Buchbesprechung: „Die Entdeckung der Urmatrix“

Ein über 1000seitiges Werk über Bibel und Kabbala, Alchimie und Hermetik, altägyptische Weisheit und Medizingeschichte versucht den Nachweis zu erbringen, dass es einen Bibelcode gibt, der Jahrtausende alte gentechnologische Erkenntnisse und Verfahren verschlüsselt, mit denen schon bald menschliche Organe geklont und menschliches Leben in erheblichem Ausmaß verlängert werden kann. Nichts davon ist beweisbar – trotzdem hat mich die Lektüre fasziniert!

Das Bild zeigt Adam und Eva, wie sie von einer Maschine erschaffen werden (Illustration zur Buchbesprechung "Urmatrix")

Sind Adam und Eva von Außerirdischen künstlich erschaffen worden? (Bild: Erik HowlePixabay)

Auf allen drei Bänden stehen die Namen der Autoren Dieter Vogl und Nicolas Benzin. Durch einen persönlichen Mail-Kontakt mit Nicolas Benzin weiß ich jedoch, dass die Hauptverantwortung für das gesamte Werk und die alleinige Verantwortung für Band III Dieter Vogl trägt. Zur Klärung dieses Sachverhalts hat mir Nicolas Benzin einen Text zur Verfügung gestellt, den ich meiner Buchbesprechung als Vorwort voranstelle.

Inhaltsverzeichnis

Ein klärendes Vorwort von Nicolas Benzin

Einführung in ein monumentales Werk

Was verstehen Sie eigentlich unter „Urmatrix“?

Was verstehen Sie unter den ÄLoHIM?

Warum habe ich das Buch von vorne bis hinten gelesen?

Eine Reihe nerviger Äußerlichkeiten

Band I: Auf der Spur der Schöpfungsformel

Walter-Jörg Langbeins Vorwort zur angewandten Paläo-SETI-Forschung

Dieter Vogls Patentschrift beim Europäischen Patentamt München

Das Alte Testament als jüdischer TeNaK

Zur deutschen Umschrift hebräischer Wörter

I. Kapitel: Das Buch der Bücher

Ist in der Bibel ein geheimer Code hinterlegt? (I)

Zur DaBhaR-Bibelübersetzung von F. H. Baader

Hebräisch als heilige Sprache eines heiligen Textes

„Ultramontane“ Unterdrückung des Geheimwissens der Bibel

Verfälschung des biblischen Urtextes durch Übersetzungen (I)

Ist in der Bibel ein geheimer Code hinterlegt? (II)

Wie entstand die Bibel? (Erster Anlauf)

Verfälschung des biblischen Urtextes durch Übersetzungen (II)

War die samaritanische Tora die ursprüngliche Tora? (I)

Hat schon das Urchristentum heilige Texte unterschlagen?

Verfälschung des biblischen Urtextes durch Übersetzungen (III)

Das Neue Testament als Betrug an der Tora

Lob der hebräischen Tora und Kritik an der griechischen Septuaginta

Wie verhalten sich Tora, TeNaK und Kabbala zueinander?

Verfälschung des biblischen Urtextes durch Übersetzungen (IV)

Das Alte Testament als Testament der ÄLoHIM

Wie entstand die Bibel? (Zweiter Anlauf)

Verfälschung des biblischen Urtextes durch Übersetzungen (V)

Ist Mose der Verfasser der Tora? (Vorgeschmack)

Verfälschung des biblischen Urtextes durch Übersetzungen (VI)

Ist in der Bibel ein geheimer Code hinterlegt? (III)

Verfälschung des biblischen Urtextes durch Übersetzungen (VII)

Ist Mose der Verfasser der Tora? (Versuch eines Beweises)

Ist in der Bibel ein geheimer Code hinterlegt? (IV)

II. Kapitel: Die Kabbala

Wie entstand die Bibel? (Dritter Anlauf)

Ist in der Bibel ein geheimer Code hinterlegt? (V)

Was ist überhaupt die Kabbala?

Ablehnung der Kabbala und Verfolgung der Kabbalisten

Spirituelles Missverständnis der Kabbala

Kabbalistische Sprache, Symbolik und Schrift

Ursprung der Kabbala

Die Kabbala in der Renaissance

Der mathematische Aspekt der Kabbala

Was ist unter GiNaT zu verstehen? (Erklärungsversuch 1)

Von der „roten Rasse“ Edoms bis zum „christlichen“ Osiris-Kult

Kritik am Gedanken der Reinkarnation (I)

Was ist unter GiNaT zu verstehen? (Erklärungsversuch 2)

Was ist unter GiNaT zu verstehen? (Erklärungsversuch 3)

Was ist unter GiNaT zu verstehen? (Erklärung nach Wikipedia)

Zur gematrischen Analyse des Namens ADaM

Ist in der Bibel ein geheimer Code hinterlegt? (VI)

Was ist unter GiNaT zu verstehen? (Erklärungsversuch 4)

Zur Analyse der Kreuzesinschrift INRI nach dem Notarikon

Kommt Maimonides (1135-1204) bereits in der Tora vor?

III. Kapitel: Methoden der Schriftauslegung

Verfälschung des biblischen Urtextes durch Übersetzungen (VIII)

Biblische Hermeneutik und die „Sieben Töchter Evas“

Sechs Fehler der Exegeten und Paläo-SETI-Forscher

Eigentlich sollte, wer Exegese betreibt, Hebräisch können…

Exegese als historische und biologische Forschung

Allegorese als Methode zur Aufspürung geheimen Wissens

Verfälschung des biblischen Urtextes durch Übersetzungen (IX)

Zur allegorischen Auslegung des Hohenliedes

Zur allegorischen Auslegung der Weisheit Salomos

Zur allegorischen Auslegung des 4. Makkabäer-Buches

Zu den allegorischen Methoden der Stoiker

Zur allegorischen Auslegung der Schöpfungsgeschichte durch Aristobul

Die Werkzeuge eines Bibelauslegers

Band II: Die Ureinheit aller Dinge

Peter Fiebags Erinnerung an die spirituelle Ebene der Alchimie

Kabbala, Alchimie und Hermetik als Schlüssel des Bibelcodes

I. Kapitel: Die Alchimie im Allgemeinen

Die sieben Säulen der Alchimie (I)

Wie alt ist das „Corpus Hermeticum“?

Die sieben Säulen der Alchimie (II)

Die Alchimie als Naturwissenschaft

Kloning als Ziel der Alchimie (I)

Wie kamen Alchimie und Medizin nach Europa?

Die alchimistische Transmutation – eine Kernumwandlung?

Das alchimistische „Große Werk“ – Auferstehung durch Kloning?

Kritik am Gedanken der Reinkarnation (II)

Die Schöpfung und das „Große Werk“: Terraforming und Kloning

Kritik am Gedanken der Reinkarnation (III)

Vernetzte Fachgebiete: Alchimie und Kabbala – Biologie und Chemie

Wann wurde die Alchimie durch die Chemie abgelöst?

II. Kapitel: Die Spagyrik

Waren Alchimisten auf der Spur der Telomere?

Die biologische Grenze der Lebenserwartung

Der Begriff „Rebis“ – genwissenschaftlich interpretiert

„Alkahest“ als Lösungsmittel zur Zerlegung des genetischen Codes

Alchimistische Denaturierung von DNS durch Feuer, Wärme und Licht

Kloning als Ziel der Alchimie (II)

„Alkohol“ als alchimistisches Lösungsmittel zur DNS-Selektion

Alchimistische Palingenesie und moderne Molekularbiologie

III. Kapitel: Spagyrische Rezepturen

IV. Kapitel: Die Lehre des Hermes Trismegistos (Hermetik)

Alle Dinge gehen aus der Eins hervor

Kloning als Ziel der Alchimie (III)

Erster Blick auf die Smaragdtafel und die „Goldene Kette“

Entstehung und Weitergabe von Information im Makro- und Mikrokosmos

Zweiter Blick auf die Smaragdtafel und ihre Herkunft

Der Stab des Hermes – genwissenschaftlich interpretiert

V. Kapitel: Die altägyptischen Quellen

Schrift und Sprache im alten Ägypten und seinem Umfeld

Totenliteratur, Sargtexte und Weisheitsliteratur

VI. Kapitel: Ägyptische Papyri

Uraltes Wissen der altägyptischen medizinischen Papyri (I)

Die Ägyptologie und die Prä-Astronautik als Wissenschaft

Uraltes Wissen der altägyptischen medizinischen Papyri (II)

Uraltes Wissen der altägyptischen medizinischen Papyri (III)

Unglaubliches im „Papyrus Westcar“ – Kopftransplantationen (I)

Kloning im alten Ägypten (I) – der „Papyrus des Chonsumes“

Kloning in der Bibel (I) – die Erschaffung der Männin

Kloning im alten Ägypten (II) – die Pyramiden von Gizeh

Uraltes Wissen der altägyptischen medizinischen Papyri (IV)

Das alte Ägypten, die Hermetik und die Alchimie

VII. Kapitel: Die Medizin der alten Ägypter

Außerirdischer Ursprung des ärztlichen Wissens der alten Ägypter

War Imhotep der Begründer der Medizin?

Chirurgie, Anästhesie und Empfängnisverhütung

Frauengesundheit und Zahntechnik

Pharmakologie und Kosmetik

Der Isisknoten als Tampon oder als Instrument zum Klonen?

VIII. Kapitel: Der Osiris- oder Sonnenkult

Die Ra-Glyphe – der eingekreiste Punkt – als Symbol der Zelle?

Der Skarabäus: Hat der „Werdende“ etwas mit JHWH zu tun?

Kloning im alten Ägypten (III) – das Mundöffnungsritual

Die Ka-Glyphe – Symbol der Erbsubstanz in jeder Zelle?

Osiris als Kulturbringer für Syrer und Ägypter vor 17 500 Jahren

Totenkult, Mumifizierung und Hirnrekonstruktion

Kloning im alten Ägypten (IV) – die Wiederholung einiger Themenkomplexe

Band III: Der Baum des Lebens

Peter Krassa legt Schöpfungsmythen aus: Maya – Sumerer – Bibel

Gentechnik im Spannungsfeld ethischer Probleme

Kloning in der Bibel (II) – der Baum des Lebens

I. Kapitel: Anatomische Gesichtspunkte

Anatomie-Wissen des Tobias Kohen – altes Priesterwissen der Hebräer? (I)

War die samaritanische Tora die ursprüngliche Tora? (II)

Entmachtung der Erstgeborenen Israels durch levitische Priester?

Kloning in der Bibel (III) – Die Blutmagie des „Goldenen Kalbes“

Anatomie-Wissen des Tobias Kohen – altes Priesterwissen der Hebräer? (II)

II. Kapitel: Historische Gesichtspunkte

Zur Geschichte der anatomischen Forschung von Aristoteles bis Vesal

Anatomie-Wissen des Tobias Kohen – altes Priesterwissen der Hebräer? (III)

III. Kapitel: Anatomische Besonderheiten

Die Sammlung Linck, die Sammlung Ruysch und Zar Peter der Große

Hat man siamesische Zwillinge künstlich erschaffen?

Kannte man in der Renaissance perfekteres Tissue Engineering als heute?

IV. Kapitel: Historische Chirurgie

V. Kapitel: Historische Betäubungen

VI. Kapitel: Historische Transplantationen

Steckt Wahrheit in Mythen wie von Ganesha? – Kopftransplantationen (II)

Erste dokumentierte Bein-Transplantation durch Kosmas und Damianus?

VII. Kapitel: Historisches Klonen

VIII. Kapitel: Das menschliche Alter

IX. Kapitel: 1. Mose 1:26

Verfälschung des biblischen Urtextes durch Übersetzungen (X)

Das Wort DöMUTh als „Ähnlichkeit“

Das Wort DöMUTh als „Gleichheit“

Das Wort DöMUTh als „Gleichnis“

Bedeutet das Wort TsäLäM mehr als nur „Bild“?

Haben die ÄLoHIM nur die Bleichgesichter erschaffen?

Hat TsäLäM = „Schattenbild“ etwas mit geklonten „Zellen“ zu tun?

Ist ADaM eine identische Kopie des ÄLoHIM in verschiedenen Rassen?

X. Kapitel: 1. Mose 2:7

Kann ein „zusammengesetztes System“ durch Zufall entstehen?

Sind die Menschen als primitive „Form“ der ÄLoHIM geschaffen?

ADaM bedeutet „Roter“, „Erdgleicher“, „Irdischer“ – nicht „Mensch“?

Kommt ADaM vom Mars oder heißt ADaMaH „gerötetes Erdland“?

Ist ADaM wegen des Wortes DaM = Blut mit den ÄLoHIM blutsverwandt?

Die Menschheit als Erbe der Raumfahrt betreibenden ÄLoHIM

XI. Kapitel: Der Jahwe-Kult

Darf man nach dem Ursprung der Götter – auch von JHWH – fragen?

Das Wort JHWH als multisemantischer Begriff

Ist JHWH als Ureinheit aller Dinge mit der Zelle eines Menschen identisch?

Ist JHWH der Name Gottes oder ein Begriff für das Werden von Leben?

Gingen alle höheren Lebensformen des Universums aus JHWH hervor?

War JaHWäH ein niederer Befehlsempfänger der ÄLoHIM?

Ist JöHoWaH das „allgebiets Fortdauernde“ und „durch Dynamik Werdende“?

Ist JHWH ein Symbol für A, C, T und G, die vier Basen der DNA?

Ist JHWH ein Symbol für die Binärsprache und für ein Computerprogramm?

Ist JH JHWH ein Symbol für die Verschlüsselung der DNS und das Leben?

Ist JHWH ein Symbol für H, C, O und N sowie für das Zytoplasma?

Ist JHWH ein Symbol für vier Geschlechter?

Ist in der Bibel ein geheimer Code hinterlegt (VII) – JHWH als unzerstörbare Bibliothek?

Was bedeutet JHWH für Erkenntnistheorie, Metamathematik, Aussage-Logik?

Der Wortlaut einer (genialen?) Patentschrift im Nachwort

Anmerkungen

Ein klärendes Vorwort von Nicolas Benzin

Sehr geehrter Herr Schütz!

Im Jahr 2000 versorgte ich den in Italien lebenden Informatiker Dieter Vogl von Zeit zu Zeit mit deutschsprachiger Literatur, die damals noch nicht so einfach über das Internet zu beziehen war, wie heute. Darunter befanden sich auch Bücher der englischen Renaissance-Historikerin Frances A. Yates über den italienischen Naturphilosophen Giordano Bruno. Unter anderem Graphiken aus Brunos Werken führten Dieter Vogl nach jahrzehntelangen Studien der jüdischen Geheimlehre Kabbala dazu, nunmehr zu erkennen, was es mit den von den Kabbalisten dargelegten Korrelationen zwischen den hebräischen Buchstaben als Zahlenwerten und menschlichen Körperteilen für eine Bewandtnis hat.

Ich wurde nun kurzfristig für eine Woche nach Italien gebeten, um in diese Entdeckung eingeweiht zu werden. Es stellte sich heraus, dass die insbesondere in dem Buch Sefer Jezira enthaltenen Korrelationen unter Einbeziehung der um das Jahr 2000 neu aufgekommenen Methoden der Biotechnologie dazu dienen könnten, menschliche Organe zu „rekonstruieren“ (einfach gesagt: sie mit allen notwendigen Blut-, Lymph- und Nervenbahnen in vitro in Form und Funktion nachwachsen zu lassen).

Die einschlägigen Unterlagen, Gesetze und Verordungen für eine Patentanmeldung beim Europäischen Patent- und Markenamt (EPMA) lagen bereits im Hotel auf dem Tisch. Zusammen haben wir in dreitägiger Arbeit eine Patentschrift entworfen, die dann – ich glaube es war im Juni 2000 – durch einen Fachanwalt für Patentrecht beim EPMA eingereicht wurde. Die Anmeldung mit einer Eingangsbetätigung des EPMA und die Anwaltsrechnung habe ich in der Hand gehabt. Was weiter aus der Patentanmeldung geworden ist, weiß ich leider nicht. Für die Patentverwertung wurde von Dieter Vogls Schwiegersohn bei Stuttgart die ChromoTec GmbH gegründet (*). Diese Firma sollte über Patent-Lizenzierungsverträge die weltweite Vermarktung des genetischen Verfahrens zur Rekonstruktion menschlicher Organe wahrnehmen. Die Erträge sollten zum Wohle der Menschheit eingesetzt werden. Ein Gremium von sieben Erhaltern des Werkes (m/w) sollte im Rahmen eines begünstigten gemeinnützigen Vereins darüber wachen und die weitere Forschung vorantreiben.

Der damaligen Firma BioTissues Technologies AG, einer Art Ausgründung der Uni Freiburg/Br., war es gerade gelungen, ein menschliches Ohr in einer künstlichen Matrix nachwachsen zu lassen (und weitere Patente wie z. B. flüssige Eigenhaut für offene Diabetiker-Beine oderin vitro nachwachsende Knorpel anzumelden). Erst im Jahr 2008 sollten dann ganze Organe nachgezüchtet werden können, immer in einer künstlichen Matrix. Die offentlich-rechtlichen Fernsehsender überschlugen sich in enger Taktung mit Dokumentationen und Talkrunden zu diesem Thema, heute kann sich kaum jemand an diesen Hype erinnern. Nach dem von der Firma ChromoTec GmbH zum Patent angemeldeten Verfahren soll eben keine Matrix mehr für das Nachwachsen menschlicher Organe in Form  u n d  Funktion erforderlich sein, darum wurde das Projekt „Urmatrix“ getauft.

Während wir durch die Straßen von Marina die Massa wanderten, war uns bewusst, dass wir uns mit dem Projekt entweder enorm lächerlich machen oder es zur Weltsensation geraten könnte. Das mögliche Ergebnis sollte es uns aber wert sein.

Da nach Ansicht von Dieter Vogl das kabbalistische Wissen nicht vom Himmel gefallen, sondern von den Älohim (einer extraterrestrischen Intelligenz) an die Weisen des Volkes Israel übermittelt worden ist, wäre die Existenz eines in den kabbalistischen Schriften überlieferten Wissens auch ein Beweis für die sogenannte Paläo-SETI-Hypothese, die den Besuch extraterrestrischer Wesen auf dem Planeten Erde samt genetischer Eingriffe am Urmenschen (mindestens im Tier-Mensch-Übergangsfeld) postuliert. Das neu entdeckte Verfahren bedürfe also der Rückkoppelung mit der materiell-technisch orientierten Paläo-SETI, ohne „spirituelle“, archetypische oder ähnlich gelagerte Interpretationsmethoden heranzuziehen. Dies alles müsse umfassend auch schriftlich dargelegt werden.

Da mir im Rahmen des Paradigmas der Paläo-SETI dies alles schlüssig erschien, habe ich mich bereiterklärt, den enormen Ideenfluss von Dieter Vogl mit ihm zu diskutieren und die von ihm gelieferten Texte zu lektorieren. Von den kritisierten Stellen aus den Bänden I und II habe ich nichts geschrieben und auch keinen dieser Gedanken selbst entwickelt und beigesteuert. Da ich die einzelnen Abschnitte jedoch bunt gemischt „häppchenweise“ vor der Zusammenstellung und Veröffentlichung zum Lesen, zur Diskussion mit Dieter Vogl am Telefon und Groblektorat erhalten habe, muss ich mir diese auch zurechnen lassen. An der Entstehung von Band III war ich gar nicht beteiligt und hatte Dieter Vogl per E-Mail mitgeteilt, dass dieser Band nicht unter meinem Namen erscheinen kann. Vom Verleger Gerd E. König habe ich einige Wochen nach dem Erscheinen ein Freiexemplar erhalten. Am wirtschaftlichen Erfolg der Trilogie bin ich ebensowenig beteiligt, wie ich einen Vertrag mit dem Verlag habe (was auch nicht meine Absicht gewesen ist).

Meine Hauptaufgabe war es, Sätze, die in den einzelnen Manuskript-Abschnitten über eine dreiviertel Seite gehen, zumindest ein wenig lesbarer aufzuspalten. Alle Teile bestanden fortwährend aus Schachtelsätzen, die kaum verständlich sind, für jemanden, der nicht in der Materie steckt. Ich glaube, im Band I der Urmatrix ist mir dies noch einigermaßen gelungen, bei Band II war es so, dass ich irgendwann durch die ständigen Umformulierungen und neuen Ideenreichtum von Dieter Vogl das Gefühl hatte, vieles schon einmal gelesen zu haben. Da ich die einzelnen Abschnitte nicht selbst zu einem Gesamtmanuskript zusammengesetzt habe, sondern die korrigierten Abschnitte immer gleich wieder zurückgeschickt habe, sind mir die Inkohärenzen erst aufgefallen, als ich – ja, natürlich auch ein wenig stolz – das fertige Buch in der Hand hatte.

Zum Gesamtwerk habe ich etwas über die Geschichte der Mikroskopie in der frühen Neuzeit und die Befassung jüdischer Gelehrter mit dem Sefer Jezira textlich beigetragen. Dabei handelt es sich jedoch weniger um originelle Thesen, sondern um rein wissenschafts- bzw. geistesgeschichtliche Darstellungen. Ich kann die Passagen jetzt nicht auf Anhieb benennen.

Die Schlussfolgerungen zur Medizin im alten Ägypten in Band II würde ich heute so in großen Teilen (als Beispiel nur der „Ovarienbaum“) auch nicht mehr vertreten können, nachdem ich mich selbst mit der einschlägigen Fachliteratur (dt., engl., frz.) der letzten 120 Jahre ausgiebig befasst habe.

Über die Methode der Induktion haben Dieter Vogl und ich wiederholt unterschiedliche Auffassungen gehabt, da ich ihm immer wieder die einschlägigen Forderungen nach einer Deduktionsmethode von Hume bis Popper dargelegt habe. Andere Vertreter der Paläo-SETI-Hypothese hatten zu dieser Zeit offensichtlich gerade Popper entdeckt, wie Luc Bürgin (dezidiert mit Namensnennung in einem Buch) und Walter-Jörg Langbein (der Methode des kritischen Rationalismus von Popper in einem Buch folgend), der auch ein Vorwort zur Urmatrix beigesteuert hat. Bei Dieter Vogl als entschiedenem Anti-Popperianer konnte ich mir damals aber kein Gehör verschaffen. Nun ja, einer muss bei einem solchen Mammutprojekt das Heft in der Hand haben und einen einheitlichen Stil gewährleisten. Wer das ebenfalls einer Kritik unterzogene thematisch verwandte Buch „Giordano Bruno und die okkulte Philosophie der Renaissance“ von mir liest (hier allerdings ohne Bezug zur Paläo-SETI, obwohl es ursprünglich Teil der Urmatrix-Trilogie werden sollte), sieht zumindest den stilistischen Unterschied.

Die Korrelationen zwischen „Himmel und Erde“ der Hermetik und die Zielgerichtetheit von Alchimie und Kabbala (im Sefer Jezira und Sefer ha Bahir) hin auf die „Wissenschaft vom Leben“ stehen für mich weiterhin außer Zweifel. Über das „Wer“, „Wann“ und „Warum“ dieser Überlieferungsketten lässt sich allerdings streiten.

Nicolas Benzin

 Einführung in ein monumentales Werk

Sehr geehrter Herr Vogl, sehr geehrter Herr Benzin!

In drei Bänden entfalten Sie ihre „Entdeckung der Urmatrix“ mit dem Untertitel: „Die genetische Rekonstruktion menschlicher Organe“:

Band I: „Auf der Spur der Schöpfungsformel“
Band II: „Die Ureinheit aller Dinge“
Band III: „Der Baum des Lebens“

Da aus dem Text nicht hervorgeht, wer von Ihnen welche Kapitel oder Abschnitte des Buches formuliert hat bzw. für Endredaktion, Layout und Lektorat gesorgt hat, mag sich der jeweils Verantwortliche angesprochen fühlen. Nach dem, was Sie, Herr Benzin, im Vorwort dargelegt haben, gehe ich davon aus, dass ich als Hauptansprechpartner allerdings Sie, Herrn Vogl, mit meinen kritischen Bemerkungen zu adressieren habe.

Zitatbelege mit römischer Zahl I, II oder III und Seitenangabe beziehen sich auf die in meinem Text jeweils folgenden Zitate aus einem der drei vorliegenden Bände. Ausführliche Zitate aus Ihrem Buch sind jeweils blau hinterlegt.

 Was verstehen Sie eigentlich unter „Urmatrix“?

Über 1000 Seiten umfasst das Buch „Die Entdeckung der Urmatrix“, und nach der Lektüre weiß ich immer noch nicht genau, was Sie mit dem Wort „Urmatrix“ letztlich genau meinen. Denn es kommt gar nicht so oft vor. Außer in Überschriften oder Verweisen auf andere Bände ist es im ersten Band an genau zwei Stellen zu finden, im zweiten Band überhaupt nicht und im dritten Band an vier Stellen.

Zum ersten Mal benutzen Sie es auf Seite I,23:

„Denn wie im Innersten jeder menschlichen Zelle 23 Chromosomenpaare die Urmatrix des Lebens bilden und diese durch Kombinatorik die Urschrift des Lebens bilden, so bilden im Äußeren die 22 + 4 Schriftzeichen des hebräischen Alphabets die archetypische Potenz und Reihenfolge jeder Art von biologischer Entwicklung.“

Das würde bedeuten, dass die Urmatrix des Lebens aus den Chromosomen der menschlichen Zellen besteht. Inwiefern gerade 22+4 hebräische Schriftzeichen dazu eine Analogie bilden sollen und nicht etwa 22+1, bleibt ebenso unklar wie diese hinzugefügten 4 Schriftzeichen selbst, denn das hebräische Alphabet besteht nur aus 22 Konsonanten.

Weiterhin hat die Urmatrix „mit Zeugung, Werden und Geburt zu tun“. Das geht aus der zweiten und dritten Erwähnung des Wortes auf Seite I,266 im Zusammenhang mit der allegorischen Deutung des Hohenlieds der Bibel hervor:

„Um was geht es in diesem biblischen Werk und warum nehmen wir es, im Zusammenhang mit der Entdeckung der Urmatrix, als Beispiel.

Nun die Entdeckung der Urmatrix hat mit Zeugung, Werden und Geburt zu tun, denn nur in diesem Zusammenhang sind die Texte des TeNaK, die ihrerseits mit den Genen und über diese mit den Chromosomen auf das Engste verknüpft sind, zu verstehen. Das Hohelied, welches auch als das Lied der Lieder bezeichnet wird, ist eine Folge von Gedichten, die sich ausschließlich mit der Liebe zwischen Frau und Mann befassen.“

In der Einleitung des dritten Bandes heißt es (III,18):

„Die fünf Bücher Moses, die die jüdische Torah bilden, bestehen aus einem originär in hebräischen Konsonanten abgefassten Text. Dieser Text berichtet auf der exoterischen Ebene über die Geschichte der Entwicklung des Universums, der Erde, der frühen Menschheit und dem Werdegang des jüdischen Volkes.

Auf der esoterischen Ebene der Konsonantenschrift versuchen nun die Kabbalisten die wahren Geheimnisse des Universums und der Schöpfung sowie die Zielgebung des Menschen zu ergründen. Die Entschlüsselung dieser Urmatrix wird die Biowissenschaften revolutionieren.“

Hier wird die Urmatrix mit einem Code gleichgesetzt, der Ihnen zufolge im Text der jüdischen TORaH verschlüsselt wurde.

Und (so III,30) „nur durch die Entdeckung der Urmatrix“ konnten Sie „beim Europäischen Patent- und Markenamt zwei Hauptpatente mit 40 Nebenpatenten … für die genetische Rekonstruktion von menschlichen Organen“ anmelden, denn die hebräische TORaH

„nimmt in allen ihren Teilen vorweg, was die Angehörigen der weltweit forschenden Wissenschaftlerteams herausfanden, als sie das Erbgut des Menschen und damit die Handschrift JHWHs entschlüsselten.“

Auf Seite III,270 schließlich bringen Sie die Urmatrix mit dem hebräischen Gottesnamen JHWH in Verbindung, denn ohne die eingehende Auseinandersetzung „mit dem hebräischen Gottesbegriff“ hätten Sie

„niemals die biologischen, chemischen, physikalischen und mathematischen Zusammenhänge in ihrer gesamten Tragweite erkannt, die sich hinter den vermeintlichen Gottes Namen verbergen. Zumindest hätten wir nicht begriffen, dass sich im Gottesnamen JHWH, durch die Vereinigung von Buchstabe, Zahl und Symbol, uns erst die Urmatrix, die Basis des Lebens erschließt.“

Auf Seite III,289f. schließlich halten Sie es für möglich,

„dass die höchsten Lebensformen im Universum nach einem gemeinsamen Prinzip aufgebaut sind, einen einheitlichen Genotypus haben und deshalb womöglich auf ein und dieselbe biologische Matrix – eine Art Urmatrix – zurückzuführen“

und

„dass alle höheren Lebensformen im Universum, insbesondere aus genotypischer Sicht, an diese Urmatrix gebunden sind…

Möglich wäre dies durchaus, denn der TORaH-Text weißt eindeutig darauf hin, dass die ÄLoHIM den Menschen nach ihrem Bild und in ihrer Gleichheit erschaffen.“

Weitere Beschreibungen, Erläuterungen oder gar eine grundlegende begriffliche Definition dieser Urmatrix, um deren Entdeckung es doch in Ihrem Werk gehen soll, sind in allen drei Bänden nirgends enthalten.

Erst durch Ihr für diese Buchbesprechung verfasstes Vorwort, lieber Herr Benzin, ist mir klar geworden, worauf sich dieses Wort tatsächlich bezieht, nämlich dass nach „dem von der Firma ChromoTec GmbH zum Patent angemeldeten Verfahren … eben keine Matrix mehr für das Nachwachsen menschlicher Organe in Form  u n d  Funktion erforderlich sein“ soll, ganze Organe vielmehr in einer Urmatrix nachwachsen sollen.

 Was verstehen Sie unter den ÄLoHIM?

Eben kam in einem Satz, den ich von Ihnen zitiert habe, das unübersetzte Wort ÄLoHIM aus der hebräischen Bibel vor, das für Sie sehr wichtig ist. Das Wort ist formal die Mehrzahl des Wortes ÄLOHa = „Gott“; es kann auch „Götter“ bedeuten, bezeichnet aber meistens (vor allem mit dem Artikel HaÄLoHIM, manchmal aber auch ohne Artikel) den Einen Gott Israels (wobei zugehörige Tätigkeitswörter und Beifügungen normalerweise in der Einzahl stehen). Das heißt: Das Wort ÄLoHIM in der Bibel ist mit „Gott“ oder „Götter“ zu übersetzen, je nachdem, ob ein einzelner Gott, speziell der Gott Israels, oder die Götter anderer Völker gemeint sind.

Sie sehen das vollkommen anders (I,110):

„Für uns sind die ÄLoHIM nichts anderes als die Vertreter einer außerirdischen Spezies, die den Auftrag erhielt, die irdische Schöpfung nach oberen Vorbildern durchzuführen.“

Von daher bestreiten Sie heftig die Behauptung der Theologen (III,226),

„dass die ÄLoHIM mit dem allmächtigen Gott der Juden und Christen identisch sind. Was unserer Ansicht nach keinesfalls zutreffen kann, weil vor allem die TORaH selbst diesem klerikalen Postulat recht heftig widerspricht.“

Ein solches klerikales Postulat wäre etwas, was christliche Geistliche gegen den Geist der hebräischen Bibel behaupten würden. Aber in diesem Punkt sind sich Milliarden Christen und Millionen Juden einig: Die Bibel beschreibt mit dem Wort ÄLoHIM tatsächlich den allmächtigen Gott.

Warum habe ich das Buch von vorne bis hinten gelesen?

  1. Es hat mich fasziniert, mit wie viel Enthusiasmus und Ausdauer Sie ihre in meinen Augen völlig abwegigen Theorien auf über 1000 Seiten zu belegen versuchen. Sie weisen immer wieder darauf hin, dass es bisher keine Beweise gibt, bestehen aber darauf, dass zahlreiche Indizien Ihre These so gut wie unangreifbar machen. Ja, allein die Aussicht, dass in naher Zukunft bisher undenkbare gentechnologische Manipulationen möglich sein könnten, beweist in Ihren Augen, dass bereits die Schöpfung der Menschheit mit den Mitteln der Gentechnologie vollzogen worden sein muss. Neugierig war ich, welche Indizien Sie dafür denn nun tatsächlich anführen würden.
  2. Ein gewisses schriftstellerisches Geschick muss ich Ihnen zubilligen. Sie unterteilen ihr Gesamtwerk in drei Bände, die jeweils bestimmte zum Verständnis ihrer Gesamtthese notwendigen Themenschwerpunkte behandeln (Bibel und Kabbala / Alchimie und altägyptische Quellen / Anatomie und Geschichte der Medizin), bis Sie am Ende des dritten Bandes auf die Bibelexegese zurückkommen und das für ihre These zentrale JHWH-Symbol entfalten. Jedes Kapitel enthält wiederum kurze Unterkapitel mit meist nur wenigen Seiten und überschaubaren Spannungsbögen, die in einer in der Regel (allerdings vor allem in Band III nicht immer) leicht lesbaren Weise geschrieben sind. Geht es um schwierige fachwissenschaftliche Themen, so erwecken Sie den Eindruck, auch dem Laien das Wesentliche rasch erklären zu können.
  3. Der wichtigste Grund, warum ich das Buch bis zum Ende gelesen habe, ist aber folgender: Offenbar gibt es Menschen, die Ihre Thesen nachvollziehbar finden. Natürlich ist mir bewusst, dass ich hartgesottene Vertreter der Paläo-SETI-Forschung nicht von der Irrigkeit ihrer Annahmen überzeugen kann. Aber es mag auch Menschen geben, die denken: Wenn jemand so viel Energie in ein Projekt investiert wie Sie, dann muss doch etwas dran sein. Wenn Sie so gründlich Bibel und Kabbala, Alchemie und Hermetik, Ägyptologie und medizinische Geschichte studiert haben, dann spricht möglicherweise doch eine Menge dafür, dass man Ihre These nicht einfach in Bausch und Bogen zurückweisen sollte. Und deswegen wollte ich Ihre Argumente von vorn bis hinten ernstnehmen und so gründlich, wie es mir möglich ist, überprüfen.

Eine Reihe nerviger Äußerlichkeiten

Allerdings schicke ich vorweg, dass mich abgesehen vom Inhalt auch ein paar Äußerlichkeiten sehr genervt haben:

  1. Die sehr häufigen Wiederholungen mancher Ausführungen, wenn auch in vielfacher Abwandlung, insbesondere der mehrfachen wortwörtlichen Wiedergabe bestimmter Bibelzitate.
  2. Die ständigen Vor- und Rückverweise auf spätere oder frühere Stellen im vorliegenden Werk oder auch auf andere Bücher vor allem von Ihnen, Dieter Vogl. In manchen Fällen begründen Sie das damit, dass Ihnen im vorliegenden Buch nicht genügend Platz für wesentliche Erläuterungen zu Ihrer These zur Verfügung steht. Vielleicht hätten Sie stattdessen lieber manche Wiederholung weglassen sollen. Außerdem enthalten zahlreiche letzte Seiten von Unterkapiteln nur wenige Zeilen und ansonsten genügend weißen Raum für zusätzlichen Text.
  3. Die mangelnde Sorgfalt beim Korrekturlesen. Besonders der dritte Band enthält extrem viele orthographische Fehler sowie fehlende oder falsch gesetzte Kommata; es macht keinen guten Eindruck, auf jeder Seite durchschnittlich 2 Fehler vorzufinden (beispielsweise „ließt“, „fliest“ und „Gradwanderung“, „Hesoid“ statt „Hesiod“, Leonard Adelman“ statt „Adleman“, „das“ statt „dass“ und umgekehrt sowie viele weitere Flüchtigkeitsfehler). Falls also in Zitaten Fehler auffallen – sie stammen nur in den seltensten Fällen von mir.

Band I:
Auf der Spur der Schöpfungsformel

Drei Kapitel (siehe Inhaltsverzeichnis I,6-9) enthält der erste Band der Urmatrix. Im ersten geht es um die Bibel, das „Buch der Bücher“, insbesondere das Alte Testament, im zweiten um die „Kabbala“ als einer besonderen Art, mit der biblischen Überlieferung umzugehen, und im dritten nochmals um „Methoden der Schriftauslegung“, also den regelgerechten Umgangs mit den Texten der Bibel.

Walter-Jörg Langbeins Vorwort zur angewandten Paläo-SETI-Forschung

Das Vorwort des ersten Bandes hat der Theologe Walter-Jörg Langbein verfasst. Vom ersten Satz an macht er klar, was den Leser Ihrer Urmatrix-Trilogie erwartet: Es geht um (I,13) „angewandte Paläo-SETI“.

Da die Abkürzung nirgends im Buch erklärt wird, musste ich allerdings erst einmal googeln, was SETI eigentlich bedeutet: „Search for Extra-Terrestrial Intelligence“. Im Klartext: Sie sind überzeugt davon, dass vorzeitliche Besucher aus dem Weltall auf der Erde gewesen sind und so viele Spuren hinterlassen haben, dass man ihre Anwesenheit gar nicht leugnen kann. Zwar könne man heute noch nicht beantworten, mit welchen Mitteln sie die unüberbrückbar erscheinenden Distanzen zwischen den Sonnensystem des Alls zurückgelegt haben, aber das sei auch nicht notwendig, denn: sie waren nun einmal hier – weil sie ja (angeblich) viele Spuren hinterlassen haben. Und sie waren es auch, die den Menschen erschufen, und zwar (I,12) „durch einen gentechnischen Eingriff, als intelligentes Lebewesen“. Beweise dafür gibt es zwar noch nicht, aber, so Langbein (I,13): „Eines Tages wird der definitive Beweis gefunden werden.“

Nun könnte man sagen: Was soll‘s? Die einen glauben an Gott, die anderen an den Urknall, noch andere an vorzeitliche Besuche von Aliens auf der Erde. Mit der „Entdeckung der Urmatrix“ wollen Sie jedoch mehr als ein weltanschauliches Werk über die Entstehung der Menschheit und ihrer Zivilisation vorlegen: „Angewandte Paläo-SETI, das ist in die Praxis umgesetzte Theorie.“ Auf die gentechnologischen Erkenntnisse und Verfahren, mit denen die Außerirdischen vor Jahrtausenden die Menschheit als intelligente Spezies auf dieser Erde erschufen, können Paläo-SETI-Forscher heute zurückgreifen, um die heutige Gentechnologie weiterzuentwickeln und zu vervollkommnen, damit es schon bald möglich sein wird, menschliche Organe zu klonen und menschliches Leben in erheblichem Ausmaß zu verlängern. In diesem Sinne fordert Langbein (I,15) recht euphorisch dazu auf,

„das von Paläo-SETI-Forschern entdeckte Wissen heute [zu] nutzen.

Dann wird es möglich sein, Menschen zu helfen, die heute noch in Hoffnungslosigkeit versinken. Dann werden der Medizin Möglichkeiten offen stehen, die heute noch als sinnlose Fantastereien erscheinen müssen. Dann werden wir erleben, was für uns heute noch unmöglich erscheint. Paläo-SETI und Gentechnologie angewandt, können gemeinsam segensreich für den Menschen sein. Chancen bieten sich an. Nutzen wir sie! Hören wir nicht auf die Neinsager aus Prinzip! Sagen wir Ja!“

Hoffe ich auf Grund dieses Vorwortes tatsächlich auf Erkenntnisse, die die moderne Gentechnologie und Organverpflanzungsmedizin entscheidend voranbringen?

Definitiv nein, das gebe ich von vornherein zu. Allerdings habe ich trotzdem – siehe oben – die „Urmatrix“-Bücher mit einer Mischung aus Faszination und Kopfschütteln bis zum Schluss gelesen, weil ich einfach neugierig war, wie Sie ihre meines Erachtens unhaltbaren Theorien zu beweisen versuchen würden. Oder würden Sie mich am Ende vielleicht doch überzeugen können?

Dieter Vogls Patentschrift beim Europäischen Patentamt München

Auch Sie lassen vom ersten Satz ihres Buches an keinen Zweifel daran, dass Sie (I,16) „den vorgeschichtlichen Besuch außerirdischer Raumfahrer auf dem Planeten Erde“ durch „Hunderte von Indizien“ für inzwischen ausreichend belegt halten. Ebenso klar ist Ihnen: „Der Mensch entstand durch eine gezielte künstlich herbeigeführte Mutation“, und Erich von Däniken ist Ihr verehrter „Prophet der Vergangenheit“, der Sie dazu inspiriert hat, „unmöglich erscheinde Projekte anzupacken“. Das Projekt, das Sie in ihrem dreibändigen Werk beschreiben wollen, fassen Sie vollmundig mit folgenden Worten zusammen (I,18):

„Wir werden wohl nicht bis zum Jahr 2008 auf nachwachsende Organe zu Transplantationszwecken warten müssen. Nachdem sich nun abzuzeichnen scheint, dass die Wissenschaft der ‚Götter‘ die Möglichkeiten der irdischen Technik vorwegnimmt, ist es nun höchste Zeit, einen neuen Fachbereich unserer Forschungsrichtung aus der Taufe zu heben: Die angewandte Paläo-SETI-Forschung.“

Im Rahmen dieser Forschung beanspruchen Sie, Dieter Vogl, bereits im Jahr 2000, „ein mikrobiologisches Verfahren zur genetischen Rekonstruktion menschlicher Organe unter Verwendung von körpereigenen Zellen und der darin enthaltenen Erbinformationen“ entwickelt zu haben, das erhebliche Vorteile gegenüber der bisherigen Transplantationsmedizin aufweist. Zum Beispiel wird man nicht mehr auf einen (I,19) „genetisch möglichst kompatiblen Fremdspender“ angewiesen sein, und das „hohe Risiko der Abstoßung von transplantierten Fremdorganen“ wird auch nicht mehr bestehen.

Dass für dieses Verfahren bereits ein Patent beim Europäischen Patentamt München angemeldet wurde, bedeutet aber nicht, dass es ausgereift genug wäre, um in absehbarer Zeit in die Tat umgesetzt zu werden (1). Sie begründen das damit, dass (I,20) „die Angehörigen der wissenschaftlichen Disziplinen, die an der Bewältigung der auftretenden Probleme arbeiten, oftmals nicht offen genug für neue Entdeckungen oder alternative Verfahrenswege“ sind, und beklagen sich zum Beispiel, dass eine

„dpa-Redakteurin, ihres Zeichens Biologin, … die Verbreitung einer Nachricht über unser Verfahren strikt ab[lehnte], weil es einerseits durch einen Informatiker entwickelt wurde und wir andererseits keinen Professor der Biologie angeben wollten, der unsere Methode theoretisch geprüft hat.“

Was Sie an dieser Stelle über das von Ihnen patentierte Organ-Klonierungs-Verfahren schreiben, wirkt meines Erachtens allerdings auch nicht besonders Vertrauen erweckend (I,19), zumal eine „mathematische Formel für das mikrobiologische Verfahren zur genetischen Rekonstruktion von Organen“ darin vorkommt, die „((3)+1)“ lautet und sich auf die „drei grundlegenden Chromosomen … 1, 13 und 21“ beziehen soll. Ich bin gespannt, in welcher Weise Ihr Buch darüber Aufschluss zu geben versucht, was genau Sie damit meinen und welchen Sinn das macht.

Das Alte Testament als jüdischer TeNaK

In der (I,22) „Einleitung zu Band I der Entdeckung der Urmatrix“ wollen Sie, um dem Alten Testament als jüdischem Dokument gerecht zu werden, die Bezeichnungen (I,23) „Altes Testament“, „Erstes Testament“ und auch „Hebräische Bibel“ vermeiden und bevorzugen die Bezeichnung TeNaK, die sich „aus den Anfangsbuchstaben der Begriffe TORaH, NöBhIIM und KöTUBhIM“ zusammensetzt (2).

Das entspricht tatsächlich dem jüdischen Verständnis ihrer Heiligen Schrift, deren Bücher anders eingeteilt sind als im christlichen Alten Testament. Die fünf Bücher Mose bilden die Tora (was ich mit „Wegweisung“ übersetzen würde, Sie allerdings halten „Zielgebung“ für einzig richtig). Zu den Nebiim = „Propheten“ gehören die vier Bücher Josua, Richter, Samuel und Könige als Vordere Propheten und die vier Bücher Jesaja, Jeremia, Hesekiel und das Zwölfprophetenbuch (der christlich so genannten Kleinen Propheten) als Hintere Propheten. Auch die Ketubim = „Schriften“ sind in zwei Mal vier Bücher eingeteilt: Psalmen, Sprüche, Hiob, Fünf Rollen (Hoheslied, Rut, Klagelieder, Prediger, Ester) sowie Daniel, Esra, Nehemia und Chronik.

Ihre Begründung für den Verzicht auf die Bezeichnung „Altes Testament“ für den TeNaK (3) entbehrt aber nicht einer gewissen Komik. Angeblich solle dadurch der Anschein erweckt werden (I,24),

„als wäre er für uns Christen allein gemacht worden. Dass der TeNaK dies nicht ist, dem wird man aber als Christ erst dann gewahr, wenn wir uns ausführlicher mit der Geschichte dieses Werkes befassen und erschreckt feststellen müssen, dass darin nichts von Christentum oder gar von Jesus Christus steht. Auch wenn bereits die Evangelisten und die Kirchenväter es so erscheinen lassen wollten: Eine Verbindung zwischen dem Alten und dem Neuen Testament ist nur konstruiert.“

Ich denke mal: Jeder einigermaßen informierte Christ weiß, dass das Alte Testament nicht von Jesus Christus, sondern vom Volk Israel handelt. Zugleich aber beziehen sich die Schriften, die später im Neuen Testament zusammengefasst wurden, legitim auf den TeNaK, indem sie Jesus als den dort verheißenen Messias Israels begreifen und den Gott Israels als Vater Jesu Christi und einzigen Gott allen Völkern verkünden.

Bedenkenswert ist dennoch der Gedanke (I,24),

„dass wir Christen, obgleich das Christentum aus dem Judentum hervorging, regelrechte Eindringlinge in diesen religiösen Kulturrahmen sind. Eindringlinge, die den TeNaK nur für ihre Zwecke ausnutzen, ohne dabei einen wirklichen Zugang zu diesem wichtigen Werk der Menschheitsgeschichte anzustreben. Wir können allerdings auch, selbst wenn die Wenigsten dies wirklich anstreben, einen Zugang zur althebräischen Tradition und in diesem Zusammenhang zum TeNaK öffnen. Diese Öffnung ist aber nur durchführbar, wenn wir uns der Gedankenwelt des althebräischen Weltbildes nicht verschließen und die hebräischen Überlieferungen und die theologischen Auslegungen der hebräischen Schriftgelehrten als völlig gleichberechtigte Religionsform anerkennen. Dies zu tun, dazu ist aber kaum ein Christ in der Lage.“

Ich zitiere diesen Gedankengang deswegen so ausführlich, weil Sie in diesem Punkt wirklich Recht haben. Ursprünglich ist der TeNaK ein jüdisches Buch, und selbst die neutestamentlichen Gestalten von Jesus bis Paulus versteht man nur richtig, wenn man bedenkt, dass sie auf dem Hintergrund des althebräischen Weltbildes gedacht, geglaubt und gehandelt haben. Als christlicher Pfarrer der evangelischen Kirche bin ich mir dessen sehr bewusst.

Die Frage stellt sich mir aber, ob Sie ihrem hier formulierten Anspruch selber gerecht werden, wenn Sie den TeNaK im Sinne Ihrer Paläo-SETI-Hypothese dann doch sehr einseitig und in einer krassen Engführung auslegen werden.

Und ob Sie Ihre vorweggenommene Behauptung begründen können, dass der TeNaK nicht (I,22) „lediglich eine umfangreiche Sammlung von unterschiedlichen Glaubenszeugnissen darstellt, die in etwa einem Zeitraum von einem Jahrtausend altisraelitischer Geschichte entstanden“ sind, sondern er vielmehr „schnell und in kürzester Zeit, quasi mit einem Mal“ entstanden ist, wird ebenfalls genau zu prüfen sein.

Den gesamten ersten Band Ihrer Trilogie widmen Sie jedenfalls (I,24) „dem TeNak und den damit verbundenen wichtigsten Aspekten dieses Werkes“, und zwar

„nur deshalb, weil wir im Vorfeld seinen Inhalt auf seine Glaubwürdigkeit hin überprüfen müssen. Neben den kabbalistischen Werken, insbesondere dem ‚Sefer ha Jezira‘, ist es nämlich letztlich der TeNaK, der die Grundlage unserer bislang auf drei Bücher angelegten Reihe und der darin dargelegten Paläo-SETI-These bildet. Und so traurig es für uns auch wäre, wir müssen zu uns selbst so ehrlich sein, dass unsere Hypothese in sich zusammenfallen würde, wenn sich auch nur ein einziger Punkt in der von uns angenommenen Stellung des TeNaK als falsch erweisen sollte.“

Ich werde so ehrlich sein, es nicht zu verschweigen, wenn mir bezüglich der von Ihnen angenommenen „Stellung des TeNaK“ oder der Prüfung seiner „Glaubwürdigkeit“, wie Sie sie verstehen, fehlerhafte Argumentationen auffallen werden.

Zur deutschen Umschrift hebräischer Wörter

Bei der Benennung der drei Teile des biblischen TeNaK sind wir bereits auf die Art gestoßen, wie Sie hebräische Wörter umschreiben (4): Großbuchstaben sollen für die hebräischen Konsonanten stehen, Kleinbuchstaben für die im Bibeltext nur durch eine Punktierung angezeigten Vokale. Dass Sie dabei ein nur angedeutetes kurzes „e“ mit „ö“ wiedergeben, ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber hinnehmbar. Aus zwei anderen Gründen war es allerdings für mich an vielen Stellen des Buches nicht immer leicht, das richtige hebräische Wort hinter den Umschreibungen wiederzuerkennen.

Erstens unterscheiden Sie die beiden hebräischen Konsonanten Aleph und Ajin nicht korrekt. Das sind so genannte Knacklaute vor einem Vokal, für die es in der deutschen Sprache keinen besonderen Buchstaben gibt (z.B. der Laut, mit dem Wörter wie „arbeiten“ oder die zweite Silbe in dem Wort „geehrt“ beginnen). Wo im Hebräischen einer dieser beiden Laute steht, umschreiben Sie jeweils beide mit dem groß geschriebenen Vokal, der diesem Konsonanten folgt (das wäre so, als ob sie die als Beispiel genannten deutschen Wörter mit ARBeiTeN und GeEhRT umschreiben würden).

Tabelle der Hebräischen Buchstaben in deutscher Umschrift (regulär und nach Vogl/Benzin)

Zweitens haben Sie Probleme mit ähnlichen, aber doch deutlich unterschiedenen hebräischen Konsonanten. Der Buchstabe Zajin, der als weiches S ausgesprochen wird, wird normalerweise mit Z umschrieben, während der Buchstabe Tsade in der Aussprache dem deutschen Z entspricht, aber zur Unterscheidung von Zajin mit Ts umschrieben werden sollte. Das geht bei Ihnen häufig durcheinander, genau wie Sie häufig die beiden T-Laute Tet und Taw verwechseln, die man mit T und Th umschreiben kann, oder auch die K-Laute K und Q und die Buchstaben Samech und Sin, die beide als scharfes S ausgesprochen werden und die man mit S bzw. Ss voneinander unterscheiden kann (5).

Selbst in einer Auflistung aller 22 hebräischen Buchstaben auf Seite III,155 sind einige davon falsch oder ungenau umschrieben (siehe Grafik).

In dieser Liste umschreiben Sie die beiden T-Laute korrekt, ansonsten verwenden sie meist genau umgekehrt Th für Tet und T für Taw.

Komplizierter wird die hebräisch-deutsche Umschrift noch dadurch, dass die Konsonanten B, K und P manchmal auch weich ausgesprochen werden können (als w, ch und f), das geben Sie in der Regel mit Bh, Kh und Ph wieder, manchmal aber auch nicht, so dass Sie zum Beispiel das Wort TeNaK nur selten mit TeNaKh umschreiben.

Wo ich in meinem eigenen Text hebräische Wörter umschreibe, richte ich mich nach der hier gezeigten regulären Tabelle. Meistens genügt es allerdings, mit einem groß geschriebenen Vokal auf den Buchstaben Aleph hinzudeuten; nur zur Unterscheidung ähnlicher Wörter, die mit Aleph oder Ajin geschrieben werden, verwende ich das Zeichen ˀ für Aleph zur Unterscheidung von ˁ für Ajin.

I. Kapitel: Das Buch der Bücher

Mit Recht legen Sie Wert darauf, dass (I,26) „die Frage nach der eigenen Position, also der religiösen Einstellung des oder der Forschenden, bei der exegetischen und theologischen Arbeit mit biblischen Werken“ eine wichtige Rolle spielt. Zu Unrecht unterstellen Sie jedoch den „meisten Theologen“, so zu tun, „als gäbe es nur die objektive und vollkommen konfessionslose Erforschung biblischer Schriften“, während Sie ihnen zugleich vorwerfen (I,27), „ihre eigenen Lehrsätze in die Exegese des TeNaK einfließen zu lassen“.

In wünschenswerter Klarheit legen Sie nochmals ihren Standort offen, dass Sie nämlich den TeNaK „aus der Sicht der Paläo-SETI-Hypothese“ theologisch begreifen und beurteilen möchten (I,27):

„Wir sind daher der Überzeugung, dass der Entstehungsprozess der alttestamentlichen Überlieferungen und letztlich die Kanonisierung des TeNaK, einerseits recht kurz gewesen ist und andererseits ein ungemein langer und recht beschwerlicher Weg war. Dies scheint ein Widerspruch zu sein. Er ist es aber nicht, wenn man berücksichtigt, dass die Vermittlung des biblischen Wissens durch die ÄLoHIM an die unterschiedlichen Chronisten des TeNaK immer in einem recht kurzen Zeitraum erfolgte, aber trotzdem die damit verbundenen geschichtlichen Ergänzungen mit Sicherheit etwa eine Zeitspanne von ungefähr 1000 Jahren umfasst hat.“

Ist in der Bibel ein geheimer Code hinterlegt? (I)

Von dieser Voraussetzung her möchten Sie die Bibel auch aus (I,28) „wissenschaftlicher Sicht“ betrachten, nämlich „als Geschichtsbuch“, in dem zusätzlich noch ein geheimer „Code hinterlegt sein soll“, allerdings nicht um die Zukunft voraussagen zu können, sondern um verborgenes Wissen (I,29) „für Biologen und natürlich für das noch junge und noch nicht einmal ansatzweise offiziell anerkannte Gebiet der Paläo-SETI-Forschung“ zu erschließen (I,30):

„Das Geheimnis der Bibel besteht unserer Ansicht nach aus einem verschlüsselten Code, der sich aus den Buchstaben zusammensetzt. Und zwar so, dass nicht die Bedeutung von Buchstabensequenzen, also die Wörter maßgeblich sind. Das Geheimnis des Alten Testaments liegt ausschließlich in der Aneinanderreihung der Buchstaben. Was für ein Wort sich daraus ergibt, ist letztlich gar nicht so wichtig.“

Angeblich wurden „die Träger dieses Wissens“ um das Geheimnis des Alten Testaments in der Zeit um 1600 in den „europaweit inszenierten Hexen- und Ketzerverfolgungen durch die Kirche … fast vollkommen ausgerottet“, aber es ist nach wie vor entschlüsselbar (I,31):

„Sollte sich die Wissenschaft mit all ihren Möglichkeiten diesem Werk zuwenden, wird es zu einer Wissensexplosion kommen, wie sie in der Geschichte der Menschheit noch nie da gewesen ist.“

Zur DaBhaR-Bibelübersetzung von F. H. Baader

Da Sie über keine hebräischen Sprachkenntnisse verfügen, greifen Sie zur so genannten (I,32) „DaBhaR-Übersetzung“, die 1975 von Fritz Henning Baader initiiert wurde. Diese bemüht sich (I,35), „grundsätzlich jedes Wort aus dem Original mit einem einzigen Wort der Zielsprache“ zu übersetzen. Bis zu einem gewissen Grad ist diese Absicht einer so genannten „konkordanten“ Übersetzung durchaus zu begrüßen, verhilft sie doch dazu, auch wenn man die Originalsprache nicht beherrscht, Querverbindungen zwischen dem Sinn verschiedener Bibelverse herzustellen und grobe Missverständnisse zu vermeiden, die sich aus einer allzu freien Übertragung von Inhalten in eine kulturell anders geprägte Sprache ergeben können. Ein Beispiel einer gemäßigt konkordanten Übersetzung in diesem Sinne stellt die Elberfelder Übersetzung dar.

Die „extrem konkordante Übersetzungstechnik“ Baaders hat allerdings mehrere Nachteile. Sie muss nicht nur zu schwer verständlichen Neuschöpfungen deutscher Wörter greifen, sondern verkennt schlicht, dass sowohl Wörter im Urtext als auch in der Zielsprache nicht in jedem Kontext dasselbe bedeuten und selber auch einem geschichtlichen Wandel unterworfen sind. Außerdem ist es gar nicht möglich, Inhalte ohne Bedeutungsverlust oder Sinnveränderungen von einer Sprache in eine andere zu transportieren, da jedes Wort in einem anderen kulturellen Kontext andere Assoziationen mitschwingen lässt.

Dass Ihnen zufolge die von daher berechtigte Kritik, die Dr. Heinrich von Siebenthal an der DaBhar-Übersetzung geübt hat (I,32), „natürlich im deutlichen Einvernehmen der Amtskirche steht“, regt mich zum Schmunzeln an, da nämlich die Freie Theologische Hochschule Gießen, an der Siebenthal als Honorarprofessor lehrt, gerade nicht mit der landeskirchlichen evangelischen oder der römisch-katholischen „Amtskirche“ verbunden ist, sondern dem evangelikalen Spektrum der Freien Evangelischen Gemeinden zuzurechnen ist.

Ihr Problem scheint zu sein, dass sie in einer Zwickmühle stecken. Einerseits ist die Bibel für Sie im Grunde kein (I,33) „religiöses Buch“, ja sogar

„nur am Rande und oberflächlich betrachtet ein literarisches Werk. Viel mehr verkörpert es, dies werden wir im Verlauf unserer Bücher nachweisen, einen biologischen Codex, der unter keinen Umständen verändert werden darf. Nimmt man eine Übersetzung vor, dann wird dadurch der Codex in seiner Ursprünglichkeit so tief greifend verändert, dass der vom Verfasser angestrebte und hinterlegte Informationsgehalt vollkommen verloren geht. Das Alte Testament dürfte deshalb im Grunde genommen überhaupt nicht übersetzt werden. Insbesondere dann nicht, wenn man den Codex und dessen Informationsgehalt erhalten möchte.“

Das heißt aber in aller Deutlichkeit: Keine Übersetzung kann den Buchstaben-Code einen Urtext identisch bewahren, auch die DaBhar-Übersetzung nicht. Direkt mit dem hebräischen Sprachcode der Bibel können Sie sich aber andererseits wegen mangelnder Sprachkenntnisse nicht auseinandersetzen. Daher gestehen Sie der DaBhar-Bibelübersetzung einen so hohen Grad an Originaltreue zu, dass Sie ihr fast das gleiche Vertrauen entgegenbringen wie der ursprünglichen Tora. Mit ihrer Hilfe wollen Sie immerhin ihre folgende Behauptung beweisen (I,34):

„Aus den Texten des Alten Testamentes, den darin enthaltenen Wörtern, den daraus geformten Sätzen und in der Hauptsache der Art wie diese dann letzten Endes zu Abschnitten, Teilen und Kapiteln verknüpft werden, ergeben sich nach unseren Erkenntnissen die Organe des menschlichen Körpers.“

Zu welch unsinnigen Argumentationen Sie sich aus dieser Zwickmühle heraus veranlasst sehen, sieht man an dem folgenden von Ihnen angeführten Beispiel (I,33):

„Das 1. Buch MoSchäH beginnt mit dem Wort BöReSchIT. Dieser Begriff wird in vielen Übersetzungen unterschiedlich übersetzt. Einmal mit ‚Im Anfang‘ ein andermal mit ‚Am Anfang‘. Sinngemäß, und wenn man nicht groß darüber nachdenkt, ist beides richtig. Dennoch gibt es einen Unterschied zwischen den Begriffen ‚im‘ und ‚am‘. Geht man nun davon aus, wir werden dies noch ganz exakt darlegen, dass das Alte Testament einen biologischen Codex darstellt und die Buchstaben mit den Chromosomen identisch sind, dann ist es ganz und gar nicht unerheblich, welche Buchstabenfolge man letztlich verwendet.“

Falls die Voraussetzung stimmt, dass zum Beispiel in dem hebräischen Wort BöReSchIT außer seiner unmittelbaren Wortbedeutung noch etwas anderes kodiert ist, dann ändern sich allerdings diese Buchstaben durch keine noch so freie Übersetzung. Ich könnte das Wort umschreibend sogar völlig frei übertragen: „Damals, als noch keiner an den Urknall dachte“, und die Buchstaben BöReSchIT blieben im Urtext immer noch genau so stehen.

