Zappi, Fischli und Jamal

Ein neuer Freund erzählt von Kamelen und dem Propheten Muhammad.

Spielszene mit den Handpuppen Zappi, Fischli und Jamal im Stuhlkreis der Paulus-Kita-Kinder.

Zappi: Hallo, Kinder! Ihr wisst ja, ich helfe dem Pfarrer Schütz immer, euch die Geschichten aus der Bibel zu erzählen. Am liebsten die von vor gaanz, gaanz langer Zeit. Von Adam und Eva. Von Abraham und Josef und Mose und Samuel und David. Aber heute bin ich mal ganz ohne große Bilder zu euch gekommen. Und auch ohne Lutz und Gabi.

Fischli: Aber ich bin mitgekommen. Ich war ja schon lange nicht mehr bei euch. Dabei erzähle ich auch so gerne Ge­schichten. Am liebsten die von Jesus. Oder von Paulus, von dem die Pauluskirche ihren Namen hat. Aber heute habe auch ich euch keine Geschichte mitgebracht.

Zappi: Wisst ihr auch, warum wir euch keine Geschichte mitgebracht haben? Was meint ihr?

Fischli: Ich glaube, das ratet ihr nie. Ich will es euch sagen: Weil wir einen ganz neuen Freund mitgebracht haben.

Zappi: Genau. Und heute will der euch etwas erzählen.

Fischli: Er ist ein bisschen schüchtern. Wollt ihr ihn kennenlernen? Dann müsst ihr ganz lieb zu ihm sein. Genau wie zu uns.

Zappi: OK, dann könnt ihr ihn rufen. Ach, ihr wisst gar nicht, wie er heißt? Wollt ihr seinen Namen wissen?

Fischli: Er heißt Jamal. (alle rufen) Jamal! Jamahal!

Die Schildkröte Zappi, der Pinguin Fischli und das Kamel Jamal

Die Schildkröte Zappi, der Pinguin Fischli und das Kamel Jamal

Jamal: Salaam Zappi, salaam Fischli, salaam Kinder! Salaam heißt auf Deutsch Frieden, und den wünsche ich euch.

Zappi: Und jetzt, Kinder, ratet mal, was Jamal für einer ist und woher er kommt.

Jamal: Genau, ich bin ein Kamel. Und ich komme aus Arabien. Da gibt es ganz viele Wüsten, und ich kann besonders gut durch die Wüste laufen. Ich schwitze erst bei über 40 Grad, und mir macht es nichts aus, wenn tagsüber die Sonne brennt und wenn es nachts eiskalt ist. In meinem Höcker speichere ich reichlich Fett, darum muss ich manchmal ganz lange Zeit nichts fressen. Meine Füße haben eine dicke Hornschicht, darum macht es mir nichts aus, dass der Sand in der Wüste so furchtbar heiß ist. Man kann auf mir reiten und ich kann auch schwere Lasten tragen. Einen langen Hals habe ich, der ist wie eine Balancierstange, wenn ich schwer beladen aufstehen muss. Wir Kamele versorgen die Menschen wie Rinder, Schafe und Pferde zugleich. Die Milch von Kamelfrauen kann man trinken. Meine Haare kann man zu Wolle verarbeiten. Sogar meinen Mist kann man verwenden, den kann man trocknen und am Lagerfeuer verbrennen, wenn es in der Nacht kalt wird (915).

Fischli: Für ein Kamel bist du aber ziemlich klein.

Zappi: Das musst gerade du sagen. Du bist auch nicht groß.

Fischli: Ich bin ja auch ein Vogel, auch wenn ich Fischli heiße. Aber ein Kamel ist doch normalerweise vieel, vieel größer.

Jamal: Wenn ich größer wäre, dann könnte mich der Pfarrer Schütz gar nicht tragen. Und außerdem kommt es nicht darauf an, wie groß man ist.

Fischli: Stimmt, du hast recht. War nicht böse gemeint.

Zappi: Jetzt sag mal, warum wohnst du jetzt eigentlich bei uns? Das wollte ich dich schon lange fragen.

Jamal: Ja, wisst ihr, der Pfarrer Schütz, der hat mich eingeladen, damit ich auch mal die Kinder im Kindergarten besuche.

Fischli: Und warum?

Jamal: Ihr helft dem Pfarrer Schütz doch immer, den Kindern Geschichten aus der Bibel zu erzählen.

Zappi: Das stimmt. Wir tun dann immer so, als wären wir selber dabei gewesen.

Fischli: In der Phantasie stimmt das ja auch. In Gedanken können wir ganz weite Zeitreisen machen.

Jamal: Genau. Du, Fischli, weißt viel über Jesus. Und du, Zappi, kennst Geschichten vom Volk Israel. Aber wisst ihr eigentlich, dass diese Geschichten nicht nur in der Bibel stehen?

Zappi: Nein, das wusste ich nicht.

Fischli: Ich auch nicht. Wo stehen die denn noch?

Jamal: In einem anderen Buch, das heißt Koran.

Zappi: Was ist denn das für ein Buch?

