Frau Weisheit lädt ein zu einem Fest

Man muss nicht das Abitur gemacht oder studiert haben, um im biblischen Sinne weise zu sein. Lauterkeit, also ein reines Herz, Friedfertigkeit, Güte und Barmherzigkeit sind Säulen, die dem Lebensgebäude jedes Menschen Halt verleihen; jeder Mensch sollte sich hin und wieder etwas sagen lassen, sollte in seinen Taten gute Früchte bringen und nicht nur so tun als ob.

Eine Tür zu einem Säulengang

Wie mag das Haus der Frau Weisheit mit den sieben Säulen wohl aussehen? (Bild: pixabay.com)

#predigtAbendmahlsgottesdienst am 2. Sonntag nach Trinitatis, 3. Juli 2011, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Am ersten Sonntag im Juli begrüße ich Sie und euch herzlich zum Abendmahlsgottesdienst in der Pauluskirche. Das Wort zur kommenden Woche steht im Evangelium nach Matthäus 11, 28. Christus spricht:

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

Jeder Gottesdienst ist ein kleines Fest. Heute geht es in den Bibeltexten darum, dass wir zum Feiern eingeladen sind. Zu einem richtigen Fest gehört auch Musik und Gesang; daher freuen wir uns, dass der Gaudete-Chor unter der Leitung von Herrn Werner Boeck diesen Gottesdienst mitgestaltet.

Lied 502:

1. Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit! Lob ihn mit Schalle, werteste Christenheit! Er lässt dich freundlich zu sich laden; freue dich, Israel, seiner Gnaden, freue dich, Israel, seiner Gnaden!

2. Der Herr regieret über die ganze Welt; was sich nur rühret, alles zu Fuß ihm fällt; viel tausend Engel um ihn schweben, Psalter und Harfe ihm Ehre geben, Psalter und Harfe ihm Ehre geben.

3. Wohlauf, ihr Heiden, lasset das Trauern sein, zur grünen Weiden stellet euch willig ein; da lässt er uns sein Wort verkünden, machet uns ledig von allen Sünden, machet uns ledig von allen Sünden.

4. Er gibet Speise reichlich und überall, nach Vaters Weise sättigt er allzumal; er schaffet frühn und späten Regen, füllet uns alle mit seinem Segen, füllet uns alle mit seinem Segen.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Gott lädt Menschen ein zum Feiern, zuerst sein erwähltes Volk Israel und durch Jesus Christus alle Völker. Welchen Grund wir zum Feiern haben, davon singt das Gaudete-Terzett Verse aus den beiden Psalmen 92 und 146:

2 Das ist ein köstlich Ding, dem HERRN danken und lobsingen deinem Namen, du Höchster.

1 Halleluja! Lobe den HERRN, meine Seele!

5 Wohl dem, dessen Hilfe der Gott Jakobs ist, der seine Hoffnung setzt auf den HERRN, seinen Gott.

7 Der HERR macht die Gefangenen frei.

8 Der HERR macht die Blinden sehend. Der HERR richtet auf, die niedergeschlagen sind. Der HERR liebt die Gerechten.

Zum Feiern eines Festes sind wir eingeladen. Was ist, wenn wir nicht in Feierstimmung sind? Wenn uns jeder Tag gleich unwichtig erscheint, ob Alltag oder Sonntag, ohne herausragende Ereignisse? Oder wenn uns Sorgen belasten und bedrücken, die wir nicht abschütteln können?

Wir bitten dich, Gott, mach uns bewusst, wie kostbar jeder Tag unseres Lebens ist! Lass uns den Feiertag nutzen, um über eintönige oder belastende Werktage zur Besinnung zu kommen, um neue Kräfte zu tanken und Dankbarkeit zu spüren. Und wenn wir mit unseren Kräften und unserer Geduld am Ende sind, verliere du bitte nicht die Geduld mit uns, sondern höre unserer Klage zu. Wir rufen zu dir:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Ein Betrübter hat nie einen guten Tag; aber ein guter Mut ist ein tägliches Fest.