Sie behaupten zwar (I,34):

„Eine Übersetzung muss, wenn man das Alte Testament aus dem Hebräischen in eine andere Sprache übersetzt, ohne die mehr oder weniger immer vorhandenen Veränderungen der formalen Struktur des Textes auskommen.“

Aber Tatsache bleibt doch: Informationen, die sich aus einer Abfolge von Buchstaben, abgesehen von ihrem Sinn, ergeben, kann man unmöglich in eine andere Abfolge von Buchstaben in einer beliebigen anderen Sprache übertragen… es sei denn – man übersetzt gar nicht, sondern lässt Wörter einfach als hebräische Wörter in deutscher Umschrift stehen!

Dieses Verfahren, hebräische Wörter unübersetzt zu lassen, wendet Baader Ihnen zufolge sowohl auf (I,36) „alle zweideutigen Worte“ an als auch auf Wörter, die (I,35) „schon für den Hebräer als unantastbar galten“, und zwar „vor allem die Begriffe ÄLoHIM und JHWH“ verfälscht er „im Gegensatz zu den christlichen Bibelübersetzern … nicht mit Herr oder Gott“.

Wenige Sätze später geben Sie allerdings zu, dass auch für Baader (I,36) „der Begriff ÄLoHIM Gott bedeutet“. Und dass die Wiedergabe von JHWH mit HERR im Deutschen keine Verfälschung darstellt, ergibt sich schon daraus, dass schon die Juden JHWH als heiligen Gottesnamen nicht aussprachen, sondern beim Lesen ein Ersatzwort wie ADoNaJ = „mein Herr“ verwendeten.

Sie hingegen deuten im Rahmen Ihrer Paläo-SETI-Hypothese den Begriff ÄLoHIM nicht als (I,35f.)

„Gott noch Götter, sondern, je nach Punktation und Satzstellung, ‚die unter Eid verpflichteten‘ oder ‚diese, die zu Urzeiten unter Eid [zur Schöpfung] verpflichtet wurden‘. Jede andere Übersetzung ist demnach falsch.“

Zur Herleitung dieser in Ihrem Buch durch nichts bewiesenen Wortherkunft, die sich vermutlich darauf bezieht, dass der Wortstamm ˀALaH unter anderem „schwören“ oder „(sich) verfluchen“ bedeuten kann, verweisen Sie auf zwei Ihrer (Dieter Vogls) Bücher, nämlich (I,35) „Die Mars-Apokalypse“ und „Die Gilde der kosmischen Former“. Denn angeblich fehlt ja in diesem über 1000 Seiten starken Buch der Platz, um die beiden für ihre Argumentation zentralen Begriffe ÄLoHIM und JHWH genauer erläutern zu können.

Hebräisch als heilige Sprache eines heiligen Textes

Ihnen zufolge darf man den alttestamentlichen Text auch deswegen nicht genau wie andere literarische Texte in fremde Sprachen übersetzen, weil (I,37)

„die Grundsprachen der Bibel, also das Hebräische, Aramäische und Griechische, nur oberflächlich betrachtet ganz normale menschliche Sprachen sind. Auf das Aramäische und das Griechische trifft dies uneingeschränkt zu, denn sie wurden auch aus dem Profanen heraus entwickelt und zum selben Zweck benutzt. Beim Hebräischen ist dies nicht so, denn der Konsonantentext wurde ursprünglich als heilig betrachtet. Es war demnach gar keine profane Sprache.“

Wie soll man aus diesem verwirrenden, in sich widersprüchlichen Text schlau werden? Korrekt ist, dass alle diese Sprachen normale menschliche Sprachen sind, die auch für die Formulierung heiliger Texte verwendet wurden. Auch das Hebräische war ursprünglich die profane Sprache Israels (wie auch das heutige Neuhebräisch Amtssprache im modernen Staat Israel ist), und erst, als seit dem babylonischen Exil das Aramäische zur Umgangssprache der Juden in Palästina geworden war, erhielt das Hebräische eine Art Sonderstatus als Sprache des TeNaK und des jüdischen Gottesdienstes.

Ihre folgenden Sätze fügen weitere Widersprüche hinzu:

„Die ÄLoHIM haben mit Bedacht diese Sprache ausgewählt. Und natürlich musste es eine lebendige Sprache sein, denn ansonsten wäre das biblische Wissen ja unweigerlich verloren gewesen. Doch letztlich hat der Sprachcharakter des Hebräischen auch nichts mit dem in ihm hinterlegten Wissen zu tun. Wir müssen aber endlich begreifen, dass die Aussagekraft des Hebräischen weitaus größer ist, als z. B. des Deutschen.“

Das bedeutet doch, dass das Hebräische zwar eine heilige Sprache war, aber zugleich auch als lebendige Alltagssprache diente. Und überdies scheinen Sie den heiligen Charakter der hebräischen Sprache, den Sie eben noch so wichtig fanden, plötzlich für unerheblich zu halten, wenn er „nichts mit dem in ihm hinterlegten Wissen zu tun“ hatte.

Im Zusammenhang mit der Heiligkeit der (I,38) „Schriftrollen des Alten Testaments“ vertreten Sie noch weitere merkwürdige Vorstellungen. Sie behaupten, dass diese „wie das Totenbuch in Ägypten … zunächst ausschließlich den Toten mit ins Grab gelegt“ wurden, wovon ich noch nie etwas gehört oder gelesen habe. Vielmehr war und ist es nach Wikipedia so, dass „abgenutzte heilige Tora-Rollen … in einem abgeschlossenen Raum der Synagoge, der ‚Geniza‘ (hebr. ‚Lager/Depot‘) verwahrt“ werden, sie werden also quasi selbst „bestattet“, allerdings gerade nicht in Gräbern zusammen mit verwesenden Leichen (6).

Dass Sie die genannte Vorstellung vertreten, scheint sich allerdings aus folgender in meinen Augen abwegigen Argumentation zu erklären (I,38f.):

„Warum die alten Hebräer die Schriftrollen des Alten Testaments den Verstorbenen mit ins Grab gaben, ergibt zunächst keinen Sinn, aber bedenken wir, dass die archaischen Schriftrollen mit 22 + 4 Buchstaben geschrieben wurden, dann ergeben sich Zusammenhänge, die nahezu unglaublich erscheinen: Denn wie im Innersten jeder menschlichen Zelle 23 Chromosomenpaare die Urmatrix des Lebens bilden und diese durch Kombinatorik die Urschrift des Lebens bilden, so bilden im Äußeren die 22 + 4 Schriftzeichen des hebräischen Alphabets die archetypische Potenz und Reihenfolge jeder Art von biologischer Entwicklung. Wir sind daher der festen Überzeugung, dass dies kein Zufall ist und wir denken, dass die ÄLoHIM die DNS, die Urschrift des Lebens, mit voller Absicht in der Bibel hinterlegt haben.“

Schon der Zusammenhang zwischen der Zahl der hebräischen Buchstaben und der Chromosomenpaare jeder menschlichen Zelle ist rein willkürlich hergestellt und enthält zudem sogar in sich noch zwei Fehler: Es bleibt völlig unklar, welche 4 Schriftzeichen dem hebräischen Alphabet noch hinzugefügt sein sollen (wenn es die Endformen der hebräischen Konsonanten K, M, N, P und Ts sein sollen, müssten es 22+5 sein, was Sie auf Seite I,221 selber auch durchaus wissen); außerdem entsprechen 26 Buchstaben definitiv nicht 23 Chromosomenpaaren.

„Ultramontane“ Unterdrückung des Geheimwissens der Bibel

Zu der eben erwähnten abenteuerlichen Argumentationsweise passt weiter, dass in der angeblichen Hinterlegung der DNS in der Bibel „einer der Gründe“ liegen soll (I,39),

„warum die Träger dieses geheimen Wissens ständig verfolgt, inhaftiert, gefoltert und sogar getötet wurden.

Schon bei den Hebräern, als sie noch unter römischer Besatzung standen, war der Besitz der TORaH eine Garantie für die Kreuzigung. Später, zu Zeiten der Christenverfolgung, ebenfalls durch die Römer, galt das gleiche. Wobei man das Corpus delicti, die Heilige Schrift, gleich mit vernichtet hat. Warum dies so war, weiß heute niemand mehr. Es ist jedoch zu vermuten, dass schon die römischen Besatzer ganz genau wussten, welche Macht von diesem Werk ausging.“

Gegen diese Vermutung spricht schon, dass ihre Grundlage einfach falsch ist. Keinesfalls war allein der Besitz der Tora bzw. der Schriften des Alten Testaments im Römischen Reich „eine Garantie für die Kreuzigung“, weder für Juden, die als „religio licita“, als „erlaubte Religion“, anerkannt waren, noch im Rahmen der Christenverfolgung, in der es zentral um die von Christen verweigerten Opfer für heidnische Götter ging. Nirgends sind Zerstörungen heiliger Schriften durch die Römer bezeugt. Und gekreuzigt wurden von Römern nicht Tora-Besitzer, sondern entlaufene Sklaven oder Aufrührer gegen die Besatzungsmacht.

Widersprüchlich beurteilen Sie die Rolle der späteren Kirche im Hinblick auf die Bibel als (I,40) „eine schier unerschöpfliche Informationsquelle“, die nicht nur „historisches Wissen“ enthält, sondern auch dazu verhilft, „die biologische Entstehungsgeschichte des Homo sapiens sapiens authentisch zu rekonstruieren“. Einerseits behaupten Sie (I,39):

„Später hat die Kirche die Heilige Schrift zum Auf- und Ausbau ihres Machtapparates benutzt.“

Andererseits werfen Sie (I,41) „den Klerikern“ bzw. „der ultramontan ausgerichteten Geistlichkeit“ (7) vor (I,42), „aus den Inhalten der Heiligen Schrift ein … großes Geheimnis“ zu machen, weil in ihr etwas stand, „was das Volk nicht wissen durfte“ bzw. „was den christlichen Glauben in seiner Grundfeste erschüttern konnte“:

„Wir denken, dass die Bibel ein Wissen enthält, das dem höheren Klerus seit langer Zeit bekannt ist und das vor dem niederen Klerus, vor allem aber vor dem einfachen Volk verborgen werden musste. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand. Niemand sollte erkennen, welches Wissen wirklich in jenem Buch enthalten ist, welches von der Kirche ‚Wort Gottes‘ genannt wird, aber eigentlich ‚Zielgebung der unter Eid verpflichteten‘ heißen müsste. Jener unter Eid verpflichteten Gruppe von sonderbaren Wesen, die in der TORaH ÄLoHIM genannt und die fälschlicherweise in späteren Zeiten von den jüdischen Priestern zu einer einzigen Person zusammengefasst wurden, aber, ganz zum Unwillen der Theologen, eher den Eindruck erwecken, dass sie die Angehörigen einer extraterrestrischen Spezies waren.“

Bei dieser sonderbaren Verschwörungstheorie, die dem „höheren Klerus“ ein Wissen unterstellt, das allen anderen Menschen vorenthalten werden soll, bleibt allerdings völlig offen, wer damit gemeint sein soll: die Reihe der katholischen Päpste bis hin zu Franziskus? oder zusätzlich alle Bischöfe oder nur Kardinäle?

Einige Fehler unterlaufen Ihnen in ihrer Darstellung der (I,46) „mittelalterlichen Hexen- Ketzer- und Wahrsagerverfolgungen“ durch die „kirchlichen Autoritäten“. Giordano Bruno und Michael Servet etwa kamen nicht im Mittelalter, sondern erst in der beginnenden Neuzeit auf den Scheiterhaufen, und für den Tod von Servet war nicht der katholische Klerus, sondern der evangelische Reformator Johannes Calvin verantwortlich.

Völlig abwegig ist Ihre Einschätzung (I,47), „den Klerikern“ sei „an der Verbreitung des Alten Testaments … überhaupt nicht gelegen“ gewesen. Stattdessen war das AT von Anfang an ein Teil der christlichen Bibel und wurde in den katholischen Klöstern wortgetreu abgeschrieben und überliefert.

Verfälschung des biblischen Urtextes durch Übersetzungen (I)

Dass man die Bibel heute lesen darf, finden Sie zunächst (I,47) seltsam. Dann begründen Sie es damit, dass zum Beispiel (I,48f.)

„die neue Einheitsübersetzung auf Richtlinien aufgebaut wurde, die nicht mit der biblischen Urform konform gehen. Das heißt, dass Aspekte in die Heilige Schrift miteinbezogen wurden, die mit der biblischen Grundaussage nichts zu tun haben und somit nicht mehr das Wort Gottes in seiner fundamentalen Urform darstellen. Will sagen, dass z. B. eine Abweichung in der wörtlichen Übereinstimmung ohne Frage die Genauigkeit des Inhalts bzw. dessen Sinn verfälscht. Wortmuster und natürlich auch Wortverbindungen müssen demzufolge immer mit der Zielsetzung in eine andere Sprache übersetzt werden, dass diese den jeweiligen Sinn des Wortmusters oder der Wortverbindung folgerichtig verdeutlicht. Hinzufügungen und Weglassungen dürfen auf keinen Fall vorgenommen werden. Und wenn, dann ausschließlich mit dem Attribut der exakten Kennzeichnung. Ohne eine Kennzeichnung muss dies selbst dann unterlassen werden, wenn dadurch eine eventuelle Beeinträchtigung der flüssigen Lesbarkeit auftreten würde. Die Einheitsübersetzung ist in diesem Sinne vollkommen verfehlt.“

Aber nicht nur der Einheitsübersetzung, sondern bereits (I,49) „der griechischen Septuaginta über die lateinische Vulgata bis hin zur deutschen Lutherbibel, der englischen Authorized Version of King James und der französischen Version Synodale“ werfen Sie vor, „dass die Verfälschungen mit Bedacht durchgeführt wurden und das Ziel haben, dem Leser mit verdrehten Aussagen den wahren Inhalt der Bibel zu verschleiern.“

Ist in der Bibel ein geheimer Code hinterlegt? (II)

Um die geheime Botschaft der Tora zu entschlüsseln, suchen Sie nach einer geeigneten (I,51) „Kryptographie“, also nach Verfahren ihrer Entschlüsselung. Ihre besondere Aufmerksamkeit erfährt dabei zunächst die Arbeit der Masoreten, die in der Zeit zwischen 700 bis 1000 n. Chr. „den ursprünglich reinen Konsonantentext des AT mittels eines Punktationssystems mit Vokalzeichen“ versahen, ihrer Ansicht nach aber außerdem die Regeln überlieferten (I,52), „mit denen die TORah zu Papier gebracht wurde“ und ohne die „der verschlüsselte Inhalt eines TORaH-Textes weder gelesen noch folgerichtig entschlüsselt oder gar seine versteckte Basis verstanden werden“ kann.

Dass die Tora „authentisches Wissen über die Entstehung der Menschheit und den Besuch von außerirdischen Wesen enthält“ und nicht nur (I,53) „mühevoll“ aufgeschriebene „Phantasien“, legt sich Ihnen schon deswegen nahe, weil (I,54) „diese mythologischen Aufzeichnungen immer nur Kosmogonien und zum anderen Königs-, Kaufmanns-, Geschlechterlisten und vor allem immer wieder fein säuberlich aufgezeichnete Kriegsberichte“ enthalten:

„Für uns entsprechen die Mythen allein deshalb der Realität, weil sie sich in der Hauptsache mit profanen Sachverhalten beschäftigen, die nicht den geringsten transzendenten Ursprung haben. Königs-, Kaufmanns- und Geschlechterlisten sind nun einmal durchaus realistische Faktoren der menschlichen Geschichte und haben deshalb auch nichts mit göttlicher Eingebung zu tun.“

Ohne nähere Begründung steht für Sie fest (I,55):

„Jede biblische Erzählung beruht, auch wenn es viele nicht wahrhaben wollen, zweifellos auf einer historischen Grundlage“.

Merkwürdigerweise begreifen Sie sich mit ihrem speziellen Glauben an die historische Wahrheit der Bibel in einer Frontstellung nicht nur gegenüber der Wissenschaft, sondern auch gegenüber der Kirche, obwohl es doch bis in die Moderne hinein gerade dem Lehramt der katholischen Kirche am Herzen lag, die historische Wahrheit der Bibel vor den Angriffen der historisch-kritischen Bibelforschung zu bewahren. Im Originalton läuft Ihr Urteil über Wissenschaft und Kirche nochmals darauf hinaus, dass beide sich den „biologischen, medizinischen oder technischen“ Erkenntnissen verschließen, die Ihrer Ansicht nach in der Bibel kodiert sind (I,55):

„Allein die ständige Verdrehung der Begrifflichkeiten und vor allem die theologische Einordnung der Mythen als heidnisches Machwerk, lassen bei der Wissenschaft den Willen zur unverfälschten Erforschung der Mythen erst gar nicht richtig aufkommen, weil durch die Erstellung klerikaler Lehrsätze an der Auslegung der Mythen nicht mehr gerüttelt werden darf. Es sei denn, das Rütteln würde im Sinne der monotheistischen Anschauung ausfallen und somit die klerikal erfundene ‚Wahrheit‘ über den Mythos bestätigen. Dass es im theologischen Weltbild diktierter und dogmatisch ausgearbeiteter Glaubenssätze in den Mythen keine biologischen, medizinischen oder technischen Schilderungen geben darf, ist verständlich. Dass sich aber auch die Wissenschaft dieser unlogischen Auslegungsweise anschließt, bleibt für uns ein immerwährendes Geheimnis und ist nur dadurch plausibel zu erklären, dass man sich selbst und seinen religiösen Grundansichten nicht widersprechen will. Wobei bei so mancher wissenschaftlichen Disziplin der Eindruck entsteht, als würde es sich um eine Religion handeln.“

Dass bereits in der Bibel (I,57) „Verschlüsselungen vorkommen“, belegen Sie mit dem nicht näher ausgeführten Hinweis auf „Bibelstellen aus dem Buch Jeremia 25:26 und 51:41 und aus dem Buch Daniel 5:5 und 5:28“, und auf Daniel als den ersten „Kryptoanalytiker, von dem wir wissen, dass er einen verschlüsselten Text dechiffrierte. Nur wird dies in der Bibel als Traumdeutung bezeichnet.“

In der späteren Geistesgeschichte stellen Sie sich in eine Reihe mit Isaak Newton (1643-1727), indem Sie ihn als einen (I,59) „renommierten Wissenschaftler“ würdigen, der sich „mit dem Bibelcode“ beschäftigte und genau in dem Geiste, indem er das (I,60) „mechanistische Weltbild“ entwickelte,

„lediglich sein alchimistisch-kabbalistisches Wissen in einen regulären, von der Wissenschaft rational und empirisch verwertbaren Rahmen kleidete. Das Gleiche versuchen auch wir, immer im Hinblick auf ein alternatives Weltbild, mit unserer zum Patent angemeldeten Entdeckung.“

Die Basis dieses mechanistischen Weltbildes finden Sie unter Berufung auf Agrippa von Nettesheim (1486-1535) bereits

„bei Platon, Aristoteles und Homer. Diese wussten offensichtlich ebenfalls von solchen maschinenähnlichen Wesen, die nicht natürlichen Ursprungs waren, sondern künstlich von Menschenhand geschaffen wurden.“

Und selbst das Alte Testament soll Ihnen zufolge bereits über „Sachverhalte“ berichten, „dass die gesamte Schöpfung künstlichen Ursprungs ist“, wofür Sie Psalm 19,2 nach der DaBhaR-Übersetzung als Beleg anführen (I,61):

„Die Himmel sind Aufzählende die Herrlichkeit ELs, und das Gemachte seiner Hände berichtet das Firmament.“

Dieser Versuch einer völlig wörtlichen Übersetzung wäre aber nur dann ein Beweis für einen künstlichen Ursprung der Schöpfung, wenn „EL“ tatsächlich, wie die Paläo-SETI-Forscher annehmen, ein Name für außerirdische Wesenheiten wäre; der angebliche Beweis dreht sich also im Kreis: ein klassischer Zirkelschluss. Für alle ernstzunehmenden Bibelausleger ist „EL“ in der Bibel der Begriff für die höchste Gottheit. Und über die Schöpfung der Welt durch Gott heißt es hier in poetischer Ausdrucksweise, dass alle von Gott geschaffenen Himmelsbereiche von der eindrucksvollen Gewaltigkeit (8) Gottes erzählen; und die Himmelskuppel, die nach dem biblischem Weltbild die Bereiche des Himmels von dem sich über der Erde erstreckenden Luftraum trennt, erzählt in bildhafter Sprache von dem, was Gott mit seinen Händen gemacht hat. Und niemand – wiederum außer den Paläo-SETI-Forschern – bezweifelt, dass es sich dabei um das handelt, was Gott im Rahmen der von ihm geschaffenen Naturgesetze – also auf natürliche Weise – im Universum und auf unserem Planeten Erde hat entstehen lassen.

Letzten Endes muss man sich sogar fragen, ob die Unterscheidung „natürlich“ – „künstlich“ nicht unsinnig wird, wenn die gesamte Schöpfung einen künstlichen Ursprung haben soll. Ganz gleich, ob mit dieser Gesamtheit der Schöpfung das ganze Universum gemeint sein soll oder nur die Menschen- und Tierwelt auf der Erde, bleibt jedenfalls unklar, woher die außerirdischen menschen-ähnlichen Schöpfer der Schöpfung kommen sollen und ob nicht auch sie eine göttliche Schöpfermacht voraussetzen, aus der heraus sie entstanden sind.

Zurück zu Ihnen, zu Agrippa und seiner Erwähnung von antiken (I,60) „maschinenähnlichen Wesen“. Sie sind davon überzeugt, dass (I,61)

„die von ihm beschriebenen Wesen, ähnlich wie der Mensch in der Bibel, ganz offensichtlich mittels jenes Wissens geschaffen wurden, welches durch die Kabbala und Alchimie von Generation zu Generation stets nur an eine Hand voll Menschen weitergegeben wurde und welches ganz offensichtlich auf die Schöpfer der Menschheit, die ÄLoHIM zurückzuführen ist. Dass dieses Wissen u.a. biologischer Natur ist, steht allein deshalb fest, weil es heute wieder eine Fülle von Möglichkeiten gibt, dieses Wissen mit den damaligen Resultaten nachzuvollziehen.“

Aber wie soll ein solcher Rückschluss beweiskräftig sein? Dann müsste jede auch noch so phantastische Vorstellung der Vergangenheit, die zufällig später in einer ähnlichen Form verwirklicht wurde, bereits damals real möglich und vielleicht sogar in die Tat umgesetzt worden sein, was aber nicht einmal so genialen Geistern wie Leornardo da Vinci oder Jules Verne gelungen ist.

Sie allerdings sind fest davon überzeugt, dass heute die Zeit endlich reif ist (I,62) „für den Gedanken an den Paläo-Besuch außerirdischer Wesen“:

„Wir denken aber, dass heute dieser Zeitpunkt gekommen ist, denn blickt man sich in den Wissenschaften um, dann sind wir letztlich schon vor einiger Zeit über die Schwelle getreten, die es uns ermöglicht ‚Menschen zu machen‘. Menschen nach unserem Bilde und Gleichnisse.“

Welche Hybris – welche Selbstüberschätzung des Menschen drückt sich in diesen Sätzen aus! Wenn Sie das wirklich ernst meinen, kann man froh sein, dass die Versuche, mit Ihrem gentechnologischen Patent die Fachwissenschaft zu überzeugen, so kläglich gescheitert sind. Denn auf diese Weise wird es nicht gelingen, Gottes großartiges Schöpfungswerk nachzuahmen oder – negativ ausgedrückt – ihm ins Handwerk zu pfuschen.

Indem Sie schließlich auf die Hilfsmittel zur Entschlüsselung der Inhalte der Bibel zurückkommen, erwähnen Sie außer der „Mashora“ (9) den Talmud und die Kabbala (10) (I,63):

„Aufgrund dieser außerbiblischen Schriften, die sich vordergründig allesamt mit den Pflichten eines gläubigen Juden befassen, fanden die späten Rabbinen heraus, dass das eigentliche Geheimnis der Heiligen Schrift in den Mizwot, den Pflichten, liegt.“

Sie missverstehen nun völlig, was die Rabbinen mit diesem Geheimnis meinen. Wie man zum Beispiel sehr gut im 119. Psalm feststellen kann, besteht das Geheimnis eines sinnerfüllten Lebens für einen Juden darin, alle Vorschriften der Tora, der heiligen Wegweisung Gottes, zu befolgen; und die Anzahl dieser Mizwot beträgt nach dem Talmud – was kein Geheimnis ist – 613. Für Sie soll stattdessen das Geheimnis der Bibel aber eben darin bestehen, dass sie außer den Zehn Geboten auch noch diese 613 „versteckten Pflichten“ enthält; allerdings sind diese im Text der fünf Bücher Mose alles andere als versteckt, sondern offen und klar zu lesen.

Wie unwichtig allerdings auch für Sie der Unterschied zwischen den bekannten Zehn Geboten und den angeblich versteckten Pflichten ist, zeigt sich sogleich, wenn Sie auf 1. Mose 1,28 und 2. Mose 20,12 eingehen. An der ersten Stelle geht es um das Fortpflanzungsgebot an die Menschheit (eine „versteckte“ Pflicht), an der zweiten um das Gebot, die Eltern zu ehren (eins der Zehn Gebote). Beide Gebote verbinden Sie mit einem (I,64) „Beispiel von mythologischer Chriffrierung“, das an Abwegigkeit kaum noch zu überbieten ist:

„Wie wir wissen ist das Wort ÄLoHlM eine Pluralform. Der Singular dieses Begriffes ist ÄLOaH. Setzt man nun im kabbalistischen Sinne die Schöpfungsgeschichte mit ÄL, dem Schöpfergott von Ur in Verbindung, dann ergibt sich, dass ÄL (EL) die Schöpfung mit den Elementen durchführte. Diese Schöpfung hatte nach mythologischer Überlieferung das Ziel, eine Elite auf Erden zu schaffen, die über diese Welt als Wächter fungiert. Erster Aufenthaltsort auf dieser Welt für den neuen Menschen war der Garten EDäN oder anders ausgedrückt: dass Elysium. Die Fortpflanzungspflicht, die nach dem Gebot der ÄLoHlM zur Erhaltung der menschlichen Art beitragen sollte, wird ausschließlich durch die Eltern gewährleistet. Seltsam, aber in all diesen grundlegenden Begriffen, welche die Schöpfung betreffen, ist das Wort EL als bestimmender Faktor enthalten.“

Kaum zu glauben, aber Sie setzen wirklich Wörter aus verschiedenen Sprachen wie der altgriechischen (Elysion) oder der neuhochdeutschen (Elemente, Elite, Eltern), die zufällig mit denselben Buchstaben zu beginnen scheinen (11) wie das hebräische EL in einen auf geheimnisvolle Weise zielgerichteten Zusammenhang. Außer Acht lassen Sie dabei auch, dass der biblische Garten Eden diese reale Erde meint, so wie sie von Gott für den Menschen geschaffen wurde, während das altgriechische Elysion einen Ort des Vergessens der realen Erde bezeichnete.

Wie entstand die Bibel? (Erster Anlauf)

Schwierigkeiten haben Sie mit der Einschätzung der Bibelwissenschaft, dass die biblischen Überlieferungen ursprünglich (I,66) „im Kreis des Stammes oder der Familie von Generation zu Generation weitererzählt“ wurden. Zwar wissen Sie selber,

„dass eine Vielzahl von profanen Mythen, Sagen, Märchen und Legenden auf diese Art und Weise überliefert werden.

Aber so richtig mögen wir diese wissenschaftliche Einschätzung nicht glauben. Denn als die heilige Schrift der Juden letztlich vom Volk wirklich erzählt werden konnte, hat sie bereits die Priesterschaft gekannt: Der Weg zum einfachen Volk muss also sehr viel später stattgefunden haben. lm Laufe der Zeit hat sich dann allerdings diese Überlieferungspraktik offenbar durchgesetzt. Als schließlich diese Erzählungen endlich aufgeschrieben wurden, waren sie schon über viele Generationen mündlich überliefert worden. Viele der Überlieferungen waren zu diesem Zeitpunkt allerdings schon durch die mündliche Weitergabe sehr verwässert und einige sogar bis zur Unkenntlichkeit entstellt.“

Wie soll das vor sich gegangen sein? Eine fertig vorliegende heilige Schrift wird im Laufe der Zeit (wie viele Jahre später?) dem „einfachen Volk“ übergeben und (nur noch?) mündlich weitergegeben, dabei „sehr verwässert“ oder „entstellt“ und erst dann „endlich aufgeschrieben“? Das ist völlig unlogisch!

Aber wann ist nun wirklich der Urtext der Tora entstanden? Mit Recht wenden Sie sich gegen die Annahme der (I,72f.) „Chronologiekürzer“ wie Uwe Topper, dass nicht nur der masoretische Text, sondern die Tora selbst „erst um das Jahr 1000 nach Chr. entstand“, denn die „Entdeckungen von Qumran“ haben gezeigt, „dass die masoretischen Texte im Wesentlichen jenen Bibeltexten entsprechen, die schon 100 Jahre v. Chr. verwendet wurden.“

Verfälschung des biblischen Urtextes durch Übersetzungen (II)

In diesem Zusammenhang wiederholen Sie (I,70) „am Rande“ ihren Zweifel am Wert von Übersetzungen für die Paläo-SETI-Forschung mit einem offensichtlich falschen Argument:

„Wegweisend … bei der Übersetzung des Alten Testaments ist die Gewissenhaftigkeit, mit der die hebräische TORaH das erste Mal in eine andere Sprache übersetzt wurde. Die Genauigkeit aller späteren Übersetzungen hängt davon ab. Nicht zuletzt deshalb, weil Übersetzer stets auf vorausgegangene Übersetzungen zurückgreifen.“

Ich weiß nicht, wie Sie eine solche Behauptung aufstellen können. Jeder ernstzunehmende Übersetzer der Bibel ist bemüht, auf den jeweils vorhandenen bestbezeugten Urtext in der Originalsprache zurückzugreifen.

War die samaritanische Tora die ursprüngliche Tora? (I)

Abenteuerlich werden Ihre Ausführungen, wenn Sie zu begründen versuchen, dass (I,75) „der Anfang der niedergeschriebenen Bibel in Samaria zu suchen ist“.

Immer wieder führen Sie unrichtige Behauptungen an, zum Beispiel dass Samaria (I,76) „die letzte unabhängige Provinz Israels“ gewesen sein soll, „die ungefähr 721 v. Chr. vom assyrischen König Sargon II. erobert wurde“. Nein, Samaria war die Hauptstadt des Nordreichs Israel, und nachdem dieses „Königreich der zehn Stämme … aus der Geschichte“ verschwand, gab es noch bis zum Jahr 597 v. Chr. das südliche Königreich Juda.

Auch dass „die ersten TORaH-Ausgaben in aramäischer und nicht in hebräischer Sprache verfasst sind“, weil „die Samariter Aramäisch gesprochen haben“, ist nicht nur falsch, sondern es wäre auch von der Annahme eines Bibelcodes her völlig unsinnig, denn dann müsste ja schon von der aramäischen in die hebräische Sprache ein Übersetzungsprozess abgelaufen sein, bei dem ein geheimnisvoller Bibelcode in jedem Fall verlorengegangen wäre.

Richtig ist, dass zu keinem Bibeltext (I,77) „ein Urmanuskript“ vorliegt:

„Alles, was wir aus dieser Zeit kennen sind Abschriften, die ihrerseits wieder von Abschriften stammen.“

Dass allerdings die „alten und abgenutzten Schriftrollen“ nach ihrer Abschrift „nicht etwa irgendwo deponiert, sondern in der Regel umgehend vernichtet“ wurden, widerspricht der jüdischen Praxis, die Sie selbst sogar im nächsten Satz erwähnen:

„Lange Zeit hat man die nicht mehr benutzten TORaH-Ausgaben in den Nebenräumen der Synagogen, den Geniza, gesammelt und nach Ablauf einer bestimmten Frist eingemauert.“

Letztlich können Sie überhaupt nicht begründen, warum Sie die Tora der Samaritaner für ursprünglicher halten als diejenige der Juden, denn Sie schreiben (I,78):

„Zusammenfassend können wir … konstatieren, dass das TORaH-Wissen von Israel, Juda, Samaria und Jerusalem kam, im ägyptischen Alexandria gebündelt wurden und dann wieder nach Samaria zurückkam. Die Frage, warum das TORaH-Wissen ausgerechnet in Samaria erhalten blieb ist einfach zu beantworten: Nur bei den Samaritern wurde ausschließlich die TORaH als heiliges Buch anerkannt. ln Israel, Juda und Jerusalem wurde das gesamte Alte Testament als Wort Gottes betrachtet.“

Hieran ist falsch, dass die alexandrinischen Juden mit den Samaritanern überhaupt nichts zu tun hatten, dass also auch kein Tora-Wissen von Alexandria nach Samaria zurückgekehrt sein kann. Darin, dass die Samaritaner nur die Tora als heiliges Buch anerkannten, kann ich keinen Beweis dafür entdecken, dass auch nur sie das Tora-Wissen bewahrt haben sollten.

Wenn übrigens trotz alledem tatsächlich die samaritanische Tora die ursprüngliche gewesen wäre, hätten gerade Sie ein großes Problem: Denn Sie berufen sich bei ihren Forschungen ja auf den gesamten TeNaK, der von den Samaritanern nicht anerkannt wird, und auf den masoretischen Text der Tora, von dem die samaritanische Tora nach Wikipedia in etwa 6000 Fällen abweicht.

Hat schon das Urchristentum heilige Texte unterschlagen?

Wie gingen die Urchristen mit den heiligen Texten des Judentums um? Ihrer Auffassung nach waren sie (I,79) „der Überzeugung, dass sie allesamt nach ihrem Tod in einer besseren Welt eine körperliche Wiederauferstehung erleben würden“ und legten daher anfänglich „keinen gesteigerten Wert auf alte Traditionen und historische Überlieferungen“. Aber nichts könnte falscher sein, beriefen sich doch diejenigen, die an Jesus als den Messias Israels glaubten, von Anfang an auf „Mose und die Propheten“ (z. B. Lukas 24,27.44; Johannes 1,45; Apostelgeschichte 26,22 und 28,23). Und das bestätigen wenige Sätze danach sogar Sie selbst (I,79):

„Die hebräischen Schriften genügten ihnen zunächst, bestätigten diese doch ihre Ansicht vom verheißenen Messias und darüber hinaus auch noch die vermeintlich angebrochene Endzeit.“

In weitere Widersprüche verwickeln Sie sich, wenn Sie für die Zeit, als die von den Urchristen verkündete Endzeit ausblieb, in zwei aufeinander folgenden Sätzen einerseits behaupten, dass (I,80)

„die urchristliche Tradition in ihren jüdisch-christlichen und paulinisch-christlichen Grundzügen nicht mehr sachgerecht weitergegeben wurde“,

andererseits aber

„durch den selbsternannten Apostel Paulus … ein Christentum geschaffen [wurde], dass mit dem der ersten Christen nichts mehr zu tun hatte. Vor allem wurde das Wissen der Urchristen von der körperlichen Auferstehung in eine endzeitliche Auferstehung umgewandelt und somit eine vollkommen neuartige religiöse Wertvorstellung geschafften.“ (12)

Letztere Einschätzung basiert auf der hier nicht näher ausgeführten Voraussetzung, dass Jesus in der Lage gewesen wäre, das alte Wissen der Tora zu nutzen, um Nahrungsmittel und Menschen zu klonen und dadurch dem Tod ein Schnippchen zu schlagen. Aber dazu erst viel später mehr.

Dem Christentum unterstellen Sie jedenfalls „eine ganze Reihe von schwerwiegenden Manipulationen am Textkörper des Alten Testaments“. Dazu rechnen Sie die Geheimhaltung jener Textstellen, „die Jesus Christus als Messias in Frage gestellt und seine körperliche Auferstehung entmystifiziert hätten“, belegen aber mit keinem Wort, um welche Texte es sich dabei gehandelt haben könnte.

Außerdem sehen sie in „der veränderten Reihenfolge des Versmaßes“ einen Grund dafür, dass in den biblischen Texten „oftmals kein historischer Zusammenhang mehr zu erkennen ist“. Sie meinen aber gar nicht wirklich ein „Versmaß“ biblischer poetischer Literatur, sondern die erst zwischen dem 14. bis 16. Jahrhundert eingeführte Kapitel- bzw. Verseinteilung der Bibel, die allerdings auf die Textgestalt und Reihenfolge des biblischen Urtextes überhaupt keinen Einfluss ausübte.

Mit Recht kritisieren Sie die über Jahrhunderte vertretene Meinung der christlichen Kirche, die Juden hätten durch ihre Ablehnung von Jesus als dem Messias (I,82) „das angestammte Recht auf ihre eigene Heilige Schrift und vor allem auf deren qualifizierte Interpretation verloren“. Im Unrecht sind Sie aber mit ihrer Einschätzung, dass diese Meinung „bis heute unverändert ist“.

Reichlich wirr finde ich Ihre Ausführungen darüber, dass nicht nur die Ausbildung des christlichen Kanons biblischer Schriften, sondern auch des jüdischen nicht ohne willkürliche Auswahl und die (I,83) „Unterschlagung heiliger Schriften“ vor sich ging. Auf jeden Fall widerspricht dieser Vorwurf der oben genannten Wertschätzung der samaritanischen Überlieferung, die ja jedes biblische Buch außer den fünf Büchern Mose aus dem Kanon der heiligen Schrift ausschließt.

Verfälschung des biblischen Urtextes durch Übersetzungen (III)

Wenn man etwas Unwahres mehrfach wiederholt, wird es dadurch nicht wahrer. Trotzdem werden Sie nicht müde, immer wieder neu in aller Ausführlichkeit darauf einzugehen (I,84-88), dass die Bibel durch jede Übersetzung und jede weitere Revision einer solchen Übersetzung immer weiter verfälscht würde, und zwar nicht nur (I,87) durch den katholischen „Klerus“, sondern auch (I,84) bei verschiedenen Revisionen der evangelischen Lutherübersetzung und sogar (I,88) durch einen jüdischen Bibelübersetzer wie Naftali Herz Tur-Sinai. Aber es stimmt immer noch nicht, dass irgendeine Übersetzung den Buchstaben- und Wortbestand des Urtextes verändern würde.

Lang und breit versuchen Sie (I,85ff.) am Beispiel von 1. Mose 1,26 nachzuweisen, dass es nur die falschen Übersetzungen aus dem Urtext sind, die die Vorstellung der Ebenbildlichkeit auf die Erschaffung des Menschen durch einen körperlosen, transzendenten Gott beziehen. In Wirklichkeit ist es ihnen zufolge nach dem biblischen Urtext so (I,86),

„dass auch der Phänotypus des Schöpfers veränderlich ist und sich seine ‚Gestalt‘, so wie auch beim Menschen, ständig den äußeren Umweltbedingungen anpasst. Für einen Gott, welcher angeblich immer aus dem Transzendenten heraus agiert, eine unannehmbare Eigenschaft. Würde sie doch letztlich bedeuten, dass dieser Gott während der Schöpfung nicht körperlos war, sondern sogar sehr körperlich gewesen ist. Die ÄLoHlM waren aber mit Sicherheit keine Wesen, die aus dem Transzendenten heraus agierten. Es waren, im wahrsten Sinne des Wortes, Menschen wie du und ich.“

Wir werden allerdings bei einer weiteren, viel ausführlicheren Betrachtung dieses Themas durch Sie im dritten Band ihres Buches feststellen, dass Sie dort auf einmal von einer multisemantischen Übersetzung bestimmter hebräischer Worte ausgehen, die Sie hier noch mit keinem Wort erwähnen, und die dem hier Ausgeführten insofern widerspricht, als Sie dort dasselbe hebräische Wort an derselben Bibelstelle durch mehrere verschiedene Wörter wiedergeben wollen.

Das Neue Testament als Betrug an der Tora

Dass die christliche Kirche dem Kanon der Bibel die Bücher des Neuen Testaments hinzugefügt hat, wird von Ihnen als (I,89) „eigentlich ein Betrug“ gewertet,

„denn im Alten Testament gibt es keine Hinweise, die darauf deuten, dass zu irgend einem Zeitpunkt die Bibel in ein Altes und Neues Testament eingeteilt werden muss. Ganz im Gegenteil! Eine Fülle von Textstellen verweist darauf, dass der Umfang der Heiligen Schrift auf gar keinen Fall verändert werden darf. Selbst Jesus sagt, dass er nicht gekommen sei, die TORaH zu ändern, sondern um sie zu erfüllen.

Diese Aussage lässt vermuten, dass Jesus wusste, dass in der TORaH ein Wissen enthalten ist, das in keinem Fall verändert werden durfte.“

Aber wieso soll es ein Betrug sein, wenn eine neu entstehende Religionsgemeinschaft wie die der Christen die Schriften der Juden in den Kanon ihrer eigenen Heiligen Schrift übernimmt und zusätzlich eigene Schriften diesem Kanon hinzufügt? Martin Luther – der sich definitiv nicht gegen das Neue Testament als Teil der Bibel ausgesprochen hat – wird übrigens von Ihnen dennoch gelobt, denn er griff (I,90)

„für seine Bibelübersetzung … ganz bewusst nicht auf die Vulgata zurück, sondern bevorzugte den ursprünglichen, also den hebräischen und aramäischen Text und entfernte infolgedessen ebenfalls die deuterokanonischen Texte aus dem Gesamtumfang der Bibel.“

Auch letztere „als Apokryphen“ bezeichnete Texte gehören nämlich Ihrer Ansicht nach zu denjenigen Erweiterungen der Heiligen Schrift, die „keinerlei Informationen mehr [enthalten], die den Menschen von den ÄLoHIM hinterlassen wurden“, sondern das Verständnis des archaischen Texte vielmehr erschweren. Entgegen dieser Einschätzung werden Sie sich später (I,229f.) allerdings durchaus positiv auf das apokryphe 2. Makkabäerbuch beziehen.

Lob der hebräischen Tora und Kritik an der griechischen Septuaginta

Die zuverlässige Überlieferung der hebräischen Tora ist Ihnen zufolge nicht nur seit den Masoreten gewährleistet, sondern wurde durch die Qumran-Texte auch für einen 800 Jahre früheren Zeitraum bestätigt. Nicht verkneifen können Sie sich die Verschwörungstheorie, dass der Vatikan (I,92) „die Veröffentlichung der Funde“ aus Qumran absichtlich verzögert hat, und zwar vermutlich, weil „die ultramontane Kirche etwas zu verbergen hat“, und den Seitenhieb (I,93), dass die „über 5000 Handschriften“ des Neuen Testaments im Gegensatz zu denen des Alten Testaments „mehr oder weniger voneinander ab[weichen]“.

Im Blick auf die erste Übersetzung des TeNaK ins Griechische, die Septuaginta, bezweifeln Sie, dass sie deswegen erfolgte (I,95), weil „alle Juden in der Diaspora ihre Muttersprache verlernt hätten“ (13). Stattdessen wollte Ihnen zufolge (I,96f.) „der ehrgeizige König Ptolemäus II. … das enorme und von den Israeliten geheim gehaltene Wissen vom Ablauf der Schöpfung aus der Bibel auch seinen eigenen Gelehrten zugänglich machen“ (I,96f.). Diese unbelegte Behauptung soll natürlich Ihre Hypothese vom verborgenen geheimen Code in der Tora stützen. Unklar bleibt allerdings, wie eine doch relativ stark vom hebräischen Urtext abweichende Übersetzung wie die Septuaginta dem König auch nur irgendetwas von dem in den hebräischen Buchstaben verborgenen Bibelcode vermittelt haben soll.

Im Übrigen irren Sie: Denn schon seit dem babylonischen Exil war die Muttersprache der Juden gar nicht mehr Hebräisch, sondern Aramäisch gewesen, und gerade in hellenistisch geprägten Städten wie Alexandria wurde mehr und mehr das Griechische zur Umgangssprache auch der Juden. Zwar blieb Hebräisch die heilige Sprache für die Rezitation der Tora in der Synagoge, aber die Septuaginta wurde durchaus gebraucht als eine für die Juden der Diaspora verständliche Übersetzung. Nur auf diese Weise konnte schließlich die Septuaginta auch die selbstverständlich von den Urchristen genutzte Heilige Schrift werden. Und erst das hatte dann allerdings zur Folge, dass immer mehr Juden ihre Verwendung ablehnten; erst in der Abgrenzung zum Christentum wandten sich die Juden auch wieder mehr dem Hebräischen zu, zum Beispiel als Sprache des Talmud.

Wie verhalten sich Tora, TeNaK und Kabbala zueinander?

Auch Ihre Beschreibung des Verhältnisses von Tora, TeNaK und Kabbala enthält seltsame Argumentationen. Zum Beispiel stellen Sie sich die Frage (I,100), warum es

„für die Chronisten ebenso schwierig [war,] die TORaH zu lesen, wie sie zu schreiben. Bei manchen Worten findet sich ein Buchstabe zu wenig oder zu viel, manchmal einer statt eines anderen, oft die Schlussbuchstaben an der Stelle der mittleren und umgekehrt. Warum, diese Frage stellt sich, ist dies so? Papus meint (14), dass das alles höchstwahrscheinlich damit zusammenhängt, dass den alten Hebräern besondere Zeichen für die Vokale fehlten. Nun, dies könnte sein, aber warum hätten dann ausgerechnet die alten Hebräer ein so unaussagekräftiges Alphabet schaffen sollen? Wäre es nicht ein Leichtes für sie gewesen, fehlende Buchstaben hinzuzuerfinden?“

Diese reichlich naive Auffassung lässt außer Acht, dass nicht nur das Hebräische, sondern auch das Aramäische und Arabische eine reine Konsonantenschrift ist. Abgesehen davon bleibt unklar, was Sie damit überhaupt belegen wollen. Etwa, dass die Hebräer absichtlich die Vokale weggelassen hätten, um auf diese Weise besser einen geheimen Code in ihren Schriften verstecken zu können?

Wenn Sie weiterhin (I,100f.) „in der TORaH keine einzige Andeutung darauf finden, dass in den Büchern der Kabbala der Schlüssel zum Decodieren der TORaH-Texte hinterlegt wäre“, sollte das an sich kein Grund zur Verwunderung sein, weil die Schriften der Kabbala ja erst Jahrhunderte nach der Tora entstanden sind und sie daher auch erst nachträglich versucht haben, aus den alten Schriften einen geheimen Sinn herauszulesen. Sie sehen das allerdings anders. Dass Sie nur durch Zufall nach Jahre langer Forschung „die kabbalistischen Hinweise richtig deuten konnten“, führen Sie darauf zurück, dass sich

„die Kabbalisten über Jahrtausende hinweg tatsächlich von jeher als ein erlesener, geheimer Zirkel von wenigen Eingeweihten [verstanden], die streng geheim und für die Allgemeinheit im Verborgenen die wahren Bedeutungen der Bibeltexte verstanden und deuteten“.

Wichtig ist es für Sie, die Tora als Bestandteil des gesamten TeNaK zu begreifen, denn (I,101) „obwohl ihr Inhalt einer der wichtigsten Bausteine für die Paläo-SETI-Forschung ist, ist sie, wenn sie aus dem Zusammenhang des Alten Testaments gerissen wird, vollkommen wertlos“. Seltsam ist wiederum die Begründung dafür: weil er

„aus 22 Büchern besteht. Früher war dieses Buch nicht so aufgebaut wie heutzutage, sondern enthielt insgesamt 22 Schriftrollen (gemäß Saba, 532 gestorben), die ihrerseits auf den 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets aufgebaut wurden. … Wie wir noch eindeutig nachweisen werden, repräsentiert jeder hebräische Buchstabe ein Chromosom des menschlichen Erbguts und demzufolge jedes einzelne Buch des Alten Testaments jenen Teil des genetischen Codes, der auf dem betreffenden Chromosom zu finden ist.“

Seltsam ist alles an dieser Argumentation: Erstens überhaupt eine solche Korrelation, zweitens dass die hier genannten Zahlen nicht einmal zueinander passen, denn das menschliche Erbgut enthält nicht 22, sondern 23 Chromosomenpaare, und drittens, dass der TeNaK seit dem 4. Esra-Buch in der Regel in 24 Bücher eingeteilt wird (wobei die Fünf Rollen einzeln und Esra-Nehemia nur als ein Buch gezählt werden).

Letztlich ist der TeNaK für Sie keine (I,104) „Botschaft, die lediglich unser Verhalten bestimmt und auf einer spirituellen Ebene angesiedelt ist“, sondern er ist (I,106) „eindeutig das Buch des Lebens“, und zwar „nicht so sehr aus theologischer, sondern vielmehr aus biologischer Sicht“:

„Wir gehen sogar so weit, dass wir den Fließtext dieses Werkes nicht nur mit dem genetischen Code des Menschen vergleichen können, sondern ihn sogar als vollkommen identisch bezeichnen müssen. Da der genetische Code nach zehnjähriger Arbeit, im Juni 2000, von Wissenschaftlern fast vollständig entziffert wurde, ist es für Biologen ein Leichtes, die TORaH auf unsere Aussage hin zu überprüfen. Wir bitten darum!

Ob man uns nun erhört oder nicht: Wir werden in den nachfolgenden Teilen dieser Trilogie versuchen nachzuweisen, dass der TORaH-Text nichts anderes ist, als der genetische Code, der einerseits mit den Chromosomen des Menschen und andererseits mit seiner DNS identisch ist.“

Interessant ist für mich am letzten Satz, dass Sie also offenbar den gesamten ersten Band ihrer Trilogie nur als einen Vorspann betrachten, in dem noch nicht einmal der Versuch unternommen wird, irgendetwas von ihrer Hypothese zu beweisen, die auf folgende „große Worte“ hinausläuft:

„Wir denken, dass das Alte Testament das Erbe der ÄLoHIM ist und in diesem Sinne eine Hinterlassenschaft darstellt, mit der die Menschheit alle ihre Probleme schnell und unbürokratisch lösen kann.“

Verfälschung des biblischen Urtextes durch Übersetzungen (IV)

Im eben genannten Zusammenhang betonen Sie übrigens erneut, wie wichtig es für sie ist, dass wir seit der Fertigstellung des TeNaK um 200 v. Chr. (I,104) „quasi eine unveränderte Kette von authentischen TeNaK-Abschriften“ haben; und zum vierten Mal wiederholen sie ihre Angriffe auf die (I,103) „unzähligen Manipulationen, die in die Übersetzungen des TeNaK einflossen“, obwohl keine Übersetzung doch am Grundbestand des Urtextes auch nur das Geringste ändert.

Das Alte Testament als Testament der ÄLoHIM

Obwohl Sie wissen, dass (I,108) „die Begriffe Altes und Neues Testament sehr spät zur Bezeichnung der biblischen Bücher wurden“, versuchen sie dennoch genau diesen Begriff „Testament“ im Sinne der Bedeutung „letzter Wille“ bereits in die Ursprungszeit des Alten Testaments zurückzuprojizieren (I,110):

„Die ÄLoHIM errichteten zwischen sich und den Menschen eine Allianz, die nur dazu diente, deren letzten Willen zu erfassen.“

Dabei hinterfragen Sie „das klerikale Dogma vom allmächtigen, allwissenden und allgegenwärtigen Gott der Bibel“ und behaupten:

„Für uns sind die ÄLoHIM nichts anderes als die Vertreter einer außerirdischen Spezies, die den Auftrag erhielt, die irdische Schöpfung nach oberen Vorbildern durchzuführen. Und wie könnte dies wohl besser geschehen, als im Rahmen der Naturgesetze, indem sie am Genom des irdischen Urmenschen so lange Manipulationen vornahmen, bis letztlich der Mensch nach dem Bilde seiner Schöpfer entstand. Mit göttlicher Allmacht hat dies wahrlich nichts zu tun, schon eher mit dem Wissen moderner Biologen. “

Dass Sie für diese Behauptung nirgends überzeugende Beweise vorlegen, lasse ich hier außer Acht. Aber auch Ihre Argumention zum Begriff „Testament“ enthält offensichtliche Fehler. Angeblich (I,108)

„wird mit der Benutzung der Begrifflichkeit ‚Testament‘ eine Verfälschung von bestehenden Sachverhalten durchgeführt, indem das, aus dem Lateinischen stammende Wort Testament (testamentum) ausschließlich mit Bund (hebräisch KaRaT) übersetzt wird.“

Damit verdrehen Sie allerdings die grundlegende Richtung der Übersetzung – der Urtext der Bibel, aus dem übersetzt wird, ist ja nicht das Lateinische, sondern das Hebräische. Darüber hinaus ist auch noch das hebräische Wort, das hier für „Bund“ angegeben wird, falsch. KaRaTh heißt „schneiden“ und wird als Verb oft auch für das „Schließen“ des Bundes verwendet; der „Bund“ selbst heißt auf Hebräisch aber BöRiTh. Dass Sie das selbst auch wissen, zeigt Ihre Anmerkung 94 auf Seite I,119.

Aber wie dem auch sei, Sie bestehen (I,108) „bei der Auslegung des Wortes Testament“ darauf, dass nicht, wie es angeblich nur „der Klerus“ sieht, „ein transzendenter Gott mit dem Menschen in vorchristlicher Zeit einen Bund geschlossen hat“:

„Dass der Begriff Testament auch ‚letzter Wille‘ bedeutet, will eigentlich niemand so recht wahrhaben und um den Sinn besser verdrehen zu können, lässt man es einfach unter den Tisch fallen. ‚Wie könnte auch‘, so sagte es einmal ein Geistlicher, ‚der allerhöchste Gott einen letzten Willen haben. Würde das nicht im Denken der Menschen voraussetzen, dass Gott endlich ist?‘

In dieser Denkweise liegt auch der Grund dafür, dass man den Begriff Testament nur mit Bund übersetzt. Was allerdings grundsätzlich falsch ist. Übersetzt man Testament allerdings mit Bund und letztem Willen zusammen, erhält das A.T. einen vollkommen neuen, ja sogar einen historischen Realitätsanspruch.“

Wie gesagt, grundsätzlich falsch ist an Ihrer Denkweise, dass das Wort „Testament“ gar nicht im Urtext steht und insofern gar nicht „mit Bund und letztem Willen zusammen“ in eine andere Sprache übersetzt werden kann. Erst in der Septuaginta wird das hebräische Wort BöRITh mit „diathäkä“ ins Griechische übersetzt, und dieses Wort kann tatsächlich sowohl „Bund“ als auch „Letzter Wille“ bedeuten, genau wie das lateinische Wort „testamentum“.

Nebenbei werfen Sie in diesem Abschnitt, der eigentlich dem TeNaK gewidmet ist, auch einen Blick ins Neue Testament und behaupten, dass dieses Buch im Gegensatz zum A.T. und den (I,109) „darin enthaltenen Fakten nachweislich geschichtlicher und biologischer Natur“ lediglich

„aus spirituellen Gleichnissen, materiellen Endzeitprophetien und der klerikalen Forderung [besteht], dass der Mensch nur durch ewiges Leiden ein neues Bibelverständnis entwickeln kann, um dadurch deren Inhalt auch richtig erkennen zu können.“

Wer auch nur wenig vom Neuen Testament kennt, wird einordnen können, dass diese Sichtweise völlig abwegig ist. Noch abwegiger ist der von Ihnen hinzugefügte Vorwurf, dass im Neuen Testament

„die tatsächliche Tätigkeit von Jesus dermaßen entstellt wurde, dass heute niemand mehr die vollkommen normalen Taten von Jesus Christus als solche erkennt und dementsprechend als Wunder ansieht. Hat aber die Fähigkeit Tote zum Leben zu erwecken, Wasser in Wein zu verwandeln oder die Vermehrung von Brot und Fisch wirklich etwas mit einem göttlichen Wunder zu tun? Wir denken nicht, denn es hat allen Anschein, als ob Jesus nur zu jenen wenigen Eingeweihten gehörte, die in Ägypten mit den Geheimnissen der ÄLoHIM vertraut gemacht wurden.“

Das ist schon deswegen nicht belegbar, weil sich Jesus nach dem Matthäusevangelium (2,22) nur im Kleinkindalter in Ägypten aufhielt – und nicht einmal das ist historisch zu beweisen.

Ein weiterer Abschnitt zeigt, in welcher Weise Sie bei ihrer Darstellung der christlichen Haltung gegenüber der Bibel und den Juden sowohl wahre als auch falsche Aussagen bis hin zu beleidigenden Unterstellungen miteinander vermischen (I,109):

„Bei den Christen wurde das A.T. zur Urkunde des Bundes zwischen Gott und den Israeliten und das N.T. zur Allianz zwischen Gott und allen Menschen auf Erden. Für die Juden hat diese zweigeteilte Bibel der Christen jedoch nicht den Stellenwert des göttlich Offenbarten und das Neue Testament ist für sie vollkommen ohne Bedeutung.“

Soweit kann man den Ausführungen voll und ganz zustimmen. Dann folgen Aussagen, in denen wahre und falsche Aussagen miteinander vermischt sind:

„Sie [die Juden] glauben nach wie vor seit Jahrtausenden an die Macht ihres eigenen Gottes und wenn heute Theologen behaupten, die Juden würden von Bibel sprechen, wenn sie das Alte Testament meinen, ist das schlicht und einfach die Unwahrheit, weil sich das Alte Testament für die Juden in erster Linie in den Teilen TORaH, TeNaKh, Nebiim und Ketubim manifestiert.“

Hier verwundert es zunächst, dass Sie von der Macht des Gottes der Juden reden, den Sie selbst in der Bibel gar nicht wiederfinden; stattdessen interpretieren Sie (I,110) den biblischen Begriff ÄLoHIM für „Gott“ in die „Vertreter einer außerirdischen Spezies“ um. Unwahr ist, dass die Juden (I,109) nicht das Wort „Bibel“ für ihre Heilige Schrift verwenden. Was sie nicht verwenden, ist die christliche Bezeichnung „Altes Testament“. Und dass der TeNaK den Oberbegriff für die drei Teile Tora, Nebiim und Ketubim bildet und nicht in eine Reihe mit diesen Begriffen gehört, hatten Sie selbst an anderer Stelle (I,23) erklärt. Wer selbst so wenig Sorgfalt auf seine Formulierungen verwendet, dass immer wieder auch solche Flüchtigkeitsfehler vorkommen, sollte jedenfalls mit krassen Vorwürfen anderen gegenüber, wie sie an dieser Stelle folgen, besonders vorsichtig sein (I,109f.):

„Eine derartige Verdrehung von gegebenen Tatsachen vorzunehmen, nennt man dann auch schlicht und einfach Fälschung. Noch genauer auf das leidige Thema der christlichen Geschichtsfälschungen mit den Worten Bibel und Testament einzugehen, wäre an dieser Stelle fehl am Platz und wir sollten es im Augenblick dahingestellt lassen, welche Ursachen letztlich ausschlaggebend waren, dass Menschen derartig unmoralisch und unethisch an der Geschichte handelten.“

Wie entstand die Bibel? (Zweiter Anlauf)

In einem zweiten Anlauf zur Erläuterung der Ursprünge der biblischen Erzählungen lehnen Sie die Annahme ab (I,112), „dass der Ursprung großer Teile der biblischen Inhalte von den biblischen Redakteuren vom sumerischen Mythos ausgeliehen wurde“. Sie nehmen stattdessen an (I,113), dass „beide Völker“, Sumerer und Israeliten,

„die Sintflut-Katastrophe getrennt voneinander gekannt und miterlebt haben müssen, weil einerseits beide Völker in ihren Mythen über die Sintflut berichten, aber andererseits dennoch den Ablauf dieses kataklysmischen Geschehens vollkommen anderen Augenzeugen zuordnen“.

