Ströme lebendigen Wassers

Wer nüchtern eingestellt ist, sagt vielleicht: „Eine so persönliche Liebe zu Jesus empfinde ich nicht. Kann ich trotzdem ein guter Christ sein?“ Ich sage Ja! Jesus gibt uns sozusagen die Liebe selbst zu trinken. Liebe ist keine Illusion, Liebe ist nicht unerreichbar, Liebe ist ein immerwährend fließendes lebendiges Wasser, das von Gott her zu uns Menschen fließt.

Viele kleine Wasserfälle bringen Ströme lebendigen Wassers in ein kleines Gewässer

Mit Strömen lebendigen Wassers vergleicht Jesus die Liebe Gottes (Bild: pixabay.com)

#predigtAbendmahlsgottesdienst zur Goldenen Konfirmation am Sonntag Exaudi, 5. Juni 2011, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen
Musik und Einzug der Goldenen Konfirmandinnen und Konfirmanden

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Ich begrüße alle herzlich zur dritten Goldenen Konfirmation, die in unserer evangelischen Pauluskirche Gießen stattfindet!

An zwei Sonntagen im Jahr 1961 sind 34 Mädchen und 25 Jungen von Herrn Pfarrer Konopka eingesegnet worden. Von diesen insgesamt 59 Konfirmierten haben sich zur Feier der Goldenen Konfirmation 17 Personen angemeldet, und wir heißen Sie alle herzlich willkommen!

Lied 140:

1. Brunn alles Heils, dich ehren wir und öffnen unsern Mund vor dir; aus deiner Gottheit Heiligtum dein hoher Segen auf uns komm.

2. Der Herr, der Schöpfer, bei uns bleib, er segne uns nach Seel und Leib, und uns behüte seine Macht vor allem Übel Tag und Nacht.

3. Der Herr, der Heiland, unser Licht, uns leuchten lass sein Angesicht, dass wir ihn schaun und glauben frei, dass er uns ewig gnädig sei.

4. Der Herr, der Tröster, ob uns schweb, sein Antlitz über uns erheb, dass uns sein Bild werd eingedrückt, und geb uns Frieden unverrückt.

5. Gott Vater, Sohn und Heilger Geist, o Segensbrunn, der ewig fließt: durchfließ Herz, Sinn und Wandel wohl, mach uns deins Lobs und Segens voll!

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Wir beten mit Worten aus dem Psalm 63. Sie stehen im Gesangbuch unter der Nummer 729. Lesen Sie bitte die linksbündigen Verse, ich lese die Teile, die nach rechts eingerückt sind: Ich will Gott loben mein Leben lang.

2 Gott, du bist mein Gott, den ich suche. Es dürstet meine Seele nach dir, mein ganzer Mensch verlangt nach dir aus trockenem, dürrem Land, wo kein Wasser ist.

3 So schaue ich aus nach dir in deinem Heiligtum, wollte gerne sehen deine Macht und Herrlichkeit.

4 Denn deine Güte ist besser als Leben; meine Lippen preisen dich.

5 So will ich dich loben mein Leben lang und meine Hände in deinem Namen aufheben.

6 Das ist meines Herzens Freude und Wonne, wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben kann;

7 wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich, wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach.

8 Denn du bist mein Helfer, und unter dem Schatten deiner Flügel frohlocke ich.

9 Meine Seele hängt an dir; deine rechte Hand hält mich.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Tun wir das wirklich, was wir im Psalm gebetet haben? Loben wir Gott unser Leben lang? Führen wir unser Leben in Gottvertrauen und Dankbarkeit, so dass wir anderen zum Segen werden? Wir bitten dich, Gott, um Einsicht und Klarheit über unser Leben und rufen zu dir:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Gott behütet uns und führt uns manchmal auch durch schwere Zeiten. Gott stellt uns auf manche Probe und will doch, dass unser Leben gelingt und heil wird. Gott begleitet uns auf allen Wegen und schenkt uns sein Licht, seinen Trost, seinen Frieden, seinen Segen.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist gross Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Danke, Gott, dass wir uns unter dem Schatten deiner Flügel geborgen fühlen dürfen wie ein kleines Kind, dass wir keck in die Welt blicken können und unseren Lebensdurst und unseren Hunger nach Liebe nicht aufgeben müssen. Bitte zeige uns, wo wir das „Wasser des Lebens“ finden – durch Jesus Christus, unseren Herrn. „Amen.“

