Gott – ein stilles Wasser

Reichtum - Weisheit - Erkenntnis sind in der Tiefe Gottes verborgen.

Gott ist ein besonders tiefes stilles Wasser. Wir finden Reichtum im Vertrauen auf Gott, den Guten Hirten. Wir finden Weisheit in Jesus. Wo er blutig und geschunden am Kreuz hängt, beginnt der Sieg der Liebe. Wir finden Erkenntnis Gottes, soweit er sich erkennen lässt. Sein Geist glaubt in uns.

Meer fast ohne Wellen mit zarter Abend- oder Morgenröte

Gott – vergleichbar mit einem tiefen Ozean voller Liebe (Bild: pixabay.com)

#predigtAbendmahlsgottesdienst: am Sonntag Trinitatis, den 6. Juni 2004, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Ich begrüße alle herzlich im Gottesdienst am Sonntag Trinitatis, wie man den Sonntag nach Pfingsten nennt. „Trinitas“, das heißt auf Lateinisch „Drei in eins“ – ein und derselbe Gott ist lebendig für uns da, auf dreifach unterschiedliche Weise: als Vater und Schöpfer über uns, als Sohn Gottes und Bruder in Jesus, und sogar als heilige Geistkraft, die wir in uns spüren können. Gott ist ein stilles Wasser, behauptet Pfarrer Schütz in der Predigt, indem er sich auf den Apostel Paulus beruft. In der Tiefe Gottes verbergen sich Reichtum, Weisheit und Erkenntnis.

Lied 325, 1+3+10:

1) Sollt ich meinem Gott nicht singen? Sollt ich ihm nicht dankbar sein? Denn ich seh in allen Dingen, wie so gut er’s mit mir mein‘. Ist doch nichts als lauter Lieben, das sein treues Herze regt, das ohn Ende hebt und trägt, die in seinem Dienst sich üben. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit.

3) Sein Sohn ist ihm nicht zu teuer, nein, er gibt ihn für mich hin, dass er mich vom ewgen Feuer durch sein teures Blut gewinn. O du unergründ’ter Brunnen, wie will doch mein schwacher Geist, ob er sich gleich hoch befleißt, deine Tief ergründen können? Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit.

10) Weil denn weder Ziel noch Ende sich in Gottes Liebe find’t, ei so heb ich meine Hände zu dir, Vater, als dein Kind, bitte, wollst mir Gnade geben, dich aus aller meiner Macht zu umfangen Tag und Nacht hier in meinem ganzen Leben, bis ich dich nach dieser Zeit lob und lieb in Ewigkeit.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

An einer Berchtesgadener Kirchentür steht dieser Spruch: „Komm herein und nimm dir Zeit für dich. Komm herein, vielleicht erbaust du dich. Komm herein, tu deine Sinne, deine Seele auf, dann wird überreich dein Lebenslauf. Lass es los, was dir die Ruhe nimmt. Lass es los, was dich so traurig stimmt. Lass es los, tu deine Sinne, deine Seele auf, dann wird überreich dein Lebenslauf!“

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Finden wir wirklich Reichtum in dir, Gott? Meinst du es wirklich gut mit uns? Wir zweifeln, weil wir mit unserer Logik zwei Dinge nicht zusammenbringen: deine Liebe und deine Allmacht. Liebst du die Menschen? Warum hilfst du dann nicht allen? Kannst du nicht allen helfen? Bist du dann doch nicht allmächtig?

Oder finden wir in dir nur Ohnmacht und Armut, weil unser Geist zu armselig ist, um die Tiefe deiner Wahrheit ergründen zu können?

Gott, wenn dem so ist, dann hilf unserer Schwachheit und Armseligkeit auf:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich! Christe, erbarme dich! Herr, erbarm dich über uns!“
Römerbrief 11, 33.36:

33 O welch eine Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege!

36 Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Gott, wir bitten dich, dass wir reich werden im Vertrauen zu dir, dass wir klug werden durch deinen Geist, dass wir weise werden in der Nachfolge deines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Lesung aus dem Evangelium nach Matthäus 18, 21-35:

21 Da trat Petrus zu ihm und fragte: Herr, wie oft muss ich denn meinem Bruder, der an mir sündigt, vergeben? Genügt es siebenmal?

