„Ihr sollt heilig werden!“

Wer ein Knecht der Sünde ist, der ist zwar frei, aber frei von der Gerechtigkeit. Was kommt dabei heraus? Paulus sagt: Dafür musstet ihr euch schämen. Wer von der Sünde frei ist, der ist zwar Gottes Knecht, aber dabei kommt etwas Gutes heraus: heiles, heiliges, erfülltes, ewiges, unzerstörbares Leben.

Kirchenfenster: Ein Mann mit leuchtend rot-gelben Engelsflügeln läuft hinter einem Pflug her

Pflügt ein Heiliger den Acker der Welt? Sind ihm Engelsflügel gegeben? (Bild des Kirchenfensters: pixabay.com)

#predigtTaufgottesdienst am Sonntag, 13. Juli 2008, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen
Einzug der Tauffamilien

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Zum Taufgottesdienst mit dem Thema „Ihr sollt heilig werden!“ begrüße ich alle herzlich mit dem Wort zur Woche aus dem Brief an die Epheser 5, 8-9:

Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.

Zwei Jungen und den Vater des einen Jungen werden wir heute im Gottesdienst taufen. Wir heißen sie alle, gemeinsam mit ihren Familien und den Paten der Kinder besonders herzlich in der Pauluskirche willkommen!

Lied 265:

1. Nun singe Lob, du Christenheit, dem Vater, Sohn und Geist, der allerorts und allezeit sich gütig uns erweist,

2. der Frieden uns und Freude gibt, den Geist der Heiligkeit, der uns als seine Kirche liebt, ihr Einigkeit verleiht.

3. Er lasse uns Geschwister sein, der Eintracht uns erfreun, als seiner Liebe Widerschein die Christenheit erneun.

4. Du guter Hirt, Herr Jesus Christ, steh deiner Kirche bei, dass über allem, was da ist, ein Herr, ein Glaube sei.

5. Herr, mache uns im Glauben treu und in der Wahrheit frei, dass unsre Liebe immer neu der Einheit Zeugnis sei.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“

„Ihr sollt heilig werden!“ sagt Paulus im heutigen Predigttext. Dazu brauchen wir den „Geist der Heiligkeit“, den Gott uns schenkt.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Heilig ist Gott! Wie sollen wir heilig werden? Gott, du selber musst uns heiligen. Mache du heil, was in unserem Leben verletzt und kaputt ist. Heile du die Zerrissenheit in der Gemeinschaft der Menschen, die wir durch böses oder unachtsames Verhalten verursachen, durch Ungerechtigkeit und Egoismus. Mache du unsere Seele heil von der Sünde durch deine Vergebung, die du uns schenkst, damit wir auf dich vertrauen.

Wir rufen zu dir, Gott: Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Wir hören als Zuspruch und Anspruch Gottes an uns Worte aus Psalm 24:

1 Die Erde ist des Herrn und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen.

2 Denn er hat ihn über den Meeren gegründet und über den Wassern bereitet.

3 Wer darf auf des Herrn Berg gehen, und wer darf stehen an seiner heiligen Stätte?

4 Wer unschuldige Hände hat und reines Herzens ist, wer nicht bedacht ist auf Lug und Trug und nicht falsche Eide schwört:

5 der wird den Segen vom Herrn empfangen und Gerechtigkeit von dem Gott seines Heiles.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist gross Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.

Der Herr sei mit euch! „Und mit deinem Geist!“

Heiliger Gott, wenn du uns heilig machst, dann nimmst du uns heraus aus den unheiligen Geschäften und Angelegenheiten dieser Welt. Mache uns rein von bösen Gedanken und Taten. Hilf uns, nach den Geboten deiner Freiheit, deiner Gerechtigkeit, deiner Liebe zu leben. Darum bitten wir dich im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Lesung aus dem 3. Buch Mose – Levitikus 18, 1-4, und 19, 1-2:

1 Und der Herr redete mit Mose und sprach:

2 Rede mit den Israeliten und sprich zu ihnen: Ich bin der Herr, euer Gott.

3 Ihr sollt nicht tun nach der Weise des Landes Ägypten, darin ihr gewohnt habt, auch nicht nach der Weise des Landes Kanaan, wohin ich euch führen will. Ihr sollt auch nicht nach ihren Satzungen wandeln,

4 sondern nach meinen Rechten sollt ihr tun und meine Satzungen sollt ihr halten, dass ihr darin wandelt; ich bin der Herr, euer Gott.

