Gott auf der Erde

Jesu Taufe als Durchgang zu seinem Leben als Sohn Gottes.

Jesus erfährt bei seiner Taufe, dass Gott wahrhaftig in ihm und bei ihm sein will und in herzlicher Liebe zu ihm steht wie ein guter Vater, der an seinem Sohn nichts als Freude hat. Auch Jesus brauchte die Stärkung von oben, um tun zu können, was seine besondere Aufgabe war.

Ein Kirchenfenster zeigt die Taufe Jesu durch Johannes den Täufer

Johannes der Täufer tauft Jesus (Foto des Kirchenfensters: pixabay.com)

 

direkt-predigtAbendmahlsgottesdienst am 2. Sonntag nach Weihnachten, den 4. Januar 1998, um 9.00 Uhr in der Rheinhessen-Fachklinik Alzey und am 1. Sonntag nach Epiphanias, den 11. Januar 1998, um 9.00 Uhr in Flomborn und um 10.00 in Ober-Flörsheim

Herzlich willkommen im Gottesdienst, in dem ich während des Urlaubs Ihres Gemeindepfarrers nach nur kurzer Zeit wieder Vertretungsdienst leiste. Gibt es jemand, der mich noch nicht kennt? Ich bin Pfarrer Schütz, Klinikseelsorger in Alzey. Und Frau … ist ehrenamtliche Mitarbeiterin in der Klinikseelsorge und unterstützt mich bei den Lesungen.

Wir stehen noch ziemlich am Anfang eines Neuen Jahres und beschäftigen uns heute damit, wie mit Jesus alles anfing – nein, nicht noch einmal mit der Weihnachtsgeschichte, sondern wie es war, als sich Jesus entschloss, mit seiner Botschaft an die Öffentlichkeit zu treten.

Als erstes Lied singen wir aus dem Neujahrslied 61 die ersten beiden und die fünfte Strophe:

1) Hilf, Herr Jesu, lass gelingen, hilf, das neue Jahr geht an; lass es neue Kräfte bringen, dass aufs neu ich wandeln kann. Neues Glück und neues Leben wollest du aus Gnaden geben.

2) Was ich sinne, was ich mache, das gescheh in dir allein; wenn ich schlafe, wenn ich wache, wollest du, Herr, bei mir sein; geh ich aus, wollst du mich leiten; komm ich heim, steh mir zur Seiten.

5) Jesus richte mein Beginnen, Jesus bleibe stets bei mir, Jesus zäume mir die Sinnen, Jesus sei nur mein Begier, Jesus sei mir in Gedanken, Jesus lasse nie mich wanken!

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Wir hören, was Gott durch den Mund des Propheten Jesaja 42 über den Gottesknecht sagte, der in Jesus zu uns auf die Welt kam:

1 Siehe, das ist mein Knecht – ich halte ihn – und mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe ihm meinen Geist gegeben; er wird das Recht unter die Heiden bringen.

2 Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht hören auf den Gassen.

3 Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. In Treue trägt er das Recht hinaus.

4 Er selbst wird nicht verlöschen und nicht zerbrechen, bis er auf Erden das Recht aufrichte; und die Inseln warten auf seine Weisung.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Ein neues Jahr hat begonnen, und vielleicht haben wir uns einiges vorgenommen für dieses Jahr. Bewahre uns davor, uns selbst zu überschätzen in unseren guten Vorsätzen! Doch hilf uns auch, dass wir Fehler nicht einfach wiederholen und denken: Ich kann mich nun einmal nicht ändern!

Lasst uns um Erbarmen bitten und rufen: „Herr, erbarme dich! Christe, erbarme dich! Herr, erbarm dich über uns!“

5 So spricht Gott, der HERR, der die Himmel schafft und ausbreitet, der die Erde macht und ihr Gewächs, der dem Volk auf ihr den Odem gibt und den Geist denen, die auf ihr gehen:

6 Ich, der HERR, habe dich gerufen in Gerechtigkeit und halte dich bei der Hand und behüte dich und mache dich zum Bund für das Volk, zum Licht der Heiden,

7 dass du die Augen der Blinden öffnen sollst und die Gefangenen aus dem Gefängnis führen und, die da sitzen in der Finsternis, aus dem Kerker.