22 Jesus sprach zu ihm: Ich sage dir: nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal.

23 Darum gleicht das Himmelreich einem König, der mit seinen Knechten abrechnen wollte.

24 Und als er anfing abzurechnen, wurde einer vor ihn gebracht, der war ihm zehntausend Zentner Silber schuldig.

25 Da er’s nun nicht bezahlen konnte, befahl der Herr, ihn und seine Frau und seine Kinder und alles, was er hatte, zu verkaufen und damit zu bezahlen.

26 Da fiel ihm der Knecht zu Füßen und flehte ihn an und sprach: Hab Geduld mit mir; ich will dir’s alles bezahlen.

27 Da hatte der Herr Erbarmen mit diesem Knecht und ließ ihn frei, und die Schuld erließ er ihm auch.

28 Da ging dieser Knecht hinaus und traf einen seiner Mitknechte, der war ihm hundert Silbergroschen schuldig; und er packte und würgte ihn und sprach: Bezahle, was du mir schuldig bist!

29 Da fiel sein Mitknecht nieder und bat ihn und sprach: Hab Geduld mit mir; ich will dir’s bezahlen.

30 Er wollte aber nicht, sondern ging hin und warf ihn ins Gefängnis, bis er bezahlt hätte, was er schuldig war.

31 Als aber seine Mitknechte das sahen, wurden sie sehr betrübt und kamen und brachten bei ihrem Herrn alles vor, was sich begeben hatte.

32 Da forderte ihn sein Herr vor sich und sprach zu ihm: Du böser Knecht! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich gebeten hast;

33 hättest du dich da nicht auch erbarmen sollen über deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmt habe?

34 Und sein Herr wurde zornig und überantwortete ihn den Peinigern, bis er alles bezahlt hätte, was er ihm schuldig war.

35 So wird auch mein himmlischer Vater an euch tun, wenn ihr einander nicht von Herzen vergebt, ein jeder seinem Bruder.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis
Lied: Was wir denken, ist eng, ist ärmlich, erbärmlich
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Zur Predigt hören wir aus dem Brief des Paulus an die Römer 11, 32-36:

32 Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam, damit er sich aller erbarme.

33 O welch eine Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege!

34 Denn »wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen?«

35 Oder »wer hat ihm etwas zuvor gegeben, dass Gott es ihm vergelten müsste?«

36 Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.

Liebe Gemeinde!

„Stille Wasser, die sind tief“, sagen wir manchmal von Menschen, die ganz unauffällig leben, sich dann aber durch etwas Besonderes hervortun. Ist Gott auch so ein „stilles Wasser“? Eine große Rolle spielt er im Leben der meisten modernen Menschen nicht. Zwar sagt man „O Gott!“ oder „Um Gottes willen!“ oder „Gott sei Dank!“, aber man traut Gott eigentlich nicht zu, eingreifen zu können in den Lauf einer oft sehr bösen und ungerechten Welt.

Paulus staunt über die „Tiefe“ Gottes: „O welch eine Tiefe…!“ Ist Gott ein besonders stilles Wasser, hält er Überraschungen für uns bereit?

Ja, meint Paulus, und er erläutert das ausgerechnet mit dem Satz: „Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege!“

Aber ist das etwas zum Staunen? Dass Gott straft, dass seine Gerichte unbegreiflich sind, ist das nicht eher etwas zum Fürchten? Wenn Gottes Wege unerforschlich sind, wie kann Paulus seine Weisheit und Erkenntnis preisen?

Gott ist so verborgen, hält sich so im Hintergrund, dass viele denken, er ist machtlos. Warum greift er so wenig ein, wenn es in der von ihm geschaffenen Welt böse zugeht? Kann er es nicht? Gibt es ihn vielleicht gar nicht? Oder ist er ein grausamer Gott? Sind ihm die Leiden seiner Geschöpfe gleichgültig?

Wie also kann Paulus über Gottes tiefen Reichtum, tiefe Weisheit und tiefe Erkenntnis staunen? Reichtum? Ja, Reichtum gibt es in der Welt, aber er ist ungerecht verteilt, und selbst die, die reich sind, bezahlen das nicht selten mit Schäden an Gesundheit und Seele. Weisheit? Ist eine Welt weise eingerichtet, in der unschuldige Kinder leiden? Erkenntnis? Gibt es denn die eine göttliche Erkenntnis, an der wir Anteil haben? Müssen wir nicht akzeptieren, dass niemand alles wissen kann und dass jede Theorie nur so lange gilt, bis sie widerlegt ist?

