Heile Welt in der Urgemeinde?

Alles fängt für Christen damit an, dass sie das Wort annehmen. Die Lutherbibel von 1912 übersetzt: „Die nun sein Wort gern annahmen…“. Das eingefügte „gern“ trifft den Sinn noch genauer. Denn im griechischen Urtext steht ein Wort mit der Grundbedeutung „willkommen heißen“. Christen sind Menschen, die das Wort Gottes, nämlich Jesus selbst, herzlich willkommen heißen.

Ein weißes Puzzle-Teil passt genau in die Aussparungen von vier weißen Puzzleteilen, die um es herum angeordnet sind

Durch das Wort Christi schließen Glaubende sich zur Gemeinde zusammen (Grafik: pixabay.com)

#predigtGottesdienst am 7. Sonntag nach Trinitatis, den 25. Juli 2004, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Herzlich willkommen in der Pauluskirche!

„Heile Welt in der Kirche?“ Das ist die Frage – heute im Gottesdienst.

Wir hören in der Predigt, wie es ganz am Anfang in der ersten Christengemeinde zuging.

Wir fragen uns: Ist heute in der Kirche einer für den andern da?

Lied 253:

1. Ich glaube, dass die Heiligen im Geist Gemeinschaft haben, weil sie in einer Gnade stehn und eines Geistes Gaben. So viele Christus nennet sein, die haben alles Gut gemein und alle Himmelsschätze.

2. Denn in der neuen Kreatur ist keiner klein noch größer; wir haben einen Christus nur, den einigen Erlöser. Das Licht, das Heil, der Morgenstern, Wort, Tauf und Nachtmahl unsres Herrn ist allen gleich geschenket.

3. Wir haben alle überdies Gemeinschaft an dem Leiden, am Kreuz, an der Bekümmernis, an Spott und Traurigkeiten; wir tragen, doch nicht ohne Ruhm, allzeit das Sterben Jesu um an dem geplagten Leibe.

4. So trägt ein Glied des andern Last um seines Hauptes willen; denn wer der andern Lasten fasst, lernt das Gesetz erfüllen, worin uns Christus vorangeht. Dies königlich Gebot besteht in einem Worte: Liebe.

5. Ich will mich der Gemeinschaft nicht der Heiligen entziehen; wenn meinen Nächsten Not anficht, so will ich ihn nicht fliehen. Hab ich Gemeinschaft an dem Leid, so lass mich an der Herrlichkeit auch einst Gemeinschaft haben.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Die Gemeinschaft der Heiligen steht als Glaubenssatz im Glaubensbekenntnis. Die Heiligen, das sind für uns Evangelische nicht nur besonders herausragende Christen, sondern dazu sind wir alle berufen: Heilige, weil wir von Gottes Geist angerührt und verwandelt werden.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Aber wenn wir heilig wären, müssten wir dann nicht erlöster aussehen, wie der Pfarrerssohn und Philosoph Friedrich Nietzsche meinte? Wenn die Kirche eine Gemeinschaft der Heiligen wäre, müsste die Welt nicht wenigstens im Bereich der Kirche heil sein? Stattdessen erleben wir menschliche Unzulänglichkeiten, Fehler und Schuld auch in der Kirche. Sogar abscheuliche Verbrechen werden von Menschen verübt, die der Kirche angehören. Und auch, wenn wir an uns selbst denken, an uns persönlich und an unsere Gemeinde, sind wir nicht frei von Hochmut und Kleinmut, reden wir übereinander statt miteinander, haben wir Angst, uns zu öffnen und mit anderen zu teilen, fordern wir mehr, als wir zu geben bereit sind. Wir rufen zu dir um Gnade:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Trotz allem glauben wir an die Gemeinschaft der Heiligen. Warum? Weil wir im Glaubensbekenntnis unmitelbar nach dem Bekenntnis zur Heiligkeit der Kirche um die Vergebung der Sünden bitten. Nur im Vertrauen auf Vergebung können wir zögernd, tastend, immer wieder im Zwiespalt mit uns selbst als eine Gemeinschaft der Heiligen leben.

