„Wir leben und sterben dem Herrn“

Was bleibt, wenn wir sterben? Nach dem Apostel Paulus leben wir nicht einfach für uns selber, wir müssen auch nicht einsam sterben. Nein, wir gehören im Leben und Sterben unserem Herrn Jesus Christus.

Dem Herrn leben und sterben: Eine Statue von Jesus, der ein Kreuz in der Hand über seine Brust hält, in einem romanischen Bogen hinter Sträuchern

Im Leben und im Sterben gehören wir dem Herrn Jesus Christus (Bild: pixabay.com)

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Wir halten heute die Trauerfeier aus Anlass des Todes von Herrn U., der im Alter von [über 80] Jahren gestorben ist.

Erinnerungen an das Leben des Verstorbenen

Lasst uns beten mit Psalm 90 (Vers 10 nach der Lutherbibel 1912):

1 Herr, du bist unsre Zuflucht für und für.

2 Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit.

3 Der du die Menschen lässest sterben und sprichst: Kommt wieder, Menschenkinder!

4 Denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache.

5 Du lässest sie dahinfahren wie einen Strom, sie sind wie ein Schlaf, wie ein Gras, das am Morgen noch sprosst,

6 das am Morgen blüht und sprosst und des Abends welkt und verdorrt.

10 Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn‘s hoch kommt, so sind‘s achtzig Jahre, und wenn‘s köstlich gewesen ist, so ist‘s Mühe und Arbeit gewesen; denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon.

12 Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.

Wir hören weitere Worte der Bibel aus dem Römerbrief des Paulus 14, 7-9:

7 Unser keiner lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber.

8 Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn.

9 Denn dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, dass er über Tote und Lebende Herr sei.

EG 530:

1) Wer weiß, wie nahe mir mein Ende! Hin geht die Zeit, her kommt der Tod; ach wie geschwinde und behende kann kommen meine Todesnot. Mein Gott, mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: mach‘s nur mit meinem Ende gut.

2) Es kann vor Nacht leicht anders werden, als es am frühen Morgen war; solang ich leb auf dieser Erden, leb ich in steter Todsgefahr. Mein Gott, mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: mach‘s nur mit meinem Ende gut.

4) Lass mich beizeit‘ mein Haus bestellen, dass ich bereit sei für und für und sage frisch in allen Fällen: Herr, wie du willst, so schick‘s mit mir! Mein Gott, mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: mach‘s nur mit meinem Ende gut.

Liebe Frau U., liebe Angehörige des Verstorbenen, liebe Trauergemeinde!

Sie nehmen heute Abschied von einem Menschen, der Ihnen nahegestanden ist. Herr U. ist tot, wir vertrauen ihn den Händen Gottes an, legen seinen Leib in Gottes Erde.

Alles, was jeden einzelnen von Ihnen mit Herrn U. verbunden hat, ist nun zu einer Erinnerung aus der Vergangenheit geworden. Die langen Jahre der ehelichen Gemeinschaft, die prägenden Einflüsse des Vaters auf die Kinder, die vielen Begegnungen mit dem nun Verstorbenen – wie vieles gibt es da, was man mit Dankbarkeit, manches auch mit Wehmut oder mit gemischten Gefühlen betrachtet.

Ich selber habe Herrn U. nicht gekannt, aber Ihnen allen steht er vor Augen, so wie er mit Ihnen gelebt hat: Als Ehemann war es ihm vergönnt, in geistiger Klarheit nach einer langen Ehe das Fest der Goldenen Hochzeit zu feiern. Als Landwirt ging er in seinem Beruf auf, als er den vom Vater übernommenen Hof nach dem Krieg entschlossen modernisierte. Als Ehrenmitglied gehörte er außerdem der Feuerwehr und dem Sportverein an; dennoch haben Sie ihn als einen Familienmenschen beschrieben, als eher ruhig und zurückhaltend. Sie wissen, wie er als Vater und als Großvater für Sie da war, zum Beispiel legte er seinen Kindern keine Steine in den Weg, auch als sie beruflich nicht in seine Fußstapfen treten mochten. Auf eine harmonische Nachbarschaft war Herr U. auch bedacht; ich selbst habe ja mitbekommen, wie selbstverständlich Hilfe bereitstand, als Sie, liebe Frau U., die Nachricht vom Tode Ihres Mannes erhielten.

Ein hohes Alter hat Herr U. erreicht, ein erfülltes Leben hat er gelebt, wie Sie mir gesagt haben. Er hatte seine Dinge geregelt, sozusagen sein Haus bestellt. Dennoch fällt es nicht leicht, diesen Menschen einfach so herzugeben. Er war trotz seines hohen Alters bis vor wenigen Jahren noch körperlich so fit gewesen, er ist bis zuletzt geistig auf der Höhe geblieben.

Was bleibt uns, wenn wir sterben? Da sind Erinnerungen, da ist Dankbarkeit, da ist Wehmut, da ist vor allem Traurigkeit. Und welche Hoffnung bleibt, welcher Trost bleibt?

Wir sagen: der Tod gehört zum Leben, wir alle müssen einmal sterben. Aber wenn ein ganz bestimmter Mensch stirbt, dem wir nahegestanden sind, der uns fehlen wird, den wir vermissen werden, dann möchten wir das gar nicht akzeptieren, dann gerät auch vieles in unserem eigenen Leben ins Wanken, und wir müssen Schritt für Schritt einen sehr schmerzhaften Weg gehen, den Weg des Abschieds, den Weg des Trauerns, den Weg eines Aufs und Abs der Gefühle, die immer wieder durch Gegenstände und Situationen hervorgerufen werden, die uns an Altes erinnern.

