„Komm!“ Wenn Gottes Stimme ruft

Draußen vor der Tür muss niemand bleiben.

Wer Vergebung erfahren hat, darf vom Baum des Lebens essen und zu den Toren der himmlischen Stadt hineingehen. Da wird ein großer Bogen gespannt zwischen der Erzählung vom Paradies am Anfang der Bibel und der Zukunftsschau der neuen Stadt Jerusalem am Ende der Welt, die hier im letzten Buch der Bibel entworfen wird.

Die Skyline einer schönen Großstadt mit Hochhäusern verschiedener Bauart, Bäumen und großer Kunst im Park

Wie könnte man sich heute die himmlische Stadt mit dem Baum des Lebens vorstellen? (Bild: pixabay.com)

#predigtGottesdienst am 2. Sonntag nach Trinitatis, den 12. Juni 1994, um 9.30 Uhr in der Kapelle der Landesnervenklinik Alzey

Ich begrüße Sie herzlich im Gottesdienst mit einem Vers aus dem Evangelium nach Matthäus 11, 28. Jesus Christus spricht:

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

Dieser Vers gibt auch das Thema des heutigen Gottesdienstes an: Wer darf zu Gott kommen, will das überhaupt jeder, und gibt es auch Menschen, mit denen Gott vielleicht nichts zu tun haben will?

Lied 245, 1+2+10:

1) „Kommt her zu mir“, spricht Gottes Sohn, „all die ihr seid beschweret nun, mit Sünden hart beladen, ihr Jungen, Alten, Frau und Mann, ich will euch geben, was ich han, will heilen euren Schaden.

2) Mein Joch ist sanft, leicht meine Last, und jeder, der sie willig fasst, der wird der Höll entrinnen. Ich helf ihm tragen, was zu schwer; mit meiner Hilf und Kraft wird er das Himmelreich gewinnen.“

10) Und was der ewig gütig Gott in seinem Wort versprochen hat, geschworn bei seinem Namen, das hält und gibt er gwiss fürwahr. Der helf uns zu der Engel Schar durch Jesum Christum. Amen.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Wir hören Worte Gottes aus dem Munde des Propheten Jesaja 55:

1 Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch!

2 Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen und euch am Köstlichen laben.

3 Neigt eure Ohren her und kommt her zu mir! Höret, so werdet ihr leben!

Kommt, lasst uns anbeten. „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Gott im Himmel, du rufst uns zu dir – doch manchmal übertönen andere Stimmen dein Rufen. Wie sollen wir deine Stimme heraushören aus so vielem lauten und verwirrenden Reden? Hilf uns, Herr, lass uns nicht allein mit dem Durcheinander in unserer Seele! Gib uns Klarheit im Denken und lass die zarte Pflanze des Glaubens in uns wachsen! Das erbitten wir von dir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Schriftlesung aus dem Evangelium nach Matthäus 5, 1-12:

1 Als er aber das Volk sah, ging er auf einen Berg und setzte sich; und seine Jünger traten zu ihm.

2 Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach:

3 Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.

4 Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.

5 Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.

6 Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.

7 Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.

8 Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.

9 Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.

10 Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.

11 Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und reden allerlei Übles gegen euch, wenn sie damit lügen.

12 Seid fröhlich und getrost; es wird euch im Himmel reichlich belohnt werden. Denn ebenso haben sie verfolgt die Propheten, die vor euch gewesen sind.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja! „Halleluja,Halleluja,Halleluja.“

Liederheft 243, 1-7: Eines Tages kam einer
Gnade und Friede sei mit uns allen von Gott, unserem Vater, und Jesus Christus, unserem Herrn. Amen.

Wir hören den Predigttext aus der Offenbarung 22, 12-17. So spricht unser auferstandener Herr Jesus Christus durch den Mund des Propheten Johannes:

12 Siehe, ich komme bald und mein Lohn mit mir, einem jeden zu geben, wie seine Werke sind.

13 Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.

