Lutz und Gabi treffen Fischli

70mal 7mal vergeben!

Pfarrer Helmut Schütz beginnt im Kindergarten der Evangelischen Paulusgemeinde Gießen eine Serie von Handpuppenspielen mit dem Teufelchen Lutz, dem Engelchen Gabi und dem Pinguin Fischli. Beim ersten Mal geht es um eine Geschichte von Jesus, erzählt nach Matthäus 18, 21-22.

Pfarrer Schütz mit den Handpuppen Gabi (die aussieht wie ein kleines Gespenst und ein Engel ist), Lutz (der aussieht wie ein rotes Teufelchen) und Fischli (der ein Fingerpuppen-Pinguin ist).

Pfarrer Schütz mit den Handpuppen Gabi, Lutz und Fischli

Kinderandacht mit Lutz, Gabi und Fischli in der Kindertagesstätte der Evangelischen Paulusgemeinde Gießen

Lutz: Hallo, ihr Kinder! Ratet mal, wer ich bin! * * * Ich heiße Lutz, und ich bin ein kleines Teufelchen. Ich mache gerne Dummheiten. Ich mache nur, was mir Spaß macht. Ich tue nicht gern, was andere mir sagen. Ich ärgere gern die Leute. Am liebsten ärgere ich die Gabi. Kennt ihr die Gabi schon? * * * Die ist immer ganz brav. Die macht immer, was man ihr sagt. Die find ich ja sooo langweilig! Oh, da kommt sie schon! Ich verstecke mich schnell! Aber verratet mich nicht, ich will sie doch ärgern!

Gabi: Hallo, ihr Kinder! Wisst ihr, wer ich bin? * * * Ja, ich bin die Gabi. Woher wisst ihr das? * * * Ach, der Lutz, dieser kleine Teufel, hat euch das gesagt. Aber ihr wisst bestimmt nicht, was ich bin. * * * Ein Gespenst? Nein, nicht wirklich. So sehe ich nur aus. Ich bin ein Engel. Und ich finde es gut, wenn man Gutes tut.

Lutz: Und ich finde es gut, wenn ich dich ärgern kann! (Er zieht Gabi am Haarzipfel.)

Gabi: Au, du tust mir weh!

Lutz: Ach, nur ein bisschen ärgern, das tut doch nicht weh!

Gabi: Wohl wahr! Du hast an meinen Haaren gezogen!

Lutz: Pimperliese, Zimperliese, du bist aber empfindlich!

Gabi: Ich reiße ja auch nicht an deinen Hörnern!

Lutz: Du traust dich ja bloß nicht!

Gabi: Nein, ich will dir überhaupt nicht weh tun.

Lutz: Angsthase, Pfeffernase, morgen kommt der Osterhase!

Gabi: Angst haben ist ja wohl nichts Schlimmes. Aber vor dir habe ich keine Angst.

Lutz: Das glaube ich nicht. Komm doch, hier sind meine Hörner!

Gabi: Die sind aber viel härter als meine Haare.

Lutz: Siehst du, du hast doch Angst.

Gabi: Quatsch. Ich will einfach nicht mit dir streiten.

Lutz: Feigling, Feigling!

Gabi: Ach, lass mich doch in Ruhe! Ich haue jetzt ab. (Sie geht weg.)

Lutz: Die Gabi, die will immer brav und gut sein. Wie langweilig!

Fischli: (Taucht plötzlich auf.) Nein, gar nicht langweilig.

Lutz: He, wer redet denn da?

Fischli: Ich rede da. Gut sein ist nicht langweilig. Gut sein ist gut. Und Gut sein macht Spaß.

Lutz: Du Kleiner, was hast du mir denn zu sagen?

Fischli: Ist doch egal, ob klein oder groß. Ich habe Recht!

Lutz: Wer bist du überhaupt?

Fischli: Ich bin Fischli.

Lutz: Fischli? Haha, das ist ja zum Lachen! Du bist doch gar kein Fisch!

Fischli: Nein, ich heiße nur so. Aber man lacht keine Leute aus!

Lutz: Du bist ja auch keine Leute. Du bist doch nur ein… Äh, was bist du eigentlich?

Fischli: Ich bin ein Vogel. Ein Pinguin.

Lutz: Und dann heißt du Fischli? Hahaha! Das ist wirklich zum Lachen!

Fischli: Du heißt ja auch nicht Teufli, auch wenn du ein Teufelchen bist.

Lutz: Ich heiße Lutz, das kommt von Lucifer. So heißt der Oberteufel.

Fischli: Komisch. Auf Lateinisch heißt Luci-Fer „Lichtbringer“.

Lutz: Lichtbringer? Ich bringe kein Licht. Ich mag es, wenn es dunkel ist und wenn alle Angst kriegen.

Fischli: Siehst du, du heißt Lucifer und bist doch ein Teufel. Dann darf ich wohl ein Vogel sein und Fischli heißen.

Lutz: Du willst Lateinisch können? Weißt du denn, was Gabi bedeutet?

Fischli: Gabi kommt von Gabriel, das heißt: ein Mann von Gott.

Lutz: Hahaha, das ist auch zum Lachen! Gabi ist ein Mann! Gabi ist gar kein Mädchen!

Gabi: (Kommt wieder.) He, was ist hier los! Lutz, was schreist du so? Wieso bin ich kein Mädchen?

