Zwei Adventslieder

Zum Auftakt des Reichelsheimer Christkindlmarkts werden im Gottesdienst zwei Adventslieder ausgelegt: „Es kommt ein Schiff, geladen bis an sein höchsten Bord“ und „O Heiland, reiß die Himmel auf!“ Eine Befreiungsbotschaft ist das. Der Himmel soll allen offen stehen, erfülltes Leben soll für alle möglich sein.

Gottesdienst zum Christkindlmarkt am Sonntag, 2. Advent, 7. Dezember 1980, um 13.30 Uhr in der Reichelsheimer Kirche und am 3. Advent, 14. Dezember 1980, in Beienheim, Heuchelheim und Staden.
Glockengeläut und Orgelvorspiel

Ich begrüße Sie und Euch alle herzlich zum Gottesdienst anlässlich unseres zweiten Christkindlmarktes in Reichelsheim!

Christkindlmarkt haben wir es genannt, was wir heute veranstalten. Es soll aber nicht ein Markt sein, bei dem es in erster Linie um das Geschäft geht. Wir wollen vielmehr ein Fest feiern, einige nicht-alltägliche Stunden verleben, bekannte und fremde Menschen treffen, uns an dem freuen, was wir der Phantasie unserer Bastler und Organisatoren verdanken, und so ganz nebenbei durch das, was wir an Geld ausgeben, auch einem guten Zweck dienlich sein.

Christkindlmarkt heißt dieses adventliche Fest; der Name fängt etwas von der vorweihnachtlichen Erwartungsstimmung ein. Doch soll dieser Name nicht Weihnachten zu einem bloßen Fest der besonderen Stimmung reduzieren, nicht das, was Jesus uns heute noch zu sagen hat, durch die Verkleinerung verniedlichen. Unser Fest soll ein schönes Fest werden, aber es soll keine Idylle und keine heile Welt vorgaukeln. Das Christkind war ein armes, bedrohtes Kind; die adventliche Erwartung dessen, der unser Leben bestimmen soll, richtet sich nicht auf die geheizten Zimmer, in denen König Herodes in seinem Palast vermeintlich sicher lebte, sondern auf den Futtertrog der Tiere im armen Stall von Bethlehem. Zur adventlichen Besinnung soll dieser Gottesdienst beitragen.

Lied EKG 4, 1-3 (EG 8):

1. Es kommt ein Schiff, geladen bis an sein’ höchsten Bord, trägt Gottes Sohn voll Gnaden, des Vaters ewigs Wort.

2. Das Schiff geht still im Triebe, es trägt ein teure Last; das Segel ist die Liebe, der Heilig Geist der Mast.

3. Der Anker haft’ auf Erden, da ist das Schiff am Land. Das Wort will Fleisch uns werden, der Sohn ist uns gesandt.

Wir feiern einen Gottesdienst im Namen Gottes, des Vaters, der sich einen Menschen als Sohn erwählte, im Namen Gottes, des Sohnes, an dessen Leben wir erkennen können, wie Gott ist, im Namen Gottes, des heiligen Geistes, der unser Leben verändern will. Amen.

Gott, du oft so unbekannter, ferner Gott, du bist uns näher, als wir es ahnen. Dein Wunsch ist, dass wir dir unser Vertrauen schenken. Mach uns bereit, uns dem zu öffnen, was du uns sagst. Mach uns bereit, uns den anderen Menschen zu öffnen, ganz gleich, ob mich oder den anderen etwas freut oder bedrückt. Mach uns bereit, wenn es nötig ist, neue Gedanken zu denken. Mach uns bereit, wenn es nötig ist, neue Wege zu gehen. Mach uns bereit, wenn es nötig ist, über unseren eigenen Schatten zu springen. Amen.

Wir hören einen Abschnitt aus dem Buch des Propheten Jesaja 42, 1-9. Manchen ist dieser Text als das erste der sogenannten Lieder vom „Gottesknecht“ bekannt, von dem Bevollmächtigten Gottes. Dieses Prophetenwort ist später auf Jesus bezogen worden:

1 Siehe, das ist mein Knecht – ich halte ihn – und mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe ihm meinen Geist gegeben; er wird das Recht unter die Heiden bringen.

