Jesus, der helle Morgenstern

So beschreibt Philipp Nicolai den Morgenstern Jesus: „lieblich, freundlich, schön und herrlich, groß und ehrlich, reich an Gaben, hoch und sehr prächtig erhaben“! So ist Jesus für uns da: ehrlich, ohne jede Lüge, hoch und erhaben, gerade indem er einer von uns wird und Trost, Vergebung, Hoffnung schenkt. Dieser Morgenstern lässt es hell werden in uns. Er lässt uns aufatmen.

Ein leuchtender stilisierter Stern

Jesus ist nach der Offenbarung der helle Morgenstern (Grafik: pixabay.com)

Gottesdienst am 21. Januar 2011 um 10.00 Uhr im Ensemble-Pflegeheim Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Zum ersten Mal feiere ich heute einen Gottesdienst mit Ihnen. Ich bin Pfarrer Helmut Schütz von der Evangelischen Paulusgemeinde, und ich werde in Zukunft ungefähr einmal im Monat zu Ihnen kommen.

Wir feiern unseren Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Vor genau vier Wochen war Heiligabend. Gestern haben bei uns die Weihnachtsbäume an der Straße gelegen und sind von der Müllabfuhr abgeholt worden. Aber ganz vorbei ist Weihnachten noch nicht.

Am 6. Januar hatten wir das Fest der Heiligen Drei Könige. Weiß vielleicht jemand von Ihnen, wie dieses Fest auch noch heißt? Ein schwieriger Name: Epiphanias oder auf Deutsch: Fest der Erscheinung. Da war nämlich ein Stern erschienen, der Stern von Bethlehem, und der hatte weisen Männern im Osten den Weg zum Jesuskind in der Krippe gezeigt.

Lied 72:

1. O Jesu Christe, wahres Licht, erleuchte, die dich kennen nicht, und bringe sie zu deiner Herd, dass ihre Seel auch selig werd.

4. Den Tauben öffne das Gehör, die Stummen richtig reden lehr, die nicht bekennen wollen frei, was ihres Herzens Glaube sei.

5. Erleuchte, die da sind verblend’t, bring her, die sich von uns getrennt, versammle, die zerstreuet gehn, mach feste, die im Zweifel stehn.

6. So werden sie mit uns zugleich auf Erden und im Himmelreich hier zeitlich und dort ewiglich für solche Gnade preisen dich.

Mache dich auf, werde licht, denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir (Jesaja 60,1).

Drinnen und draußen ist viel Dunkel. Draußen in der Welt: Menschen, die nach Glück und Geld streben und oft in Unglück und Elend enden. Menschen, die berühmt werden wollen und am Ende ausgelacht werden. Menschen, die Pläne machen und Neues erfinden, aber es nicht schaffen, alle Menschen satt zu machen, weder am Leib noch an der Seele. Gott, unsere Klage bringen wir vor dich! Herr, erbarme dich unser!

[Aber] dein Licht kommt, und die Herrlichkeit Gottes geht auf über dir! Dann wirst du deine Lust sehen und vor Freude strahlen, und dein Herz wird … weit werden (Jesaja 60, 1b und 5a).

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde,

ich habe ein Wort aus der Offenbarung des Johannes für Sie ausgesucht und möchte es Ihnen auslegen. Da spricht der auferstandene und zu Gott erhöhte Jesus Christus (Offenbarung 22, 16):

Ich bin … der helle Morgenstern.

Der Morgenstern, das ist an unserem Sternenhimmel die Venus. Sie leuchtet noch am Himmel, wenn die anderen Sterne schon vor der aufgehenden Sonne verblasst sind. Sie kündigt den neuen Tag an: Bald ist die Nacht vorbei, bald geht die Sonne auf, bald dürfen wir uns ausgeruht vom Schlaf erheben. Gott hat uns einen neuen Tag geschenkt.

Jesus sagt: Ich bin der Morgenstern. Er kündigt uns den neuen Tag an, auch wenn wir gar keine Lust haben, aufzustehen. Er macht uns Mut: Tu so viel, wie du kannst. Ich trau dir das zu. Verlang nicht zu viel von dir. Du darfst dir Ruhe gönnen.

Jesus sagt: Ich bin der Morgenstern. Er gibt uns Hoffnung: Bald ist die Nacht vorbei. Wenn uns alles zu viel wird, wenn wir Schmerzen haben, wenn wir das Leben nicht mehr aushalten, trotzdem sagt Jesus: die Nacht ist bald vorbei, ihr geht nicht auf das Dunkel zu, ihr geht ins Licht.