1 Und der Herr redete mit Mose und sprach:

2 Rede mit der ganzen Gemeinde der Israeliten und sprich zu ihnen: Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der Herr, euer Gott.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Lied 620: Gottes Liebe ist wie die Sonne

Liebe Tauffamilien, liebe Gemeinde!

Zwei Familien sind heute in diesem Gottesdienst, und drei Personen in diesen Familien taufen wir heute.

Der erste ist ein erwachsener Mann, der in Kasachstan, wo er aufgewachsen ist, nicht getauft worden ist, obwohl er sich sein ganzes Leben lang genau wie die anderen in seiner Familie zur evangelischen Kirche zugehörig fühlt. Gemeinsam mit seinem Sohn will er sich heute taufen lassen.

Außerdem taufen wir zwei Jungen, die beide ein älteres Geschwisterkind haben. Da ist …, sechs Jahre alt, mit seiner Schwester …, die schon acht Jahre alt ist. Und da ist der anderthalbjährige … mit seinem älteren Bruder …, den ich hier in dieser Kirche vor drei Jahren getauft habe.

Mit der Taufe bringen wir uns selbst oder unsere Kinder in eine ganz enge Berührung mit Gott. Das Wasser der Taufe fließt über unseren Kopf, macht unsere Haut nass, ein wenig nur, aber dieses Wasser zeigt, wie hautnah Gott uns anrührt. Der heilige Gott ist nicht unnahbar, nein, er rückt uns „auf die Pelle“. Heilig ist Gottes Liebe. Heilig ist er, weil er uns seine unendliche Liebe schenkt. Wie die Sonne uns mit ihren Strahlen wärmt, so bringt Gott mit seiner Liebe Licht und Wärme in unser Leben. Und wenn wir uns dieser Liebe entgegenstrecken, so wie eine Blume sich der Sonne entgegenstreckt, dann macht diese Liebe unser Leben neu. Das meint die Bibel mit „Heiligwerden“.

Sie, lieber Herr …, haben für sich selbst als Taufspruch Psalm 23, 4 ausgesucht:

[Ich] fürchte … kein Unglück; denn du bist bei mir.

Gott ist tatsächlich bei uns. Gott ist kein Herrscher, wie wir menschliche Herrscher kennen, die nur an eigene Interessen denken und Gesetze erlassen, mit denen sie sich vor Strafverfolgung schützen wollen. Gott tritt mit seiner Allmacht für uns Menschen ein und beruhigt unsere Angst. Wer nicht ständig in Angst und Sorgen leben muss, der führt ein glücklicheres Leben. Der kann auch seinen Kindern festen Halt geben.

Für Ihren Sohn haben Sie, lieber Herr und liebe Frau …, einen ganz ähnlichen Taufspruch aus dem Buch Jesaja 41, 10 ausgesucht. Gott spricht (Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift © 1980 by Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart):

Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; hab keine Angst, ich mache dich stark.

In dem anderen Spruch spricht einer zu Gott: „Du bist bei mir.“ Hier spricht Gott zu uns: „Ich bin mit dir.“ Das gehört zusammen. Wir dürfen wissen, dass Gott bei uns ist, weil er selbst es gesagt hat. Er selbst macht uns Mut: „Hab keine Angst!“ Es gibt Menschen, die benutzen Gott, um ihren Kindern Angst zu machen: „Warte, Gott sieht alles, der wird dich strafen, wenn du etwas Böses tust!“ Nein, so etwas will Gott nicht. Gott will uns nicht Angst machen, er will uns die Angst nehmen. Er will uns nicht klein und schwach machen, sondern er will, dass wir stark sind und aufrecht gehen können.

