Power-Glaube

Obwohl Jesus sauer ist auf seine Jünger, sendet er sie in die Welt hinaus. Er traut ihnen etwas zu, obwohl sie bisher versagt haben. Sie sollen die Frohe Botschaft verkünden, dass das Leben über den Tod gesiegt hat. Und diese Botschaft gilt der ganzen Schöpfung. Wo Menschen anfangen, auf Gott zu vertrauen, können die Menschen samt ihrer ganzen Umwelt aufatmen.

Abstraktes Bild voller Kraft und Bewegung - mit Blau und Pink

Abstraktes Bild voller Kraft und Bewegung (pixabay.com)

direkt-predigtTaufgottesdienst am Sonntag Quasimodogeniti, 7. April 2013, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen
Musik und Einzug des Taufkindes mit Eltern und Paten

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Dieser Gottesdienst eine Woche nach Ostern steht noch ganz im Zeichen der Osterbotschaft. So begrüße ich alle herzlich in der Pauluskirche mit dem Wort zur Woche aus 1. Petrus 1, 3:

„Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“

In der Predigt wird es um die Frage gehen, welche Kraft unser Osterglaube hat. Können wir alle einen starken Glauben kriegen, sozusagen einen „Power-Glauben“, der unser Leben und die Welt verändert?

Für den kleinen … ist dies ein ganz besonderer Sonntag, denn er wird in diesem Gottesdienst getauft, und wir heißen ihn mit seinen Eltern und Paten besonders herzlich willkommen!

In der Hoffnung darauf, dass das Wetter heute ein wenig frühlingshafter ist als an den Osterfeiertagen selbst, hat Herr Pfarrer Schütz für den Anfang das Lied 110 ausgesucht. Wir stimmen in den Osterjubel ein zusammen mit der ganzen Welt, mit allen Engeln und mit der gesamten Natur, in der es nun (bald) endlich Frühling wird.

1. Die ganze Welt, Herr Jesu Christ, Halleluja, Halleluja, in deiner Urständ fröhlich ist. Halleluja, Halleluja.

2. Das himmlisch Heer im Himmel singt, Halleluja, Halleluja, die Christenheit auf Erden klingt. Halleluja, Halleluja.

3. Jetzt grünet, was nur grünen kann, Halleluja, Halleluja, die Bäum zu blühen fangen an. Halleluja, Halleluja.

4. Es singen jetzt die Vögel all, Halleluja, Halleluja, jetzt singt und klingt die Nachtigall. Halleluja, Halleluja.

5. Der Sonnenschein jetzt kommt herein, Halleluja, Halleluja, und gibt der Welt ein‘ neuen Schein. Halleluja, Halleluja.

6. Die ganze Welt, Herr Jesu Christ, Halleluja, Halleluja, in deiner Urständ fröhlich ist. Halleluja, Halleluja.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“

„Seid begierig nach der vernünftigen lauteren Milch wie die neugeborenen Kindlein, damit ihr durch sie zunehmt zu eurem Heil.“

Diese Aufforderung aus 1. Petrus 2, 2 hat dem heutigen Sonntag Quasimodogeniti seinen Namen gegeben: Wie neugeborene Kinder ihre Milch brauchen, um heranzuwachsen und gesund zu bleiben, so sind Christen, die ihren Glauben stärken wollen, auf geistige Milch angewiesen, Nahrung für Geist und Seele, Worte, die gut tun, die aufbauen und trösten.

Kommt, lasst uns in kindlichem Vertrauen Gott anbeten: „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Jesus sagt einmal, wer nicht wie ein Kind wiedergeboren wird, der glaubt nicht wirklich an Gott, denn Glaube ist wie das starke Vertrauen eines Kindes auf seine guten Eltern. Das bedeutet nicht etwa, dass wir klein bleiben müssten wie die Kinder, wenn wir an Gott glauben wollen. Nein, wir sollen ja wachsen, auch im Glauben. Aber auch wenn wir als Menschen groß werden, sind wir nie so groß wie Gott. Und das ist gut so. Wir bleiben ja angewiesen auf seine Liebe, und er ist mit seiner Liebe für uns da. Und weil wir immer wieder schuldig werden, brauchen wir die Erlaubnis, neu anzufangen, als wären wir neugeboren. Gott, du vergibst uns, wenn wir zu dir rufen:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Wir hören Worte aus dem Psalm 91:

1 Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt,

2 der spricht zu dem HERRN: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.

