Zorn als Form der Liebe

Wir sehen am Kreuz, wie ernst Gott es mit seinem Zorn auf die Sünde ist. Würde er seinem Zorn freien Lauf lassen, dann würde er uns vernichten. Ein Zorn, der nicht mehr kontrolliert wäre durch Liebe, würde uns alle in Schrecken versetzen. Aber Gott zerstörte sich selbst, er litt und starb selbst in unserer Welt, damit wir alle leben können.

Ein vergoldeter Leichnam Christi an einem schwarzen Kreuz

Der sterbende Christus am Kreuz (Bild: pixabay.com)

direkt-predigtGottesdienst am Karfreitag, 13. April 1979, um 10.30 Uhr in Reichelsheim und um 13.00 Uhr in Dorn-Assenheim (mit Abendmahl)
Orgelvorspiel
Lied EKG 71, 1-5 (EG 1-4+6):

1. Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken, mich in das Meer der Liebe zu versenken, die dich bewog, von aller Schuld des Bösen uns zu erlösen.

2. Vereint mit Gott, ein Mensch gleich uns auf Erden und bis zum Tod am Kreuz gehorsam werden, an unsrer Statt gemartert und zerschlagen, die Sünde tragen:

3. welch wundervoll hochheiliges Geschäfte! Sinn ich ihm nach, so zagen meine Kräfte, mein Herz erbebt; ich seh und ich empfinde den Fluch der Sünde.

4. Gott ist gerecht, ein Rächer alles Bösen; Gott ist die Lieb und lässt die Welt erlösen. Dies kann mein Geist mit Schrecken und Entzücken am Kreuz erblicken.

5. Es schlägt den Stolz und mein Verdienst darnieder, es stürzt mich tief, und es erhebt mich wieder, lehrt mich mein Glück, macht mich aus Gottes Feinde zu Gottes Freunde.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. (Jesaja 53, 4-5)

Wir beten.

Herr Jesus Christus. Wir staunen über deine grenzenlose Liebe zu uns: Du nimmst uns ab, was uns Sorgen macht. Da trägst, was uns bedrückt. Du erbarmst dich der Frommen und der Unfrommen, der Gläubigen und derer, sie sich für gottlos halten, der Gerechten und der Ausgestoßenen, der Verzagten und der Selbstsicheren. Wie arm ist dagegen unsere Liebe. Wir machen Unterschiede und richten Grenzen auf. Wir sind gefangen von unserer Eigensucht. Die Menschen neben uns kümmern uns wenig, und über die Leiden anderer gehen wir hinweg, wenn sie uns nicht betreffen. Herr, gib uns nicht auf. Verwandle unser Leben. Räume weg, was uns von dir und unserem Nächsten trennt! Herr, erbarme dich!

Gottes Erbarmen ist größer als unser Versagen und unsere Schuld. Er kommt uns mit seiner Liebe zuvor. Denns also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das, ewige Leben haben. Amen.

Schriftlesung: Johannes 19, 16-30

16 Da überantwortete er ihnen Jesus, dass er gekreuzigt würde.

17 und er trug sein Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf hebräisch Golgatha.

18 Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte.

19 Pilatus aber schrieb eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus von Nazareth, der König der Juden.

20 Diese Aufschrift lasen viele Juden, denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt. Und es war geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache.

21 Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreib nicht: Der König der Juden, sondern, dass er gesagt hat: Ich bin der König der Juden.

22 Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.

23 Als aber die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Soldaten einen Teil, dazu auch das Gewand. Das war aber ungenäht, von oben an gewebt in einem Stück.

24 Da sprachen sie untereinander: Lasst uns das nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es gehören soll. So sollte die Schrift erfüllt werden, die sagt: »Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und haben über mein Gewand das Los geworfen.« Das taten die Soldaten.

25 Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala.

26 Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn!

27 Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

28 Danach, als Jesus wußte, daß schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet.

29 Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und steckten ihn auf ein Ysoprohr und hielten es ihm an den Mund.

30 Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! und neigte das Haupt und verschied.

