Ein Arbeitstag im Leben Jesu

Matthäus erzählt von einem Tag aus dem Leben Jesu. Es ist ein Arbeitstag, der auch einen Feierabend hat. Es ist ein Tag vieler Begegnungen. Da wird viel getan, viel gedacht und auch viel gefühlt. Jesus heilt einen Gelähmten, vergibt Sünden, gewinnt einen Zöllner zum Freund und eine Menge Moralapostel als Feinde. Schließlich lehrt er den Jüngern des Johannes rechtes Fasten.

Jesus als Silhouette, er geht mit ausgestrecktem Arm nach links

Jesus geht auf die Menschen zu (Grafik: pixabay.com)

#predigtAbendmahlsgottesdienst am Sonntag Septuagesimä, den 4. Februar 2007, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Ich begrüße Sie und euch alle herzlich zum Abendmahlsgottesdienst in der Pauluskirche mit dem Wort zur Woche aus dem Buch Daniel 9, 18:

Wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.

Gottes Barmherzigkeit ist für uns Christen vor allem in Jesus Christus erkennbar. In der Lesung und in der Predigt werden wir heute einen Tag im Leben Jesu betrachten, wie ihn uns der Evangelist Matthäus nachzeichnet.

Lied 279, 7-8:

7. Die ihr Gott fürchtet, ich erzähle: kommt, hört und betet mit mir an! Hört, was der Herr an meiner Seele für große Dinge hat getan. Rief ich ihn an mit meinem Munde, wenn Not von allen Seiten drang, so war oft zu derselben Stunde auf meiner Zung ein Lobgesang.

8. Gelobt sei Gott und hochgepriesen, denn mein Gebet verwirft er nicht; er hat noch nie mich abgewiesen und ist in Finsternis mein Licht. Zwar elend, dürftig bin ich immer und schutzlos unter Feinden hier; doch er, der Herr, verlässt mich nimmer, wend’t seine Güte nie von mir.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Wir beten mit Psalm 63:

2 Gott, du bist mein Gott, den ich suche. Es dürstet meine Seele nach dir, mein ganzer Mensch verlangt nach dir aus trockenem, dürrem Land, wo kein Wasser ist.

6 Das ist meines Herzens Freude und Wonne, wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben kann;

7 wenn ich mich zu Bett lege, so denke ich an dich, wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach.

8 Denn du bist mein Helfer, und unter dem Schatten deiner Flügel frohlocke ich.

9 Meine Seele hängt an dir; deine rechte Hand hält mich.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Gott, wer von uns nicht weiter weiß, wer in einer Krise steckt, wer im alten Trott gefangen ist: Schenke uns neue Einsichten, zeige uns neue Wege, lass uns den nächsten kleinen Schritt wagen, auf den du uns aufmerksam machst. Wir rufen zu dir:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Gott, wir danken dir für jede Begegnung, die uns spüren lässt, dass unser Leben wertvoll ist. Und wir staunen über das Wunder, dass in unserer Welt trotz allem die Hoffnung niemals stirbt. Denn du bist es, der unsere Hoffnung verbürgt.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Wir feiern Gottesdienst! Wir dürfen mitfeiern, einfach so, wie wir sind – auch mit gemischten Gefühlen, auch mit verwirrenden Gedanken, egal, ob wir uns klein oder groß, stark oder schwach fühlen, egal, ob wir frei sind oder gefangen in unserer Angst. Lass den Gottesdienst gelingen im Vertrauen auf Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn. „Amen.“

Wir hören den Text zur Predigt aus dem Evangelium nach Matthäus 9, 1-15:

1 Da stieg [Jesus] in ein Boot und fuhr hinüber und kam in seine Stadt.

2 Und siehe, da brachten sie zu ihm einen Gelähmten, der lag auf einem Bett. Als nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Sei getrost, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.