4 Er wird dich mit seinen Fittichen decken, und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln.

9 Denn der HERR ist deine Zuversicht, der Höchste ist deine Zuflucht.

10 Es wird dir kein Übel begegnen, und keine Plage wird sich deinem Hause nahen.

11 Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen,

12 dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.

13 Über Löwen und Ottern wirst du gehen und junge Löwen und Drachen niedertreten.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.

Der Herr sei mit euch! „Und mit deinem Geist!“

Vater im Himmel, wir wollen auf dich vertrauen, wollen uns öffnen für deine Liebe.

Wir wünschen uns, dass deine Engel uns behüten, und dürfen damit rechnen, dass sie uns begleiten und manchmal auch Zeichen geben, dass wir nicht von deinem guten Weg abkommen.

Hilf uns, auf deinen Sohn Jesus Christus zu vertrauen, der von den Toten auferstanden ist. Erfülle uns mit einem Glauben, der uns hilft, unser Leben zu bewältigen und alle Herausforderungen zu meistern. Das erbitten wir von dir im Namen Jesu Christi, unseren Herrn. „Amen.“

Wir hören aus dem Evangelium nach Markus 16, 15-18:

Als Jesus seinen Jüngern als der Auferstandene erschien, sprach er zu ihnen:

15 Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur.

16 Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.

17 Die Zeichen aber, die folgen werden denen, die da glauben, sind diese: in meinem Namen werden sie böse Geister austreiben, in neuen Zungen reden,

18 Schlangen mit den Händen hochheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird’s ihnen nicht schaden; auf Kranke werden sie die Hände legen, so wird’s besser mit ihnen werden.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Wir singen aus dem Tauflied 206 die Strophen 1 und 4 und 5:

1. Liebster Jesu, wir sind hier, deinem Worte nachzuleben; dieses Kindlein kommt zu dir, weil du den Befehl gegeben, dass man sie zu dir hinführe, denn das Himmelreich ist ihre.

4. Hirte, nimm das Schäflein an; Haupt, mach es zu deinem Gliede; Himmelsweg, zeig ihm die Bahn; Friedefürst, sei du sein Friede; Weinstock, hilf, dass diese Rebe auch im Glauben dich umgebe.

5. Nun wir legen an dein Herz, was vom Herzen ist gegangen. Führ die Seufzer himmelwärts und erfülle das Verlangen; ja den Namen, den wir geben, schreib ins Lebensbuch zum Leben.

Liebe Tauffamilie, liebe Paten, liebe Gemeinde!

Wir taufen ein Kind, weil wir darauf vertrauen, dass jedes Kind zu Gott gehört und dass Gott auch zu diesem Kind Ja sagt. Dieses Kind kann selber noch nicht seinen Glauben an Gott in Worten ausdrücken; trotzdem hat Jesus uns Kinder wie den kleinen … als Vorbild im Glauben ans Herz gelegt: So wie kleine Kinder auf ihre Eltern angewiesen sind und bedingungslos auf sie vertrauen, so bleiben wir Menschen auf Gottes Liebe und Gnade angewiesen, auch wenn wir erwachsen sind. Nur wenn wir das beherzigen und unser Gottvertrauen in uns zur Entfaltung bringen, wachsen wir zu Menschen heran, die nicht einfach egoistisch nur für sich selber leben, sondern die ein Segen sind auch für andere Menschen – eben Gottes Kinder, so wie Gott uns gemeint hat, als er uns zum Ebenbild seiner Liebe erschaffen hat.

