Wir sind Gottes Mitschöpfer

Wenn wir unseren Verstand und unsere Hände gebrauchen können – woher kommt das? Gott hat uns so geschaffen. Arbeiten oder zur Schule gehen zu können, ist auch nicht selbstverständlich. Und wenn wir Maschinen und Fabriken bauen, technische Wunderwerke? Wir haben gelernt, die Gesetze von Gottes Schöpfung zu erforschen. Wir nutzen die Möglichkeiten, die Gott schon in seine Schöpfung hineingelegt hat.

Ein Bild der bunten Schöpfung Gottes mit Tieren, Menschen, Wasser, Sonne

Ein Bild der bunten Schöpfung Gottes (pixabay.com)

direkt-predigtFamiliengottesdienst zum Erntedankfest am Sonntag, den 2. Oktober 1988 um 9.30 Uhr in Heuchelheim, um 10.30 Uhr in Reichelsheim und um 13.00 Uhr in Dorn-Assenheim

Ich freue mich, mit Ihnen und Euch allen Erntedankfest feiern zu können! Vielen Dank vorweg an die Helferinnen und Helfer bei den Vorbereitungen – die Erntegaben gesammelt, den Altar geschmückt und im Kindergottesdiensthelferkreis Ideen gesammelt haben. Dankeschön auch an die Konfirmanden, die Texte lesen werden, und an den Musikverein „Harmonie“ Dorn-Assenheim, der heute erstmalig einem evangelischen Gottesdienst in dieser Kirche mitgestaltet!

„Gottes Schöpfung – und was wir damit machen können“ – das ist der Leitgedanke dieses Gottesdienstes zum Erntedankfest. Darüber wollen wir nachdenken. Aber nicht nur das, wir wollen auch Gott loben und danken. Deshalb singen wir miteinander, wir beten und feiern.

Am Erntedankfest findet man Dinge in der Kirche, die da sonst nichts zu suchen haben: Äpfel und Kartoffeln, Brot und Gemüse. So was gehört eigentlich in den Keller oder in den Kühlschrank. Am Erntedankfest finden wir viele solche Dinge auf dem Altar.

Heute aber – da ist noch etwas anders als sonst: da liegen überall in der Kirche in den Bankreihen merkwürdige Gegenstände herum. Vielleicht haben Sie sich schon gewundert, hoffentlich nicht geärgert.

Alle sollen mal sehen, was da in den Bankreihen herumliegt. Wer neben einem solchen besonderen Gegenstand sitzt, soll den bitte mal hochheben und zeigen. Holzstück und Gießkanne, Glühbirne und Papierblock – diese Dinge sind nicht zufällig in der Kirche liegengeblieben. Sie bekommen einen Sinn, später im Gottesdienst.

Zu Beginn singen wir das Loblied 347, 1-3+6 (Gotteslob 671, 1-4):

Lobet den Herren alle, die ihn ehren; lasst uns mit Freuden seinem Namen singen und Preis und Dank zu seinem Altar bringen. Lobet den Herren!

Der unser Leben, das er uns gegeben, in dieser Nacht so väterlich bedecket und aus dem Schlaf uns fröhlich auferwecket: Lobet den Herren!

Dass unsre Sinnen wir noch brauchen können und Händ und Füße, Zung und Lippen regen, das haben wir zu danken seinem Segen. Lobet den Herren!

O treuer Hüter, Brunnen aller Güter, ach lass doch ferner über unser Leben bei Tag und Nacht dein Hut und Güte schweben. Lobet den Herren!

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Gott beschenkt uns so reich, dass wir nicht nur jederzeit genug haben für uns selbst, sondern auch noch anderen reichlich Gutes tun können.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Wenn wir Erntedankfest feiern, guter Gott, dann müssen wir aufpassen. Aufpassen, dass wir nicht nur uns selbst feiern, was wir alles geleistet, geerntet, erwirtschaftet haben. Denn ohne dich, den Schöpfer, ohne dich, der uns das Leben gab, könnten wir nichts tun. Ohne dich, wäre keine Welt, keine Erde da, kein Acker und keine Fabrik, keine Schule und kein Büro, kein Verstand und keine Arbeitskraft; du hast uns das alles anvertraut. Du hast uns Aufgaben und große Verantwortung gegeben. Wir ver-danken dir alles, deshalb Erntedank: Dir, dem Schöpfer, danken wir. Wir danken dir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Lesung zum Erntedankfest aus Psalm 8:

Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen, der du zeigst deine Hoheit am Himmel!