Danke, Gott, Heiliger Geist, dass du selbst die harte Arbeit auf dich nimmst, an uns zu arbeiten. Du verwandelst unsere Härte in Wärme, Selbstsicherheit in suchendes Fragen, Verzagtheit in getroste Zuversicht und unsere Bitterkeit in die Fähigkeit, uns selbst und andere zu lieben.

Lasst uns Gott lobsingen!„Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Gott, lass uns hören auf dein Wort, nicht nur mit den Ohren und unserem Verstand, sondern auch mit unseren Herzen und Händen. Darum bitten wir dich im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Lesung aus der Apostelgeschichte 4, 32-35:

32 Die Gemeinde der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam.

34 Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wer von ihnen Äcker oder Häuser besaß, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte

35 und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis
Lied 269: Christus ist König, jubelt laut!
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Zur Predigt hören wir, was Lukas in der Apostelgeschichte 2, 41-47, über die erste Christengemeinde erzählt, die am Pfingsttag, 50 Tage nach der Auferstehung Jesu, in Jerusalem entstand:

41 Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen; und an diesem Tage wurden hinzugefügt etwa dreitausend Menschen.

42 Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.

43 Es kam aber Furcht über alle Seelen, und es geschahen auch viele Wunder und Zeichen durch die Apostel.

44 Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam.

45 Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nach dem es einer nötig hatte.

46 Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen

47 und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.

Liebe Gemeinde!

Mit einem gewaltigen Einstand beginnt nach dem Bericht des Lukas das Leben der Kirche. 3000 Menschen lassen sich schon am ersten Pfingsttag taufen und gründen die Gemeinde in Jerusalem. Aber klingt das nicht nach einer gewaltigen Übertreibung? Jerusalem hatte damals nicht mehr als 25000 Einwohner.

Auch andere Einzelheiten der Geschichte wirken unglaublich: Hat es solche Superchristen gegeben? Sie leben so vorbildlich, dass sie beim ganzen Volk beliebt sind, sogar bei den nichtchristlichen Juden und Heiden. „Sie hatten alles gemeinsam. Sie verkauften Hab und Gut und gaben davon ab, jedem so viel, wie er nötig hatte.“ Das klingt wie eine Utopie, wie die Beschreibung eines Ideals, viel zu schön, um wahr gewesen zu sein. 1970 stellte sich John Lennon in seinem Song „Imagine“ vor, es gäbe keinen Himmel, um dessentwillen man Andersgläubige fanatisch verfolgt, und es gäbe keine Staaten, die gegeneinander Krieg führen. Aber die größte Utopie, am schwersten vorstellbar, war für ihn: Dass Menschen auf ihren Besitz verzichten. Trotzdem erzählt Lukas sogar an zwei Stellen vom Liebeskommunismus der ersten Christen. Vorhin hat Frau Weber die andere Stelle vorgelesen.

Machen wir uns erst einmal klar, dass wir hier keinen Augenzeugenbericht vor uns haben. Lukas zeichnet sein Bild von der Urgemeinde mindestens 50 Jahre später aus zweiter Hand. Wahrscheinlich ging er von der Zahl der Christen seiner Zeit aus und schloss aus der Rückschau auf die Zahl der Christen am Anfang. 3000 – eine runde heilige Zahl, für Lukas die Zahl des Anfangs. Damals, so Lukas, als alles anfing, war die Gemeinde noch ein Herz und eine Seele, war sie noch vollkommen erfüllt vom Heiligen Geist.

Mich erinnert die Art der Schilderung an den Schöpfungsbericht im Alten Testament.

Und siehe, es war sehr gut

– urteilt Gott über seine Schöpfung (1. Buch Mose – Genesis 1, 31). Ähnlich hier bei Lukas. Beschreibt er nicht den Anfang der Kirche wie eine neue Schöpfung durch Gott? Die Kirche wird nicht einfach von Menschen gegründet, sondern 3000 Seelen werden hinzugefügt. Hinzugefügt wozu? Nicht zur Kirche, die gibt‘s bis dahin noch gar nicht. Der Heilige Geist fügt Menschen zum Kreis der ursprünglichen Jünger Jesu hinzu, die jetzt Apostel, Gesandte Christi, heißen. So gründet der Heilige Geist selbst am ersten Pfingsttag die Kirche: die Kirche ist Gottes neue Schöpfung. Wahnsinn: so wichtig ist die Kirche in Gottes Augen – aber ist sie auch „sehr gut“?