Das steht in den Sprüchen Salomos 15, 15. Gott hört uns, wenn wir zu ihm klagen oder wenn wir dankbar sind; er freut sich mit uns, wenn wir fröhlich sind, er wischt unsere Tränen ab, wenn wir traurig sind; er richtet uns auf, wenn wir in Trübsal festsitzen und beschenkt uns mit gutem Mut.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Gott, unser barmherziger Vater, du schenkst uns unser Leben und viele kostbare Gaben. Du lädst uns ein, deine Gaben dankbar anzunehmen und unser Leben in der Verantwortung vor dir zu führen. Feiere du selbst mit uns diesen Gottesdienst und hilf uns, nach deinen Geboten zu leben. Darum bitten wir dich im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Schriftlesung aus dem Evangelium nach Matthäus 22, 1-10:

1 Und Jesus fing an und redete abermals in Gleichnissen zu ihnen und sprach:

2 Das Himmelreich gleicht einem König, der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete.

3 Und er sandte seine Knechte aus, die Gäste zur Hochzeit zu laden; doch sie wollten nicht kommen.

4 Abermals sandte er andere Knechte aus und sprach: Sagt den Gästen: Siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh ist geschlachtet, und alles ist bereit; kommt zur Hochzeit!

5 Aber sie verachteten das und gingen weg, einer auf seinen Acker, der andere an sein Geschäft.

6 Einige aber ergriffen seine Knechte, verhöhnten und töteten sie.

7 Da wurde der König zornig und schickte seine Heere aus und brachte diese Mörder um und zündete ihre Stadt an.

8 Dann sprach er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereit, aber die Gäste waren’s nicht wert.

9 Darum geht hinaus auf die Straßen und ladet zur Hochzeit ein, wen ihr findet.

10 Und die Knechte gingen auf die Straßen hinaus und brachten zusammen, wen sie fanden, Böse und Gute; und die Tische wurden alle voll.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis

Im Wechsel mit dem Gaudete-Terzett singen wir das Lied 324. Der Chor singt die Strophen 1, 7, 13 und 17, und wir singen dazwischen drei Mal je zwei Strophen – 2 und 6, 10 und 12 sowie 14 und 15:

1. Ich singe dir mit Herz und Mund, Herr, meines Herzens Lust; ich sing und mach auf Erden kund, was mir von dir bewusst.

2. Ich weiß, dass du der Brunn der Gnad und ewge Quelle bist, daraus uns allen früh und spat viel Heil und Gutes fließt.

6. Wer gibt uns Leben und Geblüt? Wer hält mit seiner Hand den güldnen, werten, edlen Fried in unserm Vaterland?

7. Ach Herr, mein Gott, das kommt von dir, du, du musst alles tun, du hältst die Wach an unsrer Tür und lässt uns sicher ruhn.

10. Wenn unser Herze seufzt und schreit, wirst du gar leicht erweicht und gibst uns, was uns hoch erfreut und dir zur Ehr gereicht.

12. Du füllst des Lebens Mangel aus mit dem, was ewig steht, und führst uns in des Himmels Haus, wenn uns die Erd entgeht.

13. Wohlauf, mein Herze, sing und spring und habe guten Mut! Dein Gott, der Ursprung aller Ding, ist selbst und bleibt dein Gut.

14. Er ist dein Schatz, dein Erb und Teil, dein Glanz und Freudenlicht, dein Schirm und Schild, dein Hilf und Heil, schafft Rat und lässt dich nicht.

15. Was kränkst du dich in deinem Sinn und grämst dich Tag und Nacht? Nimm deine Sorg und wirf sie hin auf den, der dich gemacht.

17. Er hat noch niemals was versehn in seinem Regiment, nein, was er tut und lässt geschehn, das nimmt ein gutes End.

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde!

Eigentlich ist das Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl unser heutiger Predigttext, Frau Grüner hat es uns vorhin vorgelesen. Da lädt ein König zur Hochzeit seines Sohnes ein, aber die geladenen Gäste kommen nicht, gehen lieber an ihre Arbeit und töten zum Schluss sogar die Boten des Königs, die die Einladung überbringen. Zu guter Letzt lädt der König einfach andere Gäste ein, die er auf der Straße findet. Als dieser Text vor sechs Jahren „dran“ war, habe ich mir überlegt, was uns diese Geschichte von einer „Hochzeit mit Hindernissen“ sagen will. Das wollte ich heute nicht wiederholen. Nur so viel als Zusammenfassung: „Gott findet Menschen, die ihn brauchen, egal wen, Gute und Böse. Wir alle sind es wert, eingeladen zu werden, wenn wir nur kommen.“ Wir alle dürfen unser Leben so führen, als sei es ein einziges Fest mit Gott, ein Fest der Liebe und der Hoffnung, das wir im Vertrauen auf ihn und in der Verantwortung vor ihm führen.