14 Selig sind, die ihre Kleider waschen, dass sie teilhaben an dem Baum des Lebens und zu den Toren hineingehen in die Stadt.

15 Draußen sind die Hunde und die Zauberer und die Unzüchtigen und die Mörder und die Götzendiener und alle, die die Lüge lieben und tun.

16 Ich, Jesus, habe meinen Engel gesandt, euch dies zu bezeugen für die Gemeinden. Ich bin die Wurzel und das Geschlecht Davids, der helle Morgenstern.

17 Und der Geist und die Braut sprechen: Komm! Und wer es hört, der spreche: Komm! Und wen dürstet, der komme; und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst.

Liebe Gemeinde!

Sie wissen ja, wie das ist, wenn einer behauptet: Ich habe die Stimme Gottes gehört. Ich habe eine Botschaft direkt von Jesus Christus empfangen. In den meisten Fällen erheben sich zunächst einmal Zweifel: Kann das wirklich stimmen? Kommt diese Stimme nicht in Wirklichkeit doch aus seiner eigenen Seele?

Dazu muss ich zunächst einfach sagen: Natürlich kommt eine solche Stimme oder eine solche Vision aus der eigenen Seele. Woher soll sie denn sonst kommen? Auf welche Weise sollte Gott sonst zu Menschen sprechen?

Die Frage ist nur: Ist das, was da jemand mit den Augen oder Ohren der eigenen Seele wahrnimmt, wirklich eine göttliche Botschaft? Oder ist es etwas ganz anderes, etwas Gefährliches, Zerstörerisches? Häufig kann zumindest ein Außenstehender rasch erkennen: Es ist keine göttliche Botschaft, sondern nur ein innerer Zwang, der sich göttlich verkleidet hat. Da erlebt einer vielleicht auf sehr eigenartige Weise die Schrecken seiner Kindheit nach, als er übermächtigen Erwachsenen machtlos ausgeliefert war. Oder er lebt den von Kindheit an empfundenen Wunschtraum aus, ein ganz besonderer, auf außergewöhnliche Weise aus der Reihe aller anderer Menschen herausgehobener Mensch zu sein.

Aber nun zu dem Propheten Johannes. Wie ist es mit ihm? Im Buch der Offenbarung ist er es, der mit seinem inneren Gehör, mit den Ohren seiner Seele, Worte von Jesus empfängt. Der irdische Jesus ist lange tot, gekreuzigt, er hat sich verabschiedet in den Himmel. Und Johannes stellt sich in seinem Buch dar als einen der wenigen auserwählten Menschen, der von dem auferstandenen Christus aus dem Himmel Botschaften empfängt.

Warum nun sollte man nicht auch bei Johannes fragen: Wie glaubwürdig ist er? Woran merkt man, dass das, was er da wahrgenommen hat, wirklich von Gott hergekommen ist? Es ist ja nicht erst heutzutage schwierig zu entscheiden, ob jemand wirklich Gottes Stimme gehört hat, oder ob eine seelische Krankheit ihm das nur vorgaukelt.

Hören wir noch einmal, was die Stimme Jesu dem Johannes mitteilt. Johannes hört Jesus zunächst diese Worte sagen:

12 Siehe, ich komme bald und mein Lohn mit mir, einem jeden zu geben, wie seine Werke sind.

Auf den ersten Blick machte mich dieser Satz stutzig: der Gedanke, dass jeder Mensch seinen Lohn bekommen soll, je nachdem, was er getan hat, ob Gutes oder Böses. Widerspricht das nicht der Vergebung, von der Jesus z. B. in der Bergpredigt spricht, von der Paulus in seinen Briefen gepredigt hat? Nicht die Werke des Gesetzes machen uns doch gerecht, sondern der Glaube! Niemand hat vor Gott etwas in der Hand, sondern selig sind gerade die geistlich Armen!

