Märchen vom Fischer und seiner Frau

Ganz so einfach ist es nicht, Gott zu spielen. Wir greifen zwar erfolgreich ins Gleichgewicht der Natur ein. Wir verändern es sogar. Aber wir haben noch lange nicht alle Folgen im Griff – ja, wir werden wahrscheinlich nie alle Folgen dessen abschätzen können, was unsere technischen Fortschritte auch mitbewirken.

Zum Erntedankfest 2002 öffneten die Gartenfreunde am Waldbrunnenweg ihr Vereinsheim

Zum Erntedankfest 2002 öffneten die Gartenfreunde am Waldbrunnenweg ihr Vereinsheim

direkt-predigtGottesdienst am Sonntag, den 8. September 2002, um 10.00 Uhr beim Erntedankfest des Kleingartenvereins „Gartenfreunde“ Waldbrunnenweg e. V.
Kirchenvorstandsvorsitzender Jürgen Klimas:

Herzlich willkommen zum Gottesdienst der Paulusgemeinde, heute nicht in der Pauluskirche, sondern im Festzelt des Kleingartenvereins „Gartenfreunde“ am Waldbrunnenweg. Vielen Dank für die Einladung und den Vorschlag, hier gemeinsam einen Erntedankgottesdienst zu feiern. Gemeinsam feiern wir, Menschen verschiedener Konfessionen, Alt und Jung, Gärtner und Nichtgärtner.

Ein herzliches Dankeschön sage ich dem Paulus-Kirchenchor und unserer Organistin Grit Laux, die diesen Gottesdienst musikalisch gestalten, und vier Mitgliedern der „Gartenfreunde“, Edith Biedenkopf, Willi Klauke, Martin Löffler und Gunhild Valentin, die bei den Gebeten und Lesungen als Lektoren mitwirken.

Terrasse am Vereinsheim der Gartenfreunde am Waldbrunnenweg

Terrasse am Vereinsheim der Gartenfreunde am Waldbrunnenweg

Wir singen im Wechsel mit dem Kirchenchor das bekannte Sommerlied 503:

1) Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben; schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben, sich ausgeschmücket haben.

2) Die Bäume stehen voller Laub, das Erdreich decket seinen Staub mit einem grünen Kleide; Narzissus und die Tulipan, die ziehen sich viel schöner an als Salomonis Seide, als Salomonis Seide.

3) Die Lerche schwingt sich in die Luft, das Täublein fliegt aus seiner Kluft und macht sich in die Wälder; die hochbegabte Nachtigall ergötzt und füllt mit ihrem Schall Berg, Hügel, Tal und Felder, Berg, Hügel, Tal und Felder.

6) Die unverdroßne Bienenschar fliegt hin und her, sucht hier und da ihr edle Honigspeise; des süßen Weinstocks starker Saft bringt täglich neue Stärk und Kraft in seinem schwachen Reise, in seinem schwachen Reise.

8) Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen; ich singe mit, wenn alles singt, und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen, aus meinem Herzen rinnen.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Wir beten mit Psalm 8:

Frau Biedenkopf:

2 HERR, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen, der du zeigst deine Hoheit am Himmel!

Herr Löffler:

4 Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitest hast:

5 was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?

Herr Klauke:

6 Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt.

Frau Valentin:

7 Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk, alles hast du unter seine Füße getan:

8 Schafe und Rinder allzumal, dazu auch die wilden Tiere,

9 die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meer und alles, was die Meere durchzieht.

Frau Biedenkopf:

10 HERR, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen!

Gartenimpressionen vom Kleingartenverein Gartenfreunde am Waldbrunnenweg

Gartenimpressionen vom Kleingartenverein Gartenfreunde am Waldbrunnenweg

Wir singen aus Lied 324 die ersten vier Strophen auf dem Liedblatt:

1) Ich singe dir mit Herz und Mund, Herr, meines Herzens Lust; ich sing und mach auf Erden kund, was mir von dir bewusst.