Lied EKG 54,1-2 (EG 76):

1. O Mensch, bewein dein Sünde groß, darum Christus seins Vaters Schoß äußert und kam auf Erden; von einer Jungfrau rein und zart für uns er hier geboren ward, er wollt der Mittler werden. Den Toten er das Leben gab und tat dabei all Krankheit ab, bis sich die Zeit herdrange, dass er für uns geopfert würd, trüg unsrer Sünden schwere Bürd wohl an dem Kreuze lange.

2. So lasst uns nun ihm dankbar sein, dass er für uns litt solche Pein, nach seinem Willen leben. Auch lasst uns sein der Sünde feind, weil uns Gotts Wort so helle scheint, Tag, Nacht danach tun streben, die Lieb erzeigen jedermann, die Christus hat an uns getan mit seinem Leiden, Sterben. O Menschenkind, betracht das recht, wie Gottes Zorn die Sünde schlägt, tu dich davor bewahren!

Gottes Gnade und Friede sei mit uns allen. Amen.

Als Predigttext wähle ich einen Vers aus dem Prophetenbuch Hosea 11, 9 (GNB). Gott spricht:

„Ich will meinem Zorn nicht freien Lauf lassen.“

Herr, begegne uns in deinem Wort, in dem, was wir von dir hören, und hilf uns, dir nachzufolgen. Amen.

Liebe Gemeinde!

Ursprünglich wollte ich über den Zusammenhang des eben zitierten Verses in dieser Predigt eine Menge sagen, wie das Volk Israel Gottes Zorn in seiner Geschichte erfuhr und wie es dann auch wieder erlebte, dass Gott trotz der Verfehlungen des Volkes, trotz allen Unrechts, das es beging, treu zu seinen Versprechen hielt, die er dem Volk gegeben hatte. Da ging es um Kriege, die vom Zaun gebrochen wurden, um den Abfall von Gott und um gesellschaftliche Ungerechtigkeit. Doch all diese Gedanken haben ausführlich in der Predigt nicht Platz und in knapper Form wären sie nicht verständlich. So nehme ich den Vers einfach so, wie er da steht, zum Anlass, über den Zorn Gottes nachzudenken.

Eine Karfreitagspredigt über den Zorn Gottes.

Zorn ist ein Gefühl, das wir im Alltag kaum wahrnehmen. Wenn uns etwas gegen den Strich geht, dann ärgern wir uns. Wenn einer es zu bunt treibt, dann werden wir wütend. Höflichkeit oder Angst vor den Folgen bewahrt uns meist vor einem Wutausbruch, den wir nicht kontrollieren könnten – wir stauen die kalte Wut lieber in uns an, reagieren sie vielleicht unbewusst an Schwächeren oder im Straßenverkehr ab, wir sind gereizt, schlecht gelaunt. Aber sind wir jemals zornig?

Zorn kann, so meine ich, eine Form der Liebe sein. Das stärkste Gefühl, das mich bewegt, wenn ich am Glück eines anderen interessiert bin, aber nicht gutheiße, was dieser andere tut. Zorn stellt zur Rede, kritisiert hart, lässt nicht locker, will die gestörte Beziehung zum geliebten Menschen wieder herstellen, gibt sich nicht mit oberflächlich gekitteten Brüchen zufrieden. Wäre Zorn keine Form der Liebe, wandelt er sich zum Hass, zur Feindschaft: einen, der mich tief enttäuscht, kann ich nicht mehr lieben, den muss ich bekämpfen, ausschalten, ich muss ihm übel mitspielen, mich rächen. Aber viel öfter verzichten wir ganz auf den Zorn und wählen den Weg der Gleichgültigkeit: wir halten ein gestörtes Verhältnis zu einem anderen oberflächlich aufrecht und scheuen uns vor einer Aussprache; wir gehen einander aus dem Weg – es gibt ja noch so viele andere Menschen. Zorn ist nicht verbittert oder gleichgültig, sondern ein Versuch, die Beziehung wieder herzustellen, dem Konflikt nicht auszuweichen, sondern ihn auszutragen. Prallt der Zorn zweier Menschen aufeinander, kommt es vielleicht zu einem fruchtbaren Streit, der damit endet, dass man sich wieder die Hand reicht. Im Zorn bin ich an der Person des anderen interessiert.