Ich möchte mit Ihnen ein Lied von diesem Morgenstern singen, zuerst nur eine Strophe (EG 70):

1. Wie schön leuchtet der Morgenstern voll Gnad und Wahrheit von dem Herrn, die süße Wurzel Jesse. Du Sohn Davids aus Jakobs Stamm, mein König und mein Bräutigam, hast mir mein Herz besessen; lieblich, freundlich, schön und herrlich, groß und ehrlich, reich an Gaben, hoch und sehr prächtig erhaben.

Ich weiß nicht, ob Sie das Lied kannten. Es ist ein Lied, das den Morgenstern sehr schön besingt. Im Lied wird dieser Morgenstern noch näher beschrieben: Er leuchtet voll Gnade und Wahrheit. Gnade, das ist geschenkte Liebe von Gott. Wahrheit, dieser Jesus, der von Gott her mit seinem Licht zu uns leuchtet, der lügt uns nicht an, auf den können wir vertrauen.

Süß wird dieser Morgenstern genannt, süß wie Schokolade oder süß wie ein neugeborenes Baby. Er ist ja als Kind in der Krippe im Stall von Bethlehem geboren, Gott wurde für uns ein Kind, Gott wurde klein, damit wir groß sein dürfen, aufgerichtet werden.

Wurzel Jesse, Sohn Davids, aus Jakobs Stamm, so geheimnisvoll wird angedeutet, dass Jesus, unser Morgenstern, aus dem Volk Israel kommt; der Stammvater Jakob, der König David und sein Vater Isai sind seine menschlichen Vorfahren. Was Gott seinem Volk Israel versprochen hatte, eine Treue für alle Zeiten, die hält er durch Jesus auch uns Menschen aus anderen Völkern, die auf Jesus Christus ihr Vertrauen setzen.

Es wird noch bunter mit den Bildern in unserem Lied. Ich darf Jesus auch meinen König nennen, er darf mein Leben bestimmen, er darf mir Frieden ins Herz geben, er darf mein Tun und Lassen regieren. Ja, Jesus ist sogar mein Bräutigam, als wäre ich eine Frau, eine Braut, die sich auf ihre Hochzeit freut. Jesus will so eng mit uns verbunden sein wie ein Hochzeitspaar in Liebe miteinander verbunden ist. Wir dürfen Jesus lieben, weil er uns von ganzem Herzen liebt.

Am Ende der Strophe wird mir fast schwindelig, wenn ich darüber nachdenke, wie Philipp Nicolai vor 412 Jahren den Morgenstern Jesus beschreibt: „lieblich, freundlich, schön und herrlich, groß und ehrlich, reich an Gaben, hoch und sehr prächtig erhaben“! So kann uns ein hell leuchtender Stern am Himmel vor Augen stehen. Und so ist Jesus für uns da: ehrlich, ohne jede Lüge, hoch und erhaben, gerade indem er einer von uns wurde, hier unten auf der Erde, reich an Gaben, indem er uns innen drin reich macht, Liebe, Trost, Vergebung, Hoffnung schenkt. Dieser Morgenstern lässt es hell werden in uns. Er lässt uns aufatmen.

Ich möchte mit Ihnen noch eine zweite Strophe vom Morgenstern singen:

4. Von Gott kommt mir ein Freudenschein, wenn du mich mit den Augen dein gar freundlich tust anblicken. Herr Jesu, du mein trautes Gut, dein Wort, dein Geist, dein Leib und Blut mich innerlich erquicken. Nimm mich freundlich in dein Arme und erbarme dich in Gnaden; auf dein Wort komm ich geladen.

In dieser Strophe kommt Gott uns ganz nahe. Der Morgenstern wird zum hellen Freudenschein, wenn wir uns vorstellen, dass Jesus uns freundlich ansieht. Wie gut tut es, wenn wir nicht in unfreundliche Gesichter blicken müssen, sondern wenn uns jemand anlächelt oder regelrecht anstrahlt wie die Morgensonne! Jesus ist für uns da mit seinem Wort und seinem Geist. In der Bibel stehen seine guten Worte, in unser Herz kommen diese Wort durch seinen Heiligen Geist. „Ich bin der helle Morgenstern“, sagt er uns, und er will uns selber mit Helligkeit und Wärme, mit Licht und Liebe erfüllen.