Da es aber (I,113f.) „aus archäologischer Sicht dennoch nirgends auf der Welt auch nur einen einzigen konkreten Hinweis gibt dass es diese, anscheinend weltumspannende Flutkatastrophe auch wirklich gab“, stellen Sie sich folgende Fragen, die auf Ihre Paläo-SETI-Hypothese zielen, die Sie aber an dieser Stelle unbeantwortet lassen (I,114):

„Wo also fand dieser Kataklysmus statt?

Warum kennen ihn alle Völker?

Gab es am Ende einen Urmythos und vor allem, fand das Geschehen, das dieser Urmythos schildert, gar nicht auf der Erde statt?“

Jedenfalls bestreiten Sie, dass sich (I,117) „die ersten wirklichen Hochkulturen dieser Welt aus sich selbst heraus entwickelt haben sollen“, wie es die Wissenschaft für die Länder im Nahen Osten bzw. im Fruchtbaren Halbmond annimmt. Da in der Zeit der ersten großen Weltreiche „nicht nur politische, sondern vor allem auch literarische Menschheitsgeschichte geschrieben wurde“, behaupten Sie:

„Und Literatur setzt einen Wissensstand voraus, den unsere prähistorischen Vorfahren nicht von selbst erreicht haben konnten. Damals wie heute braucht es Vorbilder und Lehrmeister. Wer aber sollte unsere Ahnen in den schönen Künsten unterrichtet haben? Wer gab ihnen das grundlegende und hierfür unabdingbare Grundwissen? Die wissenschaftliche Aussage, die Menschen hätten sich alles selbst beigebracht, ist nahezu lächerlich. Hier können nur, nein hier müssen Kulturbringer am Werk gewesen sein. Kulturbringer, die keinesfalls von dieser Welt stammen können.“

Im Zusammenhang dieser Behauptungen werden Sie nicht müde, erneut zu betonen, „dass keine Silbe am biblischen Text geändert werden darf“, damit die (I,118)

„biblische Ursprünglichkeit und vor allem die in den Texten der TORaH enthaltenen Informationen der ÄLoHIM nicht verloren gingen. Und dass diese Informationen nicht verändert werden durften, wird besonders dadurch einleuchtend, dass, wie wir herausfanden, die Schöpfer der Menschheit den gesamten genetischen Code des menschlichen Organismus im Alten Testament hinterlegten. Bei der Replizierung dieses Codes hätte jeder einzige Buchstabe an der falschen Stelle fatale Auswirkungen für den Organismus. Dies zu verhindern, lag offenbar im allergrößten Interesse der ÄLoHIM.“

Hierzu möchte ich allerdings anmerken, dass es Ihnen durchaus bewusst ist (I,121), dass auch beim Kopieren der Tora kleinere Abschreibfehler vorgekommen sind – aber wie sollten unter diesen Umständen die erwähnten fatalen Auswirkungen überhaupt zu vermeiden sein?

Jedenfalls sollte (I,118) „der Code, mit dem der irdische Urmensch“ von den ÄLoHIM „in ihrem Bilde … umgeformt wurde, ganz genau erhalten“ bleiben. Zu diesem Zweck schlossen die ÄLoHIM einen Bund mit den Israeliten, um zu gewährleisten,

„dass das Wissen von dieser Umwandlung vom auserwählten Volk der ÄLoHIM unverändert in eine Zeit transferiert wird, in der die Menschheit erkennt, dass die Chronisten des Alten Testaments über ein exorbitantes Wissen verfügten, welches nicht in der Zeit entstanden sein konnte, in der es niedergeschrieben wurde. Insofern kann es nur in einer anderen Hochkultur entstanden sein. Diese Hochkultur kann, denn wo wären die Spuren dieser Hochkultur, nicht von diesem Planeten kommen und somit gibt es nur eine einzige Antwort auf diese sich zwangsläufig aufdrängende Frage: Die Schöpfer der Menschheit waren Angehörige einer außerirdischen Spezies.“

Über die Art, wie die Tora dann letztlich überliefert worden ist, drücken Sie sich in reichlich verworrener Form aus. Sie erwähnen das im Talmud enthaltene Verbot (I,119), „die schriftliche und die mündliche TORaH“ miteinander zu vermischen, erwähnen die meines Wissens nirgends belegte (I,120) „Erkenntnis, dass die Bibel mit einem polyalphabetischen System verfasst wurde“, was wohl irgendetwas mit kryptographischen Verschlüsselungstheorien zu tun hat, und gehen schließlich davon aus (I,121),

„obgleich dieser Faktor nur eine untergeordnete Rolle gespielt hat, dass die Texte der Bibel zunächst mündlich überliefert wurden. Ausschmückungen, Hinzufügungen und natürlich auch Weglassungen sind bei dieser Art von Weitergabe historischer Überlieferung vollkommen normal, weil jeder Erzähler andere Schwerpunkte setzt.“

Auch bei der späteren Fixierung der Überlieferungen auf vergänglichen Materialien wie Papyrus und Pergament und beim immer neu erforderlichen „Abschreiben mit der Hand lässt sich … nicht vermeiden, dass sich zwangsweise ungewollte Fehler einschleichen.“

Meines Erachtens geben Sie keine Antwort auf die von ihnen nicht einmal gestellte Frage, wie es unter diesen Umständen gelungen sein soll, einen ursprünglich buchstabengetreu kodierten Tora-Text über Jahrhunderte hinweg zunächst mündlich, dann durch wiederholtes Abschreiben, in auch nur annähernd identischer Form zu überliefern.

Zwar erwähnen Sie die Einsetzung der schriftgelehrten (I,122) „Sopherim“, die als „Hüter der biblischen Inhalte“ zu wirken hatten. Der Denkfehler in dieser Argumentation ist aber, dass diese Sopherim sich ja auf die aus mündlicher Überlieferung stammenden schriftlichen Texte stützen mussten. Und die mündliche Überlieferung konnte, wie Sie selber oben schreiben, zwangsläufig gar nicht ohne Fehler sein. Also können die Sopherim gar nicht eine angeblich ursprüngliche Version der Tora oder des TeNaK aufbewahrt haben, sondern nur den Stand des TeNaK, wie er eben irgendwann schriftlich festgelegt wurde.

Verfälschung des biblischen Urtextes durch Übersetzungen (V)

Darüber vermag auch nicht die folgende Behauptung hinwegtäuschen, die (mittlerweile zum fünften Mal) auf die unheilvolle Rolle von Übersetzungen des TeNaK eingeht (I,122):

„Erst nachdem die heilige Schrift der Juden in fremde Sprachen, vor allem ins Griechische und Lateinische übersetzt wurde, schlichen sich die wirklich großen Fehler ein.“

Wie ebenfalls von mir schon mehrfach gesagt, sind fehlerhafte Übersetzungen völlig ohne Einfluss auf den Erhaltungszustand des hebräischen Textes des TeNaK, der ja spätestens seit den Masoreten, aber vermutlich sogar bereits seit der Zeit der Qumran-Texte in vorbildlicher Genauigkeit überliefert wurde, wie Sie immer wieder betont haben und hier erneut hervorheben (I,123):

„Als in Qumran Schriftrollen gefunden wurden und man diese mit anderen Schriften verglich, stellte man verwundert fest, dass sie faktisch vollkommen unverändert über einen Zeitraum von nahezu 1000 Jahren weitergegeben wurden. Mit solchen Ausgaben hätten wir die beste Grundlage für die Paläo-SETI-Forschung, aber leider gibt es für die breite Öffentlichkeit keine Repliken solcher Texte.“

Aber erstens gibt es unter den Qumran-Funden sowieso keine gesamten Tora- oder gar TeNaK-Ausgaben, und zweitens ist, wie gesagt, in der Zeit, bevor der TeNaK aufgeschrieben wurde, eine lückenlose und fehlerfreie Überlieferung absolut nicht gesichert.

Ist Mose der Verfasser der Tora? (Vorgeschmack)

Wann also könnte ein fehlerfreier Text der Bibel aufgeschrieben worden sein? Sie helfen sich mit der Annahme, dass die außerirdischen ÄLoHIM nicht nur Adam erschaffen haben, sondern höchstpersönlich auch Mose damit beauftragen (I,124), „das historische Sachgeschehen, insbesondere jenes, das er selbst miterlebt hatte, für die Nachwelt aufzuschreiben.“ Wenn man den biblischen Zeitangaben glaubt, wurde Adam um etwa 3900 v. Chr. erschaffen, Mose aber lebte der Bibel zufolge erst um etwa 1400 v. Chr. Demzufolge müssten sich die ÄLoHIM mindestens 2500 Jahre lang (oder nach 2500 Jahren erneut?) auf der Erde aufgehalten haben. Eigentlich hätten sie dann auch gleich hier bleiben oder wenigstens nach nochmals 3400 Jahren uns einen weiteren Besuch abstatten können.

Ganz klar drücken Sie sich zwar nicht darüber aus, ob also Mose selbst die gesamte Tora aufgeschrieben haben soll, also die fünf Bücher Mose einschließlich der Teile, in denen sein Tod berichtet wird, aber offen bleibt immer noch das Problem, wie die Inhalte aller anderen Schriften des TeNaK überliefert und schließlich schriftlich festgehalten wurden, die mit Ereignissen in den 1000 Jahren nach Mose zu tun haben.

Verfälschung des biblischen Urtextes durch Übersetzungen (VI)

Dieses grundlegende Problem übergehen Sie aber sehr schnell; stattdessen wiederholen Sie zum sechsten Mal ihre Klage über den (I,125) „Verlust der biblischen Ursprünglichkeit“ durch Übersetzungen, die „zwar den Sinn, aber niemals das Wort selbst“ in eine andere Sprache übertragen konnten. Noch einmal schießen Sie sich besonders auf die Einheits-Übersetzung ein (I,126), der Sie wegen der Berücksichtigung der „Regeln der deutschen Sprache … zwangsläufig Verfälschungen des ursprünglichen Sinnes“ vorwerfen:

„Um die Bibel flüssig lesen oder singen zu können, wurden dann schon ab und zu die einen oder anderen Worte hinzugefügt, weggelassen oder ganz einfach angepasst.“

Ebenso wird es durch Wiederholung nicht wahrer, dass „die meisten auch heute noch verwendeten Bibeln von diesen ersten Übersetzungen abstammen“ (also wohl von der griechischen Septuaginta und der lateinischen Vulgata), denn alle mir bekannten Übersetzungen gehen auf die biblischen Urtexte zurück (15).

Mit folgendem Satz (I,127) widersprechen Sie ein weiteres Mal bisherigen eigenen Ausführungen: „Für einen Juden sind moderne Bibelübersetzungen nicht akzeptabel.“ Es ist sicher wahr, dass Juden Vorbehalte gegenüber christlichen Bibelübersetzungen haben und grundsätzlich davon ausgehen, dass „es keine auch nur annähernd adäquate Übersetzung der hebräischen Bibel in eine andere Sprache“ gibt. Trotzdem haben auch Sie (I,88) die jüdische Bibelübersetzung durch Naftali Herz Tur-Sinai erwähnt, die natürlich nicht das Original ersetzen, sondern nur helfen will, es zu verstehen. In diesem Zusammenhang machen Sie allerdings völlig zu Recht deutlich (I,127):

„Wir sind der Überzeugung, dass keine einzige Bibelübersetzung in der Lage ist, auch nur annähernd jene Informationen wiederzugeben, die im Original enthalten sind. Insofern ist jede Bibelübersetzung faktisch wertlos.“

Nur – was sollen dann Ihre auf vielen Seiten (inzwischen an sechs verschiedenen Stellen!) wiederholten Tiraden gegen Übersetzungen, die angeblich den Urtext ersetzen sollen, was aber keinem Übersetzer ernsthaft in den Sinn kommt!?

Schon im nächsten Satz folgt erneut eine völlig abwegige Verurteilung der Einheitsübersetzung, weil sie angeblich (I,127f.) „die Bibel“ (damit müsste doch wohl deren Urtext gemeint sein) verändert haben soll:

„Wenn die Sopherim und Masoreten noch ein besonderes Augenmerk auf die authentische Weitergabe des Ursprungstextes hatten, so ist festzustellen, dass insbesondere die Auftraggeber der Einheitsübersetzung gerade das Gegenteil herbeigeführt haben. Durch sie wurde die Bibel so tiefgehend verändert, dass es heute fast niemandem mehr möglich ist, jenen ganzheitlichen Aspekt, der die Bibel vor allem mit den anderen Mythen verbindet, aus ihren Texten herauszufiltern. Es ist in dieser Hinsicht eine nicht gerne gehörte jedoch unwiderlegbare Tatsache, aber die biblische Tradition ist durch die kirchliche und synagogale Kanonisierung von den mythologischen Quellen der Völker abgeschnitten worden. Eine Konvergenz zwischen den Schöpfungsmythen gibt es deshalb seit langem nicht mehr.“

Bin ich nach der Lektüre dieses Abschnitts vollends verwirrt? Ja. Denn erstens ist mir schleierhaft, wie durch eine Übersetzung der Urtext der Bibel „von den mythologischen Quellen der Völker abgeschnitten worden“ sein soll. Zweitens springen Sie mitten in einem Gedankengang, in dem Sie eigentlich die Einheitsübersetzung des 20. Jahrhunderts kritisieren, mal eben knapp 2000 Jahre zurück und werfen der christlichen Kirche und (!) der jüdischen Synagoge vor, dass sie bei ihrer jeweils unterschiedlichen Festlegung des biblischen Kanons schon damals dasselbe verschuldet haben, was andererseits aber doch erst „die Auftraggeber der Einheitsübersetzung … herbeigeführt haben“ sollen. Das ist auch deswegen seltsam, weil Sie die Synagoge doch bisher ständig wegen ihrer Überlieferungstreue des TeNaK gelobt haben. Abgesehen davon – hatte sich das Volk Israel nicht schon lange zuvor selber „von den mythologischen Quellen der Völker“ getrennt, und zwar mit voller Absicht, weil sie eben deren Vielgötterei ablehnten und nur auf ihren Einen Gott vertrauten? Aber dieser Aspekt des jüdisch-christlichen Monotheismus kommt für Sie natürlich überhaupt nicht in Betracht, weil Sie in den ÄLoHIM und in JHWH ja keinen Gott erkennen – und schon gar nicht einen Einzigen.

Am Ende eines langen, ziemlich wirren Abschnitts gehen Sie dann noch einmal auf die Verantwortung der Übersetzer ein, die sie (I,128) „bei ihrer mühsamen Arbeit“ tragen, und empfehlen ihnen an Stelle einer „Sinn-für-Sinn-“ eine „Wort-für-Wort-Methode“. Aber zur exakten Ausarbeitung dieses Unterschieds möchten sie „die Aufmerksamkeit der Leser auf die Bücher ‚Die Gilde der kosmischen Former‘ und ‚Die Mars-Apokalypse‘ richten“ und betonen: „Um Wiederholungen zu verhindern, können wir auf diesen Punkt an dieser Stelle leider nicht eingehen.“ Wieder einmal hätten sie durchaus Platz für weitere Ausführungen gehabt, wenn sie etwa auf die sechste Wiederholung überflüssiger Klagen über angeblich den Urtext verfälschende Übersetzungen verzichtet hätten.

Ist in der Bibel ein geheimer Code hinterlegt? (III)

Damit reißt aber die Reihe der Wiederholungen bereits reichlich durchgekauter Themen nicht ab. Noch einmal gehen Sie auf die erstaunliche Leistung der Juden ein (I,129),

„wir haben diesen Punkt bereits mehrfach angesprochen, mit welcher Gewissenhaftigkeit die heiligen Schriften an nachkommende Generationen weitergegeben wurden.“

An dieser Weitergabe waren Ihnen zufolge drei jüdische Priestergruppen beteiligt (I,130), erstens die Sopherim bzw. die Masoreten, die für das Abschreiben der Schriftrollen und die damit zusammenhängenden Regeln verantwortlich waren, zweitens die Verantwortlichen für Gottesdienst und Rechtsprechung und drittens diejenigen, die „das biblische Geheimwissen der Juden“ zunächst „ausschließlich mündlich vom Mund zum Ohr“ überlieferten, dieses dann aber auch in den Büchern der „Kabbala“ schriftlich fixierten: „Nur mit ihrer Hilfe sind die verschlüsselten Texte des Alten Testaments zu entschlüsseln.“

Verfälschung des biblischen Urtextes durch Übersetzungen (VII)

Und noch einmal (zum inzwischen siebten Mal) beklagen Sie, dass christliche Bibelausgaben mehr und mehr dazu beitragen (I,129), „dass die archaische Aussagekraft vollends verloren geht.“ Zwei Seiten später regen Sie sich allerdings darüber auf, dass (I,131) „dass das Besitzen, Lesen und vor allem das Übersetzen der Heiligen Schrift in die jeweilige Landessprache“ durch die katholische Kirche „immer wieder untersagt wurde“ (I,132):

„Wir denken, dass das Bibelstudium deshalb verboten wurde, weil die Kirchenoberen ganz genau gewusst haben, dass in den Texten des Alten Testaments ein chiffriertes Wissen hinterlegt ist, welches den Menschen nicht zugänglich gemacht werden durfte.“

Aber wie hätten die Menschen den Bibelcode einer Übersetzung entnehmen sollen? Eigentlich müssten Sie das Verbot schlechter Bibelübersetzungen sogar begrüßen und stattdessen dafür plädieren, dass jedermann Hebräisch lernt und den TeNaK im Urtext lesen und seinen geheimen Code ergründen kann.

Ist Mose der Verfasser der Tora? (Versuch eines Beweises)

Bereits im zweiten Anlauf zur Erklärung der Bibelentstehung waren Sie auf Mose oder – wie Sie seinen Namen umschreiben – MoSchäH zu sprechen gekommen. Nun wollen Sie sich (I,133) „mit den Verfassern der heiligen Schrift befassen und diese auf ihre Integrität prüfen“, beschäftigen sich dabei aber in aller Ausführlichkeit nur mit einem einzigen Mann, nämlich eben Mose.

Dass sogar Erich von Däniken, der Begründer der Paläo-SETI-Forschung, die historische Existenz Moses anzweifelt, indem er (I,137) „die rührende Geschichte vom Knäblein Moses, das – in einem Binsenkörbchen ausgesetzt – auf dem Nil schwamm und von einer barmherzigen Pharaonentochter gerettet wurde“ in einen Zusammenhang mit dem „indischen Epos Mahabharata“ stellt (16), ficht Sie insofern nicht an, als Mose doch (I,138) „wesentlich früher“ lebte, „als das indische Epos Mahabharata entstand“:

„Diesen chronologischen Faktor vergessen viele Bibelkritiker allzu gerne. …

Tatsache ist jedoch, dass die Geschichte um MoSchäH durchaus der Wahrheit entsprechen kann. Ja sogar der Wahrheit entsprechen muss, weil ansonsten andere Ereignisse aus der ägyptischen und israelischen Geschichte nicht mehr chronologisch zusammenpassen würden.“

Schon ein solcher Satz belegt, dass Sie wiederum keine Beweise, sondern nur Zirkelschlüsse für Ihre Behauptungen vorbringen können. Oder sollten Sie doch noch mehr vorzuweisen haben? Immerhin schreiben Sie:

„Obgleich für uns feststeht, dass MoSchäH gelebt hat, wollen wir uns doch, allein der Objektivität wegen, in den nachfolgenden Teilen mit der Frage beschäftigen, ob MoSchäH eine reale Person der Geschichte war.“

Dann allerdings lassen Sie die Leserschaft wiederum sehr lange auf von ihnen angekündigte (I,140) „Indizien“ warten, „die dafür sprechen, dass es ihn wirklich gab“. Stattdessen wollen Sie im Grunde auf jede ernsthafte Auseinandersetzung mit Ihnen nicht genehmen Positionen verzichten und einfach auf der von ihnen behaupteten Wahrheit beharren:

„Letztlich muss jedoch jeder selbst entscheiden, ob er aus MoSchäH eine Legende macht. Man muss jedoch wissen: Lehnen wir MoSchäH ab, wird das gesamte Alte Testament fragwürdig. Erkennen wir MoSchäH an, entsprechen auch seine biblischen Aussagen der Wahrheit. Wir denken deshalb, dass man sich erst gar nicht in jene fruchtlose Diskussion einlassen sollte, mit der man zu ergründen sucht, ob MoSchäH wirklich gelebt hat oder ob der älteste Prophet des Judentums lediglich eine Sagengestalt gewesen ist. Man mag in wissenschaftlichen und sogar in theologischen Kreisen geteilter Ansicht sein, wir sind der Meinung, dass die literarische Exaktheit und die historische Verbundenheit der biblischen Bücher für sich selbst sprechen.“

Trotzdem versprechen Sie dann doch noch (I,141), die ihnen „zur Verfügung stehenden Indizien und Fakten“ vorzulegen.

Als erstes solcher Indizien führen Sie (I,142) die „lückenlose Namensliste“ der „Vorfahren MoSchäHs“ von „ABhRaHaM über Isaak, Jakob, Levi und Qahat“ (17) an, wobei Sie nicht einmal angeben, an welchen Stellen der Bibel sie steht. Und Sie verschwenden keinen Gedanken an die Frage, ob jede Liste, die jemand einmal niedergeschrieben hat, zwangsläufig historische Fakten wiedergibt. Letzten Endes fordern Sie ohne jeden Beweis, dass wir „die Bibel nur als geschichtliches Dokument anerkennen“ müssen, und werfen der „katholischen Kirche“ vor, dass diese

„die fragwürdige Behauptung aufstellt, die Texte der Bibel können nicht als authentische Geschichtsdarstellung betrachtet werden. Sie wären nur mittels einer theologischen Geschichtsdeutung zu begreifen.“

Dabei hatte sich doch Jahrhunderte lang gerade auch die katholische Kirche gegen die Behauptung gewehrt, dass Mose eine legendarische Gestalt und nicht der Verfasser der Mosebücher gewesen sein soll. Erst die historisch-kritische Bibelwissenschaft meldete im Zuge der Aufklärung gegen den Widerstand der Amtskirchen Zweifel an der Historizität Moses an.

Dass man den genauen Geburtstag des Mose nicht kennt, halten Sie für unwichtig (I,143),

„denn die Bibel legt sich in ihrem Gesamtumfang nicht ein einziges Mal mit einem exakten Datum fest. Wie könnte sie auch, gab es doch zu dieser Zeit gar keine Chronologie in unserem modernen Sinn. Und im Grunde genommen sind Daten auch vollkommen unwichtig, denn die Inhalte des Alten Testaments behandeln Geschehnisse, deren höhere Allgemeingültigkeit von Daten durchweg unabhängig ist. Insofern handelt es sich bei den Inhalten der TeNaK um ein universales Wissen, welches ohne Daten auskommen muss und auch ohne diese recht gut auskommen kann.“

Die „in der Bibel überlieferten Verwandtschaftsverhältnisse“ des Mose, dessen Eltern beide „aus der Priestersippe LeWIs“ stammen, werden sodann als zweites Indiz für seine reale Existenz angeführt, und zwar weil solche Angaben von den Juden doch nur deswegen (I,144) „so akribisch genau bis heute erhalten und lückenlos weitergegeben wurden“,

„weil einige Familien ganz genau wussten, dass der biblische Text des Alten Testaments einen Code repräsentiert, der in seiner Ursprünglichkeit unter keinen Umständen verändert werden durfte, weil ansonsten seine Grundaussage verloren geht. So können wir heute aufgrund der akribischen Genauigkeit, mit der die Bibel von den Juden seit Jahrtausenden tradiert wurde, davon ausgehen, dass es mehr als zweifelhaft ist, dass sie lediglich phantasievollen Unsinn darin verfasst hätten. Und wir können deshalb auch davon ausgehen, dass die in der Bibel behandelten und angegebenen Verwandtschaftsverhältnisse des MoSchäH stimmen.“

Ein klassischer Zirkelschluss: Durch etwas, was nicht bewiesen ist, wird etwas anderes als erwiesen hingestellt.

Soll man es als weiteres Indiz für die reale Existenz Moses werten, dass angeblich die katholische Kirche die Erkenntnis verhindern wollte (I,142), dass „MoSchäH … als Verfasser der TORaH“

„einen festen Platz in der langen Reihe von Geheimnisträgern hat, die in das hermetisch-kabbalistisch-alchimistische Wissen eingeweiht waren?

Wir denken, es ist so, denn wenn man MoSchäH aus der Reihe der Kabbalisten entfernt, entsteht ein Bruch, der verhindert, dass dieses geheime Wissen überhaupt bis nahe in unsere Zeit unbeschadet transportiert werden konnte.“

Auch das ist ein weiterer Zirkelschluss: Sie setzen voraus, dass etwas zweifellos wahr sein muss, weil sonst Ihr gesamtes Gedankengebäude zum Einsturz gebracht würde. Wie genau Sie das wissen, machen Sie deutlich (I,144), indem Sie beschreiben, welche wichtige Rolle Mose in Ihren Augen für die Überlieferung des genetischen Bibelcodes spielt:

„Für unsere Forschung ist dieser Punkt eminent wichtig, denn durch MoSchäH schließt sich eine Lücke, wie das Wissen um den genetischen Bibelcode, nachdem er lange Jahre zuvor von ABhRaHaM nach Ägypten gebracht wurde, wieder zu den Hebräern zurück kam. Insofern ist MoSchäH eine der Schlüsselfiguren, durch die dieses sehr streng geheim gehaltene hermetisch-kabbalistisch-alchimistische Wissen der Sumerer, Chaldäer, Hebräer und Ägypter, vom Nahen Osten nach Europa kam. Würden wir ihn aus der Geschichte streichen, ist es nahezu unmöglich dem Weg, den der in der Bibel integrierte älohimische Code der Schöpfungsformel bis in unsere Zeit genommen hat, lückenlos auf die Spur zu kommen.“

Klarer wird, was Sie meinen, wenn Sie Moses Werdegang seit seiner Erziehung (I,146) „in den Traditionen Ägyptens“ am Hof des Pharao nachzeichnen, wo er angeblich auch (I,147) „die Aussagen des Hermes Trismegistos“ kennengelernt haben muss, wenn er nicht sogar dessen Zeitgenosse war:

„Es scheint also aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln betrachtet erwiesen zu sein, dass MoSchäH am Hofe des Pharaos in das hermetische Wissen der Ägypter und am Fuße des Berges Sinai in die kabbalistischen Mysterien JHWHs eingeweiht wurde. MoSchäH gibt dann dieses hermetisch-kabbalistische Wissen an seinen Nachfolger Josua weiter. Und wie es in den religiösen Texten der Juden nachzulesen ist, gibt es Josua seinerseits an die Stammesältesten, die Alten an die Propheten und die Propheten an die Männer der Großen Synagoge. So zumindest wird es in der Mischna Aboth, Absatz I, Vers 1 berichtet. Ob dies nun letztlich so stimmt, wissen wir nicht, aber es ist nahezu unmöglich, dass die Weitergabe der älohimischen Schöpfungsformel anders abgelaufen sein kann.“

Sie berufen sich also auf die im Talmud dargelegte jüdische Überzeugung, dass im Rahmen der genannten Überlieferungskette neben der schriftlichen außerdem noch eine mündliche Tora getreulich weitergegeben wurde. Dass zu deren Inhalten allerdings die von Ihnen angenommene Schöpfungsformel gehört hat, bleibt weiterhin völlig unbewiesen.

Dass die (I,149) „moderne Bibelwissenschaft … die einzelnen Teile der fünf Bücher MoSchäH anhand ihrer schriftlichen Form“ nicht mehr Mose, sondern verschiedenen anderen Verfassern (Jahwist, Elohist, Priesterschaft) zugeordnet hat, lehnen Sie ab, und zwar nicht zuletzt deswegen, weil es in den biblischen Texten immer wieder heißt (I,150), „dass MoSchäH mit den Angehörigen der ÄLoHIM über die unterschiedlichsten Themen sprach“:

„Für uns ist MoSchäH auf jeden Fall der Verfasser der TORaH und hierfür gibt es auch eine ganze Reihe von Indizien, denen wir in den nachfolgenden Teilen nachgehen werden.“

Ist in der Bibel ein geheimer Code hinterlegt? (IV)

Diese Beschäftigung mit weiteren Indizien erfolgt in den nächsten Abschnitten aber gar nicht. Stattdessen greifen Sie nochmals das bereits mehrfach behandelte Thema auf (I,151), ob die „Verfasser der Bibel eine Geheimbotschaft in ihr versteckt“ haben. Dabei berufen sie sich auf Studien von Rabbi Weissmandl aus dem Jahr 1949 und (I,152) eines Forscherteams um Prof. E. Rips in den 1980er Jahren, die durch zwei Bücher von Michael Drosnin („Der Bibelcode“) und Jeffrey Satinover („Die verborgene Botschaft der Bibel“) bekannt gemacht wurden.

Erstaunlicherweise beurteilen Sie die Bücher der letzteren Autoren sehr kritisch. Etwa weil Drosnin (I,158) unter Berufung auf Daniel 12,4 behauptet, dass „der Prophet DaNiJeL“ den Bibel-Code „versiegeln musste.“ Aber wie, so legen Sie dar, „soll DaNiJeL den Code in einem Text versiegelt haben, der doch dem MoSchäH tausend Jahre früher auf dem Berge Sinai von JHWH übergeben wurde“? Wenn Sie allerdings Drosnin dafür kritisieren, dass er überhaupt das in aramäischer Sprache geschriebene Buch Daniel mit seiner Methode untersucht, obwohl er selbst sagt, „dass diese Entschlüsselungstechnik nur auf den hebräischen Text der TORaH anwendbar ist“, müssen Sie sich selber fragen lassen, ob demnach also doch nicht alle Bücher des TeNaK eine in ihrem Sinne verschlüsselte Geheimbotschaft enthalten.

Als Fazit ergibt sich für Sie (I,159):

„Aber bei allen Ungereimtheiten, die sich durch ihre Bücher ergeben, wurde eine Sensibilisierung durchgeführt, die seitdem zumindest die Möglichkeit eines Bibelcodes in Erwägung zieht. Und dass es diesen Bibelcode gibt, steht, zumindest für uns, fest. Ob dieser Bibelcode die gesamte Weltgeschichte auf den Kopf stellen wird, ist noch fraglich, aber dass der hebräische Urtext eine Vielzahl von wissenschaftlich verwertbaren Informationen enthält, beweist ja nicht zuletzt die von uns beim Europäischen Patentamt eingereichte Patentschrift. Und dass diese Patentschrift auch von Fachleuten ernst genommen wird, wird dadurch bestätigt, dass die ersten Hürden bereits erfolgreich genommen werden konnten.“

Da Sie nicht einen einzigen Namen solcher Fachleute nennen, wage ich es, den letzten Satz entschieden zu bezweifeln, zumal ich denke, dass das Überspringen formaljuristischer Hürden zur Anmeldung eines Patents nicht die Prüfung seiner theoretischen Stimmigkeit oder praktischen Durchführbarkeit voraussetzt.

Im nächsten Abschnitt überraschen Sie mich mit der Aussage (I,160):

„Glaubt man aber dem Alten Testament, dann wurde bislang deshalb keine geheime Botschaft in ihm gefunden, weil ganz einfach keine vorhanden ist.“

Sie beziehen sich damit auf eine in Micha 3,7 überlieferte „eindeutige Aussage, die letztlich besagt, dass eine Zukunftsschau im Rahmen der Bibel nicht möglich ist“, zitiert nach der DaBhaR-Übersetzung:

„Und die Visionenseher werden sich schämen müssen, und die Wahrsager werden bestimmt enttäuscht werden. Und sie werden den Schnurrbart bedecken müssen, sie alle, denn keine Antwort von Gott ist da.“

Eigentlich müssten Sie sich keine Gedanken darüber machen, dass diese Bibelstelle ihrer Annahme einer biblischen Geheimbotschaft widerspricht, denn es ist schlicht falsch, aus dieser auf eine konkrete Situation bezogenen Aussage Michas, in der Gott nicht antwortet, den Schluss zu ziehen, dass die Bibel allgemein jede Zukunftsschau für unmöglich halten würde. Allerdings kriegen Sie die Kurve trotzdem zurück zu ihrer festen Überzeugung, die eben noch so stark in Frage gestellt zu sein schien:

„Warum sollte es jemand, der einen geheimen Code in der Bibel hinterlegt hat, mit dem man in die Zukunft sehen kann, bei Todesstrafe verbieten, dass man Wahrsagerei betreibt? Für uns gibt es hierfür nur eine Antwort: Wahrsagerei ist, zumindest im Rahmen der Heiligen Schrift, ein sinnloses Unterfangen! Vielleicht sollte aber durch solche Gesetze nur verhindert werden, dass man die Texte der Bibel erforscht, denn dass es einen geheimen Code gibt, steht auch für uns fest.“

Zudem betonen Sie nochmals (I,161), „dass der Bibelcode nichts mit Zukunftsschau und Wahrsagerei zu tun hat“, sondern mit Ihrer auf angewandte Paläo-SETI-Forschung zielenden Hypothese:

„Dass in der Heiligen Schrift Weissagungen verborgen sein sollen, halten wir für schlichten Mumpitz, denn unsere eigene Forschung ergab, dass der Bibelcode vollkommen identisch ist mit dem Buch des Lebens und insofern nichts anderes darstellt, als die Chromosomen des Menschen. Hierzu jedoch später mehr.“

So endet das 1. Kapitel des 1. Bandes der „Entdeckung der Urmatrix“ mit einer Vertröstung auf später.

Und die versprochenen weiteren Indizien dafür, dass Mose der Verfasser der Tora sein soll, haben Sie offenbar inzwischen stillschweigend unter den Tisch fallen lassen.

II. Kapitel: Die Kabbala

Das „Ziel der Kabbala, und damit auch ihre Lehre“, kann man Ihnen zufolge (I,164) „mit einem einzigen Satz auf einen Nenner bringen“:

„Es ist die Ergründung und Erörterung aller Faktoren, die im direkten Zusammenhang mit dem Schöpfungsgeschehen stehen.

Da die Schöpfung, laut Bibel, mit dem Wort durchgeführt wurde, wollen wir uns im Rahmen dieses Kapitels ausschließlich mit diesem Aspekt beschäftigen. …

Erforscht wird den Sinn des biblischen Wortes im Rahmen von Gematria und Notarikon.“

Verwunderlich und beklagenswert finden Sie es,

„dass bis heute noch niemand erkannt hat, dass sowohl im TeNaK als auch in der Kabbala ein so großes Wissenspotential enthalten ist. Leider hat man im Laufe der Zeit, vielleicht aus Unkenntnis – womöglich auch mit voller Absicht – die Kabbala mystifiziert. Dass die Kabbala in ihrer archaischen Basis eine wissenschaftlich verifizierbare Lehre darstellt, wollte bislang niemand wahrhaben. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass im TeNaK sowohl geschichtliche als auch biologische Hinweise enthalten sind. Und dennoch ist es so.“

Um die Kabbala richtig zu verstehen, halten Sie (I,165f.) „sprachwissenschaftliche Forschungen“ bzw. „eine tief greifende Semantikanalyse“ für notwendig:

„Unsere Forschungen ergaben, dass, abgesehen von den geistes- und bildungsgeschichtlichen Potenzen der Kabbala, offenbar in der alttestamentarischen Literatur eben jenes kabbalistisch-hermetisch-alchimistische Wissen hinterlegt wurde, welches uns heute so tiefe Einblicke in die Biologie des Menschen gibt. Die Sprache, genauer gesagt das Verständnis für die hebräische Sprache zurzeit MoSchäH, ist somit das A und O aller kabbalistischen Erkenntnisse. Was nichts anderes bedeutet, als dass wir die kabbalistische Textform, beispielsweise im Falle des Sefer ha Jezira, als historisch entstandene und als eine Matrize zu verstehende Form einer Mitteilung betrachten müssen, die in ihrer Basis eine sehr differenzierte Klitterung von unterschiedlichen Symbolen darstellt. Symbole, die in ihrer Aneinanderreihung letzten Endes das gesamte Genom des Menschen ergeben und dabei, anhand der verwendeten Buchstaben des hebräischen Alphabets, die Gesamtheit aller menschlichen Chromosomen und den darauf befindlichen genetischen Code repräsentieren.“

Ich habe so ausführlich zitiert, weil diese sehr gelehrt klingenden Worte doch letzten Endes nichts erklären und lediglich den Eindruck hinterlassen, dass Sie selber nicht recht wissen, ob denn nun „das gesamte Genom des Menschen“ im TeNaK selbst oder im „Sefer ha Jezira“, einem Buch der Kabbala, verschlüsselt ist.

Wie entstand die Bibel? (Dritter Anlauf)

Mitten in der Einleitung zum Kabbala-Kapitel stoßen wir plötzlich auf einen weiteren Erklärungsversuch dafür (I,166), wie „die alten Hebräer zu diesen Buchstaben gekommen sind“, die in der Bibel enthalten sind. Dabei führen Sie die durchaus vertretbare wissenschaftliche bzw. theologische Auffassung an,

„dass von den Juden das geschriebene Wort, quasi als Reaktion auf den Bilderkult ihrer Nachbarvölker, entwickelt wurde, um sich dadurch von jenen Stämmen des fruchtbaren Halbmondes abzugrenzen, die nicht an JHWH glaubten…“

Welche Bedeutung eine solche Selbstunterscheidung von anderen Völkern und Götterkulten gehabt haben könnte, interessiert Sie jedoch nicht im Mindesten; Sie beharren darauf, alles, was mit dem TeNaK zu tun hat, im Sinne ihrer Paläo-SETI-Hypothese zu interpretieren, und denken daher nicht,

„dass die Schrift der Hebräer aus einer kultischen Überlegung heraus entwickelt wurde, denn unsere Forschung ergab, dass die Urschrift, mit der der TeNaK verfasst wurde, ein Geschenk der ÄLoHIM an ihr auserwähltes Volk war. Dieses Hebräisch, vor allem in seiner ursprünglichen Form, ist polysemantisch und damit mehrdeutig. Nur deshalb konnten die Chronisten der Bibel mit ihr einerseits den historischen Ablauf chronologisch darstellen und andererseits mit demselben Text biologische Fakten festhalten.“

Ist in der Bibel ein geheimer Code hinterlegt? (V)

Noch einmal wiederholen Sie in diesem Zusammenhang ihre Überzeugung, dass die außerirdischen ÄLoHIM in den Buchstaben des TeNaK (I,166) „das Mysterium der Schöpfung“ hinterlegten – als „eine echter Meisterleistung mathematischer Krypographie“:

„Dass die verwendeten und im AT hinterlegten Verschlüsselungstechniken letzten Endes das Urbild des von den ÄLoHIM geschaffenen Menschen enthalten, ergibt sich daraus, dass der AT-Text, vor allem wegen seines mathematischen Informationscharakters, ganz offensichtlich eine dynamische Plausibilität enthält. Und diese dynamische Plausibilität des AT-Textes lässt sich ganz einfach in einem einzigen Satz umschreiben: Der AT-Text repräsentiert ganz gezielt die Erschaffung menschlichen Lebens auf der Basis des JHWH-Begriffes.“

Wieder erklärt ein hochtrabendes Wortgeklingel letztlich überhaupt nichts – außer dass der hebräische Gottesname JHWH eine besondere Rolle bei der Erschaffung menschlichen Lebens gespielt haben soll. Aber welche das ist, darauf werden Sie ja erst am Ende des dritten Bandes ihrer Trilogie zu sprechen kommen.

Hier schließen Sie eine sehr eigenartige Argumentation an. Sie fragen sich nämlich „im Zusammenhang mit der Schöpfung, ob es Zufall ist oder ob es etwas zu bedeuten hat, dass beispielsweise der Hund als Hund bezeichnet wird“. Sie scheinen der Auffassung zu sein (I,167), dass „im biblischen Hebräischen der genetische Code eines Lebewesens in seiner Artbezeichnung hinterlegt ist“, dass also in dieser Sprache „das Wort Hund nicht nur ein x-beliebiges Wortmuster wäre, was alles bedeuten könnte.“ Und für eine solche Sichtweise sind Ihrer Ansicht nach „die kabbalistischen Schriften … der Schlüssel“.

Was ist überhaupt die Kabbala?

Die Kabbala besteht Ihnen zufolge (I,168) „aus den Büchern Sohar, Jezira und Bahir“, die wiederum „auf den Texten der TORaH“ basieren, „so dass die alten Kabbalisten stets anführen, dass sich nur derjenige mit diesem für Laien vollkommen unverständlichen Werk der jüdischen Mystik und Gnosis beschäftigen soll, der vorher eingehend die TORaH und den Talmud studiert hat.“

Weiter stellen Sie fest (I,170): „Der Begriff Kabbala wird von den Konsonanten KBL abgeleitet“, was nicht ganz richtig ist, denn die korrekte Umschrift für die entsprechende hebräische Wurzel mit der Bedeutung „empfangen“ lautet QBL. Das Wort Kabbala dementsprechend mit „mündliche Überlieferung“ oder „Tradition“ zu umschreiben, prangern Sie als Falschübersetzung an; genau richtig soll die Übersetzung „vom Mund zum Ohr“ sein, womit gemeint ist, „dass das Gesagte nur geflüstert und somit nur ganz leise insgeheim ausgesprochen werden darf“ und somit „vor der Allgemeinheit verheimlicht“ wird. Wenn aber „die Kabbala eine uralte Geheimlehre dar[stellt], die tief in die Anfänge der jüdischen Geschichte zurückreicht und ausschliesslich an eingeweihte und ausgewählte Mitglieder weitergegeben wurde“, frage ich mich, ob denn auch Sie beide zu diesen eingeweihten Meistern gehören, von wem Sie eingeweiht wurden und ob Sie diese geheimen Informationen überhaupt an die Öffentlichkeit weitergeben dürfen.

In eine widersprüchliche Argumentation verstricken Sie sich, wenn Sie einerseits (I,172) bei der mündlichen Weitergabe eines Werks der Kabbala wie des mit maximal 1800 Wörtern recht kurzen „Sefer Jezira“ Fehler durchaus für möglich halten, während Sie wissen (I,173), dass es sogar Rabbinen gibt, die den Talmud, ein Werk mit ca. 2,5 Millionen Wörtern, „vollkommen aus dem Gedächtnis fehlerlos rezitieren können“ (I,173). Das dürfte andererseits aber gar keine Rolle spielen, weil ja sowohl die Bücher der Kabbala als auch der Talmud seit Jahrhunderten in schriftlicher Form vorliegen und somit durch mündliche Tradierung gar nicht mehr verändert werden können. Wie also soll das funktionieren – (I,172) ein schriftlich vorliegendes Buch einschließlich der darin enthaltenden Grafiken (I,170) „vom Mund zu Ohr“ weiterzuflüstern, ohne dass es vielleicht doch ein Unbefugter einfach lesen kann?

Ablehnung der Kabbala und Verfolgung der Kabbalisten

Auch zur Ablehnung der Kabbala behaupten Sie Widersprüchliches, nämlich einerseits (I,172), dass „die sog. Buchreligionen … Judentum, Christentum und Islam … mündliche Überlieferungen … für vollkommen wertlos“ erachten. Andererseits besteht aber doch die Kabbala gerade ursprünglich (I,173) aus „mündlichen Überlieferungen des Judentums“, und es stimmt auch nicht, „dass die christliche Exegese den Schlüssel zum Alten Testament nie in der Kabbala gesucht hat“, denn an anderer Stelle erwähnen Sie sogar christliche Kabbalisten und werfen ihnen vor (I,165), dass sie „christliches Gedankengut mit hebräischem vermischen“.

Warum (I,174) „Innozenz III. und viele andere Päpste … die Juden nahezu ebenso beharrlich verfolgen [ließen] wie die ihnen verhassten und als Häretiker bezeichneten Katharer“, finden Sie verwunderlich, „denn nachdem die jüdische Tradition den Grundstock für das Christentum bildete, erscheinen die Verfolgungsaktionen widersinnig. Rein ideologische Gründe können es unserer Ansicht nach nicht gewesen sein.“ Später räumen Sie eine Vielzahl verschiedener Gründe für die Judenverfolgung ein, in erster Linie soll es in ihr aber darum gegangen sein (I,176), die Verbreitung „jener Geheimlehre“ zu verhindern, „die vorab über Jahrhunderte nur an Eingeweihte vom Mund zum Ohr weitergegeben wurden“. Dem widerspricht allerdings, dass es nach Wikipedia die von Ihnen genannten kabbalistischen Bücher Sohar, Jezira und Bahir schon spätestens bis zum 10., 12. und 13. Jahrhundert gegeben hatte.

Spirituelles Missverständnis der Kabbala

Keinesfalls wollen Sie in der Kabbala (I,178) „ein praktisches System“ erkennen, „das dem Menschen hilft, sich spirituell besser zu entfalten“, wie es die „Esoteriker“ tun. Auf diese Weise geht nämlich „der eigentliche Inhalt, der einerseits im molekularbiologischen und andererseits im chemisch-physikalischen, aber auch im mathematisch-astronomischen Bereich liegt“, immer mehr verloren. Wer (I,182) „die Bücher der Kabbala, neben der TORaH und dem Talmud“ als „eine mystische Religionsphilosophie“ begreift und „als das dritte große religiöse Werk der jüdischen Literatur“ sieht, sollte dabei nicht vergessen,

„dass die Kabbala ein tiefes und uraltes Wissen vermittelt, das weit über das spirituelle hinausgeht und sogar völkerübergreifend ist, weil darin nicht nur hebräisches Wissen enthalten ist, sondern auch jenes der Ägypter, Sumerer, BabhLaJe [Babylonier], Chaldäer und Akkader. Wobei wir konstatieren können, dass dieses kabbalistische Wissen ganz offensichtlich in naturwissenschaftlichen Bereichen entspringt und wir es vorwiegend der Astronomie, Chemie und Biologie zuordnen müssen.“

Kabbalistische Sprache, Symbolik und Schrift

Weitschweifige Ausführungen zur Sprache der Kabbala laufen am Ende auf das Fazit hinaus (I,192), „dass die Kabbalisten Althebräisch gesprochen haben“. Warum? Weil

„wir alle alten Sprachen, selbst die der alten Ägypter, auf die Söhne NoaChs zurückverfolgen können und alle frühen kabbalistischen Werke bis zum Ende des 16. Jahrhunderts in Hebräisch abgefasst wurden. Es ist für uns in diesem Sinne eine Tatsache, dass die Kabbalisten im Grunde genommen die Sprache ADaMs gesprochen haben. Womit gleichzeitig der früheste Fixpunkt gesetzt werden kann, an dem das kabbalistische Wissen seinen Anfang nahm.“

Ob man es sich aber so einfach machen kann, um zu beweisen, dass das Wissen der Kabbala weit zurück vor die ersten nachchristlichen Jahrhunderte zurückgeht, in die normalerweise ihre Entstehung datiert wird?

Die beiden kabbalistischen Symbole (I,193) „Davidsstern“ und „Baum des Lebens“ bringen Sie einerseits in eine Beziehung zu (I,194) „jenen, die derzeitig in der Biologie verwendet werden“, und andererseits zu den (I,195) „Traditionen verbaler und schriftlicher Elemente der Worttransformation“ in der hebräischen Bibel.

Weiterhin fragen Sie sich, wie (I,196) „Kabbalisten und Alchimisten … schriftlich miteinander verkehrten“. Sie

„gehen davon aus, dass sie eine Schrift benutzten, die ein Konglomerat aus der sumerisch-babylonischen Keilschrift und aus der ägyptischen Hieroglyphenschrift darstellt, die mit der hebräischen Schrift zu einer Art Schreibschrift verbunden wurden.“

Das begründen Sie damit, dass „der als Gott verehrte Hermes Trismegistos … dem MoSchäH die Schrift übergab, damit er die Geschichte seines Volkes, vornehmlich die von den ÄLoHIM durchgeführte Schöpfung, aufschreiben konnte“, und behaupten von sich selbst:

„Wir haben, dies ist auch ein Schlüssel für unsere Entdeckung, herausgefunden, wie sie aufgebaut ist, aber noch nicht schlüssig nachweisen können, wie ihre Syntax letztlich wirklich sinnvoll funktioniert. Untersuchen wir die alten Texte der ganz großen Kabbalisten und Alchimisten, dann finden wir dort regelrechte Alphabete, die unter Kabbalisten noch heute bekannt sind und, wenn auch in etwas obskurem esoterischem Zusammenhang, gelegentlich auch noch benutzt werden. Mit den Schriften ‚Schrift der Malachim‘, ‚Die Schrift des Übergangs über den Fluss‘ und ‚Die himmlische Schrift‘ wurden in der Vergangenheit ganze Werke verfasst.“

Alle diese Schriften haben (I,197) „das Hebräische als Grundlage“ und stellen

„zweifelsfrei ein System von Schriftzeichen dar, mit denen man vor allen Dingen die biochemischen, biologischen und ganz speziell genetischen Vorgänge des Lebens hervorragend beschreiben und darstellen kann. In diesem Sinne verkörpern die Schriften der Kabbalisten und Alchimisten einen regelrechten Universalschlüssel, mit dem man die verschlüsselten Angaben und versteckten Hinweise, die in der TORaH enthalten sind, dechiffrieren kann.“

Ursprung der Kabbala

Der (I,198) „Ursprung des kabbalistischen und alchimistischen Wissens“ lag Ihnen zufolge weder in Indien noch in Nordamerika noch im sagenhaften Atlantis, wie es einige „Wissenschaftler und Nonkonformisten“ vermuten, sondern vor allem „in Ägypten“; außerdem war „lange bevor die Hochkulturen von Ur und BaBhäL untergingen“, deren Wissen nach Ägypten getragen und mit dem dortigen verknüpft worden.

Im Zusammenhang (I,200) mit der Anhäufung großen Wissens in Ägypten gehen Sie unter anderem auf die „Geschichte der großen Bibliothek von Alexandria“ ein, die bis zu „700.000 Papyrusrollen“ erfasst haben soll, und auf die Übersetzung der Bibel:

„Im dritten Jahrhundert entstand sogar für den Gebrauch der hellenisierten Juden in Alexandria eine Übertragung des Alten Testaments, die Septuaginta, später auch des Neuen in die griechische Weltsprache.“

Hier nehmen Sie selbstverständlich und richtig an, dass die Septuaginta für den Gebrauch der hellenisierten Juden entstand; an anderer Stelle (I,94ff.) hatten Sie das vehement bestritten. Das Neue Testament musste übrigens nicht erst ins Griechische übersetzt werden, da es bereits ursprünglich in der griechischen Weltsprache, der Koine, verfasst wurde.

Dafür, dass die Tora (I,201) „von einer Gruppe von Essenern“ übersetzt worden sein soll, die „zu jener Zeit die Einzigen waren, die sowohl das Althebräische, in dem das Alte Testament verfasst war, als auch das Griechische einwandfrei beherrschten“, finde ich weder bei Ihnen noch anderswo auch nur den geringsten Beleg. Noch abwegiger wird dieser Gedankengang, indem er folgendermaßen ergänzt wird:

„Die Eingeweihten der Essener sträubten sich jedoch dagegen, die Geheimlehre des jüdischen Glaubens Nicht-Eingeweihten zugänglich zu machen, und verschleierten deshalb die vom MoSchäH eröffneten Mysterien mit Hilfe von Gleichnissen und symbolhafter Bildersprache. Für die Geschichten von ADaM und Eva, der Schlange und Adams Rippe, die in der griechischen Version der Genesis eingeführt wurden, gibt es im hebräischen Urtext keine entsprechenden Passagen.“

Letztere Behauptung ist vollkommener Unsinn, zumal Sie selbst an verschiedenen Stellen Ihres Werkes Verse aus der DaBhar-Übersetzung der hebräischen Tora zitieren, in denen es um die (III,248) Erschaffung von Adam geht, um die angebliche (III,25) Falschübersetzung des hebräischen Wortes TseLˁA mit dem Wort „Rippe“ und um die (III,28) Worte der Schlange, dass „der ADaM wurde wie einer von uns“.

Und noch eine durch nichts belegte Bemerkung findet sich in diesem Kontext, nämlich dass (I,I,201) der israelitische König „DaWID in den Palästen BaBhäLs erzogen wurde“.

Die Kabbala in der Renaissance

Die Kabbala in der Zeit der Renaissance stellen Sie in den Zusammenhang mit der Entwicklung der mittelalterlichen Philosophie bis hin zur neuzeitlichen Naturwissenschaft. Die für sie (I,203) „recht eigentümliche Philosophie“ des Nominalismus betrachten sie sehr kritisch, innerhalb derer die „Universalien … keine Wirklichkeiten“ mehr waren,

„sondern nur noch die ausschließliche Manifestation der menschlichen Gedanken. Und in diesem Sinne waren sie, ‚nomina rerum‘ oder ‚flatus vocis‘, nichts anderes als Begrifflichkeiten und Namen. Ansätze dieses Denkens finden wir heute wieder in der Physik im Rahmen der Quantentheorie. Auch sie ist so abstrakt, dass sie nur noch von einigen wenigen verstanden wird und diese oftmals auch nur vorgeben, diese zu verstehen, denn tatsächlich handelt es sich bei dieser These nur um ein recht verwirrendes, aber niemals praktisch umsetzbares Gedankengebäude. …

Aber bei allen Einwänden: Trotzdem hatte diese neue Art des Denkens etwas Fundamentales bewirkt! Es wurde Kritik am bestehenden System laut und in diesem Zuge mussten viele Gelehrte, welche den christlichen Aspekt als das Maß aller Dinge betrachteten, umdenken.“

Im Lauf der Zeit, so stellen Sie fest (I,204),

„entstand auch eine neue Art von Wissenschaftler, der nun Weltbilder entwickelte, bei denen die Erde nur noch ein Teil eines großen Ganzen war. Und diese Wissenschaftler sprachen schon damals von einem Universum, in dem es bewohnte Welten geben musste.

Viele von ihnen, dieser Überzeugung sind wir mittlerweile, haben im Rahmen ihrer Forschung nur die Überlieferungen der kabbalistischen Bücher ausgearbeitet, denn lange bevor irgend jemand überhaupt von der Existenz von bewohnten Welten im Kosmos gesprochen hat, wurden sie ja bereits im Sohar beschrieben. Insofern gehen wir davon aus, dass zumindest einige unserer Altvorderen bereits wussten, dass die Menschheit die künstliche Schöpfung einer außerirdischen Spezies ist.“

Das Werk des christlichen Kabbalisten Johannes Reuchlin (1455-1522) beurteilen Sie (I,205) „unter zwei Gesichtspunkten“:

„Einerseits, so die einhellige Ansicht aller Historiker, möchte er wieder jenen – klerikal wünschenswerten – Zustand herbeiführen, in dem es noch eine Beziehung zwischen Gott und den Menschen gab. Andererseits, dies ist ebenfalls eine vorherrschende Meinung der Gelehrten, möchte er, dass der Mensch durch die bedingungslose Hinwendung zum theologisch postulierten Gott in die Lage versetzt wird, sich dessen Kräfte anzueignen, um sich damit Macht über die Welt verschaffen zu können. Ein adäquates Mittel zur Verwirklichung dieser Ambitionen versucht er in der hebräischen Kabbala zu finden, die er schon damals in eine ‚theoretische‘ und eine ‚praktische‘ einteilt.“

Sie werfen Reuchlin allerdings vor, dass er (I,206) „in deren Auslegung der Schriften und in deren Symbolik christliches Gedankengut und christliche Symbole eingebunden“ und (I,207) „die Kabbala zu einem Buch des reinen Glaubens degradiert“ hat. Zwar hat Reuchlin in seiner Lehre von den Namen Gottes „Recht, denn tatsächlich ist in den Konsonanten JHWH nicht nur das wahre Wesen der Dinge enthalten, sondern auch die Basis allen Seins“; er weiß auch, dass (I,208) die „Gottes-Namen … das ‚Verbum mirificum‘, das ‚wunderwirkende Wort‘, welches unter anderem die Wunder bewirkt“, sind, aber „er bringt das mit dieser vollkommen richtigen Einschätzung verbundene Wissen mit dem Neuen Testament in Verbindung und dies ist leider falsch.“

Positiv werten Sie die Wertschätzung der kabbalistischen Schriften durch Reuchlin, die er auch gegenüber den Versuchen bestimmter christlicher Kreise verteidigte, sämtliche jüdischen Schriften außer dem Alten Testament zu verbrennen (I,210):

„In seinen Augen waren die Vernichtungsaktionen von Jakob Hoogstraeten ein Irrtum und er war der Überzeugung, dass dieser damit das vom Schöpfer an ADaM übergebene und an die gesamte Menschheit gerichtete Wissen der Schöpfung vernichtete. Und ohne diese Schriften, so Reuchlin, konnte die Schöpfung, falls sie vernichtet würde, nicht wieder hergestellt werden. Insofern betrachtete Reuchlin Hoogstraetens Vernichtungsaktionen als nichts anderes, als ein Werk des Teufels selbst. Womit er durchaus richtig lag, wenn man sich die biologischen Inhalte und die damit verbundene Tragweite des Alten Testaments betrachtet.“

Vorbehaltloser stehen Sie dem (I,222) „großen Kabbalisten Agrippa von Nettesheim“ (1486-1535) gegenüber, der ihnen zufolge „nur bedingt … als der eigentliche Nachfolger Reuchlins“ gelten darf, weil (I,223f.) im handschriftlichen Manuskript seines erst 1533 gedruckten Werkes „De Occulta Philosophia“ aus dem Jahr 1510 „Reuchlins christliches Kabbala-Verständnis nicht enthalten ist“. Eine nähere Beschäftigung mit Agrippa verschieben Sie auf einen der folgenden Bände.

Der mathematische Aspekt der Kabbala

Unter dem Gesichtspunkt des mathematischen Aspekts der Kabbala betrachten Sie zunächst (I,212) den Unterschied

„zwischen einer spekulativen und einer praktischen bzw. theurgischen Kabbala. Wobei man unter dem Begriff der theurgischen Kabbala zusammenfassend all jene Aspekte verstand, die mit übernatürlichen Mitteln Wunder zu bewirkten.“

Zwar ist Ihnen bewusst, dass „auch die Basis der kabbalistischen Magie die Rückkehr und die Vereinigung des Menschen mit Gott ist“, aber Ihnen zufolge „hat im kabbalistischen Rahmen der Begriff Magie eine ganz andere und in der Hauptsache recht profane Bedeutung.“

Insbesondere üben Sie Kritik daran (I,213f.),

„dass fast alle christlichen Denker durch die Kabbala-Forschung lediglich den poetologischen Ansatz in den Texten des Alten Testaments hervorheben möchten was selbstverständlich hochgradig irreführend ist, wenn man bedenkt, dass im Alten Testament kein einziges Wort aus der Sicht der Poesie betrachtet werden kann, ja nicht einmal ein einziger Buchstabe sinnlos ist oder gar aus poetologischen Gründen dort steht, wo er steht.“

Diese Betrachtung des Alten Testaments ist schon deswegen seltsam, weil mindestens die Bücher der Psalmen oder der Sprüche poetische Dichtungen darstellen; darüber hinaus war der gesamte TeNaK ursprünglich zum lauten Vortrag bestimmt, indem er kolometrisch in atemgerechte sinnvolle Vorleseabschnitte eingeteilt wurde.