Aber was heißt das, „stark sein“? Stark ist ein Mensch, der es nicht nötig hat, auf Schwächere loszugehen und andere klein zu machen. Stark ist ein Mensch, der Schwächeren helfen kann und für Gerechtigkeit eintritt. Stark ist ein Mensch, der lieben und vertrauen kann. Von diesem Vertrauen handelt der Taufspruch, den Sie, liebe Frau … und lieber Herr …, für Ihren zweiten Sohn … ausgesucht haben. Den gleichen Taufspruch hatte damals auch Ihr Sohn … bekommen. Er steht im Psalm 16, 1 (Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift © 1980 by Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart):

Behüte mich, Gott, denn ich vertraue dir.

Wenn wir ein Kind taufen lassen, dann wünschen wir, dass es sein ganzes Leben lang behütet sein wird, von Liebe umschlossen und getragen. Gottvertrauen ist die Antwort auf diese Liebe: Ihr strecken wir uns mit unserem ganzen Leben entgegen – und unser Leben wird von Liebe erfüllt sein.

Unseren Glauben an den heiligen Gott, der die Liebe ist, bekennen wir nun in den alten Worten des Apostolischen Bekenntnisses:

Glaubensbekenntnis und Taufen

Wir haben den Mann und die Kinder gesegnet, die wir getauft haben, nun segnen wir auch diejenigen besonders, die Verantwortung für die Taufkinder tragen:

Liebe Eltern und Paten! Gott segne Sie in allem, was Sie für Ihre Kinder tun können. Gott bewahre und behüte Sie und diese Kinder in allem, was nicht in Ihrer Macht steht. Gott sei Ihnen nahe mit seiner Liebe, damit Sie Liebe weitergeben können. Gott segne Eltern und Kinder. Amen.

Lied 182, 3-6: Betet, und ihr sollt es nicht vergeblich tun
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde!

„Ihr sollt heilig werden!“, dieses Thema zog sich wie ein roter Faden durch unseren Taufgottesdienst, und ich hoffe, es ist schon deutlich geworden, was ich damit meine. Man muss schon genau nach der Bedeutung des Wortes fragen, wenn wir es richtig verstehen wollen, denn normalerweise malen wir die Heiligen mit einem Heiligenschein, stellen sie auf ein Podest und überlassen ihre Verehrung der katholischen Kirche. Heilige sind dann so außergewöhnlich gute Menschen, dass sie gar nicht so recht von dieser Welt sind. Sie sollen zwar Vorbilder sein, sind aber eigentlich unerreichbar für uns Normalchristen.

In unserer evangelischen Kirche kommt noch dazu, dass wir von dem Apostel Paulus und von Martin Luther gelernt haben: Gott be- und verurteilt uns nicht nach unseren Werken, sondern er nimmt uns so an, wie wir sind, er vergibt uns aus Gnade unsere Sünde. Daraus haben viele den Schluss gezogen: Wozu ist es dann noch gut, sich um ein „heiliges Leben“ zu bemühen? Es ist eh niemand perfekt und Gott schaut schon nicht so genau hin.

Wenn wir Paulus so verstehen, haben wir ihn gründlich missverstanden. Er selber nimmt zu diesem Missverständnis im heutigen Predigttext Stellung.

Ich lese im Brief an die Römer 6, 15-23:

15 Wie nun? Sollen wir sündigen, weil wir nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade sind? Das sei ferne!

16 Wisst ihr nicht: wem ihr euch zu Knechten macht, um ihm zu gehorchen, dessen Knechte seid ihr und müsst ihm gehorsam sein, es sei der Sünde zum Tode oder dem Gehorsam zur Gerechtigkeit?

17 Gott sei aber gedankt, dass ihr Knechte der Sünde gewesen seid, aber nun von Herzen gehorsam geworden der Gestalt der Lehre, der ihr ergeben seid.

