstet man sich davor, im offenen Gespräch mit dem Kranken zu sprechen die eigene Traurigkeit und Machtlosigkeit zu spüren. Lieber spricht man mit den Angehörigen über den Sterbenden. Hier fragen die anderen Prophetenjünger den Elisa: Weißt du denn nicht – er wird heute noch „hinweggenommen“ werden.

Elisa ist ein Vorbild darin, wie man behutsam mit einer harten Wahrheit umgehen kann. Er weiß, dass auch Elia sein Ende ahnt, aber er spricht nicht von sich aus darüber. Stattdessen geht er auf die Signale ein, die der Sterbende von sich aus aussendet. Wie in einem vertrauten Ritual wiederholen die Propheten ihr voriges Gespräch.

4 Und Elia sprach zu ihm: Elisa, bleib du hier, denn der HERR hat mich nach Jericho gesandt. Er aber sprach: So wahr der HERR lebt und du lebst: ich verlasse dich nicht.

Alles wiederholt sich, nur geht es diesmal nach Jericho – als ob Elia von verschiedenen Wirkungsstätten Abschied nehmen wollte. Ein scheinbar zielloser Weg, von Gilgal nach Bethel im Westen, 1000 m höher im Bergland, dann zurück ins Tal nach Jericho im Osten. Und Elisa, der sich nicht abschütteln lässt, wird in Jericho wieder von Prophetenschülern angesprochen:

Und als sie nach Jericho kamen,

5 traten die Prophetenjünger, die in Jericho waren, zu Elisa und sprachen zu ihm: Weißt du auch, dass der HERR heute deinen Herrn von dir hinwegnehmen wird? Er aber sprach: Auch ich weiß es wohl; schweigt nur still.

Weggehen und ankommen, reden und schweigen, sehr viel Zeit nimmt sich Elisa, um Elia zu begleiten.

Und noch ein drittes Mal wiederholt sich das Ritual. Aus Märchen und Sprichwörtern wissen wir ja: Aller guten Dinge sind drei:

6 Und Elia sprach zu ihm: Bleib du hier, denn der HERR hat mich an den Jordan gesandt. Er aber sprach: So wahr der HERR lebt und du lebst: ich verlasse dich nicht. Und es gingen die beiden miteinander.

Wenn sich alles fast genau wiederholt, fallen kleine Dinge besonders auf, die dann doch anders sind. Wer Menschen über lange Strecken begleitet, macht fast unmerklich einen Prozess des Wachsens möglich, des Vorankommens. Am Ende erklärt sich Elia einverstanden, den schweren Weg gemeinsam mit seinem Schüler zu gehen, wie mit einem Freund.

Diesmal nennt Elia keine Stadt als Ziel, keine Wirkungsstätte, wo er vorgeben könnte, etwas erledigen zu müssen. Stattdessen nennt er den Jordan: ein Symbol für den Übergang, für den Wechsel ist, für das Sterben. Elia muss, wie wir heute noch salopp sagen, „über den Jordan gehen“. Vielleicht kennen Sie die Fernsehserie mit dem doppelsinnigen Namen „Crossing Jordan“, was sowohl „den Jordan überqueren“ bedeutet als auch „Begegnung mit Jordan“, so heißt die Gerichtsmedizinerin, um die es in der Serie geht. Am Jordan kämpfte Jakob einst mit Gott, bevor er den Fluss überschritt, um seinem Bruder nach langer Feindschaft zu begegnen. Im Jordan würde später der Täufer Johannes Menschen untertauchen, damit sie ein neues Leben beginnen.

Noch etwas ist anders – wieder werden Prophetenschüler erwähnt, aber nur als Beobachter aus der Ferne:

7 Und fünfzig von den Prophetenjüngern gingen hin und standen von ferne; aber die beiden standen am Jordan.

So viel Zeit kann es brauchen, um gemeinsam am Jordan zu stehen, wo man sich den Gefühlen des Abschieds, der Trauer und der ungewissen Zukunft stellen kann. Elia tut das mit einer geheimnisvollen Handlung:

8 Da nahm Elia seinen Mantel und wickelte ihn zusammen und schlug ins Wasser; das teilte sich nach beiden Seiten, so dass die beiden auf trockenem Boden hinübergingen.