Lasst uns lobsingen: „Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.“

Guter Gott, zeige uns am Anfang eines Neuen Jahres realistische Wege des Neuanfangs. Auch dein Sohn, den du zu uns gesandt hast, war nicht ein Mensch ohne Sorgen und Probleme. Er war auf Hilfe angewiesen, und du hast ihn bei der Hand gehalten und behütet. Öffne durch ihn auch unsere Augen, wenn wir blind sind für deine Güte und für den Sinn in unserem Leben. Führe uns aus dem Gefängnis unserer Angst, und schenke uns neues Vertrauen zum Leben. Das erbitten wir von dir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die ersten acht Verse aus dem Evangelium nach Markus 1, in denen zunächst das Auftreten des Vorgängers Jesu beschrieben wird:

1 Dies ist der Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes.

2 Wie geschrieben steht im Propheten Jesaja: »Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg bereiten soll.«

3 »Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, macht seine Steige eben!«:

4 Johannes der Täufer war in der Wüste und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden.

5 Und es ging zu ihm hinaus das ganze jüdische Land und alle Leute von Jerusalem und ließen sich von ihm taufen im Jordan und bekannten ihre Sünden.

6 Johannes aber trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Lenden und aß Heuschrecken und wilden Honig

7 und predigte und sprach: Es kommt einer nach mir, der ist stärker als ich; und ich bin nicht wert, dass ich mich vor ihm bücke und die Riemen seiner Schuhe löse.

8 Ich taufe euch mit Wasser; aber er wird euch mit dem heiligen Geist taufen.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis

Wir singen aus dem Lied 312 die ersten drei und die beiden letzten Strophen, ein biblisches Erzähllied von Johannes dem Täufer, dem Vorgänger Jesu:

Kam einst zum Ufer nach Gottes Wort und Plan ein Prediger und Rufer, Johannes hieß der Mann
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde! Wenn im Januar ein neues Jahr noch ziemlich unbenutzt vor uns liegt, dann fragen wir uns: Was werden wir damit anfangen? Gerade wenn schon ein paar Tage verstrichen sind, sind vielleicht auch schon wieder ein paar gute Vorsätze in Vergessenheit geraten, vieles ist wieder beim alten.

Es hat natürlich auch sein Gutes, wenn manches wieder seinen gewohnten Gang geht, nachdem Weihnachten und Silvester vorbei sind. Für viele sind diese Tage ohnehin gefühlsmäßig belastet mit traurigen Erinnerungen, mit nicht erfüllbarer Sehnsucht oder mit dem Druck, bestimmten Erwartungen der Familie entsprechen zu sollen. Und selbst wenn man die Feiertage einfach nur genießen will und sich manches gönnt, was man sonst nicht tut, dann kann es sein, dass man vielleicht etwas zu viel vom Festessen oder von den Plätzchen zu sich genommen hat oder dass man sich nachher erst wieder an den normalen Alltag gewöhnen muss. Schließlich sagt der Volksmund: Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen.

Nun gut, normale Zeiten kehren wieder ein, die Aufgaben, die das Leben jedem von uns auf seine eigene Weise stellt. Manches davon werden wir wie immer auf die gewohnte Art meistern. Anderes wird neu für uns sein – kleine Dinge oder große. Für manche beginnt vielleicht in diesem Jahr ein neuer Lebensabschnitt, der Schulabschluss steht an oder ein Wechsel der Arbeitsstelle. Für Patienten in der Klinik ist es eine große Umstellung, wenn sie zum Beispiel eine Langzeittherapie beginnen oder in ein neues Leben nach Hause entlassen werden. Wer sich auf einem Weg seelischen Wachstums befindet, probiert vielleicht ganz neue Weisen des eigenen Denkens, Fühlens und Verhalten aus, die er sich zuvor noch nicht auszuleben getraut hat, etwa dass jemand nicht immer nur alles schluckt, was ihm zugemutet wird, oder dass jemand lernt, auf andere Menschen zuzugehen und dabei sorgsam darauf achtet, wieviel Nähe und wieviel Abstand zu den anderen ihm dabei gut tut.

Immer wenn man etwas Neues anfängt, wenn man sich neue Schritte zu gehen getraut, dann ist es ganz normal, sich auf das Neue zu freuen, es ist aber genau so normal, auch Angst zu haben. Und es ist normal, dass man manchmal denkt: Es wäre gut, nicht den ganzen neuen Weg allein gehen zu müssen, es wäre gut, eine Begleitung zu haben, so viel Hilfe wie nötig und so viel Selbständigkeit wie möglich.