3) Was sind wir doch? Was haben wir auf dieser ganzen Erd, das uns, o Vater, nicht von dir allein gegeben werd?

7) Ach Herr, mein Gott, das kommt von dir, du, du musst alles tun, du hältst die Wach an unsrer Tür und lässt uns sicher ruhn.

8) Du nährest uns von Jahr zu Jahr, bleibst immer fromm und treu und stehst uns, wenn wir in Gefahr geraten, treulich bei.

Der Mensch ist nur wenig niedriger als Gott. So groß redet die Bibel vom Menschen. Eins dürfen wir jedoch nicht vergessen: so groß sind wir nur als Geschöpf Gottes. Nie sind wir Gott gleich oder gar größer als er.

Wir klagen dir unsere Sünde, Gott: Wenn wir so tun, als wäre unsere Ernte nur das Werk unser eigenen Hände.

Wir klagen dir unsere Sünde, Gott: Wenn wir in das Gleichgewicht der Natur eingreifen, ohne die Folgen zu bedenken.

Wir klagen dir unsere Sünde, Gott: Wenn wir vergessen, dir auch für die Gaben und Kräfte zu danken, die du uns gegeben hast.

Wir klagen dir unsere Sünde, Gott: Wenn wir uns das Leben schwer machen und zu wenig Rücksicht nehmen – zwischen Alt und Jung, zwischen Menschen verschiedener Herkunft, weil wir uns fremd sind.

Lasst uns die drei folgenden Strophen aus Lied 324 singen:

9) Du strafst uns Sünder mit Geduld und schlägst nicht allzusehr, ja endlich nimmst du unsre Schuld und wirfst sie in das Meer.

10) Wenn unser Herze seufzt und schreit, wirst du gar leicht erweicht und gibst uns, was uns hoch erfreut und dir zur Ehr gereicht.

11) Du zählst, wie oft ein Christe wein und was sein Kummer sei; kein Zähr- und Tränlein ist so klein, du hebst und legst es bei.

Gartenimpressionen vom Kleingartenverein Gartenfreunde am Waldbrunnenweg

Der Mensch ist nur wenig niedriger als Gott. Verantwortlich sind wir vor ihm – darin liegt unsere Größe. Angewiesen sind wir auf seine Güte – das tut unserer menschlichen Würde keinen Abbruch.

Wir danken dir, Gott: Du schenkst uns unsere Erde, damit wir sie bebauen und bewahren.

Wir danken dir, Gott: Du gibst uns unseren Verstand, um darüber nachzudenken, was unserer Erde und der Natur und unserem Garten gut tut.

Wir danken dir, Gott: Du machst unsere Hände und Füße stark, um zu arbeiten und um unser Schicksal zu tragen.

Wir danken dir, Gott: Du gibst uns ein Herz, um zu fühlen, was in uns ist: Mut und Niedergeschlagenheit, Glück und Leid, Angst und Zuversicht. Mit dem gleichen Herzen können wir auch mit-fühlen: denn jeder Mensch ist dein Geschöpf, wie wir selbst es sind. Wir danken dir auch, Gott, für Menschen, die mit uns mitfühlen. Amen.

Wir singen die letzten drei Strophen aus dem Lied 324:

13) Wohlauf, mein Herze, sing und spring und habe guten Mut! Dein Gott, der Ursprung aller Ding, ist selbst und bleibt dein Gut.

14) Er ist dein Schatz, dein Erb und Teil, dein Glanz und Freudenlicht, dein Schirm und Schild, dein Hilf und Heil, schafft Rat und lässt dich nicht.

15) Was kränkst du dich in deinem Sinn und grämst dich Tag und Nacht? Nimm deine Sorg und wirf sie hin auf den, der dich gemacht.

Gartenimpressionen vom Kleingartenverein Gartenfreunde am Waldbrunnenweg

Der Mensch ist nur wenig niedriger als Gott. Es gibt ein Märchen der Gebrüder Grimm, in dem wird geschildert, was geschieht, wenn der Mensch so sein will wie Gott.