Ist das ein Zaubertrick? Elia nimmt seinen Prophetenmantel, das Symbol seiner Nähe zu Gott, macht daraus eine dicke Wurst und schlägt auf das Wasser. Elia bewirkt damit das gleiche wie einst Mose mit seinem Arm und seinem Stab am Schilfmeer: Auf wunderbare Weise teilt sich das Wasser des Flusses. Unvergessen ist es im Volk Israel, wie es beim Auszug aus Ägypten durch dieses Wunder gerettet wurde, und hier wird deutlich: Elia ist dem Mose ebenbürtig. Mose teilte die Wasser der tödlichen Bedrohung, um das Volk vor todbringenden Verfolgern zu retten. Elia antwortet mit einem klaren Ja auf die Frage, ob es Rettung gibt, wenn ein einzelner Mensch dem Tod nicht ausweichen kann. Der Übergang zum Tod ist kein Untergang, sondern ein Durchgang zu etwas Neuem. Den Tod selbst wird Elia allein erleben, aber auf dem Weg des Sterbens darf Elisa ihn begleiten, in den Wassern des bedrohlichen Todes müssen beide nicht versinken.

Am anderen Ufer des Jordan angekommen, spricht Elia endlich selber das Thema des Abschieds an:

9 Und als sie hinüberkamen, sprach Elia zu Elisa: Bitte, was ich dir tun soll, ehe ich von dir genommen werde. Elisa sprach: Dass mir zwei Anteile von deinem Geiste zufallen.

Elia will seinem Schüler einen letzten Wunsch erfüllen. Interessant ist die Formulierung: Es geht nicht um etwas Materielles, um Geld oder ein sonstiges Erbteil. Er will etwas für ihn tun, von sich selbst will er ihm etwas schenken. Elisa wünscht sich einen doppelten Anteil vom Geist des Elia – nach einer anderen Übersetzung sogar zwei Drittel von seiner Ausstrahlung, von seiner intensiven Nähe zu Gott, von seiner Fähigkeit, in Gottes Namen zu reden und zu handeln.

Aber kann so ein Wunsch überhaupt in Erfüllung gehen? Wie kann man Geist weitergeben?

10 Er sprach: Du hast Schweres erbeten. Doch wenn du mich sehen wirst, wie ich von dir genommen werde, so wird’s geschehen; wenn nicht, so wird’s nicht sein.

Elia weiß: Nur Gott kann Elisas Wunsch erfüllen. Ob Elisa wie sein Lehrer Elia mit seinem inneren Auge mehr sehen kann als andere Menschen, das kann er seinem Schüler nicht garantieren. Aber eine Vorausschau wagt er doch: Wenn Elisa mit den Augen seines Herzens sehen wird, wie Elia in den Himmel aufgenommen wird, dann wird er auch sein würdiger Nachfolger sein, dann hat er genug vom Geist seines Lehrers mitbekommen.

11 Und als sie miteinander gingen und redeten, siehe, da kam ein feuriger Wagen mit feurigen Rossen, die schieden die beiden voneinander. Und Elia fuhr im Wetter gen Himmel.

12 Elisa aber sah es und schrie: Mein Vater, mein Vater, du Wagen Israels und sein Gespann! und sah ihn nicht mehr.

Elisas Wunsch geht in Erfüllung; er hat die Fähigkeit, den Himmel offen zu sehen.

Was er mit seinem inneren Auge sieht, tritt so sehr in den Vordergrund, dass Elias Tod, wie er real geschieht, nicht erwähnt werden muss. Was hier geschildert wird, ist nicht das Geschehen, das wir mit irdischen Augen hätten sehen können. Elia ist nicht, ohne sterben zu müssen, direkt mit einem Wagen von der Erde in den Himmel hineingefahren. Elisa erfährt ein Doppeltes: im Tod wird sein Lehrer Elia von ihm getrennt, und zugleich erfährt er in einer himmlischen Erscheinung, dass Elia im Tode nicht verloren geht. Und das, obwohl Elias Tod urplötzlich eintritt, „im Wetter“. An sich ist das ein Unglück, Elia ist tot, Elisa ist allein. Trotzdem hat Elisa nicht die Macht des Todes vor Augen, nicht den schwarzen Abgrund der Verzweiflung. Er sieht einen Streitwagen der himmlischen Heerscharen, einen feurigen Wagen mit feurigen Rossen, ein leuchtendes Bild der göttlichen Lebendigkeit.

