„Sie sind wie Engel im Himmel“

Den Tod bedenken, um klug zu werden.

Es ist sinnlos, sich Gedanken darüber zu machen, mit welchem Mann eine Frau zusammen sein wird, die mehrere Männer gehabt hat. Im Himmel wird nicht mehr geheiratet, im Himmel gelten andere Regeln. Sie werden sein wie die Engel, sagt Jesus. Engel sind Person gewordene Gedanken Gottes. Die Toten bleiben aufbewahrt in Gottes Gedanken.

Drei Engel in einem Torborgen in Budva, Montenegro

Drei in weiblicher Gestalt dargestellte Engel – niemand weiß, wie Engel wirklich aussehen (Bild: pixabay.com)

direkt-predigtGottesdienst am Ewigkeitssonntag, den 25. November 2001, 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Im Gottesdienst am Ewigkeitssonntag begrüße ich Sie herzlich in der Pauluskirche mit dem Bibelwort aus dem Psalm 90, 12:

„Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“

Wir bedenken in diesem Gottesdienst eine Klugheit des Glaubens, die tiefer blickt als zynische Weltklugheit. Hinter dem Dunkel des Todes und der Trauer leuchtet das Licht des ewigen Lebens und des Gottes, der einmal alle Tränen von unseren Augen abwischen wird.

Wir singen mit dem Lied 528 von menschlicher Vergänglichkeit und von Gottes Ewigkeit:

1) Ach wie flüchtig, ach wie nichtig ist der Menschen Leben! Wie ein Nebel bald entstehet und auch wieder bald vergehet, so ist unser Leben, sehet!

2) Ach wie nichtig, ach wie flüchtig sind der Menschen Tage! Wie ein Strom beginnt zu rinnen und mit Laufen nicht hält innen, so fährt unsre Zeit von hinnen.

3) Ach wie flüchtig, ach wie nichtig ist der Menschen Freude! Wie sich wechseln Stund und Zeiten, Licht und Dunkel, Fried und Streiten, so sind unsre Fröhlichkeiten.

4) Ach wie nichtig, ach wie flüchtig ist der Menschen Schöne! Wie ein Blümlein bald vergehet, wenn ein rauhes Lüftlein wehet, so ist unsre Schöne, sehet!

8) Ach wie nichtig, ach wie flüchtig sind der Menschen Sachen! Alles, alles, was wir sehen, das muss fallen und vergehen. Wer Gott fürcht‘, wird ewig stehen.

Mit gesungenen Seufzern haben wir unseren Gottesdienst begonnen: Ach wie flüchtig, ach wie nichtig ist alles Menschliche! Unser Leben endet im Tod. Der Tod stellt alles, was uns wichtig und wertvoll ist, in Frage. Doch das geseufzte Lied endet mit einem Kontrapunkt: „Wer Gott fürcht‘, wird ewig stehen!“ Ewigkeitssonntag könnten wir nicht feiern im Vertrauen auf menschliche Kräfte. Sondern wir feiern ihn:

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Je mehr der Mensch sich selbständig gemacht hat von Gott, je mehr er erforscht und erfunden hat, je freier er geworden ist durch Aufklärung und politische Umwälzungen, desto mehr ist er auch an seine Grenzen gestoßen. Wissenschaft und Technik erleichtern das Leben, aber sie besiegen nicht den Tod. Freiheit ohne die Fähigkeit, sich zu binden, lässt viele Menschen innerlich leer werden. Gerade der moderne Mensch ist angewiesen auf den ewigen Gott. Er schenkt Freiheit, indem er in die Verantwortung ruft. Er schenkt Leben, indem er den Tod überwindet.

Kommt, lasst uns ihn anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Wir trauern und suchen Trost. Wir beklagen, was vergangen ist und suchen, was bleibt. Wir wissen, dass wir alle sterben müssen, und sehnen uns nach Ewigkeit. Wir haben ein so kurzes Leben und bringen nicht alles zustande, was wir uns vorgenommen haben. Wir tragen so viel Verantwortung und versagen doch immer wieder. Darum rufen wir zu Gott:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Vor Gott können wir beides laut werden lassen, Klage und Lob. Lasst uns gemeinsam mit Worten aus Psalm 102 zu Gott beten. Er steht im Gesangbuch unter Nr. 741. Lesen Sie bitte die eingerückten Verse:

2 HERR, höre mein Gebet und lass mein Schreien zu dir kommen!

3 Verbirg dein Antlitz nicht vor mir in der Not, neige deine Ohren zu mir; wenn ich dich anrufe, so erhöre mich bald!

4 Denn meine Tage sind vergangen wie ein Rauch, und meine Gebeine sind verbrannt wie von Feuer.

7 Ich bin wie die Eule in der Einöde, wie das Käuzchen in den Trümmern.

8 Ich wache und klage wie ein einsamer Vogel auf dem Dache.

12 Meine Tage sind dahin wie ein Schatten, und ich verdorre wie Gras.

13 Du aber, HERR, bleibst ewiglich und dein Name für und für.

14 Du wollest dich aufmachen und über Zion erbarmen; denn es ist Zeit, dass du ihm gnädig seist, und die Stunde ist gekommen.

20 Denn er schaut von seiner heiligen Höhe, der HERR sieht vom Himmel auf die Erde,

21 dass er das Seufzen der Gefangenen höre und losmache die Kinder des Todes,

22 dass sie in Zion verkünden den Namen des HERRN und sein Lob in Jerusalem,

23 wenn die Völker zusammenkommen und die Königreiche, dem HERRN zu dienen.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Gott, so viel Trauer gab es im vergangenen Jahr. So viele Menschen, die wir geliebt haben, leben nicht mehr unter uns. Wege liegen hinter uns, die zu gehen wehgetan hat. Wege liegen vor uns, von denen wir noch nicht wissen, wohin sie uns führen. Leite du uns, guter Gott, zeige uns Wege, auf denen wir nicht in die Irre gehen, nimm uns an der Hand und begleite uns mit deinem Trost. Darum bitten wir dich im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören Worte Jesu aus Johannes 5, 24-29:

24 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.

25 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es kommt die Stunde und ist schon jetzt, dass die Toten hören werden die Stimme des Sohnes Gottes, und die sie hören werden, die werden leben.

26 Denn wie der Vater das Leben hat in sich selber, so hat er auch dem Sohn gegeben, das Leben zu haben in sich selber;

27 und er hat ihm Vollmacht gegeben, das Gericht zu halten, weil er der Menschensohn ist.

28 Wundert euch darüber nicht. Denn es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören werden,

29 und werden hervorgehen, die Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Böses getan haben, zur Auferstehung des Gerichts.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis

Wir singen aus Lied 331 die Strophen 5 bis 8:

5) Dich, Gott Vater auf dem Thron, loben Große, loben Kleine. Deinem eingebornen Sohn singt die heilige Gemeinde, und sie ehrt den Heilgen Geist, der uns seinen Trost erweist.

6) Du, des Vaters ewger Sohn, hast die Menschheit angenommen, bist vom hohen Himmelsthron zu uns auf die Welt gekommen, hast uns Gottes Gnad gebracht, von der Sünd uns frei gemacht.

7) Durch dich steht das Himmelstor allen, welche glauben, offen; du stellst uns dem Vater vor, wenn wir kindlich auf dich hoffen; du wirst kommen zum Gericht, wenn der letzte Tag anbricht.

8) Herr, steh deinen Dienern bei, welche dich in Demut bitten. Kauftest durch dein Blut uns frei, hast den Tod für uns gelitten; nimm uns nach vollbrachtem Lauf zu dir in den Himmel auf.

Liebe Gemeinde!

Wenn ein Mensch stirbt, dann hinterlässt er eine Lücke in unserem Leben. Doch in der Ewigkeit Gottes geht er nicht verloren.

Ein Mensch vollendet seine Jahre und muss doch so viele Pläne und Lebensziele unvollendet zurücklassen. Doch nicht wir fällen das letzte Urteil, sondern Gott. Ein Gott, der unser Schicksal als Menschenkind geteilt hat. Ein Richter, der Sünder freispricht.

Ein Menschenleben scheint zu kurz zu sein, um eine Bedeutung zu haben. Wie eine Kerze innerhalb kurzer Zeit niederbrennt, so verzehrt sich der Mensch innerhalb weniger Jahrzehnte, strahlt auf, gibt Wärme ab, in Liebe und Sorge, in Freude und Leid, bis er im Tode verlischt. Doch in Gottes Augen ist jeder Mensch unendlich wertvoll, denn Gott schaut uns mit Liebe an.

Unser irdisches Lebenslicht können wir aus eigener Kraft nicht über den Tod hinaus bewahren. Doch der ewige Gott zündet es neu an für die Ewigkeit.

Menschen sind im vergangenen Jahr gestorben, die uns nahe standen, die unserer Gemeinde angehörten, die wir liebhatten.