Wir hören den Predigttext aus dem Evangelium nach Johannes 7, 37-39. Vorher wurde erzählt, dass Jesus das Laubhüttenfest in Jerusalem mitgefeiert hatte:

37 Am letzten Tag des Festes, der der höchste war, trat Jesus auf und rief: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!

38 Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.

39 Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verherrlicht.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Wenn wir jetzt das nächste Lied singen, habe ich das Glaubensbekenntnis nicht etwa vergessen; wir werden es gemeinsam mit den Goldenen Konfirmanden später im Gottesdienst sprechen. Jetzt singen wir vor der Predigt das Lied 617: „Ich bete an die Macht der Liebe“.

1. Ich bete an die Macht der Liebe, die sich in Jesus offenbart, ich geb mich hin dem freien Triebe, wodurch auch ich geliebet ward; ich will, anstatt an mich zu denken, ins Meer der Liebe mich versenken.

2. Ehr sei dem hohen Jesusnamen, in dem der Liebe Quell entspringt, von dem hier alle Bächlein kamen, aus dem der Selgen Schar dort trinkt! Wie beugen sie sich ohne Ende! Wie falten sie die frohen Hände!

3. O Jesu, dass dein Name bliebe im Grunde tief gedrücket ein! Möcht deine süße Jesusliebe in Herz und Sinn gepräget sein! Im Wort, im Werk und allem Wesen sei Jesus und sonst nichts zu lesen!

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, vor allem liebe Goldene Konfirmandinnen und Konfirmanden!

Eine besonders große Gruppe waren Sie damals, als Sie im Jahr 1961 konfirmiert wurden, so viele, dass die Konfirmation erstmalig an zwei Sonntagen gefeiert wurde. Damals waren viele junge Familien auf den Rodtberg gezogen, der Stadtteil war noch ganz frisch und neu und sah ganz anders aus als heute. Heute ist die Paulusgemeinde kleiner geworden, und für den neuen Konfirmandenjahrgang, der morgen beginnt, haben sich nur neun oder zehn Mädchen und Jungen angemeldet. Aber egal ob der Jahrgang extrem stark oder extrem schwach ist – auf die Zahl kommt es nicht an, sondern auf das, was die Heranwachsenden im Unterricht erleben und fürs Leben lernen und mitnehmen. Im Konfirmandenunterricht steht ja jeder Pfarrer immer wieder vor der Herausforderung, jungen Menschen einen Zugang zum Glauben und zur Kirche zu eröffnen oder wenigstens nicht zu verbauen, und das ist gerade in diesem Alter gewiss nicht einfach.

Dass Sie heute hierher gekommen sind, spricht dafür, dass bei Ihrer Konfirmation damals ein Grundstein gelegt wurde, auf dem etwas gewachsen ist. Auf jeden Fall haben Sie nach Ihrer Konfirmation den Kontakt zur Kirche nicht für alle Zeit abgebrochen. Was Sie damals gemeinsam erlebt haben, darüber werden Sie sich heute Mittag noch austauschen; vielleicht auch darüber, wohin Ihr Lebensweg Sie geführt hat. Jeder und jede für sich mag sich auch ganz persönlich fragen: Bin ich eigentlich dankbar für mein Leben? Habe ich erreicht, was ich mir einmal vorgenommen habe? Bin ich Wege geführt worden, die mir nicht geschmeckt haben, aus denen dann aber doch etwas Gutes geworden ist?