Wen ruft Elisa an: „Mein Vater, mein Vater!“? Verabschiedet er so seinen Lehrer Elia? Sieht er in seinem großen Gottvertrauen die Macht der himmlischen Heerscharen verkörpert? Oder ruft er Gott selber als Vater an, wie es später Jesus tun wird? Betet er Gott an in dem Bild, das er gesehen hat? Gott selbst ist der Wagen Israels, alle Streitmächte der Menschen sind nicht mächtiger als er, selbst der Schrecken des Todes ist für Gott nicht unüberwindbar. Hinter dem Dunkel des Todes seines Lehrmeisters sieht Elisa Bilder des Trostes. Im Gottvertrauen hat Elia gelebt, das war die Erfüllung seines Lebens, daher sieht Elisa auch, wie er in den Himmel aufgenommen wird.

Dieser Vision widerspricht nicht, dass die Trennung von seinem Lehrer Elia für Elisa auch ein Anlass zur Trauer ist. Als Sohn seines Volkes drückt er sie in überlieferter Weise aus:

Da fasste er seine Kleider, zerriss sie in zwei Stücke

13 und hob den Mantel auf, der Elia entfallen war, und kehrte um und trat wieder an das Ufer des Jordans.

Von Elia ist nichts zurückgeblieben als sein Prophetenmantel. Den nimmt Elisa an sich, und mit seiner Hilfe kehrt er von der Erfahrung des Todes jenseits des Jordans zurück ins Leben:

14 Und er nahm den Mantel, der Elia entfallen war, und schlug ins Wasser und sprach: Wo ist nun der HERR, der Gott Elias? und schlug ins Wasser. Da teilte es sich nach beiden Seiten, und Elisa ging hindurch.

Wie häufig in der Bibel wird hier in Form eines übernatürlichen Wunders ein Wunder erzählt, das sich in der Seele des Elisa abspielt: nämlich, dass der trauernde Elisa wieder Trost und Mut zum Leben gewinnt.

Aber was ist eigentlich aus den fünfzig Prophetenschülern geworden, die am Jordan zurückgeblieben waren? Sie hatten geduldig gewartet, nun sehen sie, wie Elisa auf wunderbare Weise mit dem Prophetenmantel des Elia durch die Wasser des Jordan zurückkehrt.

15 Und als das die Prophetenjünger sahen, die gegenüber bei Jericho waren, sprachen sie: Der Geist Elias ruht auf Elisa, und sie gingen ihm entgegen und fielen vor ihm nieder zur Erde.

Offenbar sehnen sich die Prophetenschüler nach einer Führergestalt und fallen vor dem Nachfolger Elias auf die Knie. Obwohl Elia immer als größerer Prophet galt als Elisa, hat Elia eine solche Ehrung nie erhalten. Elia war mehr ein Einzelgänger; Elisa übernimmt von vornherein die Verantwortung als Lehrer einer Prophetenschule.

Hier zeigt sich: Man kann einem großen Vorgänger nachfolgen und ist doch nicht einfach seine Kopie, man macht vieles anders, so wie es einem selbst entspricht. Die Geschichte endet, indem gleich der erste Konflikt mit den neugewonnenen Schülern geschildert wird. Sie glauben nämlich nicht, dass Elia wirklich tot ist, wollen sich nicht damit abfinden und schicken eine Suchexpedition los:

16 Und sie sprachen zu ihm: Siehe, es sind unter deinen Knechten fünfzig starke Männer, die lass gehen und deinen Herrn suchen. Vielleicht hat ihn der Geist des HERRN genommen und auf irgendeinen Berg oder in irgendein Tal geworfen. Er aber sprach: Lasst sie nicht gehen!