Aber dann wurde ich im Bibelkreis eines Besseren belehrt. Man kann diesen Vers auch ganz anders hören, nämlich so: Der himmlische Christus verspricht, in unser Leben hineinzukommen (man könnte sagen: wir spüren ihn dann als die unsichtbare Kraft des Heiligen Geistes), und er bringt als Lohn mit: die Freude, die man empfindet, wenn man ein Mensch ist, der geliebt wird, der sich selbst akzeptieren kann, der nicht verloren ist und der darum auch barmherzig und gut mit sich selbst und anderen umgehen kann. „Wie unsere Werke sind“, so soll auch das aussehen, was Christus uns geben will – das erinnert mich an die Seligpreisung aus der Bergpredigt (Matthäus 5, 7):

Selig sind die Barmherzigen, denn sie sollen Barmherzigkeit erlangen.

Offenbar gehört der Prophet Johannes zu den Christen in der Bibel, die ganz klar betonen: ein Glaube ist nur dann echt, wenn er sich auch im Handeln eines Menschen bewährt. Wenn dagegen einer sagt: „Ich glaube an Gott“, aber er verletzt und demütigt andere Menschen, dann ist sein Glaube in Wirklichkeit ein toter Glaube.

Weiter hört Johannes den himmlischen Christus davon reden, warum er überhaupt das Recht und die Macht hat, Menschen auf den Prüfstand zu stellen und zu beurteilen (Offenbarung 22):

13 Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.

Für den Propheten Johannes steht eine Wahrheit unerschütterlich fest: Jesus Christus ist mit göttlicher Größe und Macht ausgestattet. Er umspannt das Weltall von Anfang bis Ende und ist nicht einfach nur irgendein Teil dieses Weltalls. Wenn das irgendjemand von sich sagen würde, dann wäre es ungeheuerlich: „Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende“. Das kann nur wahr sein, wenn Jesus wirklich der Mensch war, in dem der Höchste selbst als ein Mensch von Fleisch und Blut unter uns gelebt hat. Nur der darf sich selber den Anfang und das Ende von allem nennen. Ohne ihn konnte die Welt nicht anfangen, und ohne ihn wird sie aufhören zu existieren. Dahinter steckt die Vorstellung, dass Jesus bereits vor seiner Geburt in Form der göttlichen Weisheit bei Gott gewesen war, und dass er nach seinem Tod als der auferstandene Christus wieder zu Gott, dem Vater, zurückgekehrt ist. Darum kann Jesus zugleich der Erste sein und auch der Letzte. Er ist das Urbild aller Menschen gewesen, so wie Gott sich seine Menschenkinder vorgestellt hatte, als er sie plante und schuf. Und er ist derjenige, der in der Zukunft auf uns wartet und auf den wir zugehen. Johannes hört ihn sogar sagen: „Ich bin das A und das O“. Das will sagen: Jesus umfasst sogar alles, was Menschen mit ihrer Sprache sagen können, mit allen Worten, die es nur gibt, vom ersten Buchstaben an bis zum letzten, vom Alpha bis zum Omega, wie im griechischen Alphabet, oder von A bis Z, wie wir heute sagen würden.

Lied 259, 1+4:

1) Eins ist not! Ach Herr, dies Eine lehre mich erkennen doch; alles andre, wies auch scheine, ist ja nur ein schweres Joch, darunter das Herze sich naget und plaget und dennoch kein wahres Vergnügen erjaget. Erlang ich dies Eine, das alles ersetzt, so werd ich mit Einem in allem ergötzt.

4) Also ist auch mein Verlangen, liebster Jesu, nur nach dir; lass mich treulich an dir hangen, schenke dich zu eigen mir. Ob viel auch umkehrten zum größesten Haufen, so will ich dir dennoch in Liebe nachlaufen; denn dein Wort, o Jesu, ist Leben und Geist; was ist wohl, das man nicht in Jesu geneußt?

