Jesus stellt sich quer

Es kommt nicht auf perfekte Gebete an. Wir können zu Gott kommen, wie dieser Mann zu Jesus kam, so, wie wir sind, mit unseren Problemen. Wie Gott auf unser Gebet reagiert, ist eine andere Sache. Jesus reagiert nicht wie ein Wunder-Automat. Er kann Ja und Nein sagen; und er sagt in diesem Fall auf eine andere Art Ja als erwartet.

Eine Jesus-Statue aus El Salvador

Jesus (Foto der Statue: pixabay.com)

direkt-predigtGottesdienst am Bibelsonntag, 25. Januar 1987, um 9.30 in Weckesheim und um 10.30 Uhr in Reichelsheim (gleiche Predigt auch am 18. Januar 1987)

Im Gottesdienst am Bibelsonntag begrüße ich Sie und euch alle herzlich im Reichelsheimer Gemeindesaal! Der Bibelsonntag ist am letzten Sonntag im Januar deswegen eingeführt worden, um einmal im Jahr ganz besonders auf die Bedeutung der Bibel für unseren Glauben hinzuweisen. Auf die Bibel, die jeden Sonntag die Grundlage unserer Verkündigung bildet und die wir als Christen jeden Tag lesen können, um uns Kraft und Ansporn für unser Leben zu holen.

Dann ist heute noch ein besonderer Tag, Tag der Bundestagswahl. Die Wahl ist wichtig für unser Land, und wir können auch als Christen dankbar sein für das Recht, geheim wählen zu dürfen. Aber wir sollten die Wahl auch nicht überbewerten, als ob eine Katastrophe heraufzieht, wenn diese oder jene Richtung heute Abend den Sieg davonträgt. Kein Christ kann einem anderen vorschreiben, welche Wahlentscheidung er treffen oder nicht treffen soll; jeder muss sich seiner eigenen Verantwortung bewusst sein. Weiter will ich auf die Wahl nicht eingehen, außer nachher in den Fürbitten.

Und nun beginnen wir den Gemeindegesang mit dem Lied EKG 144, 1-3 (EG 197), einem Loblied auf das Wort Gottes!

1. Herr, öffne mir die Herzenstür, zieh mein Herz durch dein Wort zu dir, lass mich dein Wort bewahren rein, lass mich dein Kind und Erbe sein.

2. Dein Wort bewegt des Herzens Grund, dein Wort macht Leib und Seel gesund, dein Wort ist’s, das mein Herz erfreut, dein Wort gibt Trost und Seligkeit.

3. Ehr sei dem Vater und dem Sohn, dem Heilgen Geist in einem Thron; der Heiligen Dreieinigkeit sei Lob und Preis in Ewigkeit.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren! (Lukas 11, 28)

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste, wie es war von Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Gott, unser Vater im Himmel! Die Bibel ist ein altes Buch. Manche Leute lassen sie im Bücherschrank verstauben und lesen nie darin. Sie geben sich nicht einmal die Mühe, die Worte der Bibel zu verstehen. Und doch ist ist in der Bibel dein Wort enthalten, eingepackt und manchmal richtig versteckt in menschlichen Worten. Deine Worte sprechen immer noch zu uns, jeden Tag neu, und niemals werden sie altmodisch. Manchmal müssen wir sie neu übersetzen, um sie zu verstehen. Manchmal müssen wir aber auch uns selbst ändern, um überhaupt hören, zuhören zu können. Öffne uns für dein Wort! Mach uns frei von Vorurteilen gegenüber der Bibel! Lass uns nicht so hochmütig gegenüber den Menschen der Bibel sein, die unser neuzeitliches Weltbild noch nicht kannten! Wecke in uns Herz und Verstand, Phantasie und Vorstellungskraft, um die Wahrheit zu entdecken, mit der die Bibel uns ganz persönlich anspricht. All das erbitten wir als Gabe deines Heiligen Geistes durch Jesus Christus, unseren Herrn. „Amen.“

Wir hören die Lesung aus dem Evangelium nach Johannes 4, 46-54. Es ist zugleich der Predigttext für den heutigen Sonntag.

46 Und Jesus kam abermals nach Kana in Galiläa, wo er das Wasser zu Wein gemacht hatte. Und es war ein Mann im Dienst des Königs; dessen Sohn lag krank in Kapernaum.

47 Dieser hörte, dass Jesus aus Judäa nach Galiläa kam, und ging hin zu ihm und bat ihn, herabzukommen und seinem Sohn zu helfen; denn der war todkrank.