2 Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht hören auf den Gassen.

3 Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. In Treue trägt er das Recht hinaus.

4 Er selbst wird nicht verlöschen und nicht zerbrechen, bis er auf Erden das Recht aufrichte; und die Inseln warten auf seine Weisung.

5 So spricht Gott, der HERR, der die Himmel schafft und ausbreitet, der die Erde macht und ihr Gewächs, der dem Volk auf ihr den Odem gibt und den Geist denen, die auf ihr gehen:

6 Ich, der HERR, habe dich gerufen in Gerechtigkeit und halte dich bei der Hand und behüte dich und mache dich zum Bund für das Volk, zum Licht der Heiden,

7 dass du die Augen der Blinden öffnen sollst und die Gefangenen aus dem Gefängnis führen und, die da sitzen in der Finsternis, aus dem Kerker.

8 Ich, der HERR, das ist mein Name, ich will meine Ehre keinem andern geben noch meinen Ruhm den Götzen.

9 Siehe, was ich früher verkündigt habe, ist gekommen. So verkündige ich auch Neues; ehe denn es aufgeht, lasse ich’s euch hören.

Lied EKG 4, 4-6 (EG 8):

4. Zu Bethlehem geboren im Stall ein Kindelein, gibt sich für uns verloren; gelobet muss es sein.

5. Und wer dies Kind mit Freuden umfangen, küssen will, muss vorher mit ihm leiden groß Pein und Marter viel,

6. danach mit ihm auch sterben und geistlich auferstehn, das ewig Leben erben, wie an ihm ist geschehn.

Gott sei uns mit seiner Liebe nahe. Amen

Liebe Gemeinde!

Den Predigttext dieses Gottesdienstes haben wir schon gehört, besser gesagt: gemeinsam gesungen. Ich möchte nämlich heute einmal in der Predigt eine Besinnung über die Adventslieder anstellen, die wir eben gesungen haben und gleich noch singen werden. So bekannt uns die Lieder zum Teil sind, so fremd ist uns manches von dem Inhalt dieser Lieder. Sie gehören zur Weihnachtsstimmung hinzu; manchmal brauchen wir sie wie die Verpackung unserer Weihnachtsgeschenke – schön anzusehen, aber über Weihnachten hinaus nicht mehr verwendbar; sie wird entweder weggeworfen oder säuberlich geglättet und für das nächste Weihnachten aufbewahrt. Heute will ich einmal versuchen, zwei dieser Lieder selbst als ein Geschenk anzusehen und etwas von der Verpackung aufzureißen, um zu sehen, was darin steckt.

„Es kommt ein Schiff, geladen bis an sein höchsten Bord!“

Ein gezeichnetes Schiff mit dem Symbol Christi an zwei Masten, einem im Bug thronenden Mann und drei zum Heck hin sitzenden Menschen

Es kommt ein Schiff… (Zeichnung: pixabay.com)

Ich habe zwei Lieder ausgewählt, die voller starker, ausdrucksvoller Sinnbilder sind. Das Schiff, voll beladen, ein Ruhe und Stärke und Zuversicht ausstrahlend – das ist die leitende Vorstellung des ersten Liedes. Die getragene, ruhige Melodie entspricht dem Inhalt. Ich stelle mir so richtig vor, wie vollgepackt dieses Schiff ist, wie es den Gefahren des Wassers ausgesetzt ist, aber doch nicht sinkt. Womit ist es beladen? Was kommt da auf uns zu?

Das Schiff „trägt Gottes Sohn voll Gnaden“.

Von Gott her kommt etwas auf uns zu, sogar mehr als „etwas“, eine Person ist es, ein Mensch; einer, den Gott bevollmächtigt hat, unter uns Menschen ihn selbst zu vertreten. Voll beladen ist das Schiff nicht mit der Fülle der Vorwürfe, die Gott gegen uns haben könnte, nicht mit der Fülle der Unvollkommenheiten, die unser Verhältnis zu Gott belasten, auch nicht mit einem Gesetzbuch oder einem Programm zur Verbesserung der Welt, sondern mit „Gnade“. Begnadigung kommt auf uns zu, geschenkte, bedingungslose Liebe, so viel, dass wir davon noch abgeben können.