Lutz: Ja, Gabi ist ein Mann, Gabi ist ein Mann von Gott. Gabi ist gar kein Mädchen.

Fischli: Ich habe ihm nur gesagt, was der Name Gabri-El bedeutet.

Gabi: Ich heiße nur Gabi. Gabriel ist der Name von meinem Ober-Engel. Der ist bei Gott persönlich angestellt, also echt ein Mann von Gott.

Fischli: Und Lutz hat dir nicht gesagt, dass er eigentlich Lichtbringer…

Lutz: Pssst! Leise! Nicht verraten!

Fischli: Was ist denn dabei? Lutz kommt von Lucifer – der Lichtbringer.

Gabi: Dann könntest du eigentlich ein bisschen netter sein.

Fischli: Genau, und nicht dauernd die Leute ärgern.

Lutz: Aber das macht doch so viel Spaß! Gabi an den Haaren ziehen! Fischli auslachen!

Gabi: Welches Fischli?

Lutz: Dieser Vogel hier ist ein Pinguin, heißt aber Fischli! Hahaha!

Gabi: Pfui, schäm dich, Lutz, den kleinen Vogel auszulachen! Wir können doch alle nichts dafür, wie wir heißen. Hör jetzt endlich auf, uns zu ärgern.

Lutz: Aber es ist langweilig, damit aufzuhören.

Gabi: Ich finde es langweilig, wenn man sich immer nur ärgert.

Lutz: Was soll man denn sonst machen?

Gabi: Zum Beispiel zusammen etwas spielen.

Fischli: Oder Geschichten erzählen.

Lutz: Ich kenne keine.

Fischli: Aber ich.

Gabi: O ja, erzähl uns eine Geschichte!

Lutz: Was denn für eine Geschichte?

Fischli: Eine Geschichte aus der Bibel.

Lutz: Ach nee, dann lieber doch nicht. Die ist bestimmt nur von Engeln und lauter braven Leuten.

Fischli: Nein, die ist von Petrus und von seinem Bruder Andreas. Der Andreas hat nämlich auch immer den Petrus geärgert.

Lutz: Ja, und dann?

Fischli: Wieso „und dann“? Du wolltest die Geschichte doch nicht hören.

Lutz: Aber Geschichten vom Ärgern höre ich immer gern.

Fischli: Der Petrus ist zu Jesus gegangen.

Lutz: Ach so, er hat den Andreas bei Jesus verpetzt!

Gabi: Hat Jesus den Andreas dann ausgeschimpft?

Fischli: Nein, Petrus wollte seinen Bruder gar nicht verpetzen. Er hat zu Jesus gesagt: Ich soll doch meinem Bruder vergeben.

Lutz: Vergeben? Was ist das denn?

Fischli: Vergeben ist, wenn man sagt: Schwamm drüber. Nicht so schlimm. Es ist alles wieder gut.

Gabi: Es ist aber schon schlimm, wenn man immer geärgert wird.

Fischli: Stimmt, und darum hat Petrus auch den Jesus gefragt: Wie oft muss ich denn meinem Bruder vergeben?

Gabi: Naja, einmal lasse ich ja noch durchgehen oder zweimal. Aber dann ist Schluss! Dann ist die Freundschaft aus!

Fischli: Petrus hat Jesus gefragt: Ist siebenmal genug?

Lutz: Siebenmal? Das sind ja – eins, zwei, drei, und noch mal eins, zwei, drei, und noch mal eins!

Gabi: Waaaas! Soooo viel mal!

Fischli: Petrus hat auch gedacht: Irgendwann muss Schluss sein. Aber wisst ihr, was Jesus dem Petrus geantwortet hat?

Gabi: Nee, sag schon!

Fischli: Nein, nicht siebenmal. Sondern siebzigmal siebenmal!

Lutz: Was? 70 – mal – 7 – mal? So weit kann ich gar nicht rechnen!

Fischli: Das brauchst du auch gar nicht. Er meinte: Ein Bruder bleibt immer ein Bruder, egal wie oft man sich ärgert.

Lutz: Ein Bruder bleibt immer ein Bruder? Bleibt auch ein Freund immer ein Freund? Bleibt eine Freundin immer eine Freundin?

Fischli: Ach, Gabi ist deine Freundin, auch wenn du sie immer ärgerst?

Lutz: Weiß nicht, aber es wäre schade, wenn sie weggehen würde.

Gabi: Bloß weil du dann niemand mehr zum Ärgern hättest!

Lutz: Na ja, ärgern macht schon Spaß. Aber, äh, Gabi, vielleicht habe ich dich doch zu viel geärgert.

Gabi: Du meinst, wir könnten Freunde sein?

Lutz: Wenn du mir vergeben kannst – einmal oder zweimal…

Gabi: …oder für die ganzen siebzig letzten Male?

Lutz: Tut mir echt beinahe doch ein bisschen leid… na ja… nein, doch, wirklich: Es tut mir leid! Bist du mir noch böse?

Gabi: Nein, bin ich nicht, Lutz, du kleines Teufelchen. Dann können wir ja jetzt zusammen spielen.

Lutz: Und der kleine Fischli-Vogel darf auch mitspielen.

Fischli: Juhu! Und damit ist die Geschichte aus!

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