48 Und Jesus sprach zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht.

49 Der Mann sprach zu ihm: Herr, komm herab, ehe mein Kind stirbt!

50 Jesus spricht zu ihm: Geh hin, dein Sohn lebt! Der Mensch glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin.

51 Und während er hinabging, begegneten ihm seine Knechte und sagten: Dein Kind lebt.

52 Da erforschte er von ihnen die Stunde, in der es besser mit ihm geworden war. Und sie antworteten ihm: Gestern um die siebente Stunde verließ ihn das Fieber.

53 Da merkte der Vater, dass es die Stunde war, in der Jesus zu ihm gesagt hatte: Dein Sohn lebt. Und er glaubte mit seinem ganzen Hause.

54 Das ist nun das zweite Zeichen, das Jesus tat, als er aus Judäa nach Galiläa kam.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege: Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Lied EKG 453, 1-3 (EG 571):

1. Nun geh uns auf, du Morgenstern, du seligmachend Wort des Herrn, du Pfand des Heils, das uns im Sohn der Vater gab von seinem Thron.

2. Bereitet ist für dich die Bahn, die Herzen sind dir aufgetan, wir sehnen uns nach deinem Licht und seufzen auf: versäum uns nicht.

3. Du Wort der Wahrheit, lautrer Quell, mach unsre dunklen Augen hell, dass wir die Wege Gottes sehn und in der Welt nicht irre gehn.

Liebe Gemeinde!

Wieder so eine Wundergeschichte mit Jesus! Können wir an dieses Wunder glauben? Es ist eine Fernheilung; und ganz genau wird beschrieben, wie der königliche Beamte nachforscht, ob auch wirklich ein Zusammenhang besteht zwischen Jesu Worten und dem Zeitpunkt, an dem es besser geworden ist mit seinem Jungen. Befremdlich mutet uns das an, uns Verstandesmenschen des 20. Jahrhunderts, obwohl… auch in unseren Tagen gibt es noch die Wundersucht, letzte Hoffnungen, die man auf Wunderheiler setzt. Es gibt sogar in den letzten Jahren und Monaten gehäuft Fernsehsendungen, die sich mit dem Phänomen der Geistheilung und der Fernheilung auseinandersetzen, und viele fragen sich ernsthaft, und mit einer Mischung aus Skepsis und Faszination, ob nicht vielleicht doch etwas dran sein könnte, ob man so etwas möglicherweise sogar mit Hilfe des Fernsehens überprüfen könnte.

Meine Meinung dazu ist: es ist für uns ganz gleichgültig, ob man nachweisen kann, dass es z. B. ein sogenannter Geistheiler geschafft hat, einen anderen Menschen über eine weite Entfernung hinweg zu heilen. Es mag sein, dass es solche Fähigkeiten gibt; viel spricht dafür, dass manche Menschen telepathische Fähigkeiten haben, also Einfühlungsmöglichkeiten in andere Menschen, die ganz weit entfernt leben. Für die Menschen der Bibel waren solche Begabungen zwar auch nichts Alltägliches, aber sie waren gut denkbar und wurden vielen berühmten Männern und Frauen zugetraut. Wichtig und entscheidend ist nun allein, wie man mit solchen wunderbaren Fähigkeiten umgeht und wozu sie dienen sollen.

Als der Mann im Dienst des Königs zu Jesus kommt, da hat er schon einen weiten Weg hinter sich. Eine Tagesreise entfernt ist Kana von Kapernaum; hierher hat sich der Beamte auf den Weg gemacht. Aber auch im übertragenen Sinne war es für den Mann ein weiter Weg. Beamter des Königs Herodes zu sein, war ja wohl eine gehobene Stellung, und jetzt macht er sich auf zu einem umherziehenden Wanderprediger, der keinen gesellschaftlichen Rang hat und der ja von Herodes wohl auch verfolgt worden ist wie der Täufer Johannes. Es muss ihn Überwindung gekostet haben, als ein Bittsteller zu Jesus zu gehen; und man kann sich vorstellen, wie sehr er um seinen Sohn gebangt hat, dass er sich an diese letzte Hoffnung wie an einen Strohhalm klammert. Und nun kommt er zu Jesus und bittet ihn, nach Kapernaum herabzukommen und seinem Sohn zu helfen, seinem todkranken Sohn.

Und Jesus antwortet ausweichend. „Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht.“ Er sagt nicht: Ich komme! Oder: Ich komme nicht! oder: Ich kann deinen Sohn nicht heilen! oder: Ich kann ihn heilen! In diesem Augenblick, in dem der Mann ihm sein Herzensanliegen vorträgt, weist ihn Jesus zurecht. Er stößt ihn sozusagen vor den Kopf, denn der Mann hat doch bestimmt Hilfe erwartet und nicht, dass ihm Jesus eine Predigt hält.