Gleich, noch bevor ich zum Predigttext komme, werden wir ein Lied von dieser Sehnsucht singen: „Ich möcht‘, dass einer mit mir geht – durch Freud und Leid, durch schwere Stunden, der mich versteht, der mir verbunden bleibt“. Das Lied nennt auch den Namen eines Menschen, von dem wir Begleitung erwarten dürfen, obwohl er schon lange nicht mehr so wie wir auf der Erde lebt: Jesus. Im Glauben kann Jesus bei uns sein, unsichtbar kann er uns begleiten, weil er von Gott aus dem Tode auferweckt wurde und weil er als Gottes Sohn mit Gott im Himmel eins ist. Manche spüren diese Begleitung so, dass sie sich in Gottes Liebe wie in einem Mantel geborgen fühlen, in einer Liebe, die Jesus in seiner Begegnung mit Menschen vom Himmel auf die Erde gebracht hat. Andere empfinden Jesu Gegenwart wie eine Herausforderung an ihr Gewissen, sie fragen sich in wichtigen Fragen: Was würde Jesus dazu sagen? Wie wir auch immer Jesu Nähe empfinden oder ob wir uns lieber die Nähe Gottes selbst vorstellen – es ist Gott selbst, der uns in allem Neuen, das wir vor uns haben, begleiten will. Und dieser Gott muss für uns kein Unbekannter sein, kein unheimliches Wesen; denn er trägt das menschliche Gesicht Jesu, er hat sich in seinem Wesen ganz offen und ganz verletzbar vor uns gezeigt im irdischen Leben seines Sohnes.

Jetzt singen wir das Lied 209:
Ich möcht‘, dass einer mit mir geht

Wenn Gott uns in Jesus begleiten will, und wenn unser Gott so menschlich ist, wie Jesus war, dann ist es gut, immer wieder über die Texte nachzudenken, die über Jesus in der Bibel stehen. Denn sonst wüssten wir ja gar nicht, wie Jesus war, und wir machen uns vielleicht auch falsche Vorstellungen vom Glauben an Gott.

Heute betrachte ich mit Ihnen den Anfang des Markusevangeliums. Wir hatten vorhin schon gehört: Der Anfang der Frohen Botschaft von Jesus Christus, dem Sohn Gottes, begann eigentlich mit einem anderen Mann, mit Johannes dem Täufer. Der war arm gekleidet, ernährte sich von Heuschrecken und wildem Honig und hielt in der Wüste Bußpredigten. Er taufte die Leute, die ihre Sünden bereuten, mit Wasser und kündigte einen Stärkeren an, der mit dem heiligen Geist taufen würde. An dieser Stelle setzt unser Predigttext ein:

9 Und es begab sich zu der Zeit, dass Jesus aus Nazareth in Galiläa kam und ließ sich taufen von Johannes im Jordan.

Das ist der erste Satz im Markusevangelium, in dem von Jesus die Rede ist.

„Es begab sich zu der Zeit“, heißt es da als erstes, es ist eine Zeit, in der manche Menschen bereit sind, umzukehren, umzudenken, etwas Neues in ihrem Leben zu beginnen. Einige haben sich taufen lassen von Johannes, sie haben gute Vorsätze gefasst für ihr weiteres Leben, sie suchen Sündenvergebung und wollen einen Neuanfang.

Der nächste Punkt, der berichtet wird, ist die Herkunft Jesu. Allerdings wird nichts von seiner Kindheit und Jugend erzählt, keine Weihnachtsgeschichte wie bei Matthäus oder Lukas, nur dass er aus „Nazareth in Galiläa“ kam. Für jüdische Ohren klang das so, als wenn wir sagen würden: Er ist ein Hinterwäldler. Er kommt aus Hintertupfingen. Was kann von dort schon Gutes kommen?

Und dann heißt es: Jesus „ließ sich taufen von Johannes im Jordan“. Als ob er das nötig hätte. Als ob auch er wie alle anderen Menschen umkehren müsste von seinen Sünden. Tatsache ist: Das Markusevangelium weiß nichts von der Heiligen Nacht, von der Lukas die uns vertrauten Worte erzählt, an die wir uns an Weihnachten erinnern. Für Markus ist Jesus nicht schon als Sohn Gottes in der Krippe geboren. Für ihn fängt erst hier im Erwachsenenalter das Leben Jesu als Gottessohn an. Er nennt noch nicht einmal sein Alter, nur von Lukas wissen wir, dass Jesus am Beginn seines Predigens und Heilens etwa dreißig Jahre alt war. Also denkbar wäre schon, dass Jesus bis zu diesem Zeitpunkt als ganz normaler Mensch mit seiner Mutter und seinen Geschwistern in Nazareth gelebt hatte, von Beruf Zimmermann, wie Markus später erwähnen wird. Und erst nach und nach mag er sich seiner Bestimmung bewusst geworden sein, ehe er zu Johannes an den Jordan zog. Vielleicht musste er ja erst in einem langen Lernprozess Erfahrungen mit seinem Vater im Himmel machen, bis er sich so sehr eins mit ihm fühlte, dass er anderen Menschen die Geheimnisse des Himmels offenbaren konnte. Und zu diesen Geheimnissen von Gott gehörte vielleicht auch dieses: Er war kein Gottessohn wie die griechischen oder römischen Halbgötter, die es nötig hatten, wie moderne Supermänner ihre Wunderkraft zu beweisen. Nein, er war durch und durch ein wahrhaftiger Mensch aus Fleisch und Blut. Zugleich war er auch Gottes Sohn, aber das konnte er nur sein, wenn er ganz und gar von der Liebe des himmlischen Vaters lebte, wenn er von seinem heiligen Geist durchdrungen war. Er war als Mensch Versuchungen ausgesetzt, das zeigt sich wenig später. Seine Göttlichkeit war nicht eine äußerliche Eigenschaft, die er sicher in der Tasche hatte; und deshalb hielt er es wohl auch für wichtig, dass er sich wie alle anderen Menschen von Johannes taufen ließ zum Zeichen, dass ein Leben mit Gott für jeden Menschen ein neues Leben ist, auch für ihn jeden Tag neu.