In der Predigt soll es jetzt aber nicht um den Rückblick gehen. Dafür bin ich gar nicht zuständig, ich habe Sie ja damals nicht konfirmiert und kenne die meisten von Ihnen überhaupt nicht. Goldene Konfirmation ist ein Punkt im Leben, an dem man zwar zurückblickt, aber auch vorausschaut. Viele sind am Anfang oder an der Schwelle zum Ruhestandsalter, und es ist gut, sich in einer solchen Zeit noch einmal auf den Segen zu besinnen, der einem als Konfirmand zugesprochen worden ist.

Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!

Das sagt Jesus in unserem Predigttext heute (Johannes 7, 37). Lebensdurst ist das Thema, nicht einfach die Stillung eines körperlichen Bedürfnisses. Aber wie soll dieser Mensch, der vor 2000 Jahren gelebt hat, unseren Lebensdurst stillen? Es klingt paradox, weil Jesus doch kurz darauf sein Leben verlor. Hier liegt das Geheimnis unseres Glaubens verborgen, das wir nachher im Abendmahl feiern werden: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Ewigkeit.“ Leben und Tod gehören enger und anders zusammen, als wir oft meinen. Der Tod ist nicht einfach das Ende des Lebens, nicht der unausweichliche Abgrund, in dem alles seinen Sinn verliert. Durch den Tod hindurch scheint die Hoffnung auf neues Leben auf, und so erhält auch unser Leben auf Erden seinen unvergänglichen Sinn.

Stellen wir uns vor Augen, in welcher Situation Jesus dieses Wort sagt, dass er den Lebensdurst der Menschen stillen will. Eine Woche lang hat er das Laubhüttenfest mitgefeiert, ein ausgelassenes Fest zur Zeit der Weinernte, bei dem man eine Woche lang in Laubhütten wohnte und sich an die Zeit erinnerte, als die Juden 40 Jahre lang durch die Wüste wandern mussten, bis sie endlich das versprochene Land erreichten. Durch das Dach der Laubhütten konnte man den Himmel sehen, und so erinnerte dieses Fest auch daran, dass wir Menschen hier auf Erden auf dem Weg zum Himmel sind.

Dann war das eigentliche Fest zu Ende, und ein achter Festtag schloss sich an. Er wurde „Hoshanna Raba“ genannt; an diesem Tag stimmen die Juden das große Hosianna an und beteten um Gottes Rettung durch den Messias. Dabei lasen die Priester aus dem Buch Jesaja 12, 3:

Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Heilsbrunnen.

Und sie gossen Wasser vom Teich Siloah über den Altar des Tempels.

Warum dieses Wasserschöpfen? Das hatte einerseits eine ganz natürliche Bedeutung: Jetzt begann die Regensaison. Aber es gab auch eine geistliche Bedeutung: einst würde der Messias kommen und den Menschen sein lebendiges Wasser des Geistes geben.

Genau in diesem Moment steht Jesus auf und sagt (Johannes 7, 37):

Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!

ER ist der von den Juden erwartete Messias. ER ist für Menschen aller Völker, auch für uns, ein lebendiger Brunnen, aus dem wir Leben schöpfen können, erfülltes, ewiges Leben.

Für die Priester damals war es unerhört, dass Jesus so von sich sprach. Wie kann er so tun, als komme er direkt von Gott? Was bildete dieser hergelaufene Wanderprediger aus dem hinterwäldlerischen Galiläa sich eigentlich ein?

Für unsere heutige Zeit ist es vielleicht noch unfassbarer, dass von einem einzigen Menschen, der vor so langer Zeit in diesem verachteten Volk der Juden lebte und von den Römern hingerichtet wurde, unser Lebensglück abhängen soll.

Es lässt sich weder beweisen noch widerlegen, es ist eine Sache des Glaubens, des Gottvertrauens, ob wir uns darauf einlassen, dass Jesus wirklich ein lebendiger Brunnen ist, die Quelle, aus der wir unseren Lebensdurst ewig stillen können.