Das Wunder läuft nicht so ab, wie man es erwarten könnte. Jesus stellt sich quer. Der königliche Beamte erwartet, dass Jesus mit ihm gehen würde, vielleicht seinem Jungen die Hand auflegen würde, und dann gäbe es vielleicht noch eine Chance für ihn. Jesus verändert aber das Thema der Begegnung mit dem Vater des kranken Sohnes. Er fängt vom „Glauben“ an zu reden. „Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht.“

Würde sich denn irgendetwas daran ändern, dass das kranke Kind dem Tod geweiht war, wenn der Vater glauben könnte? Sterben nicht auch gläubige Menschen, und zwar manchmal in qualvoller Weise, und müssen nicht auch christliche Eltern manchmal ein Kind in den Tod hingeben? Ist der Glaube ein Heilmittel gegen den Tod?

Offensichtlich müssen wir die Frage in dieser Weise stellen, um zu merken, was für Jesus wirklich wichtig ist im Leben. Es geht nicht um die Lebensrettung um jeden Preis. Denn für Jesus ist ein Leben ohne Glauben gleichbedeutend mit dem Tod, und umgekehrt, wenn ein Sterbender glauben kann, dann hat er das Leben, sogar ewiges Leben. Es gibt Wichtigeres als die Gesundheit, sogar Wichtigeres, als das irdische Leben zu bewahren, das haben alle bezeugt, die ihr Leben für den Glauben eingesetzt haben, Jesus selbst, und viele der Apostel und später die Blutzeugen der Kirche, die Märtyrer.

Zugleich weiß Jesus, dass uns Menschen der Glaube so schwer fällt. Glaube ist ja das Vertrauen auf den Gott, den man nicht sieht und der meist im Verborgenen handelt. Glaube ist nach außen hin immer eine ungesicherte Angelegenheit. Und das stellt Jesus einfach so fest: „Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht.“

Aber der Mann, obwohl von Jesus zunächst einmal zurückgewiesen in seinem Wunsch, lässt nicht locker. Er spricht zu ihm: „Herr, komm herab, ehe mein Kind stirbt!“ Sein Wunsch ist doch verständlich, jeder, der Kinder hat, die ihm ans Herz gewachsen sind, wird mit diesem Mann mitfühlen können. Er geht in diesem Augenblick nicht auf die Frage „Glauben“ oder „Nicht-Glauben“ ein, er möchte sicher auch kein Wunder Jesu sehen, nur um einen Beweis für den Glauben zu haben, ihm geht es allein um sein Kind, es soll nicht sterben. Und den Glauben hat er, den lebt er, dass Jesus ihm helfen kann, und so hört er nicht auf, ihn zu bitten.

Wir können daraus vielleicht etwas für unser Gebet lernen. Es kommt nicht darauf an, dass wir nur perfekte Gebete sprechen. Dass wir uns genau überlegen, was Gott wohl hören will und was wir uns nicht erlauben dürfen, vor ihm auszusprechen. Wir können im Gebet so zu Gott kommen, wie dieser Mann zu Jesus kam, einfach so, wie wir sind, mit unseren Wünschen und unseren Problemen. Wie Gott dann auf unser Gebet reagiert, ist eine andere Sache. Das sehen wir auch an dieser Geschichte: Jesus reagiert nicht wie ein Wunder-Automat, er handelt selbständig. Er kann Ja und Nein sagen; und er sagt in diesem Fall auf eine andere Art Ja als erwartet.

Seine Antwort ist nun einfach: „Geh hin, dein Sohn lebt!“ Ganz gleich, was wir von Fernheilungen halten; der Erzähler will damit sagen, dass das Wort Jesu heilende Wirkung hat und dass man das bloße Wort Jesu in seiner Kraft nicht unterschätzen soll.

Was für eine Kraft dieses Wort hat, sehen wir schon im nächsten Satz. „Der Mensch glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin.“ Jesus hat mit seinem Wort den Mann verändert. Der glaubt jetzt, der vertraut jetzt. Seine innere Haltung ist anders geworden. Zunächst einmal scheint sich zwar dieses „Glauben“ noch vordergründig darauf zu beziehen, ob das Wunder der Fernheilung wirklich eingetreten ist oder nicht. Denn sehr ausführlich wird nun die Heimreise des königlichen Beamten geschildert, wie ihm seine Knechte entgegenkommen und von der Besserung des Kindes berichten, und wie er erfährt, dass der Junge wirklich zu der Stunde gesund geworden ist, als Jesus zu ihm gesagt hat: „Dein Sohn lebt.“ Aber der Schlusssatz der Geschichte weist über solch einen einfachen Wunderglauben hinaus und knüpft an den kritischen Satz Jesu vom Anfang an: „Er glaubte mit seinem ganzen Hause.“ Die ganze Familie ist zu einer anderen Lebenshaltung gekommen, der Haltung des Glaubens.