Allerdings, liebe Gemeinde – was diese Stimme dem Johannes da zuruft, muss es wirklich ohne Zweifel die Stimme Christi sein? Beweisen könnte Johannes uns das nicht. Für ihn ist es jedoch keine Phantasie, sondern eine Wahrheit, von der er lebt und mehr noch: er meint, dass von dieser Wahrheit auch wir anderen Menschen leben können.

Wie das aussieht, ein Leben im Vertrauen auf diesen Christus, das schildert Johannes in einem weiteren Vers in eindrucksvollen Bildern:

14 Selig sind, die ihre Kleider waschen, dass sie teilhaben an dem Baum des Lebens und zu den Toren hineingehen in die Stadt.

Wer seine Kleider wäscht, ist selig. Das klingt eigentümlich, wenn man es wörtlich nimmt. Aber hier sind die Kleider ein Bild für den Charakter der Menschen, für ihre ganze Lebenshaltung. Wir hören: Es ist offenbar notwendig, sich reinzuwaschen, es wird nicht vorausgesetzt, dass jemand von selber nur gute Taten tun kann. Allerdings: Ganz entgegen dem landläufigen Vorurteil, dass man nicht aus seiner Haut herauskann, hört Johannes diesen großartigen Satz: Man kann das Kleid der eigenen Seele reinwaschen, kann seine schmutzige Weste wieder sauber bekommen. Wie, das wird hier nicht ausdrücklich gesagt, aber ich denke doch so, dass man sozusagen ein „Waschmittel“ an sich heranlässt: nämlich dass man in sich geht, Schuld erkennt und bereut, wo sie wirklich vorhanden ist, und auch bereit ist, Vergebung anzunehmen.

Und wer Vergebung erfahren hat, der darf vom Baum des Lebens essen und zu den Toren der himmlischen Stadt hineingehen. In diesem Satz wird ein ganz großer Bogen gespannt zwischen der Erzählung vom Paradies am Anfang der Bibel und der Zukunftsschau der neuen Stadt Jerusalem am Ende der Welt, die hier im letzten Buch der Bibel entworfen wird. Wer sich der barmherzigen Vergebung Jesu Christi anvertraut, der braucht sich keine Sorgen mehr zu machen, ob er vielleicht für alle Ewigkeit zu kurz gekommen sein könnte: Nein, der Hunger nach Leben wird gestillt sein, ewiges Leben wird uns geschenkt.

Aber gilt diese Hoffnung für alle Menschen? Im nächsten Vers zählt Johannes Leute auf, die draußen vor der himmlischen Stadt stehen, die nach wie vor ausgeschlossen sind aus dem Garten des Paradieses:

15 Draußen sind die Hunde und die Zauberer und die Unzüchtigen und die Mörder und die Götzendiener und alle, die die Lüge lieben und tun.

Das klingt äußerst hart. Sechs Gruppen von Menschen werden ausdrücklich genannt, die „draußen“ sind, die sich selbst ausschließen aus der Vergebung und die von dem Vertrauen zu Gott nichts wissen wollen.

Da gibt es die, die hier als „Hunde“ bezeichnet werden – das ist ein Ausdruck der Verachtung. In der christlichen Gemeinde damals nannte man Leute so, die an Christus geglaubt hatten, aber dann wieder vom Glauben abgefallen waren. Heute sagt man ja auch manchmal von einem Menschen, der andere Menschen auf unmenschliche Weise gequält hat: er hat sich wie ein Tier aufgeführt.

Dann kommen die „Zauberer“ – darunter verstehe ich Menschen, die sich magischer Kräfte bedienen, um Macht auszuüben – sie erkennen an, dass es göttliche Kräfte in der Welt gibt, nutzen sie aber nicht für Gott, sondern um Gott zu schaden, um sich gegen ihn aufzulehnen.