Aus dem Munde der jungen Kinder und Säuglinge [erklingt dein Lob, das mächtiger ist als deine Feinde].

Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?

Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt.

Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk, alles hast du unter seine Füße getan: Schafe und Rinder allzumal, dazu auch die wilden Tiere, die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meer und alles, was die Meere durchzieht.

Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen!

Lied EKG 187, 1+2+6: Nun jauchzt dem Herren, alle Welt!

„Gottes Schöpfung – und was wir damit machen können.“ Darüber wollen wir jetzt nachdenken. Und alle müssen ein bisschen dabei mithelfen. Zum Beispiel, weil wir auch ein neues Lied dabei lernen; das gelingt nur, wenn alle sich bemühen, mitzusingen. Und dann geht es jetzt gleich um all die merkwürdigen Dinge, die in den Bänken liegen!

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. (1. Buch Mose – Genesis 1, 1)

Gott hat unsere Welt gemacht.

Wie er das gemacht hat, was vorher da war, weiß keiner. Wir können nur darüber staunen!

Aber Gott hat unsere Welt nicht fix und fertig gemacht. Er hat sie so gemacht, dass auch wir noch etwas mit der Welt und in der Welt machen können.

Gott ist der Schöpfer. Was er gemacht hat, hat er uns anvertraut.

Wir können viel machen mit dem, was Gott uns gibt.

Warst du schon einmal im Dunkeln allein?

Und Gott sprach: „Es werde Licht!“ Und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war. (1. Buch Mose – Genesis 1, 3-4)

Was können wir mit Licht machen? In den Bankreihen liegen mehrere Gegenstände, die etwas mit Licht zu tun haben. Wer hat die Gegenstände gefunden? Bitte hochheben, sie werden abgeholt.

Ich suche eine Taschenlampe… Nachts leuchtet sie uns, dass wir den Heimweg finden. Sie leuchtet aufs Schlüsselloch. Wir kommen ins Haus.

Bei der Nachtwanderung auf der Konfirmandenfreizeit war es auch gut, dass wir Taschenlampen mit hatten. Sonst hätten wir uns verlaufen und – vor allem im Wald – wohl auch ein bisschen gefürchtet.

Ich hole eine Kerze… Ist hier irgendwo eine? Sie brennt in gemütlichen Stunden auf dem Tisch. Ihr Licht ist warm. Ihr Schein beruhigt uns.

Aber wir brauchen noch Streichhölzer… Sonst können wir die Kerze gar nicht anzünden.

Streichhölzer erinnern überhaupt ans Feuermachen. Ohne Feuer könnten wir nicht kochen, könnten wir unsere Wohnungen nicht heizen.

Ohne Feuer könnten wir auch Eisen nicht schmelzen, und wir hätten keinen Draht, keine Nägel,keine Fahrräder, keine Autos, keine Maschinen und vieles andere auch nicht.

Aber noch etwas haben wir in der Kirche, was mit Licht zu tun hat: eine Glühbirne… Wo ist sie?

Mit künstlichem Licht machen wir die Nacht zum Tag. Wir können abends lesen. Im Herbst und im Winter brauchen wir morgens nicht im Dunkeln aufzustehen.

Auf Straßen und Plätzen fühlen wir uns nachts sicherer, wenn sie beleuchtet sind.

Und noch etwas ist da: eine Laterne… Bald werden die Kinder wieder den Martinstag feiern. Sie gehen mit Laternen im Dunkeln auf die Straße und singen Lieder.

Noch was anderes: Wo Licht ist, ist auch Schatten. Aber ein Schatten kann auch nützlich sein. Z. B. wenn man Schattenbilder herstellt.

Ja, und solche Schattenbilder sehen wir auf dem Tuch der Kinder vom Kinderkirchentag im letzten Jahr!

Nun wissen wir, dass es stimmt: Das Licht ist wirklich gut, was können wir nicht alles mit dem Licht machen! Und die Naturwissenschaftler bestätigen es: Ohne Licht, ohne Energie wäre das Weltall nicht denkbar. Ohne die Sonnenenergie könnte die Erde keinen Tag überleben.

