Almosen für Gotteslohn?

„Almosen geben“ im Sinne Jesu heißt „Barmherzigkeit tun“, „Gerechtigkeit üben“, es heißt nicht: jemanden mit ein paar Euro abzuspeisen, um ihn möglichst schnell loszuwerden oder sein Gewissen zu beruhigen. „Almosen“ ist die Gerechtigkeit, die wir einem Menschen schuldig sind, der uns braucht. „Almosen“ ist die Barmherzigkeit, die Gott uns schenkt und die er durch uns auch anderen Menschen schenken will.

Eine Frau bittet eine andere um ein "Almosen" und bekommt eine Tüte mit nützlichen Dingen

Noch heute findet Sozialhilfe in vielen Ländern auf der Straße, vor der Haustür, statt (Bild: pixabay.com)

#predigtAbendmahlsgottesdienst am 13. Sonntag nach Trinitatis, den 2. September 2007, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Ich begrüße alle herzlich zum Abendmahlsgottesdienst in der Pauluskirche mit dem Wort zur Woche aus dem Evangelium nach Matthäus 25, 40. Christus spricht:

Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten [Geschwistern], das habt ihr mir getan.

Im Text zur heutigen Predigt stehen zwei Wörter, die man leicht missverstehen kann: das Wort „Almosen“ und das Wort „Lohn“. Nutzen wir die Gelegenheit, darüber nachzudenken, was das Wort „Almosen“ in der Bibel bedeutet, und welchen Lohn wir von Gott erwarten können.

Lied 593:

1. Licht, das in die Welt gekommen, Sonne voller Glanz und Pracht, Morgenstern, aus Gott entglommen, treib hinweg die alte Nacht, zieh in deinen Wunderschein bald die ganze Welt hinein.

2. Gib dem Wort, das von dir zeuget, einen allgewaltgen Lauf, dass noch manches Knie sich beuget, sich noch manches Herz tut auf, eh die Zeit erfüllet ist, wo du richtest, Jesu Christ.

3. Es sei keine Sprach noch Rede, da man nicht die Stimme hört, und kein Land so fern und öde, wo man dein Gebot nicht ehrt. Lass den hellen Freudenschall siegreich ausgehn überall.

4. Geh, du Bräutgam, aus der Kammer, laufe deinen Heldenpfad, strahle Tröstung in den Jammer, der die Welt umdunkelt hat, o erleuchte, ewges Wort, Ost und West und Süd und Nord!

5. Komm, erquick auch unsre Seelen, mach die Augen hell und klar, dass wir dich zum Lohn erwählen, vor den Stolzen uns bewahr, ja, lass deinen Himmelsschein unsres Fußes Leuchte sein!

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“

Vom Lohn ist heute die Rede, den wir von Gott erwarten können. Vom Lohn haben wir im Lied gesungen: „Mach die Augen hell und klar, dass wir dich zum Lohn erwählen.“ Steckt in diesem Satz bereits das ganze Geheimnis drin? Gott selber ist unser Lohn? Ihn können wir uns als Lohn unseres Lebens erwählen, aussuchen?

Im Buch von Salomos Weisheit 5 heißt es:

15 Die Hoffnung des Gottlosen ist wie Staub, vom Winde zerstreut, und wie feiner Schnee, vom Sturm getrieben, und wie Rauch, vom Winde verweht, und wie man einen vergisst, der nur einen Tag lang Gast gewesen ist.

16 Aber die Gerechten werden ewig leben, und der Herr ist ihr Lohn, und der Höchste sorgt für sie.

Gott selber ist unser Lohn, wenn wir auf ihn vertrauen, denn er sorgt für uns.

Kommt, lasst uns ihn anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Wenn Gott unser Lohn ist, dann ist ein Gottloser einer, der keinen Lohn zu erwarten hat, dessen Leben sich nicht lohnt, und wenn er noch so viel Geld verdient.

