Seliges Sterben

Trauerfeier für eine alte Frau, die nach einem langen Leben im Kreise einer Viergenerationsenfamilie selig sterben konnte.

Seliges Sterben: Eine Jesus-Statue, die nach unten blickt; im Hintergrund ein Kruzifix auf einem Friedhof

Jesus, fester Grund für den Glauben und ein seliges Sterben (Bild: Myriams-Fotos – pixabay.com)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Liebe Trauergemeinde, wir sind hier versammelt, um Abschied zu nehmen von Frau L., die im Alter von [über 80] Jahren gestorben ist.

Wir beten mit Worten aus einem alten Lied der Bibel, aus dem Psalm 90 (Vers 10 nach der Lutherbibel 1912):

1 Herr, du bist unsre Zuflucht für und für.

2 Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit.

3 Der du die Menschen lässest sterben und sprichst: Kommt wieder, Menschenkinder!

4 Denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache.

5 Du lässest sie dahinfahren wie einen Strom, sie sind wie ein Schlaf, wie ein Gras, das am Morgen noch sprosst,

6 das am Morgen blüht und sprosst und des Abends welkt und verdorrt.

10 Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn‘s hoch kommt, so sind‘s achtzig Jahre, und wenn‘s köstlich gewesen ist, so ist‘s Mühe und Arbeit gewesen; denn es fährt schnell dahin, als flögen wir davon.

12 Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.

Liebe Trauergemeinde!

Ein mehr als biblisches Alter hat Frau L. erreicht, wenn wir an die Altersangaben im 90. Psalm denken – weit über die Siebzig oder Achtzig hinaus hat sie ihr Leben geführt, und das bis zuletzt in guter Gesundheit.

Geboren war sie noch im Deutschen Kaiserreich. Ihr Vater gehörte zu den Kaisersoldaten, einer Elitetruppe im deutschen Heer. Als sie aus der Schule kam, ging sie in Stellung – für ein Jahr in der Landwirtschaft, dann für ein weiteres Jahr in einer Fabrik. Anschließend arbeitete sie in einem Haushalt und als Kindermädchen, bis sie daran dachte, statt immer nur fremde Kinder großzuziehen, eine eigene Familie zu gründen.

Als Erzieherin ihrer Kinder war sie eher eine strenge Mutter, was der Vater manchmal ausgleichen musste, aber als ungerecht haben Sie sie nie empfunden, sonst hätten Sie nicht bis zu ihrem Lebensende gern gemeinsam in einem Haus gewohnt. Sicher gab es zwischen den Generationen auch Meinungsverschiedenheiten, das ist kein Wunder, wenn man an die Unterschiede in der Lebenserfahrung denkt und an die vielen Wendungen der Geschichte, die sich im Laufe des Lebens der Verstorbenen ereignet haben. Da sagten die Enkel zur Oma schon mal: „Ach Oma, weißte…“ – aber wirklichen Streit gab es eigentlich nie.

Das Leben in der Viergenerationenfamilie ermöglichte es der alten Frau L., auch noch manches ganz auf eigene Faust zu unternehmen. „E‘ Fährtche mache“, das war schon früher eine ihrer größten Freuden gewesen. Ihr Bekanntenkreis war groß; sie traf sich gern im Seniorenkreis der Kirche, ging gern zu Veranstaltungen der Vereine oder zu den Treffen ihrer Alterskameraden aus der Schulzeit.

Nun ist sie selbst gestorben, nach kurzer Zeit im Krankenhaus. Besonders schön war es, dass es Ihnen ermöglicht wurde, in aller Ruhe von Ihrer Mutter Abschied zu nehmen. Es war ein seliges Sterben in einem gesegneten Alter, wie man früher gesagt hat, und Sie konnten Frau L. in ihrem Tod getrost loslassen und den barmherzigen Händen Gottes anvertrauen.

Seliges Sterben? Das ist ein Ausdruck, den man heute kaum noch verwendet. Gemeint ist ein Sterben, in dem man nicht verloren geht, sondern der Tod ist sozusagen wie ein Tor zu einem neuen Leben.

Wir können uns nicht genau vorstellen, wohin dieses Tor führt, genau so wenig, wie wir letzten Endes wissen, woher wir eigentlich in dieses Leben gekommen sind – das was uns ausmacht, unser Geist, unsere Seele, unser Leben als Individuum, das geht ja nicht auf in dem, was durch unsere Gene programmiert und durch unser Schicksal auf Erden bestimmt ist.

Wir sind mehr als ein Spielball des Zufalls, wir sind von Gott geschaffen und gewollt, wunderbare Geschöpfe in einer Welt, in der wir dazu bestimmt sind, als Ebenbilder der Liebe Gottes zu leben. Darum genügt es, im Vertrauen darauf zu leben, dass wir von Gott herkommen und zu Gott zurückkehren, und dazwischen kommt es einzig darauf an, so viel Liebe zu empfangen und zu verschenken wie eben möglich. Denn beständig ist in diesem Leben letzten Endes nur die Liebe.

Es gibt eine Grundlage für diesen festen Glauben an die Liebe, von der auch der Trauspruch handelt, den das Ehepaar L. damals bei der kirchlichen Trauung von Pfarrer S. auf den gemeinsamen Lebensweg mitbekommen hat – er steht in 1. Korinther 3, 11:

Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.

Grundlage für den Glauben an die Liebe ist also ein Mensch, und zwar der eine Mensch, in dem Gott selbst auf der Erde erschienen ist. Jesus verkörperte nicht nur Gottes Liebe in vollkommener Weise und zeigte uns, wie man als das Ebenbild der Liebe Gottes leben kann. Jesus hat uns auch ein für allemal gezeigt, dass wir nicht perfekt sein müssen, um von Gott angenommen zu sein. Er nimmt uns an, so wie wir sind, er geht barmherzig mit uns um und lehrt uns, auch miteinander barmherzig umzugehen.

Dieser Jesus ist eins mit seinem Vater im Himmel, das heißt, der Gott, der uns am Übergang zum neuen Leben erwartet, vor dem wir uns in der Ewigkeit verantworten müssen, trägt das liebevolle Gesicht Jesu. Er kennt uns besser, als wir uns selber kennen, und er geht viel barmherziger mit uns um, als wir es selber tun würden.

So schenkt letzten Endes Jesus uns ein seliges Sterben – im Vertrauen auf Gott, den Vater, in dem wir geborgen bleiben, ob wir leben oder sterben. Wir sind traurig, einen geliebten Menschen herzugeben, wir sind dankbar, ihn bei uns gehabt zu haben, wir sind gewiss, dass unsere Liebe zu ihm niemals verloren geht. Amen.

Wir singen aus dem Lied 361 im Evangelischen Gesangbuch die Strophen 1, 6 und 12:

1. Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt. Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.

6. Hoff, o du arme Seele, hoff und sei unverzagt! Gott wird dich aus der Höhle, da dich der Kummer plagt, mit großen Gnaden rücken; erwarte nur die Zeit, so wirst du schon erblicken die Sonn der schönsten Freud.

12. Mach End, o Herr, mach Ende mit aller unsrer Not; stärk unsre Füß und Hände und lass bis in den Tod uns allzeit deiner Pflege und Treu empfohlen sein, so gehen unsre Wege gewiss zum Himmel ein.

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