Jamal: Der Koran ist in Arabien von dem Propheten Muhammad aufgeschrieben worden. Er hat gesagt: Die Worte in dem Koran kommen von Gott.

Zappi: Und die Juden und die Christen sagen: Die Bibel kommt von Gott. Sie ist unser heiliges Buch.

Fischli: Die Juden haben aber nicht den Teil, wo Jesus drin vorkommt. Den haben nur die Christen.

Jamal: Und der Koran ist das heilige Buch der Muslime.

Fischli: Jetzt verstehe ich. Du kommst mit in den Kindergarten, weil hier auch muslimische Kinder sind und nicht nur christliche.

Jamal: Richtig! Und darum will ich euch manchmal auch erzählen, was im Koran von Jesus und Abraham, Mose und Josef und all den anderen Propheten steht. Das ist nämlich manchmal etwas anders als in der Bibel. Oft aber auch gleich.

Zappi: Aber jetzt habe ich noch mal eine Frage. Wieso hat der Pfarrer Schütz ausgerechnet ein Kamel eingeladen, damit es uns aus dem Koran erzählt?

Jamal: Ganz einfach. Im Koran kommen viele Kamele vor. Und auch der Prophet Muhammad ist auf einem Kamel geritten. Ich kenne auch schöne Geschichten von Kamelen.

Fischli: Dann erzähl doch mal!

Jamal: Der Prophet Muhammad kam einmal in einen Garten, da waren Mauern drum herum, und in dem Garten war ein Kamel angebunden. Auf einmal schrie das Kamel und weinte richtig, und der Prophet kam zu ihm und streichelte über seinen Höcker und seinen Hals, und so wurde es wieder ruhig. Dann fragte er: „Wem gehört dieses Ka­mel?“ Ein junger Mann kam herbei und sagte: „Es gehört mir.“ Da sagte der Prophet: „Gott will, dass du dieses Tier gut behandelst. Aber es hat mir gesagt, du lässt es hungern und zu wenig ausruhen, und es muss viel zu viel arbeiten.“

Zappi: Das war gut, dass der Prophet das Kamel verstanden hat.

Jamal: Ja. Der junge Mann hatte ein ganz schlechtes Gewissen und hat sofort das Kamel losgebunden, damit es fressen konnte (916).

Fischli: Weißt du noch eine Kamelgeschichte?

Jamal: Ja, noch eine vom Propheten Muhammad. Als er in der Stadt Yathrib ankam, die später Medina genannt wurde, wollte er ein Haus bauen, wo die Menschen zusammenkommen und zu Gott beten. So etwas Ähnliches wie eine Kirche bei den Christen. Wohnen wollte er da auch, denn die Leute in der Stadt hatten Streit miteinander, und der Prophet wollte nicht, dass die einen sagen: „Der wohnt bei den anderen, die hat er lieber als uns!“ Da hat er sein Kamel losgeschickt, es sollte durch die Stadt laufen, bis es müde wurde und sich niederkauerte. Man kann auch sagen, es hat sich hingehockt. Der Platz, wo das Kamel sich niederkauerte, gehörte zwei Waisenkindern, das waren Kinder ohne Eltern. Die hat der Prophet gefragt: „Darf ich hier ein Haus bauen, wo ihr und ich wohnen können und wo die Leute aus der Stadt alle auch beten können?“ Das fanden die toll. Und weil das Kamel sich an diesem Ort niedergekauert hatte, hat er dieses Haus auf Arabisch »Mas-djid« genannt, das heißt „Niederkauern“. Aus dem Wort Masdjid ist später das Wort „Moschee“ geworden. Bis heute gehen Muslime zum Beten in eine Moschee (917).

Fischli: Sagt mal, Kinder, habt ihr diese Geschichte schon gekannt?

Zappi: Aber was eine Moschee ist, wisst ihr schon? Wisst ihr, wo hier in Gießen eine ist?

Jamal: Ich weiß es. In der Marburger Straße gibt es sogar zwei.

Zappi: So, jetzt hat Jamal für heute aber genug erzählt.

Jamal: Genau. Das ist ganz schön anstrengend für ein so kleines Kamel.

Fischli: Kommst du denn mal wieder, um uns noch mehr zu erzählen?

Jamal: Gerne, aber das wird noch etwas dauern. Der Pfarrer Schütz macht nach den Sommerferien ja drei Monate Pause von seiner Arbeit in der Gemeinde und im Kindergarten, und da sucht er mit mir zusammen Geschichten raus, die in der Bibel und im Koran ähnlich sind.

Zappi: Darf ich auch dabei helfen?

Fischli: Und ich auch?

Jamal: Ja, natürlich. Ohne euch beide geht das ja überhaupt nicht, wo ihr so viele Geschichten aus der Bibel kennt.

Fischli: Ok, dann bis später. Wir müssen gehen. Tschüss!

Jamal: Ich sage euch: Salaam. Ihr wisst ja, das heißt im Koran: „Frieden.“

Zappi: Dann sage ich dir und euch Schalom. Das heißt in der Bibel „Frieden“.

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