Nun fiel mir auf, dass im Alten Testament von einem ähnlichen Fest mit Hindernissen erzählt wird, und zwar im Buch der Sprüche. Jesus hat ja seine Bibel gekannt und wird auch diesen Text in der Synagoge gehört und sich eingeprägt haben. Ich kann mir vorstellen, dass er an ihn gedacht hat, als er sein eigenes Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl erzählt hat.

Hören wir, wie im Buch der Sprüche 9 zwei Frauen zum Feiern einladen, zunächst Frau Weisheit:

1 Die Weisheit hat ihr Haus gebaut und ihre sieben Säulen behauen.

2 Sie hat ihr Vieh geschlachtet, ihren Wein gemischt und ihren Tisch bereitet

3 und sandte ihre Mägde aus, zu rufen oben auf den Höhen der Stadt:

4 »Wer noch unverständig ist, der kehre hier ein!«, und zum Toren spricht sie:

5 »Kommt, esset von meinem Brot und trinkt von dem Wein, den ich gemischt habe!

6 Verlasset die Torheit, so werdet ihr leben, und geht auf dem Wege der Klugheit.«

Hier wird deutlich, dass es bei dieser Festeinladung wirklich nicht um die Einladung zu einer bestimmten Veranstaltung geht, sondern um die Einladung zu einer Lebenshaltung. Frau Weisheit lädt in ein mit großer Sorgfalt erbautes Haus ein, an dem vor allem die sieben Säulen auffallen, die das ganze Haus tragen. Es gibt in der Bibel eine Stelle, an der erläutert wird, was mit diesen Säulen gemeint sein mag. Jakobus zählt in seinem Brief im Kapitel 3 folgende sieben Merkmale der göttlichen Weisheit auf:

17 Die Weisheit aber von oben her ist zuerst lauter, dann friedfertig, gütig, lässt sich etwas sagen, ist reich an Barmherzigkeit und guten Früchten, unparteiisch, ohne Heuchelei.

Dieser Vers böte Stoff für eine ganze weitere Predigt. Heute entnehme ich diesen Worten nur, dass biblische Weisheit nichts Hochgestochenes ist.

Man muss nicht das Abitur gemacht oder studiert haben, um im biblischen Sinne weise zu sein. Lauterkeit, also ein reines Herz, Friedfertigkeit, Güte und Barmherzigkeit sind Säulen, die dem Lebensgebäude jedes Menschen Halt verleihen; jeder Mensch sollte sich hin und wieder etwas sagen lassen, sollte in seinen Taten gute Früchte bringen und nicht nur so tun als ob.

Darum sendet Frau Weisheit auch ihre Botinnen auf erhöhte Plätze in der Stadt, um alle zu ihrem Fest einzuladen, die noch unverständig sind, die Lernbedarf haben. Sogar die Toren lädt Frau Weisheit zu sich ein; diese Toren müssen nicht Leute mit wenigen geistigen Kräften sein, es sind eher Menschen, die noch wenig oder gar nicht kapiert haben, worauf es im Leben wirklich ankommt. Hirnlos im Sinne von verantwortungslos oder herzlos.

Klug und weise ist nicht, wer möglichst viel Geld und Macht ansammelt, wer beliebt und berühmt ist und von einem Vergnügen zur nächsten Party jagt. Ein gutes, erfülltes Leben wird derjenige führen, der vom Brot der Weisheit ist und vom Wein der Weisheit trinkt, das heißt, der sein Leben auf den Säulen der Weisheit aufbaut.