Besonders interessant finden Sie den (I,214) von dem Dichter Georg Philipp Harsdörffer (1607-1658) konstruierten

„sogenannten ‚Fünffachen Denckring der teutschen Sprache‘. An den Kreisscheiben dieser eigentlich recht simplen aber dennoch effektiven Maschine, ließen sich sämtliche existenten und potentiellen Wörter der deutschen Sprache bilden.“

Die deutsche Sprache wiederum leitet Harsdörffer (I,215) unter Bezug auf „Arbeiten des Sprachwissenschaftlers und Bibelkenners Justus Georg Schottelius“ (1612-1676) „direkt von der hebräischen und damit von der göttlichen Sprache JHWHs ab“. Schließlich meinen Sie herausgefunden zu haben, dass

„die von Harsdörffer entwickelte Scheibe, mit der man alle Permutationen im Bereich der Wortbildung durchführen kann, vielmehr ein biologisches Instrument [ist]. Und zwar in der Hinsicht, dass man durch die Bildung eines Namens auch die Anzahl der Chromosomen eruieren kann, welche als Träger der Gene den für eine Tierart maßgeblichen Phäno- und Genotypus bilden.“

Dieses „zunächst unsinnig erscheinende Postulat“ soll später durch weitere „kabbalistische Ansätze“ belegt werden. Jedenfalls betonen Sie, dass

„die Kabbala ohne mathematische Kenntnisse nur schwerlich und ausschließlich mittels theologischer Auslegungen überhaupt nicht zu verstehen ist. Und auch für den Biologen sind mathematische Kenntnisse, was natürlich in dieser Fachdisziplin heute überhaupt nicht mehr so gesehen wird, unabdingbar, wenn man dem Rätsel Leben auf die Spur kommen möchte. Insbesondere von der Warte der Biochemie aus sind mathematische Größen, Einheiten und Konstanten ebenso unentbehrlich, wie das logarithmische Rechnen. Insofern ist es gar kein Wunder, wenn sich die Gelehrten der Renaissance, vor allem jene, die sich mit der Kabbala beschäftigten, mathematischen Studien hingaben. Und die Rolle der Kabbala in der Renaissance, zumindest was die Freidenker dieser Zeit betraf, muss deshalb vor allem unter diesem mathematisch durchdrungenen Gesichtspunkt gesehen werden.“

Als weiteren Kronzeugen für den mathematischen Aspekt der Kabbala führen Sie (I,217) den mallorquinischen Philosophen und Theologen Raimundus Lullus (1232-1316) an, obwohl sehr unwahrscheinlich ist, dass das ihm zeitweise zugeschriebene Werk „De Auditu Cabbalistico“ überhaupt von ihm stammt:

„Der Umfang der mathematischen Aspekte der Kabbala und der damit verbundenen Stellung bei den o. g. Wissenschaften, wird vor allem sehr stark durch den Lullismus zum Ausdruck gebracht, denn Lullus hat die Methode, mit der die Kabbalisten Buchstabenwechsel durchführen, so umfassend perfektioniert, dass die von ihm entwickelte Methode heute sogar als Computerprogramm Verwendung finden könnte.“

Als Begründung für den kabbalistischen Einfluss auf Lullus führen Sie an (I,219), dass Abraham Abulafia (1240-1291/92) in derselben Epoche und Region lebte. Und dieser Kabbalist war es gewesen (I,220), der „in der Hauptsache das Sefer Jezira mit den Methoden der Gematria, des Notarikon und der Temura erforschte“ und „für diese drei Wissenschaften den Namen GiNaT eingeführt“ haben soll, was nicht nur deren Anfangsbuchstaben aufnimmt, sondern außerdem die Wortbedeutung „Gartenhain“ hat.

Es sind (I,221) „diese kabbalistischen Wissenschaften“, durch die, wie Sie schreiben, Ihr Paläo-SETI-Patent möglich wurde und durch das man wiederum „eine wissenschaftlich verifizierbare Basis“ hat, „mit der man den Nachweis führen kann, dass die Menschheit durch die außerirdische Spezies der ÄLoHIM geschaffen wurde und darüber hinaus, dass in uns das Blut unserer Schöpfer fließt.“

Was ist unter GiNaT zu verstehen? (Erklärungsversuch 1)

Aber wozu dienen die Methoden der Gematrie, des Notarikon und der Temura genau? Sie liefern jeweils eine knappe (erste) Definition (I,220f.):

„Die kabbalistische Wissenschaft Gematria ist in der Definition von Abulafia die numerologische Interpretation der heiligen Buchstaben. Sie dient in erster Linie dazu, um damit verborgene Analogien zwischen den einzelnen biblischen Begriffen herzustellen.

Das Notarikon ist kurz gesagt, so Abulafia, eine Methode des ‚Schnellschreibens‘. Mit ihr kann man codierte Botschaften dechiffrieren bzw. umgekehrt verfahren. Was bedeutet, dass die Buchstaben eines x-beliebigen Wortes als Initialen anderer Worte dienen und somit der Begriffsumfang eines Wortes durch die Integration des Begriffsumfangs eines anderen Wortes erweitert werden kann.

Die Temura, ebenfalls in der Definition von Abulafia, ist die unendliche Kombinationsfähigkeit der 22+5 Buchstaben des hebräischen Alphabets mittels Permutation.“

Von der „roten Rasse“ Edoms bis zum „christlichen“ Osiris-Kult

Die auf Grund einer zweifelhaften Rassenlehre geäußerte Vermutung (I,225) in „unterschiedlichsten kabbalistischen Kommentaren…, dass das kabbalistische Wissen ursprünglich von der roten Rasse ausging“, wollen Sie nicht auf „die Indiander Nordamerikas“ bezogen wissen, sondern auf „das Land Ägypten“. Das belegen sie mit einer allerdings abwegigen Beweisführung.

Das biblische Wort ÄDOM war ursprünglich „der Beiname ESaWs“ (Esau), des Bruders Jakob, und zwar wurde er wegen seiner rötlichen (hebr. = ADMONI) Körperbehaarung so genannt (1. Mose 25,25). Von Esau wiederum stammt im Alten Testament das Volk ÄDOM ab (Edom oder Idumäa), das südlich von Juda bzw. südlich des Toten Meeres lag (allerdings definitiv nicht in Ägypten).

Sie setzen nun aber voraus, dass ÄDOM

„z. B. zur Zeit DaNiJeLs (siehe Vers 11:41) schon fest in das Volk der Ägypter integriert [war]. Und die Edomiter liefern letztlich den Beweis, was aus ihren Namen deutlich hervorgeht, dass es sich bei der roten Rasse um Teile dieser in Ägypten lebenden Menschen handelte.“

Aber genau das war niemals der Fall. Edom war einfach ein Land in der Nachbarschaft Ägyptens (I,226), das zeitweise von Ägypten beherrscht wurde, aber zum Beispiel in Hesekiel 32,29.31 deswegen neben Ägypten erwähnt wird, weil beide Länder mit vielen anderen zusammen Gottes Gericht zu erwarten hatten.

Noch weniger zu belegen ist, was Sie angeblich herausgefunden haben, „das Volk ÄDOM ganz besonders enge Verbindungen in das Land der KaSsDIM [= Chaldäer] unterhielt“, denn immerhin lag Chaldäa nicht so weit im Süden, sondern im nördlich gelegenen Zweistromland. Sie vermuten gleichwohl (I,227),

„dass diese Volksgruppe den Ägyptern neben dem astronomischen Wissen … auch Teile des kabbalistischen mitbrachten. Dabei ist festzuhalten, dass in BaBhäL jene Priester und Gelehrten, die sich mit Astronomie und Astrologie beschäftigten, Magier genannt wurden. Das größte Geschenk der KaSsDIM an die Ägypter war aber mit Sicherheit die Schrift und es gilt als erwiesen, dass die Kunst des Schreibens schon nach kurzer Zeit von der damaligen zweiten Hochkultur in Ägypten übernommen wurde, wo sie allerdings ihre Eigenentwicklung durchmachte.

Das astronomische Wissen der KaSsDIM traf nun durch die ÄDOM in Ägypten auf das hermetische, welches unserer Ansicht nach einerseits ein biologisch-medizinisches und andererseits ein medizinisch-chemisches war. Zu diesem hermetischen Wissen gehörte auch jenes, welches Thot anwendete, damit Isis den von ihrem gemeinsamen Bruder Seth ermordeten Osiris wieder beleben konnte.“

So lange das Pharaonenreich der Ägypter Bestand hatte, wurde Ihnen zufolge das „hermetische Wissen der KaSsDIM und das aus Ägypten“ von den Priestern des Osiris- oder Sonnen-Kultes aufbewahrt und von Generation zu Generation an die Besten ihres Standes weitergegeben“, und Sie nehmen für die Zeit nach der Eroberung Ägyptens durch Griechen und Römer als sicher an (I,228),

„dass der Osiris-Kult mit dem Untergang des griechischen Imperiums in den Isis-Kult überging und das hermetische Wissen der Osiris-Priester von nun an durch die Isis-Priester weitergegeben wurde und dadurch im gesamten Mittelmeerraum seine Verbreitung fand.“

Am Ende hat sich, wie Sie annehmen, „das hermetische Wissen, das kabbalistisch-alchimistische einbezogen“ sogar „über ganz Europa ausgebreitet“. Da die Göttin „Isis oft mit dem Horuskind dargestellt wurde“, neigen Sie sogar der Ansicht zu, „dass die außerordentlich starke Verehrung der Jungfrau und des Kindes bei den frühen Christen möglicherweise auf den Einfluss dieses im Römischen Reich weit verbreiteten Kultes zurückzuführen sei.“ Und Sie fragen sich, ob „der osirische Wiederauferstehungsglaube mit jenem der Christen identisch“ und „der christliche Ritus nichts anderes als eine Variation des ursprünglichen Osiris-Kultes darstellt“.

Eine solche Gleichsetzung kann aber nur vornehmen, wer keine Ahnung von der unterschiedlichen Struktur des monotheistisch-christlich-jüdischen Glauben auf der einen und des polytheistischen Osiris-Isis-Kultes auf der anderen Seite hat. Wenn (I,227f.) Caligula der erste römische Kaiser ist, der einen Isis-Tempel baut, dann geschieht das im Übrigen zu einer Zeit, als Jesus schon einige Jahre tot und der Glaube an Jesus als den auferstandenen Messias Israels schon lebendig ist. In keiner neutestamentlichen Schrift wird Isis erwähnt. Maria wird nirgends als Göttin angebetet und gilt auch erst sehr viel später als Mutter des Gottessohnes. Als man sie darum (zur Zeit der Konzilien, in denen es um die Frage ging, wie göttlich Jesus war) zur „Mutter Gottes“ erhöht, mögen Elemente einer polytheistischen Verehrung mitschwingen, was aber keinesfalls im Sinne der offiziellen christlichen Dogmatik der Kirche ist, die eindeutig monotheistisch bleibt.

Kritik am Gedanken der Reinkarnation (I)

Was genau in Ihren Augen (I,229) der „kabbalistische Wiederkehrgedanke“ sein soll, wird zunächst nicht ganz klar. Er soll „fest verwurzelt“ sein „in der Tradition des jüdischen Glaubens“, werde aber heute „doch recht gerne mit der buddhistischen und der abgewandelten christlichen Reinkarnationsidee verwechselt und oftmals sogar vollkommen gleichgesetzt.“ Dabei beziehen Sie sich auf Vorstellungen von Charles Fielding (18), der die „Vorstellung von der Reinkarnation“ als „große Befreiung“ versteht, indem wir die Chance erhalten, „aus unseren Fehlern zu lernen und uns durch ständige neue und aufregende Herausforderungen und die Aussicht auf Erweiterung unseres Erfahrungsschatzes fortzuentwickeln.“ Einen solchen Gedanken lehnen Sie als „sinnlos“ ab, weil er „rein auf einen spirituellen Aspekt ausgerichtet [ist], den ein Mensch niemals während seines Lebens überprüfen kann“.

Allerdings gibt es gar keine solche christliche Reinkarnationsidee; vielmehr hat sich nach dem christlichen Glauben jeder Christ in diesem einen Leben für das, was er tut oder lässt, vor dem Weltenrichter der Barmherzigkeit zu verantworten, und die Hoffnung auf eine Auferstehung der Toten bezieht sich auf genau dieses eine gelebte Leben mit seiner unverwechselbaren Biographie. Und auch die buddhistische Lehre von der Reinkarnation sieht diese nicht als Lernchance, sondern als Fluch; Ziel der buddhistischen Erleuchtung ist gerade die Befreiung vom Zwang zur andauernden Wiedergeburt.

Was aber soll nun dem „jüdischen Wiederkehrgedanken“ zu Grunde liegen? Sie meinen tatsächlich, dass er „in ähnlicher Weise im Osiris-Kult zutage tritt“, und (I,229)

„dass Juden, wie die alten Ägypter, unter dem Begriff ‚Auferstehung‘ eine körperliche Wiederkehr meinten. Jesus Christus stand ganz in dieser jüdischen Tradition, der wir sowohl in BaBhäL als auch in Ägypten begegnen. Aufgrund dieser Tatsache schreibt auch Manfred Barthel: ‚Die Juden verstanden unter Auferstehung eine leibliche, nicht jene geistige, die das Christentum lehrt. Der alttestamentarische Glaube war nicht aufs Jenseits orientiert, sondern welt- und lebensnah.‘ Manfred Barthel könnte mit dieser folgerichtigen Aussage auch den Glauben der Ägypter oder BabhLaJe umschrieben haben.“

Hier werfen Sie eine ganze Menge an Vorstellungen durcheinander. Sie wollen ja darauf hinaus, dass angeblich die alten Babylonier, Ägypter und Juden einschließlich Jesus die Fähigkeit besaßen, im Hier und Jetzt Leichen zu neuem Leben zu erwecken (also entweder ihr Leben zu verlängern oder von einer verstorbenen Person einen identischen Klon herzustellen – was aber erst im zweiten Band so deutlich herausgestellt wird).

Erstens ist zu bezweifeln, dass Babylonier und Ägypter tatsächlich dazu fähig waren. Zweitens übernahmen die Juden von den Ägyptern gerade nicht ihre Totenkult-Praktiken, und Barthel hat insofern Recht, als der TeNaK bis auf Daniel und wenige Jesaja-Stellen gar keine Auferstehungshoffnung kennt, sondern nur die Hoffnung auf Befreiung und Gerechtigkeit im Diesseits. Erst sehr spät kam bei ihnen der Gedanke der Auferstehung auf, weil die Opfer von Gewalt nicht von der befreienden Macht Gottes ausgeschlossen sein sollten.

Das 2. Buch der Makkabäer, das Ihnen zufolge den festen jüdischen Glauben an eine leibliche Auferstehung in ihrem Sinne bezeugen soll, steht ebenso in dieser Tradition wie auch Jesus. Aber gerade die beiden ersten Makkabäer-Bücher gehören gar nicht zum TeNaK, sondern zum Kanon der katholischen Bibel, und die in dieser vertretene leibliche Auferstehung wird ganz klar in einem jenseitigen, nicht diesseitigen Sinn interpretiert.

Wie Sie hier (I,230) die Lutherübersetzung von 2. Makkabäer 7,9 („der König der Welt wird uns, die wir um seiner Gesetze willen sterben, wieder erwecken in der Auferstehung zum ewigen Leben“) nochmals im Sinne einer „Hinwendung an den christlichen Reinkarnationsgedanken buddhistischer Prägung“ begreifen können, bleibt mir vollkommen schleierhaft. Anscheinend können Sie sich die Auferstehung einer einmaligen Person in einer jenseitigen Wirklichkeit so wenig vorstellen, dass Sie jeden Gedanken an ein Jenseits sofort mit einer „Folge zukünftiger Leben in einer anderen leiblichen Form, die im Allgemeinen an die Idee einer spirituellen Weiterentwicklung geknüpft ist“ verbinden.

Recht haben Sie, wenn sie betonen, dass „bei Osiris und Jesus Christus … in der Überlieferung die Auferstehung a persona hervorgehoben“ wird, es ist also jeweils diese unverwechselbare Person, deren Auferstehung geglaubt wird (wenn auch verknüpft mit vollkommen unterschiedlichen religiösen Vorstellungen), aber in beiden Fällen geht es nicht um einen diesseitigen medizinischen Sieg über den Tod.

Was ist unter GiNaT zu verstehen? (Erklärungsversuch 2)

Unter der Überschrift (I,232) „Die Entschlüsselungsverfahren der Rabbinen und Kabbalisten“ erläutern Sie nochmals den Ursprung der Gematrie. Sie beruht darauf, dass die jüdischen Rabbiner, da „es im Hebräischen der Bibel keine Zahlensymbole gibt und dafür jeder Buchstabe zugleich einen Zahlenwert hat“, diese Zahlenwerte benutzten, um „versteckte Zusammenhänge und Hinweise … in den einzelnen Textstellen“ aufzuzeigen.

Eine Methode der Gematrie besteht darin, „ein bedeutsames oder unklares Wort durch ein anderes mit gleichem Zahlenwert [zu] ersetzen“. Der Text wird aber (I,233) nur „gedanklich ausgetauscht…, korrigiert … und so beibehalten…, obwohl er unklar ist.“ Da Sie davon ausgehen,

„dass die Buchstabenfolge der Bibel nichts anderes als eine biologische Formel verkörpert, ist es wichtig, dass diese Abfolge nicht verändert wird. Ebenso wichtig ist aber auch, dass diese Abfolge austauschbar ist, denn wie wir durch die Gentherapie wissen, können beispielsweise Krankheiten dadurch geheilt werden, dass man defekte Gensequenzen, was allerdings noch in den Kinderschuhen steckt, mit gesunden austauscht. Wir denken, was sich durch unsere Forschung immer mehr zu bestätigen scheint, dass die Gematria ursprünglich dazu gedient hat, Gensequenzen zu berechnen um sie dann miteinander gefahrlos austauschen zu können.“

Bei einer anderen Art der Gematrie wird ein Text „durch einen Begriff nach seinem Zahlenwert“ ausgelegt. „Der kabbalistische Zahlenwert für RaChaM“, das hebräische Wort für „erbarmen“, ist zum Beispiel „248“, was nicht nur der Zahl der positiv formulierten Gebote im Alten Testament, sondern auch der im Talmud genannten „Anzahl der Glieder des Menschen“ entspricht. Das wiederum setzt Sie (I,233f.)

„in Erstaunen, wenn man bedenkt, dass es den Juden bei Todesstrafe verboten war, Menschen zu sezieren. Woher wussten sie, dass der menschliche Körper in seiner vernetzten Gesamtheit aus exakt 248 einzelnen und voneinander getrennten Teilen und strukturell verschiedenen Komponenten besteht?“

Aber gerade diese so genaue Entsprechung könnte auch stutzig machen, liegt doch die Zahl etwa der menschlichen Knochen im Körper gar nicht so genau fest. Und ebenfalls nach Wikipedia können Juden ihre annähernd exakten Kenntnisse durchaus auch anders als durch Obduktionen menschlicher Leichen erworben haben:

Das anatomische Wissen wurde aus der körperlichen Untersuchung des unversehrten Körpers gewonnen sowie aus dem Studium der Organe von Schlachttieren, ebenso aus der Untersuchung von verletzten Personen. Obduktionen wurden nicht durchgeführt, weil dies als Respektlosigkeit dem Toten gegenüber angesehen wurde. Es gibt aber einen Bericht, nach dem Studenten von Rabbi Jischmael „eine Leiche kochten, um die Knochen zu untersuchen und zu zählen.“

Mit Hilfe einer (I,233) sehr „verworren zu lesenden“ Dabhar-Übersetzung des Prophetenworts Habakuk 3,2 versuchen Sie außerdem die Identität der Buchstaben des Wortes JHWH mit den vier Basen der DNS herzuleiten:

„JHWH, ich hörte dein Hörrücht,
ich fürchtete. JHWH, dein Wirken,
im Inneren der Jahre belebe es, im
Innern der Jahre machst du‘s
erkennen; im Beben gedenkst du,
dich zu erbarmen.“

Mal abgesehen davon, dass diese Übersetzung sehr fragwürdig ist (19), lese ich in ihr nur etwas vom Wirken JHWHs, das „im Inneren der Jahre“ belebt werden soll. Sie interpretieren den Vers aber völlig anders, indem Sie fragen (I,234):

„Woher wussten sie, dass im Innern des Menschen JHWH wirkt? Eben jene vier Buchstaben, die wir als die vier Basen der DNS identifizierten und die sich in den Chromosomen des Zellkerns befinden. Wobei, was mit der Gematria ganz offensichtlich detailliert berechnet werden kann, lediglich die chemische Struktur der DNS, also in der Abfolge der vier Basen Adenin, Guanin, Cytosin und Thymin, eine Variabilität zeigt. Aber auch hierzu später mehr!“

Die eben angeführten Beispiele genügen Ihnen, um die Schlussfolgerung zu ziehen:

„Mit den beiden Methoden der Gematria können also ganz offensichtlich biologische Vorgänge ganz exakt berechnet werden… Was wir mit diesen Methoden letztlich wirklich alles berechnen können, muss die Wissenschaft herausfinden, denn wir haben im Rahmen unserer Forschungen erkannt, dass damit quasi der gesamte genetische Code, jede Aminosäuresequenz, jedes Basentriplett, jeder codogene Strang, jedes Codon und darüber hinaus sogar die Messenger RNA berechnet werden kann. Wir möchten hier nicht zu hoch greifen, aber alleine das dies möglich ist, ist schlichtweg eine Sensation. Eine Sensation, welche die gesamten biologischen Wissenschaften und darüber hinaus auch die derzeitige Medizin revolutionieren wird. Zumindest wäre sie dazu in der Lage, wenn man sich in den wissenschaftlichen Fakultäten dazu herablassen würde, sich mit dieser sensationellen Erkenntnis zu befassen.“

Auf sehr verschlungenen Wegen, die ich nicht nachzeichnen möchte, beenden Sie diesen Gedankengang schließlich nochmals bei Jesus (I,235)

„der, wir gehen später noch genauer darauf ein, nicht nur in Ägypten war, sondern auch von den Toten auferstanden ist. War dies ein göttliches Wunder oder benutzten Jesus und dessen Anhänger nur eine uralte Technik des Klonens, von der schon die ägyptischen Pharaonen wussten. Wir wissen es nicht, aber es deutet vieles darauf hin, dass Jesus auf ein Wissen zurückgegriffen hat, welches von Generation zu Generation weitergegeben wurde und welches seinen Ursprung bei den Schöpfern der Menschheit hat. Diese, so unsere Recherchen, haben es an ABhRaHaM übergeben. Von ihm wurde es nach Ägypten und von dort wieder zu den Juden gebracht.“

Wenn Sie etwas nicht wissen, aber andererseits doch vieles genau darauf hindeuten soll, was Sie so vollmundig behaupten – wieso benennen Sie diese Belege und Indizien nicht wenigstens konkreter?

Was ist unter GiNaT zu verstehen? (Erklärungsversuch 3)

Dem nächsten Abschnitt (I,237) geben Sie die Überschrift „Die Gematria“, obwohl doch schon der gesamte Abschnitt zuvor von den zwei Methoden der Gematrie gehandelt hat. Die genauere Beschäftigung mit der Gematrie beginnt mit folgender Umschrift des hebräischen Wortes „GYMtRYA“, die mehrere Fehler enthält (richtig wäre GIMaTRIaH): das Jod wird nur im englischen Sprachraum mit „Y“ wiedergegeben, das „t“ in der Mitte müsste groß geschrieben werden, und am Ende steht kein Aleph, sondern der Konsonant „H“.

Dann wiederholen Sie, dass die „Juden … das numerische System der Gematria vor allen Dingen [benutzen], um im Alten Testament nach geheimen Aussagen zu forschen.“ Diese Art der „Interpretation biblischer Texte begründet sich in erster Linie auf dem ‚Buch der Weisheit 11:20‘, denn dort heißt es: ‚… er hat alles in Maßen und Nummern und Gewichten geordnet‘.“ Mit der „Numerologie moderner Esoteriker“ allerdings hat die „Gematrie“ als „echte Wissenschaft“, wie Sie sie im Sinn haben, nichts zu tun.

In der Beschreibung (I,238) „der kabbalistischen Wissenschaft Gematria“, die auf einer nicht näher erläuterten „Semantikanalyse“ beruht, unterscheiden Sie nunmehr nochmals „zwei Methoden“, wobei zunächst nicht klar ist, ob diese mit den bereits erläuterten Methoden übereinstimmen:

„Die eine Methode nennt man den identisierenden oder pleonastischen, die andere den synthetisierenden Hieroglyphismus. Wir kommen auf beide noch zu sprechen.“

Eine Verwendung (I,239) der „Gematria“, die Sie als „verwässert“ beurteilen, wurde „vornehmlich von Mystikern und Gnostikern benutzt“, und zwar „ausschließlich als Hilfsmittel zur transzendenten und meditativen Gottesschau“. In Ihrem Sinne ist eine andere Art ihrer Verwendung, die „den Verfassern des Sohar und des Sefer Jezira noch sehr gut bekannt gewesen sein“ muss, durch Kabbalisten wie den Rabbiner Eleasar ben Juda ben Kalonymos (20) (1165-1238) verfeinert und von Denkern wie Giordano Bruno (1548-1600) wieder aufgegriffen wurde. In diesem Zusammenhang sprechen Sie von den

„pantheistisch-materialistischen Wurzeln der Gematria, durch die letztlich ein transzendenter Schöpfer überflüssig wird, denn durch den berechenbaren Faktor JHWH und die semantische Bedeutung dieses Wortes werden Gott und Materie identisch.“

Aber zurück zu den zwei Methoden der Gematrie (I,241):

„Alle TORaH-Worte, die mit dem gleichen Zahlenwert versehen sind, werden als identisch betrachtet. Diese Art der Gematria wird als identisierender oder pleonastischer Hieroglyphismus bezeichnet.“

Ärgerlich ist, dass Ihre anschließende Formulierung so klingt, als hätten sie bereits den „synthetisierenden Hieroglyphismus“ beschrieben (was sie nirgends tun!), und dass Sie noch einmal auf dasselbe zurückkommen, was sie tatsächlich schon erläutert haben:

„Es gibt aber noch einen weitaus wichtigeren Aspekt dieser kabbalistischen Wissenschaft. Dieser wird von den Kabbalisten als identisierender Hieroglyphismus bezeichnet. Er stützt sich, ebenso wie der synthetisierende, ebenfalls auf den Zahlenwert der Buchstaben. Nur er spiegelt ein Geheimnis wieder, das gänzlich verloren war.“

Was ist unter GiNaT zu verstehen? (Erklärung nach Wikipedia)

Als ich an dieser Stelle komplett verwirrt war, konnte ich durch einen Blick in Wikipedia sehr schnell klären, dass die beiden Methoden der Gematrie, über die Sie in mehreren Erklärungsversuchen mehr Verwirrung als Klarheit stifteten, identisch sind mit den oben bereits von Ihnen erwähnten kabbalistischen Verfahren Gematria, Notarikon und Temura (die Hervorhebungen außer bei den fett geschriebenen Anfangsbuchstaben stammen von mir):

Gematria wird auch identisierende Zahlenmystik genannt. Beispiel: Das hebräische Wort AChaD … bedeutet „ein“ und hat den Zahlenwert 13 (1+8+4). Das hebräische Wort AHaWA … bedeutet „Liebe“ und hat ebenfalls den Zahlenwert 13 (1+5+2+5).

Notarikon wird auch synthetisierende Zahlenmystik genannt und erfolgt durch Erweiterung und Ergänzung von Buchstaben und Worten. So ruft David in seinem Testament für seinen Sohn Salomon (1 Kön 2,8): „Er hat mich verflucht mit einem harten … [NiMReZeT]) Fluch.“ Die Konsonanten des hebräischen Wortes nimrezet bergen nach dieser Methodik folgende schmähende Vorwürfe in sich:

Noeph: Ehebrecher | Moabi: Moabiter | Rozeach: Mörder | Zores: Gewalttätiger | Toeb: Grausamer

Temura wird auch synthetisierende Zahlenmystik genannt, aber in diesem Fall erfolgt sie durch Umstellung der Buchstaben. Beispiel: Gott sagt im 2. Buch Mose (23,23): Ich will vor dir meinen Engel … (Mal‘achi) einhersenden! Durch Umstellung der Buchstaben von meinen Engel erhält man den Namen des Engels Michael…

Zur gematrischen Analyse des Namens ADaM

Um die Leistungsfähigkeit der gematrischen Wissenschaft zu erweisen, analysieren Sie (I,241) „das Wort ADaM“. Sie sind ja der Ansicht, dass ADaM „das Produkt einer künstlichen Schöpfung ist“ und „aufgrund genetischer Manipulationen, welche die ÄLoHIM an der DNS von irdischen Urmenschen vornahmen, regelrecht als neuer Menschentyp kreiert wurde.“

Da die Zahlenwerte für die hebräischen Buchstaben Aleph, Daleth und Mem 1, 4 und 40 betragen, zählen Sie für die Buchstaben A D A M 1+4+1+40 zusammen und erhalten 46. Vom Ergebnis berechnen sie außerdem als Quersumme 10. Nun fragen sie sich (I,241f.):

„Ist die Zahl 46 mit der Quersumme 10 als Resultat der Namensberechnung Zufall?

Wir denken nicht, denn die Zahl 46 ist stimmig mit der Anzahl der Chromosomen, die ein Mensch besitzt. Diese bestimmen die Vererbung, denn sie stellen die Gesamtheit der DNS dar. Diese ist, modern ausgedrückt, das Buch des Lebens. Und lesen wir in der TORaH den dazugehörigen Text, dann besagt dieser dass die ÄLoHIM einen Menschen machen wollten. Wie sollten sie dies wohl bewerkstelligt haben? Doch nur dadurch, dass sie das Erbgut des irdischen Urmenschen veränderten und seine Chromosomenzahl auf 46 eingestellt haben. Die Zahl 10 wiederum ist, wenn man sie separat als 1 und 0 betrachtet, unter anderem vollkommen identisch mit dem Binärcodecharakter der DNS.“

Wie soll man diese „wissenschaftliche“ Analyse beurteilen? Selbst wenn man solche Zahlenspielereien überhaupt ernst nimmt, beruhen die scheinbaren Übereinstimmungen in diesem Fall auf zwei Irrtümern.

Erstens besteht das hebräische Wort ADaM gar nicht aus vier Buchstaben, sondern nur aus Aleph – Daleth – Mem, was Sie auch wissen müssten, denn Sie umschreiben ja den zweiten Vokal nur mit kleinem Buchstaben. Nach der Gematrie ist der Zahlenwert für ADaM also gar nicht 46, sondern 45 – mit der Quersumme 9.

Und zweitens: Selbst wenn man die Quersumme 10 erhalten würde, hätten ihre Ziffern 0 und 1 im Binärsystem eine ganz andere Bedeutung als im Dezimalsystem – und mit der Gematrie kann die Null schon gar nichts zu tun haben, weil es in der hebräischen Sprache die Zahl Null überhaupt noch nicht gab.

Was das ganze mit dem „Binärcodecharakter der DNS“ zu tun hat, wird zu klären sein, wenn Sie am Ende des 3. Bandes Ihrer Trilogie (III,305ff.) auf diese Frage ausführlich eingehen.

Mich wundert jedenfalls schon lange nicht, was Sie angesichts der angeblich von ihnen herausgefundenen (I,242) „biblischen und biologischen Übereinstimmungen, die ganz offensichtlich vorhanden sind, … vollkommen unverständlich“ finden, nämlich „dass sich die renommierten Wissenschaften diesen Informationen verweigern.“

Ist in der Bibel ein geheimer Code hinterlegt? (VI)

Ein sechstes Mal kommen Sie im Zusammenhang mit der Gematrie darauf zurück, dass die hebräische Sprache, weil es in ihr (I,243) „keine Zahlzeichen“ gibt, sondern „jeder Buchstabe … seinen eigenen Zahlenwert“ hat, dazu „prädestiniert [ist], in einem Text einen versteckten Code zu unterlegen.“ Zugleich, so denken Sie, nutzten die Kopisten biblischer Texte die Gematrie auch dazu, mittels eines Prüfsummenverfahrens

„die Texte gegenüber jeder Art von Verfälschung abzusichern. Denn indem ein Buchstabe einerseits einen Laut- und andererseits einen Zahlenwert darstellt, erreicht man am Ende eines Wortes, Satzes, Absatzes oder gesamten Textes stets die gleiche Summe. Wurde nun eine Kopie von einem Text angefertigt, brauchte man nur die Endsumme des Textabschnittes mit dem Original zu vergleichen und man wusste, ob der Text dem Original entsprach.“

Sie geben aber zu (I,244), dass selbst die in den 1960er Jahren von Eliyahu Koren in Jerusalem erstellte jüdische Ausgabe der hebräischen Bibel nicht ganz genau dieselbe Anzahl von Buchstaben enthält wie der um 1000 n. Chr. entstandene „Leningrader Codex“. Wie also sollte ein geheimer Bibelcode in beiden Bibeln auf dieselbe Weise entschlüsselt werden können? Ihre Antwort darauf lautet:

„Kabbalisten sind der Überzeugung, Untersuchungen haben dies zudem bestätigt, dass der Sinn des Alten Testaments erst dann verloren geht, wenn 30% verfälscht wären. Neun Buchstaben in einem so gewaltigen Text sind aber nicht dazu geeignet, dass von einer Informationsverfälschung gesprochen werden könnte.“

Damit tun Sie aber hier genau das, was Sie weiter oben immer wieder den Übersetzern der Bibel vorgeworfen haben: Sie argumentieren mit einer nicht ins Gewicht fallenden Verfälschung des Sinnes eines bis zu 30% veränderten Textes. Beim geheimen Bibelcode geht es aber doch – wie Sie nicht müde wurden zu betonen! – gar nicht um den Textsinn, sondern um die genaue Anzahl und Anordnung jedes einzelnen Buchstabens in einem Text, die erhalten bleiben muss, sonst könnten die versteckten Informationen überhaupt nicht mehr wiedergefunden werden.

Das kümmert Sie jedoch nicht weiter, zumal Ihnen Ihre Lösung auf elegante Weise auch noch dazu verhilft, den Bibelcode in einen noch engeren Zusammenhang zum genetischen Code des Menschen zu bringen:

„Genetiker wissen mittlerweile, die Meinungen gehen hier jedoch noch auseinander, dass die DNS so aufgebaut ist, dass sie selbst, welch ein Zufall, bis zu 30% von beschädigter DNS selbst authentisch rekonstruieren kann.

Mit der Gematria könnte man also, die Übereinstimmung der 30% verdeutlicht dies sehr gut, den Code der DNS brechen.“

Was Sie unter der (I,243) „Gematria als Codebrecher der DNS“ verstehen, bleibt schleierhaft. Ein fehlerhafter Bibelcode kann sich ja wohl kaum wie beschädigte menschliche DNS (I,244) „selbst authentisch rekonstruieren“, geschweige denn sogar irgendwie auf diese DNS Einfluss nehmen. Da Sie allerdings annehmen, dass „die Prüfsummen, die sich durch den sich ständig wiederholenden Begriff TORaH ergeben, mit den Start- und Stopp-Codons der DNS identisch sind“, scheint es nur darum zu gehen, dass der Bibelcode zur Entschlüsselung der DNS dienen kann. Aber wie gesagt, selbst wenn das grundsätzlich möglich wäre – wie soll das funktionieren, wenn der Bibelcode selbst nun eben doch nicht hundertprozentig buchstabengetreu überliefert wurde?

Was ist unter GiNaT zu verstehen? (Erklärungsversuch 4)

In einem Abschnitt (I,245) unter der Überschrift „Notarikon“ erläutern Sie die „kabbalistische … Technik, hebräische Worte und Gottesnamen zu verkürzen, um dadurch geheimes Wissen zu verschlüsseln“, oder „vereinfacht ausgedrückt, dass wir die in der Bibel benutzten Worte in Bezug auf ihren ersten oder letzten Buchstaben schreiben und auslegen können.“ Auch „NWtRYQWn“ als Umschrift des Wortes „Notarikon“ ist wieder fehlerhaft; richtig wäre „NOTaRIQON“.

Als Anwendungsbeispiel führen Sie „das gebetsabschließende Amen“ an, das sich von dem „hebräischen Spruch ‚der Herr und treue König‘ ab[leitet]“. Auch das ist wieder nicht ganz korrekt, denn das hebräische AMeN entspricht gemäß Notarikon exakt dem aus den Wörtern „Gott – König – treu“ bestehenden Satz ÄL MäLäKh NäÄMaN = „Gott ist ein treuer König“. Das Wort „Herr“ kommt nicht vor (21).

Zur Analyse der Kreuzesinschrift INRI nach dem Notarikon

Wichtiger ist es Ihnen (I,245), die „Aufschrift INRI“, zu Deutsch: „Jesus von Nazareth, der König der Juden“ an Jesu Kreuz mit Hilfe des Notarikon herzuleiten. Dieser Satz soll im Hebräischen angeblich lauten: „JSWa HNXRY WNLk HYHWDYm“. Da Sie keine Quelle für diesen hebräischen Text angeben (der Urtext des Neuen Testaments wurde ja auf Griechisch verfasst) und die Umschrift wieder extrem zu wünschen übrig lässt, war es für mich nicht einfach, herauszufinden, was dieser Satz bedeuten soll. Vermutlich meinen Sie „JeSchUˁA HaNOTseRI WöMäLäK HaJöHUDIM“ (ich verzichte darauf, alle Fehler der Umschrift einzeln aufzuführen).

Für den so ins Hebräische rückübersetzten Satz gilt: „Nimmt man von jedem dieser hebräischen Worte den ersten Buchstaben, dann ergibt sich das Wort JHWH“, und das ist für Sie „in Anbetracht dessen, was die vier Buchstaben bedeuten und vor allem unter der Prämisse, dass Jesus in Ägypten erzogen wurde und nach der Einbalsamierung von den Toten auferstanden ist“, natürlich „von allergrößter Wichtigkeit“.

Allerdings enthält diese Analyse mindestens drei Fehleinschätzungen.

Erstens ist der von Ihnen rekonstruierte hebräische Text kein Teil des TeNaK, ja nicht einmal des neutestamentlichen Urtextes; er kann also dementsprechend nichts mit dem von ihnen angenommenen Bibelcode zu tun haben.

Zweitens ergibt der rückübersetzte hebräische Text nur dann die Anfangsbuchstaben JHWH, wenn man bei den drei letzten Worten den Artikel „Ha“ und die Verbindungspartikel „We“ berücksichtigt; das entspräche einer Hervorhebung folgender Buchstaben in der deutschen Übersetzung: „Jesus, Der Nazarener Und König Der Juden“. Die sinntragenden Worte „Nazarener“ und „Juden“ beginnen auch im Hebräischen mit N und J – und der König = MäLäK mit M. Somit wäre als hebräische Entsprechung für INRI eher JNMJ und nicht JHWH anzunehmen.

Drittens wurde Jesus nach den Evangelien niemals einbalsamiert, da er vor Beginn des Sabbats rasch ins Grab gelegt wurde. Und als am Sonntagmorgen Frauen mit Salben und Ölen zum Grab kamen, fanden sie seinen Leichnam im Grab nicht mehr vor.

Kommt Maimonides (1135-1204) bereits in der Tora vor?

Das Kapitel über die Kabbala schließen Sie nicht etwa mit einer genaueren Erläuterung der Temura ab, die sich nirgends in Ihrem Buch findet, sondern mit einer Anekdote über den jüdischen Gelehrten Elijah Ben Salomon Salman (1720-1797), der auch Gaon von Wilna genannt wurde (I,246):

„Er stellte, nachdem er sich viele Jahre mit dem Studium der TORaH befasst hatte, die Behauptung auf, dass alles, was ist und bis zum Ende der Zeiten sein wird, schon in der TORaH enthalten ist.“

Skeptiker fragten ihn daraufhin, „wo man denn in der TORaH, wenn schon alles Vergangene und Zukünftige in ihr stehen würde, eine Textstelle über Rambam, also den im 12. Jahrhundert lebenden Rabbi Moses ben Maimon, finden würde.“ Er verwies auf den hebräischen Satz „RöBOTh MOPhThaJ BöÄRäTs MiTsRaJiM“ (22), den JHWH in 2. Mose 11,9 ausspricht (= „damit zahlreich werden meine Wunder im Land Ägypten“), und entdeckte dort in den Anfangsbuchstaben RMBM die Kurzform „RaMBaM“ des Namens von „Rabbi Moses ben Maimon“, den wir besser unter dem Namen Moses Maimonides kennen.

Eine solche Folge von Anfangsbuchstaben in einem Text wie der Tora zu finden, dürfte allerdings auch auf zufälliger Basis nicht besonders schwierig sein. Sie ziehen allerdings die Schlussfolgerung:

„Wie man an diesem Beispiel gut sehen kann, gibt es mit den Mitteln der kabbalistischen Wissenschaften durchaus Möglichkeiten, Wörter und ganze Sätze durch so genannte Buchstabenintervalle einzuteilen und dann einen Text im Text herauszufiltern.“

Mit einer Herausfilterung von Buchstaben, die in gleich großen Abständen voneinander im Text der Tora stehen und sinnvolle Wörter oder gar Sätze ergeben, hat das angeführte Beispiel aber gar nichts zu tun; es ist nur ein weiteres Beispiel für die Methode des Notarikon.

III. Kapitel: Methoden der Schriftauslegung

Einleitend zum dritten Kapitel Ihres ersten Bandes der „Entdeckung der Urmatrix“ heben Sie (I,250) „die Wichtigkeit einer biblischen Exegese“ hervor, die „objektiv durchgeführt wird“ und in keiner Weise mit einem Glauben „an den Inspirationscharakter“ der Bibel verbunden ist. Sie

„konnten keine Zeile im Alten Testament ausmachen, die inspiriert wäre. Vielmehr wurde den biblischen Chronisten von den ÄLoHIM ein ganz profanes Wissen übergeben. Dieses benötigt keinerlei göttliche Eingebung, damit es existieren kann. Der Mensch wäre, mit oder ohne göttliche Inspiration, ohnehin auf dieses Wissen gestoßen.“

Verfälschung des biblischen Urtextes durch Übersetzungen (VIII)

In diesem Zusammenhang, fast möchte ich sagen, wie könnte es anders sein, reiten Sie zum achten Mal auf ihrer Kritik an angeblichen Verfälschungen des biblischen Urtextes durch Übersetzungen herum, indem sie den christlichen Bibelauslegern vorwerfen (I,250),

„dass die griechische Septuaginta (LXX), die Peschitta (syrisch), die Targumim und die Vulgata (Latein) als Grundlage der Exegese benutzt werden sollen.“

Dazu ist nochmals zu betonen, dass Übersetzungen der Bibel niemals den Urtext ersetzen sollen, als ergänzende Hilfe zur ihrer Auslegung aber gerne in Anspruch genommen werden, weil jede Übersetzungsarbeit ja auch schon Anregungen für das Verständnis des Urtextes enthält.

Ebenso verwundert Ihre Kritik daran, dass „uns die christlichen Theologen durch die Kanonisierung der biblischen Texte vorschreiben möchten, welchen Text wir zur Forschung heranziehen sollen und müssen.“ Nur durch die Berücksichtigung der „Kabbalisten und nichtkanonisierten Schriften des Judentums in unseren Überlegungen“ war es Ihnen möglich zu erkennen, „was der ursprüngliche Wortlaut des Alten Testaments zum Ausdruck bringen wollte.“ Aber erstens enthält doch gerade der biblische Kanon der katholischen Kirche mehr Schriften als der jüdische Kanon, und zweitens schreibt Ihnen niemand vor, mit welchen Schriften sie sich außerdem noch befassen dürfen oder sollen.

Biblische Hermeneutik und die „Sieben Töchter Evas“

Ihnen zufolge liefert die (I,253) „Hermeneutik“ mit ihren Methoden „die wissenschaftlichen Rahmenbedingungen, nach denen die Exegese die biblischen Texte auslegt.“ Ohne sie näher zu erläutern, erwähnen Sie eine „Zweiteilung in wörtlichen und geistlichen Schriftsinn“ durch Philon von Alexandria, die vom Kirchenvater Augustinus „zum vierfachen Schriftsinn“ schematisiert wurde.

Etwas undurchsichtig wird die Darstellung der Geschichte der Hermeneutik wieder, wenn Sie schreiben (I,254):

„In Luthers Verurteilung der spirituellen Schriftauslegung sehen wir, dass die Erforschung und Auslegung des historischen Buchstabensinns durch die Einführung des vierfachen Schriftsinns, in den Hintergrund gedrängt wurde und erst durch die Reformation, wieder an Geltung gewann. Aber gerade auf den historischen Buchstabensinn und dessen allegorischen Erklärungen kommt es, wie es, wie es beispielsweise Rabbi Akiba Ben Joseph mit seiner Umdeutung des biblischen Hohen Liedes eindrucksvoll demonstrierte, letztlich an.“

Im zuletzt zitierten Satz ist unklar, ob Rabbi Akiba nun wegen seiner „allegorischen Erklärungen“ gelobt wird oder gerade „den historischen Buchstabensinn“ hervorgehoben haben soll.

Warum (I,255) „die exegetischen Methoden der Hermeneutik“, die dazu dienen, den „Abgrund, der insbesondere durch die sprachlichen, kulturellen, geografischen und historischen Unterschiede gegeben ist“, zu überwinden, gerade „für die Paläo-SETI-Forschung von ungeheurer Notwendigkeit“ sein sollen, erschließt sich mir deswegen nicht so recht, weil dieser Abgrund für die Paläo-SETI-Hypothese doch völlig unerheblich ist. Wenn die Buchstaben des TeNaK etwas völlig anderes codieren als das, was sie von ihrem Schriftsinn her aussagen, könnte da doch auch ein völlig sinnloser Text stehen, und es würde am Bibelcode nichts ändern. Merkwürdig: Bisher haben Sie sich ständig gegen Übersetzungen gewehrt, die Anpassungen des Textsinns an spätere kulturelle Veränderungen in den verschiedenen Völkern und Sprachen vorgenommen haben. Jetzt soll eine Hermeneutik plötzlich wichtig sein, die kulturelle Abgründe überbrückt. Oder habe ich immer noch nicht verstanden, was Sie eigentlich mit Hermeneutik meinen?

Das ist offensichtlich so, denn unmittelbar nach den zuletzt zitierten Sätzen berufen Sie sich auf einen „Professor für Humangenetik, Bryan Sykes“, der „herausgefunden hat, dass alle Europäer von nur sieben Urmüttern abstammen.“ Und da (I,256)

„die letzte Urmutter [Jasmin] in Syrien angesiedelt war und wir gerade in dieser Region des Nahen Ostens die ältesten Kulturen der Menschheit finden, von denen das Alte Testament berichtet, scheint sich auch der biblische Bericht zu bestätigen, dass gerade in dieser Region, die vom Mittelmeer bis zum Zagrosgebirge und vom Roten Meer bis nach Anatolien reicht, die extraterrestrische Spezies der ÄLoHIM den neunen Menschentyp nach ihrem Bilde formte.“

Aber wenn „die ÄLoHIM“ zur Zeit Jasmins zum letzten Mal „genetische Manipulationen am Erbgut des Menschen durchführten“, waren diese außerirdischen Wesen dann auch schon bis zu Zeit vor 45 000 Jahren an der Erschaffung aller anderen Urmütter beteiligt? Wenn Nein, dann müsste ja die Menschheit nur zu einem geringen Prozentsatz von den ÄLoHIM abstammen. Wenn Ja, dann wäre wirklich zu fragen, warum die ÄLoHIM, die über Zehntausende von Jahren auf der Erde weilten, sich ausgerechnet wenige Tausend Jahre vor unserer Gegenwart endgültig von unserem Planten verabschiedet haben.

Außerdem frage ich mich wirklich, was „Die sieben Töchter Evas“ des Professors Bryan Sykes mit dem Thema der biblischen Hermeneutik zu tun haben sollen?

Sechs Fehler der Exegeten und Paläo-SETI-Forscher

Als grundlegende Fehler bei der (I,257) „Erforschung alttestamentlicher Texte“ nennen Sie, was ich hier nur referieren möchte:

  1. die Überschätzung der „Kompetenz von Theologen“, die nur darauf aus sind, „den eigenen Glauben zu stärken“;
  2. die Unterschätzung des exegetischen Wertes außerkanonischer Schriften, etwa des kabbalistischen Buches „Sefer Jezira“;
  3. (I,258) das Verbot der Allegorese, da man „nur über das Allegorisieren die geheimen Wort- und Satzmuster erkennen kann, die im Alten Testament enthalten sind“. Zwar verdammen vor allem die „Theologen“ der „Reformation … diese Arbeitsweise … [als] Eisegese“ (die den Text nicht auslegt, sondern etwas Fremdes in ihn hineinlegt), aber Sie scheinen sich genau zu dieser Hineindeutungskunst zu bekennen, indem sie schreiben: „Und doch müssen wir auch hier sagen, dass wir ohne die allegorische Arbeitsweise niemals zum Erfolg gekommen wären, denn alle unsere Erkenntnisse basieren ja darauf, dass wir den Text im Text erforschten, mit den modernen biologischen Erkenntnissen von heute verglichen und erst dadurch den Rückschluss ziehen konnten, dass die Bücher des Alten Testaments nichts anderes als den genetischen Code des Menschen widerspiegeln.“
  4. (I,259) die Vergeistigung der Textauslegung, indem man „immer nur moralisches, ethisches und poetisch Erbauliches aus den Texten herauslesen“ will, was Sie aber ebenfalls als eine „Form des Allegorisierens“ verstehen, durch die „dem Text eine tiefere Bedeutung zugesprochen“ wird.
  5. die Ablehnung der „Buchstabengläubigkeit des rabbinischen Judentums“, die in Form der „kabbalistischen Wissenschaften Gematria, Notarikon und Temura“ geradezu „ein Weg zur Offenlegung der geheimen Botschaften“ der Heiligen Schrift ist.
  6. die Fehleinschätzung, „dass das Alte Testament nur durch die Kraft der göttlichen Inspiration entstand“ (dieser Punkt ist wiederum eine Wiederholung dessen, was Sie bereits in der Einleitung zum III. Kapitel geäußert hatten).

Eigentlich sollte, wer Exegese betreibt, Hebräisch können…

Unter der Überschrift (I,260) „Exegese“ beginnen Sie „drei unterschiedliche aber sehr eng miteinander vernetzte Disziplinen“ der „Bibelwissenschaft des Alten Testaments“ zu besprechen.

Mit der „Exegese“ „kann man den eigentlichen Sinn der in der Bibel zusammengefassten Schriften erforschen“, wofür „die Kenntnis der alttestamentarischen Grundsprachen Hebräisch und Aramäisch“ eine „unabdingbare Vorbedingung“ ist.

Da allerdings „ein Großteil der Paläo-SETI-Forscher hochgebildete Autodidakten und recht ambitionierte Selfmademen sind und demzufolge diese komplizierten Sprachen selten so umfassend beherrschen, dass sie eine einwandfreie Exegese durchführen können“, schwächen Sie die Unabdingbarkeit dieser Vorbedingung sogleich dahingehend ab, dass es mitunter ausreicht, „beispielsweise aus biologischer Sicht, nur die einzelnen Buchstaben der hebräischen Sprache zu kennen“. Denn „eine objektiv durchgeführte Exegese [kann] heute nicht selten in wissenschaftliche Bereiche führen, die nicht unbedingt an Sprachen gebunden sind.“

Das ist auch eine Methode, um sich einzureden, dass man ein ernstzunehmendes Monumentalwerk über den hebräischen Bibelcode schreiben kann, ohne auch nur Grundkenntnisse des Hebräischen zu haben.

Exegese als historische und biologische Forschung

Die Exegese soll unter anderem die Frage beantworten, „welche historisch nachweisbaren Überlieferungen“ in der Bibel enthalten sind. „Dabei kann und wird Kritik nicht ausbleiben können“, wobei Sie „Kritik“ mehr oder weniger unverbindlich als „persönliche Meinung“ und als ein „von Theologen nicht gern gesehenes Durchgangsstadium“ interpretieren. Das (I,260f.) „Ziel einer objektiven Exegetik“ sollten jedoch „immer nur die Geschichte des Volkes Israel und die im Alten Testament festgehaltenen Lebensumstände“ sein, während sich die Theologen (I,261)

„mehrheitlich mit den moralischen und ethischen Inhalten des Alten Testaments und kaum noch mit den geschichtlichen Aspekten [befassen]. Und noch nie wurden die im Alten Testament ganz offensichtlich hinterlegten biologischen Gesichtspunkte untersucht.“

Allegorese als Methode zur Aufspürung geheimen Wissens

Als (I,262) „die vorrangigste Aufgabe einer allegorischen Interpretation von biblischen Texten“ sehen Sie es an, ihren „tieferen – besser gesagt anderen – Sinn herauszufinden“. Sie tun sich immer noch schwer damit, die Allegorese richtig einzuordnen, denn ein Versuch, „die Inhalte der alten Texte mit den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen [zu] kompilieren …, um diesen dann einen Sinn abgewinnen zu können… , der dem aktuellen Weltbild und dem gegenwartsbezogenen Denken der Menschen entspricht“, kann zu Gedanken führen, (I,263) „die nicht gerade als sinnvoll eingestuft werden können.“ Das Anliegen von Ihnen als

„Paläo-SETI-Historikern ist es aber, die alten biblischen Schriften in ihrer Ursprünglichkeit zu erfassen, ihren tieferen Sinn zu erforschen und dabei ihre Inhalte so zu begreifen lernen, dass sich daraus jene Basis ergibt, mit der wir dann die Voraussetzungen erkennen, mit denen das ursprüngliche Wissen bis ins Heute transportiert wurde.“

Nur um die Frage zu beantworten (I,264), „wie das geheime Wissen letztlich aussieht, welches im AT vorhanden ist“, ist Ihrer Ansicht nach also „die allegorische Interpretation“ notwendig.

Verfälschung des biblischen Urtextes durch Übersetzungen (IX)

In diesem Zusammenhang erfolgt zum neunten Mal die Bestätigung (I,263), „dass die hebräischen und aramäischen, im Gegensatz zu den griechischen und lateinischen Texten der Bibel, authentisch und weitgehend unverändert sind“, obwohl in Übersetzungen natürlich sowieso kein Bibelcode des Urtextes erhalten geblieben sein kann – allerdings auch nicht in einem nur „weitgehend“ unveränderten Urtext der Bibel.

Sie verstehen einfach nicht, dass man eine authentische Überlieferung des Urtextes wertschätzen kann und sich zugleich um einen angemessenen Transport der im Text enthaltenen Botschaft in die jeweilige Gegenwart bemühen muss. Für Sie kommt es nur auf den angeblich im Urtext enthaltenen geheimen Bibelcode an, wie die folgende Argumentation bezüglich der in Qumran gefundenen Jesaja-Rolle noch einmal zeigt (I,263f.):

„Wird die Frage der Authentizität des ATs aus theologischer Sicht angesprochen, wird immer gesagt, dass diese vorhandene Übereinstimmung die Jesaja-Rolle zu einem unbezahlbaren Schatz macht. Wird von uns aber angeführt, dass die Übereinstimmung vorhanden ist und wir deshalb davon ausgehen, dass der überlieferte Code in der Bibel authentisch ist, wird darauf verwiesen, dass der Textgehalt nicht maßgebend sei, sondern nur die damit transportierte Botschaft.“

Zur allegorischen Auslegung des Hohenliedes

Unter einer Überschrift (I,265), die auf das Hohelied hindeutet, wird zunächst Theologen die Behauptung unterstellt, „dass sich die allegorische Auslegung von biblischen Texten des TeNaK historisch nicht belegen lässt.“ Sodann beschäftigen Sie sich mit jüdischen Auslegungen des TeNaK im Midrasch und in Targumim, im Talmud und in der Kabbala, bis Sie schließlich (I,266) auf „das Hohelied“ kommen, dessen

„Aufnahme … in den jüdischen Kanon ohne die allegorische Auslegung undenkbar ist. Wir wollen damit sagen: Ausschließlich allegorisch gedeutet und auch unter diesem Blickwinkel verstanden, kann man dem Hohelied, was natürlich viele Theologen abstreiten, überhaupt ein Recht auf einen Platz in einem religiösen Kanon zubilligen.“

Wieder einmal verwirrt mich Ihre Argumentation. Wieso sollten Theologen, egal ob jüdische oder christliche, die zumindest in früheren Zeiten die Liebeslieder des Hohenliedes allegorisch auf die Beziehung des Volkes Israel bzw. des Menschen zu Gott deuteteten und daher in den Kanon der Bibel aufnahmen, eine allegorische Exegese ablehnen? Zumal Sie wenige Sätze später genau das Gegenteil behaupten (I,266f.):

„Die Theologen gehen nun davon aus, dass mit diesen Versen nicht die Liebe zwischen Eheleuten dargestellt wird, sondern die Liebe Gottes zu seinem auserwählten Volk. Die christlichen Theologen benutzen also ganz offensichtlich die allegorische Auslegung dazu, wohl unter der Prämisse der Körper- und Geschlechtsfeindlichkeit des Christentums, einen ganz eindeutigen Text, der auf die körperliche Liebe abzielt, ins Gegenteil zu verkehren.“

Im Klartext: Zur Zeit der Entstehung der biblischen Kanones, sowohl des jüdischen als auch des christlichen, legten die Theologen beider Religionen das Hohelied allegorisch aus, aber nicht unbedingt wegen Leibfeindlichkeit, sondern weil man annahm, dass rein weltliche Liebeslieder in einem heiligen Text nichts zu suchen hätten. Heutzutage denken viele Theologen, so auch ich, dass die Liebeslieder des Hohenliedes gerade in ihrem wörtlichen Sinn eine partnerschaftliche Liebe zwischen Mann und Frau auf Augenhöhe abseits patriarchalischer Ehestrukturen (23) widerspiegeln, die sehr gut zur Erschaffung von Mann und Frau als Ebenbild Gottes gemäß 1. Mose 1,27 passt.

Sie auf der anderen Seite stellen das Hohelied, dessen Gedichte (I,266) „sich ausschließlich mit der Liebe zwischen Mann und Frau befassen“, in den „Zusammenhang mit der Entdeckung der Urmatrix“, weil sie „mit Zeugung, Werden und Geburt zu tun“ hat, „denn nur in diesem Zusammenhang sind die Texte des TeNaK, die ihrerseits mit den Genen und über diese mit den Chromosomen auf das Engste verknüpft sind, zu verstehen.“ Von daher ist aber überhaupt nicht mehr zu verstehen, warum Sie das Hohelied unter der Überschrift (I,265) „allegorische Auslegung“ abhandeln. Sie wollen es doch definitiv (ähnlich wie ich) wörtlich und gerade nicht allegorisch auf die Beziehung Mensch-Gott hin auslegen.

Es bleibt also verwirrend, was Sie überhaupt unter „allegorisch“ verstehen. Meinen Sie letzten Endes damit nur eine Auslegung, die zusätzlich zum wörtlichen Sinn darunter noch den von ihnen angenommenen geheimen Bibelcode anerkennt?

Zur allegorischen Auslegung der Weisheit Salomos

Das (I,268) „Buch der Weisheit“ soll Ihnen zufolge „das späteste Buch des TeNaK“ sein. Das ist falsch. Es ist zwar eine späte jüdische Schrift, gehört aber überhaupt nicht zum TeNaK. In den Kanon der katholischen Bibel wurde es allerdings aufgenommen, und die evangelische Kirche rechnet es zu den Apokryphen.

Weiter gehen Sie davon aus, dass der „hellenistisch gebildete, aber auch in den ägyptischen Weisheiten unterrichtete Verfasser des Werkes“ auf Weisheiten zurückgegriffen hat, die „nicht die Weisheiten eines Menschen sind, sondern diese zu jenem Wissensschatz gehören, der allgemeine Geltung hat“. Und wenn man

„die allegorische Auslegung an[wendet], dann entpuppt sich gerade dieses Werk, vor allem unter dem Blickfeld der allegorischen Interpretation, als ein fester Bestandteil eines übergeordneten und nur durch Wissenschaftlichkeit zu begründenden Wissens.“

Auch hier bleiben wieder viele Fragen offen:

  • Wenn das bedeuten soll, dass auch das Buch der Weisheit zu den Texten gehört, die von den ÄLoHIM stammen, wie kann es dann erst in der Zeit des Hellenismus verfasst worden sein?
  • Auf welche Weise wenden Sie die allegorische Auslegung auf dieses Werk an? Sie führen kein einziges Beispiel dafür an.
  • Inwiefern ist die „Weisheit Salomos“ ein Bestandteil eines übergeordneten Wissens? Und durch welche Wissenschaftlichkeit wird es begründet?