Nun könnte man sagen: Da ist aber doch ein Widerspruch in der Geschichte. Einerseits kritisiert Jesus die Wundersüchtigkeit der Leute, die nur glauben, wenn sie Zeichen und Wunder sehen. Und dann tut er doch ein Wunder. Dass der Mann im Dienst des Königs dann zum Glauben kommt, dazu gehört nicht mehr viel.

Sicher liegt darin ein Widerspruch. Ganz wird man nicht aufklären können, wie es dazu kommt. Manche sagen, dass schon die ersten Nachfolger Jesu es sich einfach nicht verkneifen konnten, auch von Jesus immer mehr und immer tollere Wunder zu erzählen, weil sie seine Größe und Göttlichkeit herausstellen wollten – auch wenn die wirklichen Begebenheiten sich vielleicht ganz anders abgespielt haben. Immerhin wissen wir genau, dass Jesus selbst nie ein Wunder tun wollte, um seine Göttlichkeit zu beweisen. Und auch nicht, um jemanden zum Glauben zu bringen. Zum Glauben zu kommen, das ist vielmehr ein Wunder ganz eigener Art. Es ist nämlich nicht immer so, dass Menschen geheilt werden oder Hilfe erfahren und dann auch wirklich glauben. Manche leben nachher so weiter wie vorher, und Jesus hat sie zwar geheilt, in Wirklichkeit ist ihnen aber nicht geholfen. So war es bei neun von zehn Aussätzigen, denen Jesus half und die es nicht für nötig hielten, sich zu bedanken. So war es auch bei einem Gelähmten in Jerusalem am Teich Bethesda, den Jesus heilte, und der Jesus zum Dank dafür bei den Priestern denunzierte. Hier beim königlichen Beamten geschehen also im Grunde zwei Wunder: ein Fernheilungswunder und das Wunder, dass eine ganze Familie zum Glauben kommt.

Aber wenn es im Grunde mehr auf das zweite Wunder ankommt, warum wird dann vom ersten, vom Heilungswunder, so ausführlich erzählt? Ich denke, weil es trotz allem einen engen Zusammenhang zwischen dem Glauben und dem Heilwerden gibt. Es ist Jesus eben nicht gleichgültig, wie es dem königlichen Beamten und seinem Kind geht. Es ist Gott nicht egal, was wir erleben und empfinden. Er fordert nicht einfach Glauben ohne Rücksicht auf unsere alltäglichen Erfahrungen. Unsere Gefühle und Wünsche sind ihm wichtig.

Aber er weist nun eben auch darauf hin, dass uns noch nicht wirklich geholfen ist, wenn eins unserer Probleme äußerlich gelöst wurde, etwa durch eine übernatürliche Tat, die wir Wunder nennen. Nur wenn unsere Einstellung zum Leben, unsere Einstellung zu Gott sich ändert, werden wir wirklich gesund, leben wir wirklich in Beziehungen zu Gott und zueinander, die heil geworden sind. Wir wissen wohl alle, dass ein gläubiger Mensch ganz anders mit einer Krankheit fertig werden kann, als wenn einer so verzweifelt ist, dass er nur jammern und klagen kann. Und manchmal kann ein Mensch erst von Schmerzen oder bestimmten Krankheitssymptomen geheilt werden, wenn er dazu bereit ist, seelischen Problemen auf den Grund zu gehen, die zu einer äußerlich sichtbaren Krankheit geführt haben. Wer z. B. meint, er könne niemandem sein Vertrauen schenken und schluckt jeden Schmerz und alle Tränen herunter, der wird vielleicht Magenschmerzen oder Magengeschwüre bekommen. Ihm hilft es letztlich nur, wenn er jemanden findet, der mit ihm den langen Weg geht, das Vertrauen und das Weinen zu lernen. Vielleicht auch das Einsehen einer Schuld und das Akzeptieren von Vergebung. Das sind Beispiele dafür, wie Vertrauen und Heilung zusammenhängen können, und dass es kein kleines Wunder ist, wenn ein Mensch, der nie glauben und vertrauen konnte, sich innerlich verändern lässt und zum Glauben kommt. Dieses Wunder ist bei uns aber ebenso möglich wie zur Zeit Jesu – daran erinnert uns die Geschichte vom Beamten des Königs Herodes, der zum Glauben kam mit seinem ganzen Hause. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.
Lied EKG 453, 4-7 (EG 571):

4. Du Wort der Buße, füll das Herz uns an mit tiefem Reueschmerz, dass unser Flehn und Seufzen sei: Gott, steh uns armen Sündern bei!

