Geburtstag der Kirche

Jesus hatte ihnen gesagt: „Ich schicke euch Heiligen Geist.“ Aber worauf warteten sie eigentlich? 50 Tage nach Ostern geschah es plötzlich: Es war, als ob ein Sturmwind durchs Haus wehte – so wie Gottes Wind, der einst die Wogen des Schilfmeeres geteilt hatte. Es war ihnen, als würde ein frischer Wind alle trüben Gedanken aus ihrem Kopf verjagen.

Pfingstikone aus Zypern mit den Jüngern, die um Maria herumstehen, darüber die Heilige Dreieinigkeit

Eine Ikone aus Zypern zum Pfingstgeschehen (Foto: pixabay.com)

Gottesdienst am Freitag, 10. Juni 2011, um 10.30 Uhr im Ensemble-Pflegezentrum Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Nach unserem Urlaub auf der schönsten Nordseeinsel Juist bin ich wieder im Dienst, und ich kann zwei Tage vor dem Pfingstfest einen Gottesdienst mit Ihnen feiern.

Wir feiern ihn im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Was ist Pfingsten eigentlich für ein Fest? Viele Menschen wissen das heute gar nicht mehr. Wir singen Lieder vom Heiligen Geist. Unter dem können sich viele gar nichts vorstellen.

Auf jeden Fall ist das Pfingstfest auch ein Geburtstagsfest. Wir feiern an Pfingsten den Geburtstag der Kirche. Was damit gemeint ist, hören wir später.

Lied 131, 1-3:

1. O Heiliger Geist, o heiliger Gott, du Tröster wert in aller Not, du bist gesandt vons Himmels Thron von Gott dem Vater und dem Sohn. O Heiliger Geist, o heiliger Gott!

2. O Heiliger Geist, o heiliger Gott, gib uns die Lieb zu deinem Wort; zünd an in uns der Liebe Flamm, danach zu lieben allesamt. O Heiliger Geist, o heiliger Gott!

3. O Heiliger Geist, o heiliger Gott, mehr‘ unsern Glauben immerfort; an Christus niemand glauben kann, es sei denn durch dein Hilf getan. O Heiliger Geist, o heiliger Gott!

6. O Heiliger Geist, o heiliger Gott, verlass uns nicht in Not und Tod. Wir sagen dir Lob, Ehr und Dank allzeit und unser Leben lang. O Heiliger Geist, o heiliger Gott!

Jeden Gottesdienst fangen wir so an: Im Namen von Gott, der eins und drei zugleich ist. Er ist nur ein Gott und er ist Vater, Sohn und Heiliger Geist. Gott-Vater ist im Himmel. Gottes Sohn Jesus hat auf der Erde gelebt. Und Gott der Heilige Geist? Der ist am schwierigsten zu begreifen. Über den denken wir am Pfingstfest besonders nach.

Wir beten.

Großer Gott, wir sehen dich nicht, aber du bist doch da. So hoch wie der Himmel und noch höher bist du über uns. So groß wie das Weltall und noch viel größer, bist du, Gott, denn du hältst die ganze Welt in deiner Hand.

Aber du, Gott, bist nicht nur groß und nicht nur weit weg. In dem Menschen Jesus warst du auf der Erde, und für alle Zeit ist Jesus bei dir im Himmel. So wie Jesus ist, voller Liebe, so bist du, Gott.

Und, lieber Gott, noch heute bist du uns bei uns. So nah wie unser eigener Atem bist du uns, deine Liebe hält uns am Leben. Wenn wir lieben, bist du in uns. So stark wie ein Wind die Bäume bewegt, so stark bewegst du Menschen, die an dich glauben. Amen.

Liebe Gemeinde!

Als ich die Kinder einmal in der Schule fragte: „Was ist der Heilige Geist?“, da haben sie mir erst einmal ganz viele Geschichten von Gespenstern und Poltergeistern erzählt, von Engeln und Dämonen. Eine Schülerin meinte: „Ein Geist ist ein Verstorbener, der noch keine Ruhe im Himmel gefunden hat.“

Aber der Heilige Geist ist kein Gespenst, kein Toter, der noch keine Ruhe gefunden hat.

Dann haben einige Kinder daran gedacht, dass wir auch Geist in uns haben: was wir denken, was wir empfinden, auch das nennen wir Geist.

Aber was wir denken und empfinden, ist nicht immer heilig. Der Heilige Geist ist also auch nicht einfach der Geist, den wir in unserem Kopf haben.