Für … haben Sie als Taufspruch einen Bibelvers ausgesucht, den wir vorhin schon gehört haben. Er steht im Psalm 91, 11:

Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.

Eltern mögen diesen Bibelvers, weil er ihren Wunsch aufnimmt, dass ihre Kinder auch jenseits ihrer eigenen begrenzten Kräfte und Möglichkeiten behütet sein mögen. In der Bibel bilden Engel das Heer des Himmels. Sie werden von Gott damit beauftragt, den Menschen Botschaften auszurichten, sie zu ermahnen und zu ermutigen, auf dem richtigen Weg zu bleiben. Aber ihre Aufgabe ist es auch, die Menschen auf ihren Wegen zu behüten. Das geschieht sicher nicht auf rein magische Weise, so dass uns rein gar nichts passieren kann. Gemeint ist vielmehr, dass wir darauf vertrauen können: bei allem, was uns geschieht, bleiben wir in der Obhut des liebevollen Gottes, wir fallen nie aus seiner Liebe heraus. Und darum sollten wir auch unsere Engel nicht überfordern, zum Beispiel nicht schneller fahren, als unser Schutzengel fliegen kann. Und wir sollten bedenken, dass auch die Engel, die Gott uns zur Seite stellt, manchmal Botschaften für uns haben, die uns helfen wollen, einen Weg nach dem Willen Gottes zu gehen.

Im Kindergarten habe ich kürzlich eine Reihe von Engelgeschichten erzählt. Da ging zum Beispiel um ein Kind, das immer Bengelchen genannt wurde, weil es allen Leuten im Dorf böse Streiche spielte. Einmal wollte dieses Bengelchen dem Müller seinen Mühlstein ins Wasser werfen, dabei fiel es aber selber in den Mühlbach und wäre fast ertrunken. Der Müller rettete ihm sein Leben, indem er hinter ihm her sprang und es aus dem Wasser zog.

Drei Tage war das Bengelchen bewusstlos, dann schlug es die Augen auf. Alle Leute freuten sich – und waren zugleich besorgt: Jetzt würden die bösen Streiche weitergehen! Aber es kam anders. Auf einmal half das Kind den Leuten, wo es konnte, half sogar dem Müller die schweren Mehlsäcke tragen. Was war geschehen? Als das Kind im Koma lag, hatte es von einem Engel geträumt, der ihm sagte: „Wenn der Müller dich nicht gerettet hätte, zu dem du so böse warst, dann wärest du ertrunken. Willst du wirklich so weiter machen wie bisher?“ Offenbar hatte das Kind eine gute Entscheidung getroffen. Und die Leute sagten: „Aus dem Bengelchen ist ein richtiges Engelchen geworden!“

Neben den unsichtbaren Engeln gibt es also auch Engel in Menschengestalt; Mama und Papa, die sich liebevoll und konsequent um die Sorge und Erziehung ihrer Kinder kümmern, können solche Engel sein, ebenso auch die Paten, die ein Stück Verantwortung für ihr Patenkind übernehmen.

Ein Teil der Verantwortung von Eltern und Paten besteht auch darin, ihre Kinder christlich zu erziehen. Am wichtigsten ist dabei, dass Kinder durch die Liebe ihrer Eltern auch erfahren, dass sie in einer von Gott geliebten Welt leben, in der das Leben sinnvoll ist. Später kann man den Kindern auch die Geschichten der Bibel nahebringen und mit ihnen über alle Fragen reden, die sie über Gott und die Welt stellen.

Jetzt sprechen wir das Apostolische Glaubensbekenntnis, um deutlich zu machen, dass wir … im Namen des dreieinigen Gottes taufen:

Glaubensbekenntnis und Taufe

Wir singen ein Engel-Lied, das ich bereits mit den Kindern im Kindergarten gesungen habe:

1. Manche Engel können wir überhaupt nicht sehen. Aber trotzdem sind sie hier, wollen mit uns gehen. Trösten, kämpfen, machen Mut, haben lieb und tun uns gut. So stehn Gottes Engel uns zur Seite.