Zur allegorischen Auslegung des 4. Makkabäer-Buches

Zum 4. Makkabäer-Buch wissen Sie, dass es (I,270) „nicht zum Gesamtumfang des hebräischen TeNaK gehört“ und „die Aufstände der Juden gegen die Seleukiden … im 2. Jahrhundert v. Chr.“ zum Hauptinhalt hat. Sie erwähnen es wegen seines Grundgedankens,

„dass das mosaische Gesetz auf der einen Seite und die TORaH auf der anderen, zwar die religiöse und sittliche Grundordnung darstellen, aber vom Grundsatz her nichts anderes als alle Manifestationsmöglichkeiten der Naturgesetze widerspiegelt“,

und verbinden damit

„die berechtigte Hoffnung …, dass mit der allegorischen Interpretation der biblischen Texte ein Wissen zutage kommt, welches durchaus seine Basis in den Naturgesetzen hat und des weiteren dahin tendiert, so wie wir es eben sehen, dass darin der genetische Code des Menschen hinterlegt wurde.“

Meine Verwunderung darüber, dass Sie das Gesetz Moses und die Tora, die doch identisch sind, einander in dieser Weise gegenüber stellen, lasse ich einmal beiseite.

Sie selbst finden im Blick auf das 4. Makkabäer-Buch die Tatsache verwunderlich, dass „schon sein Verfasser…, der um das Jahr 1000 v. Chr. gelebt hat, derartige Gedanken in sein Werk hinterlegt hat…, die gar nicht anders als mit den Methoden der allegorischen Auslegung begründet werden können.“ Aber wie soll jemand 1000 Jahre vor der Geburt Jesu, also etwa zur Zeit Davids, etwas beschrieben haben können, was erst im 2. Jahrhundert v. Chr. geschieht? Tatsächlich wurde das Buch erst etwa um 100 nach Chr. verfasst.

Zu den allegorischen Methoden der Stoiker

Die Stoiker verstanden es Ihrer Ansicht nach (I,272),

„insbesondere mit den Methoden der allegorischen Auslegung, die homerische Dichtung in den Stand einer geschichtlichen Urkunde zu erheben, in der nicht nur ethische Aspekte enthalten sind, sondern auch naturwissenschaftliche.“

Und genau diese stoischen (I,271) „Methoden der allegorischen Auslegung“ wollten Ihnen zufolge nun auch die „hellenistischen Juden, die ja die Traditionen ihrer Väter mit den ethischen Werten der Griechen verknüpfen wollten“, auf den TeNaK anwenden, und zwar angeblich aus folgenden Gründen:

„Nicht zuletzt deshalb, weil ja auch dieses Werk einerseits historische und politische Aussagen macht und andererseits einer Gottheit Geltung verschafft, die mit der Logik nicht zu beweisen war. Durch die allegorische Interpretation der betreffenden Textstellen war jedoch die Möglichkeit gegeben, auch den Gott der Juden zu beweisen. Denn warum sollten die geschichtlichen und staatlich-sozialen Aussagen in diesem Buch stimmen und jene, die JHWH und die ÄLoHIM betreffen, nicht?“

Dieser Blick sowohl auf die Interpretation von Homer als auch die des TeNaK verkennt jedoch, dass es weder den Stoikern noch erst recht den hellenistischen Juden darum ging, nachzuweisen, dass die angeblichen Götter in Wirklichkeit (außerirdische) menschliche Wesen waren. Vielmehr waren sie daran interessiert, die von den Göttern berichteten Gefühlsregungen und Verhaltensweisen, die als allzu menschlich beurteilt werden konnten, allegorisch umzudeuten, um ihre unanfechtbare Göttlichkeit zu bewahren.

Zur allegorischen Auslegung der Schöpfungsgeschichte durch Aristobul

Den (I,273) jüdischen Philosophen Aristobul (gest. um 160 v. Chr.) führen Sie als einen der ersten Allegoreten des Judentums an. Sie schätzen sein „besonderes Augenmerk auf die Schöpfung des Menschen“, womit er „in einer Linie mit jenen großen Vertretern des hermetischen Wissens [steht], die allesamt den Schöpfungsakt darin sehen, dass der neu geschaffenen Menschheit eine Heimat geschaffen werden soll.“ Weiterhin soll er es sein (I,274),

„der den Nachweis erbringt, dass alle Weisheit der Griechen von MoSchäH abstammt und über diesen wieder auf das ägyptische Wissen zurückzuführen ist.“

Dass Aristobul die Allegorese angewendet hat, bestreitet niemand, aber ob er den von Ihnen angesprochenen Nachweis wirklich erbracht hat, lasse ich einmal dahingestellt sein.

Die Werkzeuge eines Bibelauslegers

Eigentlich wollten Sie ja (I,260) in Ihrem Kapitel über die Methoden der Schriftauslegung auf „drei unterschiedliche aber sehr eng miteinander vernetzte Disziplinen“ der „Bibelwissenschaft des Alten Testaments“ zu sprechen kommen. Welche drei Disziplinen das sein sollen, habe ich nicht herausfinden können. Tatsächlich erläutert haben Sie nur, was Sie unter Exegese und Allegorese verstehen, und selbst das blieb oft reichlich verworren. Klar ist lediglich, dass alle von Ihnen verwendete Auslegungsmethoden darauf hinauslaufen sollen, ihre vorgefasste und auf die Bibel angewandte Paläo-SETI-Hypothese zu bestätigen.

Wenn Sie (I,275) im Nachwort zum dritten Kapitel noch auf die Werkzeuge eingehen, die für eine erfolgreiche Exegese „ausschlaggebend“ sind, dann sollte man also wohl keine allzu hohen Erwartungen hegen. Tatsächlich wird auf einer knappen Seite vor allem empfohlen, „verschiedene Übersetzungen“ des Alten Testaments zu benutzen, und zwar möglichst „Interlinearübersetzungen“, wenn „keine Kenntnisse der biblischen Sprachen vorhanden“ sind.

„Ebenso wichtig sind natürlich Bibelkommentare, die von Exegeten verfasst wurden, die sich ausführlich mit der Materie befasst haben. Selbstverständlich und von großem Nutzen ist ein Bibellexikon, ein Bibelatlas, eine Konkordanz und ausreichende Hintergrundliteratur zur Geschichte, Kultur und Archäologie des nahen Ostens.“

Das ist schon alles. Konkrete Literaturvorschläge werden nicht gegeben, angeblich weil „wir diesen Themenkomplex bereits ausführlich besprochen haben“, wovon ich aber im ganzen ersten Band nichts wahrgenommen habe. Mit einer glatten Unwahrheit bzw. einem nicht eingelösten Versprechen endet der erste Band der „Entdeckung der Urmatrix“:

„Im letzten Band, dies nur im Vorfeld zur Information, werden wir jedoch eine ausführliche Literaturliste anhängen.“

Diese ausführliche Literaturliste sucht man dort allerdings vergeblich – wenn die Autoren nicht (III,364ff.) die fünf Werbeseiten des Buchverlags König meinen.

Band II:
Die Ureinheit aller Dinge

Der zweite Band der Urmatrix (siehe Inhaltsverzeichnis II,4-8) umfasst insgesamt acht Kapitel, die sich um die „Alchimie im Allgemeinen“, die „Spagyrik“ und „Spagyrische Rezepturen“ im Besonderen, um „Hermetik“, die „altägyptischen Quellen“, „ägyptische Papyri“, die „Medizin der alten Ägypter“ sowie den „Osiris- oder Sonnenkult“ drehen.

Peter Fiebags Erinnerung an die spirituelle Ebene der Alchimie

In seinem Vorwort warnt Peter Fiebag davor, aus der Sicht der modernen Naturwissenschaft verächtlich auf die Alchimie vergangener Jahrhunderte und Jahrtausende herabzublicken, da dieses (II,10) „Forschungsgebiet … ein erstaunlich modernes Potential bereitzuhalten scheint“.

Er erinnert aber auch daran, dass die Alchimisten auf ihrer Suche (II,12) „nach einer Methode zur Umwandlung von Materie“ und dem dazu notwendigen „wirkenden Mittel“, das sie „Quintessenz“ oder „Welt-Geistseele“ nannten, sich dessen bewusst waren, dass sie diese „schöpferische Kraft Gottes“ auch durch „die exakteste Rezeptur“ nicht „ohne einen göttlichen Gnadenakt“ nutzbar machen konnten (II,13):

„Denn Forschung auf einer materiellen Ebene war eben unabdingbar mit der spirituellen Ebene und der Vervollkommnung der Seele verbunden.“

Ich finde es sympathisch, dass Peter Fiebag „allen Leserinnen und Lesern, die die beiden Schriftsteller und Forscher Dieter Vogl und Nicolas Benzin auf ihrer Suche nach den wahrlich phantastischen Entdeckungen der Alchimisten begleiten“, diese Erkenntnis wünscht – und ich erlaube mir, sie auch Ihnen, den beiden Autoren selbst, zu wünschen.

Kabbala, Alchimie und Hermetik als Schlüssel des Bibelcodes

In der Einleitung zum zweiten Band Ihres Werkes wiederholen Sie ihre Einschätzung, dass wir nach (II,15) „den heiligen Schriften“ der Sumerer, Ägypter und Juden „die Erben einer außerirdischen Spezies [sind], „die zu Urzeiten den Planeten Erde besuchte, hier eine Schöpfung durchführte und uns das Wissen hinterließ, mit welchen Mitteln sie dies alles vollbrachten.“ Dann fahren Sie fort:

„Wie bereits gesagt, ist vor allem im TeNaK das vollständige biologische Wissen vom Menschen enthalten. Aus den Texten dieses uralten Werkes ist seine gesamte Anatomie abzuleiten. Insofern vermittelt das Alte Testament einen vollständigen Überblick über jene kosmischen Kräfte, welche das Sein, und somit auch den Menschen, entstehen ließ. In der Kabbala und in der Alchimie finden wir die Grundgesetze der Biologie, der Physik und der Chemie miteinander vereint, so dass man mit diesen uralten Wissenschaften in der Lage ist, das im TeNaK enthaltene Wissen zu entschlüsseln.“

Die ersten Sätze dieses Zitats klingen so, als könne man im ersten Band der „Entdeckung der Urmatrix“ nachlesen, in welcher Weise im geheimen Code des TeNaK die Biologie und insbesondere die Anatomie des Menschen abgespeichert ist. Dem ist nicht so. Sie wurden lediglich nicht müde zu behaupten, dass es diesen Bibelcode gibt und dass, wenn sich die moderne Wissenschaft nicht mehr dagegen sperren würde, die im TeNaK hinterlegten Erkenntnisse auf Grund der inzwischen erreichten genwissenschaftlichen Fortschritte problemlos abgerufen werden könnten.

Einen „ersten Schlüssel, der die geheimen Inhalte der alttestamentlichen Wörter entschlüsseln kann“, haben Sie mit der „Kabbala“ im ersten Band bereits betrachtet. Einen zweiten, nämlich die „Alchimie“, und als dritten die „Hermetik in ihrer Gesamtheit…, die wir als Hauptschlüssel betrachten müssen“, wollen Sie im zweiten Bandes in Augenschein nehmen.

I. Kapitel: Die Alchimie im Allgemeinen

Nach einer eingehenden Beschäftigung (II,18f.) mit der Herkunft des Wortes „Alchimie“ setzen Sie sich mit Vorurteilen gegenüber der Alchimie auseinander. Dabei lehnen Sie (II,24f.) „ein Zerrbild“ der Alchimie ab, das

„vor allem jene Metallumwandlungsversuche [betrifft], die man mit Zaubersprüchen und magischen Handlungen durchführen wollte. Solche Bestrebungen sind natürlich Unsinn und wir distanzieren uns davon. Dennoch ist eine Metallumwandlung durchaus möglich, denn, um nur ein Beispiel zu nennen, die Herstellung einer Legierung ist ja bereits die Transformation eines Werkstoffes in einen anderen. Und hierfür benötigt man keine Zaubersprüche oder magische Rituale, die man ja den Alchimisten immer wieder vorwirft, sondern lediglich die dazugehörigen Rezepturen. Also genau das, was die Alchimisten uns in Hunderten, ja sogar Tausenden von Büchern hinterlassen haben.“

Aber wie konnte die (II,26) „falsche Alchimie“ entstehen?

Ihrer Ansicht nach gab es bereits „zur Zeit der alten Ägypter und auch später noch, etwa zur Zeit Jesu, eine Gentechnik“, und „die Alchimisten der Renaissance, die etwa zwischen 1450 und 1600 liegt“, wollten nach der „Eroberung des Byzantinischen Reiches“ durch das osmanische Reich „das alte Wissen wiederbeleben“. Bei ihnen handelte es sich um Gelehrte, die „in das westliche Europa“ geflohen waren und dabei (II,27) „nicht nur die Originaltexte der alten griechischen Philosophen mit[brachten], sondern auch die ägyptischen und hebräischen Werke der Alchimisten und Kabbalisten.“ Eine Verwässerung dieses Wissens „mit christlichem Gedankengut“ konnte zwar „eine ganze Reihe von äußerst wichtigen Werken vor der Vernichtung durch die Inquisition“ retten, aber zugleich öffnete sie

„den Scharlatanen Tür und Tor…, die als Nichteingeweihte aus den verschlüsselten alchimistischen Texten nichts praktisch Verwertbares herauslesen konnten. Und deshalb in diesen Werken nur eine Basis fanden, auf der sie ihre Betrügereien aufbauen konnten. Und für diese Betrüger gab es nur ein Ziel: Mit allen Mitteln für ihr zumeist fürstliches Klientel Gold herzustellen.“

Zwar gab es Ihnen zufolge (II,32) „zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert einen ansehnlichen Kreis von alchimistischen Autoritäten in Europa…, „die um das hermetische Geheimnis wussten“, aber die Zahl der Scharlatane muss wohl weitaus größer gewesen sein.

Im Zusammenhang (II,34) mit alchimistischen Experimenten des evangelischen Theologen Johann Salomo Semler (1725-1791) zur Herstellung von Gold „aus unedlen Metallen“ mit Hilfe von „Luftsalz“, bei denen (II,35) ein betrügerischer Diener eine Rolle gespielt haben soll, äußern Sie die Vermutung, „dass der wahre Betrüger vielleicht sogar Semler selbst war“, um die pauschalen „Unterstellungen der Theologen, bei den Alchimisten würde es sich nur um Betrüger und Bauernfänger handeln“, zu beweisen. Denn warum sollte ein (II,36)

„Professor für Theologie … die Alchimie beweisen wollen? Umgekehrt wird es plausibel: Er wollte beweisen, dass die Alchimie nicht funktioniert. Und wie könnte man dies besser, als damit, dass man selbst einem betrügerischen Dienerehepaar aufgesessen ist.“

Auf Grund einer eigenartigen Argumentation soll Ihnen zufolge bereits (II,37) Heinrich VI. von England (1421-1471) besonders „die Geistlichen“ seines Landes dazu aufgefordert haben, „in ihren alchimistischen Schriften nach einer Rezeptur zu suchen, mit der man Gold herstellen konnte“,

„denn sie mussten sich ja auf die Umwandlung ausnehmend gut verstehen, weil sie ja täglich Brot und Wein in Christi Leib und Blut verwandelten.“

Die sieben Säulen der Alchimie (I)

Aber worum geht es nun eigentlich in der Alchimie? Das wollen Sie nun (II,38) „etwas genauer ausleuchten“, indem Sie die sieben Säulen der Alchimie allerdings zunächst einfach nur aufzählen:

„Der Grundgedanke der Alchimie fußt auf der Basis, dass es vier Grundelemente gibt. Und zwar Feuer, Luft, Erde und Wasser. Daneben gibt es noch drei Essenzen, mit denen man andere Stoffe veredeln kann. Zu diesen Essenzen gehören Salz, Schwefel und Quecksilber. Diese drei Essenzen und die vier Grundelemente betrachtet der Alchimist, als die sieben tragenden Säulen der Alchimie.“

Auf die drei Essenzen werden Sie in Ihrem gesamten Werk nirgends mehr zurückkommen. Die vier Elemente werden Sie auf Seite II,40 mit den „vier Basen“ in Verbindung bringen, „aus denen sich der genetische Code zusammensetzt und der zumindest allem höheren Leben zugrunde liegt“, auf Seite III,319 dagegen sehen Sie darin „ganz offensichtlich chemische Verbindungen…, die sich aus den Grundelementen Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff und Kohlenstoff zusammensetzen.“

Wie alt ist das „Corpus Hermeticum“?

Bevor Sie aber auf die Grundgedanken der Alchimie näher eingehen, schieben Sie die Frage ein, aus welcher Zeit das „Corpus Hermeticum“ stammt, „das heiligste aller alchimistischen Bücher“, das „von dem ägyptischen Gott Thot selber verfasst worden“ sein soll, „der auch als Hermes Trismegistos [= der „dreimal größte Hermes“] bezeichnet wird“. Sie beantworten diese Frage so (II,38f.):

„Heute nimmt man an, dass das Corpus Hermeticum in Europa und nicht in Ägypten entstand und es in einer Zeit verfasst worden sein soll, die deutlich später lag als die, in die man den Hermes Trismegistos datiert. Wir stimmen dem nicht zu, denn die weitgehend eindeutig verifizierbaren Traditionslinien, die Rekonstruktion der sprachlichen Darstellungsformen und die historisch charakteristischen Bedeutungs- und Rezeptionszusammenhänge können nicht aus der Zeit des mittelalterlichen Europa stammen. Ebenso wenig, dagegen sprechen ganz einfach die zeitbedingten Vorstellungen von Kabbala, Alchimie und Hermetik, kann das ‚Corpus Hermeticum‘ aus dem 16. Jahrhundert stammen. Es muss, daran führt kein Weg vorbei, im alten Ägypten entstanden sein.“

Diese Argumentation gründet allerdings auf einer falschen Voraussetzung. Niemand behauptet, dass das „Corpus Hermeticum“ aus dem Mittelalter stammt. Es wird, so Wikipedia, durchaus in die Antike datiert, aber eben nicht in die Zeit der altägyptischen Pharaonen, sondern zwischen 100-300 n. Chr. Evtl. kann es sogar älteres ägyptisches Material enthalten – wenn dieses nicht wegen des damaligen Interesses für orientalisches Wissen einfach erfunden wurde.

Die sieben Säulen der Alchimie (II)

Auf eigenwillige Weise interpretieren Sie den (II,40) alchimistischen „Grundgedanken, dass es vier Grundelemente gibt“. Ihnen zufolge sind „die alchimistischen Elemente Feuer, Luft, Erde und Wasser … letztlich nichts anderes als die vier Basen, aus denen sich der genetische Code zusammensetzt und der zumindest allem höheren Leben zugrunde liegt.“ Das soll bereits in dem von Bartholomäus dem Engländer (ca. 1190-1250) geschriebenen Buch „Von den Eigenschaften der Dinge“ gestanden haben, indem es verdeutlicht,

„dass die gesamte Medizin des Altertums auf der Ansicht aufbaut, dass alle Lebewesen aus vier Grundelementen aufgebaut sind. Dies ist eine durchaus folgerichtige Einschätzung der Alchimisten, denn tatsächlich stellen ja die vier Basen des genetischen Codes die Basis aller Lebewesen dar. Wenn die Alchimisten diese vier Basen Wasser, Luft, Erde und Feuer nannten, dann doch nur deshalb, weil sie einerseits, wir kommen auf diesen Punkt noch zu sprechen, alle ihre Texte verschlüsselten und andererseits, weil sie eben ein ganz anderes Vokabular verwendeten, als unsere modernen Wissenschaftler.“

Schade, dass Sie aus dem Buch von Bartholomäus noch nicht einmal eine einzige Textzeile zitieren, um Ihre Behauptung zu belegen. Offenbar bringen Sie willkürlich Erwähnungen von vier Elementen, Grundbestandteilen oder auch Buchstaben wie beim Tetragramm des Gottesnamens JHWH mit den vier Basen des genetischen Codes in einen Zusammenhang, ohne dafür auch nur den geringsten Anhaltspunkt in irgendeiner Quelle angeben zu können. Stattdessen berufen Sie sich zur Begründung darauf, dass

„die alchimistische Elementenlehre, dies wird immer wieder recht gerne vergessen, ignoriert und sogar recht oft unterschlagen, vom Altertum über das Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert und sogar darüber hinaus in der gesamten wissenschaftlichen Fachwelt weiter bestand.“

Und das mochte ich eigentlich nur deswegen so gerne zitieren, weil Sie die Steigerungsformen der Unterdrückung missliebigen Wissens durch die traditionelle Wissenschaft und Theologie so genial ausdrücken: „vergessen, ignoriert und sogar … unterschlagen“!

Die Alchimie als Naturwissenschaft

Um die (II,41) „Alchimie als Naturwissenschaft“ zu beschreiben, nehmen Sie Ihre bereits in der Einleitung (II,18f.) vorgenommenen etymologischen Betrachtungen des Begriffs (II,41) „Alchimie“ wieder auf, deren „derzeitige Unsicherheit … besonders deutlich [wird], wenn „wir uns vor Augen halten, dass man sich bis heute nicht endgültig dafür entscheiden konnte, ob man nun Alchimie oder Alchimie schreibt.“ Ja, beide Wörter sind völlig gleich geschrieben; offenbar macht es hier einer der auch sonst zahlreichen Druckfehler unmöglich, den Sinn Ihres Satzes zu verstehen.

Sodann wiederholen Sie ihre Auffassung (II,42), dass „diese Wissenschaft auf den Hermes Trismegistos bzw. auf den ägyptischen Wesir Thot zurückzuführen ist und in diesem Zusammenhang mit dem Osiris- bzw. Isis-Kult in direkter Beziehung steht.“ Zwar wurde die Alchimie (II,43)

„im Laufe der Zeit von den unterschiedlichsten philosophischen Richtungen ergänzend geprägt… Vornehmlich von der griechischen Naturphilosophie, der babylonischen Astronomie, der chaldäischen Astrologie, der ägyptischen Medizin, Mathematik und Metallurgie und insbesondere vom jüdischen Schöpfungsgedanken der TORaH. Insofern, in der Hauptsache aufgrund dieser unterschiedlichen Einflüsse, ist die Alchimie einerseits eine naturwissenschaftliche und andererseits eine naturphilosophische Disziplin…

Tatsächlich können jedoch die Anfänge der Alchimie, was schon durch die mannigfaltigen Einflüsse zum Ausdruck kommt, über den Hermes Trismegistos bis ins alte Ägypten, über ABhRaHaM bis zu den Chaldäern und über MoSchäH bis zu den Hebräern zurückverfolgt werden. Sicherlich lebten die Alchimie und deren Schriften im Mittelalter neu auf und erlebten vor allem im 16. Jahrhundert durch Giordano Bruno einen ungeahnten Höhepunkt. Es ist aber auch festzustellen, dass die Alchimie zu diesen Zeiten nur noch trauriger Abklatsch ihrer selbst war. Was wohl immer wieder Menschen wie Giordano Bruno oder John Dee dazu bewogen hat, durch halb Europa zu reisen, um des noch hier und dort vorhandenen, aber überall verteilten kabbalistischen und hermetischen Wissens habhaft zu werden.“

Der ägyptische Ursprung der Alchimie soll Ihnen zufolge aber nicht (II,44) „auf die Fähigkeit der Schmiede“ in Ägypten zurückgehen, „Metalle zu bearbeiten“, sondern auf die „Mumifizierungspraktiken“ der alten Ägypter, „welche wiederum ihre Wurzeln im Osiris- bzw. Isis-Kult und der damit einhergehenden körperlichen Wiederauferstehung hatten.“ Denn mit dem Wissen der Alchimie konnte (II,44f.) „der Eingeweihte alle Arten von Wandlungsprozessen durchführen…, nicht nur unedle Metalle in edle umwandeln, sondern, vor allem, weil in der Alchimie alle Arten von Drogen und Giften benutzt wurden, auch Leben in Tod oder Tod in Leben umwandeln.“

Kloning als Ziel der Alchimie (I)

Welche Ziele waren den Alchimisten wirklich wichtig? Nach Ihrer Ansicht deutet vieles (II,46) „drauf hin, dass sie vor allem das Ziel hatten, in ihren Laboratorien medizinische Präparate herzustellen, mit denen sie Menschen und Tiere von Krankheiten heilen konnten.“ Aber nicht nur das: „Darüber hinaus wollten sie mit ihrem Wissen ein Elixier herstellen, mit dem man das Leben verlängern konnte. Der wichtigste Punkt aber war…, dass sie mit der Alchimie künstliches Leben erschaffen wollten.“ Um zu belegen, dass Letzteres sogar in die Tat umgesetzt werden konnte, verweisen Sie auf die „Geschichte des GoLäM von Prag“ und auf das (II,47) „auf künstlichem Wege gezeugte Schaf Dolly“, obwohl Wissenschaftler zuvor angenommen hatten, „es sei unmöglich, eine Säugetier zu klonen“.

Dass „Fälle von Kloning“ angeblich (II,48) „mit Sicherheit im 15. und 16. Jahrhundert erfolgreich praktiziert wurden, beweist [Ihnen zufolge] ein Text, den der Universalgelehrte Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim (1486-1535) verfasst hat.“ In seiner Schrift „De occulta Philosophia“ steht,

„in der deutschen Ausgabe auf Seite 466, ein Text, der allem Anschein nach darauf hindeutet, dass damit der Ablauf des Klonings beschrieben wurde.

‚Diese sind nicht aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen eines Mannes, sondern aus Gott geboren. Es findet eine univoke Zeugung statt, wenn der Sohn dem Vater in allem ähnlich und wobei das Erzeugte der Art nach dasselbe mit dem Erzeugenden ist. Dies ist die Macht des von dem Verstande gebildeten und in ein zubereitetes Subjekt gehörig aufgenommenen Wortes, wie der Same der Mutter zur Erzeugung und Geburt aufgenommen wird. Ich sage ausdrücklich zubereitet und gehörig aufgenommen, denn nicht alles wird auf diese Weise des Wortes teilhaftig, sondern das eine auf diese, das andere auf jene Art. Es gehört dies übrigens zu den verborgensten Geheimnissen der Natur, wovon nicht weiteres zu offenbaren ist.‘

Betrachten wir diesen Text objektiv und setzen wir ihn in den Kontext der modernen Molekularbiologie, dann wird deutlich, dass Agrippa, wenn auch mit recht einfachen, aber dennoch zutreffenden Worten, in diesem Text eine Situation beschrieben hat, wie sie aus heutiger Sicht nur im Falle von Kloning eintritt.“

Lobenswert ist grundsätzlich, dass Sie eine Behauptung endlich einmal durch ein Zitat zu belegen versuchen. Aber ich kann den Ausführungen Agrippas, die sich an das Bibelwort Johannes 1,13 anschließen, weder eindeutig entnehmen, dass überhaupt molekularbiologisches Kloning beschrieben wird, noch erst recht, dass es erfolgreich praktiziert wurde.

Indem Sie Agrippas Worte als „recht einfach“ beurteilen, verkennen Sie vollständig, dass seine Ausführungen eher auf sehr differenzierten theologischen und/oder naturphilosophischen Hintergründen beruhen. Denn der Begriff der „univoken Zeugung“ kommt ebenso in der Beschreibung des Verhältnisses von Vater und Sohn in der christlichen Dreieinigkeitslehre vor wie in naturphilosophischen Spekulationen, ob die Herkunft der organischen Natur in der anorganischen zu suchen ist oder nicht.

Wie kamen Alchimie und Medizin nach Europa?

Sie gehen davon aus, dass (II,49) „sowohl die Alchimie als auch die Medizin von Ägypten nach Europa genommen hat“ (sie erwähnen außerdem auch Einflüsse aus dem Fernen Osten, gehen darauf aber nicht näher ein). Auf Griechenland führt man die Herkunft (II,50) „des ägyptischen Wissens“ nur deswegen zurück, weil es in der Zeit des alexandrinischen Hellenismus „von den herrschenden Griechen regelrecht assimiliert … und schon sehr bald als ein rein griechisches betrachtet“ wurde. Auch Hippokrates, „der berühmteste Arzt der Antike“, hatte „sein Wissen weitgehend auf ausgedehnten Studienreisen erworben“, die ihn „bekanntlich neben Südrussland auch nach Nordafrika und Ägypten“ führten. Als „griechische Leistung“ erkennen Sie allerdings „die Trennung der Heilkunde vom Götter- und Dämonenglauben“ an.

Der „eigentliche Wissenstransfer nach Europa“ begann aber erst nach der Eroberung Ägyptens durch die Araber. In einem ausführlichen geschichtlichen Abriss betonen Sie dabei vor allem die „Heilkunst der arabischen Ärzte“ und kommen zu dem Fazit (II,55):

„Schlussendlich müssen wir konstatieren, dass die Araber die Alchimie von Ägypten nach Europa gebracht haben. In Europa, ausgehend von Spanien und Italien, hielt sie in den unterschiedlichsten Klöstern Einzug und wurde dort, insbesondere auf dem Gebiet der Medizin, auch sehr erfolgreich praktiziert. Viele Mönche, wie beispielsweise Meister Eckhart oder Giordano Bruno, die mit diesem uralten Wissen in Berührung kamen, sagten dem herkömmlichen christlichen Glauben ab und wandten sich der Alchimie, Kabbala oder Mystik zu. Und viele von Ihnen wurden daraufhin von der ultramontanen (päpstlichen) Inquisition verhaftet, gefoltert, angeklagt und exkommuniziert. Nicht selten wurden sie am Ende eines langen und oftmals über viele Jahre andauernden Leidensweges auf abscheulichste Art und Weise ermordet. Aber auch die grauenhaftesten Verbrechen konnten letztlich nicht verhindern, dass dieses uralte alchimistische Wissen, wenn auch oftmals sehr verstümmelt und daher nur fragmentarisch, bis zum heutigen Tage erhalten blieb.“

Ich lasse hier dahingestellt sein, ob Giordano Bruno tatsächlich auf Grund seiner Hinwendung zur Alchimie auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, und möchte nur auf einige wenige problematische Einzelheiten innerhalb dieses langen und wirklich interessanten Abschnitts kurz eingehen.

Auf Seite II,50 erwähnen Sie

„das Wissen, das der Überlieferung nach in der großen Pyramide von Gizeh enthalten gewesen ist und welches man ChaNO‘Kh [= Henoch], dem Sohn Jä‘RäDs [= Jareds] aus dem Geschlecht ScheTs [= Seth] und Vater von MöTUSchä‘LaCh (24) [Methusalahs], zuschreibt, der wiederum, wie auch MoSchäH [Moses] ein Zeitgenosse des Hermes Trismegistos gewesen sein soll. Alles biblisch überlieferte Personen, auf die wir ihrer ganz bemerkenswerten Vita wegen in nachfolgenden Teilen noch detaillierter eingehen müssen.“

Tatsächlich werden Sie später (III,220f.) noch einmal auf das außergewöhnlich hohe Lebensalter der im Stammbaum Seths aufgeführten Urahnen der Menschheit eingehen (1. Mose 5). Aber weder hier noch dort wird auch nur mit einem einzigen Wort erklärt geschweige denn belegt, was diese Personen mit der Pyramide von Gizeh zu tun haben sollen. Vollkommen schleierhaft bleibt mir, wie sowohl Methusalem als auch Mose „ein Zeitgenosse des Hermes Trismegistos“ gewesen sein sollen, denn Methusalem lebte nach den Zeitangaben der Bibel trotz seines angeblich extrem hohen Lebensalters von fast 1000 Jahren maximal bis zur Sintflut und mindestens 700 Jahre vor der Zeit des Mose.

Weiterhin behaupten Sie (II,51):

„Ein Hauptgrund, warum die europäische Medizin mit der arabischen nicht mehr konkurrieren konnte ist allerdings der, dass studierte Ärzte ihnen unheilbar erscheinende Krankheiten als einen von Gott herbeigeführten Schicksalsschlag betrachteten und die Heilung ihrer Patienten in die Hand des selben legten. Hier hatten wohl, einflussnehmend auf das Seelenleben der Menschen, die Kleriker die Hand im Spiel.“

Dieses einseitige Urteil kann ich nur auf Ihre pauschalen Vorurteile gegenüber der christlichen (speziell katholischen) Kirche zurückführen; es zeugt von einem mangelnden ganzheitlichen Verständnis der Heilkunst, denn letzten Endes waren gerade jüdische Ärzte wie Maimonides (25) und gewiss auch islamische Ärzte davon überzeugt, dass Gott und der Glaube bei der Heilung von Menschen eine wichtige Rolle spielen.

Schließlich kündigen Sie an (II,54), dass Sie sich mit dem „Dominikanermönch Eckart (1260-1327), den man, warum auch immer, Meister nannte“ (Sie vermuten deswegen, weil er als Alchimist bzw. Kabbalist „einen Lehrling ausbilden“ durfte), später noch genauer befassen müssen, „weil er mit Sicherheit ein Vorläufer Giordano Brunos war und diesem, wenn auch indirekt, als ldeengeber diente“. Aber an keiner weiteren Stelle kommt Meister Eckhart (so richtig geschrieben) in diesem Werk noch einmal vor.

Die alchimistische Transmutation – eine Kernumwandlung?

Ein weiteres Mal gehen Sie (II,57) auf die Zweifel „der renommierten Wissenschaften“ an der Möglichkeit der alchimistischen „Verwandlung unedler in edle Metalle“ ein. Sie vermuten allen Ernstes (II,58), dass ein Alchimist wie Nicolas Flamel (1330-1418) „vielleicht … Quecksilber mit Wismut verwechselt“ und eine „Kernumwandlung“ von „Wismut in Gold“ zu Stande gebracht haben könnte. Wie er das aber ohne einen Kernreaktor gemacht haben soll, bleibt völlig unerklärt; abgesehen davon ist selbst heute der Aufwand, um auf diese Weise auch nur die geringste Menge an Gold herzustellen, unverhältnismäßig hoch. Und der Naturphilosoph Roger Bacon (ca. 1220-1292) mag zwar davon überzeugt gewesen sein, „dass der Stein der Weisen in der Lage ist, ‚die millionenfache Menge unedlen Metalls in Gold zu verwandeln‘“, aber nirgends wird beschrieben, dass er diesen tatsächlich hat herstellen und diese Behauptung in die Tat umsetzen können.

Ein Glanzstück für die zirkelschlüssige Art und Weise Ihrer Argumentation ist der folgende Absatz (II,59):

„Moderne Alchimisten vermuten nun, dass ihre mittelalterlichen Vorgänger schon damals die Atomumwandlung gekannt haben müssen, denn wie sonst hätten sie überhaupt davon berichten können. Mit Phantasie haben derartige schriftliche Hinweise, auch wenn es die renommierten Wissenschaftler gerne so hätten, nämlich nichts mehr zu tun. Vor allem dann nicht, wenn sich mehrere Jahrhunderte später herausstellt, dass es nicht nur die theoretische, sondern sogar die praktische Möglichkeit gibt, die Elemente in ihrer atomaren Struktur umzuwandeln. Die Wissenschaft kann also so oft Einspruch erheben wie sie will: Es besteht zweifellos die Möglichkeit, dass man aus unedlen Metallen Gold macht und es ist eine Tatsache, dass Flamel und andere Alchimisten davon berichten.“

Dafür, dass jemand in der Vergangenheit etwas gewusst oder gemacht haben kann, ist es immer noch kein Beweis, dass sich die Möglichkeit dafür Jahrhunderte später theoretisch und praktisch erwies. So lange der Beweis nicht erbracht ist, darf die moderne Wissenschaft also völlig zu Recht annehmen, dass die Alchimisten noch nichts von der modernen Theorie der Atome und ihrer Umwandlung wussten. Diese gingen vielmehr schlicht von der intuitiven Vorstellung aus, dass alle Materie aus denselben Elementen bestehen und daher ineinander umgewandelt werden können. Das geht auch mit Phantasie, dazu muss man nicht schon modernes Wissen vorweggenommen haben.

Nicht zu widerlegen scheint das Argument zu sein, dass die Möglichkeit der Atomumwandlung nicht nur deswegen „von Alchimisten so lange geheim gehalten wurde“, weil durch den „von allen Alchimisten unter Eid anerkannten Ehrenkodex … das alchimistische Wissen unter keinen Umständen an Außenstehende weitergegeben werden durfte“, sondern „weil die mittelalterlichen Alchimisten von den Gefahren wussten, die mit der Atomumwandlung und der damit einhergehenden Radioaktivität verbunden waren“. Denn wie soll man etwas belegen, wofür es wegen der Geheimhaltungspflicht gar keine Belege geben darf?! Trotzdem erlaube ich mir, weiter daran zu zweifeln, dass die Alchimisten sich überhaupt mit radioaktiven Elementen im klaren Bewusstsein ihrer Gefahren befasst haben, zumal – wie auch Sie wissen – (II,60) „außer Frage“ steht, dass „unsere mittelalterlichen Alchimisten weder „das nötige Wissen“ noch „die Apparaturen“ besaßen, „mit denen sie Atomkerne mit Elementarteilchen beschießen konnten“. Sie vermuten daher,

„dass sie bei ihren Experimenten ein Wissen nachahmen wollten, das einerseits nicht aus ihrer Zeit und andererseits nicht von ihnen selbst stammen konnte. Hierfür spricht die Tatsache, dass nur wenigen Alchimisten eine richtige Umwandlung auf atomarer Ebene gelang.“

Das alchimistische „Große Werk“ – Auferstehung durch Kloning?

Unter (II,61) „dem Sammelbegriff ‚Das große Werk‘“ verstehen Sie „eine Metapher für die irdische Schöpfung und zwar in dem Sinne, wie die ÄLoHIM den Planeten Erde, im Rahmen ihres Auftrages, nach himmlischen Vorbildern umgestalteten.“ Zur Erläuterung dieses Auftrages verweisen Sie auf ein Buch mit dem irritierenden Titel „Der 7. Tag der Schöpfung“ von Ihnen, Dieter Vogl, denn nach 1. Mose 2,2-3 schuf Gott am 7. Tag gar nichts, sondern er vollendete die Schöpfung, indem er „ruhte von allen seinen Werken“. Ich habe nicht vor, auch noch dieses Buch zu lesen; vielleicht interpretieren Sie in den Satz „Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke“ ja all das hinein, was im vorliegenden Buch unerklärt bleibt.

Ihrer Ansicht nach sollen die „hermetischen, kabbalistischen und alchimistischen Orden“ jedenfalls „das ‚Große Werk‘ unter anderem als Methode für eine körperliche Wiederauferstehung nach dem Tod“ betrachtet haben (II,61f.):

„Womit wir auf kabbalistischer Ebene in einen biologischen Bereich vorstoßen, der, von modernen molekularbiologischen Kriterien ausgehend, durchaus realistisch ist, denn die körperliche Wiederauferstehung eines Menschen ist aufgrund der derzeitigen Gegebenheiten durchaus machbar. Und es ist aus heutiger Sicht und nach dem derzeitigen Stand der Forschung nicht allzu schwer, sich vorzustellen, dass jemand unter Umständen sein eigenes genetisches Ebenbild in Gestalt klonierter Nachkommen weiterleben lassen will, was ihm zumindest ein gewisses Maß an irdischer Unsterblichkeit gewährt und ihn sehr nahe an das kabbalistische Postulat der körperlichen Wiederauferstehung bringt.“

Sollten diejenigen, die damals von Methoden zur Wiederauferstehung träumten, wirklich ein derart armseliges Verständnis von Auferstehung gehegt haben? Ein Klon mag genetisch mir gleich sein, wie mein eineiiger Zwilling, und doch lebe nicht ich in ihm weiter – mit meiner persönlichen Prägung, mit meinem Geist und meiner Biographie -, sondern er ist eine eigenständige Person – wie mein Sohn.

Kritik am Gedanken der Reinkarnation (II)

Sie ihrerseits beziehen ein ganz ähnliches Argument auf die heute von „den meisten Esoterikern und Möchtegern-Kabbalisten“ vertretene „Vorstellung von der Reinkarnation“, da Ihnen niemand bekannt sei, der sich, „selbst wenn es eine Reinkarnation geben würde“, an „den Erfahrungsschatz früherer Leben“ erinnern könnte. Ich verzichte darauf, das hier weiter auszuführen, da Sie dieses Thema bereits auf Seite I,229ff. behandelt hatten.

Die Schöpfung und das „Große Werk“: Terraforming und Kloning

Unter Rückgriff auch auf (II,62) „Aussagen des Paracelsus“ soll jedenfalls „das ‚Große Werk‘, welches mit dem ‚Stein der Weisen‘ aufs engste verwoben ist, als Mittel zur ‚Auferstehung, Jugend und Wiedergeburt‘ zu sehen“ sein, und zwar ist es (II,63)

„vor allem ein Synonym für jene Vorgänge…, mit denen Mediziner und Gentechniker, auf der Basis bestimmter Manipulationen am Chromosomensatz des Menschen, künstlich Organe in der Retorte herstellen, auf der Grundlage genetischer Beeinflussungen Krankheiten bekämpfen oder sogar das Leben individuell verlängern können. So zumindest verstehen wir beispielsweise die kabbalistischen Texte des Sefer Jezira und die darauf beruhenden Aussagen eines Paracelsus.“

Das Ergebnis Ihrer (II,66) „Forschung, dass das Große Werk ein umfassendes Kompendium darstellt, wie das Leben von Mensch und Tier körperlich geschaffen, verjüngt, verlängert, und sogar nach dem Tod wiedergeboren werden kann“, betten Sie im folgenden Abschnitt in den größeren Zusammenhang der Schöpfung ein (II,64):

„Wir gehen aufgrund unserer Forschungen davon aus, dass die in der Bibel als Schöpfer bezeichneten ÄLoHIM die irdische Schöpfung, besonders die Erschaffung des Menschen, dadurch durchführten, indem sie am irdischen Geno- und Phänotypus affenähnlicher Urmenschen genetische Manipulationen durchführten.“

In diesem Zusammenhang, so behaupten Sie,

„beginnt sich bei vielen Forschern die Idee durchzusetzen, dass die Erde zu Urzeiten … einem Terraforming unterzogen wurde. Ebenso beginnt der Gedanke Gestalt anzunehmen, dass der biblische Schöpfungsbericht Realität ist und die ÄLoHIM nicht nur die Erde nach ihren Vorstellungen umformten, sondern auch das Universum erschaffen haben.“

Diese wahrhaft wahnwitzigen Thesen begründen Sie nun nicht etwa näher, sondern Sie verweisen werbeblockartig auf sage und schreibe fünf weitere Ihrer (Dieter Vogls) Bücher, die man wohl kaufen soll, weil *Ironie on* es ja klar ist, dass man im vorliegenden Buch auf 1000 Seiten viel zu wenig Platz hat, um zum Erweis der in ihm vertretenen Hauptthesen auch nur halbwegs plausible Erläuterungen und Belege zu erbringen *Ironie off*.

Ach ja, ein Versuch eines Belegs erscheint dann doch, indem Sie auf ein Buch verweisen, das „angeblich“ der Alchimist Flamel besaß, „in dem, seinen Angaben zufolge, dieses Große Werk in seiner Gesamtheit beschrieben wurde“, und in dem, Ihren Vermutungen zufolge, „chemische, physikalische und biologische Formeln standen“. Wiederum nur auf Grund von Vermutungen sehen Sie in diesem Buch das (angeblich) (II,65) „auf ABhRaHaM zurückgehende Sefer Jezira – das sogenannte Buch der Formung“, denn:

„Nur in diesem Werk stehen jene Formeln, mit denen die ÄLoHIM in der Lage waren, den Planeten Erde und den Menschen nach ihren Vorstellungen umzuwandeln. Und wie es das Sefer ha Jezira berichtet, wurde dies dadurch bewerkstelligt, dass die ÄLoHIM diese Veränderungen am Baum des Lebens durchführten. Hier müssen wir uns die Frage stellen: Was ist der Baum des Lebens? Eine Frage, auf die wir später noch recht ausführlich eingehen werden.“

Schließlich fassen Sie Ihre Ausführungen über den Zusammenhang zwischen dem „Großen Werk“ und der Schöpfung folgendermaßen zusammen (II,66):

„Das Zauberwort, welches aus biologischer Sicht die Schriften der Kabbalisten und die Bemühungen der Alchimisten im Rahmen des Großen Werkes zur wissenschaftlich verifizierbaren Realität erhebt, lautet Kloning. Ein Begriff, der streng auf den genetischen Bereich begrenzt ist und grundsätzlich in allen seinen Facetten damit übereinstimmt was uns die Chronisten der TORaH im ersten Teil des Schöpfungsberichts überliefern.“

Kritik am Gedanken der Reinkarnation (III)

Unter der Überschrift (II,67) „Die Transmutation des Körpers“ wiederholen Sie ein weiteres Mal ihre Kritik an denjenigen esoterischen Alchimisten und auch einem Tiefenpsychologen wie C. G. Jung, die in der Alchimie ein Mittel zur Vergeistigung oder gar Vergöttlichung „der materiellen Natur des Menschen“ erblicken. Weil (II,68) magische „Rituale und Zeremonien … augenscheinlich nicht zu einer Vergöttlichung“ führten, wandte man sich der „indischen Reinkarnation“ zu:

„Die endgültige Vergöttlichung des Menschen, so die damalige Argumentationsweise, würde, ähnlich buddhistischem und hinduistischem Muster, in einer Art Paradies oder Nirwana erfolgen.“

Diese Beschreibung verkennt – nebenbei bemerkt – wieder, dass weder der Hinduismus noch der Buddhismus die Paradies-Vorstellung kennen und dass das Nirwana vielmehr den Inbegriff des Aufhörens aller als leidvoll interpretierten Reinkarnationen darstellt. Ihnen geht es jedoch darum, der von ihnen erneut abgelehnten Idee der Reinkarnation ihre eigene Sicht der Alchimie entgegenzusetzen (II,69):

„Alchimie, vor allem im medizinischen Bereich, hat etwas mit körperlicher Wiederauferstehung zu tun und ist nicht, so wie es beispielsweise einige moderne Alchimisten und Esoteriker im Hinblick auf die indische Reinkarnationslehre sehen, ein imaginäres Verfahren zur geistigen Wiedergeburt der Seele in einem gänzlich fremden Körper.“

Aber – ich wiederhole mich ebenfalls nochmals – auch bei einer Wiederauferstehung im Sinne von Kloning entsteht ein gänzlich fremder Körper, der mit meinem bisherigen Körper nur eine genetische Übereinstimmung aufweist und in dem von mir ansonsten überhaupt nichts weiterleben kann.

Vernetzte Fachgebiete: Alchimie und Kabbala – Biologie und Chemie

In einem weiteren Abschnitt untersuchen Sie die komplexen Vernetzungen zwischen der Alchimie und den anderen hermetischen Wissenschaften einerseits und den modernen Naturwissenschaften andererseits.

In diesem Zusammenhang wehren Sie sich unter anderem gegen den (II,72) „Gedanken…, dass sich das biologische Leben nicht wissenschaftlich erklären lässt“, sondern (II,73) „von einer übernatürlichen Lebenskraft hervorgerufen und in Gang gehalten“ wird. Die Geheimnisse „selbstorganisierender Prozesse und Strukturen auch in der anorganischen Materie“, die diesen „vitalistische[n] Standpunkt“ endgültig widerlegt“ haben, sollen nach (II,74)

„den Kabbalisten und Alchimisten … mit Sicherheit einige auserwählte Persönlichkeiten in der Vergangenheit der Menschheit … bereits vor Jahrtausenden recht gut gekannt [haben]. Und auch diese Eingeweihten unterstellten die Entstehung des Lebens nicht einer transzendenten, sondern, ausgehend von JHWH dem Werdendmachenden, einer natürlichen Ursache, die von den Menschen nachvollziehbar ist.“

Auf das, was Sie mit „JHWH dem Werdendmachenden“ meinen, werden Sie erst ganz am Ende des dritten Bandes zurückkommen. Aber deutlich wird schon hier, dass Sie JHWH nicht als den Namen des in der Bibel angebeteten Gottes ernstnehmen, sondern atheistisch als Inbegriff einer natürlichen Lebenskraft interpretieren:

„Ohne die Alchimie, um an dieser Stelle ein kurzes Fazit zu ziehen, sind die Prinzipien, auf denen die Inhalte der kabbalistischen Texte und die damit verbundenen Aussagen beruhen, nicht zu verstehen. Und obwohl diese Prinzipien an vielen Stellen den Eindruck erwecken, als würden ihnen allgewaltige, sprich göttliche Kräfte zugrunde liegen, entpuppen sie sich aufgrund ihrer biochemischen Überprüfbarkeit als nichts anderes, als kosmische Grundgesetze. Universelle Grundregeln, mit denen sich heute in zunehmendem Maße die Wissenschaftler am Baum des Lebens vergreifen, weil sie durch sie in der Lage sind, alle möglichen Zustandsformen des Lebens auf molekularer Ebene, quasi in der Retorte, herzustellen.“

Das Stichwort „vergreifen“ lässt erahnen, mit welcher Vermessenheit Sie die Fähigkeiten der modernen Wissenschaft und erst recht ihre eigene Rolle bei der Verwirklichung der angewandten Paläo-SETI-Forschung beurteilen.

Wann wurde die Alchimie durch die Chemie abgelöst?

Die Ablösung der Alchimie durch die Chemie begann Ihnen zufolge (II,75) in der Zeit der Renaissance, als sich „die Unfähigkeit“ der Alchimisten herausstellte, „auf der Basis alchimistischer Texte Gold zu machen“. Mit dieser Aussage widersprechen Sie ihrer eigenen Aussage (II,60), dass immerhin „wenigen Alchimisten eine richtige Umwandlung auf atomarer Ebene gelang“, führen dieses „Unvermögen“ aber darauf zurück, dass sie zwar wussten, wie es ging, aber „die technischen Möglichkeiten nicht gegeben waren“. Als „die Alchimisten“ daher auf „Hilfsmittel“ zurückgriffen wie „Engelsmagie und anderen abergläubischen Unfug“, die ihnen „vor allem durch den christlichen Glauben“ geboten wurden und „mit einer auf Erfahrung und Vernunft gegründeten Alchimie nicht mehr vereinbar waren“,

„wendeten sich immer mehr Alchimisten von der Alchimie ab und wandten sich der aufkeimenden Chemie zu. Und schließlich, dies zeigt ein historische Überblick ganz deutlich, bekämpften sie sie sogar. Anders als die Alchimisten, erhoben die Chemiker das Experiment zur Basis, das für die Verifizierbarkeit einer Theorie den Ausschlag gab.“

Erst Antoine Laurent de Lavoisier (1743-1794) gilt allerdings als wahrer Begründer der Chemie. Seine Experimente (II,76) zur Oxydation legten

„den Grundstein dafür…, dass die Arbeits- und Vorgehensweise der Chemiker die richtige war und der der Alchimisten vorzuziehen ist. Der größte Fehler, den er dabei allerdings begangen hat, ist der, dass er nicht nur die Arbeitsweise der Alchimisten in Frage stellte und als überholt einstufte, sondern auch gleich das Wissen dieser uralten Wissenschaft.“

Ob Sie wohl die Kluft, die „sich zwischen der Chemie und der Alchimie … gebildet hat, … mit den neuen Erkenntnissen und der ‚Reanimation‘ des alchimistischen Wissens … wenn nicht schon gänzlich zuschütten, dann doch wenigstens mit einigen Brücken versehen können“?

Dafür, dass man nicht mit der Haltung einer (II,77) „lächerlichen Selbstüberschätzung“ auf die Alchimie zurückblicken sollte, berufen Sie sich sicher zu Recht auf Justus von Liebig (1803-1873) (II,78), der (26) davon ausging, dass es nicht

„möglich gewesen wäre, dass über tausend Jahre lang die kenntnisreichsten und scharfsinnigsten Männer eine Ansicht für wahr hätten halten können, der aller Boden gefehlt und welche keine Wurzel gehabt hätte“.

II. Kapitel: Die Spagyrik

Spagyrik ist Ihnen zufolge ein Name für die (II,80) „alchimistische Heilkunst“ und „eine Sammelbezeichnung für eine ganze Reihe von sehr alten Heilverfahren, die fast allesamt auf pflanzlicher Basis beruhen.“ Vor allem die Ärzte Paracelsus (ca. 1493-1541) und (II,81) Carl-Friedrich Zimpel (1801-1879) entwickelten ein „mit dem medizinischen Wissen [ihrer] Zeit zusammengefügtes ‚spagyrisches Heilsystem‘“, auf das noch heute zurückgegriffen wird:

„Im Rahmen der Herstellung von spagyrischen Essenzen werden zunächst die einzelnen Wirkstoffe aus den verwendeten Pflanzen herausgefiltert, voneinander getrennt, separat bearbeitet und schlussendlich wieder miteinender verbunden.“

Waren Alchimisten auf der Spur der Telomere?

Dass es Ihnen nicht um die Spagyrik als Naturheilverfahren geht, wie es heute sogar manche Ärzte neben der Schulmedizin anwenden, zeigt sich sehr schnell, wenn Sie darauf eingehen (II,82),

„dass schon die alten Alchimisten alles unternommen haben, dem Menschen immerwährende Gesundheit und ein langes Leben mit Hilfe ihrer Elixiere zu bescheren. Ob ihnen dies in der Vergangenheit gelungen ist, wissen wir nicht. Wir wissen nur, dass wir heute auf dem besten Wege und wohl schon recht bald in der Lage sind, dem Menschen, beispielsweise mit der Gentechnologie, nicht nur ein gesundes und langes, sondern vielleicht sogar ein Leben zu ermöglich, welches dem des biblischen Vorsintflutmenschen gleicht. Möglich ist dies durchaus. Insbesondere dann, wenn wir die Telomere in den Griff bekommen, die sich an den Enden der Chromosomen befinden.“

Telomere sind tausendfach wiederholte Basenfolgen (II,83), von denen bei der Zellteilung „an den Enden der neu gebildeten DNS-Stränge“ gefahrlos einige wegfallen können, ohne die Funktion eines Chromosoms zu beeinträchtigen:

„Forscher gehen nun davon aus, dass man, wenn es gelingen würde, die Telomere in allen Zellen zu verlängern oder zu erhalten, den unweigerlich eintretenden Zelltod um viele Zellgenerationen hinauszögern könnte.“

Sie erwähnen auch, dass „Biologen … gerade dabei [sind] einen Virus zu konstruieren, der an die Chromosomenenden, einer jeder sich teilenden Zelle, immer wieder neue TTAGGG-Folgen anhängt“, und wiederholen zwei Seiten später (II,85), wie die „Telomere in allen Zellen immer wieder zu eneuern“ sind:

„Dies könnte beispielsweise, so die Wissenschaft, mit einem Virus erreicht werden, der ganz gezielt dahingehend genetisch manipuliert wurde, ständig weitere TTAGGG-Folgen an die Chromosomenenden anzuhängen. Zwar würde man mit dieser Maßnahme nicht das ewige Leben, aber doch ein biblisches Alter erreichen können. Zumindest könnte man für eine gewisse Zeit den Zelltod um viele Zellteilungen hinauszögern und genau diese Maßnahmen sind es, mit denen man, so wie es schon Paracelsus schreibt, das Leben des Menschen verlängern, verbessern und stärken kann, denn, und auch hier trifft Paracelsus mit der Sprache seiner Zeit den Nagel auf den Kopf, ‚je mehr Lebenssaft es hat, desto mehr Lebensgeist ist im Leben.‘“

Dass eine genau solche Form der Lebensverlängerung bereits „ein Anliegen der Alchimisten“ war, soll also Ihnen zufolge aus folgendem Satz des Paracelsus hervorgehen (II,84):

„Es ist zu beachten und zu bedenken, ob das Leben verlängert, verbessert und gestärkt werden kann“.

Damit praktizieren Sie einen fehlerhaften Induktionsschluss, bei dem man „aus beobachteten Phänomenen auf eine allgemeinere Erkenntnis, etwa einen allgemeinen Begriff oder ein Naturgesetz“ schließt. Ein solcher Schluss mag manchmal plausibel sein, er ist aber nicht zwingend, wie folgendes Beispiel zeigt:

A: Bodo ist ein Dackel.
B: Bodo ist ein Hund.
Aus A und B folgt (nicht wirklich):
C: Alle Hunde sind Dackel.

Genau so schlussfolgern Sie:

A: Die moderne Genetik ist einem Verfahren zur Lebensverlängerung auf der Spur
B: Schon Paracelsus wollte das Leben verlängern
Aus A und B folgt (ebenfalls nicht wirklich):
C: Alle, die das Leben verlängern wollen, kennen die Verfahren der modernen Genetik,
somit hat auch Paracelsus sie gekannt.

Die biologische Grenze der Lebenserwartung

Im Zusammenhang mit dem Thema (II,87) der Steigerung der „Lebenserwartung des Menschen“, kommen Sie beiläufig auf eine Reihe angeblicher Fakten zu sprechen, die mir wenig glaubwürdig erscheinen, zum Beispiel, dass der Mensch im Altertum „mit wesentlich weniger Krankheitsbildern zu kämpfen [hatte] als heute“ oder dass „sich die Lebenserwartung … im Jahr 2030 … bei einem Viertel aller Deutschen bei etwa 65 Jahre und eher noch älter einpendeln wird.“ Letzteres widerspricht schon der eigenen Angabe der Autoren einige Sätze zuvor, dass „heute die Lebenserwartung der Männer etwa 73 Jahre“ beträgt.

Fragwürdig finde ich auch Ihre Behauptung, dass (II,90f.) „alle Versuche der Lebensverlängerung“, die von der „modernen Wissenschaft“ unternommen wurden, „ohne jeglichen Erfolg“ waren. Unter Bezugnahme (II,91) auf eine Tabelle, in der die Lebenserwartung zwischen 1984 bis 1991 bei Frauen von 75 auf 79 und bei Männern von 69 auf 72 Jahre ansteigt, argumentieren Sie:

„Zwar konnte die durchschnittliche Lebenserwartung aller Menschen gesteigert werden, aber gesund alt werden ist immer noch mehr dem Zufall überlassen. Gezielte Therapien, das zeigt die Tabelle recht gut, können bei den modernen Wissenschaftlern niemals dahinter stecken, denn erhebliche Differenzen gibt es nur zwischen den Geschlechtern, nicht aber im einzelnen Geschlecht selbst. Und die Wissenschaft will uns doch nicht einreden, dass die derzeitigen Therapien bei Frauen besser anschlagen als bei Männern.“

Erstens stimmt es gar nicht, dass es „im einzelnen Geschlecht selbst“ keinen signifikanten Anstieg gegeben hat. Zweitens können unterschiedliche, auch zufällige Faktoren hinter einer Lebensverlängerung stecken, aber das schließt doch Lebensverlängerung aufgrund medizinischer Fortschritte nicht aus.

Sie benötigen den Hinweis auf das angebliche Versagen der modernen Wissenschaft, um ihre eigene These zu begründen, dass die (II,87) von eben dieser Wissenschaft festgestellte „biologische Grenze“ von „maximal 120 Jahren“, über die hinaus „beim Menschen“ keine „Erhöhung der Lebenserwartung“ zu erreichen ist, nach 1. Mose 6,3 (II,88) eine „von den ÄLoHIM gesetzte Lebenserwartung“ war, indem (II,91) „das Alter des Menschen künstlich herabgesetzt wurde“. So begreifen Sie (II,89) die Altersangaben der in 1. Mose 5 und 11 aufgelisteten Stammbäume als historische Fakten und stellen die Frage (II,90), „ob das [kürzere] Alter der Generationen der Nachsintflutmenschen nicht aufgrund einer genetischen Manipulation durch die ÄLoHIM hervorgerufen“ wurde.

Nun mag es ja sein, dass „die bibelorientierten Alchimisten … aufgrund ihrer traditionellen Überlieferungen“ davon träumten, „dass dieser Prozess wieder umkehrbar ist“, so wie „die Suche nach einem Jungbrunnen, einem Lebenselixier oder einem Rezept, das Unsterblichkeit verleiht, ein fester Bestandteil der Menschheitsgeschichte“ ist. Aber dass diese Suche „für viele Personen aus den unterschiedlichsten Mythen“ innerhalb der jeweiligen Erzählung „erfolgreich“ war, beweist keineswegs, dass es sich dabei tatsächlich um mehr als Wunschträume gehandelt hat.

Der Begriff „Rebis“ – genwissenschaftlich interpretiert

Unvermittelt kommen Sie noch einmal auf das im Kapitel über die Alchimie im Allgemeinen bereits abgehandelte Thema des „Großen Werkes“ zurück und fragen danach (II,92), aus welcher Materie eigentlich „der Stein der Weisen“ besteht, „mit der das Große Werk der Alchimie durchgeführt wurde“.