3 Und siehe, einige unter den Schriftgelehrten sprachen bei sich selbst: Dieser lästert Gott.

4 Als aber Jesus ihre Gedanken sah, sprach er: Warum denkt ihr so Böses in euren Herzen?

5 Was ist denn leichter, zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf und geh umher? Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, auf Erden die Sünden zu vergeben –

6 sprach er zu dem Gelähmten: Steh auf, hebe dein Bett auf und geh heim!

7 Und er stand auf und ging heim.

8 Als das Volk das sah, fürchtete es sich und pries Gott, der solche Macht den Menschen gegeben hat.

9 Und als Jesus von dort wegging, sah er einen Menschen am Zoll sitzen, der hieß Matthäus; und er sprach zu ihm: Folge mir! Und er stand auf und folgte ihm.

10 Und es begab sich, als er zu Tisch saß im Hause, siehe, da kamen viele Zöllner und Sünder und saßen zu Tisch mit Jesus und seinen Jüngern.

11 Als das die Pharisäer sahen, sprachen sie zu seinen Jüngern: Warum isst euer Meister mit den Zöllnern und Sündern?

12 Als das Jesus hörte, sprach er: Die Starken bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken.

13 Geht aber hin und lernt, was das heißt (Hosea 6,6): »Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit und nicht am Opfer.« Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten.

14 Da kamen die Jünger des Johannes zu ihm und sprachen: Warum fasten wir und die Pharisäer so viel, und deine Jünger fasten nicht?

15 Jesus antwortete ihnen: Wie können die Hochzeitsgäste Leid tragen, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Es wird aber die Zeit kommen, dass der Bräutigam von ihnen genommen wird; dann werden sie fasten.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis
Lied 552: Einer ist unser Leben
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, Matthäus erzählt von einem Tag aus dem Leben Jesu. Es ist ein Arbeitstag, der auch einen Feierabend hat. Es ist ein Tag vieler Begegnungen. Da wird viel getan, viel gedacht und auch viel gefühlt.

Es beginnt damit, dass Jesus nach Hause kommt:

1 Da stieg er in ein Boot und fuhr hinüber und kam in seine Stadt.

Wir wundern uns vielleicht. Heißt es nicht immer, Jesus hatte keine eigene Wohnung, konnte keine Stadt seine Heimat nennen? Und doch wird der Ort Kapernaum hier „seine Stadt“ genannt. Offenbar war hier für ihn ein Zufluchtsort, hier hatte er enge Freunde gewonnen. Auch wenn man kein eigenes Haus besitzt, ist es doch gut, wenn man weiß, wo die eigenen Wurzeln ihren Halt finden. Das muss nicht die Heimat sein, wo man geboren ist, das muss nicht das Elternhaus sein, in der Regel wird dieser Ort zu tun haben mit Menschen, die man lieb hat. Jesus kommt in „seine Stadt“. Auch er scheint die Geborgenheit eines Zuhause zu brauchen, um von dort aus weggehen und seine Arbeit tun zu können.

Diesmal wartet aber auch hier Arbeit auf ihn:

2 Und siehe, da brachten sie zu ihm einen Gelähmten, der lag auf einem Bett.

Menschen setzen auf Jesus ihre Hoffnung. Sie bringen einen Kranken zu ihm. Wird er ihm helfen können?

Als nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Sei getrost, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.

Eigenartig – als erstes sieht Jesus „ihren Glauben“. Wie kann man Glauben sehen? Er nimmt wahr: Hier gibt es Vertrauen auf Heilung. Hier gibt es die Erwartung, dass er wirklich helfen kann. Damit ist offenbar schon die halbe Heilung bewirkt! Obwohl nicht einmal der Kranke selbst dieses Vertrauen hat, sondern die, die ihn zu Jesus hinbringen. Jesus ermutigt damit alle Menschen, die sich um einen kranken Angehörigen oder Freund kümmern: es ist wichtig, ihn nicht aufzugeben, nicht unbeduldig zu werden, wenn nicht so schnell Besserung eintritt.