18 Denn indem ihr nun frei geworden seid von der Sünde, seid ihr Knechte geworden der Gerechtigkeit.

19 Ich muss menschlich davon reden um der Schwachheit eures Fleisches willen: Wie ihr eure Glieder hingegeben hattet an den Dienst der Unreinheit und Ungerechtigkeit zu immer neuer Ungerechtigkeit, so gebt nun eure Glieder hin an den Dienst der Gerechtigkeit, dass sie heilig werden.

20 Denn als ihr Knechte der Sünde wart, da wart ihr frei von der Gerechtigkeit.

21 Was hattet ihr nun damals für Frucht? Solche, deren ihr euch jetzt schämt; denn das Ende derselben ist der Tod.

22 Nun aber, da ihr von der Sünde frei und Gottes Knechte geworden seid, habt ihr darin eure Frucht, dass ihr heilig werdet; das Ende aber ist das ewige Leben.

23 Denn der Sünde Sold ist der Tod; die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserm Herrn.

Paulus meint also: Wenn Gottes Liebe, Gnade, Vergebung ein Freibrief zur Sünde wäre, dann wäre das keine echte Befreiung, sondern wir blieben Sklaven der Sünde. Gottes Liebe befreit zur Gerechtigkeit.

Wenn ihr es anders nicht versteht, meint Paulus, dann muss ich menschlich reden: Irgendjemandem dient ihr immer, entweder der Gerechtigkeit oder der Sünde. Irgendwer ist immer euer Herr, entweder Gott oder die Macht der Sünde. Überlegt euch gut, welcher dieser Herren euch wirklich Freiheit geben kann.

Paulus stellt sich die Sünde wie den Befehlshaber einer Armee vor, der seinen Soldaten als Entlohnung einen Sold auszahlt: dieser Sold ist der Tod. Damit ist nicht der natürliche Tod gemeint, den wir alle einmal sterben müssen. Nein, ein Leben unter dem Befehl der Sünde ist selbst schon tot, ohne Sinn, ohne Zukunft und Hoffnung.

Wer dagegen ein Sklave der Gerechtigkeit sein will, der entscheidet sich für die Freiheit. Er dient nicht dem Tod, sondern dem Leben. Der Gerechtigkeit dient man freiwillig, denn die Gerechtigkeit ist ein Leben miteinander und füreinander, wo niemand ausgebeutet, niedergetreten oder ausgestoßen wird. Wir kriegen ein solches Leben aus eigener Kraftanstrengung nicht hin, aber im Gottvertrauen wird es uns geschenkt, ein von Gott bestimmtes, „heiliges“ Leben führen zu können. Das ist die Gabe des ewigen Lebens, von der Paulus spricht: „der Sünde Sold ist der Tod; die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben“. Mit dem ewigen Leben meint die Bibel nicht eine unendlich lange Zeit, sondern ein erfülltes, sinnvolles Leben. Paulus sagt, es ist ein Leben „in Christus Jesus, unserm Herrn“, und damit meint er ein Leben im Leib Christi, das heißt, in der Gemeinschaft derer, die auf Jesus, Gottes Sohn, vertrauen. Dieses so erfüllte Leben geht auch dann nicht verloren, wenn wir sterben. Ewiges Leben ist in diesem Sinne auch ein Leben nach dem Tod. Ewiges Leben beginnt aber schon diesseits des Todes, hier auf Erden.

Ewiges Leben beginnt, wo wir unser Leben hier auf Erden von Gott bestimmen lassen, wo wir in diesem Sinne „heilig“ werden.