Einerseits wurde das Wissen darüber „zu allen Zeiten und über alle Generationen auf das sorgfältigste geheim gehalten und vor allem vor jenen verborgen, die damit das alchimistische Wissen zur persönlichen Bereicherung nutzen wollten.“ Andererseits wurde „diese ominöse Materie … an solchen Stellen…, die jeder für unwichtig hält“, doch erwähnt: „Vom Grundsatz her gab es so viele unterschiedliche Bezeichnungen für diese dubiose Materie, wie es Autoren gab.“ Insbesondere unterschieden die meisten „Meisteralchimisten … bei dieser merkwürdigen Materie stets zwischen der sogenannten Materia secunda“, die als (II,92f.) „Weiterentwicklung“ einer „Rohform“ oder „Materia prima“ entstand und (II,93) „‚Merkur der Weisen‘ oder kurz ‚Rebis‘ genannt“ wurde.

Um das Wort „Rebis“ zu erklären, greife ich zum besseren Verständnis kurz auf die Internetseite Anthrowiki zurück:

Rebis (von lat. res bina „zwei Dinge“) bezeichnet in der Alchemie ganz allgemein die Vereinigung zweier Prinzipien zu einem höheren Dasein, so z.B. Sulphur und Mercurius, insbesondere aber die Vereinigung des männlichen und weiblichen Prinzips zum Hermaphroditen bei der Bereitung des Steins der Weisen.

Sie pressen das Wort wiederum in ihre vorgefasste Hypothese hinein, indem sie annehmen (II,94), „dass es sich bei der geheimnisvollen und dem ‚Rebis‘ zugrundeliegenden Materie eigentlich nur um den genetischen Code eines Lebewesens, insbesondere den eines Menschen, handeln kann“ (II,95):

„Nachdem das ‚Rebis‘ eine Tarnbezeichnung für Androgynität ist, wird damit unserer Ansicht nach die Fähigkeit des Genoms zum Ausdruck gebracht, sich nach der Befruchtung der weiblichen Eizelle durch die männliche Samenzelle, sowohl weiblich als auch männlich zu manifestieren. Wir werden darauf später noch ausführlicher eingehen. Jetzt nur soviel. Die Androgynität des Genoms darf nicht, wie es vor allem Möchtegern-Alchimisten gerne tun, mit Hermaphroditität verwechselt werden, denn während es sich bei ersterer um die natürliche Erscheinung des Genoms handelt, ist letztere eine krankhafte Erscheinung, die dadurch entsteht, wenn das Genom eines Individuums Fehler aufweist. Wie gesagt, wir werden noch näher auf diesen Punkt eingehen.“

Wieder setzen Sie voraus, dass die Alchimisten etwas gewusst haben müssen, was man erst heute weiß, weil man das, was man heute weiß, durchaus auch mit den alten Metaphern der Alchimisten beschreiben könnte. Und wieder einmal vertrösten Sie sogar zwei Mal auf eine spätere nähere Erläuterung dieses Punktes, werden dieses Versprechen aber an keiner Stelle ihres dreibändigen Werkes einlösen.

„Alkahest“ als Lösungsmittel zur Zerlegung des genetischen Codes

Auch für die Definition des Begriffs Alkahest habe ich das Internet bemüht und bei Wikipedia rasch gefunden:

Alkahest (Alcahest) ist ein hypothetisches Universal-Lösungsmittel, das jede Substanz, einschließlich Gold, aufzulösen vermag. Viele Alchemisten haben nach diesem Lösungsmittel gesucht.

Sie brauchen etwas länger, bis sie nach vielen Erklärungsbemühungen endlich auch schreiben (II,97),

„dass der Alkahest ein Lösungsmittel darstellt, mit dem man sowohl Flüssigkeiten als auch feste Stoffe, im Zuge einer Destillation, aufspalten kann“.

Abwegig sind aber wieder Ihre Versuche, dieses Lösungsmittel in eine Verbindung mit der modernen Gentechnik zu bringen:

„Wir haben bereits gesagt, dass es sich bei der Materia prima um nichts anderes handeln kann, als um den genetischen Code. Dieser genetische Code kann heute nicht nur analysiert, sondern auch dazu verwendet werden, um von einem Lebewesen eine identische Kopie herzustellen oder den Code dahingehend zu manipulieren, dass man damit Medikamente herstellen kann, die genau auf den Organismus eines Patienten abgestimmt sind. Um aber einen genetischen Code analysieren oder daraus ein Heilmittel herstellen zu können, muss die DNS von den übrigen Bestandteilen der Zelle isoliert und eine so genannte DNS-Selektion durchgeführt werden. Hierzu benötigt man ein Lösungsmittel. Wir stellen uns nun die Frage ob nicht das Alkahest ein solches Lösungsmittel gewesen ist, mit dem die Alchimisten die Materia prima, also den genetischen Code, in seine Bestandteile zerlegen konnten.“

Im folgenden Abschnitt (II,98ff.) stellen Sie komplizierte Vorgänge der „Gen-Selektion“ vor, die ohne auch nur den geringsten konkreten Anhaltspunkt – außer diesem dünnen Faden des Themas „Lösungsmittel“, der die Alchimie und die Gentechnik miteinander zu verbinden scheint – Folgendes nahelegen sollen (II,100):

„Die Alchimisten wussten ganz offensichtlich, dass Alkali ein Lösungsmittel ist, mit dem biologische Stoffe in ihre Bestandteile aufgetrennt werden können. Wir gehen nun davon aus, dass sie auch wussten, dass man unter Verwendung von Alkali, so wie es auch heute in der Genetik gemacht wird, die DNS freisetzen kann.“

Alchimistische Denaturierung von DNS durch Feuer, Wärme und Licht

Auch die Verwendung von (II,101) „Feuer und Wärme und andererseits Licht…, wenn sie das Große Werk durchführten“, das Ihnen zufolge identisch war „mit dem Wissen, Lebewesen herzustellen oder diese wiederherzustellen“, bringen Sie in eine Verbindung mit gentechnischen Verfahren. Aus der Betrachtung der „heute in der Gentechnik eingesetzten Methode“ der „Polymerase-Kettenreaktion (PCR)“ ziehen sie „nahezu zwingend“ den Rückschluss, „dass die Alchimisten genaue biologische Kenntnisse im Bereich der Genetik hatten“.

Aber wiederum ist die Anwendung verschiedener Erwärmungsgrade durch die Alchimisten vom „weichen Feuer“ bis zur „scharfen Flamme“ einschließlich der „Strahlung im langwelligen Infrarotbereich“, die „zur Zeit von Paracelsus nur durch die zyklisch auftretende Sonnenstrahlung zu erreichen“ war, noch lange kein Beweis dafür, dass die Alchimisten Ahnung von DNS-Denaturierung zum Zwecke der Genmanipulation hatten. Wenn dieses Argument stichhaltig wäre, dann müssten auch schon die ersten Menschen, die sich überhaupt das Feuer nutzbar machten, dazu fähig gewesen sein.

Kloning als Ziel der Alchimie (II)

In einem zweiten Anlauf, um die Versuche der Alchimisten zu beschreiben (II,103), „einen künstlichen Menschen herzustellen“, unterscheiden Sie zwischen den „Möchtegern-Alchimisten“ und den „eingeweihten Alchimisten“, die die ersteren als „Mistfreunde, Harnsieder und Exkrementenforscher“ titulierten:

„Die echten Adepten suchten, wenn sie menschliche und tierische Exkremente, Harn, Blut, Samenflüssigkeit und dergleichen destillierten, nicht nach dem Alkahest, sondern, was die Möchtegern-Alchimisten jedoch nicht verstanden, sie destillierten diese Substanzen mit ihm. Vorzugsweise wurden dabei Eier und Sperma untersucht. Der Grund hierfür liegt in der Hauptsache darin, dass in den ältesten Schriften der ersten Meisteralchimisten immer von einer spermatischen Masse die Rede ist. Und diese Masse wurde über alle Generationen als prima materia betrachtet. Nur die Möchtegern-Alchimisten sahen in dieser Materie den Ausgangspunkt der Metallveredlung. Die Alchimisten, die sich mit der Destillierung von Sperma befassten, nannte man in eingeweihten Kreisen, was sich auf den lateinischen Begriff Semen (dt. Samen) bezieht, Seminalisten. Und diese Gruppe der Alchimisten gab letztlich den ausschlaggebenden Anstoß zu den späteren Versuchen, einen künstlichen Menschen herzustellen.“

Weiter beschreiben Sie kurz heutige Vorhaben, Menschen zu klonen, und gehen (II,104) auf Vorstellungen von der Herstellung eines „Homunkulus“ von der Antike bis zum 19. Jahrhundert ein.

„Alkohol“ als alchimistisches Lösungsmittel zur DNS-Selektion

Einen weiteren alchimistischen Begriff interpretieren Sie so, dass er (II,108) als Lösungsmittel beim „Vorgang der DNS-Selektion“ in Frage kommt, nämlich den (II,105) „Merkur aus dem Pflanzenreich“, worunter „die alten Alchimisten nichts anderes als Alkohol“ verstanden und für den etwa im (II,107f.)

„13. Jahrhundert … die Bezeichnung ‚Aqua vitae‘ auf[kam], was so viel wie ‚Wasser des Lebens‘ bedeutet. Ein Begriff, der in unseren Augen erst dann einen wirklichen Sinn ergibt, wenn man berücksichtigt, für welche Verfahren man heute Alkohol auf biologischer Ebene benutzt.

Für uns ist dies ein weiteres Indiz dafür, dass die Alchimisten bereits den Vorgang der DNS-Selektion gekannt haben müssen, denn vor allem hier wird Alkohol als Lösungsmittel eingesetzt. Selbstredend, dass die Alchimisten in diesem Zusammenhang ebenfalls wussten, dass man einen Menschen klonen kann, denn Alkohol ist ein wichtiger Bestandteil der Plasmid-Isolierung.“

Ich muss den letztgenannten Begriff nicht näher erläutern, um deutlich zu machen, dass auch dieses angebliche Indiz einem unzulässigen Induktionsschluss nach dem oben bereits erwähnten Muster entspricht, bei dem am Ende Aussagen herauskommen wie: „Alle Hunde sind Dackel!“ Oder: „Alle Menschen, die wissen, dass man Alkohol als Lösungsmittel verwenden kann, sind Gentechniker!“

Alchimistische Palingenesie und moderne Molekularbiologie

Schließlich bringen Sie auch noch (II,109) die „Palingenesie“, die von „modernen Esoterikern … als die Rematerialisation eines organischen Körpers betrachtet [wird], der vorher verbrannt worden ist“, unter Berufung auf Gelehrte wie Friedrich Christoph Oetinger (1702-1782) und Carl Freiherr du Prel (1839-1899) in einen Zusammenhang mit der Gentechnologie (II,111):

„Im Rahmen der Homunkulus-Theorie vertrat man die Ansicht, dass ein totes Lebewesen wieder zum Leben erweckt werden konnte. Voraussetzung hierfür war, dass man alle Teile sorgfältig sammle, zerkleinere und die Masse in einem Gefäß mit dem richtigen Feuer behandle. Und diese Denkweise der Alchimisten bringt uns wieder in den Bereich der Molekularbiologie, denn das Zerkleinern und Erhitzen sind, zum Beispiel bei der DNS-Selektion, wichtige Bestandteile vieler Versuchsreihen.“

Noch einmal erschlagen Sie die Leserschaft förmlich mit einer fachterminologischen Beschreibung einer „Polymerase-Kettenreaktion (PCR), um schließlich völlig unvermittelt zu der Schlussfolgerung zu kommen:

„Wir können uns Drehen und Wenden wie wir wollen: Die eingeweihten Meister-Alchimisten verfügten zweifellos über ein biologisches Wissen, welches mit dem unseren von heute durchaus vergleichbar ist. Ja wir müssen sogar davon ausgehen, dass dieses Wissen weit über dem unseren lag. Wenn also in den alten Schriften davon die Rede ist, dass man aus dem verwesenden Leichnam eines Kindes dessen Schattenbild in der Retorte erzeugt hat, dann ist dies Realität pur.“

Den Abschluss des Kapitels über die „Spagyrik“, in dem es um die Spagyrik im engeren Sinn als Naturheilverfahren der ärztlichen Kunst tatsächlich nur auf den allerersten beiden Seiten gegangen ist, während alle anderen Abschnitte versucht haben, eine Brücke zur Genwissenschaft zu schlagen, bildet ein Absatz, den ich wegen seiner haarsträubenden Argumentation ebenfalls in voller Länge zitieren möchte:

„Wir können natürlich darüber hinwegsehen, aber dennoch ist es bemerkenswert, dass die moderne biologische Praxis dieselben Züge trägt wie einerseits die mythischen Tradierungen und anderseits identisch ist, mit den Überlieferungen der Alchimisten. Immer müssen alle Bestandteile eines Körpers, ob nun Pflanze oder Tier, zusammengetan, in kleine Teile zerstückelt und dann stets in ein Gefäß eingeschlossen und gekocht werden. Wie gesagt, wir können über diese Tatsachen hinwegsehen, aber man kann letztlich nicht verleugnen, dass diese Übereinstimmungen vorhanden sind und aufgrund ihrer Existenz darauf hindeuten, dass es dieses biologische Wissen schon vor vielen Jahrtausenden gab.“

Nach dieser Logik ist jedes Kochen einer Mahlzeit ein bewusster gentechnologischer Vorgang.

III. Kapitel: Spagyrische Rezepturen

Eigenartig finde ich, dass Sie im dritten Kapitel noch einmal völlig neu ansetzen (II,117), um „uns in den nachfolgenden Teilen“ die „Spagyrik als Heilkunst auf hermetischer Basis“ zu betrachten. Zuvor setzen Sie sich lang und breit (II,115ff.) mit Professor Dr. Martin Lambeck, einem Gegner spagyrischer Heilverfahren, auseinander, dem sie hauptsächlich vorhalten, dass er (II,115) die Spagyrik mit moderner „Numerologie und esoterische[r] Kosmologie“ in einen Topf wirft, statt sie „als uralte Heilkunst…, die bis in vorchristliche Zeiten zurückreicht“, anzuerkennen.

Natürlich können in Ihren Augen (II,116) „von der GWUP“ nur „unsachliche Argumente“ kommen, zu der Professor Lambeck gehört, wobei Sie wieder einmal vergessen, die Abkürzung zu erklären. Ich hole das hiermit nach und kann nur empfehlend auf die „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften“ hinweisen.

Im Blick auf die (II,118) „Herstellung spagyrischer Arzneien“ beschäftigen Sie sich zunächst mit dem Begründer der Homöopathie, Samuel Hahnemann (1755-1843), mit Alexander von Bernus (1880-1965), der „Pflanzen“ gemeinsam „mit besonders aufbereiteten Metallen und Mineralien“ ansetzte, und mit dem bereits erwähnten Carl-Friedrich Zimpel, bei dem (II,118f.) „die meistenteils wild wachsenden Heilkräuter, unmittelbar nach dem Einsammeln und Ernten, zerschnitten und unter Hinzufügung von Spezialhefe stets der alkoholischen Gärung überlassen“ werden.

Unter der Überschrift (II,120) „Destillate aus Heilpflanzen“ gehen Sie abschließend in diesem Kapitel auch noch auf das Verfahren der „Kohobation“ ein, einer Mehrfachdestillation, bei der „drei Wirkprinzipien“ entstehen:

„Das erste Prinzip ist die Information, eine Art geistiges Prinzip, das auf die Arznei übertragen wird, das zweite das Seelenprinzip, so z. B. die den Pflanzen innewohnenden ätherischen Öle und Duftstoffe und das dritte ist das körperliche Prinzip, also die mess- und wägbaren Wirkstoffe.

Schlussendlich entsteht dabei eine ganzheitliche Arznei, wie wir sie bereits aus dem alten Ägypten kennen. Was, zumindest bei uns, den Schluss nahe legt, dass die spagyrischen Arzneien schon von den Ärzten der alten Ägypter verordnet und recht erfolgreich zur Therapie eingesetzt wurden.“

Mit einem interessanten Hinweis auf ganzheitliche Medizin, der leider nicht vertieft wird, beenden Sie ein kurzes Kapitel, indem sie ihren Blickwinkel für den gesamten Rest des zweiten Bandes nunmehr auf das alte Ägypten richten.

IV. Kapitel: Die Lehre des Hermes Trismegistos (Hermetik)

Nach Wikipedia ist die

Göttergestalt des Hermes Trismegistos (griechisch … „der dreimal größte Hermes“) ist eine synkretistische Verschmelzung des griechischen Gottes Hermes mit dem ägyptischen Gott Thot. Bis in die frühe Neuzeit glaubte man, Hermes Trismegistos habe tatsächlich gelebt und sei der Verfasser der nach ihm benannten hermetischen Schriften.

In den ersten beiden Bänden der „Entdeckung der Urmatrix“ sind Sie bereits mehrfach auf diese Gestalt zu sprechen gekommen (I,147 und 196, II,38f., 42f., 50).

Alle Dinge gehen aus der Eins hervor

Nach Ihrer Ansicht beruht die (II,122) „Lehre des Hermes Trismegistos … unter Bezugnahme auf das Leben … im Grundsatz auf einer einzigen und äußerst kurzen Botschaft“, nämlich „dass Dinge von einem einzigen Ding abstammen“. Alchimisten und Kabbalisten „wussten daher, dass das eine Ding, aus dem alle anderen Dinge hervorgehen, die Eins ist.“

Mit Hilfe des Zahlenwerts der Buchstaben Aleph/Lamed/Pe von Aleph, des ersten Buchstabens des hebräischen Alphabets, der 1+30+80=111 beträgt, ergibt sich für Kabbalisten der

„recht bemerkenswerte Umstand, dass die Eins sowohl auf der Einer- als auch auf der Zehner- und auf der Hunderterebene den Anfang aller möglichen Erscheinungsformen repräsentiert. Diese Ebenen verkörpern sowohl im kabbalistischen als auch im alchimistischen Denken die einzelnen Stufen des Kosmos. Diese kosmischen Stufen sind gegliedert in den Mikro-, Meso- und Makrokosmos.“

Allerdings funktioniert das nur unter der Voraussetzung des Dezimalsystems. Die römische Zahl 111 würde CXI geschrieben, und im Hebräischen müsste man für die Zahl 111 Qof, Jod und Aleph zusammennehmen und nicht etwa drei Mal das Aleph. Von daher kann diese kabbalistische Numerologie nicht vor der Erfindung der Null bzw. des Dezimalsystems, also keinesfalls bereits im alten Ägypten entstanden sein.

Wichtiger ist für Sie (II,122f.):

„Die Eins ist die einzige Zahl, die, wenn man sie mit sich selber multipliziert, stets gleich bleibt und welche sich somit durch sich selbst nicht verändern, sprich vermehren kann. Damit wird die Eins zur Darstellung des einzig Unwandelbaren, das letztlich die Ursache, das Prinzip und jenes Eine ist, aus dem alles Seiende hervorgeht und durch das Leben entsteht. Wir würden in unserem christlichen Verständnis sagen, dass dieser Urgrund allen Seins Gott ist. Die alten Hebräer sagten aber, es war JHWH.“

Und dieser Begriff JHWH darf Ihnen zufolge (II,123f.)

„nicht mit Gott übersetzt werden…, sondern mit dem ‚das Werdendmachende‘. Und wir sind aufgrund unserer Recherchen zu der verifizierbaren Überzeugung gekommen, dass im Alten Testament mit JHWH eben jener ursprüngliche Zustand beschrieben wird, mit dem das Leben auf der Erde, aber auch auf anderen Planeten im Kosmos, begonnen hat, denn niemand weiß bis heute, welche physikalischen und chemischen Faktoren dafür verantwortlich gemacht werden müssen, dass aus toter Materie auf biologischer Ebene Leben entsteht. Nach wie vor ist somit aus wissenschaftlicher Sicht die Frage immer noch vollkommen unbeantwortet, wie das Werden der Organismen stattfand und wie sich Leben aus sich selbst heraus organisiert.“

Es ist schon unverschämt, an dieser Stelle noch nicht einmal den Namen des Nobelpreisträgers Manfred Eigen (1927-2019) zu nennen, der nach Wikipedia über „die Selbstorganisation von präbiotischen Systemen“ und die Evolution geforscht und genau auf diese Fragen nachvollziehbare Antworten gegeben hat. Man muss ja seinen Erkenntnissen nicht zustimmen, aber zu behaupten, dass niemand Antworten auf diese Fragen gegeben habe, ist einfach verlogen. Das passt auch nicht zu Ihrer auf der anderen Seite zur Schau getragenen Haltung, die (II,123) „den Lehrsatz des Hermes Trismegistos … aus wissenschaftlicher Sicht“ als „vollkommen identisch mit den modernen Erkenntnissen der Biologen, Chemiker, Physiker und Mathematiker“ ansieht:

„Alles Leben entsteht aus einer einzigen Zelle, alle Chemie ist eng mit dem einwertigen Wasserstoffatom verbunden, unser Universum ist aus einem Urpunkt entstanden und in der Mathematik, wir sagten es bereits, gehen alle anderen Zahlen aus der Eins hervor.“

Später geben Sie indirekt dann übrigens doch zu, dass Sie über die Existenz wissenschaftlicher Antworten auf die eben noch als unbeantwortet bezeichnete Frage nach der Entstehung des Lebens Bescheid wissen. Sie behaupten nämlich, dass (II,124)

„viele Wissenschaftler … darauf [bestehen], der Ursprung des Lebens sei ein unwahrscheinlicher Zufall der Chemie gewesen, der sich nur auf der Erde zugetragen habe; die Entwicklung komplexer Organismen und schließlich des Bewusstseins sei das zufällige Ergebnis einer gigantischen kosmischen Lotterie.“

So einfach ist es aber gerade laut Manfred Eigen eben nicht. Das Element Zufall spielt bei der Selbstorganisation des Lebens zwar eine Rolle, aber zusätzlich kommen Selektionsregeln ins Spiel, die den Zufallsfaktor entscheidend reduzieren. Hier ist nicht der Raum, um das zu entfalten; ich empfehle, sich mit dem Denken des gerade in diesem Jahr verstorbenen großen Wissenschaftlers selber auseinandersetzen, zum Beispiel durch einen Blick in diesen ZEIT-Artikel.

Kloning als Ziel der Alchimie (III)

Obwohl das Wort „Kloning“ im Abschnitt (II,125) über den „Kern der hermetischen Philosophie“ nicht vorkommt, läuft sein Inhalt noch einmal darauf hinaus, die alchimistische „Herstellung des Steins der Weisen“ nicht auf einen „spirituellen oder gar transzendenten Bereich“ zu beziehen, sondern (II,126) das „Geheimnis des Großen Werkes … in einer körperlichen Unsterblichkeit“ zu sehen, wobei „mit einer ganz besonderen Materie“, nämlich mit den „Erbanlagen des Menschen“ gearbeitet wird.

In diesem Zusammenhang wiederholen Sie auch noch einmal ihre Schlussfolgerung, die sie aus der Erkenntnis (II,127) „der modernen Wissenschaft“ ziehen,

„die Naturgesetze seien sozusagen parteiisch, sie seien irgendwie darauf angelegt, Leben hervorzubringen. Nach Ansicht dieser Denkschule muss Leben entstehen, wann immer die Bedingungen es erlauben, nicht nur auf dem Mars, sondern überall im Universum – und selbstverständlich auch im Reagenzglas. Wenn diese Forscher Recht haben, ist Leben Teil der natürlichen Ordnung, und wir sind nicht alleine im Universum. Folglich ist die Spekulation der Paläo-SETI durchaus als Realität einzustufen, dass einerseits die ÄLoHIM die Angehörigen einer extraterrestrischen Spezies gewesen sind und andererseits eben diese Spezies den Menschen nach ihrem Bilde mittels genetischer Manipulationen geschaffen haben kann.“

Der fehlerhafte Induktionsschluss (siehe: „Alle Hunde sind Dackel“) wird allerdings nicht wahrer dadurch, dass er immer wieder in verschiedenen Variationen wiederholt wird. Daraus, dass die Wissenschaft annimmt, dass überall Leben möglich ist, und daraus, dass die Paläo-SETI-Forschung ebenfalls behauptet, dass überall Leben existiert, folgt keineswegs zwingend ein Beweis der Paläo-SETI-Hypothese.

Erster Blick auf die Smaragdtafel und die „Goldene Kette“

Sie sind überzeugt davon (II,128), dass „der kurze Text“ der dem Hermes Trismegistos zugeschriebenen Smaragdtafel „das gesamte Wissen der Menschheit“ enthält, nämlich „den Gesamtumfang aller Kenntnisse…, die von den Gelehrten einer untergegangenen Rasse abstammen“, die Sie jedoch nicht auf der Erde lokalisieren; vielmehr nehmen Sie an, „dass dieses Wissen von den Überlebenden einer kosmischen Rasse stammt, die in letzter Instanz vom Mars kam“ und mit den (II,129) „im TeNaK erwähnten ÄLoHIM“ identisch ist. Sie begründen diese Ansicht damit, dass es angeblich (II,129) „einen Zeitpunkt in der frühen Geschichte der Menschheit gab, an dem nahezu alle Zweige des Wissens sprunghaft anstiegen“, was auf andere Weise nicht zu erklären sei.

Weiter behaupten Sie (II,129):

„Das Wissen des Hermes Trismegistos, welches sich auf die chaldäische, koptische und levitische Priester-Kaste Sumers, Ägyptens und Israels aufteilt, erfuhr bei diesen nicht nur eine akkurate Konservierung, sondern in vielen Bereichen des Wissens sogar eine Ergänzung. In den Priester-Kasten, zu denen anfänglich nur Familienangehörige der Urpriester zugelassen wurden, nimmt die Goldene Kette der alchimistischen und kabbalistischen Meister ihren Anfang, die ihrerseits, durch das hermetische Wissen dazu befähigt, die erste Lehrergeneration stellt. Und ausgehend von dieser Lehrergeneration wurde das hermetische Wissen Generation für Generation weitergegeben.“

Aber war mit der „Goldenen Kette“ in der hermetischen Tradition nicht ein Symbol gemeint, das von Homer bis Newton die unterschiedlichsten Interpretationen erfahren hat?

Sie sehen es jedenfalls nicht als Zufall an (II,130), „dass ein Wissen nahezu unverändert über Jahrtausende weitergegeben wird und sich dieses dann durch den regulären Stand der Wissenschaften verifizieren lässt“. Diese Tatsache

„kann nur dann folgerichtig erklärt werden, wenn wir einerseits eine Gilde der kosmischen Former voraussetzen und anderseits davon ausgehen, dass diese Gilde im Rahmen der Schöpfung nichts dem Zufall überlassen hat. Und die Komplexität des genetischen Codes beweist uns diesen sich aufdrängenden Rückschluss, denn die biologische Information ist nicht nur universell und somit allgemeingültig, sondern in ihrem Aufbau auch so konstruiert, dass jede einzelne Sequenz dieses Codes einen Teil des Informationsflusses liefert, wie er vor allem zwischen Nukleinsäuren und Proteinen besteht.“

Offenbar werden Sie nicht müde, immer wieder die gleiche fehlerhafte induktive Methode der Schlussfolgerung als Beweis zu präsentieren, die ich bereits zur Genüge erläutert habe.

Entstehung und Weitergabe von Information im Makro- und Mikrokosmos

Einigermaßen verwirrt haben mich am Ende eines ersten Abschnittes über die Smaragdtafel die Behauptungen, dass es in der Wissenschaft angeblich (II,130) „als extrem unwissenschaftlich [gilt], über einen Prozess nachzudenken, der Information erzeugt“ (was definitiv nicht stimmt), und dass „gerade dieser Prozess und die Weitergabe dieser Information … der hermetischen Lehre und vor allem dem Inhalt des ältesten Dokuments der Alchimie, der Smaragdtafel, zugrunde“ liegt.

„Dabei stellt sich allerdings die Frage, wir wollen diese später noch beantworten, wie es dann zu der Information gekommen ist, die heute im Universum enthalten ist?“

Am Anfang des nächsten Abschnittes (II,131) über „Das große Meisterwerk der Alchimie“ ist dann sogleich davon die Rede,

„dass die Herstellung eines umfassend einsetzbaren Universalelixiers, so wie es die Alchimisten stets anstrebten, sehr eng mit diesem Informationsfluss, der zwischen Nukleinsäuren und Proteinen besteht, verknüpft ist.“

Danach bleibt dieses Thema der Information für den Rest des zweiten Bandes bis weit in den dritten Band hinein ungeklärt in der Luft hängen.

Zweiter Blick auf die Smaragdtafel und ihre Herkunft

Löblich ist es, dass Sie auf Seite II,131 den Text der Smaragdtafel vollständig zitieren. Wenn Sie dann aber vorgeben (II,133), „den Text der Tabula Smaragdina nochmals im Einzelnen“ betrachten zu wollen, und dann doch nur recht knapp auf die „Kernaussage des Textes“ eingehen, „dass Oben (im Universum) alles genau so ist, wie Unten (auf der Erde)“, kommt mir das etwas armselig vor. Zumal Sie diese Aussage natürlich wieder nur dazu benutzen, um den (II,134) „Rückschluss der Paläo-SETI, dass es überall im Kosmos Leben geben muss“, als richtig zu erweisen,

„denn indem die Atome überall gleich sind und allgemein gültigen Naturgesetze unterliegen, müssen dieselben Prozesse, die auf der Erde Leben hervorgebracht haben, auch auf anderen Welten zu Leben geführt haben. Womit sich die Kernaussage der Smaragdtafel bestätigt hätte und wir uns fragen müssen, wer der Informant war, der den Hermes Trismegistos über all das unterrichtete. Wir kennen nur eine Antwort auf diese Frage: Es müssen die ÄLoHIM gewesen sein.“

Ich muss mich wiederholen wie ein Papagei: Sie ziehen fehlerhafte Induktionsschlüsse. Wenn ihre Art der Schlussfolgerung stimmen würde, müsste es auf dem Mond oder auf dem Mars ebenfalls noch heute Leben geben, denn oben ist doch nach der Smaragdtafel alles genau wie unten. (Und alle Hunde sind Dackel.)

Nebenbei gehen Sie (II,130) auf die Herkunft der Smaragdtafel ein. Sie unterstellen der Wissenschaft, diese als eine Fälschung aus dem Mittelalter zu betrachten, tatsächlich wird in der Wissenschaft angenommen, dass der älteste Text der Tabula Smaragdina aus dem 6. Jahrhundert stammt und dass die hermetischen Schriften im 2. oder 3. Jahrhundert n. Chr. entstanden sind. Sie wollen aber lieber der alchimistischen Überlieferung glauben,

„dass die Tafel lange Zeit verschollen war und von Sara, der Frau Abrahams, wiedergefunden wurde. Eine Meinung, der wir uns durchaus anschließen können, denn da Abraham der größte Mystiker und Astrologe seines Zeitalters war, ist es natürlich, anzunehmen, dass er mit allen Geheimnissen des alten Ägyptens und Mesopotamiens vertraut war.“

Das wiederum sind wieder Zirkelschlüsse: Denn dass Abraham ein Mystiker und Astrologe war, wird ja gerade erst von der hermetischen Tradition behauptet; ebenso ist die Erzählung von Sara, dass sie die Tafel in den Händen des Leichnams von Hermes in Hebron wiedergefunden habe, definitiv eine späte Legende.

Der Stab des Hermes – genwissenschaftlich interpretiert

In einem abschließenden Abschnitt dieses Kapitels interpretieren Sie auch noch ein weiteres hermetisches Symbol im Sinne der Genwissenschaft (II,135), den „Schlangenstab des Hermes“, den sie (II,136)

„als eindeutiges Symbol für die DNS betrachten. Nur so ergibt dieses uralte Attribut einen Sinn. Tatsache ist zudem, dass die Gentherapie den Ärzten bislang ungeahnte Möglichkeiten im Bereich der Medizin eröffnet. Und wie es aussieht, müssen schon unsere Alchimisten und Kabbalisten diese Möglichkeiten gekannt haben, denn, wir werden diesen Punkt an anderer Stelle noch ausführlich behandeln, sie unterscheiden bereits die körperliche Heilung von der des Samens. Und nichts anderes wird im Rahmen der Gentherapie gemacht. Auch hier unterscheidet man zwischen der so genannten somatischen Therapie und der Keimbahn-Gentherapie. Wobei bei der somatischen Gentherapie immer nur das jeweilige Krankheitssymptom behandelt wird und bei der Keimbahn-Gentherapie jene genetische Änderung, die der Mensch, unter anderem im Rahmen der Zeugung, letztlich weitervererbt.“

Muss ich nochmals mein Mantra mit dem fehlerhaften Induktionsschluss wiederholen? Ich erspare es mir und weise nur noch einmal darauf hin, dass Sie nicht den geringsten konkreten Beweis dafür haben, dass irgendeiner ihrer Gewährsleute von Hermes Trismegistos im alten Ägypten bis Paracelsus in der Renaissance tatsächlich ein Wissen über gentechnologische Zusammenhänge gehabt hat. Ihnen genügen ihre vorgefassten Annahmen, die Sie mal als so gut wie bewiesene Tatsachen, manchmal auch nur als plausible Vermutungen darstellen, wie in Ihrer abschließenden Bemerkung zu diesem Kapitel:

„Wenn wir an dieser Stelle ein kurzes Fazit ziehen, dann können wir festhalten, dass alles darauf hindeutet, dass sowohl die Alchimisten als auch die Kabbalisten die Gentherapie gekannt haben. Und der Hermesstab, vor allem in einen direkten Zusammenhang mit den anderen hermetischen Aussagen gesetzt, könnte durchaus ein Symbol für diese medizinische Technik darstellen.“

V. Kapitel: Die altägyptischen Quellen

Einleitend zum 5. Kapitel stellen Sie fest (II,137), dass es unter den altägyptischen Schriftfunden „bislang ein gutes Dutzend Papyri mit medizinischem Inhalt“ gibt und „zu guter Letzt … auch solche mit biologischem Inhalt. Diese waren vor allem für das Paläo-SETI-Patent von allergrößter Wichtigkeit, weil sie uns bestätigten, dass die Möglichkeit einer prähistorischen Gentechnik im Rahmen des Machbaren liegt.“ Besonders heben Sie hervor, dass von den Ärzten keine eigene medizinische Fachsprache verwendet“ wurde (II,139):

„Dieser Umstand ist bedeutungsvoll und bestätigt unsere These, dass die jeweiligen hermetischen Wissensgebiete unvermischt an die Eingeweihten des ägyptischen, babylonischen und hebräischen Sprachraums abgegeben wurden.“

Diese Argumentation ist allerdings widersprüchlich. Gerade die Beschränkung des Wissens auf Eingeweihte mag erklären, warum keine besondere Fachsprache notwendig war, denn schreiben und lesen konnte vermutlich sowieso nur ein kleiner Kreis von Eingeweihten, wie das auch noch im Mittelalter der Fall war.

Schrift und Sprache im alten Ägypten und seinem Umfeld

Zur (II,140) „Erforschung der in Altägypten existierenden Wissenschaften sind die schriftlichen Zeugnisse, welche sich im Laufe der Zeit im Rahmen dieser hochstehenden Kultur, angesammelt haben“, Ihnen zufolge natürlich am „informativsten“. Daher halten Sie eine „Untersuchung von Schrift und Sprache“ für nicht nur „gerechtfertigt“, sondern sogar für „notwendig, wenn wir daraus im Rahmen der Paläo-SETI-Forschung folgerichtige und verifizierbare Gesichtspunkte in Bezug auf den authentischen Informationsgehalt der Papyri ableiten möchten.“

Im Blick auf die semitischen Sprachen finden Sie diesbezüglich interessant (II,141),

„dass Philologen, vor allem aus der Kontrastierung der unterschiedlichen semitischen Sprachen, recht deutlich eine semitische Ursprache rekonstruieren konnten. Diese hat ursprünglich ein Phoneminventar von 29 Konsonanten umfasst. Das klassische Arabisch hat von diesen 29 ursemitischen Konsonanten nachweislich noch 28. Seltsam ist hier nun, dass gerade das Hebräische auf 22+1 Konsonanten verkürzt ist und es eigentlich keinen Grund gibt, warum sich gerade das Hebräische so entwickelt hat. Im Hinblick darauf, dass das Alte Testament mit diesem verkürzten Phoneminventar verfasst wurde und das Alte Testament erst dadurch den genetischen Code respektive den Chromosomensatz des Menschen darstellen kann, ist es fraglos ein zwingender Rückschluss, dass das Hebräische des Alten Testaments eine Kunstsprache ist, die ausschließlich deshalb vom ursemitischen Konsonantensatz abweicht, weil nur dadurch der Chromosomensatz des Menschen in den Text des Alten Testaments integriert werden konnte.“

Abgesehen davon, dass ein solcher Rückschluss, wie ich schon allzu oft begründen musste, eben nicht „fraglos ein zwingender“ ist, nur weil man keine andere Erklärung für eine bestimmte sprachliche Entwicklung gefunden hat oder akzeptieren mag, finde ich es seltsam, dass Sie hier davon ausgehen, dass das Hebräische über „22+1 Konsonanten“ verfügen soll, während es auf Seite I,38 noch „22+4“ waren und auf Seite I,221 sogar „22+5“. Da es aber nun tatsächlich nur genau 22 Konsonanten sind, müssten Sie eigentlich zugeben, dass schon damit ihre gesamte Beweisführung hinfällig ist.

Es folgen (II,142ff.) ausführliche Streifzüge durch die Geschichte der in Ägypten verwendeten Sprachen und und Schriften, von den Hieroglyphen über das Hieratische und Demotische bis hin zur koptischen Sprache und Schrift. Insbesonders (II,145) „das Koptische“ finden Sie „für uns Paläo-SETI-Forscher“ besonders wichtig, „weil das Koptische noch keine tote Sprache darstellt und sie benutzt werden kann, die Texte das Altägyptischen zu entziffern. Ohne sie wären jedenfalls unsere Rückschlüsse kaum möglich gewesen.“

Außer den altägyptischen Papyri sind Ihnen zufolge (II,156) „auch die so genannten Ostraka von zentraler Bedeutung für die Paläo-SETI-Forschung, denn auch auf diesen Ton- oder Kalksteinplättchen, wurden ebenfalls Hinweise aus dem Bereich der Medizin abgespeichert.“ Sie schließen nicht aus, dass es „sich hierbei um so etwas wie unsere modernen ärztlichen Rezepte handeln“ könnte.

Obwohl (II,159) „Archäologen und Ägyptologen in vielen Gegenden Ägyptens … viele Tausende Papyri und Ostraka“ fanden, wurden bislang nur sehr wenige von ihnen erforscht und publiziert:

„Und damit liegt ein Wissen, welches uns in Hülle und Fülle zur Verfügung stehen könnte, vollkommen brach und niemand, bis auf äußerst wenige Ausnahmen, kümmert sich darum, damit es der Menschheit zur Verfügung steht. Eines Kommentars bedarf es hier eigentlich nicht.“

Totenliteratur, Sargtexte und Weisheitsliteratur

Die (II,160) „altägyptische Totenliteratur“ bezeugt zwar Ihrer Ansicht nach, „dass die alten Ägypter einen ausgeprägten Totenglauben hatten“, aber sie waren nicht „ausschließlich für die Toten im Jenseits bestimmt“. Sie sehen sie vielmehr als

„die wichtigsten Quellen für unser Postulat, dass die alten Ägypter hervorragende Ärzte hatten, die über ein Wissen verfügten, welches sie eigentlich gar nicht gehabt haben dürften und die uns verdeutlichen, dass die alten Ägypter bereits das Klonen gekannt haben.“

Die (II,161) „Sammlung altägyptischer Sprüche“ im sogenannten „Totenbuch“ sollte „nach Interpretation der Wissenschaft … dem Verstorbenen, quasi als Lebenshilfe, im Jenseits zur Verfügung stehen…, ein glückliches Jenseitsgeschick bewirken.“ Sie dagegen nehmen in vielen Texten und Bildern „mit modernen Augen … biologische und medizinische Verfahren“ wahr, die dort dargestellt werden.

Bei den (II,165) „altägyptischen Sargtexten…, die meistenteils auf den Innenwänden von kastenförmigen Särgen reicher Ägypter niedergeschrieben wurden“, handelt es sich vom Umfang her um „die größte Textgruppe“ von sehr hohem Alter, die damit

„zu einer unbezahlbaren Fundgrube für die Ägyptologen, aber auch für die Paläo-SETI-Forschung werden, die uns Paläo-SETI-Forschern Einblicke in die ägyptische Vorstellungswelt erlaubt, die wir ohne diesen Textkomplex – vor allem in Bezug auf die Schöpfung – nicht hätten.“

Für wichtig halten Sie auch (II,163) die ägyptische „Weisheitsliteratur“ mit der „Lehre des Ptah-hotep“, in der „der Name Osiris als einziger Gottesname“ vorkommt, und den Lehren des „Ani“ und des „Amenope“. Einige Texte des Letzteren finden sich abgewandelt „auch in den biblischen ‚Sprüchen Salomos‘ (in den Versen 22,17-23,11) wieder“. Besonders große Bedeutung messen Sie dem altägyptischen Weisen „Imhotep“ zu (II,163f.),

„den wir als Universalgenie kennen lernen werden. Auch er, der Arzt und Erbauer der Stufenpyramide für König Djoser, gilt als Verfasser von Weisheitssprüchen. Für uns ist er ganz besonders wichtig, weil wir ihm einige Werke verdanken, die uns über die Medizin des alten Ägyptens aufklären.“

Für die (II,166) „Auslegung der alten Texte“ plädieren Sie für ein vernetztes, interdisziplinäres Denken, das unter anderem auch das Fachwissen von Frauen berücksichtigt.

„Denn bei allem Fachwissen, welches sich ein Ägyptologe auch im Laufe eines Lebens anzueignen vermag, von Medizin haben die allermeisten überhaupt keine Ahnung. Ebenso wenig von Biologie oder anderen Fachgebieten.“

Als (II,167) „Paläo-SETI-Forscher“ sind Sie jedenfalls hochmotiviert, um zu „zeigen, dass weitaus mehr Wissen in diesen alten Schriften vorhanden ist, als man derzeitig glaubt.“

VI. Kapitel: Ägyptische Papyri

Als man (II,170), nachdem „die ägyptische Medizin und ihre Randgebiete … bis tief hinein ins 19. Jahrhundert sehr stiefmütterlich behandelt“ wurde, mittlerweile wenigstens „einige spärliche Quellen aus medizinisch-historischem Blickwinkel ausgewertet“ hat, stellte man Ihnen zufolge fest, dass im Vergleich zu heute

„vor 3600 Jahren … bei den körperlichen Erkrankungen statistisch gesehen kaum Unterschiede bestehen: Nicht anders als wir Heutigen litten die alten Ägypter an der Zuckerkrankheit oder an Krebs, an Geschwüren, angeborenen Missbildungen oder Knochenbrüchen. Dabei ist es nur natürlich, davon auszugehen, dass sie auch Mittel und Wege kannten, diese verschiedenen Krankheitsbilder zu behandeln.“

Seltsamerweise hatten Sie auf Seite II,87 noch behauptet, dass der Mensch im Altertum „mit wesentlich weniger Krankheitsbildern zu kämpfen [hatte] als heute“, aber das nur nebenbei.

Uraltes Wissen der altägyptischen medizinischen Papyri (I)

Jedenfalls sollen (II,170) „medizinische Kenntnisse auch in Ägypten schon in den frühesten prähistorischen Tagen vorhanden“ gewesen sein, wofür Sie „in fast allen Epochen recht deutliche Hinweise“ finden:

„Eine ganze Reihe von aussagekräftigen und damit unser Postulat beweisenden Papyri, auf die wir in den nachfolgenden Kapiteln noch ausführlich eingehen werden, sind beredte Zeugen für die medizinischen Kenntnisse der alten Ägypter. Diese reichen bis tief hinein in die Molekulargenetik.“

Zwar belegen die „uns bekannten Papyrusschriften mit medizinischem Inhalt, zumindest jene die uns heute bekannt sind“, nur medizinisches Wissen aus vier Zeitabschnitten: 1800, 1500 und (II,171) 1200 v. Chr. sowie 250 n. Chr., so dass aus einem ganzen Jahrtausend bis zurück zum „Bau der Pyramiden um 2600 bis 2900 v. Chr. … Berichte von den Krankheiten der alten Ägypter [fehlen] – oder waren sie vor 1800 v. Chr. so gesund, dass sie keiner Ärzte und keiner Heilkunst bedurften?“ Aus diesem Schweigen der Quellen ziehen Sie mit Manfred Dimde (27) den Schluss:

„Offenbar besaßen die alten Ägypter vor fünftausend Jahren eine umfassend wirksame Präventivmedizin, die einem breiten Spektrum gezielt vorbeugte.“

Und wieder einmal ergänzen Sie in gewohnt kühner Weise ohne jeden konkreten Beweis (II,172):

„Mit welcher Art von Medizin wäre dies wohl möglich? Mit vorbeugenden Impfungen? Wohl kaum! Schon eher mit einer Art Gentechnologie. Aber gerade diese können wir den alten Ägyptern nicht zutrauen. Oder doch?

Wir sind aufgrund unserer Forschungen zu dem Resultat gekommen, dass wir ihnen dieses Wissen durchaus zutrauen können, ja sogar zutrauen müssen, weil es hierfür ganz deutliche Indizien gibt. Diese Indizien werden wir alle im Rahmen dieses Buches nennen und zum Zwecke einer umfangreichen wissenschaftlichen Überprüfung auf den Tisch legen.“

Schon oft haben Sie, wenn schon Beweise fehlen, wenigstens Indizien angekündigt. Wenn sie kommen, werde ich schauen, ob sie wohl einer wissenschaftlichen Überprüfung standhalten können.

Die Ägyptologie und die Prä-Astronautik als Wissenschaft

Im Blick auf die Wissenschaft der (II,173) „Ägyptologie“, die als solche „seit der Entzifferung der Hieroglyphenschrift durch den französischen Orientalisten Jean François Champollion im Jahre 1822“ existiert, beschäftigen Sie sich zunächst mit einer Reihe von Begleitumständen ihrer Entstehung, die sie als skandalös beurteilen, zum Beispiel, dass Champollion nach „Gustav Seyffarth“ ein „Plagiator des englischen Physikers Thomas Young“ gewesen sein soll. Sicher bestand zwischen Young und Champollion eine Rivalität, aber ganz so eindeutig ist die Plagiatsthese wohl nicht zu beweisen. Nochmals beklagen Sie (II,175),

„dass vor allem die unzähligen Papyri mit ihren historischen und wissenschaftlichen Inhalten von der Forschung bislang nicht einmal ansatzweise erfasst, geschweige denn in irgend einer Art und Weise so tief greifend erforscht wurden, dass man daraus folgerichtige Rückschlüsse ableiten könnte.“

Eine Parallele zur Entstehungszeit der Ägyptologie ziehen Sie im Blick auf die gegenwärtige Situation der Paläo-SETI-Forschung und wollen damit wahrlich in große Fußstapfen treten (II,176):

„Auch in der Paläo-SETI-Forschung werden größere und kleinere Fehler gemacht. Aber gerade jetzt sind wir in einer ähnlichen Situation wie die Ägyptologie es in ihren Anfängen war. Heute können wir den Durchbruch schaffen und die Vorarbeit von Erich von Däniken dadurch würdigen, dass wir die Prä-Astronautik in einzelne Wissensgebiete aufteilen. Wie die Ägyptologie, wird dann auch die Prä-Astronautik ihre Geburtsstunde als anerkannte Wissenschaft erleben. Dies ist aber nicht das Thema dieses Buches und wurde von uns nur deshalb in Kürze angesprochen, weil sich die Entwicklungen so ähnlich sind.“

Uraltes Wissen der altägyptischen medizinischen Papyri (II)

Wie so oft befleißigen Sie sich auch im Blick auf die ägyptischen Papyri der Wiederholung einer bereits dargestellten Thematik. Nochmals stellen Sie fest (II,177),

„dass eine ganze Reihe von Papyri nicht selten Texte zum Inhalt hatte, die von einer recht hoch entwickelten Medizin berichteten. Nicht selten wurden darin medizinische Techniken beschrieben, die man vor allem in wissenschaftlichen Kreisen für unmöglich gehalten hatte. Man erkannte, dass die Papyri mit medizinischem Inhalt in drei Kategorien eingeteilt werden konnten. Und zwar befasste sich ein Teil dieser altägyptischen Schriften mit der Diagnose von Krankheiten, ein anderer mit der Behandlung und ein weiterer mit der Vorbeugung.“

Da (II,178) „alle diese Erkenntnisse … bereits im letzten Jahrhundert erbracht“ wurden und „die Wissenschaftler des letzten Jahrhunderts keinerlei Ahnung von genetischen Abläufen“ hatten,

„erkannten sie auch nicht die vielen biologischen Hinweise, die auf einer ganzen Reihe von Papyri schon vor Jahrtausenden verzeichnet und für die Nachwelt festgehalten wurden. Und weil auch heute niemand mehr auf diesem Gebiet Forschungen betreibt, ist der Wissenschaft bislang dieses biologische Wissen entgangen. Wir möchten in den nachfolgenden Kapiteln darauf aufmerksam machen und hoffen, dass die Wissenschaftler sich dieser äußerst wichtigen Aufgabe in Zukunft annehmen werden und die Papyri auf ihr Primärwissen untersuchen.“

Aber bis auf welche Zeit geht das in den Papyri enthaltene Wissen zurück (auch eine Frage, die bereits behandelt worden war)? Sie behaupten unter Berufung auf den Ägyptologen Gaston Camille Charles Maspero (1846-1916), dass uns (II,180) „die ältesten Zeugnisse aus dem ägyptischen Raum bis ins fünfte Jahrtausend v. Chr. zurück“ führen, und zitieren Maspero wörtlich mit der Aussage:

„Der Papyrus Kahun ist das erste Zeugnis, das wir besitzen, und so alt die Aufzeichnung auch sein mag, so ist sie doch die Abschrift eines noch älteren Werkes, wohl eines jener Zeugnisse der Könige von Memphis, in denen sie ihre Vorschriften empfehlen.“

Die Zeit, als Memphis die Hauptstadt Ägyptens war, verweist allerdings nicht ins 5. Jahrtausend, sondern nur in die Zeit des Alten Reichs im 3. Jahrtausend v. Chr. zurück (28). Tatsächlich scheinen Sie dennoch keinen weiteren konkreten Beleg für wirklich uraltes altägyptisches medizinisches Wissen anführen zu können als diesen einen, ziehen aber trotzdem äußerst weitreichende und mit sehr viel Phantasie ausgeführte Rückschlüsse:

„Wir können uns die vielen Papyri betrachten wie wir wollen, der Ursprung und Inhalt der medizinischen Papyri ist wesentlich älter als wir derzeitig oftmals glauben. … Derartige Rückschlüsse erlauben uns ein Fazit zu ziehen:

Die medizinischen Papyri gehen auf die Schöpfer der Menschheit zurück. Diese unterrichteten den vergöttlichten Thot von diesem Wissen. Thot ist wiederum identisch bzw. eine der drei ursprünglichen Personen des Hermes Trismegistos. Dieser begründete die Hermetik und gab sowohl seine medizinischen als auch seine biologischen Kenntnisse an seine Schüler weiter. Damit diese Kenntnisse nicht verloren gehen, schrieb er das damit verbundene Wissen in mehreren Sprachen nieder und hinterlegte es in verschiedenen Kulturkreisen.“

Wie gesagt, von all dem stand mit Sicherheit in den Schriften des Maspero kein einziges Wort. Sie benutzen den renommierten Ägyptologen lediglich als Stichwortgeber für Ihre längst feststehende Sicht der Menschheitsgeschichte, wenn Sie auch letztlich eine gewisse Einschränkung ihrer Selbstsicherheit einräumen (II,181):

„Dieses Fazit, welches letztlich kein abschließendes Resultat unserer Forschung darstellt, ist natürlich nach allen Seiten offen, aber man kann dennoch sagen, dass wir heute aufgrund der altägyptischen Überlieferungen davon ausgehen können und sogar über weite Bereiche davon ausgehen müssen, dass das Wissen der Ägypter mit dem Wissen unserer Schöpfer gleichzusetzen ist. Dass es sich demzufolge regelrecht aufdrängt, dass dieses Wissen extraterrestrischen Ursprungs ist, ist keine Erfindung von uns, sondern ein Rückschluss, der aus den Texten und Überlieferungen unserer Vorfahren abgeleitet werden kann.“

Kann? OK, Sie beweisen ja, dass man es kann. Aber mit Sicherheit ist dieser Rückschluss in keinster Weise zwingend bewiesen.

Uraltes Wissen der altägyptischen medizinischen Papyri (III)

In einem dritten Anlauf zur Beschäftigung mit den (II,182) „Primärquellen medizinischer Papyri“ listen Sie zunächst einmal (II,183) die „Hauptinhalte aller wichtigen Papyri“ auf und gehen sie dann alle im Einzelnen durch.

Der (II,184) „Papyrus Ebers“ aus der Zeit um 1500 v. Chr. kann „aufgrund seiner mannigfachen Themenbereiche als eine Art Handbuch der altägyptischen Medizin“ angesehen werden. Er enthält (II,184f.) „811 Rezepturen, die sich auf eine große Zahl von Krankheiten oder Symptomen beziehen“. Mir gefällt, dass die altägyptischen Mediziner vor der Betrachtung der einzelnen Krankheiten die (II,185) „Gespräche vor ärztlicher Behandlung“ erwähnen. Dazu kommentieren Sie: „Diese sollen die Wirksamkeit des jeweiligen Hilfsmittels beim Patienten erhöhen. Was aus moderner Sicht ein wenig an den Placeboeffekt erinnert.“ Naheliegender ist es, damit die Wertschätzung der Anamnese und des einfühlsamen Patientengesprächs durch die antiken Ärzte zu verbinden.

Im (II,186) „Papyrus Edwin Smith“, der in die Zeit der 18. Dynastie (15.-13. Jahrhundert v. Chr.) datiert wird, aber „eine Kopie eines wesentlich älteren Textes“ sein soll, ist Ihnen zufolge „der chirurgische Teil dem des Papyrus Ebers weit überlegen“. Zugleich ist in ihm deutlich erkennbar (II,187), „dass bereits die Ärzte der alten Ägypter, ebenso wie die heilkundlich bewanderten Wissenschaftler der Renaissance, stets eine gesundheitliche Verbesserung und eine Verlängerung des Lebens anstrebten“, etwa indem sie zur „Verjüngung … eine recht harmlose ölhaltige Salbe auf Basis der Samen des Bockshornklees, Trigonella foenum-graecum, welche Haarsausfall, Altersflecken und andere unschöne Altersmerkmale der Haut beseitigen soll“, empfehlen.

Der (II,188f.) „Papyrus Brugsch“ oder „Papyrus Berlin“ dient Ihnen mehr dazu, auf die Biographie und das Wirken des Namen gebenden Ägyptologen Heinrich Brugsch (1827-1894) einzugehen, als auf seinen Inhalt. Da (II,189) der „medizinische Papyrus Berlin … eine große Ähnlichkeit mit dem großen medizinischen Papyrus Ebers“ aufweist, darf man Ihnen zufolge vermuten, „dass beide Papyri von einem wesentlich älteren abstammen und lediglich … eine Abschrift eines wesentlich älteren Textes ist.“

Der (II,190) „Papyrus Kahun“, der sehr ungenau in die Zeit zwischen 2100-1900 v. Chr. datiert wird, „beinhaltet Rezepturen bzw. Medikamente gegen gynäkologische Leiden“ sowie „Informationen…, wie von den Frauen damals die Empfängnisverhütung durchgeführt wurde“. Das „Papyrusfragment“ wird daher zu Recht „als die wichtigste gynäkologisch-geburtshilfliche Abhandlung aus dem alten Ägypten bezeichnet.“

Unglaubliches im „Papyrus Westcar“ – Kopftransplantationen (I)

Für die (II,191) „Papyrus Westcar“ genannten „12 Papyrus-Rollen … aus der Zeit 2778-2423 v. Chr.“ ist es Ihnen sehr wichtig, dass ihre „Informationsebene … ganz offensichtlich in der Zeit des Königs Cheops angesiedelt“ und „der geschichtliche Charakter des Textes unverkennbar“ ist. Sie stimmen auch nicht der Überzeugung vieler Ägyptologen zu, „dass es sich bei diesem Papyrus um eine recht locker zusammengestellte Folge einfältiger Wundergeschichten handelt.“ Warum nicht? Ganz klar:

„Glaubt man den Übersetzern des Papyrus, dann gibt es da eine recht sonderbare Geschichte, die heutige Ägyptologen mit einer Show des Zauberkünstlers D. Copperfield vergleichen. So soll der Priester Dedi vor dem Pharao Cheops eine faszinierende Vorstellung gegeben haben. Im Rahmen dieser Vorstellung schnitt Dedi einer Gans den Kopf ab. Anschließend setzte er ihr diesen wieder auf, so dass die Gans quicklebendig im Thronsaal umherlief.“

Sie halten diese Geschichte ganz und gar nicht für unglaublich (II,192), „denn der amerikanische Chirurg Robert J. White hat ebenfalls schon das Kunststück fertig gebracht, einen Kopf zu verpflanzen“, und zwar „in den 70er Jahren … nicht an einer Gans, sondern an Rhesusaffen“. Da es „nur unser Unglaube“ ist, „der uns zur Ansicht kommen lässt, dass unsere Vorfahren derartige Fähigkeiten nicht gehabt haben können“, muss Ihnen zufolge der Rückschluss möglich sein, „dass die Mediziner der alten Ägypter nicht nur über medizinisches und biologisches Wissen verfügten, sondern auch über eines, welches ihnen ermöglichte Transplantationen vorzunehmen.“ Damit ergeben auch „die Mumifizierungspraktiken … einen tieferen Sinn.“ Und da, selbst wenn „unsere Vorfahren über das Wissen verfügten, Organe klonen … und einen ganzen Menschen identisch herzustellen“, sie „mit Sicherheit nicht … einen Menschen mitsamt seiner Persönlichkeit … klonen“ konnten, werden

„genau hier … Kopftransplantationen von großem Interesse, denn wie schon der Chirurg Robert J. White postuliert, wäre ein Ersatzkörper lediglich Versorgungseinrichtung für Kopf und Hirn als Sitz der Persönlichkeit. Ob Cheops dieses Ziel anstrebte, wissen wir nicht, aber – wir sagten es bereits – vieles spricht dafür. Vielleicht auch die Tatsache, dass bisher die Mumie des Pharao Cheops nicht gefunden wurde.“

Interessant ist Ihr Argument gegen die Ansicht der Wissenschaft (II,291), dass es sich bei der Aktion des Priesters Dedi vor Pharao Cheops lediglich

„um ein Zauberkunststück gehandelt hat. Wir glauben dies nicht, denn gerade der Illusionist Copperfield braucht ein äußerst hohes Maß an Technik, um seine Zauberkunststücke wirkungsvoll in Szene setzen zu können.“

Das muss man sich einmal in allen Einzelheiten vor Augen führen: Die Technik für ein Zauberkunststück hatten die alten Ägypter also nicht – aber die Technik für eine Transplantation stand ihnen zur Verfügung? Und diese Transplantation soll außerdem im Rahmen einer öffentlichen Vorführung vor einem Pharao stattgefunden haben? Viel naheliegender ist es dann doch wohl, dass sich Menschen aller Zeiten eben gerne wundersame oder sensationelle Begebenheiten haben erzählen lassen, ohne dass sie auf Tatsachen beruhen müssen. Oder müssen wir auch annehmen, dass beispielsweise Grimms Märchen „Die Gänsemagd“ mit dem sprechenden Pferdekopf Falada auf alchimistisch-naturwissenschaftlichen Fakten beruht?