„Trägt Gottes Sohn voll Gnaden, des Vaters ewigs Wort.“

Wort meint hier mehr als das rasch hingesprochene Wort. Es meint, dass wir angewiesen sind auf das Angesprochenwerden, dass wir nur Mensch sind, wenn wir ein Gegenüber haben, das uns anspricht und dem wir zuhören können oder das wir ansprechen und das uns zuhören kann. Diese Beziehung will Gott durch Jesus zu uns aufbauen, nicht eine Beziehung, die auf Untertanengehorsam, Überredung, Zauberei oder Gewalt beruht.

„Das Schiff geht still im Triebe“.

Es treibt, es scheint den Strömungen des Wassers ausgeliefert, Wagnis und Ungesichertheit scheint hier angedeutet zu sein. Aber keine Angst, keine nervöse Unsicherheit drückt das Lied aus. Gelassenheit ist möglich angesichts der überall lauernden Gefahren.

„Es trägt ein teure Last“.

Ja, muss man eine solche Last nicht absichern? Wer schützt sie davor, unterzugehen? Wir kennen verschiedene Arten von Absicherungen: militärischen Geleitschutz, Versicherungsgesellschaften oder lieber gleich den Verzicht auf das Wagnis. Aber solche Formen der Suche nach Sicherheit greifen hier nicht, sie würden das ins Gegenteil verkehren, was mit Jesus zu uns kam. Als Petrus Jesus mit dem Schwert schützen wollte, bekam er gesagt, er solle sein Schwert wegstecken. Die Last ist zu teuer, als dass irgendeine Versicherung für einen Schaden an ihr aufkommen könnte – geschenkte Liebe lässt sich nicht mit Geld bezahlen. Und ohne Wagnis können wir uns nicht auf den Weg Jesu einlassen. „Wer sich nicht in Gefahr begibt, kommt darin um!“ heißt es in einem Lied [von Wolf Biermann]. Doch wer bewahrt das Schiff davor, abzutreiben und unterzugehen?

„Das Segel ist die Liebe, der Heilig Geist der Mast“.

Durch die Segel wird dem Schiff die Richtung gegeben. Das, was mit dem Schiff zu uns kommt, nämlich Gnade, bedingungslose Liebe Gottes zu uns, und das, was das Schiff zu uns führt, was das Schiff zum Ziel kommen lässt, ist das gleiche. Ziel und Mittel stimmen überein. Man kann nicht den Bestand der Kirche durch Zwang absichern. Man darf nicht das, was die Liebe von uns fordert, verwässern, nur damit niemand sich dadurch vor den Kopf gestoßen fühlt. Allerdings: ohne den Heiligen Geist wären wir zur Liebe gar nicht fähig. An einer Kraft, die wir nicht aus uns selbst haben, ist die Liebe aufgehängt, wie die Segel am Mast. Ohne das Vertrauen auf Gottes Kraft ist der Liebe unter den Menschen wirklich nicht viel zuzutrauen. Nur mit seiner Hilfe können wir es wagen, uns auf den Weg der Liebe einzulassen. Andersherum können wir die Sache aber auch einmal sehen: wenn wir meinen, an Gott zu glauben, vom Heiligen Geist den Glauben geschenkt bekommen zu haben, und man spürt uns nichts von der Liebe zu unseren Mitmenschen ab – dann steht wohl ein Mast auf dem Schiff, aber keine Segel sind daran; das Schiff fährt in die Irre. Sich auf die Liebe einzulassen, ist ein Wagnis, aber wer nicht die Liebe wagt, setzt mehr aufs Spiel, den ganzen Sinn seines Lebens.

„Der Anker haft‛ auf Erden, da ist das Schiff am Land“.