Aber Paulus weiß aus seiner Bibel, unserem Alten Testament, dass wir Menschen nicht in der Verfassung sind, Ansprüche an Gott stellen zu dürfen oder gar über Gott richten zu dürfen.

Wer bestimmt den Geist des HERRN, und welcher Ratgeber unterweist ihn?

So hatte schon Jesaja 40, 13 rhetorisch gefragt.

Wer hat mir zuvor gegeben, dass ich ihm vergelten sollte?

So beruft sich Paulus auf ein Gotteswort an Hiob 41, 3 (nach der Elberfelder Übersetzung).

Gott ist verborgen, hält sich im Hintergrund, aber nicht weil er machtlos wäre. „Von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge“, jubelt Paulus in einem dreifachen Lobpreis. Er ist Urgrund dieser Welt und unser Schöpfer, von ihm kommen wir her. Er ist unser Begleiter, von ihm können wir Orientierung und Trost erwarten. Er ist unser Ziel, in ihm werden wir Ruhe finden für unsere Seele, Erfüllung für unser Leben.

Und das weiß Paulus, weil Gott eben doch nicht ganz verborgen geblieben ist. Er sendet seine Propheten in die Welt, er gibt Menschen gute Worte ein, er lässt sogar seinen eigenen Geist in Jesus, dem Christus, wohnen. Diesem Christus ist Paulus begegnet, den auferstandenen Jesus hat er in einer Vision gesehen. Er war dabei, die Christen zu verfolgen. Er wollte nicht akzeptieren, dass Gott so sein könnte – dass er sich offenbart in einem Mann, der am Galgen hängt, am Kreuz der Römer. Und da fragt ihn Jesus selbst: „Warum verfolgst du mich?“

Mit einem Wort umschreibt Paulus, was ihn damals umgekrempelt hat, was ihn zu einem Christen gemacht hat: Erbarmen! Gott ist und bleibt der Richter. Vor ihm gibt es niemanden, der gerecht ist. In das Urteil: „Ungehorsam!“ schließt er alle Menschen ein, auch die, die über ihn richten und damit erst recht sich selbst und andere zugrunderichten. Aus dieser Lage rettet nur Gottes Erbarmen – die Begnadigung derer, die alle im gleichen Boot sitzen, weil keiner vor Gott etwas Entscheidendes zu seiner Verteidigung vorbringen kann. „Gott hat alle Menschen eingeschlossen in den Ungehorsam, damit er sich aller erbarme.“

Vor der Predigt haben wir ein Lied gesungen, das depressiv klingt. Ist alles schlecht, was Menschen machen: ist alles ärmlich, erbärmlich, was wir denken, reden, tun? Nein, nicht grundsätzlich. Nur wenn wir vergessen, dass wir endliche Menschen sind, von Gott geschaffen, dann wird unser Denken eng und unser Reden schwach. Das Bisschen, was wir Gutes tun, richtet dann gar nichts aus oder bewirkt das Gegenteil von dem, was gut gemeint ist. Wenn uns die ganze Welt nicht passt und wir alles verbessern wollen, gerät alles aus den Fugen. Wer über Gott richtet oder ihn abschafft, muss sich selbst erlösen und scheitert daran. Die Botschaft des Paulus ist eigentlich ganz einfach: Kein Mensch kann sich selbst erlösen, weder durch seinen Glauben noch durch seine Taten. Aber das ist überhaupt nicht schlimm. Denn kein Mensch ist vom Erbarmen Gottes ausgeschlossen. Und darüber staunt Paulus! Gott ist das tiefste aller stillen Wasser, weil er ein Ozean voller Erbarmen ist. Voller Bewunderung und Anbetung ruft Paulus aus: „O welch eine Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes!“

Was sind das für Worte, in denen Paulus andeutet, wie tief der Ozean von Gottes Erbarmen ist? Reichtum, Weisheit, Erkenntnis. Auf Griechisch: Plutos, Sophia, Gnosis. Das sind Kurzformeln für drei Weltanschauungen.