Menschen, die einen großen oder kleinen Teil ihres Lebens mit uns geteilt und unser Leben mitgeprägt haben.

Für alle Verstorbenen, die wir im vergangenen Kirchenjahr in der Paulusgemeinde bestattet haben, zünden wir eine Kerze an. Ein Licht zum Zeichen, dass wir mit den Toten in Liebe verbunden bleiben. Ein Licht auch zum Zeichen, dass die Toten bewahrt bleiben in Gottes ewiger Liebe.

So schließen wir in unsere Fürbitte ein und zünden eine Kerze an – für:

47 Verstorbene des vergangenen Kirchenjahres.

Vielleicht gibt es noch andere Menschen, um die Sie trauern, die nicht hier oder nicht in diesem Jahr bestattet worden sind. Sie können, wenn Sie möchten, jetzt nach vorn kommen und auch für sie eine Kerze anzünden.

Nun lasst uns aus dem Lied 331 die letzten drei Strophen 9 bis 11 singen:

9) Sieh dein Volk in Gnaden an. Hilf uns, segne, Herr, dein Erbe; leit es auf der rechten Bahn, dass der Feind es nicht verderbe. Führe es durch diese Zeit, nimm es auf in Ewigkeit.

10) Alle Tage wollen wir dich und deinen Namen preisen und zu allen Zeiten dir Ehre, Lob und Dank erweisen. Rett aus Sünden, rett aus Tod, sei uns gnädig, Herre Gott!

11) Herr, erbarm, erbarme dich. Lass uns deine Güte schauen; deine Treue zeige sich, wie wir fest auf dich vertrauen. Auf dich hoffen wir allein: lass uns nicht verloren sein.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde!

„Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden!“

Mit diesem Wort aus Psalm 90, 12 haben wir diesen Gottesdienst angefangen. Aber wer tut das gerne, über den Tod nachdenken? Jemand sagt: An sich sollte man ein Testament machen, damit es später keinen Streit unter den Angehörigen gibt. Aber dann mache ich es doch nicht. Als ob dann wirklich etwas passieren würde. Oder letzte Woche vor dem Kino – es lief der Film „Tisch 6“, über die Erfahrungen von Medizinstudenten in einem Präparierkurs – da hörte ich eine Frau sagen: Nein, das könnte ich mir nicht ansehen, ich könnte die ganze Nacht nicht schlafen. Der Tod – unbegreiflich, bedrohlich, ängstigend für die meisten.

Viele von Ihnen sind dieser Erfahrung in diesem Jahr begegnet. Sie mussten sich dem Tod stellen, weil er Ihnen jemanden genommen hat, der ihnen viel bedeutet hat. Heute denken wir gemeinsam über den Tod nach, noch einmal anders als bei der Trauerfeier, bei der wir einem einzelnen Menschen gerecht zu werden versucht haben. Den Tod bedenken, um klug zu werden.

Was den Tod so bedrohlich macht, ist seine Endgültigkeit. Und doch können wir Menschen nicht anders, als zu fragen: Was kommt danach? Dann kommt nichts mehr, sagen die einen. Dann lebt die Seele weiter, sagen andere, entweder in einem anderen Körper oder im Himmel. Wieder andere sind überzeugt: erst kommt das Weltgericht, da entscheidet es sich, wo jemand die Ewigkeit verbringt. Auf die Frage „Gibt es ein Leben nach dem Tod?“ wissen Menschen keine Antwort, aber sie haben um so mehr verschiedene Meinungen darüber.

Gibt es überhaupt Antworten auf diese Frage? Antworten, die uns ruhig werden lassen, die uns Gewissheit geben? Die uns klug machen? Im Evangelium nach Matthäus 22, 23-28, wird erzählt, wie die Partei der Sadduzäer auf Jesus zugeht und ihn in genau dieser Frage in die Enge treiben will:

23 [Eines Tages] traten die Sadduzäer zu [Jesus], die lehren, es gebe keine Auferstehung, und fragten ihn

24 und sprachen: Meister, Mose hat gesagt (5. Mose 25, 5.6): »Wenn einer stirbt und hat keine Kinder, so soll sein Bruder die Frau heiraten und seinem Bruder Nachkommen erwecken.«

25 Nun waren bei uns sieben Brüder. Der erste heiratete und starb; und weil er keine Nachkommen hatte, hinterließ er seine Frau seinem Bruder;

26 desgleichen der zweite und der dritte bis zum siebenten.