Was da zu uns kommt von Gott her, bekommt Anhaltspunkte in unserer Wirklichkeit. Mit beiden Beinen auf dem Boden der Wirklichkeit stehen, fällt mir dazu ein. Aber es ist vielleicht wichtig, dass beides genannt wird: das treibende Schiff und der haftende Anker. Der Boden der Wirklichkeit, wie sie ist, von dem müssen wir ausgehen, aber er ist vielleicht nur scheinbar das unverrückbar Feste, alles ist dem Wandel unterworfen, vieles vergeht, und mehr Möglichkeiten der Veränderung gibt es, als wir es uns träumen lassen. Das Schiff ist das ruhige, Zuversicht ausstrahlende, von Gottes Geist und von der Liebe gelenkte Feststehende in dieser Welt, und es bringt unsere Welt in Bewegung, bringt scheinbar Feststehendes durcheinander, Normen, Urteile, Unrechtsverhältnisse, Dinge, die immer schon so waren.

„Da ist das Schiff am Land“.

Ich denke auch an Jesus, wie er vom Schiff aus den Menschen an Land predigte. Oder wie er mit den einfachen Fischern lebt und mit ihnen anfängt, Gottes Liebe zu verkünden und zu leben.

„Das Wort tut Fleisch uns werden, der Sohn ist uns gesandt“.

Gottes Wort bleibt nicht blass und fern von uns, als eine Umrahmung nur für feierliche Anlässe, sondern es wird Fleisch und Blut, es geht uns an mitten in unserer alltäglichen Wirklichkeit.

Und nun verlässt das Lied das Bild vom Schiff und kommt auf das Kind zu sprechen, das in Bethlehem geboren wird. Es wird auch hier auf bildliche Weise geredet, denn am Kind wird schon das gesamte Schicksal des Menschen Jesus abgelesen, in der armen Geburt im Viehstall der Weg des erwachsenen Jesus vorgezeichnet gesehen.

„Zu Bethlehem geboren im Stall ein Kindelein,
gibt sich für uns verloren; gelobet muss es sein“.

Die ganze Gnade und Liebe, die da von Gott her zu uns kommt, ist eine so teure Last, dass sie den Bevollmächtigten Gottes sogar das Leben kostet. Jesus gab sich verloren, damit wir einen Ausweg aus unserer Verlorenheit haben. Einen Ausweg aus unserer Verlorenheit, die wir ohne die vergebende Liebe Gottes gar nicht wahrnehmen und ernstnehmen können.

Mit Weihnachtsidylle hat es nichts zu tun, was nun in den nächsten Strophen von uns gefordert ist. Weihnachtsfreude bedeutet nicht: Überspringen der Wirklichkeit, Ausklammern dessen, was uns bedrückt, aus unserer feierlichen Stimmung; sondern Weihnachtsfreude setzt voraus, dass wir uns den Problemen unserer Welt stellen, dass wir mit anderen mitleiden können, dass wir es wagen, gewohnte Wege zu verlassen, dass wir uns selbst verändern – so dass es ist, als ob unser alter Mensch gestorben wäre und wir zu einem erfüllteren Leben auferstanden wären:

„Und wer dies Kind mit Freuden umfangen, küssen will,
muss vorher mit ihm leiden groß‛ Pein und Marter viel.
Danach mit ihm auch sterben und geistlich auferstehn,
ewigs Leben zu erben, wie an ihm ist geschehn.“

So viel zu dem sehr ruhigen, getragenen und ernsten Lied „Es kommt ein Schiff, geladen“.

Adventslieder können aber auch anders aussehen, die Erwartung Jesu kann man auch in lebhafterer Form besingen. Gleich im Anschluss an das eben besprochene Lied steht im Gesangbuch das Lied „O Heiland, reiß die Himmel auf“, das von einer starken Bewegung, geradezu von Ungeduld geprägt ist.

