Ein Mensch, der in sich ruht – voller Energie

Trauerfeier für eine alte Frau, die in sich geruht hat und gerade deshalb voller Energie und Lebensfreude war und alle Schicksalsschläge bewältigen konnte.

Eine Frau, die in sich ruht: Statue einer älteren Frau mit Brille und Stirnfalten, die mit scharfen Augen schaut und lächelt

Statue einer älteren Frau voller Einsatzfreude (Bild: LisetteBrodey – pixabay.com)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Liebe Trauerversammlung, wir sind hierher gekommen, um Abschied zu nehmen von Frau U., die mit [über 80] Jahren gestorben ist.

Wir denken gemeinsam an ihr Leben, wir begleiten einander auf dem Weg des Abschieds, und wir besinnen uns angesichts des Todes auf Worte Gottes, die trösten und zum Leben helfen.

Ein Lebensweg ist wie eine Wallfahrt vom Eintritt in dieses Leben bis zum Übergang in die andere Welt Gottes. Darum lasst uns beten mit einem alten Wallfahrtslied aus der Bibel, Psalm 121:

1 Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?

2 Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.

3 Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht.

4 Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht.

5 Der HERR behütet dich; der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand,

6 dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts.

7 Der HERR behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele.

8 Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!

Liebe Trauerversammlung, liebe Angehörige der Verstorbenen!

Wenn wir zurückdenken an das Leben von Frau U., dann steht uns ein erfülltes Leben vor Augen. Ein Mensch, der in sich ruht, und doch voller Energie. Eine Frau, die meinem Urbild einer gütigen Großmutter entspricht, und sich zugleich bis ins hohe Alter jungmädchenhaften Charme bewahrt hat.

Es ist ein Leben voller Geschichten, und man könnte stundenlang von ihr erzählen. Heute kann ich nur einen Bruchteil der Erinnerungen ins Gedächtnis rufen, die sich für jeden von uns in anderer Weise mit Frau U. verbinden.

Erinnerungen an das Leben der Verstorbenen

Trotz aller Schicksalsschläge verlor sie nie ihren Lebensmut und ihren Humor. Als ich sie zum letzten Mal im Krankenhaus gesehen habe, war zufällig gerade unser Sohn im medizinischen Pflegepraktikum auf ihrer Station tätig, und sie vertraute mir an, wie gern sie sich von so netten jungen Männern umsorgen ließ. Da war trotz ihres hohen Alters doch immer noch das charmante junge Mädchen mit den blitzenden Augen in ihr lebendig.

Sie hatte auch ein gutes Verhältnis zu „ihren“ Studenten, die bei ihr zur Untermiete wohnten. In einem Fall setzte sie sich sogar dafür ein, dass ein von seinen Eltern zum Studium gedrängter und völlig überforderter junger Mann einen für ihn passenderen Beruf erlernen durfte.

Oft musste sie in ihrem Leben Hartnäckigkeit beweisen und auch ihren Charme einsetzen, um überleben zu können und die Familie durchzubringen; diese Charaktermerkmale blieben ihr bis zuletzt erhalten. Sie verstand es immer, Hilfe zu bekommen, wenn zum Beispiel etwas im Haus zu reparieren war. Oder wenn der Garten in Ordnung gebracht werden musste und sie es selbst nicht mehr konnte.

Nur gegen das Leiden in den letzten Wochen vor ihrem Tod konnte sie mit aller Willenskraft nichts mehr ausrichten; doch dann wurde es ihr geschenkt, dass sie friedlich im Schlaf sterben konnte.

Sie war sowieso schon längere Zeit bereit gewesen zu sterben. „Ich habe genug gelebt, nun kann Gott mich zu zu sich nehmen“, meinte sie. Alt und lebenssatt, so nennt man das in der Bibel.

Wir nehmen Abschied von einem Menschen, der in sich geruht hat, und doch voller Energie war. Das sagte ich am Anfang.

Zum Schluss frage ich, woher nimmt das ein Mensch, dieses In-Sich-Ruhen, diese Kraft der Zufriedenheit, diese hartnäckige Zuversicht, dass alles gelingen, alles gut werden muss?

Frau U. hatte einen ganz schlichten Glauben: „Der liebe Gott macht das schon, ich bin in seinen Händen.“ Vielleicht liegt darin das Geheimnis ihres Lebens. Sie war getragen, sie blieb behütet, sie erfuhr Bewahrung. Die Wurzel zu diesem Urvertrauen legten sicher ihre Eltern, und sie erhielt es aufrecht, durch schwerste Herausforderungen hindurch.

Sie wusste ganz einfach: Gott ist da. Und wenn ich sterbe, ist er auch da, wo ich hinkomme. Ein Psalm drückt diese Lebenshaltung sehr schön aus (Psalm 4, 9):

Ich liege und schlafe ganz mit Frieden; denn allein du, HERR, hilfst mir, dass ich sicher wohne.

Das ist die Quelle einer Zuversicht, die nicht von den Zufälligkeiten des Schicksals abhängt, sondern tragfähig bleibt in allem, was uns widerfährt. Sicher wohnen – in behüteter Kindheit und im Bombenkeller, in Abenteuerlust und Familienglück, in Trauer um den Mann und in Freude über Enkel und Urenkel. Mehr Sicherheit gibt es nicht auf der Erde als die getroste Geborgenheit im Vertrauen auf Gott.

Zum Schluss liegt sie und schläft ganz mit Frieden – schläft hinüber in den anderen Frieden hinein, den Gott uns schenken wird.

Wir erinnern uns in Liebe und Dankbarkeit an sie. Alles, was schwer war, und alles, was uns belastet hat, muss uns nicht mehr bedrücken. Wir können Frau U. getrost loslassen, denn sie bleibt geborgen in Gottes Liebe. Amen.

Wir beten mit Worten aus dem Lied 369:

1. Wer nur den lieben Gott lässt walten und hoffet auf ihn allezeit, den wird er wunderbar erhalten in aller Not und Traurigkeit. Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, der hat auf keinen Sand gebaut.

Allmächtiger und barmherziger Gott, wir danken dir für alles, was das Leben von Frau U. erfüllt hat, und für alles, was uns mit ihrem Leben geschenkt war.

Wir werfen alle unsere Sorgen auf dich, alles, was zwischen uns steht, alles, was unser Herz schwer macht. Mache unser Herz zuversichtlich, so wie sich die Verstorbene in ihrem Leben getragen und geborgen gefühlt hat. Schenke uns, so wie du es ihr geschenkt hast, dann, wenn du es bestimmst, ein seliges Sterben und das ewige Leben. Amen.

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