17 Aber sie nötigten ihn, bis er nachgab und sprach: Lasst sie hingehen! Und sie sandten hin fünfzig Männer, und diese suchten Elia drei Tage; aber sie fanden ihn nicht.

18 Und sie kamen zu Elisa zurück, als er noch in Jericho war, und er sprach zu ihnen: Sagte ich euch nicht, ihr solltet nicht hingehen?

So endet die Geschichte in dem Augenblick, in dem die berufliche Laufbahn des Propheten und Prophetenlehrers Elisa beginnt. Der Alltag kehrt wieder ein, nachdem der Abschied vom großen Elia und die Trauer um ihn viel Raum und Zeit beansprucht hat. Wir sagen immer so schön: Das Leben geht weiter. Das tut es tatsächlich – denn die auf Gott vertrauen wie Elia, bleiben in Gottes Liebe geborgen auch im Tod, und die zurückbleiben wie Elisa, dürfen ihre Trauer verarbeiten und neuen Mut sammeln für neue Aufgaben. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Wir singen das Lied 534, das zu dem Weg passt, auf dem Elisa seinen Lehrer und Meister Elia begleitet:

Herr, lehre uns, dass wir sterben müssen

In der Passionszeit sind wir mit Jesus seinen Weg zum Sterben mitgegangen, wie es Elisa mit Elia getan hat. Am Karfreitag hat Jesus seinen Jordan überquert und an Ostern am anderen Ufer das Reich seines Vaters im Himmel erreicht. Er ebnet uns den Weg zur gewissen Hoffnung auf die Auferstehung der Toten.

Als Wegzehrung auf dem Weg der Trauer, der zugleich ein Weg der Hoffnung ist, gibt Jesus sich uns selbst. Im Brot teilen wir den Leib seiner Liebe untereinander aus. Im Kelch besiegelt er seine Treue zu uns mit seinem Blut.

Gott, nimm von uns, was uns von dir trennt: Unglauben, Lieblosigkeit, Verzagtheit. Hochmut, Trägheit, Lebenslügen. In der Stille bringen wir vor dich, was unsere Seele belastet:

Beichtstille

Nehmt Ihr Gottes Treue und Vergebung an, so sagt laut oder leise oder still im Herzen: Ja!

Auf euer aufrichtiges Bekenntnis spreche ich euch die Vergebung eurer Sünden zu – im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Der Herr sei mit euch. „Und mit deinem Geiste.“

Erhebet eure Herzen! „Wir erheben sie zum Herren.“

Lasset uns Dank sagen dem Herrn, unserem Gott. „Das ist würdig und recht.“

Würdig und recht ist es, Gott ernst zu nehmen als den der groß ist in seiner Güte und Freundlichkeit zu uns Menschen. Würdig und recht ist es, uns selber anzunehmen als Menschen mit aufrechtem Gang, von Gott geliebt und verantwortlich für unser Leben. Zu dir rufen wir und preisen dich, Heiliger Gott:

Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll. Hosianna in der Höhe. Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe.

Vater unser und Abendmahl

Gott, hab Dank für Brot und Kelch, für dein Wort und deine Nähe, für die Liebe, mit der du uns begleitest. Hilf uns, dass wir die Aufgaben annehmen und bewältigen, die uns gestellt sind. Schenke deinen Segen dem neuen Konfirmandenjahrgang, der nächste Woche seinen Unterricht beginnt.

Insbesondere beten wir heute für zwei verstorbene Frauen aus unserer Paulusgemeinde, die wir in der vorvergangenen Woche kirchlich bestattet haben: … . Lass sie in deiner Liebe geborgen sein und begleite auch die Angehörigen auf dem Weg ihres Abschieds, dass sie Trost finden in der Trauer und Mut gewinnen, um neue Schritte zu gehen. Amen.

Lied 632, 1+4+5: Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht
Abkündigungen

Nun lasst uns mit Gottes Segen in den Sonntag gehen – wer möchte, ist im Anschluss noch herzlich zum Beisammensein mit Kaffee oder Tee im Gemeindesaal eingeladen.

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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