27 Zuletzt nach allen starb die Frau.

28 Nun in der Auferstehung: wessen Frau wird sie sein von diesen sieben? Sie haben sie ja alle gehabt.

Sadduzäer sind weltkluge Leute. Sie haben einflussreiche Positionen im Staat und im Priestertum inne. Wenn sie über den Tod nachdenken, denken sie logisch, verstandesbetont. Mit dem Herzen sind sie weniger dabei. Sie belächeln die Pharisäer, die an die Auferstehung der Toten glauben – das sind Leute aus dem einfachen Volk, die brauchen etwas, um sich auf ein Jenseits zu vertrösten.

Die Sadduzäer wollen nicht klug werden. Sie wissen schon, was sie wissen wollen. Ihre Frage an Jesus ist eine Fangfrage. Um so spannender ist die Antwort Jesu.

29 Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Ihr irrt, weil ihr weder die Schrift kennt noch die Kraft Gottes.

30 Denn in der Auferstehung werden sie weder heiraten noch sich heiraten lassen, sondern sie sind wie Engel im Himmel.

31 Habt ihr denn nicht gelesen von der Auferstehung der Toten, was euch gesagt ist von Gott, der da spricht (2. Mose 3, 6):

32 »Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs«? Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden.

33 Und als das Volk das hörte, entsetzten sie sich über seine Lehre.

Jesus antwortet, und das Volk entsetzt sich über seine Lehre. Liegt es daran, dass er so souverän die Bibel auslegt? Liegt es daran, dass er liebgewordene Vorstellungen mit einem Satz vom Tisch fegt? Liegt es daran, dass ihnen Gott hier zu nahe kommt – ein Gott zum Anfassen, ein Gott der Lebenden, nicht der Toten?

Alle Spekulationen, wie es wohl im Himmel aussieht, will Jesus nicht beantworten. Darin ist der Gottessohn ganz Mensch, dass er sich bescheidet: Ein Mensch kann nicht mit göttlichen Augen sehen – und alles, was er über diese Welt hinaus beschreiben will, kann er nur in Bildern beschreiben, die aus der Erfahrung dieser Welt genommen sind. So tut es Jesus hier: Er verweigert einfach die Auskunft über Einzelheiten des himmlischen Lebens. Es hat schlicht keinen Sinn, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, mit welchem Mann eine Frau zusammen sein wird, die nacheinander mehrere Männer gehabt hat. Im Himmel wird nicht mehr geheiratet, im Himmel gelten andere Regeln. Sie werden sein wie die Engel, sagt Jesus. Engel sind in der Bibel Boten Gottes, gute Mächte, die seinen Willen ausrichten oder ausführen. Viele Menschen spüren Engel am Werk, wenn sie sich behütet und begleitet wissen in einer oft bedrohlichen Welt. Engel sind sozusagen Person gewordene Gedanken Gottes. Die Toten bleiben aufbewahrt in Gottes Gedanken. Aus dem Gedächtnis erschafft er sie neu in seinem Reich – aber nicht genauso, wie sie hier auf der Erde waren, sondern anders, herrlich, engelhaft, unvorstellbar selbst für die blühendste irdische Phantasie.

Sie werden sein wie die Engel – Jesus sagt nicht mehr und nicht weniger über die Toten. Hört auf mit dem fruchtlosen Streit, ob es die Auferstehung gibt oder nicht, ob sie mit unserem Verstand vereinbar ist oder nicht. Zu begreifen ist sie mit dem Verstand sowieso nicht. Als sein eigener Tod kurz bevorsteht, sagt er zu einem reuigen Sünder, der neben ihm am Kreuz stirbt (Lukas 23, 43):

Heute wirst du mit mir im Paradies sein.

So kindlich schlicht und so klug hat Jesus geglaubt.

Dieser Glaube hat einen festen Grund. Jesus ist überzeugt: Wenn Gott der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs ist, wie das jüdische Volk bekennt, dann können Abraham, Isaak und Jakob nicht einfach tot sein.

Gott umgibt sich nicht mit Toten, er ist ein Gott der Lebenden.

Vielleicht ist es das, was die Zuhörer Jesu so entsetzt. Wenn Gott ein Gott der Lebenden ist, dann bedeutet das ja vor allem – er selbst ist lebendig. Er ist nicht einfach etwas, was nur die Toten angeht und worum wir uns im Leben nicht weiter kümmern müssen. Wenn Gott lebt, wenn es die Toten mit ihm zu tun bekommen, dann bekommen es auch wir in diesem Leben schon mit ihm zu tun. Dann hat er auch Ansprüche an uns, die auf Erden leben. Ansprüche, weil alles, was wir sind und haben, ursprünglich von ihm kommt. Er ist es ja, der uns das Leben geschenkt hat. Vor ihm müssen wir Rechenschaft ablegen, uns verantworten: Was fangen wir mit unserem Leben an? Wie antworten wir auf seine Liebe? Wie barmherzig gehen wir miteinander und mit uns selbst um?