Ich hörte von einem Vater, der seinem kleinen Sohn alles genau erklärt, was und warum er etwas nicht tun sollt. Er zeigt großes Verständnis, wenn das Kind nicht gehorcht; sie sprechen in der Familie darüber und versuchen, wieder ins Reine zu kommen. Trotzdem kommt es vor, dass der Vater verzweifelt erzählt, dass der kleine Junge einfach nicht kapieren will, dass der Papa abends Ruhe braucht, um für seine Prüfungen zu lernen – so oft schon hat er es ihm erklärt, aber immer wieder kommt der Kleine aus dem Bett und macht Radau mit seiner Trommel oder mit Geschrei. Oder es kommt vor, dass das Kind dem Vater einfach so vors Schienbein tritt. Muss es sich abreagieren? Muss der Vater dem Kind auch so etwas verständnisvoll gestatten?

Dieser Vater scheint manchmal zu vergessen, dass er selber auch Gefühle und Nerven hat. Oder tat es ihm nicht weh, als der Sohn ihn absichtlich trat? Fühlte er sich nicht gestört, als der Sohn abends keine Ruhe gab? Aber er ließ keinen Zorn in sich zu, oder wenigstens zeigte er ihn nicht dem Kind. Er fraß lieber Verzweiflung in sich hinein. Gerade deshalb merkte das Kind vielleicht nicht, dass der Vater an ihm interessiert war. Es verwechselte vielleicht des Vaters Verständnis mit Gleichgültigkeit und dachte, es sei dem Vater egal, was es tue. Zorn kann gegenüber dem Versuch, alles zu verstehen und zu entschuldigen, eine tiefere Form der Liebe sein.

Nun sind wir als Menschen, die nicht vollkommen lieben, auch nicht fähig zu vollkommenem Zorn. Wir können kein vollkommen gerechtes Urteil fällen, denn wir müssten uns immer selbst mit verurteilen. „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein“, das ist der Maßstab Jesu. Diesem Maßstab wird nur Gott selbst und Jesus gerecht.

Gott ist fähig zum Zorn. Keiner ist so wie er an jedem einzelnen von uns interessiert. Keiner hat daher so viel Grund wie er, zornig auf uns zu sein. Dass wir so wenig aus den Fähigkeiten machen, die er uns gegeben hat, damit wir sie in den Dienst der anderen stellen. Dass wir aus Angst vor der Meinung der Leute viele Dinge nicht wagen, die auffallen könnten. Wir werden vielleicht gebraucht, ein paar hundert Meter weiter im Ort – aber die Mauern, die wir und andere zwischen uns aufgerichtet haben, sind zu hoch. Menschen in fernen Ländern sind uns durchs Fernsehen nahe gerückt, aber nur oberflächlich: viele von ihnen leiden durch die Mitschuld der reichen Länder, in denen wir leben – aber wir halten das nicht für unser Problem. Gott hat Grund, zornig zu sein auf unsere Sünde. Unsere Hauptsünde ist vielleicht die Abstumpfung gegenüber den Leiden, von denen wir täglich erfahren, die uns aber kaum noch anrühren und schon gar nicht zu Taten bewegen, Damit hängt zusammen die Sünde der Absonderung der Menschen voneinander, die nun selbst in den kleinsten Ort vorgedrungen ist. Man erzählte mir, dass sich früher wenigstens in einem Dorf alle gekannt hätten. Neuzugezogene hätte man angesprochen, auf der Straße, im Kaufladen oder im Wirtshaus, und sie hätten bald dazugehört. Heute ist das anders. Zwischen Ortskern und Neubaugebiet entstehen unsichtbare Mauern, auch zwischen den einzelnen Häusern und Familien wächst die Vereinzelung. Teils erleiden wir diese Veränderungen, teils tragen wir auch dazu bei – denn wir haben Angst vor der Begegnung mit den anderen, vor zusätzlichen Problemen, vor der Veränderung unserer gewohnten Lebensformen. Diese Absonderung ist Sünde, weil ohne unsere Brüder und Schwestern, die neben uns wohnen, unsere Menschlichkeit verkümmert: vielleicht braucht uns ein Nächster, den wir nicht einmal kennen, vielleicht könnten wir im Gespräch miteinander wachsen und ungeahnte Möglichkeiten entfalten, vielleicht liegen Aufgaben, die Gott uns zutraut, ganz nahe, nur allein können wir sie nicht finden oder gar in Angriff nehmen.