Im Buch der Sprüche 11 heißt es:

18 Der Gottlosen Arbeit bringt trügerischen Gewinn; aber wer Gerechtigkeit sät, hat sicheren Lohn.

Gott, du bist nicht irgendein Gott, sondern du trägst den Namen „Ich bin für euch da“. Du bist der Gott, der Gerechtigkeit schenkt und Gerechtigkeit fordert. Du bist der Gott, für den Gerechtigkeit und Barmherzigkeit zwei Seiten derselben Medaille sind, und diese Medaille heißt: Liebe. Du bist Liebe, die sich verschenkt, du bist Liebe, die uns verwandelt. Gott, erbarme dich unser: Mach uns zu Menschen, die barmherzig sein können. Wir rufen zu dir:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Jesus sagt (Matthäus 5):

7 Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist gross Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.

Der Herr sei mit euch! „Und mit deinem Geist!“

Gott, wir sind Menschen, keine Übermenschen. Wir haben Bedürfnisse, wir haben Wünsche. Wir möchten nicht, dass unser Leben sinnlos endet, und hoffen darauf, dass sich unser Leben lohnt. Schenke uns Klarheit darüber, was wir von dir als Lohn in unserem Leben erwarten dürfen und was wir dafür leisten müssen. Darum bitten wir dich, Gott, unser Vater, im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Schriftlesung aus 1. Korinther 3, 6-15. Da schreibt der Apostel Paulus:

6 Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen; aber Gott hat das Gedeihen gegeben.

7 So ist nun weder der pflanzt noch der begießt etwas, sondern Gott, der das Gedeihen gibt.

8 Der aber pflanzt und der begießt, sind einer wie der andere. Jeder aber wird seinen Lohn empfangen nach seiner Arbeit.

9 Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau.

10 Ich nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut.

11 Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.

12 Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh,

13 so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird’s klar machen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen.

14 Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen.

15 Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja.“

Glaubensbekenntnis
Lied 412, 1-2+7-8:

1. So jemand spricht: »Ich liebe Gott«, und hasst doch seine Brüder, der treibt mit Gottes Wahrheit Spott und reißt sie ganz darnieder. Gott ist die Lieb und will, dass ich den Nächsten liebe gleich als mich.

2. Wer dieser Erde Güter hat und sieht die Brüder leiden und macht die Hungrigen nicht satt, lässt Nackende nicht kleiden, der ist ein Feind der ersten Pflicht und hat die Liebe Gottes nicht.

7. Was ich den Armen hier getan, dem Kleinsten auch von diesen, das sieht er, mein Erlöser, an, als hätt ich’s ihm erwiesen. Und ich, ich sollt ein Mensch noch sein und Gott in Brüdern nicht erfreun?

8. Ein unbarmherziges Gericht wird über den ergehen, der nicht barmherzig ist, der nicht die rettet, die ihn flehen. Drum gib mir, Gott, durch deinen Geist ein Herz, das dich durch Liebe preist.

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, wenn ich in diesem Gottesdienst gefragt habe: Welchen Lohn können wir von Gott erwarten, dann haben manche von Ihnen vielleicht gedacht: Als Christen wissen wir doch, dass wir vor Gott überhaupt keinen Lohnanspruch haben. Wenn wir von ihm etwas bekommen, dann kriegen wir es geschenkt. Gottes Liebe können wir uns nicht verdienen. Der Apostel Paulus und Dr. Martin Luther haben es denen, die auf Christus vertrauen, eingehämmert: Wer meint, auf Grund seiner guten Taten gerettet werden zu können, der vergisst, dass er mit all seinen guten Taten nicht das aufwiegen könnte, was er wissentlich und unwissentlich an bösen Taten getan oder an guten Taten unterlassen hat. Wir brauchen Vergebung als Geschenk Gottes, daran führt kein Weg vorbei.

Trotzdem hören Jesus und auch Paulus nicht auf, vom Lohn zu reden. Es ist nicht so, dass die Menschen des Alten Testaments auf Lohn von Gott versessen waren und die Menschen des Neuen Testaments diese Lohnmoral aufgegeben hätten. So einfach haben sich das viele früher vorgestellt zwischen Juden und Christen, aber das ist schlicht falsch.

Zwei Sätze, die das belegen, haben wir schon gehört, den Satz von Paulus (1. Korintherbrief 3, 8b):

Jeder aber wird seinen Lohn empfangen nach seiner Arbeit

– und den Satz von Jesus (Matthäus 5, 7):

Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.