2. Und auch manche Menschen sind wie ein lieber Engel. Vielleicht war ein Engelkind vorher noch ein Bengel. Engelmenschen helfen gern und vertrauen Gott, dem Herrn. Gott ist lieb zu uns durch liebe Menschen.

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde!

Nun kommen wir auf die Frage vom Anfang zurück: Wie kriegen wir einen „Power-Glauben“, der unser Leben und die Welt verändert?

Eine Antwort haben wir bereits gegeben: Es gibt Engel Gottes, sichtbare und unsichtbare, die uns dabei helfen, unseren Weg mit Gott zu gehen. Genauer will die diese Frage beantworten, indem ich den Text zur Predigt betrachte, den wir zum Teil schon gehört haben. Jetzt hören wir ihn nach und nach im Ganzen. Er steht in Markus 16, 9-20.

9 Als aber Jesus auferstanden war früh am ersten Tag der Woche, erschien er zuerst Maria von Magdala, von der er sieben böse Geister ausgetrieben hatte.

10 Und sie ging hin und verkündete es denen, die mit ihm gewesen waren und Leid trugen und weinten.

11 Und als diese hörten, dass er lebe und sei ihr erschienen, glaubten sie es nicht.

Maria von Magdala wurde die beste Freundin von Jesus, eine Jüngerin und Verkünderin der Frohen Botschaft von seiner Auferstehung. Nach allem, was wir von ihr wissen, war sie eine Power-Frau und hatte einen starken Glauben. Aus dem, was wir hier von ihr hören, können wir zwei Dinge über einen starken Glauben lernen. Erstens: Man muss nicht schon immer stark gewesen sein, um glauben zu können. Maria war in der Gewalt von sieben Dämonen gewesen, heißt es hier, das heißt, sie war in vielfältiger Weise belastet, krank, seelisch zerrissen gewesen, so dass niemand gedacht hätte, sie könne jemals ihr Leben in den Griff kriegen. Als Jesus ihr Vertrauen geweckt hat, konnte sie offenbar ihre inneren Kämpfe siegreich beenden und gesund werden. Zweitens: Es gelingt auch Menschen mit einem starken Glauben nicht immer, andere ebenfalls von ihrem Glauben zu überzeugen. Das muss auch Maria leidvoll erfahren.

12 Danach offenbarte er sich in anderer Gestalt zweien von ihnen unterwegs, als sie über Land gingen.

13 Und die gingen auch hin und verkündeten es den andern. Aber auch denen glaubten sie nicht.

14 Zuletzt, als die Elf zu Tisch saßen, offenbarte er sich ihnen und schalt ihren Unglauben und ihres Herzens Härte, dass sie nicht geglaubt hatten denen, die ihn gesehen hatten als Auferstandenen.

Ein Drittes erfahren wir über einen starken Glauben. Es kann sein, dass wir darüber jammern, dass unser Glaube schwach ist und wir unsere Zweifel nicht besiegen können. Und dabei übersehen und überhören wir die Signale, die Gott uns durch andere Menschen längst gesendet hat: Wenn einer erzählt, wie er davor bewahrt wurde am 6. Dezember 1944 im Luftschutzkeller seines Hauses umzukommen, weil er als Kind an diesem Abend lieber Nikolaus feiern wollte, als mit den Eltern noch ein paar Sachen aus dem Haus zu holen. Oder wenn wir ein neugeborenes Kind im Arm halten und über dieses Wunder staunen, das Gott uns anvertraut hat, damit wir ihm geben, was es braucht.