Manchmal können wir die Liebe Jesu und die Freundlichkeit Gottes sogar schmecken, wenn wir das Abendmahl feiern. Jesu Leib und Blut können uns erquicken, wenn wir daran denken, dass er für uns sein Leben hingegeben hat, dass er durch den Tod gegangen ist, damit wir das ewige Leben bekommen. Wenn Sie möchten, können wir ein anderes Mal hier auch das Abendmahl miteinander feiern.

Besonders schön finde ich den letzten Satz in unserer Liedstrophe: „Nimm mich freundlich in dein Arme und erbarme dich in Gnaden; auf dein Wort komm ich geladen.“ Jesus nimmt mich in die Arme, so wie uns früher vielleicht unsere Mutter in den Arm genommen hat, als wir Kinder waren. Wir sind geborgen bei ihm und getröstet; wir sind ihm herzlich willkommen, er stößt niemanden von sich weg, er nimmt uns in barmherziger Liebe bei sich auf.

Und noch eine dritte und letzte Strophe aus unserem Lied singen wir:

5. Herr Gott Vater, mein starker Held, du hast mich ewig vor der Welt in deinem Sohn geliebet. Dein Sohn hat mich ihm selbst vertraut, er ist mein Schatz, ich seine Braut, drum mich auch nichts betrübet. Eia, eia, himmlisch Leben wird er geben mir dort oben; ewig soll mein Herz ihn loben.

Ja, liebe Gemeinde, hier wird nun Gott selber angeredet. Gott ist unser Vater, der für uns da ist. Gott ist unser starker Held, auf den wir uns verlassen können. Gott selber ist es, der mit seinem Geist in Jesus war und ist und bleiben wird. Jesus liebt uns mit einer Liebe, die von Gott selber kommt.

Noch einmal haben wir uns in dieser Strophe vorgestellt, dass Jesus unser Schatz ist, dass wir seine Braut sind, so eng in Liebe verbunden, und so voller Freude wie ein verliebtes Brautpaar. Kann uns wirklich nichts betrüben? Natürlich machen wir uns Sorgen. Natürlich gibt es traurige Erlebnisse. Aber wir sind nicht allein damit. Wir sind nicht verloren in dieser Welt. Gott selber steht uns bei. Gott tröstet uns wie eine Mutter. Er wischt uns sogar die Tränen ab.

Und sogar, wenn wir einmal sterben, gehen wir nicht verloren. „Himmlisch Leben wird er geben mir dort oben“, darauf dürfen wir uns verlassen. Und unser Herz soll nicht aufhören, Gott zu loben und zu danken, sei es hier auf der Erde oder dort in der Ewigkeit. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Ich möchte noch ein anderes Lied von einem Stern mit Ihnen singen, das Lied 407:

1. Stern, auf den ich schaue, Fels, auf dem ich steh, Führer, dem ich traue, Stab, an dem ich geh, Brot, von dem ich lebe, Quell, an dem ich ruh, Ziel, das ich erstrebe, alles, Herr, bist du.

2. Ohne dich, wo käme Kraft und Mut mir her? Ohne dich, wer nähme meine Bürde, wer? Ohne dich, zerstieben würden mir im Nu Glauben, Hoffen, Lieben, alles, Herr, bist du.

3. Drum so will ich wallen meinen Pfad dahin, bis die Glocken schallen und daheim ich bin. Dann mit neuem Klingen jauchz ich froh dir zu: nichts hab ich zu bringen, alles, Herr, bist du!

Lasst uns beten.

Herr Jesus Christus, wahres Licht:

Manchmal ist es in uns und bei uns dunkel: Leuchte in unser Leben! Mach es hell in unserem Herzen!

Manchmal sind wir traurig: Mach unser Herz froh!

Manchmal sind wir bedrückt: Mach unser Herz weit!

Manchmal haben wir keinen Glauben: Mach unser Herz zuversichtlich!

Manchmal hören wir schwer: Hilf uns zu verstehen, was die Menschen sagen!

Manchmal können wir uns nicht ausdrücken: Gib uns Worte zum Sprechen.

Manchmal zweifeln wir an allem: Schenk uns Gottvertrauen! Amen.

In der Stille bringen wir vor Gott, was wir persönlich auf dem Herzen haben:

Stille und Vater unser

Empfangt Gottes Segen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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