Im Lied vor der Predigt stand dasselbe, nur in krasseren Worten:

Ein unbarmherziges Gericht wird über den ergehen, der nicht barmherzig ist, der nicht die rettet, die ihn flehen.

Wer Gottes Liebe und Vergebungsbereitschaft als Freibrief für Unbarmherzigkeit benutzt, ist auf dem direkten Weg in seine eigene persönliche Hölle; sein Leben trägt keinen Lohn in sich, es lohnt nicht, ist bestenfalls nutzlos, schlimmstenfalls eine Katastrophe für andere Menschen. Sicher steht für jeden Menschen sein Leben lang die Möglichkeit der Vergebung offen – aber wiederum nicht als Freibrief, um mit allem Bösen weiterzumachen wie bisher, sondern als Chance zum Neuanfang. Vergebung hat nur der zu erwarten, der sie annimmt, der Gott an sich arbeiten lässt, der Unrecht einsieht und bereit ist, sich zu ändern.

Was ist also der Lohn, den wir von Gott bekommen? Unser Lohn von Gott, das, was unser Leben lohnend macht, ist die Barmherzigkeit, die uns geschenkt ist und die wir zugleich tun. Was wir Gutes tun, die Fähigkeit dazu, ist uns geschenkt, was uns geschenkt ist, haben wir in die Tat umzusetzen. So einfach ist das. Jedenfalls nach der Bibel. Unser Leben lohnt sich, wenn wir Liebe empfangen und geben, und zwar nicht nur in der Familie und unter Freunden, sondern überall, wo Menschen ganz konkret auf uns angewiesen sind.

Nun zu unserem Predigttext im Evangelium nach Matthäus 6, 1-4. Da spricht Jesus wörtlich vom Lohn für gute Taten:

1 Habt acht auf eure Frömmigkeit, dass ihr die nicht übt vor den Leuten, um von ihnen gesehen zu werden; ihr habt sonst keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel.

2 Wenn du nun Almosen gibst, sollst du es nicht vor dir ausposaunen lassen, wie es die Heuchler tun in den Synagogen und auf den Gassen, damit sie von den Leuten gepriesen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.

3 Wenn du aber Almosen gibst, so lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut,

4 damit dein Almosen verborgen bleibe; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten.

Fromm sein, Almosen geben, was genau damit gemeint ist, darauf komme ich noch zurück. Auf jeden Fall geht es um Menschen, die tun wollen, was Gott von ihnen verlangt, damit sich ihr Leben am Ende lohnt. Und Jesus stellt klar: Bei Gott gilt nicht der werbewirksame Grundsatz: „Tue Gutes und rede darüber!“ Sondern wer Gutes tut, um als guter Mensch gesehen zu werden – im Griechischen steht da das Wort „theanai“, – der spielt Theater, der tut nur so, als sei er ein guter Mensch, er meint es nicht wirklich ernst, er benutzt die Bühne der Religion und der öffentlichen Moral, um mehr zu scheinen als zu sein.

Eine Nebenbemerkung gestatte ich mir: Es wäre verfehlt, aus dem, was Jesus sagt, den Schluss zu ziehen, dass man überhaupt öffentlich nichts Gutes tun dürfte. Die Frau, die Jesus im Voraus für sein Begräbnis damit zugleich zum Messias salbt, tut das in aller Öffentlichkeit, und Jesus tadelt sie nicht. Wenn Jesus oder die Jünger Menschen heilen, kriegen das natürlich auch viele andere mit. Aber es fällt auf, dass Jesus sich auch im Zusammenhang mit den eigenen Wundertaten gegen jede Sensationslust wendet.