Im Prinzip, von ihrem Ursprung her, ist sie das. Die Kirche ist, so lange sie sich vom dreieinigen Gott getragen weiß, wirklich eine Gemeinschaft der Heiligen. Aber die neue Schöpfung „Kirche“ ist und bleibt auch ein Teil der alten Schöpfung der Welt. Und so lange das der Fall ist, teilt die Kirche auch das Schicksal der Welt. In der Welt hält ja, sobald der Mensch auf der Bildfläche erscheint, rätselhafterweise auch das Böse in ihr Einzug. Der Mensch, mit Freiheit begabt, hat auch die Freiheit, sich ohne Gott und gegen Gott zu entfalten. Der Mensch kann sich gegen die Liebe entscheiden, obwohl er von ihr lebt und macht so die gute Schöpfung zu einem Ort der Sünde und des Unheils.

Von dieser Realität der Sünde ist auch die Kirche nicht ausgeschlossen. Das weiß auch Lukas; entsprechende Einzelheiten aus dem Leben der Kirche erzählt auch er. So fit sind auch die Christen nicht, dass sie aus eigener Kraft die Utopien der Menschlichkeit und des Besitzverzichts verwirklichen könnten. So lange wir hier auf Erden leben, liegt der Geist Christi auch in den Christen im Streit mit dem alten Adam und der alten Eva.

Und gerade weil das dem Lukas durchaus klar ist, erzählt er am Anfang seiner Kirchengeschichte, wo die Kirche herkommt, was ihr Ursprung ist. Womit fängt sie denn an, die neue Schöpfung der Kirche als Gemeinschaft der Heiligen?

41 Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen.

Alles fängt für Christen damit an, dass sie das Wort annehmen. Gemeint ist hier das Wort eines Apostels, nämlich des Petrus. Er lässt lebendig werden, was Jesus verkörpert hat: die Liebe Gottes selbst. Die Lutherbibel von 1912 übersetzt an dieser Stelle: „Die nun sein Wort gern annahmen…“. Das eingefügte „gern“ trifft den Sinn noch genauer. Denn im griechischen Urtext steht ein Wort mit der Grundbedeutung „willkommen heißen“. Christen sind Menschen, die das Wort Gottes herzlich willkommen heißen, denn es besteht nicht einfach aus leeren Sprüchen, sondern mit dem Wort von Jesus dürfen wir Jesus selbst unter uns begrüßen. Seine Liebe berührt und bewegt uns, sein Geist durchdringt und verwandelt unsere Gedanken und Gefühle – so sieht es aus, wenn Christen Christi Wort willkommen heißen.

Als Christen nehmen wir den an, der uns in Liebe angenommen hat.

Welche Rolle spielt dabei die Taufe? Sie ist unter anderem so etwas wie ein Willkommensfest: So wie Gott uns auf der Erde willkommen heißt, so heißen wir seine Liebe in unserem Leben willkommen. Die Taufe ist in doppelter Weise ein sichtbares Zeichen: dafür, dass wir angenommen sind, und dafür, dass wir diese Annahme annehmen. Wir sind geliebt und öffnen uns für Liebe. Bei einer Kindertaufe sind Eltern und Paten dafür verantwortlich, dem Taufkind dabei zu helfen, Liebe zu erfahren und zu leben.

Aber wie verhindert man nach dieser Initialzündung des christlichen Glaubens, dass die Bekehrung zu Christus nur ein Strohfeuer bleibt und dass aus getauften Christen bloß Taufscheinchristen werden? Dem Lukas sind vier Dinge wichtig:

42 Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.

An vier Dingen soll ein Christ mit Ausdauer festhalten: an Lehre, Gemeinschaft, Brotbrechen und Gebet. Das klingt nicht besonders aufregend, das soll einfach zum Alltag der Christen gehören, so alltäglich und normal wie Zähneputzen oder Frühstücken, wie Zeitunglesen oder Fernsehen, wie Briefeschreiben oder Telefonieren.

Warum diese vier Dinge?

Ich fange hinten an: Das Gebet verbindet uns mit Gott. Ohne Gebet herrscht Funkstille zwischen uns und dem, der uns anrühren und verwandeln will.