Gott sagte: Sonne. Da wurde es hell.

Und Gott sprach: „Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besondere Orte, dass man das Trockene sehe.“ Und es geschah so. Und Gott nannte das Trockene „Erde“, und die Sammlung der Wasser nannte er „Meer“. Und Gott sah, dass es gut war. (1. Buch Mose – Genesis 1, 9-10)

Was können wir mit Wasser machen? Wieder finden sich einige Gegenstände in den Bankreihen, die mit Wasser zu tun haben. Bitte hochheben!

Hat irgendjemand einen Waschlappen…? Mit Wasser kann man waschen: Sich selbst und die Kleider und das Geschirr und das Auto.

Nicht zu übersehen ist die Gießkanne… Pflanzen brauchen Wasser zum wachsen. Wir gießen das Gemüsebeet und die Blumen im Garten.

Ich suche eine Flasche Sprudel… Zum Essen und Trinken, zum Kochen und als Erfrischung brauchen wir Wasser.

Und wo ist das Bild von einem Staudamm…? Wasser hat Kraft. Früher drehte es Mühlräder. Heute treibt es Turbinen an. Wasserkraft erzeugt elektrischen Strom.

Irgendwo muss auch noch ein kleines Papierschiffchen sein… Das kann man im Wasser schwimmen lassen.

Man kann mit Wasser also auch spielen, oder im Wasser, in der Badewanne, im Freibad oder am Strand, besonders im Sommer, wenn es warm ist.

Wir sehen: es ist sehr gut, dass es Wasser gibt. Was können wir nicht alles mit Wasser machen! Und wir wissen auch, dass ohne Wasser auf unserer Erde kein Leben entstanden wäre. Ohne sauberes, gesundes Wasser können wir auf der Erde nicht leben.

Gott sagte: Wasser. Das Wasser trat hervor.

Und Gott sprach: „Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, das Samen bringe, und fruchtbare Bäume auf Erden, die ein jeder nach seiner Art Früchte tragen, in denen ihr Same ist.“ Und es geschah so. … Und Gott sah, dass es gut war. (1. Buch Mose – Genesis 1, 11-12)

Was können wir mit Pflanzen machen? Jetzt sollen bitte die Gegenstände gezeigt werden, die mit Pflanzen zu tun haben! Diesmal brauchen wir aber nicht gleich in den Bänken zu suchen, schauen wir einfach nach vorne!

Der Erntedankaltar ist mit sehr vielen Früchten geschmückt worden. Da liegen … (Beschreibung der verschiedenen Gemüsesorten usw.). Und hier liegt auch ein Brot, gebacken aus Weizen oder Roggen. Das Getreide ist auf unseren Feldern gereift. Und wenn wir vom Brot sprechen, meinen wir oft unsere ganze Nahrung. „Tägliches Brot“ ist alles, was wir zum Leben brauchen.

Aber einige Sachen, die aus Pflanzen gemacht werden, liegen auch in den Bänken. Wo denn?

Ein Glas Marmelade…! Selber eingekocht. Das schmeckt gut zum Frühstück.

Ein Stück Holz…! Vieles kann man aus Holz machen: Stühle und Tische, Spielzeug und Häuser, natürlich auch die Kirchenbänke hier.

Und wo ist der Schreibblock…? Schreibblock und Hefte, Taschentücher und Tüten: alles aus Papier. Und Bücher – ja auch die Gesangbücher – sind aus Papier. Und Papier macht man aus Pflanzen.

Es ist wirklich sehr gut, dass es Pflanzen gibt. Was wir alles daraus machen können! Und wir wissen: ohne die vielen Arten von Pflanzen auf der Erde hätte es uns Menschen nie gegeben; Pflanzen müssen wachsen und gedeihen können, wir brauchen sie zum Leben.

Gott rief die Pflanzen, da wuchs alles Grün.

Und Gott sprach: „Es wimmle das Wasser von lebendigem Getier, und Vögel sollen fliegen… Die Erde bringe hervor lebendiges Getier, ein jedes nach seiner Art: Vieh, Gewürm und Tiere des Feldes, ein jedes nach seiner Art.“ Und Gott sah, dass es gut war. (1. Buch Mose – Genesis 1, 20.24-25)

Was können wir alles mit Tieren machen? Zunächst einmal schauen wir wieder auf den Altar.