Aber etwas ist noch unklar in unserem Predigttext: was bedeuten denn nun die Wörter „Frömmigkeit“ und „Almosen“? Das mit der Frömmigkeit ist noch relativ einfach. Luther übersetzt damit das griechische Wort „dikaiosyne“, und das heißt eigentlich wörtlich „Gerechtigkeit“. Unser deutsches Wort „Gerechtigkeit“ erfasst aber nicht vollständig, was die Menschen der Bibel damit meinten. „Gerecht“ ist in der Bibel einer, der Gott recht ist und im Vertrauen zu Gott lebt. Und eben deswegen lebt er auch im Einklang mit den Mitmenschen und übt das, was auch wir Gerechtigkeit nennen: insbesondere fühlt er sich dafür verantwortlich, dass niemand in seiner Umgebung entwürdigt wird oder Not leiden muss. Wenn Luther diese Haltung mit dem Wort „Frömmigkeit“ übersetzt, dann trifft dieses Wort auch wieder nur einen Aspekt der Sache, nämlich dass es um die Beziehung zu Gott geht. Aber Jesus geht es um beides: Gottvertrauen und die Verantwortung für andere Menschen gehören zusammen.

Aber was ist mit diesem Wort „Almosen“? Der Vater im Himmel wird ein im Verborgenen gegebenes Almosen vergelten; was meint Jesus damit? Soll niemand sehen, ob und wie viel wir in die Kollekte tun?

Eindeutig ist, dass wir dieses Wort heute eigentlich nicht mehr benutzen können. Das Wort „Almosen“ ist sprichwörtlich geworden für das, was ein Bettler von oben herab zugeworfen bekommt. „Ich will keine Almosen“, sagt einer, der nicht die Unterstützung erhält, die ihm zusteht. Wer nicht aus eigener Kraft für seinen Lebensunterhalt sorgen kann, hat schon genug Probleme, er will nicht auch noch das Gefühl haben, in seiner Menschenwürde missachtet zu sein.

Ursprünglich meinte das Wort „Almosen“ aber etwas völlig anderes. OK, es ging schon auch um die Unterstützung der Armen. Es war in der Tat so, dass viele dieser Armen zum Beispiel am Eingang des Tempels saßen, um von den reicheren Tempelbesuchern Geld zu bekommen. Aber das war in einem Land, in dem es keine Sozialhilfe und nicht einmal Hartz-IV-Gesetze gab, der normale und anerkannte Weg für die Versorgung der Armen. Es war damals auch keine Schande, zu betteln. Nach dem Gesetz Gottes hatten die Armen im Volk einen Anspruch auf Versorgung. Genau genommen, hatten sie einen Anspruch auf Gerechtigkeit. Diese Gerechtigkeit hätte eigentlich darin bestehen müssen, dass jeder sein Haus und sein Stück Land hat, von dem er sich ernähren konnte. Heute würde man sagen: Jeder Arbeitsfähige müsste seine Arbeitsstelle haben und jeder, der nicht arbeiten kann, eine ausreichende Grundsicherung des täglichen Lebens. So war es zur Zeit Jesu schon lange nicht mehr gewesen. Viele waren durch zu hohe Steuerlasten und Machenschaften der oberen Zehntausend in die Überschuldung geraten und hatten Haus und Hof verloren. Wer als Sklave verkauft worden war, war noch besser dran als ein Tagelöhner ohne Arbeit, ein Sklave bekam wenigstens seinen Lebensunterhalt von seinem Herrn. An Gerechtigkeit im Sinn eines menschenwürdigen Lebens in Freiheit war für die meisten Menschen nicht zu denken. Aber nach dem Gesetz Gottes hatten sie wenigstens einen Anspruch auf Barmherzigkeit, also darauf, dass sie von den Besserverdienenden versorgt wurden. Diese Barmherzigkeit hieß in der griechischen Übersetzung der hebräischen Bibel „eleämosynä“, und dieses Wort benutzt Jesus auch in unserem Predigttext. Kennen Sie den Gebetsruf: „Kyrie eleäson“, auf Deutsch: „Herr, erbarme dich!“? „Eleäson“, „erbarme dich“, kommt vom gleichen Wortstamm wie „eleämosynä“, „Barmherzigkeit“. Die griechische Übersetzung des Alten Testaments verwendet dieses Wort übrigens auch häufig für „Gerechtigkeit“.