Jesus kann durchaus laut werden und schimpfen, dass seine engsten Vertrauten so wenig Zutrauen zu denen haben, die ihn zuerst als Auferstandenen sehen durften. Tatsächlich ist es so: Glaube ist ein Vertrauen, das uns geschenkt wird; aber es gibt eine Form des Unglaubens, mit der wir unser Herz so hart machen, dass dieses Geschenk des Vertrauens einfach nicht zu uns durchdringt. Auf diese Herzenshärte ist Jesus regelrecht sauer.

15 Und er sprach zu ihnen: Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur.

Doch obwohl Jesus sauer ist auf seine Jünger, sendet er sie in die Welt hinaus. Das ist ein vierter wichtiger Punkt für einen Glauben, der Kraft hat: Jesus traut ihnen etwas zu, obwohl sie bisher versagt haben. Sie sollen in aller Welt die Frohe Botschaft verkünden, dass das Leben über den Tod gesiegt hat. Und diese Botschaft gilt aller Kreatur, also der ganzen Schöpfung. Wo Menschen anfangen, auf Gott zu vertrauen, können die Menschen samt ihrer ganzen Umwelt aufatmen.

16 Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.

Ein fünfter Gesichtspunkt für einen Power-Glauben: Wer glaubt, wird selig. Wer die Härte seines Herzens loslässt und Gottes Liebe dringt in dieses Herz ein und verwandelt es, der wird selig, glücklich, sein Leben ist erfüllt, selbst wenn er nach menschlichen Maßstäben nicht erfolgreich ist. Die Taufe ist ein Zeichen: sie zeigt an, dass diese Verwandlung eines Menschen von außen kommt; so wie das Wasser uns abwäscht oder unseren Durst löscht, so ist es Gottes Vergebung, die uns rein macht, und Gottes Liebe, die unseren Lebenshunger stillt.

Wer sich dagegen der Liebe Gottes so sehr verschließt, dass keinerlei Barmherzigkeit in seinem Herzen Platz findet, keine Liebe in diesem Herzen Wurzeln schlagen kann, der scheint von Gott nicht erreicht werden zu können; diesen Zustand nennt die Bibel Verdammnis. Ob so das letzte Wort über irgendeinen Menschen aussehen kann, dass er auf ewig verdammt ist, das wage ich allerdings nicht zu behaupten.

17 Die Zeichen aber, die folgen werden denen, die da glauben, sind diese.

Nach der Randbemerkung über die Verdammnis derer, die dem Glauben gegenüber verschlossen bleiben, nennt Jesus fünf Zeichen, an denen man einen lebendigen, starken Glauben erkennt. Das erste Merkmal für einen Power-Glauben:

In meinem Namen werden sie böse Geister austreiben.

Das klingt, als ob jeder Christ ein Exorzist sein und Menschen mit merkwürdigen Ritualen von Besessenheit heilen müsste. Das ist hier nicht gemeint. Wenn Jesus böse Geister austrieb, dann betete er einfach für die Gesundheit eines Menschen oder er flößte ihm das Vertrauen ein, sich wieder etwas zuzutrauen, eine Angst, Traurigkeit oder Verzweiflung zu überwinden. Wir würden heute sagen, wer auf Gott vertraut, kann Menschen helfen, ihre seelischen Belastungen zu ertragen oder zu überwinden. Allgemeiner gesagt: Der Heilige Geist vertreibt die bösen Geister der Mutlosigkeit, der Lüge, der Resignation oder der Missgunst.

Zweitens werden sie…

in neuen Zungen reden.

Menschen mit Gottvertrauen können erfahren, dass sie aus sich herausgehen können, dass ihnen Worte eingegeben werden, durch die sie ausdrücken können, was sie bewegt und durch die sie weitersagen können, was ihnen selbst geholfen hat. An Pfingsten werden die Jüngerinnen und Jünger erfahren, dass sie Sprachbarrieren und andere Grenzen zwischen Menschen unterschiedlichster Herkunft überwinden können.