Als zweites spricht Jesus dem Kranken Trost zu. „Sei getrost“, sagt er zu ihm. Er tröstet in der Gewissheit, dass der Vater im Himmel es gut mit uns meint und dass wir Zukunft haben, wenn nicht hier auf Erden, dann drüben in der anderen Welt. Er vertröstet aber nicht auf das Jenseits, sondern er tröstet, indem er das Leben hier und jetzt ernst nimmt und wertschätzt, wie wir noch sehen werden.

Als drittes redet Jesus den Kranken väterlich an: „Mein Sohn!“ Er tröstet ihn wie ein Kind, und er spricht ihm viertens die Vergebung seiner Sünden zu. Offenbar spürt Jesus, dass die Lähmung dieses Kranken von seiner Seele kommt. Wie kommt es dazu, dass ein Mensch sich innerlich wie gelähmt fühlt, dass er nicht vor oder zurück kann, dass er sich nicht entscheiden kann, was tun, was denken, was fühlen? Er möchte seinen eigenen Weg gehen, aber eine innere Stimme, vielleicht der Vater seiner Kindheit, der ihn niemals ermutigt, immer nur überfordert hat, sagt ihm: Das darfst du nicht! Er fühlt sich elend und am Ende, aber er kann nicht aufhören, sich immer wieder zu sagen: Reiß dich zusammen, ein Mann weint nicht. Irgendwann machen Körper und Seele nicht mehr mit, der Mann bricht zusammen, oder er erstarrt in einer Lähmung, aus der er ohne fremde Hilfe nicht mehr heraus kann.

Jesus weicht die Mauern auf, die diesen Mann einsperren und lähmen. Aber wieso spricht er von Vergebung? Weil Jesus Menschen kennt, die einen solchen Behinderten mit abschätzigen Blicken mustern: Es wird schon seinen Grund haben, dass dieser Mann krank ist. Wofür mag Gott ihn wohl gestraft haben?

Dieser Auffassung widersteht Jesus entschieden. Darum sagt er dem Kranken von Anfang an gleich klipp und klar: „Deine Zukunft ist nicht festgelegt durch irgendeine Sünde, weder durch eingebildete oder eingeredete Schuldgefühle noch durch tatsächliche Schuld. Du darfst dich als Menschen ohne Schuld zu begreifen, darfst deine Vergangenheit abladen. Du kannst neu anfangen, eigene Entscheidungen treffen, selber Ja oder Nein sagen, deine eigenen Gedanken denken, deine eigenen Gefühle fühlen. Damit stößt Jesus auf Widerstand:

3 Und siehe, einige unter den Schriftgelehrten sprachen bei sich selbst: Dieser lästert Gott.

Da sind sie schon, die Moralapostel, die es damals in den Reihen guter Pharisäer ebenso gab wie heute in den Reihen guter Christen. In Alzey traf ich einmal auf dem Gelände der Nervenklinik den Leiter einer angesehenen christlichen Gemeinschaft, der gerade seine Mutter besucht hatte. Kurz zuvor hatte mir diese Frau bei einem Besuch anvertraut, dass ihr Sohn ihr vorgeworfen hatte: „Wenn du mehr beten würdest, wärst du längst wieder gesund! In der Bibel steht doch: Freuet euch! Ein Christ darf sich also nicht so gehen lassen und so furchtbar depressiv sein.“ Ich gerate nicht schnell in Zorn, aber diesem Mann habe ich einiges an den Kopf geworfen. Wirft der eigenen Mutter ihre Krankheit als Schuld vor! Beruft sich dabei noch auf Jesus! Als ob Jesus kein Herz hätte! Nein, wo Religion in Fanatismus umschlägt, reagiert auch Jesus mit Ablehnung:

4 Als aber Jesus ihre Gedanken sah, sprach er: Warum denkt ihr so Böses in euren Herzen?

5 Was ist denn leichter, zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf und geh umher? Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, auf Erden die Sünden zu vergeben –

6 sprach er zu dem Gelähmten: Steh auf, hebe dein Bett auf und geh heim!