Da liegt ein Käse… Kühe, Schafe und Ziegen geben uns Milch. Wir trinken sie und machen daraus viele leckere Speisen.

Und da liegt auch eine Wurst… Tiere dienen uns zur Nahrung, so wie auch manche Tierarten andere Tiere zur Nahrung brauchen. Die meisten Menschen essen Fleisch und Wurst – manche mehr, manche weniger, nur wenige verzichten ganz darauf. Aber schauen wir, was wir von den Tieren noch in der Kirche finden!

Aber Tiere helfen uns auch, uns warmzuhalten. Zum Beispiel die Schafe mit ihrer Wolle. Irgendwo in der Kirche müssen Wollhandschuhe… liegen!

Und ich möchte gern den Schuh… haben! Das Leder vom Rind gibt feste, haltbare Schuhe, damit wir nicht barfuß laufen müssen.

Natürlich kann man mit Tieren noch ganz was anderes machen. Auf Pferden kann man reiten.

Hunde können Häuser bewachen, oder sie können blinde Menschen führen.

Viele Haustiere kann man auch einfach liebhaben und streicheln.

Ja, wenn jetzt unsere Kirchenkater Moby und Fiete da wären, dann könnten wir es einmal vormachen! Gut ist es jedenfalls, dass es Tiere gibt. Auch sie hat Gott uns anvertraut. Nur wenn die Tierwelt erhalten bleibt mit ihren vielen tausend verschiedenen Arten, können auch wir Menschen am Leben bleiben.

Gott rief die Tiere, wer zählt ihre Zahl?

Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und er schuf sie als Mann und [Frau]. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: „Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und macht sie euch untertan…“. Und Gott sah alles an, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. (1. Buch Mose – Genesis 1, 27-28.31)

Was können wir mit den Menschen machen? Jetzt sind keine Gegenstände mehr zu finden, weder auf dem Altar noch in den Bankreihen, die hochgehoben und hier vorne hingebracht werden können. Aber wir können uns trotzdem alle einmal umschauen, nach links und nach rechts, nach vorne und hinten. In den Bankreihen um uns herum finden wir: andere Menschen!

Was können Menschen miteinander machen?

Menschen können Freunde sein. Menschen haben sich etwas zu sagen. Menschen lieben einander.

Menschen gehören zusammen in der Familie, im Dorf, im Kindergarten, in der Schule, im Verein, in der Gemeinde.

Menschen können viel miteinander machen. Sehr gut, dass es so viele verschiedene Menschen gibt. Was würde aus uns, wenn wir ganz allein auf der Welt wären?

Gott rief den Menschen als Frau und als Mann

Liebe Gemeinde, nun sind wir am Ende mit unserem kleinen Rundgang durch die Schöpfungsgeschichte. Und was das Ganze mit dem Erntedankfest zu tun hat, haben das alle gemerkt? … Ich will das einmal so sagen:

Manchmal unterscheiden wir: Das hat Gott gemacht. Und das haben die Menschen gemacht. Gott macht die Sonne. Und wir Menschen bauen Ölheizungen. Gott lässt das Korn wachsen. Und wir Menschen backen das Brot. Gott schenkt uns Blumen. Und wir Menschen malen schöne Bilder. Gott hat die Pferde erschaffen. Und wir Menschen bauen Autos.

Aber wenn wir darüber richtig nachdenken, dann merken wir: Auch was wir Menschen machen, kommt eigentlich von Gott. Denn ohne Gott gäbe es uns gar nicht. Ohne ihn könnten wir nichts tun.

Wenn wir unseren Verstand und unsere Hände gebrauchen können – woher kommt das? Gott hat uns so geschaffen. Wenn wir arbeiten oder zur Schule gehen können – das ist auch nicht selbstverständlich. Und wenn wir Maschinen und Fabriken bauen, technische Wunderwerke? Wir können das nur, weil wir gelernt haben, die Gesetze von Gottes Schöpfung zu erforschen. Wir tun nichts weiter, als die Möglichkeiten zu nutzen, die Gott schon in seine Schöpfung hineingelegt hat.