Lied 555: Unser Leben sei ein Fest

Unser Text im Sprüchebuch geht weiter, liebe Gemeinde, und merkwürdigerweise scheint Frau Weisheit in den nächsten Versen die Einladung an die unverständigen Toren wieder zurückzunehmen oder jedenfalls stark einzuschränken:

7 Wer den Spötter belehrt, der trägt Schande davon, und wer den Gottlosen zurechtweist, holt sich Schmach.

8 Rüge nicht den Spötter, dass er dich nicht hasse; rüge den Weisen, der wird dich lieben.

9 Gib dem Weisen, so wird er noch weiser werden; lehre den Gerechten, so wird er in der Lehre zunehmen.

Alle sind eingeladen, auch Menschen, die noch unverständig sind, die der Torheit noch nicht abgeschworen haben. Aber nicht alle lassen sich überzeugen. Bei manchen Menschen ist jede Liebesmüh vergeblich. Andere, die schon angefangen haben, auf dem Weg der Weisheit zu gehen, sind dankbar für Kritik, damit sie auf ihrem Weg Fortschritte machen. Wer dagegen auf ermahnende Worte nur mit Spott und Respektlosigkeit reagiert, an den ist jede Belehrung, Zurechtweisung oder Rüge verschwendet. Auch Jesus findet über solche Menschen harte Worte (Matthäus 7):

6 Ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben, und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen, damit die sie nicht zertreten mit ihren Füßen und sich umwenden und euch zerreißen.

Im Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl setzt sich Jesus ebenfalls mit Menschen auseinander, die seine Einladung zum Gottvertrauen und zur Nächstenliebe zurückweisen. Wir glauben ja daran, dass Jesus das fleischgewordene Wort Gottes ist, dass Gottes Geist, Gottes Weisheit vollkommen in ihm wohnt. Mit seinem ganzen Leben verkörpert er das, was wir eben von Frau Weisheit gehört haben. Doch auch seine Einladung an die Menschen, ihm nachzufolgen und mit ihm das Reich Gottes aufzubauen, stößt auf Grenzen. Jesus kann und will niemanden, der diese Einladung zurückweist, zum Glauben zwingen. Wohl aber kann er andere einladen, die sich bereitwillig einladen lassen.

Lied 555: Unser Leben sei ein Fest

Im Buch der Sprüche hören wir an dieser Stelle weiter, wie sich Frau Weisheit selber vorstellt:

10 Der Weisheit Anfang ist die Furcht des HERRN, und den Heiligen erkennen, das ist Verstand.

11 Denn durch mich werden deine Tage viel werden und die Jahre deines Lebens sich mehren.

12 Bist du weise, so bist du’s dir zugut; bist du ein Spötter, so musst du’s allein tragen.

Vorhin haben wir die sieben Säulen der Weisheit kennengelernt, wie Jakobus sie beschreibt, sieben Maßstäbe für ein Leben in der Verantwortung vor Gott. Hier betont die Weisheit noch einmal, dass es sie ohne Gott überhaupt nicht gäbe. Wahre Weisheit beginnt mit Gottesfurcht, damit ist kein Leben in Angst vor einem grausam strafenden Gott gemeint, sondern ein Ernstnehmen Gottes in tiefem Respekt und großer Demut. Wahrer Verstand besteht darin, zu erkennen, dass allein Gott wirklich heilig ist. Nichts und niemand sonst verdient Anbetung und absolute Verehrung, und wer nur Gott allein anbetet und verehrt, der lebt ein erfülltes Leben, in dem er Liebe empfängt und verschenkt.

Aber was ist damit gemeint, dass durch die Weisheit jedem Menschen viele Tage und Jahre zuteil werden? Es geht sicher nicht um eine zahlenmäßig gleichmäßig lange Lebenszeit für alle, sondern um erfüllte Lebenstage. Wer auf Gott vertraut und auf ihn baut, dessen Lebenszeit wird gesegnet sein, egal wie kurz oder lang sie währt, und mit dem Tode findet dieser Segen noch lange kein Ende; Gott nimmt den, der auf ihn vertraut, am Ende mit Ehren an und schenkt ihm in seinem unsichtbaren himmlischen Reich ewiges, erfülltes, unzerstörbares Leben im Frieden.