„Da waren einmal ein Fischer und seine Frau, die wohnten zusammen in einem alten Pott, dicht an der See“, so beginnt das Märchen vom Fischer und seiner Frau.

Als der Fischer einen verzauberten Butt fängt und ihn wieder frei lässt, überredet ihn seine Frau, sich etwas von dem Fisch zu wünschen. Der Fischer versteht nicht, warum, denn er ist ein zufriedener Mensch, aber er tut ihr den Gefallen.

Die Frau will in einer Hütte leben statt in einem stinkenden Pott. Der Wunsch wird ihr erfüllt. Bald wieder unzufrieden, will sie ein Schloss. Sie bekommt es.

Immer größer werden die Wunschträume der Frau. König will sie werden, dann Kaiser, schließlich Papst. Und noch immer kommt ihre Gier nicht zur Ruhe.

„Als die Sonne aufging und die Frau das Morgenrot sah, richtete sie sich im Bett auf, und als sie die Sonne heraufsteigen sah, dachte sie: „Könnte ich nicht auch Sonne und Mond aufgehen lassen?“ Sie stieß ihren Mann mit dem Ellbogen in die Seite: „Wach auf“, sagte sie, steh auf, geh zum Butt, ich will auch werden wie Gott.“

Der Mann hatte tief geschlafen, aber er erschrak so sehr, dass er aus dem Bett fiel. Er glaubte sich verhört zu haben, rieb sich die Augen und fragte: „Was sagtest du, Frau?“ „Mann“, sagte sie, „wenn ich nicht die Sonn‘ und den Mond kann aufgehen lassen, dann habe ich keine ruhige Stunde mehr.“ Sie sah ihn an, dass ihn ein Schauder überlief: „Sofort geh hin, ich will werden wie Gott.“

„Ach Frau“, sagte der Mann und fiel vor ihr auf die Knie, „das kann der Butt nicht. Kaiser und Papst kann er machen, geh in dich, ich bitte dich, bleibe Papst.“ Da geriet sie in Zorn, das Haar flog ihr wild um den Kopf, sie riss sich die Jacke auf, stieß ihren Mann mit dem Fuß und schrie: „Ich halte es nicht aus, ich halte es nicht mehr aus; willst du wohl gehen!“ Da zog er sich schnell die Hose an und lief fort wie verrückt.

Draußen aber heulte und brauste der Sturm, daß der Fischer sich kaum auf den Beinen halten konnte; Häuser und Bäume stürzten um, Berge bebten, Felsen rollten in die See, pechschwarz war der Himmel, es blitzte und donnerte, turm- und bergehoch gingen die Wogen, weißer Gischt schäumte auf den Wellen.

Da schrie er und konnte sein eigenes Wort nicht verstehen: „Manntje, Manntje, Timpe Te, Buttje, Buttje in der See, Myne Fru, de Ilsebill, Will nich so, as ik wol will.“ „Na, was will sie denn?“ sagte der Butt. „Sie will werden wie Gott.“ „Geh nur hin, sie sitzt schon wieder in ihrem Pott.“ Dort sitzen sie noch bis heut‘ und diesen Tag.

So endet das Märchen von der Frau des Fischers, die sich nicht freuen konnte an dem, was ihr geschenkt war, egal wie viel es war. Halten wir es lieber mit dem Fischer, der sich sogar über das Leben in seinem armseligen Pott freuen kann, den das Leben ihm zugedacht hat.

Der Chor singt das Lied 510:
Freuet euch der schönen Erde

Gartenimpressionen vom Kleingartenverein Gartenfreunde am Waldbrunnenweg

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, das war eine ungewöhnliche Lesung für einen Gottesdienst – das Märchen vom Fischer und seiner Frau. Natürlich sind Volksmärchen nicht mit der Wahrheit der Bibel auf eine Stufe zu stellen, aber gerade die Märchen der Gebrüder Grimm bringen oft auch die Volksfrömmigkeit ihrer Zeit auf den Punkt. Und der Gegensatz der Haltungen des Fischers und seiner Frau enthält geradezu beängstigend moderne Fragestellungen.