Kloning im alten Ägypten (I) – der „Papyrus des Chonsumes“

Der (II,193) „Papyrus des Chonsumes“ enthält nach Ihrer Auffassung „eindeutige Hinweise…, dass im Totenbuch der Ägypter Instruktionen dargestellt werden, wie ein reproduktionsmedizinisches Kloning durchgeführt werden soll, um einem Verstorbenen das Leben nach dem Tod gewährleisten zu können.“ Ihnen zufolge „liegt das Postulat nahe, dass man die Mumifizierung nur deshalb durchführte, um einzelne Zellen am Leben zu erhalten.“ Sie geben zwar zu, dass

„ein derartiger Rückschluss, der die erwiesene Lebensfähigkeit einzelner Mumienzellen und die Hinweise aus den einzelnen Papyri mit der modernen Reproduktionsmedizin in Verbindung bringt, Spekulation bleiben [muss]. Jedoch, dies ergibt sich nahezu zwingend, spricht mehr für einen Zusammenhang als dagegen.“

Hier machen Sie selber für jemand, der unvoreingenommen an die Sache herangeht, überdeutlich, auf welche Weise die induktiven Beweisführung funktioniert, die Sie fortwährend durchführen: Sie wissen genau, dass Sie spekulieren, also nichts als Vermutungen anstellen, und nicht den geringsten Beweis dafür haben. Trotzdem bleiben Sie bei der Behauptung, dass sich die Wahrheit ihrer Spekulation nahezu zwingend ergibt. Warum? Weil „mehr für einen Zusammenhang als dagegen“ spricht. Aber, wie gesagt, dieses „mehr“ besteht nicht etwa aus Beweisen, die sie dann doch noch anführen, sondern lediglich aus vielen Worten, mit denen sie darlegen, dass die Wissenschaft heute doch wirklich etwas kann, was man damals angeblich gekonnt hat. Oder dass allgemein interpretierbare Texte oder Zeichnungen von damals identisch sind mit heutigen sehr speziellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Grafiken (und daraus folgt: „alle Hunde sind Dackel“).

Was genau haben Sie in dieser Hinsicht denn nun im „Papyrus des Chonsumes“ aus der Zeit um 1000 v. Chr. gefunden? Als erstes Beispiel nennen Sie (II,195)

„den Baum des Lebens, von dem einige Früchte genommen werden. Nach unserer Ansicht symbolisiert der Baum des Lebens die DNS eines Individuums. … Seine Früchte symbolisieren dabei einerseits die Zellen und andererseits die jeweilige Population, die sich ihrerseits ebenfalls in der Ahnenfolge darstellt.“

Das beweist natürlich gar nichts, weil der Baum des Lebens eine ganze Menge symbolisieren kann, aber nicht zwangsläufig muss, wenn das im damaligen Text nicht irgendwo konkret nachweisbar ist.

Zweitens lässt angeblich „eine andere Stelle auf dem Papyrus … chemische Arbeitsgeräte, Kolben und Reagenzgläser erkennen.“ Zwar

„ist kein Text auf dieser Schriftrolle, der die genannten Gerätschaften als Laborgeräte ausweist. Trotzdem muss man an einer derartigen Interpretation festhalten, denn vergleicht man moderne Laborgerätschaften mit den Abbildungen auf dem Papyrus, dann müssen beim Betrachter zumindest die vorhandenen Übereinstimmungen den Gedanken an Laborgeräte wachrufen.“

Wieder weisen Sie sogar selbst darauf hin, dass es im Text dafür keinen Nachweis gibt; die von ihnen behauptete Ähnlichkeit der dargestellten Gerätschaften mit der Ausstattung eines modernen Labors (die mangels einer Abbildung der entsprechenden Papyrus-Stelle nicht einmal nachgeprüft werden kann) kann daher auch ihre damalige Funktion nicht wirklich beweisen.

Ein drittes Indiz für ihre These finden Sie so eindrucksvoll, dass sie in aller Ausführlichkeit darauf eingehen: „die exakte Darstellung einer Zellteilung“. Aber (II,196): „Wie konnten die alten Ägypter überhaupt einen Einblick in die Struktur der Zellen erhalten?“ Ohne Mikroskope oder „eine bessere Technik“ wäre es ihnen doch gar nicht möglich gewesen, „in den Mikrokosmos des Menschen einzudringen“. Die Antwort darauf finden Sie „bei den himmlischen Göttern“, denn „der ägyptische Schöpfergott Chnum … war … in der Lage, in den Mutterleib einzudringen um seine Schöpfung zu kontrollieren“, und seine „Hauptfunktion [war] die Formung von Kindern…, die er zunächst auf seiner Töpferscheibe aus Ton gestaltete und anschließend in den Mutterleib legte“.

Das von Ihnen nun genauer betrachtete Bild kann man im Video des Kunsthistorischen Museums Wien „100 Meisterwerke – Totenbuch des Chonsu-mes“ selber in Augenschein nehmen (und zwar im Zeitraum zwischen 3:37 und 4:02 Minuten). Nach (II,197) Dr. Lucia Gunz wird auf dem Bild „der ewige Kreislauf der Sonne“ dargestellt, indem die „Himmelsgöttin Nut … in zwei weiblichen Gestalten … aus Krügen die blaue Himmelsflut über den großen Kreis“ gießt, „der den Tageslauf der Sonne – Re symbolisiert“.

Sie interpretieren die Zeichnung jedoch folgendermaßen: Von dem links daneben dargestellten „Baum des Lebens“ nimmt „eine Frau einige Früchte (Zellen)“, die „an eine andere Frau weitergereicht werden. Unter dieser Prämisse wird dann aus dem folgenden Bild, das die angebliche Kreisbahn der Sonne darstellen soll, die Zellmembran und aus der nördlichen und südlichen Göttin Nut, werden zwei Frauen, die aus Gefäßen die Zelle ständig mit lebenswichtiger Nährflüssigkeit versorgen.“ Als so gut wie bewiesen oder in ihrer eigenen Diktion als „weitgehend zur Realität erhoben“ sehen Sie diese Annahme dadurch, dass „die Göttin Nut zum einen immer mit der Auferstehung und zum anderen mit all jenen Aspekten verbunden [ist], durch die ein Verstorbener zu neuem Leben erweckt wird.“

Wie so oft eiern Sie auch hier ständig hin und her zwischen der Behauptung, sie hätten etwas bewiesen, und dem Eingeständnis, dass das angeblich Bewiesene doch lediglich eine Vermutung ist. Einerseits behaupten Sie vollmundig: „wie der Papyrus des Chonsumes eindrucksvoll beweist, wussten unsere ägyptischen Vorfahren von der biologischen Zellteilung“. Nur einen Satz später bleibt von dieser Behauptung nur noch „die Tatsache bestehen, dass auf dem Papyrus eine Darstellung abgebildet ist, die zumindest den Eindruck erweckt, es könnte sich um eine Demonstration der Zellteilung handeln.“

Dieser Eindruck entsteht in Ihren Augen auf folgende Weise (II,198): Die beiden Scheiben in der Mitte eines Kreises, die durch neun Strahlen miteinander verbunden sind,

„stellen in unseren Augen nichts anderes als jenen Zeitpunkt dar, zu dem im Rahmen der Mitose die Metaphase der Zellteilung einsetzt…, denn auch ohne große Phantasie kann man auf der Abbildung den Kernteilungsvorgang erkennen, bei dem sich aus einem Zellkern zwei Tochterzellen bilden. Insofern handelt es sich … um die sich entwickelnden Tochterzellen und … die sogenannten Spindelfasern, die sich im Zeitraum der Metaphase zwischen den vorgebildeten Zentromeren und den Polen bilden.“

Diese Interpretation finden Sie weitaus überzeugender als die angeblich unsinnige Erklärung, die die Wissenschaft anbietet, dass nämlich das Bild „eine Sonne verkörpert, in der sich wiederum zwei miteinander verbundene Sonnen befinden und die dann nochmals von einer anderen Sonne angestrahlt werden.“ Hier stellen Sie allerdings die Sichtweise der von ihnen zitierten Dr. Lucia Gunz nicht richtig dar, denn der große Kreis umfasst für Gunz eben nicht die Sonne, sondern das Himmelsrund, das die Sonne durchläuft, wobei die drei dargestellten Sonnenscheiben unterschiedliche Stellungen der Sonne im Laufe des Tages anzeigen.

Für Sie ist dieses Sonnen-Modell schon deswegen abwegig, weil „der Papyrus des Chonsumes … nichts mit dem Lauf der Sonne zu tun [hat], sondern nachweislich mit der Wiedergeburt und der Auferstehung des Menschen.“ Das aber finde wiederum ich nicht überzeugend, denn gerade der Sonnenlauf und das Wechselspiel zwischen Sonne, Regen und Erde im Lauf der Jahreszeiten hat in den Fruchtbarkeitskulten des Altertums jede Menge an Verbindungen auch zum Thema Tod, Wiedergeburt und Auferstehung. Von daher kann man keineswegs die von Gunz gegebene Interpretation von vornherein als unsinnig ausschließen.

Dass das Bild einen Fruchtbarkeitskult darstellt, bestätigt nach Gunz die Zeichnung der insgesamt acht (II,198f.)

„Männer mit Hacken in den Händen … zu beiden Seiten der Strahlen angeordnet, sich der Kreisform einfügend. Sie vollziehen das ‚Erdhacken‘, die älteste religiöse Zeremonie Ägyptens, in der sich das Mysterium des Osiris offenbarte: In der heiligen Handlung des ‚Erdhackens‘ beim Beginn der Aussaat – alljährlich durch den König eingeleitet – wurde die Beerdigung des toten Gottes erlebt, der mit seinem Körper die Erde befruchtend, neues Leben aus ihr sprießen lässt.“

Diese Sichtweise lehnen Sie ab; für Sie war ursprünglich (II,199)

„das ‚Erdhacken‘ ausschließlich ein Akt der Befruchtung und somit ein Vorgang der zweigeschlechtlichen Zeugung. … [Denn] „jede dieser dargestellten männlichen Figuren [hat] einen in Erektion befindlichen Penis… Ein Umstand, der mit aller Deutlichkeit auf den Faktor der Befruchtung und vor allem auf den Koitus hindeutet.“

Aber auch das beweist gerade nicht eindeutig Ihre Vermutung, dass das Bild eine Zellteilung darstellt; es bestätigt sogar die Gunzsche These vom Fruchtbarkeitskult, da die Befruchtung des Erdbodens durch das Hacken und das Wechselspiel von Sonne und Bewässerung durch Regen in den alten Mythen immer auch eine sexuelle Konnotation hat; da muss man sich gar keine Darstellung einer Zellteilung, sei es in der Zelle selbst oder im Reagenzglas, herbeiphantasieren.

Trotzdem hat auch für Sie der Papyrus mit dem „Mysterium des Osiris“ zu tun,

„aber auch nur deshalb, um dadurch die leibliche Auferstehung des Osiris darzustellen. Auch er wurde, nach seiner Ermordung durch seinen Bruder Seth, wiederbelebt, indem die Göttin Isis die Leichenteile ihres Bruders und Gatten eingesammelt hat und daraus den Körper des Osiris neu nachformt. Anschließend zeugt sie mit ihm ihren Sohn Horus.

Wurde hier, diese Frage muss man sich ganz einfach stellen, vielleicht ein erster Fall von Kloning beschrieben?

Wir denken, dass dem so ist.“

Und weil dem angeblich so ist, hat Ihnen zufolge Chonsumes als „Oberarchivar“ in seinem Papyrus „die Anweisung für spätere Generationen hinterlassen, wie er wieder zum Leben erweckt werden kann, wenn die technischen Möglichkeiten hierzu gegeben sind.“ Aber wer sollte in einer so dürftigen, schematischen Zeichnung, die noch nicht einmal genauer erläutert wird, eine konkrete Anweisung zum Klonen dieses Verstorbenen erkennen geschweige denn sie befolgen können?

Kloning in der Bibel (I) – die Erschaffung der Männin

Nachdem Sie in der Betrachtung des Papyrus von Chonsumes beim Thema Kloning angekommen sind, weisen sie (II,200) auf „einige Fälle von Kloning in anderen Mythologien“ hin und wenden sich der Geschichte von Adam und Eva in 1. Mose 2,21-23 zu (die im dritten Band in noch ausführlicherer Form nochmals Thema sein wird):

„Hier wird beschrieben, wie die ÄLoHIM durch genetische Manipulationen und einem ganz offensichtlichen Vorgang von Kloning dem ADaM eine Männin zur Seite stellen. Es heißt dort: ‚Und JHWH ÄLoHIM ließ Betäubung fallen auf den ADaM, und er schlief. Und er nahm eine von seinen Zellen und verschloss mit Fleisch an ihrer Statt. Und JHWH ÄLoHIM erbaute die Zelle, welche er aus dem ADaM genommen, zu einer Männin und brachte sie zu dem ADaM. Da sprach der ADaM: Dies ist diesmal Gebein von meinem Gebeinen und Fleisch von meinem Fleisch; zu dieser wird gerufen Männin, denn vom Mann ist sie genommen.‘

Seien wir ehrlich: Kann man einen Fall von Kloning noch besser beschreiben?“

Ehrlich ist an dieser Beschreibung schon mal nicht, dass Sie ihre Interpretation dieser Geschichte als konkrete medizinische Tatsachendarstellung und der ÄLoHIM als außerirdischer Wesenheiten absolut setzen. Aber beide Interpretationen werden ja nun wirklich von kaum jemandem geteilt. Millionen von Christen in aller Welt und selbst die meisten Atheisten würden diese Erzählung als eine Beschreibung der ersten Erschaffung einer Frau durch Gott ansehen, wobei es in diesem Zusammenhang gar nicht darauf ankommt, ob die Geschichte als historisch wahr geglaubt wird oder nicht.

Falsch ist außerdem das in dieser Übersetzung verwendete Wort „Zellen“. Das hebräische Wort „TseLaˁ hat, abgeleitet vom Wortstamm TsaLaˁ = „sich krümmen“ die Bedeutung „Rippe“ und in übertragenen Bedeutungen „Seite“, „Türflügel“, „Seitenbau“. Mit dem deutschen Wort „Zelle“ besteht lediglich eine Laut-Ähnlichkeit (allenfalls kann es im Seitenschiff eines Tempels auch Kammern oder Zellen geben, die den Tempel wie Rippen umschließen). Nach all dem ist die traditionelle Auslegung doch überzeugender, dass die Frau aus einer „Rippe“ oder vielleicht noch besser aus der „Seite“ des Menschen erschaffen wurde – übrigens nicht des Mannes – als Mann erfährt und bezeichnet sich der Mensch erst, als der der neu erschaffenen Frau gegenüber steht (1. Mose 2,23)!

Abgesehen davon – wie soll auf der Ebene der Geschichte aus einer Körper-Zelle eine „Männin“ entstanden sein? Sie müsste sich ja zumindest 9 Monate entwickelt haben – aber in welcher Gebärmutter? Und ist es überhaupt möglich, dass die Zelle von einem Mann zu einer Frau geklont werden kann?

Fazit: Einen Fall von Kloning kann man definitiv kaum schlechter beschreiben als in 1. Mose 2,21-23 – und er wird hier auch nicht beschrieben!

Ihnen zufolge werden dagegen hier (II,200f.)

„für jeden intelligenten und vernunftbegabten Menschen medizinisch-biologische Ausdrücke verwendet, die in ihrer inhaltlichen Aussagekraft jede Art von Spekulation über Kloning zur absoluten Realität erheben.“

Sie bestreiten (II,201), dass ein „allmächtiger Gott“ an der Betäubung Adams hätte mitwirken können, das müssten „schon eher Mediziner oder Biologen“ gewesen sein, und auch die Entnahme einer Zelle und die Verschließung der entstandenen Wunde mit Fleisch macht angeblich „nicht den Eindruck, als ob eine allmächtige Gottheit diese Aufgabe durchgeführt hat“. Aber wieso sollte ein allmächtiger Gott nicht bildhaft auch als Anästhesist dargestellt werden können – wohlwissend, dass jedes Bild von Gott natürlich nicht Gott selber darstellt. Entscheidend ist in der ganzen Geschichte die Ebenbürtigkeit von Frau und Mann – und dass beide Geschlechter erst in ihrem wechselseitigen Gegenüber entstehen. Hier geht es, wenn man es einmal salopp und modern formulieren will, um Gendering auf Augenhöhe, nicht um Kloning!

Wenn man allerdings so argumentiert wie Sie, dann bleibt am Ende

„eine Vielzahl von unbeantworteten Fragen: Wer waren diese ÄLoHIM; wer waren diese ägyptischen Gottheiten, die es verstanden, Verstorbene so zu konservieren, dass ihre Zellen über Jahrtausende lebensfähig blieben; die es verstanden, Menschen nach ihrem Bilde zu entwerfen und die es verstanden, aus einer einzigen Zelle einen gesamten Menschen zu bilden. Und ob wir es akzeptieren wollen oder nicht, es bleibt nur eine Antwort: Die Götter müssen Wesen von einem anderen Planeten gewesen sein, die, aus welchen Gründen auch immer, das Leben auf dem Planeten Erde nach ihren Vorstellungen so lange manipulierten, bis schließlich der Mensch das Licht der Welt erblickte.“

Es ist *Ironie on* wahrlich beeindruckend, wie rasch es Ihnen gelingt, auf eine Vielzahl von unbeantworteten Fragen mit einem Schlage dann doch die eine zutreffende Antwort zu wissen! *Ironie off*

Kloning im alten Ägypten (II) – die Pyramiden von Gizeh

Nach dem Ausflug ins Alte Testament kehren Sie ins alte Ägypten zurück und bieten eine Erklärung dafür an (II,202), „warum wir in den großen Pyramiden von Gizeh keine Mumien mehr finden. Wurden die ersten Pharaonen womöglich von den Schöpfern der Menschheit durch genetische Manipulationen wieder zum Leben erweckt?“

Und Sie zitieren ihre große Autorität Erich von Däniken („Wir sind alle Kinder der Götter“), der 1987 voraussagte: „Wenn aus der DNS vor Urzeiten Verstorbener Verwandtschaftsgrad und Abstammung herausgelesen werden können, wird man irgendwann feststellen müssen, dass wir Menschen nicht nur Gene von Primaten, sondern auch von Außerirdischen in uns tragen.“

Uraltes Wissen der altägyptischen medizinischen Papyri (IV)

Schließlich kehren Sie zu den altägyptischen Papyri zurück. Den (II,203) „Papyrus des Ani“ aus der Zeit um 1300 v. Chr. interpretieren Sie so, dass durch seine Texte „vor allem gewährleistet werden [sollte], dass der Verstorbene zu einer festgesetzten Frist wieder belebt wurde“, und „dass das auf diesem Papyrus dargestellte Mundöffnungsritual womöglich mit einer Vorform von Notfallmedizin in Verbindung steht.“

Die (II,204) Beschäftigung mit den „Ramesseum Papyri“ nutzen Sie hauptsächlich zur Darstellung des von Ramses II. (ca. 1303-1213 v. Chr.) erbauten „Ramesseum“, einem „Tempel der Millionen Jahre“, der in seiner eindrucksvollen Anlage viele Gebäude umfasste, zu denen der Totentempel und die Residenz des Königs gehörten, aber auch Kornspeicher und ein Lebenshaus mit einer Bibliothek. Beklagenswert finden Sie es (II,205), dass mit den Zerstörungen an dieser Anlage „auch das Wissen dieser Zeit nahezu unwiederbringlich verloren gegangen ist“.

Am (II,206) „Papyrus Hearst“ aus dem 15. Jahrhundert v. Chr. interessiert Sie vor allem, dass die in ihm beschriebenen Heilmittel auch von den Göttern benutzt wurden, womit sie ihre „spekulativen Gedanken“ bestätigt sehen, dass zum Beispiel der Gott „Osiris ursprünglich ein ganz real existierender König war“. Bei einem „Medikament, das ‚von Isis für Ra selbst gemacht wurde, um die Krankheit aus seinem Kopf zu vertreiben‘,“ drängt sich für Sie „der Gedanke auf, dass es sich bei diesem Heilmittel um ein lebensverlängerndes Medikament handelt. Vielleicht um eine Art Frischzellenkur.“

Beim (II,207) „Papyrus Carlsberg“ handelt es sich mit „über 500 Papyri“ um „die weltweit größte Sammlung literarischer Texte in demotischer Schrift“, die im Besitz der Universität Kopenhagen ist. Einige dieser Schriften befassen sich „mit den gynäkologischen Vorschriften und Prognosen zum Geburtsverlauf“, andere „mit Augenkrankheiten“. Hippokrates ist unter anderem „beim Traktat über das Herz und die Gefäße von diesem Papyrus beeinflusst.“

Auch für den (II,208) „Papyrus Chester Beatty“ und den (II,209) „Papyrus London“ zählen Sie lediglich eine Reihe von Krankheiten auf, mit denen er sich beschäftigt. Der „Papyrus Insinger“ enthält einen „Werbeslogan der altägyptischen Ärzte…: ‚Unterschätze eine unbedeutende Krankheit nicht, wenn es eine Medizin gibt; nimm die Medizin‘.“ Der „Papyrus Kairo“ wiederum enthält Informationen „über die Lebenshäuser“, die „stets Tempeln angegliedert waren und in denen die Ärzte ausgebildet wurden“, die „aber auch als Lager für Drogen“ dienten. Nicht näher beschrieben werden der „Papyrus Brooklyn“ und der „Papyrus Budapest“, die ebenfalls „medizinische Traktate“ bzw. „Hinweise“ enthalten.

Das alte Ägypten, die Hermetik und die Alchimie

Im (II,211) „Nachwort zum sechsten Kapitel“ sehen Sie es unter Berufung auf renommierte Institute und Wissenschaftler der Ägyptologie als bewiesen an, dass „nach dem heutigen Stand der Papyriforschung … der ägyptische Gott Thot mit dern Hermes Trismegistos identisch ist oder zumindest diesem zugehörig ist“ und „dass das hermetische Wissen der alten Ägypter seit Jahrtausenden in der Alchimie weiterlebt“.

Wenn Sie sich dahingehend äußern (II,213), „gerne eine tiefer gehende Interpretation von einer ganzen Reihe von Papyri durchführen“ zu wollen, frage ich mich, wie Sie das ohne eingehende altägyptische Sprachkenntnisse wohl in Angriff nehmen könnten. Aber sie beklagen, dass das ohnehin „zur Zeit vollkommen unmöglich“ ist,

„weil die unzähligen Papyri in den Museen wie Staatsschätze vor der Öffentlichkeit und vor allem vor allen Nichtägyptologen abgeschirmt werden. Außenseiter, wie wir Paläo-SETI-Historiker es sind, erhalten schon gar keinen Zugriff auf diese wichtigen Werke der Menschheitsgeschichte. Jeder Versuch, die sich allenthalben aufdrängenden Fragen behandeln zu wollen, bleibt im gegenwärtigen Stadium der Paläo-SETI-Forschung im Standesdünkel stecken.“

Es ist Ihnen aber auch bewusst, dass viele Papyri zunächst „restauriert“ und in anderer Weise aufbereitet werden müssen, bevor „man eine echte Auswertung vornehmen“ kann:

„Hier gibt es fraglos viel zu tun, aber wenn wir diese Arbeit niemals in Angriff nehmen, wird unendlich viel historisches Wissen ganz sicher verloren gehen.“

VII. Kapitel: Die Medizin der alten Ägypter

Eine Frage aus dem Nachwort des 6. Kapitels war noch offen geblieben (II,211):

„Können wir davon ausgehen, dass die Ärzte der alten Ägypter über ein medizinisches und biologisches Wissen verfügten, welches dem unseren gleicht?“

Diese Frage wollen Sie im 7. Kapitel (II,216) „in vielerlei Hinsicht“ mit Ja beantworten.

Eingangs beschäftigen Sie sich mit dem (II,217) „ca. 40 km nördlich von Assuan“ liegenden „Tempel von Kom Ombo“, in dem auf einem Relief ihrer Ansicht nach „medizinische Instrumente, ähnlich wie in einem modernen Operationssaal, in ausgebreiteter Form dargestellt wurden“. Diese Sichtweise wird etwa auf der Internetseite Atlas Obscura bestätigt, wo man auch das entsprechende Relief anschauen kann. Zwar wissen Sie, dass man (II,216) „in Fachkreisen“ darüber diskutiert, ob „es sich bei den abgebildeten Instrumenten nicht um chirurgische, sondern um Werkzeuge handelt, welche von Gold- bzw. von Silberschmieden benutzt wurden“, aber daran wollen sie sich (II,216f.)

„nicht beteiligen, denn alleine das Vorhandensein dieser medizinischen Gerätschaften spricht dafür, dass es – und alleine darauf kommt es uns letztlich an – diese Techniken gab. Insofern sprechen beispielsweise die dargestellten Instrumente am Tempel von Kom Ombo eine eindeutige Sprache und sie sind auf jeden Fall ein Beleg dafür, dass die alten Ägypter eine ganze Reihe von Operationstechniken kannten und auch beherrschten.“

Seltsam: Da scheint es eine nicht eindeutig entschiedene Fachdiskussion zu geben, aber Sie gehen ihr lieber aus dem Weg und beharren darauf, dass die Fakten eine in ihrem Sinne eindeutige Sprache sprechen. Wer mit der Wahrheit so umgeht, hat es natürlich nicht nötig, sich um beweiskräftige Argumente zu bemühen. Es ist ja auch viel einfacher, auf halbwegs plausiblen Annahmen dann noch weitere völlig unbeweisbare Schlussfolgerungen aufzubauen (II,218):

„Die Frage ist nun, warum in einem Tempel, der nach Einschätzung der Ägyptologen ausschließlich der Verehrung von Göttern diente, medizinische Instrumente abgebildet sind und dieser dann auch noch nach baustilistischen Richtlinien erstellt wurde, die nicht typisch für den Tempelbau sind? Zudem ergeben die Darstellungen von medizinischen Geräten an diesem Ort überhaupt keinen Sinn, denn die medizinische Kunst war niemals in einem Stand, in dem sie göttliche Verehrung genossen hätte. Handelte es sich, diese Frage drängt sich uns förmlich auf, beim Tempel von Kom Ombo vielleicht um gar keinen Tempel? War es, was sich unsere Ägyptologen nicht vorstellen können, womöglich ein medizinisches Zentrum, in dem alte Wiederbelebungstechniken praktiziert wurden?“

Überhaupt betrachten Sie (II,234) die ägyptischen Tempel als „Orte der Medizinausübung“, denn der „Ort, an dem im alten Ägypten die Ärzte tätig waren, wurde Lebenshaus genannt“. Solche „Lebenshäuser“ wiederum waren verbunden „mit der Existenz einer Ausbildungsstätte für Ärzte und einer Bibliothek“, und sie haben, wie Sie betonen (II,235), unter

„Ägyptologen … den Stellenwert von Universitäten. Man könnte auch sagen, da in einem Lebenshaus Ausbildung und Therapie vereint waren, dass sie nach heutigen Maßstäben gemessen so etwas Ähnliches wie Universitätskliniken gewesen sind. Der Sinn eines Lebenshauses, dies geht aus vielen Papyri recht deutlich hervor, diente hauptsächlich dazu, die Schöpfung zu erhalten. Eben jene Schöpfung, die von den ÄLoHIM durchgeführt wurde und die wir nach Lage der Dinge als außerirdische Lebensform identifizieren müssen.“

Außerirdischer Ursprung des ärztlichen Wissens der alten Ägypter

Schon (II,227) „griechische und römische Geschichtsschreiber“ äußerten sich bewundernd über die ägyptische Medizin. Homer meint in der Odyssee, „dass in Ägypten jeder ein Arzt sei, erfahrener als alle anderen Menschen“, Herodot schreibt: „Jeder Arzt ist nur für eine einzige Krankheit da und nicht für mehrere“, und der

„große griechische Mediziner Galen berichtet in seinen Werken, dass griechische Ärzte, bevor sie einen Menschen therapierten, medizinische Papyri konsultierten. Diese Papyri sollen aus der berühmten Bibliothek des Arztes Imhotep stammen. Und Clemens von Alexandrien berichtet um 200 n. Chr. von sechs medizinischen Büchern, in denen alles Wissenswerte über den Bau des menschlichen Körpers, die möglichen Krankheiten des Menschen steht. Auch soll in diesen Büchern verzeichnet gewesen sein, mit welchen Geräten und Heilmitteln diese Krankheiten zu behandeln sind.“

Auch aus den altägyptischen Papyri selbst geht nach Ihrer Auffassung (II,220) „die Existenz einer beruflichen Hierarchie“ hervor. Sie bestätigen,

„dass von Anfang an in der altägyptischen Ärzteschaft, was aus den unterschiedlichen Arzttiteln recht deutlich hervorgeht, eine Spezialisierung zu beobachten ist: So gab es unter anderem Pathologen, Augenärzte und Zahnärzte. Ja sogar vom Stand der Tierärzte wird in den Papyri berichtet. Interessanterweise haben viele Ärzte, wir müssen der Wichtigkeit halber diesen Fakt immer wieder hervorheben, auch den Titel eines Priesters inne gehabt und darüber hinaus, was auf den Thot und damit auf den Hermes Trismegistos hindeutet, auch den eines Schreibers.“

Die „Verbindung Arzt und Priester, die Ausbildung der Ärzte in den Lebenshäusern, die den Tempeln angegliedert waren und der Faktor, dass den Priestern letztlich die Ausbildung der Ärzte oblag“, wollen Sie jedoch nicht so gedeutet wissen, dass man „die altägyptische Medizin in Verbindung mit Zauberei, Magie und Gesundbeten“ bringen dürfte. Vielmehr war Ihnen zufolge „der altägyptische Arzt von einem modernen Arzt kaum zu unterscheiden.“

Immerhin erwähnen Sie an anderer Stelle (II,228), wie der Papyrus Ebers das enge „Verhältnis zwischen der ritualisierten Magie und fachlich orientierter Medizin im Alten Ägypten“ beschreibt: „Wirksam ist der Zauber (nur) zusammen mit dem Heilmittel, wirksam ist das Heilmittel (nur) zusammen mit dem Zauber“. Das deutet auf eine ganzheitliche Medizin hin, die geistig-seelisch-spirituelle und somatische Elemente der Heilung gleichermaßen im Blick hat.

An einer dritten Stelle (II,241) betonen auch Sie selbst, „dass ein kranker Mensch zur Genesung auch seelische Unterstützung benötigt. In Anbetracht dessen, dass man heute weiß, dass ein großer Teil aller Erkrankungen psychosomatischer Natur ist, wäre eine derartige Therapieform auch heute noch zu wünschen.“

Aber im Großen und Ganzen legen Sie auf andere Gesichtspunkte weitaus mehr Wert. So wollen Sie im Gegensatz zu Historikern und Ägyptologen das Wissen der altägyptischen Ärzte etwa (II,222) „über die Anatomie“ und ihre „therapeutische Praxis“ nicht allein „auf die Einbalsamierungspraktiken“ und „die frommen Rituale der Mumifizierung“ zurückführen, unter anderem weil „der Zutritt zu den Totenhäusern den Ärzten streng verboten war“ und weil bisher kein Papyrus gefunden wurde, in dem (II,221) „so etwas wie klinische Studien“ beschrieben wird. Stattdessen sind Sie

„der Ansicht, dass das meiste Wissen nicht von den Ägyptern selbst stammt. Ebenso wenig wurde es von anderen Völkern übernommen. Hierzu ist es viel zu exakt und wir müssten uns Fragen, warum kein anderes Volk, mit Ausnahme der Babylonier und Hebräer, seine medizinischen Kenntnisse niedergeschrieben hat. Insofern denken wir, was auch deutlich aus dem Alten Testament hervorgeht, dass die Wissensvermittler die Schöpfer der Menschheit waren und der Ursprung dieses Wissens, welches sich allerdings im Verlauf der Jahrtausende immer mehr verflüchtigte, jene extraterrestrische Lebensform war, die wir als die im Alten Testament beschriebenen ÄLoHIM identifizierten.“

Ebenso induktiv und kurzschlüssig begründen Sie (II,224), dass „die altägyptischen Ärzte bereits die Hefe als Antibiotikum für Heilzwecke einsetzten und somit die heilende Wirkung von Antibiotika gekannt haben müssen“, woraus wiederum folgen soll, dass „es einen Zeitpunkt in der Geschichte Altägyptens gegeben haben [muss], an dem man auch Kenntnisse von der zellularen Ebene des Menschen hatte.“ Und da angeblich solches „biologisches Wissen … nur dann erlangt werden [kann], wenn man auch die technischen Voraussetzungen dafür besitzt“, diese aber nicht belegt werden können, kann dieses Wissen nur außerirdischer Herkunft sein. Allerdings denke ich, dass ein Erwerb von Erfahrungswissen einfach durch Ausprobieren von Mitteln wie Hefe für Heilzwecke sehr gut vorstellbar ist, auch ohne dass man die biologischen Grundlagen dafür erforscht haben muss.

Wie ist es angesichts des dargestellten überragenden medizinischen Wissens der alten Ägypter aber zu erklären, dass (II,267) der gute „Ruf der altägyptischen Ärzte … nur in den frühesten Epochen der altägyptischen Geschichte begründet“ ist? Warum war es „in späteren Zeiten … um die Gesundheit der ägyptischen Bevölkerung sehr schlecht gestellt“, warum war die Lebenserwartung nicht besonders hoch?

Immer wieder führen Sie solche problematischen Seiten der altägyptischen Kultur bzw. Medizin (II,223), übrigens zum Beispiel auch die Konkurrenz unter Ärzten oder fragwürdige Therapiemethoden, auf Degenerationserscheinungen des von den Außerirdischen empfangenen Wissens zurück (II,223f.):

„Die alten Ägypter wussten offenbar, dass sie sich in einer Phase der Degeneration befanden und versuchten deshalb, zumindest einen Teil des von den Schöpfern übernommenen Wissens aufzubewahren. Ein Vorhaben, welches nur sehr schlecht gelang, weil in der Vergangenheit immer wieder dieses Wissen, welches den Menschen ein gesundes Leben garantieren sollte, vernichtet wurde.“

War Imhotep der Begründer der Medizin?

Mit (II,225) der historischen Gestalt des Imhotep aus der Zeit um 2650 v. Chr. verbinden Sie eine ganze Reihe von für sie feststehenden Tatsachen, die nach einer flüchtigen Recherche im Internet aber kaum einer gründlichen Überprüfung standhalten. Zwar wurden ihm später medizinische Schriften zugeschrieben, es ist aber nicht bewiesen, dass er wirklich als Arzt gewirkt hat. Ihrer Behauptung, dass „er schon zu Lebzeiten … von den Menschen als Halbgott verehrt“ wurde, stehen Aussagen im Internet gegenüber, dass diese Verehrung erst über Tausend Jahre später erfolgte. Und dass (II,226) „Hippokrates aus Kos“ (ca. 460-370 v. Chr.) medizinisches Wissen aus ägyptischen Quellen schöpfte, mag stimmen, aber ob es das Wissen war, das „bereits von Imhotep beschrieben wurde“, ist nicht beweisbar.

Für Sie ist Imhotep deswegen besonders interessant, weil er in späterer Zeit „mit Äskulap gleichgesetzt“ und „vor allem mit Ptah und Thot in Verbindung gebracht“ wurde und „deshalb als Schutzherr der Weisheit, besonders aber der Medizin“ galt:

„Diese Verbindung lässt den Verdacht aufkommen, nachdem das Symbol des Äskulap, ebenso wie das Symbol des Hermes Trismegistos, der Schlangenstab ist, das Ptah, Thot und Imhotep jenes Dreigestirn bilden, welches später zum Hermes Trismegistos vereint wurde.“

Auch die Betrachtung anderer (II,230) „Heil-Götter der Ägypter“ von Thot bis Taweret, von (II,228f.) Sachmet bis Isis, läuft Ihnen zufolge letztendlich wieder auf (II,230) Imhotep hinaus, der an „der Spitze der Verehrung“ stand:

„Ein Mensch, der zum Gott erhoben wurde. Betrachtet man nun die anderen Gottheiten genauer, dann handelt es sich bei Osiris ebenfalls um einen Menschen und auch bei Isis und Thot können wir davon ausgehen, dass es ursprünglich Menschen waren, die aufgrund ihres Wissen und der Fähigkeit, kranke Menschen von ihren Leiden zu befreien, vergöttlicht wurden. Auch diese Option erlaubt uns den Rückschluss, dass nicht nur die Menschen existiert haben, sondern auch das Wissen, wie man Menschen zum Leben erwecken kann.“

Chirurgie, Anästhesie und Empfängnisverhütung

Dass bereits im alten Ägypten (II,237) „chirurgische Eingriffe vorgenommen wurden“, sehen Sie als bewiesen an, weil zumindest „die Beschneidung“, die „zu den chirurgischen Praktiken gezählt werden“ muss, nach einem Relief „im Grab des Arztes Anchmahor in der Nekropole von Saqqara“ in Ägypten nachweislich durchgeführt wurde. Und dieser Beweis ist für Sie wiederum Voraussetzung für weitreichende induktive Schlussfolgerungen nach ihrem inzwischen, wenn nicht bewährten, so doch oft angewandten Muster:

„Und alleine darauf kommt es an, denn genetische Manipulationen, denen Zellentnahmen vorausgehen, setzen die Kenntnisse von chirurgisch-medizinischen Verfahren voraus. Für die alten Ägypter, aber auch für die alten Hebräer trifft dies mit Sicherheit zu, denn auch diese beschnitten ja die Jungen. Den Beweis liefern hier das 1. Buch MoSchäH und die Geschichte von ABhRaM und seiner Frau SsaRaH. Jenem Elternpaar also, das nach dem bekundeten Willen der himmlischen ÄLoHIM in die Geschichte als die Stammeltern von Nationen eingehen sollten.“

Obwohl es eigentlich überflüssig sein sollte, halte ich trotzdem noch einmal fest: Sie benutzen den Nachweis chirurgischer Eingriffe bei den alten Ägyptern oder Hebräern, um mit ihnen zu beweisen, dass schon damals genetische Manipulationen stattgefunden haben. Nach derselben Logik müssten im 20. Jahrhundert bereits jede Menge an genmanipulatorischen Operationen stattgefunden haben, denn Chirurgie gibt es ja zweifelsfrei schon lange. Aber das Klonen ist noch heute kein gängiges Verfahren. Die genannte Schlussfolgerung beweist also gar nichts.

Den kaum belegbaren Hinweisen auf chirurgische Eingriffe bei den alten Ägyptern fügen Sie (II,238) unter der Überschrift „Anästhesie im alten Ägypten“ die „Vermutung“ hinzu, „dass man bei Patienten vor einer anstehenden Operation auch eine Anästhesie durchführte“. Zeugnisse in alten Mythen, „die eindeutig belegen und bestätigen, dass pflanzliche Extrakte eingesetzt wurden, um Patienten in Schlaf zu versetzen“, suchen und finden Sie jedoch nicht etwa in den altägyptischen Papyri, sondern nur an zwei Stellen des Alten Testaments, nämlich in 1. Mose 15,12 und 2,21 (29):

„Diese beiden Bibelstellen belegen eindeutig, dass sowohl im alten Ägypten als auch bei den Hebräern dieser Zeit zu medizinischen Zwecken Anästhesien vorgenommen wurden. Die zweite Bibelstelle bestätigt dabei sogar unsere Vermutung, dass Narkosen eingesetzt wurden, wenn von den ÄLoHIM bei ausgewählten Personen genetische Manipulationen vorgenommen werden sollten. Wie gesagt: den Beweis für diese Aussage liefert ebenfalls das 1. Buch MoSchäH Kapitel 2 Vers 21, denn dort heißt es weiter: ‚…Und er nahm von seinen Zellen und verschloss mit Fleisch an ihrer Statt.‘“

Gegen diese Argumentation ist wiederum eine ganze Menge einzuwenden. Erstens bleibt völlig offen, was diese Belege aus der hebräischen Bibel für das alte Ägypten beweisen sollen. Zweitens ist an keiner der beiden Stellen irgendein Hinweis auf ein Anästhetikum zu finden, und im Zusammenhang mit Abraham wird kein chirurgischer Eingriff erwähnt. Und drittens erzählen die Geschichten einfach bildhaft von Erfahrungen, die Menschen mit Gott machen, aber nicht von medizinischen Errungenschaften der Antike.

Methoden (II,239) der „Empfängnisverhütung“ weisen Sie in den Papyri Kahun und Ebers nach, auch „Fruchtbarkeitstests“ sollen den Papyri Kahun und Berlin zufolge durchgeführt worden sein. Und diese Errungenschaften bringen sie wieder in einen Zusammenhang mit angeblich aus der Bibel gewonnenen und in einem anderen Ihrer Bücher (Dieter Vogl, „Der 7. Tag der Schöpfung“) beschriebenen Erkenntnissen (II,240):

„Wie wichtig sowohl die Empfängnisverhütung als auch die Fruchtbarkeitstests waren, geht aus der Bibel hervor, wenn wir uns die Tatsache vor Augen halten, dass die himmlischen ÄLoHIM genetische Manipulationen, was sinnvoll und logisch ist, immer nur an einzelnen Personen aus der menschlichen Population vornahmen, die bei diesen Fruchtbarkeitstest besonders gut abgeschnitten hatten. Die biblischen Berichte von Adam und Eva, Abram und Sarai, Zacharias und Elisabet, Elkana, Peninna und Hanna, aber auch die vom Maria und Josef, belegen diese Ansicht recht gut. Näher auf diesen Aspekt an dieser Stelle einzugehen, würde den Rahmen dieses Buches sprengen.“

Wieder einmal meinen Sie, für eine Behauptung keinen Beweis vorlegen zu müssen, weil Sie das ja in einer anderen Veröffentlichung angeblich bereits getan haben. Die biblischen Berichte über die genannten Paare auf positive Fruchtbarkeitstests zurückführen zu wollen, entbehrt jedenfalls jeder Logik, handelt es sich doch bei Sara und Elisabeth gerade um Frauen, die bis ins hohe Alter hinein unter Unfruchtbarkeit gelitten hatten. Die Pointe der meisten dieser Geschichten ist gerade das Wunder, dass entgegen jeder menschlichen Erwartung ein Kind geboren wurde.

Frauengesundheit und Zahntechnik

Sehr ausführlich gehen Sie auf Themen der (II,245ff.) „Frauengesundheit“ sowie der Diagnose und Therapie von „Frauenkrankheiten“ ein. Selbstverständlich kannten (II,243) „die alten Ägypter bereits den Zusammenhang zwischen Monatsblutung und Eisprung“ und sahen „die Menstruation in einem engen Zusammenhang mit dem Baum des Lebens“, bei dem es sich Ihnen zufolge (II,244) „um eine Abstraktion des Ovariums“ handeln soll, genauer gesagt halten Sie „Abbildungen auf ägyptischen Papyri, die den Baum des Lebens darstellen, mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit“ für „die vereinfachte Darstellung eines so genannten Sigitalschnitts des Ovariums“.

Dass (II,248) „nicht nur die Ägypter und Babylonier den Verlauf und die Ursache einer Schwangerschaft“ kannten, „sondern auch die Hebräer, während eine ganze Reihe ihrer Nachbarvölker kein Verständnis von der biologischen Vaterschaft hatten und aus diesem Grund auch nicht den notwendigen Zusammenhang zwischen Geschlechtsverkehr und Empfängnis als Ursache der Zeugung eines Kindes betrachteten“, führen Sie nach ihrem inzwischen zur Genüge bekannten Muster darauf zurück, „dass es in diesem Punkt eine Aufklärung gegeben haben muss. Wer diese Aufklärung durchführte, steht, zumindest für uns, außer Frage: Es waren die Schöpfer der Menschheit.“

Weiterhin erwähnen Sie die (II,253) „Fähigkeiten der altägyptischen Zahnärzte“, die durchaus funktionsfähige „Brücken“ herstellen konnten und wussten, „dass Gold im Mundraum ein recht verträgliches Material ist“. Sie beklagen allerdings (253f.), „dass bei den früheren Mumien bessere Zahntechniken zur Anwendung kamen, als bei den späteren. Es hat den Anschein, als ob das Wissen im Laufe der Zeit vergessen wurde“ und (II,254) „die magische Richtung in der Medizin den praktischen Zweig immer mehr verdrängte.“

Pharmakologie und Kosmetik

Sowohl unter den Überschriften (II,241) „Medikamente“ und (II,263) „Arzneien und Rezepturen“ als auch im Abschnitt (II,249) „Menstruationsblut als Rezeptbestandteil“ besprechen Sie die (II,241) „Herstellung von Medikamenten“, die „im alten Ägypten eine ganz normale Angelegenheit gewesen zu sein“ scheint. Versuche der heutigen Wissenschaft ergaben Ihnen zufolge (II,242), „dass die Heilmittel der Ägypter recht wirkungsvoll waren.“

Zur Spezialisierung der Medizin im alten Ägypten (II,266) zählen Sie daher auch die Arbeit der „Pharmakologen“ und der „Botaniker“. Die Rezepturen der Arzneien wurden (II,263) „überwiegend aus pflanzlichen und tierischen Stoffen“ hergestellt und enthielten „bis zu 37 Ingredienzen“. Nach „den Papyri“ waren es „mindestens 160 Pflanzenprodukte, wie beispielsweise Myrrhe, Datteln oder Sellerie, die für solche Rezepturen verwendet wurden“. Aber auch die (II,264) „Heilkräfte der Mineralien“ waren den alten Ägyptern bekannt.

Insgesamt (II,265) 64 Heilpflanzen stellen Sie als Ergebnis einer Durchforstung der „einzelnen medizinischen Papyri nach Rezepturen für Arzneimittel“ zusammen, meinen anschließend allerdings einschränkend:

„Sicher finden wir einige dieser Heilpflanzen nicht bei den alten Ägyptern, sondern erst bei den Griechen und Römern, aber es ist nun einmal eine Tatsache, dass die antike Medizin, und vor allem auch die Therapien und Rezepturen, in einem direkten Zusammenhang steht. Die Griechen haben sich in ihren Schriften auf die Ägypter bezogen, die Römer wiederum haben sich an den griechischen Vorbildern orientiert. Insofern können wir sagen und demzufolge auch davon ausgehen, da die ursprünglichen Rezepturen durch das ständige Kopieren über die Jahrtausende hinweg mit Sicherheit inhaltlich mitunter sehr stak gelitten haben, dass die alten Ägypter die selben Ingredienzien verwendeten, wie die anderen Völker auch.“

Diese Argumentation verwirrt mich. Haben Sie nun alle 64 von ihnen aufgezählten Pflanzen in den medizinischen Papyri der Ägypter gefunden – oder doch nicht alle? Aber wie soll dann die Tatsache, dass beim Abschreiben etwas hinzugekommen ist, was in den alten Texten noch nicht vorhanden ist, beweisen, dass die Texte gelitten haben, bzw. dass dieses Neue auch schon in der alten Medizin vorhanden war?

Im Zusammenhang (II,255) mit der altägyptischen Kosmetik betonen Sie einerseits, dass für die synthetische Herstellung mancher Substanzen wie der „Bleichloride Laurionit und Phosgenit … große chemische Kenntnisse“ vorausgesetzt werden müssen, und andererseits (II,255f.), „dass die alten Ägypter schon damals Kosmetika nicht nur zu Schönheitszwecken herstellten, sondern auch solche entwickelten, die eine medizinische Wirkung hatten. Ist man genau, dann ist dies eine Sensation, denn wir sind heute sehr weit davon entfernt, solche Produkte herzustellen.“ Sie nehmen sogar an, dass die alten Ägypter (II,257) „damals über Rezepturen nachdachten und sogar über solche verfügten, die dem Menschen ewige Jugend verleihen sollten.“

Für Duftstoffe zum Einsatz in der Kosmetik oder auch einer Art von (II,259) „Aromatherapie“ (II,258),

„erfanden [Ihnen zufolge] die alten Ägypter den Destillierkolben, um damit Alkohol, den Weingeist, der durch Destillation gewonnen wurde, herzustellen. Von diesen übernahmen die Araber den Destillierkolben und auf diesem Wege kam er auch in die alchimistischen Labors nach Europa. Für uns ist nun interessant, dass der Destillierkolben bereits von den alten Ägyptern gekannt wurde, denn gerade im biologischen Bereich sind derartige labortechnischen Utensilien unbedingt notwendig, wenn man beispielsweise biologische Versuche und Manipulationen durchführen möchte.“

Befragt man eine Internetseite wie Anthrowiki, dann ist diese Darstellung der Erfindung des Destillierkolbens zumindest ungenau. Denn dort heißt es:

Das Verfahren der Destillation war bereits bei den Ägyptern und in der griechischen Antike zur Herstellung von ätherischen Ölen gebräuchlich. Ursprünglich erhitzte man Pflanzenteile in einem offenen Kessel, über dem auf einem Gitter Wolle in mehreren Schichten ausgebreitet war. Die aufsteigenden Dämpfe kondensierten in den Wollschichten und das Wasser-Öl-Gemisch konnte nun ausgepresst und getrennt werden. Die Araber verfeinerten dieses Verfahren – vermutlich im 9. oder 10. Jahrhundert – mit der Erfindung des Alambic, indem sie über dem Kessel einen helmartigen Deckel mit einer inneren Auffangrinne für das Kondensat anbrachten. Der aus der erhitzten Flüssigkeit aufsteigende Dampf kondensierte an den Wänden des Aufsatzes, das Kondensat sammelte sich in dessen unterem Rand und floss durch den schnabelartigen Ausguss in ein Sammelgefäß ab.

Das heißt, die Ägypter kannten Prinzip und Verfahren der Destillation, der „Alambic“ genannte Destillierkolben wurde aber erst von den Arabern erfunden.

Sehr interessant finde ich den von Ihnen erwähnten, aber wenig gewürdigten altägyptischen Zusammenhang (II,260) nicht nur „zwischen der allgemeinen Schönheitspflege und der Medizin“, sondern auch (II,260f.) „zwischen Schönheitspflege, man denke hier nur an die Reinigungsrituale der Priester und der praktizierten Religion“ (II,261):

„Das Heilende wurde in unmittelbare Nähe des Heiligen gestellt, denn im Denken der alten Ägypter verkörperten das Gesunde und das Langlebige die himmlische Ordnung. Wobei der Mensch als eigenständiger Kosmos betrachtet wurde, was sich von dem hermetischen Gesetz ‚Unten wie Oben‘ ableitete. Das Heilige der Religion wurde dabei mit dem Heilenden der Medizin gleichgestellt. Weshalb auch die meisten altägyptischen Ärzte auch einen Titel als Priester getragen haben.“

Der Isisknoten als Tampon oder als Instrument zum Klonen?

Isisknoten mit der Kartusche von Seti I., Egyptian Museum Cairo, Foto: Juan R. Lazaro [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

Zum Abschluss des Kapitels über die Medizin der Ägypter gehen Sie (II,269) auf einen Gegenstand ein, „der in den Augen der Wissenschaftler einen Tampon darstellen soll, den die Frauen angeblich bei der Monatshygiene benutzt haben. Der Name dieses Gegenstandes lautet in Fachkreisen Tit, Tet, Isisblut oder Isis-Knoten.“ Sie verweisen in diesem Zusammenhang auf eine Abbildung, die im Text aber nicht erscheint. Zur Illustration zeige ich hier die Wiedergabe eines Isisknotens, die ich im Internet gefunden habe. Denn die „Göttin Isis“ soll einen Tampon aus Leinen benutzt haben, „während sie mit Horus schwanger war und Seth mehrmals versuchte, das Kind im Mutterleib zu töten.“

Mit diesen Sätzen widersprechen Sie zunächst einmal ihrer eigenen Darstellung achtzehn Seiten zuvor (II,251), dass „bis heute von der Wissenschaft kein entsprechendes Artefakt [der Monatshygiene] aufgefunden bzw. nicht als solches erkannt und anerkannt wurde.“ Sich zwei Seiten lang darüber aufzuregen (II,252), dass „in der männlich dominierten Fachwelt“ das Thema der „Monatshygiene der Frau“ ein „Tabu-Thema ist, über das man nicht spricht“, und in einem ganz anderen Zusammenhang beiläufig zu erwähnen, dass in der Wissenschaft dieses Thema offenbar doch behandelt wurde, ist alles andere als fair.

Ihr Problem ist allerdings, dass Sie genau diesen Gegenstand, den manche Wissenschaftler als Tampon interpretieren, eben gar nicht als solchen sehen wollen. Daher widersprechen Sie der Einschätzung (II,270), dass „die Göttin Isis … die Erfinderin des Tampons“ war. Sie gehen vielmehr

„davon aus, dass es sich dabei um einen Gegenstand handelte, mit dem man einer Frau während des Eisprungs, der etwa alle 28 Tage erfolgt, ein reifes Ei aus einem der beiden Eierstöcke entnehmen konnte, denn während des Eisprungs wird das Ei im wahrsten Sinne des Wortes in die trichterförmige Öffnung des Eileiters geschleudert und in die Gebärmutter geleitet. In den ersten 6 bis 24 Stunden dieser Wanderung durch die Eileiter zur Gebärmutter kann die Eizelle durch den männlichen Samen befruchtet werden. Sie nistet sich dann in die weiche Gebärmutterschleimhaut ein. Bleibt die Eizelle unbefruchtet oder nistet sich eine befruchtete Eizelle nicht in der Gebärmutterschleimhaut ein, wird sie zusammen mit der Schleimhaut bei der Monatsblutung abgestoßen. Hier könnte man dann das unbefruchtete Ei mit dem Tet entnehmen, außerhalb des Mutterleibes in einer Retorte befruchten und dann aus dem befruchteten Ei zum Beispiel einen Klon herstellen. Zugegeben, dies ist eine Spekulation. Aber sie steht vor allem im Konsens mit dem Papyrus des Chonsumes, auf dem ja zweifellos eine Zellteilung dargestellt wird.“

Wieder einmal versuchen Sie also mit weit hergeholten phantasievollen Konstruktionen ihre Hypothese zu bestätigen, „dass die Ärzte der alten Ägypter – zumindest die aus dem Alten Reich und womöglich sogar noch weitaus früher, das Klonen beherrschten.“

VIII. Kapitel: Der Osiris- oder Sonnenkult

Nach Ihrer Ansicht (II,272) geht der „Wiederauferstehungskult“, der mit dem „Sonnengott Ra“ und dem „Totengott Osiris“ zusammenhängt,

„faktisch auf die Regierungszeit eines Pharaos zurück…, welcher einer ägyptischen Legende nach, nach achtundzwanzigjähriger Herrschaft einer Verschwörung zum Opfer fällt, die sein Bruder Seth anzettelt, und danach, auf Betreiben seiner Schwester Nephthys und seiner Frau Isis, eine körperliche Wiederauferstehung erfährt.“

Mit (II,274) „Kapitel CLIV des Ägyptischen Totenbuches“ belegen Sie ihre Auffassung, dass „die altägyptischen Götter auch nur sterbliche Lebewesen im biologischen Sinne gewesen sind, eingereiht in den Kreislauf alles Lebendigen“, denn dort heißt es:

„Und so vergeht der Mensch…
Er vergeht unter dem starren Blick des Gottes Shu,
Wie alle Göttinnen und Götter vergehen…“

Widersprüchlich wird Ihre Argumentation dort, wo Sie es im Falle eines Mordes wie bei Osiris für kaum plausibel halten,

„dass sein Mörder einige Zellen des von ihm Ermordeten entnimmt, diese aufbewahrt oder seiner trauernden Witwe übergibt, so dass der Tote dann irgendwann wiederbelebt werden kann.“

Aber genau dieser Osiris soll doch angeblich von Isis wiederbelebt worden sein. Wobei ich auch nicht weiß, wie Sie sich das vorstellen. Wenn Osiris geklont wurde, dann ist sein vorheriger Körper trotzdem gestorben, verwest oder einbalsamiert worden. Sein bisheriges Leben mit seiner unverwechselbaren Biographie wird durch ein Kloning nicht unendlich verlängert.

Die Einschätzung der Wissenschaft, „dass Osiris immer stärker mit der Sonne identifiziert wurde und er mehr für die Lebendigen als für die Toten zuständig war“, geht nach Ihrer Auffassung „vor allem auf das im Zusammenhang mit Oriris verwendete Symbol zurück“ (II,275): „Grundsätzlich stellt die Sonnen-Glyphe nichts anderes dar als einen Kreis mit einem Punkt in der Mitte.“ Und (II,275f.)

„obwohl sich beispielsweise die religiösen und politischen Verhältnisse wandelten und es dadurch in der Bevölkerung zu immer neuen Glaubensvorstellungen kam, [änderte sich] der Symbolgehalt der Sonnen-Glyphe nie. Ebensowenig wie es bei den Symbolen des Mundöffnungsrituals, oder in der Interpretation des Skarabäus, in der religiösen Geschichte Ägyptens zu jenen Akzentverschiebungen kam, die bei den anderen Symbolen der ägyptischen Religion zu beobachten sind. Diese drei Symbole wurden niemals in ihrer Aussagekraft angetastet.“

Die Ra-Glyphe – der eingekreiste Punkt – als Symbol der Zelle?

Die (II,277) „Ra-Glyphe“, die nach der „Interpretation der Ägyptologen“ die „Sonne“ oder „Licht oder Zeit“ bedeuten soll, hat Ihnen zufolge „im Zusammenhang mit den Königs-Siegeln … mit Sicherheit eine vollkommen andere Bedeutung“, nämlich (II,277f.)

„dass dieses Zeichen ein Synonym darstellt, welches zum Ausdruck bringen will, dass der Verstorbene körperlich erweckt werden möchte. …

In der Hauptsache aufgrund der molekularbiologischen Erkenntnisse von heute sind wir zu der Überzeugung gekommen, dass auch schon die alten Ägypter mit diesem Symbol eine Zelle dargestellt haben. … Diese Behauptung, sowie unsere Interpretation dieses Symbols, wird anhand moderner Darstellungen, die wir in allen biologischen Schul- und Fachbüchern vorfinden, bestätigt.“

Aber wie soll diese Behauptung in Schul- und Fachbüchern bestätigt werden? Weil hier wie dort ein Kreis mit einem Punkt als Symbol erscheint? Wenn meine zweijährige Enkelin einen Kreis mit einem Punkt in der Mitte malt, weiß sie dann ebenfalls über das Innenleben einer Zelle Bescheid? Wie abwegig Ihre Beweisführung ist, zeigt sich bei einem kurzen Blick auf die Fülle der Möglichkeiten, was ein eingekreister Punkt nach Wikipedia alles bedeuten kann. So wenig wie alle Hunde Dackel sind, bedeuten alle eingekreisten Punkte menschliche Körperzellen.

Der Skarabäus: Hat der „Werdende“ etwas mit JHWH zu tun?

Der (II,279) „Skarabäus“, der später in der „Erscheinungsform“ des „Ra-Atum“ unter dem „Namen Chepri, ‚Der Werdende‘… das Symbol der aufgehenden Sonne“ wurde, „rollt … eine Mistkugel vor sich her, die mit einem Ei gleichgesetzt wird, aus dem neues Leben entsteht“, und wird auf diese Weise „ein Sinnbild für die Selbstschöpfung“. Insofern ist er Ihnen zufolge

„ein Symbol für das allgebiets Fortdauernde und da er stets aktiv ist, wird er zum dynamisch Werdenden. Diese Begriffe, wir werden auf sie noch später ausführlicher eingehen, sind eindeutige Fingerzeige auf JHWH.“

Und wieder schließen Sie induktiv aus einer sehr allgemeinen Interpretation zweier verschiedener Begriffe bzw. Symbole aus zwei verschiedenen Kulturkreisen, dass beides unmittelbar miteinander zu tun haben muss. In ihrer Argumentation gehen Sie sogar noch weiter (II,279f.):

„Ja noch mehr, das ägyptische Symbol der Sonne, der Kreis mit dem sich im Mittelpunkt befindenden Punkt, ist auch das Zeichen JHWHs. Sollte es bedeuten, dass auch die alten Ägypter die Bedeutung und das Geheimnis von JHWH kannten? Es wäre naheliegend, denn Osiris, der Kulturbringer der Ägypter, kam ja aus jener Gegend, in der die Menschen JHWH als Gott verehrten.“

Auch diese Argumentationen enthalten wieder Fehlschlüsse. Zwar kann das vielfältig interpretierbare Kreissymbol mit dem Punkt auch ein Symbol für das Göttliche sein, aber es ist gerade nicht speziell auf den jüdischen Gottesnamen JHWH festgelegt. Mit derselben Art der Schlussfolgerung könnte bewiesen werden, dass die alten Ägypter alle göttlichen Kräfte aller Zeiten kannten. Und dass Osiris aus Israel kam, müsste bewiesen werden; ich habe noch nie davon gehört.