Lied 555: Unser Leben sei ein Fest

Zum Schluss meiner Predigt hören wir nun aus dem Buch der Sprüche noch von einer anderen Frau, die ebenfalls ihre Einladung an die Menschen richtet:

13 Frau Torheit ist ein unbändiges Weib, verführerisch, und weiß nichts von Scham.

14 Sie sitzt vor der Tür ihres Hauses auf einem Thron auf den Höhen der Stadt,

15 einzuladen alle, die vorübergehen und richtig auf ihrem Wege wandeln:

16 »Wer noch unverständig ist, der kehre hier ein!«, und zum Toren spricht sie:

17 »Gestohlenes Wasser ist süß, und heimliches Brot schmeckt fein.«

18 Er weiß aber nicht, dass dort nur die Schatten wohnen, dass ihre Gäste in der Tiefe des Todes hausen.

Auch Frau Torheit lädt Gäste in ihr Haus ein. Sie verkörpert das Gegenteil von Weisheit, von Lebensklugheit; nicht Dummheit im Sinne von geistigem Unvermögen, sondern im Sinne eines Lebens ohne Verantwortung und Gottesfurcht. Auch Frau Torheit richtet sich an unerfahrene Menschen, die aber durchaus schon den Weg der Weisheit beschritten haben, und will sie auf einen einfacheren Weg locken und verführen.

Von Frau Weisheit war nicht ihr Aussehen beschrieben worden; bei ihr kam alles auf die sieben tragfähigen Säulen ihres Hauses an. Frau Torheit muss äußerlich etwas hermachen, damit sie die Vorübergehenden auf sich aufmerksam machen kann. Sie sieht verführerisch aus und weckt in den Menschen leidenschaftliche Gefühle.

Dabei dürfen wir das Bild dieser Frau Torheit nicht nur wörtlich nehmen. Menschen sind nicht nur anfällig für sexuelle Verführungen. Es gibt Suchtmittel, die, wenn man Sorgen hat, schnellen Trost versprechen, oder, wenn es einem langweilig ist, ein besonderes Hochgefühl verschaffen – leider um den Preis, dass man von ihnen abhängig wird. Oder es sind die Lockungen des großen Geldes, die einen angeblich glücklich machen, wenn man nur skrupellos genug ist, um seinen eigenen Vorteil und Profit zu wahren.

Wer sich schon auf dem Weg der Torheit befindet, lässt sich noch leichter einfangen, da er gerne bereit ist, zu glauben, dass verbotene Früchte süßer schmecken als erlaubte; wir erinnern uns an den verbotenen Baum im Paradies. Aber wer sich von der Torheit einladen lässt, ist mitten im Leben schon tot, denn im Haus der Torheit leben nur Schatten. Wer ein egoistisches Leben führt, wer aus Abhängigkeiten nicht herauskommt, wer nicht anders kann, als Menschen auszunutzen und wie eine Sache zu behandeln, der lebt buchstäblich in der Tiefe des Todes.

Besser ist es, sich am Tisch von Frau Weisheit zu versammeln. Am Abend seines Letzten Mahles hat Jesus an diesen Tisch neu eingeladen. Böse und Gute lädt er ein, damit alle aufhören, der Torheit zu folgen, hirn- und herzlos zu leben. Er lädt uns ein in die Gemeinschaft seines Leibes, in dem sich ein Glied für das andere verantwortlich weiß. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Lied 134, 1-2+7:

1. Komm, o komm, du Geist des Lebens, wahrer Gott von Ewigkeit, deine Kraft sei nicht vergebens, sie erfüll uns jederzeit; so wird Geist und Licht und Schein in dem dunklen Herzen sein.

2. Gib in unser Herz und Sinnen Weisheit, Rat, Verstand und Zucht, dass wir anders nichts beginnen als nur, was dein Wille sucht; dein Erkenntnis werde groß und mach uns von Irrtum los.

7. Herr, bewahr auch unsern Glauben, dass kein Teufel, Tod noch Spott uns denselben möge rauben. Du bist unser Schutz und Gott; sagt das Fleisch gleich immer Nein, lass dein Wort gewisser sein.

Im Abendmahl lädt uns Gott zu einem Festmahl seiner Liebe ein. Wir werden zusammengeschlossen in der Gemeinschaft des Leibes Christi. In Brot und Kelch schmecken wir Gottes Freundlichkeit, die uns und unsere Welt verändert.