Taufe damals, das war ja anders als heute, wenn wir in der Kirche Kinder oder auch Erwachsene taufen, indem wir ein wenig Wasser über den Kopf gießen. Damals tauchte man in einem Fluss ganz unter Wasser, zum Zeichen der Reinigung und zum Zeichen, dass alles Alte, Böse, Schlechte an einem Menschen sozusagen untergehen sollte. Nach dem Auftauchen konnte dann ein neues Leben anfangen. Was aber ging bei Jesus unter bei dieser Taufe? Offenbar sein normales Leben als Zimmermann, als Mensch, der in und für seine Familie lebt. Sein ganzes bisheriges Leben war nichts als eine Art Vorspiel für das, was nun kommen sollte, die wenigen Jahre seines Predigens und Heilens, die wenigen Jahre, in denen er für viele Menschen alles bedeuten sollte, die wenigen Jahre, in denen er leben sollte wie Gott auf der Erde. Und was auf ihn zukommt, das schaut Jesus nach dem Auftauchen aus dem Wasser mit den Augen seines Herzens:

10 Und alsbald, als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass sich der Himmel auftat und der Geist wie eine Taube herabkam auf ihn.

11 Und da geschah eine Stimme vom Himmel: Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.

Hier ist im Bild des Himmels über uns die Rede vom Himmel Gottes. Der Himmel über uns kann wolkenverhangen sein, und dann kann die Wolkendecke aufreißen und plötzlich helle Sonnenstrahlen durchlassen. Ganz ähnlich überkommt es Jesus bei seiner Taufe wie eine plötzliche Erleuchtung oder Eingebung, dass Gott wirklich und wahrhaftig ganz und gar in ihm und bei ihm sein will und in herzlicher Liebe zu ihm steht wie ein guter Vater, der an seinem Sohn nichts als Freude hat. Der Himmel, der verschlossen scheint, wenn Menschen ohne Gott leben und sich selber oder anderen ihr eigenes Unglück schaffen, der tut sich auf über diesem Menschen, der bis in die letzte Faser seines Herzens für Gott und seine Liebe offen ist. Das Bild des Geistes, der wie eine Taube auf Jesus herabkommt, deutet an: Hier hat Gott nicht einen Menschen ausgewählt, der aus eigener Kraft dazu geeignet gewesen wäre, die Berufung des Sohnes Gottes zu erfüllen. Nein, auch Jesus brauchte die Stärkung von oben, die Liebe seines Vaters, den heiligen Geist, um tun zu können, was seine besondere Aufgabe war. Und es ist keine bloße Redensart, wenn man sagt: Alles Gute kommt von oben! Jesus erfuhr eine Stimme vom Himmel, er hörte sie nicht einfach, sie geschah, sie trat in sein Leben und veränderte es, so dass er von nun an wusste: Es wird nichts mehr so sein wie zuvor; ich stehe ab sofort im besonderen Dienst für Gott.

An dieser Stelle unterbreche ich noch einmal die Predigt, und wir singen aus dem Lied 66 die Strophen 1 und 8:

1) Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude; A und O, Anfang und Ende steht da. Gottheit und Menschheit vereinen sich beide; Schöpfer, wie kommst du uns Menschen so nah! Himmel und Erde, erzählet’s den Heiden: Jesus ist kommen, Grund ewiger Freuden.