„O Heiland, reiß die Himmel auf, herab, herab, vom Himmel lauf!“

Reißen, laufen – das ist eine andere Art, vom Advent zu sprechen als „Das Schiff geht still im Triebe“. Beides hat sein Recht. Die Stille der ernsten Besinnung und die Ungeduld, die darauf drängt, etwas Notwendiges zu tun, etwas zu tun, das Not von Menschen abwendet. Ich deutete ja auch schon an, dass es immer darauf ankommt, wie es gemeint ist, wenn man von Ruhe und Unruhe, von etwas Feststehendem und von Veränderung spricht. Die Ruhe und Zuversicht, die von Gottes Liebe her ausstrahlt, bringt Unruhe in unsere ungerechten Ordnungen, in unsere Ruhe der Bequemlichkeit, in die Langeweile oder Abgehetztheit unserer Ziellosigkeit.

„Reiß ab vom Himmel Tor und Tür, reiß ab, wo Schloss und Riegel für!“

Eine Befreiungsbotschaft ist das. Der Himmel soll allen offen stehen, erfülltes Leben soll für alle möglich sein. Unterdrückung von Menschen durch Menschen soll ein Ende finden. Gefangene sollen befreit werden. Türen und Tore sollen nicht etwa nur in langsamer Entwicklung, nach langem Warten geöffnet werden, vielleicht um auch wieder geschlossen werden zu können. Nein, sie werden gleich ganz abgerissen. Heiland heißt Retter, heißt Befreier; Befreiung von Schuld, von Bevormundung, vom Zwang, das eigensüchtige, Böse zu tun, sollen wir ein für alle Mal erfahren; Geborgenheit in Gottes Liebe soll nicht mehr vor uns verschlossen werden können. Geborgenheit in Gottes Liebe, Befreiung zu einem liebevollen Leben – das ist mit dem Bild vom „Himmel“ gemeint. Wobei ein liebevolles Leben ein bewegtes, kämpferisches Leben sein kann.

Dass sich bei uns durch den, der von Gott auf uns zukommt, Entscheidendes ändert, wird in den weiteren Strophen, die wir noch singen werden, mit Vergleichen aus der Natur ausgedrückt. Wie der Tau die Erde benetzt, durchdringt die Botschaft von Jesus unsere Wirklichkeit, unscheinbar, aber wirksam. Wie nach langer Trockenheit ein wolkenbruchartiger Regen dankbar begrüßt wird, so ersehnen die, die Gott suchen – die sind mit Jakobs Haus gemeint – die Ankunft Jesu. Mit der Erneuerung, die der Frühling mit sich bringen wird, wird das Kommen des Befreiers verglichen, mit dem Ergrünen der Pflanzen, mit dem Auferstehen der Blumen aus dem absterbenden Samen, aus dem Grab der Erde:

„O Gott, ein Tau vom Himmel gieß, im Tau herab, o Heiland, fließ.
Ihr Wolken, brecht und regnet aus den König über Jakobs Haus.

O Erd, schlag aus, schlag aus, o Erd, dass Berg und Tal grün alles werd.
O Erd, herfür dies Blümlein bring, o Heiland, aus der Erden springt!“

Veränderung, Erneuerung geschieht überall, ist überall möglich, auch in den Menschen und in den Beziehungen zwischen den Menschen, auch in uns. Es kommt darauf an, dass wir uns darauf einlassen – nicht mit verkrampfter Angestrengtheit, aber auch nicht in ängstlicher Bequemlichkeit, sondern in gelassener, tätiger Zuversicht.

Das Schiff und diese Bilder aus der Natur – das sind eigentlich ganz ungewohnte Vorstellungen im Advent. In der fünften Strophe des Liedes 5, die wir nachher zum Abschluss des Gottesdienstes singen werden, finden wir das vertrautere Bild vom Stern. Der Stern durchbricht die Dunkelheit, die klare Sonne vertreibt unsere Finsternis. Was uns bedrückt und gefangen hält, alles, was wir aus Selbstliebe oder Selbstmitleid heraus Böses tun oder Gutes nicht tun – das verliert seine Macht über uns.

„O klare Sonn, du schöner Stern, dich wollten wir anschauen gern!“

Wir begannen mit dem Anschauen des ruhig dahintreibenden Schiffes, wir schließen mit dem Anschauen des ebenfalls Zuversicht ausstrahlenden Lichts. Ob dieses Licht bis in unser Herz trifft, dorthin, wo wir niemanden hineinschauen lassen? Ob es uns verändert und uns dazu treibt, auch anderen dieses Licht nahezubringen?