Gott, nimm von uns, was uns von dir trennt: Unglauben, Lieblosigkeit, Verzagtheit. Hochmut, Trägheit, Lebenslügen. In der Stille bringen wir vor dich, was unsere Seele belastet:

Beichtstille

Wollt Ihr Gottes Treue und Vergebung annehmen, so sagt laut oder leise oder auch still im Herzen: Ja!

Auf euer aufrichtiges Bekenntnis spreche ich euch die Vergebung eurer Sünden zu – im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Der Herr sei mit euch. „Und mit deinem Geiste.“

Erhebet eure Herzen! „Wir erheben sie zum Herren.“

Lasset uns Dank sagen dem Herrn, unserem Gott. „Das ist würdig und recht.“

Würdig und recht ist es, Gott ernst zu nehmen als den der groß ist in seiner Güte und Freundlichkeit zu uns Menschen. Würdig und recht ist es, uns selber anzunehmen als Menschen mit aufrechtem Gang, von Gott geliebt und verantwortlich für unser Leben. Zu dir rufen wir und preisen dich, Heiliger Gott:

Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll. Hosianna in der Höhe. Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe.

Vater unser und Einsetzungsworte

An Stelle des „Christe, du Lamm Gottes“ hören wir heute vor der Austeilung des Abendmahls vom Chor den Liedvers „Da pacem, Domine, in diebus nostris“ von Melchior Franck:

„Gib uns Frieden in unseren Tagen!“

Gott hat uns eingeladen. Wir essen das Brot, wir trinken den Saft der Weintrauben, wir schmecken Gottes Freundlichkeit. Es ist eine Einladung, keine Verpflichtung, nur wer möchte, kommt nach vorn in den Abendmahlskreis. Die anderen, die auf ihrem Platz sitzen bleiben, sind auch so ein Teil unserer Gemeinschaft mit Christus.

Kommt, denn es ist alles bereit! Schmeckt und seht, wie freundlich Gott ist! Amen.

Jesus lädt uns ein zu einem königlichen Hochzeitsfest. Wie ein Bräutigam sich mit seiner Braut vermählt, so vereinigt Jesus diejenigen mit sich, die an ihn glauben, in der Gemeinschaft seines Leibes. Nehmt und gebt weiter, was euch gegeben ist – den lebendigen Leib der Liebe Gottes.

Herumreichen des Korbs

Jesus lädt uns ein zu einem Fest der Weisheit, die in den Augen der Welt wie Torheit aussieht: Er, der Gekreuzigte und Auferweckte schenkt uns ewiges Leben. Nehmt hin den Kelch der Vergebung, des neuen Anfangs, der Versöhnung zwischen Gott und Mensch.

Austeilen der Kelche

So spricht Johannes in der Offenbarung 19:

7 Lasst uns freuen und fröhlich sein und Gott die Ehre geben; denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Braut hat sich bereitet.

9 Selig sind, die zum Hochzeitsmahl des Lammes berufen sind.

Geht hin im Frieden!

Lasst uns beten.

Danke, barmherziger Gott, dass du uns einlädst zum Fest unseres eigenen Lebens. Du beschenkst uns mit Leben, mit Liebe, mit Brot und Kelch, du willst, dass wir alles aus deinen Händen nehmen als eine kostbare Gabe.

Und wir bitten dich auch: Mach uns nicht nur am Sonntag in der Abendmahlsfeier bewusst, dass wir als Gottes Kinder eine Gemeinschaft bilden. Beschenke uns mit Aufmerksamkeit, dass wir wahrnehmen, was die Menschen neben uns brauchen und wer besonders auf uns angewiesen ist.

Ebenso bitten wir für Menschen, denen wir nicht helfen können, einfach weil unsere Kräfte nicht ausreichen oder weil wir gar nicht wissen, welche Hilfe sie nötig haben. Wir bitten für Einsame und seelisch Kranke, dass sie den Mut finden, sich jemandem anzuvertrauen, wir bitten für Mutlose und Verzweifelte, dass sie neue Kraft zum Leben gewinnen, wir bitten für Sterbende und Trauernde, dass du ihnen deinen Halt und deinen Trost verleihst. Wir bitten dich um deinen Segen für deine Gemeinde und für alle Menschen in der Welt. Amen.

Chor-Terzett – Lied 170: Komm, Herr, segne uns
Abkündigungen

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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