Aber verdienen wir für das alles Zorn? Wir sind nicht gewohnt, uns solche Fragen zu stellen. Müssen wir denn das Gebot der Nächstenliebe so radikal verstehen, wie es kaum ein anderer tut? Wir wissen schon, wenn wir darüber ganz ruhig nachdenken, dass wir keine Ausflüchte machen können. Gott ist zornig auf uns und er hat allen Grund dazu.

Doch wo spüren wir seinen Zorn?

Das Lied, das wir vor der Predigt gesungen haben, enthält einen Hinweist: „O Menschenkind, betracht das recht, wie Gottes Zorn die Sünde schlägt“. Das Kreuz, an dem Jesus hängt, sollen wir betrachten. Dort sehen wir einen, der Gottes Zorn spürt, nämlich Gottes Sohn selbst. Am Kreuz, wo Jesus hängt, würden wir verdienen zu hängen, jeder von uns viel eher als er. Doch wir brauchen Gottes Zorn nicht auszuhalten, weil er selbst ihn stellvertretend auf sich geladen hat.

Wir sehen am Kreuz, wie ernst Gott es mit seinem Zorn auf die Sünde ist, wie schwer sie vor Gott wiegt, wieviel er es sich kosten lässt, die Absonderung voneinander zu besiegen und die Liebe füreinander zum Zuge kommen zu lassen. Und wir sehen am Kreuz auch, dass Gott seine Entscheidung der Liebe zu uns nicht zurücknimmt. Würde er seinem Zorn freien Lauf lassen, dann würde er uns vernichten, so wie Jesus scheinbar vernichtet wurde. Ein Zorn, der nicht mehr kontrolliert wäre durch Liebe, würde uns alle in Schrecken versetzen. Aber Gott lässt seinem Zorn nicht freien Lauf. Er zerstörte sich selbst, er litt und starb selbst in unserer Welt, damit wir alle leben können. Die Strafe für unsere Sünde trägt er selbst. Wir sollen daran sehen, wie zerstörerisch und wie ernst Sünde zu nehmen ist. „Tu dich davor bewahren“. Wie sieht das aus? Das zu beschreiben, reicht eine Predigt nicht aus. Mit dieser Predigt habe ich mich im übrigen reichlich schwer getan und mir wollte wenig dazu einfallen, wie wir in unserer Gemeinde uns vor Sünde bewahren können – als eine gemeinsame Anstrengung. Wir sollten ins Gespräch kommen, um zu verwirklichen, wozu wir berufen sind. „So lasst uns Jesus dankbar sein, dass er für uns litt solche Pein, nach seinem Willen leben. Auch lasst uns sein der Sünde feind, weil uns Gotts Wort so helle scheint, Tag, Nacht darnach tun streben, die Lieb erzeigen jedermann, die Christus hat an uns getan mit seinem Leiden, Sterben. O Menschenkind, betracht das recht, wie Gottes Zorn die Sünde schlägt, tu dich davor bewahren!“ Amen.

Lied EKG 61, 1-4 (82):

1. Wenn meine Sünd’ mich kränken, o mein Herr Jesu Christ, so lass mich wohl bedenken, wie du gestorben bist und alle meine Schuldenlast am Stamm des heilgen Kreuzes auf dich genommen hast.