5. Du Wort der Gnade, tröstend Wort, o bring uns Botschaft fort und fort von ihm, der für uns litt und starb und uns Gerechtigkeit erwarb.

6. Du Wort des Glaubens, gib uns Kraft, dass wir, der Eitelkeit entrafft, im gnädig dargebotnen Heil ergreifen unser ewges Teil.

7. So geh uns auf, du Gottesglanz, durchdring uns und verklär uns ganz, du Wort, das noch in Kraft besteht, wenn Erd und Himmel untergeht.

Gott, hab Dank, dass wir uns in deinem Namen versammeln können, dass uns das Wort der Bibel geschenkt ist, als Zuspruch und als Herausforderung. Mach in uns den Glauben stark, denn wir brauchen ihn jeden Tag, dann, wenn wir feiern, und dann, wenn wir arbeiten, in der Freude und in der Trauer, in der Familie und in der Schule, in der Fabrik und im Büro, im Freundeskreis und im öffentlichen Leben. Du lässt uns nie allein, du entlässt uns aber auch nie aus unserer Verantwortung für den Nächsten.

Heute bitten wir dich besonders: Lass deinen Segen auch über der Stimmabgabe für den Bundestag ruhen. Hilf allen Wählern zu einer verantwortlichen Entscheidung. Für alle, die heute gewählt werden, bitten wir, dass sie ihr Mandat nicht für eigensüchtige Interessen einsetzen, sondern für Frieden und Gerechtigkeit und für die Bewahrung der Schöpfung. Und wo der Streit über verschiedene Wege zu diesen Zielen notwendig ist, hilf allen zu einer fairen Auseinandersetzung, die auch im Gegner den Menschen achtet.

Wir wollen im Gebet über den großen Tagesthemen aber nicht die Schicksale einzelner Menschen aus unserer Gemeinde vergessen; wir denken an Kranke und Belastete, an Menschen, die Grund zum Feiern haben, und an Menschen, die vom Leid getroffen wurden. Insbesondere schließen wir heute in unsere Fürbitte ein: Herrn …, der im Alter von 75 Jahren gestorben ist und in der vorvergangenen Woche kirchlich bestattet wurde, mit dem Bibelwort aus Römer 69 23: „Die Gabe Gottes ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserem Herrn.“ Wir denken an alle, die um ihn trauern; und bitten dich, Vater im Himmel, um deinen Trost. Was uns außerdem auf der Seele liegt, das bringen wir in der Stille vor dich, o Herr:

Gebetsstille und Vater unser

Zum Schluss singen wir vor dem Segen das Lied EKG 394, 4-7 (EG 423): „Lass alle, die regieren, ihr Amt getreulich führen“, auch noch einmal ein gesungenes Gebet, das auf den heutigen Wahltag eingestellt ist:

4. Lass alle, die regieren, ihr Amt getreulich führen, schaff jedermann sein Recht, dass Fried und Treu sich müssen in unserm Lande küssen, und segne beide, Herrn und Knecht.

5. Wend ab in allen Gnaden so Feu’r- als Wasserschaden, treib Sturm und Hagel ab, bewahr des Landes Früchte und mache nicht zunichte, was deine milde Hand uns gab.

6. Gib uns den lieben Frieden, mach alle Feind ermüden, verleih gesunde Luft, lass keine teuren Zeiten auf unsre Grenzen schreiten, da man nach Brot vergebens ruft.

7. Die Hungrigen erquicke und bringe die zurücke, die sonst verirret sein. Die Witwen und die Waisen wollst du mit Troste speisen, wenn sie zu dir um Hilfe schrein.

Abkündigungen: Heute nachmittag um 17.00 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst in Dorn-Assenheim (ganz anders als heute früh); auch zum Bibelsonntag, und zwar unter der Leitfrage: „Wen wählt Gott?“ Vorher oder nachher kann dort in der katholischen Kirche eine kleine Bibelausstellung besichtigt werden. Ich kann gleich noch fünf Bibelkataloge unserer Bibelgesellsehaft an Interessierte verteilen.

Segen

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