Hören Sie nun einmal genau hin: „eLeäMoSyNä“, da stecken alle Mitlaute des Wortes „aLMoSeN“ drin, nur die Selbstlaute vorn und hinten klingen im Deutschen anders: „AlmosEn“ statt „ElEÄmosYnÄ“. Im deutschen Wort „Almosen“ ist also das griechische Wort „eleämosynä“, Barmherzigkeit, im Grunde unübersetzt stehen geblieben.

„Almosen geben“ im Sinne Jesu heißt also „Barmherzigkeit tun“, „Gerechtigkeit üben“, es heißt nicht: jemanden mit ein paar Cent oder Euro abzuspeisen, um ihn möglichst schnell loszuwerden oder sein Gewissen zu beruhigen. „Almosen“ ist die Gerechtigkeit, die wir einem Menschen schuldig sind, der uns nötig braucht. „Almosen“ ist die Barmherzigkeit, die Gott uns schenkt und die er durch uns auch anderen Menschen schenken will.

Wenn „Almosen“ also das ist, was einem Hilfebedürftigen in Gottes Namen zusteht, und zwar von mir zusteht, dann ist das eine große Herausforderung. „Almosen geben“ heißt dann nicht, wahllos jedem Bettler auf dem Seltersweg einen Euro hinzuwerfen oder an der Haustür auf jede Bitte um Unterstützung einzugehen. Wenn man sich die Zeit nehmen kann, mit dem Hilfesuchenden zu reden, findet man vielleicht heraus, was die beste Hilfe für ihn ist. Manchmal findet man nach ein paar Telefonaten heraus, dass dem Mann mit einem Termin auf dem Arbeitsamt mehr gedient ist als mit einem Zehn-Euro-Schein. In einem anderen Fall ist eine Frau dankbar für die Überbrückung einer akuten Notsituation, in der sie mit wenigen Euro wenigstens übers Wochenende etwas für ihr Kind zum Essen kaufen kann. Es gibt natürlich auch Fälle, wo es die sinnvollste Hilfe ist, schlicht nein zu sagen, zum Beispiel dann, wenn ich genau merke, dass einer meine Hilfsbereitschaft wieder einmal schamlos ausnutzen will.

„Almosen geben“ will gut überlegt sein. Auch deshalb, weil wir ja als einzelne nicht alle Not dieser Welt beseitigen können. Aber wenn wir uns dafür entscheiden, eine bestimmte Person oder ein Hilfsprojekt zu unterstützen, dann ist das kein Tropfen auf den heißen Stein, sondern es trägt dazu bei, dass Gott mit unserer Hilfe seine Barmherzigkeit auf dieser Erde in Kraft setzt. Davon etwas zu spüren, daran mitbeteiligt zu sein, das ist es, was die Bibel mit dem Wort Lohn meint.

Als in Jerusalem lange vor Christi Geburt der König Asa herrschte, sagte der Prophet Asarja ihm und seinem Volk dieses Wort von Gott (2. Chronik 15):

2 Der HERR ist mit euch, weil ihr mit ihm seid; und wenn ihr ihn sucht, wird er sich von euch finden lassen. Werdet ihr ihn aber verlassen, so wird er euch auch verlassen.

7 Seid getrost und lasst eure Hände nicht sinken; denn euer Werk hat seinen Lohn.

Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Lied 221:

1. Das sollt ihr, Jesu Jünger, nie vergessen: wir sind, die wir von einem Brote essen, aus einem Kelche trinken, Jesu Glieder, Schwestern und Brüder.

2. Wenn wir in Frieden beieinander wohnten, Gebeugte stärkten und die Schwachen schonten, dann würden wir den letzten heilgen Willen des Herrn erfüllen.

3. Ach dazu müsse deine Lieb uns dringen! Du wollest, Herr, dies große Werk vollbringen, dass unter einem Hirten eine Herde aus allen werde.

Wir feiern Abendmahl. Am Abend vor seinem Tod hat Jesus das Mahl geteilt mit dem, den er am meisten liebte, mit dem, der ihn verriet, mit dem, der ihn verleugnete, mit allen, die ihn wenig später im Stich ließen.