Hilfreich kann es auf diesem Weg der Trauer sein, wenn wir uns vor Augen halten: Diesen Weg müssen wir nicht allein gehen, und: Auch der Verstorbene ist nicht einen Weg ins total Ungewisse hinein gegangen.

Ich erinnere darum noch einmal an die Worte des Paulus aus seinem Brief an die Römer 14, 7-9, die wir bereits gehört haben:

7 Unser keiner lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber.

8 Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn.

9 Denn dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, dass er über Tote und Lebende Herr sei.

Da macht Paulus deutlich: Niemand lebt nur für sich allein, und niemand stirbt nur für sich allein. Dass Menschen aufeinander angewiesen sind, so lange sie leben, das ist uns noch einigermaßen selbstverständlich, auch wenn wir uns nicht immer dementsprechend verhalten, aber Paulus ist der Überzeugung, dass wir auch im Tode letzten Endes nicht allein sind: Genau so, wie „keiner sich selber lebt“, genau so „stirbt auch keiner sich selber“.

Das steht im Gegensatz zu dem Glauben vieler Menschen, die denken, dass mit dem Tode alles aus ist und dass der Tod zu den Dingen gehört, die man wirklich mit niemandem teilen kann.

Paulus denkt anders, weil er auf einen Gott vertraut, der Mensch geworden ist, der in Jesus gelebt hat wie wir und der in Jesus auch gestorben ist wie wir. Einen gibt es, der ist uns nicht nur im Leben nahe, der verlässt uns auch nicht, wenn wir sterben. Und mehr noch: er lässt in uns die Zuversicht wachsen, dass wir auch nach unserem Tod nicht verloren gehen, sondern dass da noch mehr ist, Leben über diese für uns wahrnehmbare Welt hinaus, ewige Erfüllung, in der alles das aufgehoben bleibt und zur Vollkommenheit gelangt, was hier schon an Wertvollem beginnt: Vertrauen, Hoffnung, Liebe.

Die meisten unter uns sind es nicht gewohnt, über unsere Gefühle zu reden, erst recht nicht über unsere religiösen Empfindungen und Einstellungen.

Doch wo sonst, wenn nicht hier in der Kirche, ist ein Ort, wo wir auch einmal darüber nachdenken können, was mit uns geschieht, wenn wir von dieser Erde abberufen werden, und wem gegenüber wir verantwortlich sind für das Leben, das wir ja nur für eine gewisse Zeit geschenkt bekommen.

Von Paulus dürfen wir lernen: Es ist ein menschenfreundlicher Gott, der in Jesus Fleisch und Blut angenommen hat. Und der will unser Begleiter sein auf allen unseren Wegen, auch auf dem schweren Weg der Traurigkeit und des Abschieds.

Wenn wir ganz genau hinschauen, ist er sogar noch mehr als ein Begleiter, er ist, wie Paulus mit einem unmodern gewordenen Wort sagt, unser „Herr“. Wenn Gott der ist, in dem das Weltall samt der ganzen Evolution seinen Ursprung hat, dann bezeichnet dieses Wort präzise, wie unsere Beziehung zu ihm in der Tat aussieht: Wir sind schlechthin abhängig von ihm, ohne ihn wären wir gar nicht da.

Zugleich aber steckt in diesem Wort „Herr“ etwas Wunderbares: Dass die höchste Macht, die größer ist als das Weltall, ein Interesse an uns kleinen Menschen hat. Dass jeder einzelne von uns eine Bedeutung im großen Universum hat. Dass – mit einem einfacheren Wort – Gott jeden einzelnen von uns lieb hat. Gott ist nicht nur einfach groß, er ist unbegreiflich groß gerade darin, dass er Mensch wurde, dass er ein Menschenschicksal durchlebte und erlitt. Er starb und überwand den Tod aufgrund seiner unendlichen Liebe und ließ so unter uns die Hoffnung wachsen, dass jeder von uns auferstehen darf, dass es ewiges Leben gibt jenseits des uns bekannten und für uns sichtbaren Universums.

„Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn“ – das sind darum Worte des Paulus, die immer wieder an Gräbern von Menschen ausgesprochen werden, um Zuversicht auszudrücken.

Der Gott, der uns geschaffen hat, dessen Eigentum wir sind, der in Liebe auf uns Menschen zukam, der will uns Hoffnung geben über den Tod hinaus. Das gilt auch für Herrn U., der in hohem Alter abgerufen wurde. Und uns andere will Gott begleiten auf dem Lebensweg, der noch hier auf der Erde vor uns liegt.

Er stiftet uns dazu an, ebenso liebevoll miteinander umzugehen, wie Jesus es uns vorgelebt hat, ebenso barmherzig mit uns selbst und mit anderen zu sein, wie Gott es mit uns ist.

Gott ist uns nahe, wenn wir traurig sind und wenn wir Dankbarkeit empfinden, wenn wir zornig sind und wenn wir uns freuen, wenn wir allein sind und wenn wir einander beistehen, wenn wir jemandem unser Herz ausschütten und wenn wir einfach einander nahe sind und uns schweigend verstehen. Amen.

EG 361:

1. Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt. Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann,

3. Dein ewge Treu und Gnade, o Vater, weiß und sieht, was gut sei oder schade dem sterblichen Geblüt; und was du dann erlesen, das treibst du, starker Held, und bringst zum Stand und Wesen, was deinem Rat gefällt.

12. Mach End, o Herr, mach Ende mit aller unsrer Not; stärk unsre Füß und Hände und lass bis in den Tod uns allzeit deiner Pflege und Treu empfohlen sein, so gehen unsre Wege gewiss zum Himmel ein.

Gebet
EG 533, 1-3: Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand

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