Als erstes der Reichtum. Wir lachen zwar über Onkel Dagobert aus den Micky-Maus-Comics, der so gerne in den Golddukaten seines riesigen Geldspeichers badet und ständig Angst hat, man könne ihn berauben. Aber wir wünschen uns doch wenigstens so viel Geld, um leben zu können, ohne Not zu leiden. Viele von uns sind in diesem Sinne reich. Wir sind reich, wenn wir arbeiten können, wenn wir gesund sind, wenn wir sozial abgesichert sind. Aber das alles kann auch verloren gehen. Ein erfülltes Leben garantiert uns auch dieser bescheidene Reichtum nicht.

Paulus weiß: Was uns wirklich reich macht, haben wir von Gott: Unser Leben, die Liebe, die wir empfangen und geben, unsere Begabungen, die auch unsere Aufgaben sind. Eine Gabe und Aufgabe kann unsere Gesundheit sein, aber es kann auch eine Gabe sein, mit Belastungen leben zu können, z. B. eine schwere Krankheit zu ertragen, was dem Apostel Paulus offenbar auferlegt war.

Dann setzt Paulus sich mit der Weisheit auseinander. Die Lebenserfahrenen wissen, was Sache ist: Nichts wird einem geschenkt, die Welt ist schlecht, komm du erstmal in meine Jahre! – und was der Lebensweisheiten mehr sind. Aber Paulus sucht Weisheit ausgerechnet bei einem Mann, der gar nicht alt genug wird, um Altersweisheit zu erwerben. Nur 33 Jahre wird er alt. Ist Jesus weise? Zeigt sich in ihm Gottes Weisheit? Paulus ist überzeugt: Der da am Kreuz verreckt, ist Gottes Sohn – in ihm ist Gottes Weisheit versteckt, wie in einem ganz tiefen stillen Wasser.

Die philosophisch gebildeten Menschen damals nennen es Torheit, einen so schändlich hingerichteten Menschen als Gottes Sohn zu verehren. Gott muss stark sein, über den Dingen stehen! Für viele Juden ist es Gotteslästerung, einen Mann, der man an einem Holzpfahl aufgehängt hat, als Messias zu verehren. Der Messias hätte siegen müssen, nicht leiden dürfen.

Aber Gott antwortet auf die Frage, warum er das Leid in der Welt zulässt: „Ich erleide es selbst. Der da am Kreuz, das bin ich!“

Schließlich setzt sich Paulus mit denen auseinander, die Erkenntnis suchen, auf Griechisch „Gnosis“. Das Wort Gnosis meint damals eine regelrechte Wissenschaft vom Weg zur Erlösung. Die Menschen, die sich Gnostiker nennen, sind überzeugt, dass in ihnen ein Funke des göttlichen Lichtes wohnt und dass sie besser als andere Menschen wissen, wie man zu Gott kommen kann. Sie fühlen sich über das niedere Volk erhaben, das nur an armseligen Vergnügen interessiert ist wie Essen und Trinken, Arbeit und Liebemachen.

So ein Elitedenken in Sachen Religion lehnt Paulus ab. Auch für die besten und frömmsten Menschen bleiben Gottes Wege grundsätzlich unerforschlich. Wer sich für besser hält als andere, der macht sich etwas vor.

Trotzdem gilt: Gerade weil nur Gott selbst sich in voller Tiefe erkennen kann, können wir alle Gott erkennen – nämlich dann, wenn er uns mit seinem Geist erfüllt! Dann erkennen wir ihn sozusagen von innen, ergriffen von seiner Liebe. Mit leeren Händen stehen wir vor Gott – Gott füllt sie. Als die Armen im Geiste stehen wir vor Gott – und Gott lässt uns erkennen, wie groß seine Liebe und sein Erbarmen ist.

Stille Wasser sind tief. Gott ist ein besonders stilles Wasser. Die Tiefen seines Reichtums, seiner Weisheit, seiner Erkenntnis sind für uns nicht auszuloten. Aber das ist nicht schlimm; wir Menschen sind nicht ärmer dadurch, dass wir nicht so reich oder so weise oder so vollkommen in der Erkenntnis sind wie Gott.

Es genügt uns der Reichtum, den wir im Vertrauen auf Gott den Vater finden. Er ist der Gute Hirte, lässt es uns an nichts mangeln.

Es genügt uns die Weisheit, die Gott in Jesus offenbart, wo er scheinbar am Ende ist. Wo er blutig und geschunden am Kreuz hängt, beginnt der Sieg der Liebe.