Das Brotbrechen verbindet uns mit Christus. Im Abendmahl erkennen wir sein Gesicht als das unverwechselbares Gesicht Gottes, und wir schmecken das Brot als Kraftnahrung für Christen.

Die Gemeinschaft verbindet uns mit anderen Christen. Das heißt: der christliche Glaube ist wohl eine sehr persönliche, aber keine reine Privatsache. Und die Heiligen sind keine Helden als herausragende Individuen. Heilig können wir alle sein als Mitglied in einer Gemeinschaft der Heiligen, in der wir den Rücken gestärkt bekommen.

Und die Lehre? Die Lehre der Apostel verbindet uns mit Gott, mit Christus und mit den andern in der Kirche. Wenn wir nichts wissen von dem Ursprung, von dem wir herkommen, dann wird die Religion zu einer beliebigen, austauschbare Angelegenheit. Wenn wir uns von Jesus Christus lösen, verlieren wir unser unverwechselbares Profil als christliche Kirche. So konservativ muss die Kirche sein, dass sie niemals aufhört, auf den zu hören, von dem sie herkommt. Man darf dieses An-der-Lehre-Festhalten allerdings nicht mit einer buchstabengläubigen Dogmatik verwechseln. Die Lehre der Apostel lernt man nicht allein aus Büchern, sondern wenn man bei lebendigen Menschen, bei erfahrenen Christen in die Lehre geht. Den Glauben lernt man nicht nur mit dem Kopf, sondern mit Herz und Hand, wie damals bei den ursprünglichen Jüngern Jesu. Das ganze Leben verwandelt sich durch den Geist des Vertrauens, der Freiheit und der Liebe.

Lukas weiß von dieser Verwandlung, und als er von diesem Wunder spricht, klingt sein Text auf einmal doch aufregender:

43 Es kam aber Furcht über alle Seelen, und es geschahen auch viele Wunder und Zeichen durch die Apostel.

In einem Atemzug erzählt Lukas ein doppeltes Geschehen: es geschieht Furcht, indem durch die Apostel Zeichen und Wunder geschehen. Mitten im christlichen Alltag geschieht Nicht-Alltägliches, und wie das so ist, wenn man es nicht langweilig haben will: aufregende Zeiten sind oft auch Zeiten zum Fürchten. Wer es mit dem lebendigen Gott zu tun bekommt, reagiert oft als erstes mit einer Furcht, die er nicht kannte. Vielleicht weil das vertraute Weltbild ins Wanken gerät, vielleicht weil die Heiligkeit Gottes für uns unerreichbar scheint, vielleicht weil uns in der Gegenwart Gottes unsere eigene Begrenztheit schmerzlich bewusst wird. Aber indem Gott uns Wunder des Vertrauens und der Liebe erfahren lässt, mag sich auch die Furcht vor Gott verwandeln – in Ehrfurcht und kindliche Liebe.

Und nun kommt Lukas zum zentralen Wunder, das in der Kirche geschieht:

44 Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam.

45 Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nach dem es einer nötig hatte.

Man hat viel gerätselt über diesen Bericht. Gab es ihn wirklich am Anfang, den christlichen Liebeskommunismus? Haben sich wirklich alle Gemeindeglieder für alle anderen verantwortlich gefühlt? Paulus erwähnt, dass reiche Christen in Gegenwart armer Leute ihr Essen auspackten und nichts davon abgaben. Ähnliche Geschichten weiß Lukas zu erzählen. Wie gesagt – wenn Christen bereit waren und bereit sind, auf privates Eigentum zu verzichten, dann ist das ein bemerkenswertes Wunder.

Es setzt großes Vertrauen voraus. Dass sich wirklich einer auf den andern verlassen kann, wie in einer Familie, wie unter sehr guten Freunden. Lukas muss das auch gekannt haben, als zu seiner Zeit viele Christen vom römischen Staat enteignet wurden; da konnte, wer verarmte, sich auf die anderen Christen verlassen. Die Not schweißte die Menschen in der Kirche zusammen.