Gartenimpressionen vom Kleingartenverein Gartenfreunde am Waldbrunnenweg

In den Zeiten, als das Märchen zum ersten Mal erzählt wurde, war dem unbefangenen Zuhörer klar – jeder vernünftige Mensch müsste dem Beispiel des Mannes folgen und sich mit dem zufriedengeben, was Gott ihm zugedacht hat und was er mit seiner Hände Arbeit erreichen kann. Die Frau aber war zu bedauern – nicht nur weil sie in ihrer ewigen Gier und Unersättlichkeit zutiefst unglücklich ist, sondern wegen ihrer Dummheit: Wie kann ein Mensch auf die Idee kommen, er könne so sein wie Gott! Kein Mensch hat die Macht, den Lauf von Sonne und Mond zu verändern.

Die wissenschaftlich-technische Revolution hat inzwischen zwar diesen Traum der Frau nicht möglich gemacht – Sonne und Mond können wir immer noch nicht auf- und untergehen lassen, wie es uns gefällt. Aber auf andere Weise haben wir Menschen gelernt, in die Natur einzugreifen, wie es zu Zeiten der Gebrüder Grimm noch undenkbar schien. Wir begradigen Flussläufe, um die Flüsse schiffbar zu machen, wir legen Sümpfe trocken und schaffen neue Äcker und neues Bauland in ehemaligen Flussauen. Wir gewinnen Energie aus den Kernen der Atome, wir sind dabei zu lernen, wie man das Erbgut von Pflanze, Tier und Mensch beeinflussen kann.

Alles natürlich angeblich im Dienst des Fortschritts, der Gesundheit, des menschlichen Glücks – aber im Grunde geht es genau wie bei der Frau im Märchen um immer mehr Macht und Geld; darum will sie König, Kaiser, Papst, ja, Gott werden. Heute geht es um Marktanteile und den Verkauf immer neuer technischer Produkte; produziert und geforscht wird vor allem auf den Gebieten, die genügend Profit versprechen.

Hat es der Mensch nicht endlich geschafft? Ist er nicht geworden wie Gott? Kann er nicht schon Pflanzen gentechnisch verändern? Erdbeeren mit Knoblauchgeschmack – Tomaten mit Vanillearoma? Gibt es bald auch den gezüchteten Menschen, der stark und intelligent ist, je nach Geschlecht mit eingebautem Waschbrettbauch oder Superoberweite?

Inzwischen haben wir gemerkt: Ganz so einfach ist es nicht, Gott zu spielen. Wir greifen zwar erfolgreich ins Gleichgewicht der Natur ein. Wir verändern es sogar. Aber wir haben noch lange nicht alle Folgen im Griff – ja, wir werden wahrscheinlich nie alle Folgen dessen abschätzen können, was unsere technischen Fortschritte auch mitbewirken.

Gartenimpressionen vom Kleingartenverein Gartenfreunde am Waldbrunnenweg

Wer hat den Ökologen geglaubt, die seit Jahrzehnten davor warnen, den Flüssen ihre Überlaufzonen in den Flussauen wegzunehmen? Wer nimmt die Warnungen vor einer Klimaveränderung ernst genug, die in Zukunft zu noch verheerenderen Überschwemmungen führen könnte? Wer ermisst die Folgen, wenn Eltern durch vorgeburtliche Diagnostik erfahren, welche Behinderungen und Krankheiten ihr noch nicht geborenes Kind voraussichtlich haben wird? Wird dann alles abgetrieben, was nicht zu hundert Prozent gesund ist?