Kloning im alten Ägypten (III) – das Mundöffnungsritual

In dem (II,281) „Zeichen des Erdhackens“, das Sie bereits bei der Beschäftigung mit dem „Papyrus des Chonsumes“ besprochen haben (Sie verweisen allerdings darauf, dass wir „diesem Zeichen später noch … begegnen“ werden), erkennen Sie „offensichtlich ein Instrument…, welches für das Mundöffnungsritual verwendet wurde.“ Und im Blick auf den Gott Anubis, der im Zuge dieses Rituals hauptsächlich „die Wägung der Herzen der Menschen“ vorzunehmen hatte, haben Sie eine angeblich plausiblere Idee, Sie stellen sich nämlich

„die Frage, ob Anubis, bevor er zum Gott erhoben wurde, nicht vielleicht ein Molekularbiologe war, der den Menschen nicht nach ideellen Werten bei dieser Zeremonie zu beurteilen hatte, sondern viel mehr prüfen sollte, ob das in den Zellen enthaltene Erbgut eines Menschen für eine körperliche Wiederkehr, sprich für ein Kloning, geeignet ist.“

In diesem Zusammenhang ist es für Sie auch eine (II,282) „berechtigte Vermutung“, dass es sich bei den am Mundöffnungsritual beteiligten

„vier Söhnen des Horus eigentlich nur um Klone des Osiris gehandelt haben dürfte, weil Isis den Horus, dem Mythos nach, nach dem Tod von Osiris zeugte indem sie sich selbst befruchtete.“

Und „die Hieroglyphe…, die von den Ägyptologen als Symbol des Erdhackens gedeutet wird“, soll Ihnen zufolge „eine Mitteilung“ darstellen, „die im Grunde genommen nichts anderes besagt als: ‚Ich möchte wiederbelebt werden‘.“

Sie begründen diese Ansicht mit der Abbildung von Gerätschaften auf dem Papyrus Hunefer, „auf dem die Mundöffnungszeremonie dargestellt wird“, bei denen es sich nach Dr. Andreas Ocklitz (30) „um Instrumente“ handeln soll,

„die unter anderem in der Notfallmedizin zur Wiederbelebung eingesetzt werden. Bei einer der Darstellungen soll es sich um ein Laryngoskop handeln, bei einer anderen um einen Luftröhrentubus. Ein Laryngoskop ist in seiner einfachsten Form nichts anderes, als ein an einem Stil befestigter Spiegel, der zur Inspektion des Kehlkopfes dient und dann benutzt wird, wenn man einen Luftröhrentubus legen will, der zur künstlichen Beatmung eingesetzt wird.“

In einer späteren Betrachtung des Papyrus Hunefer wollen Sie noch einen Schritt weitergehen, „denn wie der Papyrus Hunefer deutlich zeigt, könnte damit auch eine auf den genetischen Faktoren des Klonens basierende Wiederbelebung des Körpers dargestellt worden sein“.

Die Ka-Glyphe – Symbol der Erbsubstanz in jeder Zelle?

„Der Ka ist in der altägyptischen Mythologie ein Aspekt des Seelischen, der den physischen Tod des Menschen überdauert“, so beginnt in Wikipedia eine eingehende Beschäftigung mit einem vielschichtigen Begriff, der seinerseits wiederum nur einen unter mehreren Aspekten des Seelischen beschreibt.

Für Sie hingegen ist (II,283) die ausschließliche Betrachtung des Ka „als spirituelle Größe und in diesem Zusammenhang als geistig-seelische Kraft“ unzureichend; ihnen zufolge versteht sich von selbst, „dass auch die Ka-Glyphe auf einer Kartusche eine eindeutige Anweisung darstellt, dass der Verstorbene jene Prozedur wünscht mit der eine körperliche Wiederkehr erreicht wird“. Warum? Immerhin kann man, so meinen Sie,

„anhand der Erbsubstanz, die in jeder Zelle vorhanden ist, … jederzeit von einem Individuum, also auch vom Menschen, einen Doppelgänger herstellen. Wenn man so will, dann begleitet uns dieser in der Tat, so wie es der ägyptische Mythos beschreibt, ein Leben lang. Stirbt ein Mensch, dann ist die Lebenskraft in den einzelnen Zellen, also seine Erbsubstanz, noch lange nicht tot. Wir wissen längst, dass die DNS eines Verstorbenen, sofern sie dunkel gelagert wurde, im wahrsten Sinne des Wortes Jahrtausende überlebt.“

So haben Sie inzwischen vier Symbole (II,284), die in einer „Königs-Kartusche“ dargestellt sein können, von einer „biologischen Warte aus“ betrachtet und „alle nötigen Hinweise“ gefunden, „die für eine Replikation der Zellen relevant sind.“ Sie beschließen diese Betrachtung, indem Sie sich historisch in eine Reihe mit Galileo Galilei stellen:

„Hier noch, so wie es die Wissenschaftler machen, von Zufall zu sprechen, ist nicht nachzuvollziehen und zeugt für jene scholastische Ignoranz, die wir noch aus der Zeit Galileo Galileis kennen. Hier wollten die Ankläger auch nicht durch das Fernrohr blicken, weil sie einfach von vorne herein ablehnten, was sie für unmöglich hielten oder was für unmöglich gehalten werden musste, weil es sich gegen das herkömmliche Weltbild stellte. Wir Nonkonformisten können uns getrost gegen die unsinnigen Dogmen der Wissenschaftler stellen und wir können deren Lehrsätze in aller Schärfe hinterfragen.“

Osiris als Kulturbringer für Syrer und Ägypter vor 17 500 Jahren

43 Seiten vor Schluss des zweiten Bandes (II,285) kommen Sie „zurück zu den Anfängen der ägyptischen Kultur, die zu beiden Seiten des längsten Flusses der Erde, am Nil, ihren Anfang nahm“. Sie fragen sich, wie (II,286) im Umfeld der „ersten prähistorischen Kulturen Ägyptens … urplötzlich eine … hoch entwickelte Infrastruktur“ entstehen konnte,

„da umherstreifende Nomadengruppen nur sehr schwer in ein dörfliches Gemeinwesen zu pressen sind und schon gar nicht freiwillig die Freiheit des Nomadenlebens mit der Begrenztheit von Dörfern und Städten tauschen. Hier musste Überzeugungsarbeit geleistet worden sein, denn es entwickelte sich ja besagte Infrastruktur, für die es damals kaum vergleichbares gab. Wer aber leistete diese Überzeugungsarbeit?“

Diese Argumentation überzeugt nicht. Auch andere Beweggründe können dazu zwingen oder den Anreiz dazu bieten, sesshaft zu werden, etwa wenn bisher offen stehende Jagdgründe der Dürre zum Opfer gefallen sind und Landwirtschaft oder Fischfang am Ufer von Gewässern eine Alternative bieten.

Unglaubwürdig ist auch das Argument, dass es „zweifellos … für den Anbau von Feldfrüchten einer Unterweisung“ bedarf, und zwar schon deswegen, weil irgendwann einmal in einer weit zurückliegenden Vergangenheit ja irgendjemand sich die dazu notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten doch selber hätte aneignen müssen, um sie später weitergeben zu können. Das würde sogar für außerirdische Kulturbringer gelten, die noch dazu die Schwierigkeit hätten überwinden müssen, ihr auf einem anderen Planeten erworbenes Wissen an die Bedingungen auf der Erde anzupassen.

Wie dem auch sei – Sie sind nun einmal davon überzeugt, dass die alten Ägypter einen Kulturbringer gebraucht haben. Und Sie denken: Dieser könnte Osiris gewesen sein, der (II,287) nach den Zeitangaben des Herodot als „tatsächlicher König der Ägypter“ etwa 15 000 v. Chr. gelebt hat und nach der (II,287f.)

„Annahme einiger Ägyptologen … ursprünglich aus Syrien stammt und von dort ins Nildelta eingewandert ist… Wie aber, diese Frage müssen wir unbedingt beantworten, kann Osiris, selbst wenn er aus Syrien stammt, das Wissen über den Anbau von Feldfrüchten gehabt haben? Auch die Syrer wären denselben Kriterien unterworfen gewesen wie die Ägypter. ‚Von selbst‘, um es mit einem schwäbischen Sprichwort auszudrücken, ‚kommt nichts‘. Wer lehrte den Syrern den Ackerbau?“

Die Antwort darauf, wie könnte es anders sein, liegt Ihnen zufolge natürlich (II,288) bei den „ÄLoHIM“, den

„allmächtigen Wesen, die ABhRaHaM zum Auszug aus KaSsDIM verleiteten, indem sie ihm einen besonders fruchtbaren Landstrich als neuen Lebensraum versprachen. Und dies alles spielte sich genau in der Region ab, die vom fruchtbaren Halbmond begrenzt wird und demnach zwischen Babylon, Syrien, Israel und Ägypten liegt. Jene Gegend also, in der laut TORaH die ÄLoHIM den ersten Menschen geschaffen haben.“

Folgerichtig ist an diesem Geschichtsbild allerdings überhaupt nichts. Wie soll es möglich sein, dass die ÄLoHIM die Syrer oder den Osiris selbst 15 500 Jahre v. Chr. in Syrien unterrichtet haben und er zu dieser Zeit nach Ägypten ging? Nach der Bibel gab es zu diesem Zeitpunkt weder im Zweistromland noch in Syrien bzw. Palästina einen Abraham und im strengen Sinn noch nicht einmal die Menschheit, weil nach jüdischem Kalender Adam erst 3761 v. Chr. erschaffen wurde. Und Abraham – wenn er überhaupt historisch zu datieren ist – ist frühestens 2000 v. Chr. auf der Bildfläche zu erwarten. Zwischendurch müssten die ÄLoHIM noch die Sintflut geschickt und überlebt haben – waren sie mit auf der Arche oder überlebten sie in einem Raumschiff? Jedenfalls verstricken Sie sich in Widersprüche über Widersprüche, wenn Sie die Mythen der Völker als historische Geschichtsschreibung interpretieren und mit Ihrer Paläo-SETI-Hypothese in Einklang bringen wollen.

Nicht ganz deutlich wird in Ihren folgenden Sätzen über die Entstehung politischer Machtstrukturen in Ägypten, ob Sie davon ausgehen, dass Osiris persönlich noch in der Kupfersteinzeit, also im 8. oder 7. Jahrtausend v. Chr., am Leben war (II,289):

„Der neue Werkstoff, das Kupfer, förderte diese Entwicklung in ungeheurem Maße, weil Werkzeuge, Schmuck und besonders Waffen aus diesem Material die begehrtesten Objekte waren. Und genau in diesen Tagen wird unserer Ansicht nach der Grundstein für die spätere Größe Ägyptens gelegt, denn mit Osiris wird die Basis der Aristokratie im ursprünglichen Stammessystem der Ägypter installiert.“

Wenn Osiris keine bis zu 9000 Jahre gelebt hat, müsste er, als er 15 500 v. Chr. (II,288) „die erste funktionsfähige Gemeinde“ in Ägypten gründete und den Ägyptern den Ackerbau beibrachte, zugleich bereits damals die Basis für die spätere Aristokratie installiert haben, denn deren Grundstein wird ja erst in der Kupfersteinzeit gelegt, die laut Wikipedia für Ägypten etwa ab 6500 v. Chr. belegt ist.

Die religiöse Entwicklung im alten Ägypten beschreiben Sie auf recht bizarre Weise (II,290):

„Die Reduzierung der ursprünglichen Götter auf wenige … ließ … scheinbar allmächtige Wesen entstehen, welche im Laufe der Zeit unverkennbar monotheistischen Charakter annahmen und somit wurde der ägyptische Polytheismus unweigerlich zum Niedergang verurteilt.

Bezeichnenderweise hat der jüdische Monotheismus gerade hier, durch MoSchäH, seinen Ausgangspunkt. Wegen dieser Tatsache ist es daher auch nicht verwunderlich, wenn in allen drei monotheistischen Religionen immer wieder Parallelen zu den ursprünglichen polytheistischen Anschauungen gezogen werden können. So wurde aus dem jüdischen, christlichen und islamischen monotheistischen Gott unverkennbar ein polytheistischer Hochgott, der, wenn es auch nicht zugegeben wird, die verschiedenen Fähigkeiten vieler Götter vereint und ausschließlich dadurch seine uneingeschränkte Omnipotenz deutlich zeigt.“

Diese Sichtweise des Monotheismus hat mit dem Wesen des Einen Gottes, wie ihn Juden, Christen und Muslime verstehen, nicht das geringste zu tun, denn dieser steht über allen Projektionen weltlicher Mächte und Kräfte auf übernatürliche Wesenheiten. Wenn allerdings Ihnen zufolge die polytheistischen Götter in Wirklichkeit ursprünglich außerirdische Menschen waren, mögen Sie sich folgerichtig auch dazu versteigen, den monotheistischen Gott als eine aus allen denkbaren polytheistischen Gottheiten zusammengesetzte allerhöchste Gottheit zu interpretieren, was deswegen als Niedergang beurteilt werden muss, weil

„eine Vielzahl von Praktiken, die ursprünglich durchaus einen realistischen Hintergrund hatten und auf einem sachlichen Wissen beruhten, nur noch auf einer rituellen und zeremoniellen Basis vollzogen wurden, die letztlich den Bezug zur einstigen Wirklichkeit vollkommen verloren hatte.“

Nicht in den Strudel dieses Niedergangs hineingezogen wurde nach Ihrer Auffassung offenbar der ägyptische (II,291) „Totenkult“, dessen „rituelle Handlungen … sich über Jahrtausende hinweg nahezu unverändert vom Alten Reich über das Mittlere Reich zum Neuen Reich in der ägyptischen Religion verfolgen lassen“ und die „eindeutig in die Rubrik des osirischen Wiederauferstehungs-Kultes“ gehören:

„Eine der Praktiken, die mit diesem Wiederauferstehungs-Kult verbundnen ist, ist das Verfahren der Mumifizierung. Wir möchten auch diese viel versprechende Spur eingehender ausleuchten, weil wir berechtigter Hoffnung sind, dass sie uns einen Beweis für unsere Vermutung liefert, dass das hermetische Wissen der Ägypter im Grunde genommen nichts anderes war, als ein biologisch-chemisches.“

Totenkult, Mumifizierung und Hirnrekonstruktion

Vor einer intensiveren Beschäftigung (II,292) mit dem ägyptischen Totenkult erwähnen Sie die Vorstellung der Ägypter, „dass sich der Mensch, in seiner Gesamtheit als Individuum, aus insgesamt sechs Teilen zusammensetzt.“ Davon sind „chet (der Leib), ren (der Name) und schut (der Schatten) … an die weltliche Materie gebunden“, während „das ka, das ba und das ach“ als seelische „Wesenskräfte … ausnahmslos an das Geistige und das Überweltliche gebunden sind.“

Diese Gesichtspunkte greifen Sie im Folgenden aber nicht mehr auf, da es Ihnen nur noch darauf ankommt, die Auffassung zu widerlegen (II,294), „dass der uralte ägyptische Brauch, menschliche Leichen einer Mumifikation zu unterziehen, im alten Ägypten nur ideellen Zwecken diente.“ Schon gar nicht kann Ihnen zufolge eine gesteigerte Neigung der alten Ägypter zu „Todesgedanken“ und „Schwermut“ die Ursache dafür sein, „dass sie unter anderem ihre Toten für die Ewigkeit haltbar gemacht haben“.

Auch lehnen Sie die Versuche der Ägyptologen ab (II,297), „der Mumifizierungspraktik einen evolutionären Werdegang, also eine Entwicklung zu unterstellen.“ Stattdessen vermuten Sie (II,303),

„dass die Mumifizierung ein Teil jener Methoden ist, die gewährleisten sollten, dass insbesondere jene Pharaonen, welche in direkter Abstammung auf die Urkönige Ägyptens zurückgehen, zu einem späteren Zeitpunkt zu einem körperlichen Leben erweckt werden konnten. Der Beginn der Mumifizierungspraktiken, dies ergaben unsere Untersuchungen, müsste dann aber auch in eine Ära zurückdatiert werden, in der die Schöpfer der Menschheit noch auf Erden weilten. Dies geht, wie wir erläutert haben, vor allen Dingen aus den Königs-Kartuschen hervor.“

Zum ausführlich beschriebenen Verfahren der Mumifizierung stellen Sie fest, dass es (II,307)

„ein Vorgang war, der erhebliche medizinische Kenntnisse erfordert hat. Von selbst, dies steht für uns außer Frage, können die alten Ägypter die dafür notwendigen Methoden nicht entwickelt haben. Zudem sind sie zu ausgefeilt, um über einen langen Zeitraum als Prozedur von den alten Ägyptern erfunden worden zu sein. Noch dazu, weil die älteren Mumien weitaus besser erhalten sind, als die jüngeren.“

Daraus ziehen Sie den Schluss, „dass am Anfang dieser Methode ein Kulturbringer gestanden haben muss“. Aber, wie gesagt, selbst wenn die Hypothese der außerirdischen Kulturbringer stimmen sollte, muss irgendwann einmal eine Zivilisation das Verfahren der Mumifizierung zum ersten Mal herausgefunden haben. Logischerweise kann das dann aber auch damals in Ägypten geschehen sein – auf welche Weise, das wird sehr gut auf der Internetseite „Entstehung und Entwicklung der Mumifizierung“ erklärt.

Dass der (II,308) „Totenkult“ der Ägypter „so gar nichts Jenseitiges an sich hatte“, zeigt sich Ihnen zufolge zunächst einmal darin, dass „durch die Grabbeigaben der Lebensunterhalt des Verstorbenen garantiert werden“ sollte. Die (II,310) „Sichtung der Texte“ im Totenbuch macht nämlich deutlich, „dass sie in erster Linie ausschließlich biographischen Inhalts sind, vornehmlich über die Person selbst, seine Familie und seinen ausgeübten Beruf Auskunft geben“, und dass nach Ihrer Ansicht

„diese persönlichen Angaben dazu dienten, dem Verstorbenen nach seiner körperlichen Auferstehung seine ursprüngliche Identität wiederzugeben. Dieser Gedanke erscheint im ersten Moment absurd, aber von der Warte der modernen Molekularbiologie aus würde dies dennoch einen Sinn machen.“

Da bleibt mir die Spucke weg. Nicht nur im ersten, auch im zweiten und allen folgenden Momenten bleibt dieser Gedanke absurd. Zwar wissen Sie genau, dass man zwar ein Lebewesen klonen kann, aber nicht das „Bewusstsein eines Menschen … mit einem solchen Verfahren wiederherstellen“ kann. Aber Sie denken allen Ernstes,

„was sich allerdings noch nicht verifizieren lässt, dass die alten Ägypter ursprünglich nicht nur eine Methode kannten einen Organismus nach seinem Tod zu rekonstruieren, sondern es auch verstanden, die Gehirnzellen mit dem ehemaligen Bewusstsein und dem Wissen eines Menschen zu reprogrammieren.“

Wie es aber „unseren Vorfahren“ möglich gewesen sein soll, etwa mit einer auf „DNS-Chips“ basierenden Technologie, „den Inhalt eines menschlichen Gehirns dauerhaft zu speichern“, muss vollkommen schleierhaft bleiben, denn der Speicherplatz, den ein entsprechender Computer zu diesem Zweck haben müsste, würde auf der Erde kaum Platz finden. Und die Fragen, die es angeblich nahelegen, dass die alten Ägypter „unter Umständen tatsächlich ein Verfahren zur Reprogrammierung von Hirnzellen kannten, lassen sich ziemlich einfach beantworten:

„Warum sonst hätten sie so einen großen Wert auf den Erhalt des Gehirns legen sollen? Warum hätten sie sonst so penibel genau die Vita eines Menschen festhalten sollen?“

Antwort auf Frage 1: Auf den Erhalt des Gehirns haben die Ägypter ja gerade keinen Wert gelegt, sonst hätten sie es wohl nicht im Zuge der Mumifikation einfach aus dem Schädel rausgeprockelt.

Antwort auf Frage 2: Wenige Angaben zur Vita eines Menschen hätten sicher zur Programmierung eines neuen Gehirns nicht ausgereicht. Und wie gesagt: Wo hätten die Supercomputer stehen sollen, die komplette Gehirninhalte hätten speichern sollen?

Später (II,321) erwähnen Sie übrigens noch eine Einzelheit, die ihrer hier geäußerten Vermutung widerspricht. Nicht wenige Mumien sollen nämlich „zum Schutz vor Grabräubern“ umgebettet worden sein. Aber wenn solche „Verschleierungsmaßnahmen“ der Identität von Pharonen gang und gäbe waren, hätte ein bestimmter Pharao ja befürchten müssen, dass sein Klon mit einer völlig anderen Identität als seiner eigenen verbunden werden könnte. Solche Überlegungen führen Ihre These endgültig ad absurdum.

Kloning im alten Ägypten (IV) – die Wiederholung einiger Themenkomplexe

Auf den letzten 16 Seiten des zweiten Bandes der „Entdeckung der Urmatrix“ greifen Sie eine Reihe bereits erwähnter Themenkomplexe zum wiederholten Male auf. Auf Seite II,312 wird als „sonderbare Tatsache“ erwähnt, dass „die ältesten Mumien, die von Archäologen ausgegraben wurden, die am besten erhaltenen“ waren. Das war auf Seite II,307 schon einmal beschrieben worden. Im Abschnitt (II,313) über „Rituale zur Lebenserhaltung“ gehen Sie ein zweites Mal auf den angeblich als „Widerbelebungsmaßnahme“ zu verstehenden „symbolischen Akt des Mundöffnungsrituals“ ein, für dessen Durchführung „unsere ägyptischen Altvordern“ auf die Unterrichtung durch „außerirdische Kulturbringer“ angewiesen waren (II,313f.), „denn eine Notfallmedizin erfordert ein hohes Maß an medizinischem Grundwissen.“ Wiederholt wird auf Seite II,315 als einziges Ziel der Mumifikation: „Sie sollte die sterblichen Überreste des Königs vor dem Verfall schützen und einigen Zellen das Überleben garantieren.“ Neu ist auf dieser Seite lediglich die korrekte Umschreibung eines solchen Ziels im Sinne der „Klonierung der Zellen eines Menschen“ als „Pseudounsterblichkeit“ im Gegensatz zu einer im diesseitigen Leben unmöglichen realen Unsterblichkeit.

Im Nachwort schließlich wiederholen Sie (II,324) das Ergebnis wissenschaftlicher „Untersuchungen an Mumien“, dass im alten Ägypten „die mittlere Lebenserwartung nur ungefähr 32 Jahre betrug“, was allerdings, „wenn überhaupt, nur auf das einfache Volk“ zutraf. Wenig später allerdings (II,325) wollen Sie seltsamerweise nicht glauben,

„dass ein Kulturvolk wie das der alten Ägypter trotz aller sozialen Unterschiede eine Zweiklassengesellschaft hatte, in der die eine Hälfte in Saus und Braus lebte und die andere bis zum bitteren Tod in absoluter Unterernährung gehalten wurde und darben musste. Wie gesagt, wir denken, dass dies nicht so ist, denn obgleich das einfache Volk keine große Lebenserwartung zu haben schien, sind dies doch letztlich nur Ausnahmen. … Zudem weiß man mit Sicherheit, dass eine ganze Reihe von Pharaonen über einen wirklich sehr langen Zeitraum regiert hat. Was eine lange Lebensdauer zwingend notwendig macht: Unter anderem Pepi II. (VI. Dynastie) über 90 Jahre und Ramses II. (XIX. Dynastie) ganze 67 Jahre.“

Aber gerade der Durchschnittswert der Lebenserwartung galt doch für das einfache Volk und kaum für die sicher ernährungsmäßig und medizinisch besser versorgten Pharaonen. Und noch einmal argumentieren Sie sehr seltsam:

„Für die Frauen, so die Wissenschaft, soll das 25. Lebensjahr besonders kritisch gewesen sein. Wahrscheinlich, so die Ägyptologen, wegen der oft mit Problemen verbundenen Mutterschaft. Auch dieses Postulat können wir nicht so ohne weiteres hinnehmen, denn gäbe es so große Probleme mit der Mutterschaft, dann wäre die gesamte Menschheit sicherlich schon ausgestorben.“

Dieses Argument verrät eine große Ahnungslosigkeit bezüglich der Müttersterblichkeit im Wochenbett, die noch bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts sogar in Europa sehr häufig zu beklagen war und die natürlich trotzdem zu keiner Zeit zum Tode aller jungen Mütter geführt hat.

In einem der letzten Abschnitte des zweiten Bandes der „Urmatrix“ geben Sie schließlich offen zu (II,319): „Der Beweis ist unmöglich“! Man findet nämlich „kaum noch eine Mumie, deren Zellen mittels genetischer Verfahren reproduzierbar sind“, und zwar weil man (II,320) zum Schutz der Mumien etwa vor „Schimmelpilzen“ oder zur Erfassung des Innenlebens der Mumien „Röntgenstrahlen“, „Gammastrahlen“ und „Chemikalien“ verwendete, „die alles Leben abtöteten“:

„Und so hat die Wissenschaft zwar die Mumien erhalten, aber uns gleichzeitig auch der Möglichkeit beraubt, mehr über die menschliche Vergangenheit in Erfahrung bringen zu können. Vor allem aber wurde uns so die Möglichkeit genommen, nachweisen zu können, dass unsere Vorfahren das Kloning gekannt haben und sich aus diesem Grunde mumifizieren ließen.“

Band III:
Der Baum des Lebens

Der dritte Band der Urmatrix (siehe Inhaltsverzeichnis III,4-8) enthält elf Kapitel, von denen sich zwei mit „anatomischen“ bzw. „historischen Gesichtspunkten“ befassen, ein drittes nochmals „anatomische Besonderheiten“ aufgreift, während vier weitere sich mit „historischer Chirurgie“, „Betäubung“, „Transplantation“ und „Kloning“ beschäftigen. Einem achten Kapitel über „das menschliche Alter“ folgen zwei Kapitel über 1. Mose 1,26 und 2,7 und ein letztes über den „Jahwe-Kult“. Im Anhang folgt schließlich die Patentschrift, auf deren Begründung und Fundierung Ihr gesamtes Werk hinausläuft.

Peter Krassa legt Schöpfungsmythen aus: Maya – Sumerer – Bibel

Zur Einstimmung auf den abschließenden Teil der Urmatrix-Trilogie entfaltet (III,12) Peter Krassa seine „Feststellung“ über „die vielfältigen Schöpfungsmythen der Kulturvölker…, dass sich in den uns vorliegenden legendären Überlieferungen jede Menge Hinweise über ungewöhnliche Gen-Versuche an der Spezies Mensch finden lassen“.

Eigenartig finde ich es allerdings (III,9), dass „in der sogenannten ‚Maya-Bibel‘ – dem Popol Vuh“ die Erschaffung der Menschen (III,11) aus „Erde“, die doch im Schöpfungsbericht der hebräischen Bibel gut gelingt (1. Mose 1,31), zu einem Misserfolg führt:

„Aus Erde machten sie des Menschen Fleisch. Aber sie sahen, dass es nicht gut war. Denn es schwand dahin, es war zu weich, es bewegte nicht den Kopf, das Haupt hing zu einer Seite, der Blick war verschleiert, es konnte nicht rückwärts blicken. Wohl sprach es, aber es hatte keine Vernunft. Bald weichten es die Wasser auf, und es sank dahin.“

Bezeichnend für die Beweisführung auch von Peter Krassa ist eine Bemerkung über die (III,13) „Schöpfungsmythe der Sumerer“, die von der Produktion der „Gattung Mensch … in der Schöpfungskammer der Götter, in ihrem Hause Duku“, berichtet:

„Nimmt man die Überlieferung besonders genau, dann drängt sich sogar die Vermutung auf, wonach der Schöpfungsakt in einem (natürlich außerirdischen) Laboratorium stattgefunden haben dürfte. Lasen wir zuvor nicht etwas von einem ‚Hause Duku‘? Ein Haus aber ist zwangsläufig ein Gebäude, somit also ein fester Bestandteil. Dieses Gebäude muss sich im besonderen Fall irgendwo hoch über der Erdoberfläche befunden haben. Jedenfalls bezeugt dies die betreffende Textstelle.“

Nur einer übersteigerten Phantasie muss sich eine solche Vermutung aufdrängen. Der Fehlschluss ist offensichtlich: Der Begriff „Haus“ bezeichnet nicht zwangsläufig ein Gebäude, er kann ja etwa im Falle eines „Königshauses“ auch eine Dynastie bedeuten und in legendarischer Erzählweise metaphorisch gebraucht werden. Schon gar nicht muss er, wenn in einer Göttergeschichte vom Himmel die Rede ist, ein Laboratorium auf einem anderen Planeten oder einer Weltraumstation meinen.

Krassas Deutung von (III,14) „Evas Zeugung aus Adams ‚Rippe‘“ schließlich erweist sich als nicht ganz vereinbar mit Ihren Annahmen über den TeNaK, führt Krassa doch diesen in seinen Augen fehlerhaften Bericht auf ein „Unverständnis jener Exegeten“ zurück,

„die einst an der Wiege alttestamentlicher Aufzeichnungen standen. Ihr Bericht basiert nämlich auf einem sumerischen Vorbild: Dem berühmten Dilmun-Gedicht. Darin ist unter anderem auch von den kranken Organen des Gottes Enki die Rede.

Eines davon war bezeichnenderweise – die Rippe.“

Weil nun in der sumerischen Sprache das Wort „ti“ einerseits „Rippe“ bedeutet, andererseits aber auch mit „Leben schaffen“ übersetzt werden kann, bringt Krassa beides folgendermaßen mit der biblischen Erzählung zusammen:

„Im Sinne der heute gültigen Molekularbiologie hätte demnach ‚Gott‘ (oder, wie bei den Sumerern nachzulesen: die Göttin Nin-ti) dem biblischen Adam (sumerisch: adamah) ‚Lebenskraft‘ entnommen, um danach die ‚Männin‘ Eva zu schaffen.

Was aber ist ‚Lebenskraft‘? Nichts anderes als die Urform alles Lebens – die Zelle!“

Auch Krassa nutzt also den fehlerhaften induktiven Schluss vom Allgemeinen aufs Besondere, den ich Ihnen schon mehrfach ankreiden musste: Nicht jede Lebenskraft ist identisch mit einer menschlichen Zelle, wie nicht jeder Hund ein Dackel ist!

Gentechnik im Spannungsfeld ethischer Probleme

In der Einleitung beschreiben Sie (III,17) die Versuche „der Firma Clonaid“, die nicht nur „das Klonen von Menschen, sondern auch … die Übertragung des Gedächtnisses und der Persönlichkeit“ im Sinn hat und der „Rael-Bewegung nahe“ steht, „die die Thesen der Paläo-SETI-Forschung zu einer Art von neuer Religion erweitert hat“. Solcher (III,19) „neureligiösen Mystik“ erteilen Sie eine klare Absage, zumal Sie die Aussicht, „dass in absehbarer Zeit der Versuch zum Klonen eines Menschen eingeleitet werden“ könnte, sehr kritisch beurteilen:

„Neben der ethischen Problematik stehen den Klon-Versuchen ganz praktische biotechnologische Hindernisse im Weg. Herangezogen werden dabei unter anderem auch die Ergebnisse, die man bei der künstlichen Erzeugung des Klon-Schafes ‚Dolly‘ vor einigen Jahren gewonnen hat. Damals bedurfte es ganzer 277 Versuche, bis das Experiment gelang. Zudem ist mit einer hohen Zahl von Totgeburten und mit Missbildungen zu rechnen.“

Sie selber heben als Alternative zu derartigen Versuchen nochmals Ihr (III,18) auf Grund von kabbalistischen Studien entworfenes Patent „für die genetische Rekonstruktion menschlicher Organe unter Verwendung von körpereigenen Zellen“ hervor, wofür bis „Ende Juni“ (des Jahres 2009 – des Erscheinungsjahres von Band 3 der Urmatrix?) „noch kein konkurrierendes Verfahren“ beim Europäischen Patentamt angemeldet wurde.

Im Zusammenhang mit dem (III,20) von Ihnen als historisch gefeierten Tag („26. Juni 2000“), an dem die Entschlüsselung des menschlichen Erbguts verkündet wurde, lassen Sie allerdings erkennen, wie laienhaft und dann doch auch ethisch bedenklich Sie an die Wissenschaft der Genetik herangehen:

Argumenten von einem „Gegner der Gentechnik“ wie „Thomas P. Weber“, der zu bedenken gibt, dass Gene nicht allein verantwortlich sind für menschliche Merkmale, sondern dass komplexe Prozesse der individuellen Entwicklung dabei eine Rolle spielen, begegnen Sie mit dem pauschalen Vorwurf (III,21): „Weber polemisiert und reiht sich damit in die große Schlange der notorischen Neinsager ein.“

Sie hoffen auf die Ausmerzung schwerer „Erbkrankheiten, die durch zu viele oder zu wenige Chromosomen verursacht werden“, und versäumen es, zu erwähnen, dass zur Zeit die Lösung dieses Problems in der von vielen als fragwürdig angesehenen Früherkennung und Abtreibung betroffener Föten besteht.

Sie beklagen (III,22) „unsinnige Gesetze“, die im Rahmen der „In-Vitro-Fertilisation in der Retorte“ die Kontrolle befruchteter Eizellen „auf genetische Defekte“ und ihre Therapie „mittels genetischer Manipulationen“ verbieten, und scheinen sich darüber zu freuen, dass nach Manfred Kottmann (31) bald „Gentechnik und Reproduktionstechnik zu einer neuen Biotechnologie verschmelzen“ werden und durch „Genmanipulationen und Kloning“ (III,23) „Wunschkinder nach Maß produziert werden [können]: Wenn das gesamte menschliche Genom aufgezeichnet ist, können die genetischen Merkmale des neuen Menschen auf Bestellung selektiert und zusammengebaut werden.“ Nur solche genetischen Manipulationen, die lediglich kosmetisch motiviert sind, möchten auch Sie verhindern.

Kloning in der Bibel (II) – der Baum des Lebens

Noch vor Beginn des 1. Kapitels von Band 3 wiederholen Sie unter Bezug auf 1. Mose 2,21-23 Ihre bereits auf Seite II,200 beschriebene Überzeugung (III,24), dass „die ÄLoHIM … schon vor Jahrtausenden mit der Gentechnik bearbeitet“ haben, also (III,25) „während der Schöpfung mit einer Technik zu Werke gingen, die mit der modernen Gentechnik vollkommen identisch ist“, denn (III,26):

„Alleine die Formulierung ‚Gebein von meinem Gebein‘ und Fleisch von meinem Fleisch‘, lässt kaum einen Zweifel aufkommen, dass damit in den Versen 2:21 bis 2:23 ein Sachverhalt beschrieben wurde, der den molekulargenetischen Bereich des Klonens umfasst. Denn im biologischen Sinne bezieht sich die Bezeichnung Klon auf Zellen mit identischem Genotyp.“

Muss ich wiederholen, dass Sie hier erneut induktiv falsch den Schluss ziehen, dass eine vielfältig interpretierbare allgemeine Aussage („Gebein von meinen Gebein“) zwangsläufig identisch sein muss mit einem sehr speziellen Sachverhalt in einem völlig anderen Kontext in weit entfernter Zukunft („geklonte Zellen mit identischem Genotyp“)?

Sie sind umgekehrt davon überzeugt (III,28), dass sich die moderne Wissenschaft selbst etwas vormacht. „Sie will nicht wahrhaben, dass in der TORaH ein biologisches Wissen enthalten ist, das dem modernen nicht nur gleichkommt, sondern sogar bei weitem übertrifft.“ Insbesondere soll (III,29)

„der biblische Baum des Lebens, vor allem so wie er in der Kabbala beschrieben wird, … eigentlich nichts anderes [sein] als ein gigantisches Verzeichnis von Formeln aus der anorganischen und organischen Chemie, aber auch aus allen Disziplinen der Biologie.“

Sie haben also nichts Geringeres vor, als der modernen Genwissenschaft auf die Sprünge zu helfen, damit sie ihre Forschung endlich auf die richtige Art und Weise betreibt (III,30):

„Und egal von welcher Warte wir heute den biblischen Baum des Lebens daher auch betrachten, er stellt derzeitig die einzige Möglichkeit dar, jene molekularbiologischen Verflechtungen im Vorfeld jeglicher Forschung zu erkennen und dadurch beispielsweise folgerichtig vorherzusagen, auf welchen Chromosomen wir nach jenen Gensequenzen suchen müssen, die für den Aufbau eines bestimmten Organs verantwortlich sind.“

Im vorliegenden Buch sind nunmehr die „Ereignisse“ zusammengefasst,

„die letztlich zu den Patenten für die genetische Rekonstruktion von menschlichen Organen geführt haben und die nur durch die Entdeckung der Urmatrix möglich waren“.

Ihre Ankündigung, dass auf die bisher angemeldeten „zwei Hauptpatente mit 40 Nebenpatenten … in absehbarer Zukunft etwa 120 Hauptpatente folgen“ werden, scheint allerdings bis heute nicht in die Tat umgesetzt worden zu sein.

I. Kapitel: Anatomische Gesichtspunkte

Unter der (III,32) Überschrift „Maaseh Tobiyyah“, die in dem so überschriebenen Abschnitt keinerlei Erklärung findet, setzen Sie sich mit der in Ihren Augen falschen Ansicht auseinander, „dass man zu allen Zeiten anatomische Untersuchungen vornehmen konnte“.

Dass es (III,36) „im 3. Jahrhundert v. Chr. …, gefördert durch die griechischen Ptolemäer, im ägyptischen Alexandria“ zu den „ersten wissenschaftlich durchgeführten Sektionen des menschlichen Körpers“ kam, hat Ihren zufolge damit zu tun, dass (III,37) „es die Ptolemäer den Pharonen gleichtun und vor allem jenes Wissen reaktivieren wollten, mit denen die altägyptischen Könige der Überlieferung nach in der Lage waren, eine Leben nach dem Tode zu führen“, und dass „man eine Säkularisierung jenes Wissens herbeiführen wollte, mit dem der menschliche Körper für ein Leben nach dem Tod vorbereitet werden sollte“. Aber nach dem Tod der Herrscher Ptolemäus I. und II., die Sie als „die treibende Kraft hinter der anatomischen Forschung“ sehen, soll es Ihrer Auffassung nach über Jahrhunderte hin keine Humansektion mehr gegeben haben, ebenso wie es sie zuvor auch in Ägypten nicht gegeben habe.

Anatomie-Wissen des Tobias Kohen – altes Priesterwissen der Hebräer? (I)

Von daher wundert es Sie, dass (III,39) das 1707 veröffentlichte Buch „Ma‘aseh Tobiyyah“ des jüdischen Arztes Tobias Kohen (ca. 1652-1729) anatomisches Wissen enthät, das „die Ärzte der Juden … eigentlich gar nicht gehabt haben“ dürften, weil es ihnen „nämlich – zumindest zeitweise – sogar bei Todesstrafe verboten [war], den menschlichen Körper aufzuschneiden oder gar eine Sektion durchzuführen“. Ich will nicht wiederholen, was ich Ihnen zu diesem auf Seite I,233f. schon einmal angeführten Argument bereits geantwortet habe.

Sehr verquer ist Ihre Argumentation (III,43), dass Kohens Werk einerseits „so unausgereift und an vielen Stellen so mangelhaft“ erscheint, dass es nicht auf die „neuesten anatomischen Darstellungen“ seiner Zeit zurückgegriffen haben kann, also folglich „wesentlich älter sein [muss], als bisher angenommen“, sich dann aber andererseits die Frage stellt: „von wem hatte der Verfasser dieses Buches sein Wissen, denn wenn es älter ist, dann ist es wieder viel zu gut.“

An dieser Stelle behaupten Sie (III,44), dass Tobias Kohen ein „direkter Nachkomme der Familie AHaRoNs“, gewesen sein muss, denn nur männliche Abkömmlinge Aarons durften den Titel „KoHeN“ tragen, was „die Bezeichnung für den jüdischen Priester“ ist. Und als solcher gehört Tobias Kohen für Sie in die

„direkte Linie von Eingeweihten Personen…, die man bis in jene Zeit zurückverfolgen kann, in denen die ÄLoHlM noch unter den Menschen weilten und den Priestern der alten Hebräer jenes biologisch-medizinische Wissen übergaben, welches wir heute Zug um Zug in ihren Schriften wieder entdecken.“

Die Bibelstelle 2. Mose 28,1, auf die Sie sich berufen, enthält allerdings nicht einmal die Andeutung eines Beweises für Ihre Vermutung, dass die Priester in biologisch-medizinisches Wissen eingeweiht wurden.

Ihre weiteren Ausführungen über die Geschichte der Priester Israels enthalten Widersprüche und fehlerhafte Argumentationen.

War die samaritanische Tora die ursprüngliche Tora? (II)

Zunächst darf ich mich durch Ihre Ausführungen unter der Überschrift (III,45f.) „Die Versprengung der KoHeN“ darin bestätigt fühlen, eine von Ihnen bejahte Frage aus dem ersten Band der „Urmatrix“ verneint zu haben. Denn Sie stellen fest:

„JiSsRaEL, das Reich mit den zehn Stämmen und vor allem deren Oberschicht, wurde … praktisch vollkommen ausgelöscht. Es hat, zumindest oberflächlich, keinerlei Spuren in der Geschichte hinterlassen.“

Sie merken vermutlich nicht einmal den Widerspruch zu Ihrer auf Seite I,75ff. geäußerten Überzeugung, dass die samaritanische Tora die ursprüngliche Tora gewesen sein soll, denn die Hauptstadt Israels bezeichnen Sie hier nicht mit dem dort verwendeten Namen „Samaria“, sondern mit ihrem hebräische Namen „SchoMöRON“.

Entmachtung der Erstgeborenen Israels durch levitische Priester?

Die (III,49) „bevorzugte Stellung der KoHeN“ hängt Ihrer Auffassung nach damit zusammen, dass nach 2. Mose 13,1-2 und 19,5-6 ursprünglich „alle Erstgeborenen“ der Israeliten für JHWH „als KoHeN“ geheiligt werden sollten. Als aber (III,50) „die Erstgeborenen der Hebräer am Berg ChoReBh dem Götzendienst verfielen und das Golden Kalb herstellten und es anbeteten, änderte sich das und JHWH bestimmte, dass ausschließlich die Söhne LeWIs seine KoHeN werden sollten“, und „diesen geschichtlichen Aspekt“ wollen Sie mit 4. Mose 8,16 belegen. Aber Ihre aus diesen Überlegungen gezogene Schlussfolgerung ist grundfalsch (III,51):

„Nachdem von den ÄLoHIM die Erstgeborenen entmachtet und die LÖWiJiM als Priester eingesetzt wurden, setzen sie AHaRoN, der wie MoSchäH direkter Nachkomme LeWIs war als Hohenpriester ein, um im Mischkan [der Stiftshütte] zu dienen. Dies geht unmissverständlich aus dem 2. Buch MoSchäH den Versen 28:1 hervor.“

Nein, es geht hier nicht um eine Entmachtung der „Erstgeborenen“. Wenn 2. Mose 28,1 „unmissverständlich“ die Einsetzung der Leviten als Priester bestätigen soll, bevor Aaron als Hoherpriester eingesetzt wird, wieso werden dann die Leviten erst lange nach der in 2. Mose 28,1 beschriebenen Einsetzung der Priester in 4. Mose 8,15 mit ihrem Tempeldienst beauftragt?

Hinzu kommt, dass die beiden Bibelstellen 2. Mose 13,1-2 und 19,5-6 gar nicht dasselbe Thema behandeln:

In 2. Mose 19,5-6 geht es darum, dass das ganze Volk Israel (und nicht nur die Erstgeborenen) für JHWH „ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein“ soll. Und es sind nach 4. Mose 16,3 gerade Leviten, die gegen Mose und Aaron die Parole ausgeben: „Alle sind heilig… Warum erhebt ihr euch über die Gemeinde JHWHs?“

In 2. Mose 13,1-2 dagegen geht es zwar wirklich um die Heiligung der Erstgeburt „bei Mensch und Vieh“. Und die Tora legt fest, dass diese Erstgeburt im Falle des Menschen jedoch nicht (wie es in den altorientalischen Kulten – ursprünglich auch in Israel – gang und gäbe war) als Opfer für JHWH getötet werden darf; vielmehr soll der gesamte Stamm Levi nach 4. Mose 3,12 und 8,16 „statt der Erstgeburt aller Israeliten“ JHWH gehören, indem er Priesterdienst für ihn leistet. Mit dem Goldenen Kalb hat diese Beauftragung aber nichts zu tun.

Ihr Irrtum mag dadurch zustande kommen, dass es tatsächlich der Stamm Levi ist, der sich Mose zur Bestrafung des Volkes für die Anbetung des Goldenen Kalbes anbietet (2. Mose 32,25-28). Aber – wie gesagt – die Beauftragung zum ausschließlichen Priesterdienst der Leviten durch JHWH erfolgt nicht in diesem Zusammenhang.

Kloning in der Bibel (III) – Die Blutmagie des „Goldenen Kalbes“

In der Überlieferung vom Goldenen Kalb (III,52) sehen Sie „eine ganz unglaubliche und nahezu sensationelle Geschichte“. Während Mose lange auf dem Berg Gottes (Sinai oder Horeb) verweilte, „verlor das Volk offenbar seine Zuversicht und sie forderten von AHaRoN, dass er ihnen einen Gott anfertigen soll, der sie in der Wüste in gelobte Land führt.“ Aus dem, was nun folgt (III,53), wollen Sie so weitreichende Schlüsse „für die Paläo-SETI-Forschung“ ziehen, dass ich die beiden Verse 2. Mose 32,2 und 32,4 wörtlich nach der von Ihnen zitierten DaBhaR-Übersetzung wiedergebe:

32:2 Und AHaRoN sprach zu ihnen: Reißt weg die goldenen Schmuckreife, welche in den Ohren eurer Weiber, eurer Söhne und eurer Töchter, und bringt sie mir.

32:4 Und er nahm es aus ihrer Hand und umdrängte es, es formend mit dem Griffel, und machte es zu einem Kalb als Maskengegossenes. Und sie sprachen: Dies sind deine ÄLoHIM, JiSsRaEL, aus dem Erdland MiZRaJiM.

Den ersten Halbsatz von Vers 4 wollen Sie nun wörtlich mit (III,54)

„Und er nahm aus ihrer Hand Blutwasser (oder verwässertes Blut) und umdrängte es“

übersetzen, und zwar, weil da das Wort „mijadam“ steht: „Geht man nun auf die Wortwurzeln dieses Begriffes ein, dann trifft man auf die Begriffe MaJiM und DaM.“ Aber das ist schlicht falsch. „Mijadam“ ist die abgekürzte Form von „MiN JaDaM“, was nichts anderes bedeutet als „aus ihren Händen“ (MiN = „aus“; JaD = „Hand“; das Schluss-M gibt an, wessen Hände es sind: dritte Person Plural = „ihren“). Im Text steht weder das Wort MaJiM = „Wasser“ noch das Wort DaM = „Blut“. Nach der von Ihnen hier angewendeten Logik müsste etwa der Satz „Ich habe kein Bargeld dabei“ übersetzt werden mit: „Ich habe kein Gel dabei, was ich für die Bar brauche“, weil aus den Buchstaben des Wortes „Bargeld“ zufällig auch die Worte „Bar“ und „Gel“ gebildet werden können.

Weiter wollen Sie aus der Wurzelverbindung zwischen dem hebräischen Wort ChäRäT für „Griffel“ und ChaRTuMeJ (nicht Chartumim) für die „Zauberer Ägyptens“ (was man wörtlich mit „Schreiber“ übersetzen kann, allerdings auch, wie Sie es wollen, mit „Formgeber“) einen Zusammenhang zum kabbalistischen Buch „Sefer ha Jezira“ herstellen, „das man mit ‚Buch der Formung‘ übersetzen muss“.

Dann gehen Sie auf das hebräische Wort „jizer“ ein, das angeblich „in diesem Vers für ‚schuf‘ benutzt wird und ‚formen‘ bedeutet“. Und Sie ziehen eine Menge Schlüsse aus der Tatsache, dass dieses Wort auch „in den Schriften der Kabbala“ sowie im „zweiten Schöpfungsbericht bei der Erschaffung der äußeren Form der Tiere – in der noch keine Seele enthalten ist – von den biblischen Chronisten verwendet wird“ (wobei Sie seltsamerweise die äußere Form mit dem „Phänotypus eines Lebewesens“ und die Seele mit dem „Genotypus“ gleichsetzen). Nur steht in diesem Vers gar nicht die Form WaJiTsäR = „und er schuf, er formte“ der hebräischen Wurzel JaTsaR, sondern die Form WaJaTsaR der Wurzel TsUR, die man zwar ebenfalls mit „gestalten, formen“ übersetzen kann – sie kommt aber gar nicht an den anderen genannten Orten vor. Auch wird das Wort hier nicht für „schuf“ gebraucht, sondern eben für das „Formen“ des Goldes mit einem Griffel, Meißel oder anderen Gerät zur Formung, bevor aus dem Material ein gegossenes Kalb gemacht wird.

Aus all diesen falsch interpretierten Indizien im hebräischen Urtext von 2. Mose 32,4 folgern Sie nun messerscharf (III,55), dass

„AHaRoN möglicherweise mit dem Wissen der ägyptischen Priester-Ärzte, die bis in die Epoche von John Dee oder Giordano Bruno noch als sehr mächtig angesehen wurde, die so genannte Blutmagie betrieben hat, um ein ägyptisches Götzenbild zu schaffen. Und es liegt hier ebenso die Vermutung nahe, dass es sich dabei anstatt um ein metallenes kalb aus Gold um ein lebendiges Kalb aus Fleisch und Blut gehandelt hat. In diesem Zusammenhang drängt sich außerdem die Idee auf, in der Hauptsache, wenn wir moderne Maßstäbe ansetzen, dass dieses Kalb mit Hilfe von genetischen Manipulationen und womöglich durch Kloning geschaffen wurde.“

Wie schräg das ist, liegt auf der Hand. Wie sollte innerhalb der kurzen Zeit, die Mose auf dem Berg war, ein geklontes Kalb entstanden sein? Wenn die Leute schon nicht die Geduld hatten, auf Mose zu warten, wie sollten sie neuneinhalb Monate auf ein geklontes Kalb hätten warten wollen? Und woher nahm Aaron in der Wüste eine Kuh, um die künstlich befruchtete Eizelle durch sie austragen zu lassen? Schon auf der Erzählebene der Geschichte ist Ihre Idee völlig absurd. Dass der Talmud von zwei Schülern eines Rabbiners berichtet, die „sich mit dem Geheimnis des Sefer ha Jezira beschäftigten und ein junges Kalb erschaffen haben, welches sie verspeisten“, belegt nur, dass es auch Verfasser des Talmud gab, die einen Bruchteil der Phantasie besaßen, mit der Sie an die Auslegung der Bibel herangehen.

Nebenbei bringen Sie in diesem Zusammenhang nochmals Abraham, Mose und Jesus mit dem kabbalistischen Buch „Sefer ha Jezira“ in Verbindung, da sich alle drei (III,55f.) „über einen längeren Zeitraum hinweg in Ägypten aufgehalten“ haben. Wie schon gesagt, ist das im Falle Jesu allenfalls für seine früheste Kindheit gelebt. Abwegig ist es übrigens auch, für Jesus die Umschrift JESuUS zu verwenden – die griechische Form des Namens müsste man mit IEeSOUS umschreiben, seinen ursprünglich hebräisch-aramäischen Namen mit JöHOSchuAˁ oder in Kurzform mit JeSchUAˁ. Dass „die vielen Wunder“ Jesu

„sich allesamt, von der wundersamen Brot- und Fischvermehrung über die Heilung von Kranken, die Erweckung von Toten bis hin zu seiner eigenen leiblichen Auferstehung, mit dem biologischen Wissen von heute erklären und die blasphemische Vermutung aufkommen lassen, JESuUS habe altägyptische Blutmagie in Form von Kloning betrieben“,

setzt den Auswüchsen Ihrer blühenden Phantasie die Krone auf. Klar kann man alles in eine Zeit hineingeheimnissen, von der man keinerlei Überlieferungen hat. Aber die Wundererzählungen selbst lassen jedenfalls keine Anzeichen dafür erkennen, dass die Leute längere Zeit auf geklontes Fleisch hätten warten müssen, dass irgendjemandem Zellen entnommen worden wären, dass der Wanderprediger Jesus über Kliniken verfügt hätte. Und wie soll man Brot klonen?

Weiter fragen Sie (III,57), „warum die Hebräer ursprünglich ein Volk von Priestern sein sollten. Wir sind der Ansicht, dass die KoHeN ursprünglich eine Art Elitetruppe darstellte, die, ähnlich unserem Fahneneid bei Soldaten heute, auf die ÄLoHIM eingeschworen waren“ und wie die Priester der Ägypter „in ihren Tempel offenbar ein medizinisches und biologisches Wissen“ zu schützen hatten (III,58):

„Wie aus den Texten des 4. Buch MoSchäH 4:1-4 zweifelfrei hervorgeht, sollen wehrfähige Männer das von MoSchäH zu erbauende Mischkan [Heiligtum] bewachen.“

Davon steht in diesen Versen aber überhaupt nichts. Zwar werden die Söhne Kehats mit einem Dienst an der Stiftshütte, dem heiligen Zelt, das die Israeliten während der Wüstenwanderung von Ort zu Ort mit sich führten beauftragt; dieser Dienst wird aber erst in 4. Mose 4,15 genau beschrieben: Er besteht lediglich darin, die zuvor (4. Mose 4,5-14) von den Söhnen Aarons eingepackten heiligen Gegenstände zu tragen, und zwar ohne sie selbst zu berühren, wenn das Heer der Israeliten aufbricht.

Ein weiterer Bibelvers (III,59) vermittelt angeblich die Erkenntnis, „dass es sich tatsächlich um altägyptische Blutmagie gehandelt hat und dass es sich bei der Erschaffung des Goldenen Kalbes um die Anwendung von Wissen der Priesterärzte des Pharaos handelte“, nämlich 2. Mose 32,25 (nach der DaBhaR-Übersetzung):

„32:25 Und als MoSchäH das Volk sah, dass es ungebändigt war, denn AHaRoN hatte es entbändigt, zum Gewisper inmitten der wider sie Aufständischen.“

Zu dem Begriff „ungebändigt“ schreiben Sie: „Übersetzt man es ins Hebräischen, wird es PöRaOT geschrieben. Das Grundwort ist PaRoH, was nichts anderes als Pharao bedeutet“, und darin vermuten Sie einen „versteckten Hinweis…, dass AHaRoN die Methoden und das Wissen der Priesterärzte des Pharaos benutzt hat, um den ägyptischen Götzen zu erschaffen?“

Unsinnig ist es schon mal, dass Sie das Wort „ungebändigt“ ins Hebräische übersetzen wollen. Die Ursprache ist ja nun mal Hebräisch, also ist es umgekehrt. Das Grundwort PaRaˁ mit dem Konsonanten Ajin am Ende kann „loslassen“ (die Haare z.B.) bedeuten, aber auch „führen“. Von daher ist möglich, dass das Wort PaRöˁoH = Pharao von diesem Wortstamm abgeleitet ist. Es ist aber nicht mit diesem identisch. In 2. Mose 5,4 und 5,5 kommt es unmittelbar hintereinander vor, und es ist in 5,4 der Pharao selber, der Mose und Aaron fragt, ob sie das Volk von seiner Arbeit „abhalten“ = PaRaˁ wollen. Auch stimmt es nicht, dass das Wort „ungebändigt“ nur an zwei Stellen vorkommt, wo es „um die Erschaffung des Goldenen Kalbes geht“; insgesamt kommen Wörter mit dem Wortstamm PaRaˁ 20 Mal in der Bibel vor, meistens im Zusammenhang mit ungeordneten Haaren.

Die Bibelstelle (III,60) 2. Mose 32,24 wiederum soll ein weiteres Indiz dafür liefern, dass das Goldene Kalb nicht „aus dem Metall Gold“ bestand, sondern „ein lebendes Kalb aus Fleisch und Blut“ war:

„32:24 Da sprach ich zu ihnen: Wem ist Gold zu eigen? Sie rissen es sich weg und gaben es mir, und ich warf es, dass es im Feuer, da ging heraus das dieses Kalb.“

Dazu schreiben Sie erläuternd:

„Das interessanteste Wort an diesem Vers ist der Begriff Kalb. Ins Hebräische wird das Wort Kalb mit EGäL übersetzt. Dieses Wort kann man aber auch, und hier beginnt es wirklich recht interessant zu werden, als ÄGOL lesen. Und Letzteres muss man ins Deutsche mit „rund“ übertragen.“

Korrekt wäre die Umschrift ˁEGäL bzw. ˁAGOL, weil die Worte mit Ajin, nicht mit Aleph am Anfang geschrieben werden. Jedenfalls folgt Ihres Erachtens aus diesem Zusammenhang (III,61):

„Wir denken, dass es sich um ein lebendes Kalb gehandelt hat, denn dass Zeichen des Re, dass Sinnbild des ägyptischen Sonnengottes, wird nun einmal in Alt-Ägypten als eine runde Scheibe mit einem Punkt im Zentrum dargestellt. Und dieses Zeichen konnte von uns, wir werden darauf noch an anderer Stelle ausführlich eingehen, als eine Darstellung einer Zelle identifiziert wird.“

Mal abgesehen davon, dass Sie Letzteres bereits auf Seite II,277f. behauptet haben, verkehren Sie in Ihrer Auslegung von 2. Mose 32,24 wieder (III,60) die Übersetzungsrichtung „aus“ dem Hebräischen ins Gegenteil, aber das mag einfach nur einer Nachlässigkeit zuzuschreiben sein, ebenso wie die vielen Fehler im eben zitierten Text.

Jedoch ist auch inhaltlich Ihre Deutung verquer. Sie hatten ja schon auf Seite III,52 die metaphorische Bedeutung des Goldes im alten Ägypten hervorgehoben, das zwar „überall Verwendung fand, aber als Zahlungsmittel vollkommen bedeutungslos war. Gold war in erster Linie ein Synonym für die aufgehende Sonne. Die Sonne wiederum war das Symbol für Leben.“ Und dieses Gold (III,53) „wurde als Kreis dargestellt, in dessen Mitte ein Punkt ist.“ Wenn Sie nun (III,60) über die Beziehung des Wortes „Kalb“ zum Wort „rund“ auch für das Kalb behaupten, dass es im Grunde die Bedeutung „Gold“ als dem „Symbol der Sonne“, dem „Metall der Götter und hier ganz besonders“ dem „Zeichen des Sonnengottes Re“ hat, das „als Kreis mit einem Punkt in der Mitte dargestellt“ wird, dann würde praktisch, wenn man diese Deutung ernstzunehmen versucht, aus metaphorischem Gold metaphorisches Gold entstehen.

Aber etwas später versuchen Sie zu präzisieren, was Sie meinen (III,61):

„da es eigentlich gar nicht Kalb heißen dürfte, sondern eigentlich ‚rund‘ heissen müsste, ist es also viel wahrscheinlicher, dass sich, als AHaRoN das Gold ins Feuer warf, eine ‚Scheibe‘ oder gar eine ‚Kugel‘ gebildet hat. Könnte es sich bei der Scheibe womöglich um eine Zellkultur oder bei der Kugel um einen Zellhaufen gehandelt haben. Wir denken, das es so ist, denn untermauert wird unser Rückschluss auch noch durch den Umstand, dass ein Teil des Begriffes ÄGOL, wir kommen auch hierauf noch ausführlich zu sprechen, auch ein Teil des Wortmusters für GoLäM ist.“

Was für eine Phantasterei ist das denn? Was die Israeliten ins Feuer werfen, ist also Blutwasser, das nur symbolisch Gold ist, weil Gold das Symbol der Sonne bzw. des ewigen Lebens ist, und heraus kommt kein Kalb, sondern etwas rundes, ja, Kugelförmiges, was ein Zellhaufen sein muss, weil (angeblich) zwischen ˁAGOL (= „rund“) und GoLäM (= „formlose Masse“ oder „Embryo“, kommt in der Bibel nur in Psalm 139,16 vor) eine Verwandtschaft besteht. Und aus diesem Zellhaufen entsteht natürlich kein Kalb aus metallischen Gold, sondern ein lebendiges aus Fleisch, als Klon – was aber erst nach 9 Monaten der Fall sein könnte!

Selbst im Rahmen Ihrer eigenen Paläo-SETI-Hypothese macht das Ganze übrigens keinen rechten Sinn. Denn warum sollten die ÄLoHIM und Mose so zornig darauf sein, da