In einer überschaubaren Gemeinschaft ist das leichter als bei uns in einer oft anonym wirkenden Volkskirche. Doch auch in der Paulusgemeinde ist die Bereitschaft da, materielle Dinge zu teilen; es wird Geld gespendet, zum Beispiel für den Sozialfonds, der viel in Anspruch genommen wird. Außerdem gibt es Gemeindeglieder, die auf die Menschen in ihrem Umfeld ein wachsames Auge haben. Da werden Besuche gemacht, nicht nur zu feierlichen Anlässen, sondern auch, wenn jemand unter Einsamkeit leidet. Ein Besuchsdienstkreis besucht regelmäßig die über 70-Jährigen zum Geburtstag. Vielleicht gelingt es in Zukunft, auch die neuzugezogenen Mitglieder der Paulusgemeinde zu besuchen. Allerdings ist der Besuchsdienstkreis leider kleiner geworden; es wäre schön, wenn wir Zuwachs bekämen, damit aus dem ehrenamtlichen Dienst nicht eine zu große Belastung wird.

Gemessen an dem, was im Urchristentum möglich war und was die Älteren unter Ihnen in Notzeiten erlebt haben, mag es gering erscheinen, einfach ein bisschen Zeit mit einem anderen Menschen zu teilen oder ein paar Euro zu spenden. Aber die Gemeinschaft der Heiligen verwirklicht sich nicht immer nur in den großartigen Erfahrungen der Kirchengeschichte. Sie lebt in den Kontakten im Kirchencafé oder in der Freude am Seniorentanz und Chorgesang. Sie ist da, wo immer wir in der Gemeinde zusammenkommen – von der Kindergartenandacht bis zum Seniorentreff.

Das Schöne an unserem Predigttext ist, dass Lukas nicht nur die spannenden Begebenheiten der Kirchengeschichte für wichtig hält, sondern auch vom Alltag der Kirche erzählt, so wie es damals eben zuging, als die Christen noch keine eigenen Kirchen hatten, sondern in den jüdischen Tempel gingen:

46 Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen

47 und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.

Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Lied 420: Brich mit den Hungrigen dein Brot

Lasst uns beten!

Danke, Gott, für die Kraft, die du uns schenkst, für die Liebe, mit der du uns erfüllst, für die Orientierung, die du uns gibst.

Brich Strukturen auf, die den Hunger in der Welt verursachen. Weiche harte Herzen auf, die am Eigenen festhalten, ohne an ihren Nächsten zu denken. Lass uns über den eigenen Schatten springen, um zu helfen, wo Hilfe wirklich Not-wendig ist.

Öffne die Herzen der Verzweifelten, dass Worte des Verstehens sie erreichen, dass sie anfangen können, sich selbst zu achten als von dir wunderbar geschaffene Menschen. Lass uns im Gespräch mit Ratsuchenden Worte finden, die heilsam sind, die Konflikte lösen, die Sprachlosigkeit überwinden.

Hilf uns, Einsamkeit zu überwinden. Indem wir auf Menschen zugehen, die allein sind. Indem wir, wenn wir uns selber einsam fühlen, die Angst überwinden, eine neue Erfahrung in einer Gruppe von Menschen zu machen. Indem wir es lernen, nicht jedes Alleinsein als Einsamkeit zu erfahren.

Schenke den Fragenden Antwort und die, die schon alles wissen, mach neugierig auf neue Fragen. Wenn wir traurig sind, lass uns Trost finden in einem Lied oder Gebet, im Reden oder im Schweigen.

Insbesondere beten wir heute für …, der im Alter von 56 Jahren gestorben ist und den alle nur als … kannten. In dir bleibt sein Gedächtnis aufbewahrt, zu dir ist sein Leben zurückgekehrt, von dem es hergekommen war. Die ihm nahestanden, begleite du auf ihrem Weg der Trauer; die zu verzweifeln drohen, stärke du mit deinem Trost. Amen.

In der Stille bringen wir vor dich, Gott, was wir außerdem auf dem Herzen haben:

Gebetsstille und Vater unser
Lied 171: Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott
Abkündigungen

Und nun lasst uns mit Gottes Segen in den Sonntag gehen – wer möchte, ist im Anschluss noch herzlich zum Beisammensein mit Kaffee oder Tee im Gemeindesaal eingeladen.

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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