8) Jesus ist kommen, die Ursach zum Leben. Hochgelobt sei der erbarmende Gott, der uns den Ursprung des Segens gegeben; dieser verschlinget Fluch, Jammer und Tod. Selig, die ihm sich beständig ergeben! Jesus ist kommen, die Ursach zum Leben.

Und wie beginnt Jesu neues Leben als Gottessohn? Wie beginnt sein Leben, in dem sich Gottheit und Menschheit vereinen, in dem Gott uns Menschen so nahe kommt? Was Matthäus und Lukas in einer langen Versuchungsgeschichte darstellen, fasst der Evangelist Markus in zwei kurzen Versen zusammen:

12 Und alsbald trieb ihn der Geist in die Wüste;

13 und er war in der Wüste vierzig Tage und wurde versucht von dem Satan und war bei den wilden Tieren, und die Engel dienten ihm.

Bevor Jesus predigend und heilend zu den Menschen geht, um ihnen Gottes Liebe nahezubringen, bereitet er sich darauf vor. Der Geist, das Göttliche in ihm, treibt ihn in die Wüste, in die Einsamkeit, dorthin, wo er Hunger und Durst leiden muss, wo er spürt, was Menschen zum Leben notwendig brauchen. Vierzig Tage ist er dort, eine runde Zahl, die anzeigt, dass auch Jesus zunächst lernen muss, bevor er lehren kann, dass er Erfahrungen machen muss bis zu einem gewissen Abschluss, bevor er neue Schritte in einem neuen Lebensabschnitt wagen kann.

Drei Dinge gehören nach Markus im einzelnen zu seinen Erfahrungen in der Wüste:

1. Er wurde versucht von dem Satan. Er wurde wie wir alle der Versuchung ausgesetzt, Böses zu tun, sich von Gott im Himmel loszusagen, das Leben unter die alleinige eigene Kontrolle bringen zu wollen.

2. Er war bei den wilden Tieren. Er lernte Gefahren kennen, wie sie uns allen drohen, und musste sich mit ihnen auseinandersetzen. Vielleicht musste er in der Wüste wie Daniel in der Löwengrube eine übergroße Angst aushalten, die ihn zu verschlingen drohte. Vielleicht empfand er seine bevorstehende Verantwortung für die Menschen wie David, der seine Schafe vor den Bären schützen musste.

Vielleicht fühlte auch Jesus in sich Triebe und Gefühlsregungen, die uns Menschen mit den wilden Tieren verbinden: ein Überlebensinstinkt, der dazu führen kann, sich gewaltsam zu nehmen, was man braucht, oder Rachegefühle, wenn uns Unrecht widerfährt.

Und 3.: die Engel dienten ihm. Sowohl die bösen Versuchungen als auch die äußeren und inneren Gefahren besteht Jesus, indem er Hilfe bekommt. Hilfe von unsichtbaren Mächten, die um ihn sind, Hilfe durch das Empfinden, dass Gott ihn nicht allein lassen wird, Hilfe in der getrosten Gewissheit, dass es nicht nur das Böse in der Welt gibt, sondern dass viele Menschen in der Welt einfach nur sehnsüchtig darauf warten, dass endlich alles gut wird, dass einer damit beginnt, die Liebe zu leben.

Von Jesus können auch wir lernen, das Neue, das vor uns liegt, zu bewältigen, mit der Hilfe guter Mächte. Gott selbst wird uns dabei begleiten, unsichtbar, der Gott, der das Gesicht Jesu trägt. Amen.

Und der Friede Gottes, der viel größer ist, als unser Denken und Fühlen erfassen kann, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Wir singen nach der Predigt das Lied 629, 1-3:

Liebe ist nicht nur ein Wort, Liebe, das sind Worte und Taten

Danke, Gott, durch deinen Sohn Jesus Christus, für alles, was du uns schenkst, dafür, dass du es gut mit uns meinst. Führe und leite uns auf guten Wegen, dass wir unserer kleinen Verantwortung gerecht werden, die wir zu tragen haben. Lass uns einsehen, dass du uns nicht überfordern willst, und lass uns die Hilfe annehmen, die wir auf unserem Weg brauchen. Alle Tage begleitest du uns, hilf uns, dass wir niemals glauben, von allen guten Geistern verlassen zu sein. Amen.

Alles, was uns heute bewegt, schließen wir im Gebet Jesu zusammen:

Vater unser

Zum Schluss singen wir aus dem Lied 65 die Strophen 1 und 2 und 5; nach jeder Strophen wird Strophe 7 – im Gesangbuch auf der rechten Seite – als Refrain gesungen:

Von guten Mächten treu und still umgeben
Abkündigungen

Und nun lasst uns mit Gottes Segen in den Sonntag und in die neue Woche gehen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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