Herr Jesus Christus, sei barmherzig mit unseren Herzen. Mach harte Herzen weich, gib ängstlichen Herzen Mut. In der Stille bringen wir vor dich, was unsere Seele belastet:

Beichtstille

Wollt Ihr Gottes Treue und Vergebung annehmen, so sagt laut oder leise oder auch still im Herzen: Ja!

Auf euer aufrichtiges Bekenntnis spreche ich euch die Vergebung eurer Sünden zu – im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Der Herr sei mit euch. „Und mit deinem Geiste.“

Erhebet eure Herzen! „Wir erheben sie zum Herren.“

Lasset uns Dank sagen dem Herrn, unserem Gott. „Das ist würdig und recht.“

Würdig und recht ist es, Gott ernst zu nehmen in seiner Barmherzigkeit, der uns liebevoll annimmt, so wie wir sind, und von uns nichts anderes fordert als Barmherzigkeit.

Zu dir rufen wir und preisen dich, Heiliger Gott:

Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll. Hosianna in der Höhe. Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe.

Vater unser und Abendmahl

In Jesus nimmt Gottes Barmherzigkeit Fleisch und Blut an. Er gibt sein Leben für uns hin, seinen Leib. Wir essen das Brot, wir werden Teil seines Leibes der Barmherzigkeit.

Nehmt und gebt weiter, was euch gegeben ist – den lebendigen Leib der Liebe Gottes.

Herumreichen des Korbs

Die Menschen töten Gottes Sohn, vergießen sein Blut. Jesus sagt: Dieser Kelch ist das Blut des Bundes. Wir trinken den Kelch, wir werden Teil des Bundes, den Jesus erneuert zwischen Gott und den Menschen.

Nehmt hin den Kelch der Versöhnung zwischen Gott und den Menschen.

Austeilen der Kelche

Jesus Christus spricht: Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. Gehet hin im Frieden!

Lasst uns beten. Wenn ich Gott anrufe mit „Heiliger Gott“, rufen Sie: „Wir bitten dich, erhöre uns!“

Gott, wir vertrauen auf deine Barmherzigkeit. Darum bitten wir dich für unsere Kirche und für die Welt. Wir bitten dich für die Delegierten aus den europäischen Kirchen, die sich am Dienstag in Sibíu bzw. Hermannstadt versammeln; für alle, die sich engagieren für die Einheit der Kirchen. Heiliger Gott – „Wir bitten dich, erhöre uns!“

Für alle Gastgeberinnen und Gastgeber; für Arme, Kranke, Unwillkommene, die niemand einlädt; für bescheidene Menschen und Wichtigtuer; für alle, die auf der Suche sind nach ihrem Platz in der Welt: Heiliger Gott – „Wir bitten dich, erhöre uns!“

Für alle, deren Urlaub zu Ende geht. Für die Menschen, die sich an der Natur und ihrer Schönheit freuen: Heiliger Gott – „Wir bitten dich, erhöre uns!“

Für die Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan und anderen Ländern; für alle Opfer von Terror-Anschlägen, Mafia-Morden und Verzweiflungstaten; für die Menschen in Griechenland, die im Waldbrand alles verloren haben: Heiliger Gott – „Wir bitten dich, erhöre uns!“

Für die Raucher, die sich dem öffentlichen Rauch-Verbot nur schwer fügen können; für junge Menschen am Rande von Sucht und Abhängigkeit; für alle kranken und pflegebedürftigen Menschen und für die, die sie umsorgen: Heiliger Gott – „Wir bitten dich, erhöre uns!“

Für die jüdische Gemeinde in Berlin, die wieder in ihrer großen Synagoge beten kann; für die Muslime in Köln, die ihre große Moschee planen; für alle Menschen, die an Gottes Barmherzigkeit und Liebe glauben und sie weitergeben: Heiliger Gott – „Wir bitten dich, erhöre uns!“

Gott, du kennst unsere und die Anliegen der Welt. Wir danken dir für deine Liebe und bitten dich, dass du uns verwandelst, damit wir barmherzig sind, so wie dein Sohn für uns da gewesen ist. Amen.

Lied 634: Die Erde ist des Herrn
Abkündigungen

Geht mit Gottes Segen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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