Es genügt uns die Erkenntnis Gottes, soweit er selbst sich uns erkennen lässt. Sein Geist glaubt in uns.

Müssten wir wie Gott sein, so wären wir hoffnungslos überfordert. Wäre Gott ohne Erbarmen, so wären wir verloren. Aber wir sind nicht wie Gott, und Gott ist voller Liebe – das ist Grund genug, um Gott allein die Ehre zu geben, die ihm gebührt. „Von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.“

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.
Lied: Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist

Wir feiern nun das Heilige Abendmahl. Wer daran nicht teilnehmen möchte, bleibt nachher einfach auf seinem Platz sitzen und gehört auch so zu unserer Gemeinschaft dazu.

Barmherziger Gott, wir bekennen vor dir unsere Schuld.

Wenn wir anderen Menschen etwas schuldig geblieben sind – wir bringen es vor dich. Wenn wir aus Verbitterung oder zu großem Stolz hartherzig gehandelt haben – wir bringen es vor dich. Wenn wir deine Vergebung nicht annehmen konnten – wir bringen es vor dich.

Vergib uns, Herr, und hilf uns, verantwortlich zu handeln. Zeige uns, dass Schuld und Sünde uns nicht ewig von dir trennen können, und lass uns eine Gemeinde werden, in der man sich aufeinander verlassen kann. Lass uns in deinem Abendmahl schmecken, dass du unseren Hunger und Durst nach Liebe und Vergebung stillst.

In der Stille bringen wir vor dich, was unsere Seele belastet:

Beichtstille

Wollt Ihr Gottes Treue und Vergebung annehmen, so sagt laut oder leise oder auch still im Herzen: Ja!

Auf euer aufrichtiges Bekenntnis spreche ich euch die Vergebung eurer Sünden zu – im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Der Herr sei mit euch. „Und mit deinem Geiste.“

Die Herzen in die Höhe! „Wir erheben sie zum Herren.“

Lasset uns Dank sagen dem Herrn, unserem Gott. „Das ist würdig und recht.“

Würdig und recht ist es, Gott ernst zu nehmen als den der groß ist in seiner Güte und Freundlichkeit zu uns Menschen. Würdig und recht ist es, uns selber anzunehmen als Menschen mit aufrechtem Gang, von Gott geliebt und verantwortlich für unser Leben. Zu dir rufen wir und preisen dich, Heiliger Gott:

Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll. Hosianna in der Höhe. Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe.

Vater unser und Abendmahl

Großer Gott, wir Menschen sind hin- und hergerissen zwischen Selbstüberschätzung und Selbstzerstörung. Wir versuchen, die Welt in den Griff zu bekommen, aber wir machen oft mehr kaputt, als wir aufbauen, und wir vermehren die Kälte unter den Menschen.

Wir bitten dich: Beschenke uns mit dem Reichtum deiner Liebe, damit wir Wärme und Herzlichkeit verbreiten, damit wir uns unserer Grenzen bewusst bleiben und keinen falschen Stolz nötig haben.

Manchmal wissen wir nicht weiter. Dann zeige uns neue Wege, gib uns neuen Mut und neue Hoffnung, richte uns wieder auf! Und wenn wir mit unserem Glauben am Ende sind, wenn wir an dir selber zweifeln – dann gib in unsere leeren Herzen neues Vertrauen, neue Zuversicht. Amen.

Wir loben den ewigreichen Gott mit dem Lied 321:

1. Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen, der große Dinge tut an uns und allen Enden, der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an unzählig viel zugut bis hierher hat getan.

2. Der ewigreiche Gott woll uns bei unserm Leben ein immer fröhlich Herz und edlen Frieden geben und uns in seiner Gnad erhalten fort und fort und uns aus aller Not erlösen hier und dort.

3. Lob, Ehr und Preis sei Gott dem Vater und dem Sohne und Gott dem Heilgen Geist im höchsten Himmelsthrone, ihm, dem dreiein’gen Gott, wie es im Anfang war und ist und bleiben wird so jetzt und immerdar.

Abkündigungen

Und nun lasst uns mit Gottes Segen in den Sonntag gehen – wer möchte, ist im Anschluss noch herzlich zum Beisammensein mit Kaffee oder Tee im Gemeindesaal eingeladen.

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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