Klar, wir können das Rad des Fortschritts nicht einfach zurückdrehen. In natürliche Kreisläufe einzugreifen, hat unbestreitbar viel Gutes bewirkt, unseren Lebensstandard gehoben, unser Leben erleichtert. Aber dem lieben Gott vorzumachen, wie die Natur richtig zu funktionieren hat, dass Flüsse gefälligst wie mit dem Lineal gezogen sein und nur noch IQ-Show-taugliche Babies geboren werden sollen, das ist Hochmut – damit stellen wir unsere Lebensgrundlagen in Frage – die Menschen in den Überschwemmungsgebieten mussten das in diesem Sommer buchstäblich erfahren. Die Frau im Märchen wollte sein wie Gott – und wo landete sie? Wieder in ihrem alten Pott!

Dabei meint es Gott nicht böse mit uns. Wir haben vorhin den Psalm 8 gehört, in dem ein doppeltes Loblied gesungen wird, ein Lob auf Gott und ein Lob auf den Menschen.

Gott wird gelobt, weil er der Urheber von allem ist, was existiert, die allmächtige Kraft, die unsichtbar hinter allem steht und wirkt, unvergleichbar und gewaltiger als wir Menschen, die nur winzigkleine Stäubchen im Weltall sind:

2 HERR, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen, der du zeigst deine Hoheit am Himmel!

4 Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitest hast:

5 was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?

Trotzdem – dieser gewaltige Gott hat uns Menschen mit einer unglaublichen Würde, Größe und Verantwortung ausgestattet:

6 Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt.

7 Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk, alles hast du unter seine Füße getan:

8 Schafe und Rinder allzumal, dazu auch die wilden Tiere,

9 die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meer und alles, was die Meere durchzieht.

10 HERR, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen!

Im Religionsunterricht der sechsten Klasse behandele ich gerade die Schöpfungsgeschichte, und wir haben uns gefragt, ob der Mensch denn wirklich die Krone der Schöpfung sei. Ein Junge meinte: Es ginge der Erde besser, wenn die Menschen nicht auf ihr leben würden. Die machen viel mehr kaputt als sie nützen, beuten und rotten Tiere aus, verschmutzen die Umwelt und bringen sich gegenseitig um. Hat er recht? Ist der Mensch eher ein Fluch für die Erde als ein Segen? Ist er die Krone der guten Schöpfung Gottes oder kann die Schöpfung sich erst erholen, wenn der Mensch sich einmal selbst vernichtet haben wird?

Gartenimpressionen vom Kleingartenverein Gartenfreunde am Waldbrunnenweg

Die Bibel traut dem Menschen viel zu: Gott krönt uns tatsächlich mit Ehre und Herrlichkeit. Dass wir so große Macht über die Natur entwickeln können durch Wissenschaft und Technik, ist grundsätzlich ein Segen – auch diese Fähigkeiten sind uns von Gott geschenkt; er macht uns sozusagen zum Mitschöpfer in seiner Schöpfung.

Damit übergibt er uns aber auch eine große Verantwortung. Herrschaft über die Natur bedeutet Bewahren, nicht Vernichten. Wenn einem Gärtner ein Garten anvertraut ist, darf er ihn nicht verkommen lassen oder Raubbau an ihm treiben, sondern er muss ihn vernünftig bewirtschaften und pflegen. Genau so ist es mit der Erde.

Wenig niedriger als Gott ist der Mensch. Dennoch ist der Unterschied nicht von uns aus zu überbrücken. Immer wenn Menschen nicht damit zufrieden sind, als endliche Menschen zu leben, sondern so sein wollen wie Gott, stürzen sie sich ins Unglück. Die Sintflutgeschichte malt aus, wie nahe es Gott liegen könnte, die ganze Welt auszurotten und das Projekt „Mensch“ erfolglos abzubrechen.

