Der Stimme des Engels gehorchen

Zu einer Trauerfeier mache ich mir Gedanken über Engel, die uns begleiten, behüten, beschützen. Inwiefern tun sie das, unter welchen Umständen und Voraussetzungen? Nehmen wir die Stimme des Engels wahr, der uns etwas zu sagen hat?

Der Stimme des Engels gehorchen: Die Statue eines Engels mit Flügeln und einer Sanduhr in der Hand auf einem Friedhof

Hören wir auf den Engel, der uns etwas zu sagen hat? (Bild: Sonnenstrahl – pixabay.com)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Liebe Trauernde, Sie sind hier versammelt, weil Herr Z. im Alter von [über 50] Jahren gestorben ist.

Trauer ist Erinnerung. Wir rufen uns in Gedächtnis, was war, und bewahren in Liebe, was bleibt.

Trauer ist ein Weg. Wir gehen gemeinsam den Weg zum Grab und helfen einander, das Schwere zu bewältigen, heute und in den Tagen, die kommen.

Trauer ist Trost. Wir hören Worte von dem Gott, der die Liebe ist. Von ihm sind wir getragen, auch wenn wir ihn nicht spüren. Tränen, die wir weinen, sollen abgewischt werden, aber Gott sieht auch unsere ungeweinte Tränen

Wir beten mit Psalm 139, einem alten Lied der Bibel:

1 HERR, du erforschest mich und kennest mich.

2 Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne.

3 Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege.

4 Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht schon wüsstest.

5 Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.

6 Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen.

7 Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?

8 Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.

9 Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer,

10 so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.

11 Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein –,

12 so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir, und die Nacht leuchtete wie der Tag. Finsternis ist wie das Licht.

13 Denn du hast [mein Inneres] bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe.

14 Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.

15 Es war dir mein Gebein nicht verborgen, als ich im Verborgenen gemacht wurde, als ich gebildet wurde unten in der Erde.

16 Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war.

17 Aber wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken!

23 Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine.

24 Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.

Liebe kleine Trauergemeinde, wenn ein Mensch stirbt, dann blicken wir zurück auf sein Leben.

Erinnerungen an das Leben und die Krankheit des Verstorbenen

Als er tot da lag im Krankenhaus, haben sie einen kleinen Engel aus Marmor gesehen, der an seinem Bett stand und ganz traurig geguckt hat.

Darum möchte ich jetzt mit Ihnen auch über einen Engel nachdenken, von dem die Bibel erzählt, und zwar im 2. Buch Mose – Exodus 23, 20:

Siehe, ich sende einen Engel vor dir her, der dich behüte auf dem Wege und dich bringe an den Ort, den ich bestimmt habe.

Engel Gottes sind unsichtbar um uns. Sie sind seine guten Mächte, die uns beistehen und uns behüten. In ihnen sind Gottes Gedanken bei uns, die er sich um uns macht.

Wir nehmen die Engel nicht wahr, weil wir keine Augen für sie haben und oft auch keine Antenne für die stillen Botschaften, die sie uns übermitteln möchten.

Meistens denken wir nur an die Engel, wenn wir in eine Gefahr geraten sind und den Eindruck haben: da haben wir aber einen Schutzengel gehabt, wir sind gerade noch einmal dem Tod von der Schippe gesprungen.

Oder wir sind traurig, weil eine Krankheit tödlich ausgegangen ist, und wir fragen uns: konnten die Engel nicht helfen, nicht behüten, waren sie am Ende mit ihrer Kunst?

Engel sind die Gedanken Gottes, wer sich Engeln anvertraut, ist in der guten Obhut seiner guten Mächte. Aber wenn unser Lebensende beschlossen ist, haben auch die Engel nicht mehr die Macht, uns davor zu bewahren. Dann ist ihre Aufgabe eine andere; dann geleiten sie uns in das andere Leben hinüber, das niemand von uns kennt und das wir uns nicht vorstellen können.

„Siehe, ich sende einen Engel vor dir her“, sagt Gott. Vielleicht ist es so, dass wir auch auf dem Weg in die andere Welt Gottes Begleitung brauchen, dass wir Engel brauchen, die uns an den Ort bringen, der für uns bestimmt ist und wo wir finden, was uns glücklich macht.

Mit den Engeln Gottes ist es so eine Sache. Sie sind nicht einfach da und machen mit uns, was sie wollen. In der Bibel heißt es, dass Engel Botschafter Gottes sind, so etwas wie eine diplomatische Vertretung Gottes bei uns.

Immer wieder heißt es, dass ein Engel zu Menschen kommt, und dann fürchten die sich erst einmal. Würden wir sicher auch machen, wenn wir plötzlich leibhaftig einen Engel sehen würden. Und dann sagen die Engel: „Fürchtet euch nicht!“, und sie richten eine wichtige Botschaft von Gott aus. Nur wer auf die Engel hört, den können sie behüten.

Und so heißt es auch im 2. Buch Mose – Exodus 23, 21 von dem Engel, der „vor dir hergeht“:

Hüte dich vor ihm und gehorche seiner Stimme!

Was könnten Ihnen heute die unsichtbaren Engel Gottes sagen? Zum Beispiel:

„Lasst zu, dass ihr traurig seid. Steht einander bei, seid füreinander da!“ Auch Menschen können einander wie Engel begleiten. Lassen Sie einander nicht allein.

„Denkt an die Dinge, für die ihr dankbar sein könnt!“ Was Sie dem Vater, dem Ehemann, dem Verwandten, dem Freund an Liebe schenken konnten, das geht nicht verloren, und ebenso wenig das, was Sie ihm verdanken, womit er Sie geprägt hat.

Außerdem höre ich den Engel sagen: „Ich begleite den Mann, den ihr geliebt hat, an einen Ort, den Gott bestimmt hat.“ Wie es dort aussieht, weiß keiner, aber da Gott die Liebe ist, wird es schöner sein, als wir uns ausmalen können. So können Sie Herrn Z. getrost loslassen. Gott nimmt ihn in der Ewigkeit in seine Liebe auf. Amen.

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