Es gibt Menschen, die halten es nicht aus, wenn jemand ihnen verständnisvoll und einfühlsam begegnet. Sie haben so etwas nie erlebt, sind so oft enttäuscht worden, dass sie sich schützen wollen vor weiteren Verletzungen. Darum hat Jesus so oft Entsetzen hervorgerufen mit seiner Rede von einem Gott, der ein guter Vater ist. Wie soll das gehen? Fordert nicht Gott zu viel? Hilft er uns wirklich? Liebt er uns auch, wenn wir immer wieder an ihm zweifeln?

Jesus gibt nicht auf, uns zu überzeugen. Seid klug und rechnet mit Gott! Gott ist real. Gott ist lebendig. Gott ist der Vater, der uns liebevoll an der Hand nimmt und uns den Weg zeigt. Gott ist barmherzig mit uns Sündern. Gott lässt uns leben ohne seelischen Druck als seine geliebten Kinder. Gott nimmt uns wie eine Mutter tröstend in den Arm. Gott ist das Licht in unserer Dunkelheit. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit Trost und Zuversicht und Frieden im Glauben. Amen.

Wir singen ein Lied von der Begleitung durch Gott, den Vater, und durch seine Engel – Nr. 393, die Strophen 6 bis 8:

6) Kommt, Kinder, lasst uns gehen, der Vater gehet mit; er selbst will bei uns stehen bei jedem sauren Tritt; er will uns machen Mut, mit süßen Sonnenblicken uns locken und erquicken; ach ja, wir haben’s gut, ach ja, wir haben’s gut.

7) Kommt, Kinder, lasst uns wandern, wir gehen Hand in Hand; eins freuet sich am andern in diesem wilden Land. Kommt, lasst uns kindlich sein, uns auf dem Weg nicht streiten; die Engel selbst begleiten als Brüder unsre Reihn, als Brüder unsre Reihn.

8) Sollt wo ein Schwacher fallen, so greif der Stärkre zu; man trag, man helfe allen, man pflanze Lieb und Ruh. Kommt, bindet fester an; ein jeder sei der Kleinste, doch auch wohl gern der Reinste auf unsrer Liebesbahn, auf unsrer Liebesbahn.

Barmherziger Gott, die Kerzen, die wir anzünden, brennen nieder, so wie unser Leben auf dieser Erde sich verzehrt. Doch wir bleiben voller Zuversicht, dass unser Vertrauen auf dich nicht vergeblich ist und du uns bewahrst im Leiden und im Sterben, im Tod und im Auferstehen. Bewahre alle, die wir geliebt haben, in den Gedanken deiner Liebe!

Wir bitten dich auch für uns: Lass uns nicht stolpern auf den steinigen Wegen der Trauer und der Anfechtung. Bringe uns zur Besinnung, wenn unser Herz hart wird und sich verschließt. Öffne uns für deine Liebe und schenke uns den Glauben, der sich dir kindlich anvertrauen kann. Amen.

In der Stille bringen wir vor dich, Gott, was wir außerdem auf dem Herzen haben:

Stille und Vater unser

Wir singen das Lied 391:

1) Jesu, geh voran auf der Lebensbahn! Und wir wollen nicht verweilen, dir getreulich nachzueilen; führ uns an der Hand bis ins Vaterland.

2) Soll’s uns hart ergehn, lass uns feste stehn und auch in den schwersten Tagen niemals über Lasten klagen; denn durch Trübsal hier geht der Weg zu dir.

3) Rühret eigner Schmerz irgend unser Herz, kümmert uns ein fremdes Leiden, o so gib Geduld zu beiden; richte unsern Sinn auf das Ende hin.

4) Ordne unsern Gang, Jesu, lebenslang. Führst du uns durch rauhe Wege, gib uns auch die nöt’ge Pflege; tu uns nach dem Lauf deine Türe auf.

Abkündigungen

Nun geht mit Gottes Segen – wer möchte, ist herzlich eingeladen, bei einer Tasse Kaffee oder Tee im Gemeindesaal noch ein wenig zu verweilen und miteinander ins Gespräch zu kommen.

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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