Es gibt Menschen, die leben in einer ganz persönlichen Beziehung zu Jesus Christus; für die ist das, was ich eben gesagt habe, leicht nachzuvollziehen. Sie lieben Jesus und wissen sich von ihm geliebt. Oder sie fragen sich bei ihren alltäglichen Entscheidungen: „Was würde Jesus dazu sagen?“, wie es der erste Kirchenpräsident unserer Landeskirche, Martin Niemöller, bei allen persönlichen, kirchlichen und politischen Herausforderungen getan hat, vor die er sich gestellt sah.

Andere sind vielleicht nüchterner eingestellt und sagen sich: „Eine so persönliche Liebe zu Jesus empfinde ich nicht. Kann ich trotzdem ein guter Christ sein?“ Ich sage Ja! Was wir von Jesus bekommen, ist ja mehr als die Freundschaft oder Liebe zu einem bestimmten Menschen. Jesus gibt uns sozusagen die Liebe selbst zu trinken. Er macht uns deutlich: Liebe ist keine Illusion, Liebe ist nicht unerreichbar, Liebe ist ein immerwährend fließendes lebendiges Wasser, das von Gott her zu uns Menschen fließt, und zwar ohne horrende Wasserrechnung von den Stadtwerken, einfach ein Geschenk des Vaters im Himmel. Darum habe ich vor der Predigt mit Ihnen das Lied von der Anbetung der Liebe gesungen: Es ist Gottes Liebe, die sich in Jesus offenbart; wer sich ins Meer der Liebe versenkt, der ertrinkt nicht darin, sondern dessen Durst wird immer wieder und schließlich für immer gestillt. Die Worte dieses Liedes klingen zwar in unseren Ohren schwülstig, treffen aber recht gut, was wir von Gott zu erwarten haben:

Ich geb mich hin dem freien Triebe, wodurch auch ich geliebet ward.

Damit bringt der Liederdichter Gerhard Tersteegen auf den Punkt, dass Gott uns von sich aus liebt, ohne dass wir diese Liebe verdienen und ohne dass dafür eine Vorleistung zu erbringen ist.

Die Quelle der Liebe Gottes entspringt in Jesus, genauer sagt das Lied: sie entspringt in Jesu Namen. Der Name Jesus heißt auf Deutsch: Rettung, Befreiung. Damit ist klargestellt: Wir haben Rettung und Befreiung nötig. Wir leben in Strukturen der Unfreiheit, des Unrechts, der Sünde und sind in dieses System des Unheils hineinverstrickt, die einen mehr als Opfer, die anderen mehr als Täter. Jesus sagt sieben Mal von sich: „Ich bin!“ Ich bin das Brot des Lebens, das Licht der Welt, die offene Tür zum Himmel, der Gute Hirte, die Auferstehung und das Leben, Weg und Wahrheit, der wahre Weinstock. Mit diesem „Ich bin“ sagt Jesus, dass er der Sohn des Gottes ist, dessen Name schon im Alten Testament „Ich bin, der ich bin“ lautete, und dieser Name stand schon damals für die Befreiung aus der Knechtschaft in Ägypten, für die Vergebung der Sünden des Volkes und für ein Leben im Gottvertrauen.

Zu Jesus kommen und trinken, heißt also einfach: sich einlassen auf das Vertrauen zu Gott, sich klar machen, wir sind von Gott geliebt und zum Leben befreit. Und wenn wir zu Jesus gehen und uns satt trinken an Gottes Liebe, dann passiert mit uns etwas, ähnlich wie beim normalen Wassertrinken. Das Wasser erfrischt uns, unsere Körperzellen bekommen das nötige H2O, wir trocknen nicht aus. Wer ins Meer von Gottes Liebe eintaucht und diese Liebe in sich aufnimmt, mit dem geschieht, wie Jesus sagt, Großartiges (Johannes 7, 38):

Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.