7 Und er stand auf und ging heim.

Jesus zeigt es seinen Widersachern. Er führt ihnen vor Augen: Vergebung heilt. Nehme ich unmenschlichen Druck von einem Menschen weg, dann kann er sich wieder in Bewegung setzen. Wird ein Mensch nicht von tausend Schuldgefühlen gequält, dann kann er irgendwann wieder selber Verantwortung übernehmen für sein Leben. Er kann sein Bett mit den eigenen Händen tragen, kann auf eigenen Füßen heimgehen.

Das sehen auch die einfachen Leute im Volk:

8 Als das Volk das sah, fürchtete es sich und pries Gott, der solche Macht den Menschen gegeben hat.

Zuerst erschrecken sie, als der Mensch gesund wird, den sie für unheilbar krank gehalten haben. Sie waren daran gewöhnt, dass dieser Mensch ein kaputter Typ war – und jetzt müssen sie umdenken, anders auf ihn zugehen, ihm wieder mehr zutrauen, vielleicht auch ihr eigenes Verhalten von ihm in Frage stellen lassen.

Aber dann können sich die Leute auch einfach mit diesem Menschen freuen und Gott für seine Hilfe danken und lobpreisen. Interessant ist die Formulierung: sie freuen sich, dass Gott „den Menschen“ solche Macht gegeben hat. Was Jesus getan hat, ist also nicht nur sein Privileg. Jeder Mensch kann im Auftrag Gottes Sünde vergeben und gequälte Menschen zu einem neuen Anfang ermutigen.

Der Tag ist für Jesus aber noch nicht zu Ende.

9 Und als Jesus von dort wegging, sah er einen Menschen am Zoll sitzen, der hieß Matthäus; und er sprach zu ihm: Folge mir! Und er stand auf und folgte ihm.

Nach der alten kirchlichen Überlieferung hat Matthäus in diesen knappen Worten seine eigene Berufung zum Jünger Jesu geschildert.

Matthäus hatte zu den Zollpächtern gehört, die von der römischen Besatzungsmacht eingesetzt waren, um für den Kaiser Steuern und Zoll einzutreiben. Sie durften die Leute ausbeuten, wie sie wollten, sie mussten nur eine bestimmte Summe an die römischen Finanzbehörden abliefern. Das nutzten die meisten Zöllner weidlich aus und sie waren zutiefst verhasst beim Volk. Und weil sie mit den heidnischen Römern zusammenarbeiteten, galten sie als unreine Menschen.

Beides ist erstaunlich: dass Jesus ausgerechnet einen solchen Menschen bei sich haben will, der als dreckiger Profitmacher verschrien ist, und dass Matthäus auf die Aufforderung Jesu hin kurzerhand alles hinschmeißt und Jesus nachfolgt. Was für eine Ausstrahlung muss Jesus besessen haben, dass Matthäus blitzartig zu ihm Vertrauen fasst und sein Leben ändert! Offenbar empfindet er die Kehrtwendung in seinem Leben nicht als Verzicht oder Verlust, sondern als Anlass für ein Freudenfest. Zum Abschied von seinem alten Leben feiert er ein Festessen mit seinen bisherigen Kumpels, und Jesus feiert ganz selbstverständlich mit:

10 Und es begab sich, als er zu Tisch saß im Hause, siehe, da kamen viele Zöllner und Sünder und saßen zu Tisch mit Jesus und seinen Jüngern.

Diese Gastfreundschaft ist im Sinne der Moralapostel aber nicht religiös korrekt:

11 Als das die Pharisäer sahen, sprachen sie zu seinen Jüngern: Warum isst euer Meister mit den Zöllnern und Sündern?

12 Als das Jesus hörte, sprach er: Die Starken bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken.

13 Geht aber hin und lernt, was das heißt (Hosea 6,6): »Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit und nicht am Opfer.« Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten.