Am Ende steht in der Bibel trotzdem die Hoffnung: Gott gibt nicht auf, gibt neue Chancen. Zuletzt kommt er selbst auf die Erde. Er lässt seinen Geist in Jesus Christus wohnen, und der schafft es, der Verantwortung gerecht zu werden, die Gott uns allen anvertraut hat. Jesus Christus ist die wahre Krone der Schöpfung, auf seinen Spuren gelingt es, Mensch zu werden, wie Gott uns gemeint hat. Gott setzt auf uns: Seid zufrieden mit dem, was euch geschenkt ist! Seid dankbar und nutzt eure Gaben, damit ihr ein Segen seid! Pflegt eure Gärten und geht pfleglich mit euresgleichen um! So seid ihr Krone der Schöpfung, gekrönt mit Ehre und Herrlichkeit, mit Menschenwürde, die euch niemand nehmen kann. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Terrasse am Vereinsheim der Gartenfreunde am Waldbrunnenweg

Wir singen aus dem Lied 508 die Strophen 1 und 2:

1) Wir pflügen, und wir streuen den Samen auf das Land, doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand: der tut mit leisem Wehen sich mild und heimlich auf und träuft, wenn heim wir gehen, Wuchs und Gedeihen drauf. Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn, drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn!

2) Er sendet Tau und Regen und Sonn- und Mondenschein, er wickelt seinen Segen gar zart und künstlich ein und bringt ihn dann behende in unser Feld und Brot: es geht durch unsre Hände, kommt aber her von Gott. Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn, drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn!

Wir beten mit dem Text eines Erntedankliedes:

Herr, die Erde ist gesegnet von dem Wohltun deiner Hand. Güt und Milde hat geregnet, dein Geschenk bedeckt das Land: auf den Hügeln, in den Gründen ist dein Segen ausgestreut; unser Warten ist gekrönet, unser Herz hast du erfreut.

Aller Augen sind erhoben, Herr, auf dich zu jeder Stund, dass du Speise gibst von oben und versorgest jeden Mund. Und du öffnest deine Hände, dein Vermögen wird nicht matt, deine Hilfe, Gab und Spende machet alle froh und satt.

Gnädig hast du ausgegossen deines Überflusses Horn, ließest Gras und Kräuter sprossen, ließest wachsen Frucht und Korn. Mächtig hast du abgewehret Schaden, Unfall und Gefahr; und das Gut steht unversehret, und gesegnet ist das Jahr.

Herr, wir haben solche Güte nicht verdient, die du getan; unser Wissen und Gemüte klagt uns vieler Sünden an. Herr, verleih, dass deine Gnade jetzt an unsre Seelen rührt, dass der Reichtum deiner Milde unser Herz zur Buße führt.

Hilf, dass wir dies Gut der Erden treu verwalten immerfort. Alles soll geheiligt werden durch Gebet und Gottes Wort. Alles, was wir Gutes wirken, ist gesät in deinen Schoß, und du wirst die Ernte senden unaussprechlich reich und groß.

Vater im Himmel, wir bitten für die Verantwortlichen in Forschung und Technik, in Wirtschaft und Politik, dass sie verantwortlich mit deiner Schöpfung umgehen. Wir bitten dich, dass wir unsere Grenzen erkennen und Zufriedenheit lernen, auch wenn wir nicht alles haben können. Wir bitten dich für die Opfer von Krieg und Terror, von Unfall und Katastrophen. Wir bitten dich, dass unsere Politiker im Kampf gegen den Terror nicht einseitig auf Lösungen der Gewalt setzen, sondern für Gerechtigkeit und Frieden zwischen den Völkern eintreten. Mit dem, was uns Sorgen macht, vertrauen wir uns dir an. Für das, was uns Freude macht, danken wir dir. Amen.

In der Stille bringen wir vor dich, Gott, was wir außerdem heute auf dem Herzen haben.

Stille und Vater unser

Der Kirchenchor singt das Lied 504:

1) Himmel, Erde, Luft und Meer zeugen von des Schöpfers Ehr; meine Seele, singe du, bring auch jetzt dein Lob herzu

3) Seht, wie Gott der Erde Ball hat gezieret überall. Wälder, Felder, jedes Tier zeigen Gottes Finger hier.

6) Ach mein Gott, wie wunderbar stellst du dich der Seele dar! Drücke stets in meinen Sinn, was du bist und was ich bin.

Abkündigungen

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. Amen.

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