Damit sagt Jesus, welcher Segen von uns ausgeht, wenn wir im Gottvertrauen leben. Ströme lebendigen Wassers fließen von uns! Da denke ich an Begegnungen mit Menschen, die mir gut getan haben, die mich die Liebe Gottes haben spüren lassen, in meiner Familie, in meinem Studium, in den Gemeinden und Krankenhäusern, in denen ich gearbeitet habe, und ich hoffe, dass ich selber auch dem einen oder der anderen Stärkung, Ermutigung, Trost und Hoffnung weitergeben konnte. Ihnen werden gerade heute ähnliche Erinnerungen ganz nahe sein.

Interessant ist, dass Jesus sagt: „Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt…“. Jesus ist nicht einfach ein neuer Religionsstifter, der alles wegwischt, was vorher war. Er hebt nicht auf, was im Alten Testament steht, aber er arbeitet neu heraus, unter welchem Vorzeichen alles steht, was Gott mit seinem erwählten Volk der Juden und mit allen Völkern vorhat: „Liebe!“ Die heillosen Strukturen unserer Welt, so sehr sie uns belasten, sie behalten nicht endgültig ihre zerstörerische Macht, weil in Jesus Gott selbst mit seiner Liebe persönlich zur Welt gekommen ist, um uns zur Liebe zu befreien und zu einem Handeln aus Liebe anzustiften.

Und wenn wir denken: „Ich spüre noch nichts von dieser Liebe!“? Dann können wir es machen wie die Jünger nach dem Fest der Himmelfahrt Jesu: Warten. Um Gottes Geist bitten. Uns einüben in die Offenheit für Gottes Liebe. Als Jesus damals sagte: „Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!“, da sind auch nicht gleich alle Menschen zu ihm gekommen. Johannes sagt vielmehr:

39 Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verherrlicht.

So paradox es klingt: Erst musste Jesus am Kreuz verherrlicht werden. Er erlitt den Tod durch die Sünden der Menschen und trug keinem von uns diese Sünden nach. Und als deutlich wurde, dass Gott seinen Sohn vom Tode erweckte und zu sich in den Himmel holte, da war auch klar, dass niemand und nichts die Liebe Gottes besiegen konnte, nicht einmal die Todesmächte dieser Welt. Jesus blieb nicht tot, er wurde gesehen als Auferstandener. Er ging zwar weg aus dieser sichtbaren Welt, aber er ging hinein in den unsichtbaren Himmel Gottes. Und von dort ist er uns allen nahe mit seiner Liebe. Nächsten Sonntag werden wir das Fest des Heiligen Geistes feiern. Wir müssen nicht vergeblich warten auf Gottes Liebe, denn Jesus schenkt sie uns als das lebendige Wasser vom Himmel und lässt auch von unserem Leib Ströme des lebendigen Wassers fließen. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Lied 352, 1-2+4-5:

1. Alles ist an Gottes Segen und an seiner Gnad gelegen über alles Geld und Gut. Wer auf Gott sein Hoffnung setzet, der behält ganz unverletzet einen freien Heldenmut.

2. Der mich bisher hat ernähret und mir manches Glück bescheret, ist und bleibet ewig mein. Der mich wunderbar geführet und noch leitet und regieret, wird forthin mein Helfer sein.

4. Hoffnung kann das Herz erquicken; was ich wünsche, wird sich schicken, wenn es meinem Gott gefällt. Meine Seele, Leib und Leben hab ich seiner Gnad ergeben und ihm alles heimgestellt.

5. Er weiß schon nach seinem Willen mein Verlangen zu erfüllen, es hat alles seine Zeit. Ich hab ihm nichts vorzuschreiben; wie Gott will, so muss es bleiben, wann Gott will, bin ich bereit.