Jesus widersteht einem Bild von Gott, das unbarmherzig ist. Den Pharisäern, mit denen er dauernd in Stress gerät, wirft er vor: Ihr kennt oder lest die Bibel nicht richtig. Die Sünde bekämpft man nicht dadurch, dass man mit Sündern unbarmherzig umgeht. Gott will die Umkehr der Sünder, um sie muss man sich besonders bemühen. Wer das nicht will, bleibt in der Sünde des eigenen Hochmuts gefangen.

Warum isst Jesus mit Sündern, mit Asis, mit Strebern, mit Sozialschmarotzern, mit Ausbeutern? – wir könnten jetzt alles einsetzen, was wir selber an einem Menschen abstoßend und ekelhaft finden. Er weiß, dass er selbst und wir alle vor Gott mit leeren Händen dastehen – mit leeren Händen, die Gott uns füllen will. Wie schwer ist es, diese einfache Wahrheit zu begreifen: Gott schenkt uns Glück. Gott gibt Chancen, selbst wenn wir am Ende sind. Gott liebt uns, ohne dass wir es verdienen.

Außer den Pharisäern gibt es noch eine andere Gruppierung, die Anstoß am Verhalten Jesu und seiner Jünger nimmt:

14 Da kamen die Jünger des Johannes zu ihm und sprachen: Warum fasten wir und die Pharisäer so viel, und deine Jünger fasten nicht?

Johannes der Täufer hatte ja asketisch gelebt. Zurückgezogen am Jordan, mit einfacher Kleidung und einfacher Nahrung. Heuschrecken und wilden Honig aß er, mehr nicht. Jesus legte sich und seinen Jüngern keine solchen Speiseverbote auf. Die Jünger des Johannes fragen sich: Verträgt sich das Verhalten Jesu damit, dass Johannes ihn als Messias Gottes begrüßt hatte? Müsste der Gottessohn nicht ein vorbildlicheres Leben führen?

15 Jesus antwortete ihnen: Wie können die Hochzeitsgäste Leid tragen, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Es wird aber die Zeit kommen, dass der Bräutigam von ihnen genommen wird; dann werden sie fasten.

Unser Tag mit Jesus endet mit einer wunderbaren Antwort auf die Frage der Johannesjünger. Jesus sagt: Wo wir im Gottvertrauen leben, gibt es keinen Grund für zwanghaftes Fasten und unterdrückte Gefühle. Wer Grund zur Freude hat – warum soll er nicht feiern? Wer Anlass zur Trauer hat, wer darf ihm das Weinen verbieten? Wem es einfach nur schlecht geht, dem hilft es kaum, wenn man ihm sagt: Kopf hoch, wird schon wieder! Durch manches tiefe Tal muss man hindurchgehen, viele Gefühle müssen durchlitten und ausgehalten werden. Wer solche Gefühle unterdrücken will, wer sich immer nur zusammenreißt, der läuft Gefahr, erst recht krank zu werden. Die Seele wehrt sich mit einer Depression oder indem sie im Körper die Notbremse zieht: eine körperliche Krankheit kann ein Notsignal der Seele sein.