2. O Wunder ohne Maßen, wenn man’s betrachtet recht: es hat sich martern lassen der Herr für seinen Knecht; es hat sich selbst der wahre Gott für mich verlornen Menschen gegeben in den Tod.

3. Was kann mir denn nun schaden der Sünden große Zahl? Ich bin bei Gott in Gnaden, die Schuld ist allzumal bezahlt durch Christi teures Blut, dass ich nicht mehr darf fürchten der Hölle Qual und Glut.

4. Drum sag ich dir von Herzen jetzt und mein Leben lang für deine Pein und Schmerzen, o Jesu, Lob und Dank, für deine Not und Angstgeschrei, für dein unschuldig Sterben, für deine Lieb und Treu.

Herr, unser Gott, deine Macht ist die Macht deiner Liebe zu uns Menschen. Wir alle wollen hoch hinaus, doch du beugst dich zu uns herab und gehst den Weg der Niedrigkeit, den Weg des Opfers und des Leidens. Du trägst unsere Schuld, für die wir Zorn verdienen, damit wir aufatmen und als freie Menschen leben können. Herr, wir sehen dein Kreuz und erkennen die Not und Zerrissenheit dieser Welt. Lass uns nicht abseits stehen, wo unsere Hilfe nötig ist. Du rufst uns in deine Nachfolge. Du willst, dass wir dir nachgehen auf deinem Weg nach unten, auf deinem Weg zu den Armen und Schwachen, zu den Menschen, die auf den Wegen der Macht und des Erfolges übersehen werden. Hilf uns doch, dass wir bereit werden, deinen Spuren zu folgen. Herr, deine Barmherzigkeit stellt alle unsere Maßstäbe auf den Kopf. Du reißt alle Zäune ein, die wir immer wieder zwischen uns aufrichten. Deine Gnade ist das einzige, worauf wir uns vor dir berufen können. Darum bitten wir dich: Bewahre uns vor dem Hochmut des Gerechten. Lass uns nicht herabsehen auf andere. Nimm uns alle Selbstzufriedenheit, die den anderen aus den Augen verliert. Lass uns barmherzig miteinander umgehen, auch mit den Menschen, die uns Mühe machen und unbequem sind, und lass uns dabei ruhig zuerst an die denken, mit denen wir es täglich zu tun haben. Hilf, dass wir weniger übereinander zu Gericht sitzen, sondern uns gemeinsam an dir und aneinander freuen. Herr, in diesem Geist lass uns nun miteinander das Abendmahl feiern. Du bist unter uns und stiftest Gemeinschaft zwischen uns. Du hast stellvertretend für uns den Zorn getragen, den wir verdient haben. Schenke uns die Erfahrung, dass damit die Sünde in uns und um uns ihre Macht verloren hat und dass wir frei sind für den Dienst und die Freude aneinander und miteinander.

Einsetzungsworte
Lied 136: Christe, du Lamm Gottes
Austeilung

Herr, unser Gott, wir danken dir für die Gemeinschaft, die du uns schenkst, indem wir an dein letztes Mahl mit den Jüngern denken und Brot und Wein miteinander essen und trinken. Wir bitten dich, zeige uns Wege, wie unter uns Gemeinschaft wachsen kann. Wir bitten dich, lass uns nicht Zuschauer bleiben an deinem Leidensweg. Hilf, dass wir es wagen, auf den Weg deiner Liebe und Barmherzigkeit zu treten, auf dem du mit uns gehst. Amen.

Vaterunser
Lied EKG 61, 7-8 (EG 82):

7. Lass mich an andern üben, was du an mir getan; und meinen Nächsten lieben, gern dienen jedermann ohn Eigennutz und Heuchelschein und, wie du mir erwiesen, aus reiner Lieb allein.

8. Lass endlich deine Wunden mich trösten kräftiglich in meiner letzten Stunden und des versichern mich: weil ich auf dein Verdienst nur trau, du werdest mich annehmen, dass ich dich ewig schau.

Der Herr segne uns und behüte uns. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.

Orgelnachspiel

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