Liebe Konfirmationsjubilare, ich sagte bereits, dass ich wenig sagen kann über das, was Sie damals als Konfirmanden und in der Zwischenzeit erfahren haben. Einem unter Ihnen, …, ist es ein besonderes Anliegen, uns an Herrn Pfarrer Martin Konopka zu erinnern, der Sie damals konfirmiert hat.

Gedenken an Pfarrer Martin Konopka

Liebe Goldene Konfirmandinnen und Konfirmanden!

Bei Ihrer Konfirmation haben Sie mit dem Glaubensbekenntnis Ja gesagt zu Gott, zu Jesus, zur Kirche. Sie haben zu Gott gebetet, dass er Sie im Glauben wirklich „kon-firmiert“, also fest-macht. Seitdem sind Sie unterschiedliche Wege geführt worden, und Sie haben sicher erfahren, dass Glaube in Bewegung bleibt und sich verändert. Nur so kann er tragfähig bleiben für ein ganzes Leben und auch Schicksalsschlägen standhalten. Heute sprechen Sie gemeinsam mit allen Gottesdienstteilnehmern erneut das Glaubensbekenntnis, und zwar als Bitte zu Gott um des lebendige Wasser des Glaubens:

Glaubensbekenntnis

Nun bitte ich die Goldenen Konfirmanden nach vorn zu kommen, ähnlich wie damals bei der Einsegnung, nur dass Sie heute als Gruppe vor den Altar treten. Es tut gut, sich noch einmal des Segens Gottes ganz persönlich zu vergewissern. So spreche ich Ihnen nach 50 Jahren erneut Ihren Konfirmationsspruch zu. Sie wurden durch Herrn Pfarrer Konopka vor 50 Jahren hier in der Pauluskirche konfirmiert und haben damals jeder und jede ein Bibelwort mit auf den Lebensweg bekommen. Diesen Konfirmationsspruch rufen wir uns jetzt noch einmal in Erinnerung, und ich überreiche ihn Ihnen auf einem Gedenkschein mit einem Bild vom Altarfenster der Pauluskirche.

Segnung von 11 Goldenen Konfirmandinnen und 6 Goldenen Konfirmanden

Wir denken in dieser feierlichen Stunde auch an Ihre Kameradinnen und Kameraden, die nicht hier sind, aus gesundheitlichen oder anderen Gründen. Besonders denken wir an diejenigen, die aus dem Kreis Ihres Konfirmandenjahrgangs bereits verstorben sind.

Gottes Segen sei mit Ihnen in Gesundheit und Krankheit, in Freude und Trauer, im Leben und im Sterben. Gottes Friede erfülle Ihr Herz, regiere Ihre Gedanken und bestimme Ihr Tun. Gottes Angesicht leuchte über Ihnen auf allen Ihren Wegen. Amen.

Herzlichen Glückwunsch zur Goldenen Konfirmation!

Lied 331, 1-3+5+11:

1. Großer Gott, wir loben dich; Herr, wir preisen deine Stärke. Vor dir neigt die Erde sich und bewundert deine Werke. Wie du warst vor aller Zeit, so bleibst du in Ewigkeit.

2. Alles, was dich preisen kann, Cherubim und Seraphinen, stimmen dir ein Loblied an, alle Engel, die dir dienen, rufen dir stets ohne Ruh: »Heilig, heilig, heilig!« zu.

3. Heilig, Herr Gott Zebaoth! Heilig, Herr der Himmelsheere! Starker Helfer in der Not! Himmel, Erde, Luft und Meere sind erfüllt von deinem Ruhm; alles ist dein Eigentum.

5. Dich, Gott Vater auf dem Thron, loben Große, loben Kleine, Deinem eingebornen Sohn singt die heilige Gemeinde, und sie ehrt den Heilgen Geist, der uns seinen Trost erweist.

11. Herr, erbarm, erbarme dich. Lass uns deine Güte schauen; deine Treue zeige sich, wie wir fest auf dich vertrauen. Auf dich hoffen wir allein: lass uns nicht verloren sein.