Der Bräutigam, das ist Jesus selbst, das ist Gottes Nähe bei uns Menschen. Jesus offenbart uns Gott in seiner barmherzigen Liebe. Gott ist uns nahe, nimmt uns an, so wie wir sind, mit Angst und Vertrauen, Zuneigung und Ärger, Trauer und Freude, Liebe und Zorn. Sogenannte schlechte Gefühle können sich nur in gute verwandeln, wenn wir sie überhaupt zulassen. Im Gottvertrauen können wir sogar Trost finden mitten im Leid. Wer einen Weg der Trauer bewusst geht, kann Zugang zu neuer Freude finden. Wer eigene Hass- und Rachegefühle kennt, kann auch lernen, sie zu überwinden. Jesus macht uns Mut zum Gottvertrauen. Denn im Vertrauen zu Gott finden wir auch das Vertrauen zu uns selbst und zum Leben und den Mut, alle Herausforderungen zu meistern. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Lied 555: Unser Leben sei ein Fest

Im Abendmahl sind wir nun eingeladen, Gottes Liebe zu uns zu schmecken, in Brot und Kelch, und die Gemeinschaft mit ihm zu erleben, im Kreis derer, die auf ihn vertrauen.

Gott, mach uns Mut, uns so zu sehen, wie wir sind, mit unseren Stärken und Schwächen, mit unserem Gottvertrauen und unserer Sünde. Hilf uns, dass wir hinter uns lassen, was unsere Seele gefangen hält.

In der Stille bringen wir vor dich, was unsere Seele belastet:

Beichtstille

Wollt Ihr Gottes Treue und Vergebung annehmen, so sagt laut oder leise oder auch still im Herzen: Ja!

Auf euer aufrichtiges Bekenntnis spreche ich euch die Vergebung eurer Sünden zu – im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Der Herr sei mit euch. „Und mit deinem Geiste.“

Erhebet eure Herzen! „Wir erheben sie zum Herren.“

Lasset uns Dank sagen dem Herrn, unserem Gott. „Das ist würdig und recht.“

Würdig und recht ist es, Gott ernst zu nehmen als den der groß ist in seiner Güte und Freundlichkeit zu uns Menschen. Würdig und recht ist es, uns selber anzunehmen als Menschen mit aufrechtem Gang, von Gott geliebt und verantwortlich für unser Leben. Zu dir rufen wir und preisen dich, Heiliger Gott:

Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll. Hosianna in der Höhe. Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe.

Vater unser und Abendmahl

Jesus nimmt uns, wie wir sind, und gibt uns, was wir brauchen. Nehmt und gebt weiter, was euch gegeben ist – den lebendigen Leib der Liebe Gottes.

Herumreichen des Korbs

Jesus lässt sich von uns Wunden schlagen. Jesus heilt unsere Wunden durch Vergebung. Nehmt hin den Kelch der versöhnenden Liebe Gottes.

Austeilen der Kelche

Jesus Christus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer auf mich vertraut, selbst wenn er stirbt, wird er leben. Und jeder, der lebt und auf mich vertraut, nein, der stirbt nicht – in Ewigkeit.

Geht hin im Frieden! Amen.

Lasst uns beten!

Gott, wir beten für unsere Seele. Dass du sie bewahrst vor verletzenden Worten anderer Menschen und vor allem vor der Zerstörung von innen, wenn wir böse Gedanken denken wollen. Lass uns spüren und beherzigen, dass du uns liebst.

Gott, wir beten für die Freude. Dass uns weder beim Fastnachtfeiern noch danach der Spaß vergeht. Dass wir mit Humor die Fehler der anderen Menschen ertragen, aber auch unsere eigenen.

Gott, wir beten für die Traurigkeit. Dass wir es aushalten, traurig zu sein, wenn uns zum Weinen zumute ist, und dass wir Menschen finden, die tröstend bei uns sind.

Gott, wir beten heute insbesondere für Frau …, die im Alter von … Jahren gestorben ist, und für ihre Angehörigen. Wir haben sie kirchlich bestattet und sie in ihrem Tode dir anvertraut in der Zuversicht, dass du in deiner Gnade sie am Ende mit Ehren annimmt. Amen.

Lied 171: Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott
Abkündigungen

Und nun lasst uns mit Gottes Segen in den Sonntag gehen – wer möchte, ist im Anschluss noch herzlich zum Beisammensein mit Kaffee oder Tee im Gemeindesaal eingeladen.

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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