Die Unzüchtigen wiederum missbrauchen die gute Gabe der Sexualität, die Gott den Menschen geschenkt hat, um andere Menschen auszunutzen, um ihnen Gewalt anzutun, um sie oder sich selbst zu einer bloßen Sache herabzuwürdigen. Auch damit schließen sie sich nach der Aussage dieses Verses vom Himmel aus. Johannes sieht sie auf einer Stufe mit den Mördern, die das Leben eines anderen auf dem Gewissen haben.

Mit den Götzendienern waren Leute gemeint, die die römischen Staatsgötter oder andere Götterbilder anbeteten, vielleicht aus lauter Angst, nur um nicht aufzufallen, oder weil sie doch daran zweifelten, ob der unsichtbare Gott der Christen ihnen helfen könnte. Heute hängen Götzendiener ihr Herz an irdische Güter, oder sie versuchen, ihr Leben auf irgendeine Weise ganz unter Kontrolle zu bekommen – sie bilden sich ein: dann brauchen sie keinen Gott.

Zum Schluss erwähnt Johannes die, die die Lüge lieben. Ich glaube, dass hier Menschen gemeint sind, die sich selber etwas vormachen über ihr Leben – sie denken, ihr Leben in der eigenen Hand zu haben, und vergessen, dass sie ohne Gott verloren sind. Oder sie sagen: die Welt ist schlecht, und es gibt eh keine Hoffnung, und stürzen damit vielleicht auch noch andere Menschen in Verzweiflung.

Lied 206, 1+4:

1) Preis, Lob und Dank sei Gott dem Herren, der seiner Menschen Jammer wehrt und sammelt draus zu seinen Ehren sich eine ewge Kirch auf Erd, die er von Anfang schön erbauet als seine auserwählte Stadt, die allezeit auf ihn vertrauet und tröst‘ sich solcher großen Gnad.

4) Obwohl die Pforten offen stehen und hell das Licht des Tages scheint, kann doch hinein nicht jeder gehen, zu sein mit Gott dem Herrn vereint. Es ist kein Weg, denn nur der Glaube an Jesus Christus, unsern Herrn; wer den nicht geht, muss draußen bleiben, weil er sich hier nicht will bekehrn.

Liebe Gemeinde, die Offenbarung ist ein ernstes Buch. Es ruft zur Entscheidung auf. Wollen wir uns Jesus Christus anvertrauen, dem Jesus Christus, der eins mit Gott, dem Vater im Himmel, ist? Oder leben wir lieber ohne solche Gedanken an Gott, halten wir Vertrauen und Liebe und Hoffnung für leere Worte? Dann wäre Johannes für uns vielleicht einfach ein Mensch mit einer kranken Phantasie. Aber wenn die Stimme, die er da in seinem Innern hört, doch die Wahrheit von Gott selbst widerspiegelt?

Wie gesagt, Beweise gibt es dafür nicht. Johannes kann aber nicht anders, er muss einfach weitersagen und bezeugen, was er von Jesus gehört hat und wie er Jesus erfahren hat. Zum Beispiel, was Jesus über sich selber sagt:

16 Ich, Jesus, habe meinen Engel gesandt, euch dies zu bezeugen für die Gemeinden. Ich bin die Wurzel und das Geschlecht Davids, der helle Morgenstern.

Noch einmal bestätigt es sich für Johannes: Jesus ist wirklich eins mit Gott selbst. Er selbst kann himmlische Engelwesen aussenden, um Gemeinden Botschaften von Gott zukommen zu lassen. Er ist auch die wichtigste Gestalt der Menschengeschichte, weil die ganze Geschichte Gottes mit seinem Volk nur von Jesus her verständlich ist und auch auf Jesus zuläuft: Er ist die „Wurzel Davids“, und er ist auch „das Geschlecht Davids“.

Und er ist der „helle Morgenstern“ – er kann Hoffnung bringen in jedes Menschenleben, so wie der Planet Venus am Morgenhimmel einen neuen, lebenswerten Tag ankündigt.