Wir feiern das Abendmahl miteinander, zu dem Sie alle herzlich eingeladen sind.

Barmherziger Gott, du beschenkst uns mit Liebe und ermahnst uns zum Frieden. Vergib uns, wenn wir uns in unseren Sorgen einschließen und zu wenig auf deine Hilfe vertrauen. Vergib uns, wenn wir die Ströme des lebendigen Wassers, die von uns zu den Menschen fließen könnten, in uns versiegen lassen.

In der Stille bringen wir vor dich, was wir ganz persönlich als Last auf dem Herzen haben:

Beichtstille

Wollt Ihr Gottes Treue und Vergebung annehmen, so sagt laut oder leise oder auch still im Herzen: Ja!

Auf euer aufrichtiges Bekenntnis spreche ich euch die Vergebung eurer Sünden zu – im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Der Herr sei mit euch. „Und mit deinem Geiste.“

Erhebet eure Herzen! „Wir erheben sie zum Herren.“

Lasset uns Dank sagen dem Herrn, unserem Gott. „Das ist würdig und recht.“

Würdig und recht ist es, Gott ernst zu nehmen als den der groß ist in seiner Güte und Freundlichkeit zu uns Menschen. Würdig und recht ist es, uns selber anzunehmen als Menschen mit aufrechtem Gang, von Gott geliebt und verantwortlich für unser Leben. Zu dir rufen wir und preisen dich, Heiliger Gott:

Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll. Hosianna in der Höhe. Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe.

Vater unser und Abendmahl

In Jesus lebt Gottes Liebe, in Jesus wird Gott eins mit uns Menschen. Nehmt und gebt weiter, was euch gegeben ist – den lebendigen Leib der Liebe Gottes.

Herumreichen des Korbs

Jesus stillt unseren Lebensdurst und lässt Ströme des Segens von uns ausgehen. Nehmt hin den Kelch der Versöhnung mit Gott und des Friedens unter den Mensch.

Austeilen der Kelche

Wir reichen einander die Hände zum Zeichen, dass Christus uns zu einem Leib zusammenschließt. Wo immer wir leben, was immer wir erleben, seine Liebe begleitet uns immer und überall. Gehet hin im Frieden!

Lasst uns beten.

Gott im Himmel, wir danken Dir für den Feiertag, den Du uns schenkst, für diesen Sonntag, den wir nutzen, um die Goldene Konfirmation zu begehen oder um einfach mit Dir zusammen Gottesdienst zu feiern.

Als Mitglieder der Goldkonfirmandengruppe danken wir für Wiedersehensfreude und für all die wertvollen Erinnerungen, die in uns lebendig sind. Wir danken Dir für Deine gnädige Führung, die wir unser Leben hindurch erfahren durften. Wir danken dir für dein Abendmahl, in dem du uns zeigst, dass deine Liebe zu uns so wirklich ist wie Essen und Trinken. Aber wir denken auch an diejenigen, die es schwer hatten im Leben, an diejenigen, die auf Grund von Krankheit nicht hier sein können, und an diejenigen, die bereits verstorben sind.

Heute denken wir auch an die Menschen, die beim Kirchentag in Dresden ihren Abschlussgottesdienst feiern, und bitten dich, dass sie erfüllt von fruchtbaren Impulsen für das Gemeindeleben vor Ort zurückkehren.

Und wir bitten dich für alle, die sich Sorgen machen über EHEC und Atomkatastrophen, die betroffen sind von Krankheit, Leid und Tod. Deine Liebe ist stärker als alle Todesmächte, lass uns das nie vergessen. Hilf uns leben im Gottvertrauen. Hilf uns, alles aus deiner Hand zu nehmen und deinem Sohn Jesus Christus nachzufolgen. Amen.

Lied 171: Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott
Abkündigungen

Geht mit Gottes Segen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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