Drittens können sie…

18 Schlangen mit den Händen hochheben.

Das ist nun eigenartig. Wieso sollten wir Schlangen mit bloßen Händen hochheben wollen und eine solche Mutprobe auf uns nehmen? Ist das überhaupt als Mutprobe gemeint? Im Psalm 91 hatte es geheißen: „Über Löwen und Ottern wirst du gehen und junge Löwen und Drachen niedertreten.“ Vielleicht konnte man damals doch häufiger als heute in der Natur Schlangen und anderen gefährlichen Tieren begegnen; und da war es gut, wenn man die Schlange mutig an der richtigen Stelle packt, um sich vor ihr zu schützen. Oder das Heben oder Treten der Schlange bzw. des Drachen hatte einen bildlichen Sinn: Immerhin gelten beide als Symbol des Bösen. Wer glaubt, dem kann das Böse nichts anhaben. Die Schlange des Paradieses, die dem Menschen einflüstern will, Gott sei nicht gut und gönne den Menschen nichts, wird im Nacken gepackt und hat nichts mehr zu sagen. Und der Drache des Nichtseins, der die Menschen im Tod für immer verschlingt, kriegt einen Tritt, so dass er die Menschen in Ruhe lässt.

Viertens sagt Jesus über Menschen, die glauben:

Und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird’s ihnen nicht schaden.

Mit diesem Vers hatte ich die meiste Mühe. Wie kann Jesus uns einreden, wir könnten etwas Giftiges trinken, ohne dass uns etwas passiert? Dann habe ich in der Bibel mehrere Stellen gefunden, in denen davon die Rede ist, dass Wasser zu einer tödlichen Gefahr wird. Als der Pharao von Ägypten die Israeliten nicht freilassen will, verwandelt Gott das Wasser des Nils in Blut, so dass sie aus dem Fluss nicht trinken können (2. Buch Mose – Exodus 7, 17-24).

Später in der Wüste murren die Israeliten immer wieder gegen Mose und gegen Gott, weil sie kein Wasser finden oder nur bitteres Wasser, und Gott hilft ihnen, indem durch ein Stück Holz Wasser süß wird oder trinkbares Wasser aus einem Felsen entspringt (Exodus 15, 22-27, und 17, 1-7 sowie Numeri 20, 2-13).

Ob Menschen gutes Trinkwasser haben, diese Frage spielt also in der Bibel zwischen Gott und den Menschen eine wichtige Rolle. Will Jesus sagen, dass Gott Wege weiß, wie diejenigen, die auf ihn vertrauen, auch Durststrecken durchstehen können, ohne unterzugehen?

Außerdem gibt es zwei Stellen in der Bibel, wo Menschen wirklich etwas Tödliches zu trinken bekommen. Das eine Mal sind es die Israeliten, die das Goldene Kalb als selbstgemachten Gott anbeten. Mose lässt dieses Kalb (Exodus 32, 19-20)

„im Feuer zerschmelzen und zermalmte es zu Pulver und streute es aufs Wasser und gab’s den Israeliten zu trinken.“

So spüren sie die Folgen, wenn sie einen Gott des Egoismus oder des Profits anbeten, wenn sie sich selbst an die Stelle von Gott setzen.

Schließlich gibt es im Gesetz Israels das sogenannte Eifersuchtsgesetz (4. Buch Mose – Numeri 5, 11-31). Wenn ein Mann nicht sicher war, ob seine Frau ihm untreu geworden war, konnte der Priester im Tempel (Numeri 5, 17)

„heiliges Wasser nehmen in ein irdenes Gefäß und Staub vom Boden der Stiftshütte ins Wasser tun“

und es ihr zu trinken geben, indem er zu ihr sprach (Numeri 5, 19):

„Hat kein Mann bei dir gelegen und bist du deinem Mann nicht untreu geworden, dass du dich unrein gemacht hast, so soll dir dies bittere, fluchbringende Wasser nicht schaden.“

Ob Jesus an dieses alte Ritual denkt, an dieses Gottesurteil mit fluchbringendem Wasser, das die Unschuld oder Schuld einer der Untreue angeklagten Frau ans Licht bringen sollte? Wir sollten jedenfalls damit rechnen, dass sich die frühen Christen besser in ihrer Bibel, dem Alten Testament, auskannten als wir. Vielleicht will Jesus ihnen sagen, dass diejenigen, die auf Gott vertrauen, sich vor keiner ungerechten Anklage fürchten müssen, weil Gott weiß, wie es in ihrem Herzen aussieht.