Nachdem Johannes diese Worte des himmlischen Christus gehört hat, hört er zum Schluss noch zwei Stimmen sozusagen in gemischtem Chor, den Geist und die Braut. Bei diesem Geist handelt es sich um niemanden anders als um den Heiligen Geist Gottes selbst, der der Geist des Vaters ist und auch der Geist des Sohnes – im Grunde hat Johannes ja überhaupt nur die Stimme des Christus aus dem Himmel hören können, weil Gottes Geist in der Seele des Johannes selbst zur hörbaren Stimme wurde. Außerdem hört Johannes nun zum Schluss aber auch noch die Stimme der Braut – damit ist die himmlische Stadt Jerusalem selbst gemeint, also die Gemeinde der Christen, die sich auf das Zusammensein mit Christus freut und sich wie eine Braut zur Hochzeit schmückt:

17 Und der Geist und die Braut sprechen: Komm! Und wer es hört, der spreche: Komm! Und wen dürstet, der komme; und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst.

Nur ein Wort sprechen der Geist und die Braut gemeinsam: „Komm!“ Und das soll jeder weitersagen, der es hört: „Komm!“ Jeder kann kommen, jeder, der an seinem Leben verzweifelt ist und Durst hat nach einem erfüllten Leben. Zum Schluss muss niemand ausgeschlossen bleiben, auch alle die, die jetzt noch draußen vor der Tür stehen, alle können trinken von der Quelle des Lebenswasser – und zwar völlig umsonst. So tröstlich, so hoffnungsfroh, so barmherzig endet das so schwierige Buch der Offenbarung. Und ich denke: Was Johannes da in seinem Innern als Stimme von Christus und von Engeln und von der himmlischen Braut Christi gehört hat, das sind wahrhaftig Worte von Gott her gewesen, denn sie zerstören nicht, sie drücken nicht nieder, sie machen frei und wecken neue Zuversicht. „Komm, sag es allen weiter, Gott selber lädt uns ein“ – uns alle! Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.
Liederheft 209: Komm, sag es allen weiter

Barmherziger Gott, ohne dich wären wir verloren. Ohne Jesus Christus, deinen Sohn, hätten wir keinen Zugang zu dir und zum ewigen Leben gefunden. Ohne die Kraft deines Heiligen Geistes müssten wir ohne Vertrauen, ohne Hoffnung, ohne Liebe leben. Aber wir sind von dir nicht alleingelassen. Wir können zu dir kommen, einfach Ja sagen zu dir, uns einfach dir anvertrauen.

Trotzdem fällt es vielen von uns schwer, einen Neuanfang mit dem Glauben zu machen. Und immer wieder zweifeln wir, wenn Sorgen und Leid unsere Zufriedenheit untergraben, oder wenn sogar die festgefügte kleine Welt unseres persönlichen Lebens zusammenbricht.

Gib uns nicht auf, Gott, fass uns an der Hand, lass uns niemals los! Und wenn wir meinen, am Ende zu sein, öffne unsere Augen für den neuen Anfang, der uns möglich sein wird.

Und für die Wahlen, die heute stattfinden, bitten wir dich: Dass alle Menschen in Europa ihre Stimme nur solchen Parteien geben, die die Menschenwürde aller Menschen achten und den Frieden nicht in Gefahr bringen. Dass auch bei uns in Rheinland-Pfalz in die Rathäuser und Kreistage nur solche Politiker gewählt werden, die das Gemeinwohl über ihre eigenen Interessen stellen und sich auch für benachteiligte Menschen einsetzen. Amen..

Gemeinsam beten wir mit den Worten Jesu:

Vater unser
Liederheft 244: Weil wir von Hilfe leben, helfen wir an diesem Tag
Abkündigungen

Nun geht hin mit Gottes Segen:

Gott, der Herr, segne euch, und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen.

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