Paulus ist davon überzeugt: Wir müssen nicht Sklaven der Sünde bleiben. Wir müssen nicht dem gehorchen, was Gott nicht will. Wir müssen nicht egoistischen Trieben, Hass, Neid und Gier ausgeliefert bleiben. Paulus traut seinen Lesern zu, uns eingeschlossen, dass wir unsere Gedankenlosigkeit und Lieblosigkeit überwinden. Darum redet er Tacheles mit uns, „menschlich“, wie er sagt: „Euer Fleisch ist schwach“, meint Paulus, diesen Ausdruck verwendet er immer, wenn ein Mensch meint, etwas sein zu können ohne Gottvertrauen oder wenn er Gott zu wenig zutraut. Wenn ihr Gott nicht zutraut, dass er euch verwandeln kann, dann ist für euch der Glaube nur eine Zugabe zum sogenannten normalen Leben, und da lebt ihr dann wie jeder andere auch. Ihr versteht Freiheit als Ellbogenfreiheit, man muss sich halt durchsetzen; es wird einem nichts geschenkt, also nimmt man sich, was man kriegen kann. Wer so handelt, ist in den Augen des Paulus nicht ein starker, sondern ein schwacher Mensch. Ihn ermahnt Paulus: Sieh zu, dass du nicht wieder Sklave der Sünde wirst! Das warst du früher gewesen, aber inzwischen hast du von Jesus etwas Besseres gelernt. Du weißt, wie sehr Gott dich liebt, wie er um dich wirbt, wie er dich bewegen, anrühren, verändern, dein Leben neu machen will!

Der Glaube an Gott ist also nicht etwas rein Geistiges, sondern der Geist Gottes bewegt sozusagen das Fleisch unseres Körpers zu neuen, veränderten Taten. So spricht Paulus von den Gliedern unseres Leibes:

19 Wie ihr eure Glieder hingegeben hattet an den Dienst der Unreinheit und Ungerechtigkeit zu immer neuer Ungerechtigkeit, so gebt nun eure Glieder hin an den Dienst der Gerechtigkeit, dass sie heilig werden.

Der Glaube ist also nicht nur etwas für die Seele, sondern auch für unseren Leib. Und da gibt es nach Paulus nur zwei Möglichkeiten: Entweder wir setzen die Teile unseres Körpers, die Organe, Sinne, Gliedmaßen für die Gerechtigkeit ein oder für die Sünde. Für Paulus sind wir entweder unrein oder heilig, dazwischen gibt es nichts.

Meine Hände kann ich einsetzen: Um wegzunehmen oder um zu geben. Zum Schlagen oder Streicheln. Zum Arbeiten oder um sie nur in den Schoß zu legen, während andere die ganze Arbeit machen. Meine Augen kann ich einsetzen: Um hinzusehen, wo Menschen Hilfe brauchen, oder um sie abzustumpfen mit Bildern der Grausamkeit. Meine Ohren kann ich einsetzen: Um zuzuhören, wo sich jemand mir anvertrauen will, und ein Geheimnis zu bewahren. Aber ich kann auch möglichst viel aufschnappen wollen, worüber ich dann mit anderen tratsche oder ablästere. Paulus denkt an alle Glieder des Körpers, auch an die, von denen wir normalerweise nicht reden, die mit unserer Sexualität zu tun haben; auch sie sind nicht als solche unrein, sondern nur dann, wenn wir sie „an den Dienst der Unreinheit und Ungerechtigkeit“ hingeben, das heißt, wenn wir einen Menschen nur benutzen wie einen Gegenstand, ohne Liebe, ohne die Bereitschaft zur Treue. Im Dienst der Gerechtigkeit werden alle Teile unseres Körper heilig, dann dienen sie dazu, dass wir Liebe geben und unsere Probleme miteinander friedlich lösen.

Wer ein Knecht der Sünde ist, der ist zwar frei, aber frei von der Gerechtigkeit. Was kommt dabei heraus? Paulus sagt: Dafür musstet ihr euch schämen.

Wer von der Sünde frei ist, der ist zwar Gottes Knecht, aber dabei kommt etwas Gutes heraus: heiles, heiliges, erfülltes, ewiges, unzerstörbares Leben.