Vielleicht nennt man den Heiligen Geist nur deshalb Geist, weil er auch unsichtbar ist. Man kann den Geist eines Toten nicht sehen, man kann unseren Verstand und unsere Gefühle nicht sehen, man kann auch den Heiligen Geist nicht sehen.

In der Bibel wird der Heilige Geist darum auch manchmal mit dem Wind, mit der Luft, mit dem Atem oder mit einem Sturm verglichen. All das ist unsichtbar und doch zu spüren.

Ein Lied vom Wind und vom Geist: Wind, dich sehn wir nicht

Die Bibel erzählt: Als es auf der Erde noch keine Menschen gab, da machte Gott den ersten Menschen aus Erde. Und damit er leben konnte, gab er ihm etwas von seinem eigenen Atem ab. Das war der Geburtstag des ersten Menschen. Wir Menschen sind lebendig, so lange wir den Atem von Gott in uns haben, seinen Geist, wie einen Wind, der uns durchweht und uns in Bewegung hält.

Wind, dich sehn wir nicht

Die Bibel erzählt: Als das Volk Israel Sklavenarbeit in Ägypten leisten musste, schaffte es Mose am Ende, das Volk in die Freiheit zu führen. Aber dann wollte der ägyptische Pharao die Israeliten doch wieder mit Gewalt zurückholen. Sie schienen verloren zu sein: Hinter ihnen waren die Soldaten des Pharao mit ihren Kriegswagen und ihren Waffen, vor ihnen lag das Rote Meer. Da schickte Gott einen starken Wind, der das Meer wegtrieb. Da konnte das ganze Volk auf dem Boden des Meeres in die Freiheit fliehen. Bis heute feiern die Juden dieses Fest der Befreiung aus Ägypten wie ein Geburtstagsfest. Beinahe wäre es aus gewesen mit dem Volk Gottes, aber weil Gott seinen Wind schickte, wurde Israel als freies Volk wie neugeboren.

Wind, dich sehn wir nicht

Wir haben vom Geburtstag des ersten Menschen gehört und vom Geburtstag des Volkes Israel. Wie war das nun mit Pfingsten, mit dem Geburtstag unserer christlichen Kirche?

Als Jesus am Kreuz gestorben war, waren die Freundinnen und Freunde von Jesus sehr traurig. Sie dachten zuerst: Jetzt ist alles aus. Was Jesus von Gott erzählt hat, stimmt das überhaupt? Liebt Gott die Menschen, wenn er sogar seinen Sohn einfach töten lässt?

Aber dann erlebten sie etwas Wunderbares: Als ein paar Frauen den toten Jesus im Grab einsalben wollten, war das Grab leer. Ein Engel sagte: „Ihr sucht Jesus am falschen Platz. Er ist auferstanden!“ Einige von den Jüngerinnen und Jüngern Jesu durften Jesus sogar noch einmal lebendig sehen – er war auferstanden! Das ist es, was wir am Osterfest feiern: die Auferstehung Jesu.

Lied 556, 1: Zu Ostern in Jerusalem, da ist etwas geschehn

Es vergingen 40 Tage nach der Auferstehung, dann sagte ihnen Jesus: „Ich lebe und gehe zu meinem Vater in den Himmel. Wartet eine Weile, dann bekommt ihr den Heiligen Geist von Gott, den schicke ich euch.“ Das war am Tag der Himmelfahrt Christi.

Und dann waren sie allein. Jesus sahen sie nicht mehr. Sie waren traurig und saßen hinter verschlossenen Türen zusammen. Sie hatten immer noch Angst. Würden die Soldaten sie auch noch holen und töten, so wie man Jesus getötet hatte? Sie trauten sich nicht, allen Menschen weiterzuerzählen, was sie mit Jesus erlebt hatten. Jesus hatte ihnen zwar gesagt: „Ich schicke euch meinen Geist. Den Heiligen Geist. Den Geist von Gott.“ Auf den sollten sie warten. Aber worauf warteten sie eigentlich? Wie sollte der Heilige Geist zu ihnen kommen?

Zehn Tage später, das war 50 Tage nach Ostern, geschah es plötzlich: Es war, als ob ein Sturmwind durchs Haus wehte, mit gewaltigem Brausen – so wie Gottes Wind, der einst die Wogen des Schilfmeeres geteilt hatte. Es war ihnen, als würde ein frischer Wind sie durchpusten, alle Angst und Trauer aus ihren Herzen fegen, alle trüben Gedanken aus ihrem Kopf verjagen.