In der Ernte ist das seit alten Zeiten den Menschen bewusst gewesen: Der Mensch sät, Gott gibt das Wachsen und Gedeihen, und der Mensch kann wieder ernten. „Es geht durch unsre Hände, kommt aber her von Gott.“

EKG 436, 1-3: Großer Gott, wir loben dich!

Liebe Gemeinde, wir haben gehört: Gott will, dass wir etwas anfangen mit seiner Schöpfung. Wir sollen seine Mitarbeiter sein, sollen die Erde bebauen und bewahren. Wir sollen Gottes Mitschöpfer sein.

Ein alter finnischer Spruch heißt:

Gott gibt Äcker, gibt nicht Pflüge.
Gott gibt Quellen, gibt nicht Krüge.
Gott gibt Kühe, gibt nicht Eimer.
Gott gibt Flachs, gibt nicht Leinen.
Selbst mit eigner Kraft muss walten,
selbst mit eignem Sinn muss schaffen,
selbst mit eignem Kopf muss denken
jeglicher auf dieser Erde.

Wenn wir aber Gottes Mitschöpfer in seiner Schöpfung sind, wenn wir mitverantwortlich sind für das, was wir da tun oder nicht tun, dann müssen wir heute in einem Erntedankfest leider auch klagen. Wir müssen klagen darüber, dass wir in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr gemeint haben: Wir kommen auch ohne Gott aus. Wir nehmen mit unserer Technik dem lieben Gott die Arbeit ab. Wir steigern die Erträge, wir beseitigen die Not, wir beherrschen die Natur ohne Probleme.

Wir wissen, dass diese Denkweise ein grauenhafter Irrtum gewesen ist. Unserer Technik sind Grenzen gesetzt. Wir haben inzwischen erkannt, dass es nicht unendlich viel Luft und Wasser gibt, die beliebig stark verschmutzt werden könnten. Wir spüren, dass es nicht so weitergehen kann wie bisher, wenn jeden Tag ganze Tier- oder Pflanzenarten aussterben. Millionen von Jahren hat es in Gottes Schöpfung gebraucht, um so viele verschiedene Arten von Lebewesen hervorzubringen, und wir Menschen haben es innerhalb von wenigen Jahren so weit gebracht, viele von ihnen für immer auszulöschen. Nicht weil wir das wollten, sondern einfach aus Gedankenlosigkeit. Weil viele Tier- und Pflanzenarten einfach keinen Lebensraum mehr bei uns finden. Es ist ja heute sogar schon unsicher, ob es im nächsten Jahr noch Seehunde geben wird.

Diese Klagen stehen neben unserem Dank, und beides schließt sich nicht gegenseitig aus. Wenn wir uns Sorgen machen, kann es sein, dass wir um so stärker spüren: Es ist nichts selbstverständlich, nicht, dass wir immer eine gute Ernte haben, nicht, dass die Bauern auch gut dafür bezahlt werden, nicht einmal, dass alle Bauernhöfe erhalten bleiben. Es ist nicht einmal selbstverständlich, dass unsere Kinder und Enkel noch in einer lebenswerten Umwelt leben werden. Wenn wir aber für das nicht-Selbstverständliche danken, dann können wir auch darauf aufmerksam werden, dass wir alle gemeinsam verantwortlich sind für das, was Gott uns anvertraut hat.

Eins dürfen wir heute ganz gewiss nicht tun. Wir dürfen nicht mit den Fingern auf andere zeigen und sagen: „Ihr seid schuld!“ Wenn wir ans Säen und Ernten denken, an die Bewirtschaftung des Bodes, dann liegt ja immer eine besondere Versuchung nahe, nämlich die Landwirte allein für alles verantwortlich zu machen. Dazu hat niemand ein Recht.

Ich muss zugeben, dass wir Nicht-Landwirte oft vergessen, Gott am Erntedankfest auch für die Arbeit der Landwirte zu danken! Erntedank heißt auch, Gott zu danken für die Menschen, die sich auf dem Acker und mit ihrem Vieh Tag für Tag abplagen, damit wir alle zu essen und zu trinken haben.