Zwei Beispiele möchte ich noch nennen für heiliges Leben. Eins aus der weiten Welt: Nächste Woche wird Nelson Mandela 90 Jahre alt. Er gab nicht auf in seinem gewaltfreien Kampf gegen die Rassentrennung und Rassenunterdrückung in Südafrika, obwohl man ihn viele Jahre als unliebsamen politischen Gefangenen einsperrte. Er hat einen großen Beitrag dazu geleistet, dass scheinbar unverrückbare Feindbilder sich auflösten und Südafrika die Apartheid ohne blutigen Bürgerkrieg abschaffen konnte.

Ein zweites Beispiel aus meiner eigenen Erfahrung: Ich hatte mal einen Schüler in der 5. und 6. Hauptschulklasse, der ständig störte, freche Kommentare abgab und auch andere Schüler beleidigte. Es war ihm egal, dass er nur Fünfen und Sechsen im Zeugnis bekam. Es half nichts, mit den Eltern zu reden, die hatten auch keinen Einfluss auf ihn. Auch aus meinem Konfirmandenunterricht flog er raus, als er einen behinderten Mitkonfirmanden erst beleidigte und dann verprügelte. Chancen genug hatte er bekommen, er schien sich nicht ändern zu können. Einige Jahre später traf ich ihn plötzlich auf der Straße. „Kennen Sie mich noch?“ fragte er. Ich hatte ihn nicht vergessen. Da lächelte er und meinte: „Inzwischen habe ich eingesehen, dass man doch etwas an seinem Leben ändern kann. Ich mache auf der Abendschule meinen Schulabschluss nach, ich will einen anständigen Beruf lernen.“ Gott traut jedem zu, dass er Verantwortung für sein Leben übernimmt. Gott ruft uns zu: „Gebt euch nicht auf, ihr sollt heilig werden! Lasst euer Leben erfüllt sein von Vertrauen, von Liebe, von Hoffnung!“ Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Lied 295:

1. Wohl denen, die da wandeln vor Gott in Heiligkeit, nach seinem Worte handeln und leben allezeit; die recht von Herzen suchen Gott und seine Zeugniss‘ halten, sind stets bei ihm in Gnad.

2. Von Herzensgrund ich spreche: dir sei Dank allezeit, weil du mich lehrst die Rechte deiner Gerechtigkeit. Die Gnad auch ferner mir gewähr; ich will dein Rechte halten, verlass mich nimmermehr.

3. Mein Herz hängt treu und feste an dem, was dein Wort lehrt. Herr, tu bei mir das Beste, sonst ich zuschanden werd. Wenn du mich leitest, treuer Gott, so kann ich richtig laufen den Weg deiner Gebot.

4. Dein Wort, Herr, nicht vergehet, es bleibet ewiglich, so weit der Himmel gehet, der stets beweget sich; dein Wahrheit bleibt zu aller Zeit gleichwie der Grund der Erden, durch deine Hand bereit‘.

Gott, Vater einer barmherzigen Gerechtigkeit, als getaufte Glieder am Leib Christi bitten wir dich: mache uns frei von Sünde, von Unreinheit, von allem Unrecht und hilf uns zu leben als die Gemeinschaft deiner Heiligen. Hilf uns die Treue leben in Ehe und Partnerschaft, hilf uns gute Nachbarschaft und Freundschaft zu pflegen. Schenke uns gute Ideen und Einsatzbereitschaft, um unsere Umwelt zu schützen und den Frieden zu bewahren.

Besonders bitten wir dich für den Mann und für die Kinder, die wir heute getauft haben. Hilf uns, als Christen zu leben und unsere Kinder im christlichen Glauben zu erziehen.

Und wir bitten dich für Herrn …, der im Alter von 79 Jahren gestorben ist. Schenke ihm das ewige Leben in deinem Himmel und begleite die Angehörigen in ihrer Trauer mit deinem Trost. Amen.

In der Stille bringen wir vor Gott, was wir außerdem auf dem Herzen haben:

Gebetsstille und Vater unser
Lied 590: Herr, wir bitten: Komm und segne uns
Abkündigungen

Der Herr segne dich und er behüte dich. Er lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Er wende sein Angesicht dir zu und gebe dir Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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