Kommen wir zum fünften und letzten Zeichen für einen Power-Glauben, das Jesus hier erwähnt (Markus 16, 18):

Auf Kranke werden sie die Hände legen, so wird’s besser mit ihnen werden.

Kranke besuchen, ihnen zeigen, dass sie uns wichtig sind, sie berühren, sie segnen, das wirkt sich lindernd oder heilend auf eine Krankheit aus. Ein starker Glaube zeigt sich also besonders dort, wo wir für Menschen da sind, die uns brauchen, auch wenn wir meinen, wir könnten gar nicht viel für sie tun.

19 Nachdem der Herr Jesus mit ihnen geredet hatte, wurde er aufgehoben gen Himmel und setzte sich zur Rechten Gottes.

All das ist uns von dem Jesus gesagt, den Gott nach seiner Auferstehung zu sich in den Himmel holt. Dass Jesus neben Gott auf dem Thron sitzt, ist ein starkes Bild dafür, dass Jesus uns wirklich etwas zu sagen hat – in ihm zeigt sich die Liebe Gottes, die uns so verwandeln will, dass wir auch zum Gottvertrauen und zur Liebe fähig werden.

20 Sie aber zogen aus und predigten an allen Orten. Und der Herr wirkte mit ihnen und bekräftigte das Wort durch die mitfolgenden Zeichen.

Eine Predigt ist also mehr als bloße Worte. Ob auch meine Predigt mitfolgende Zeichen bewirkt? Barmherziger Gott, hilf uns allen, auf dich zu vertrauen und nach deinem Willen zu leben. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Wir singen das Lied auf dem anderen Liedblatt:

Behutsam will ich dir begegnen

Lasst uns beten.

Barmherziger Gott, wir bitten dich für die Kinder, die uns anvertraut sind, insbesondere für unser Taufkind … . Hilf uns, dass wir Kindern und Jugendlichen gerecht werden, dass wir sie fördern in ihren Stärken und mit ihren Gaben, dass wir ihnen aber auch gute Grenzen setzen, damit sie mit unserer Welt zurechtkommen und zur Liebe fähig werden.

Gerechter Gott, mach uns fähig zu einem starken Vertrauen, der sich in unserem Verhalten auswirkt. Lass uns Wege finden, die Güter der Erde besser unter allen Menschen zu teilen, lass uns Mut finden, Streit zu schlichten statt zu verstärken, lass uns Hoffnung gewinnen, indem wir gemeinsam auf dein Wort hören.

Lebendiger Gott, lass uns auf dich vertrauen, auch wenn wir Angst vor dem Tod haben oder nicht weiter wissen in seelischen Bedrängnissen. Du bist stärker als der Tod und alle bösen Mächte. Sei du unsere Kraft und Stärke, wenn wir selber uns schwach fühlen, wenn wir am Ende sind. Hilf uns, dass wir Durststrecken durchstehen und lass uns aushalten, was wir in unserem Leben nicht ändern können.

Was wir persönlich auf dem Herzen haben, vertrauen wir dir, Gott, in der Stille an.

Gebetsstille und Vater unser

Wir singen zum Schluss das Osterlied 99:

1. Christ ist erstanden von der Marter alle; des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrieleis.

2. Wär er nicht erstanden, so wär die Welt vergangen; seit dass er erstanden ist, so lobn wir den Vater Jesu Christ. Kyrieleis.

3. Halleluja, Halleluja, Halleluja! Des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrieleis.

Abkündigungen

Geht mit Gottes Segen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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