Und wir müssen uns Gedanken machen darüber, warum denn die, die sich so abplagen, so wenig bezahlt bekommen für den Ertrag ihrer Arbeit. Sie können ja gar nicht anders, als immer mehr und mehr und mehr anzubauen. Sie müssen Maschinen kaufen, damit sie noch mehr erwirtschaften können. Und viele wissen nicht, ob das alles überhaupt noch einen Zweck hat. Wer von den jungen Leuten wird den Hof der Eltern oder Großeltern noch weiterführen? Das sind ernste Fragen – wir können damit die Landwirte nicht allein lassen – wir alle sind mitverantwortlich auch für diese schwierigen Probleme.

All diese Probleme können wir aber nicht heute hier im Gottesdienst lösen. Das müssen wir im Alltag tun. Wie gesagt: Die Klage hat schon ihren Platz im Erntedankgottesdienst, aber nur neben dem Danken. Denn wenn wir Gott dankbar sind, dann finden wir auch Wege, wie wir gemeinsam den Segen aus seiner Hand empfangen und gerecht verteilen können, ohne die Lebensgrundlagen unserer Umwelt immer mehr zu zerstören. „Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut“, heißt es in der Bibel, „und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird.“ Dieser Gedanke mag uns in den Alltag hinein begleiten. Noch einmal: „Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird.“ Amen.

EKG 436, 9-11: Sieh dein Volk in Gnaden an!

Lasst uns beten.

Sei gelobt, mein Herr, durch unsere Mutter, die Erde! So hat einst Franz von Assisi zu dir gebetet, Gott. Und wir stimmen am Erntedankfest in sein Lob ein. Sei gelobt, mein Herr, durch unsere Mutter, die Erde! Sie ernährt und trägt uns und zeugt vielerlei Früchte, buntfarbige Blumen und Kräuter.

Wenn du uns unsere Erde als Mutter gegeben hast, dann hilf uns, die Erde auch wie eine Mutter zu achten – sie nicht auszubeuten und ihr nicht Gewalt anzutun. Lass uns dankbar empfangen, was die Erde hervorbringt, hilf uns beim Verteilen der reichen Gaben, die uns unsere Erde beschert, und lass uns dabei die Hungernden in der Welt nicht vergessen. Hilf uns auch dabei, mit den großen Sorgen fertigzuwerden, mit denen unsere heimische Landwirtschaft zu kämpfen hat.

Vor allem schenk uns ein dankbares Herz! Dann kommen wir zu dir mit unserem Glück und unseren Sorgen, und du führst uns zusammen, so dass wir vieles gemeinsam tun können: gemeinsam feiern und gemeinsam Probleme lösen. Amen.

Vater unser
Lied 223, 4: Herr, du bist Gott! In deine Hand o lass getrost uns fallen

In Dorn-Assenheim ist eine Ökumenische Andacht anzusagen, die heute in 14 Tagen hier in der Kirche stattfindet, nachmittags um 17.00 Uhr zum Thema „Gottes Kraft in den Schwachen“

Es geht um solche oder ähnliche Fragen: Sind wir stark oder schwach im Glauben? Wo finden wir einen Halt, wenn wir schwach sind? Was ist mit unserer Schwäche, wenn wir uns stark fühlen? Und wie gehen wir als Menschen, die sich manchmal stark und manchmal schwach fühlen, miteinander in der Gemeinde um? Der nächste evangelische Gottesdienst ist am 30. Oktober um 13.00 Uhr. Außerdem wird ganz herzlich zum Meisterkonzert am kommenden Sonntag um 20.00 Uhr in der Heuchelheimer Kirche eingeladen. Frau Kantorin Karin Sachers aus Lauterbach spielt auf der kleinen historischen Heuchelheimer Orgel Werke aus der Romantik und aus dem Barock. Der Eintritt ist frei. Noch etwas: Nicht vergessen, dass zwei Tage später, am Dienstag in einer Woche ein offener Abend mit indischen Gästen drüben im Reichelsheimer Sälchen stattfindet, am 11. Oktober um 20.15 Uhr. Als letztes noch die Kollekte des heutigen Erntedanksonntags: sie ist bestimmt für die Hungernden der Erde, für die Aktion „Brot für die Welt“.

Und nun lasst uns mit Gottes Segen in die neue Woche gehen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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