Und dann sahen sie etwas Merkwürdiges auf ihren Köpfen. Es sah aus wie kleine Feuerflammen (Apostelgeschichte 2, 3):

Es erschienen ihnen Zungen zerteilt, wie von Feuer.

Ein Feuer der Begeisterung flammte in diesen Menschen auf; sie konnten gar nicht mehr anders, sie mussten nach draußen und unbedingt erzählen, was sie mit Jesus erlebt hatten. Sie riefen: „Jesus lebt! Er war am Kreuz gestorben, aber Gott hat ihn auferweckt. Ihr dürft auf ihn vertrauen. Ihr dürft auch auf ewiges Leben hoffen.“

Am Ende ließen sich an diesem Tag 3000 Menschen taufen. Sie wollten zu Jesus gehören und änderten ihr Leben. Sie blieben zusammen, teilten alles miteinander, beteten gemeinsam zu Gott. Die erste Kirchengemeinde war entstanden. Das war der Geburtstag der Kirche, damals am ersten Pfingstfest. Damals hat das angefangen, was es heute überall auf der Welt gibt: Gemeinden von Menschen, die an Jesus glauben.

Lied 556, 2: Zu Pfingsten in Jerusalem, da ist etwas geschehn

„Und jeder kann‛s verstehn“, haben wir gesungen. Wieso ging das eigentlich? Wieso konnten damals eigentlich alle die Jünger verstehen?

Das war gar nicht selbstverständlich, denn auf den Straßen von Jerusalem wurden damals alle Sprachen der Welt gesprochen. Es wurde nämlich gerade ein großes Fest gefeiert, und viele Menschen aus aller Welt waren in die Stadt gekommen. Die kamen aus Italien und Griechenland, aus dem Land, wo heute die Türkei liegt, und aus Arabien. Ganz viele Sprachen hörte man durcheinander sprechen. Trotzdem verstand man die Jüngerinnen und Jünger, als sie von Jesus erzählten. Es war ein Wunder.

Gestern habe ich die Geschichte von Pfingsten auch im Kindergarten in unserer Paulusgemeinde erzählt. Für die Kinder war es, als ob ich ihnen ihre eigene Geschichte erzählt hätte. In unserem Kindergarten gibt es nämlich 90 Kinder, und die sprechen insgesamt 17 verschiedene Muttersprachen: Deutsch und Türkisch, Russisch und Amerikanisch, Thailändisch und Arabisch und noch elf andere Sprachen aus Europa, Afrika und Asien. Eine Sprache heißt zum Beispiel Tigrinya, das hatte ich vorher noch nie gehört. Diese Sprache spricht man in Eritrea oder Äthiopien.

Und obwohl die Kinder aus so vielen verschiedenen Ländern kommen, verstehen sie sich gut. Ein Kind hat das so erklärt: „Vielleicht kann ein Kind zwei oder drei Sprachen.“ Genau so ist es nämlich. Alle wollen sich verstehen und lernen auf jeden Fall die deutsche Sprache. Alle wollen sich vertragen und leben friedlich miteinander. Und wer sich auf diese Weise versteht, der findet auch einen Weg, die Sprache des anderen zu verstehen. Amen.

Lied 556, 3: Zu jeder Zeit in jedem Land kann plötzlich was geschehn

Guter Gott, schenke uns deinen Geist, dass wir uns auf deine Liebe verlassen, dass wir teilen, was wir haben, dass wir Böses nicht mit Bösem heimzahlen, sondern Streit beenden.

Starker Gott, schenke uns deinen Geist, dass wir an dich glauben, dass wir uns fest auf dich verlassen im Leben und im Sterben.

Barmherziger Gott, schenke uns deinen Geist, dass wir nicht aufhören zu hoffen, auch wenn wir Böses erleben. Tröste uns, wenn wir Leid tragen, und lass uns dankbar sein für jede gute Stunde.

Du einziger Gott im Himmel, schenke uns deinen Geist, dass wir uns verstehen mit Menschen, die andere Sprachen sprechen und anders an Gott glauben.

In der Stille bringen wir vor Gott, was wir außerdem auf dem Herzen haben:

Gebetsstille und Vater unser
Lied 557: Ein Licht geht uns auf in der Dunkelheit

Empfangt Gottes Segen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. Amen.

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