„O Sonn, geh auf! Ohn deinen Schein in Finsternis wir alle sein.“

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.
Lied EKG 5, 1-3 (EG 7):

1. O Heiland, reiß die Himmel auf, herab, herab vom Himmel lauf, reiß ab vom Himmel Tor und Tür, reiß ab, wo Schloss und Riegel für.

2. O Gott, ein’ Tau vom Himmel gieß, im Tau herab, o Heiland, fließ. Ihr Wolken, brecht und regnet aus den König über Jakobs Haus.

3. O Erd, schlag aus, schlag aus, o Erd, dass Berg und Tal grün alles werd. O Erd, herfür dies Blümlein bring, o Heiland, aus der Erden spring.

Gott, Vater Jesu Christi, bestärke uns in dem Gefühl oder pflanze in uns das Gefühl, dass wir noch etwas zu erwarten haben, dass wir uns selbst etwas mehr, etwas Neues zutrauen, dass wir den Leuten in unserem Ort etwas mehr zutrauen, dass wir von dir noch etwas zu erwarten haben.

Vielleicht wartet, gerade jetzt in der Zeit um Weihnachten, jemand auf uns, vielleicht gerade der, über den wir schlecht denken oder reden, vielleicht gerade der, der auch uns zurückstößt mit seinem Verhalten, vielleicht er, der nicht wagt, zuzugeben, dass er Hilfe braucht, dass er Fehler macht, dass er trotzdem von seinen Nachbarn angenommen sein will.

Herr, hilf uns, warten zu können, aber hilf uns auch, dass wir nicht zu lange warten, aus unserer Angst und Unsicherheit heraus, wenn wir etwas tun sollten. Hilf uns, Gelegenheiten nicht verstreichen zu lassen, zum klärenden Gespräch, zum versöhnenden Handschlag, zur Begegnung mit einem Fremden, zur Information über wichtige Probleme der Gesellschaft, und nicht zuletzt – zum Nachdenken über sich selbst, zur ruhigen Konzentration z. B. auf adventliche Musik.

Dass dein Reich komme, erbitten wir in dem Gebet deines Sohnes, wir erbitten es von dir, wir brauchen nicht alles zu tun. Lass uns, deine Herrschaft der Liebe erwartend, deine tätigen Mitarbeiter sein. Amen.

Vater unser

Nachrichten: Sie werden nun gleich entlassen – noch nicht nach Hause, sondern auf den Christkindlmarkt, für den nebenan, auf dem Hof Römerberg 4 alles aufgebaut ist. Es wird eng, aber gemütlich sein, und es gibt – besonders für die älteren unter Ihnen – auch die Gelegenheit, im Trockenen und Warmen Ihren Kaffee zu trinken. Herzlich lade ich Sie alle ein, nachher um 15.30 Uhr hier in der Kirche das Nikolausspiel der Kinder mitzuerleben: „Wo ist der Nikolaus?“ und um 17.00 Uhr ein sehr seltenes Ereignis in unserer Gemeinde, nämlich eine „Kleine Adventsmusik“ mit Ralf Schäfer, Orgel, und Ursula Fitzau, Flöte. Ein genaues Programm dieses kleinen Konzerts erhalten Sie nachher zu Beginn der Adventsmusik am Eingang der Kirche. Herzliche Grüße möchte ich noch von Herrn Dekan Kuno Galter übermitteln, der in seiner eigenen Gemeinde ein weihnachtliches Gemeindefest hat und deshalb leider nicht persönlich hierher kommen kann. Jetzt wünsche ich Ihnen einen schönen Nachmittag auf dem Christkindlmarkt!

Segen
Lied EKG 5, 5 (EG 7):

5. O klare Sonn, du schöner Stern, dich wollten wir anschauen gern; o Sonn, geh auf, ohn deinen Schein in Finsternis wir alle sein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.