Friedensgebet der Religionen

Interreligiöses Friedensgebet am 20. Dezember 2015 im Evangelischen Thomaszentrum Gießen.

Am 4. Adventssonntag, 20. Dezember 2015, lud die Evangelische Thomasgemeinde zum zweiten Mal zu einem Friedensgebet der Religionen ins Thomaszentrum ein. Beteiligt waren katholische und evangelische Christen, Muslime zweier Gemeinden und in besonders großer Anzahl Mitglieder der alevitischen Gemeinde. Aus verschiedenen Gründen konnten Vertreter der Ahmadiyya-Gemeinde, der Ezidischen Gemeinde, der Griechisch-orthodoxen und der Jüdischen Gemeinde nicht teilnehmen, zeigten sich aber dem Anliegen des Friedensgebets verbunden.

Eine besondere Freude war es, hohen Besuch aus der alevitischen Gemeinde empfangen zu können, nämlich Dede Metin Erdogan aus Bergkamen und Ali Ekber Erden, den 1. Vorsitzenden des Hessischen Landesverbandes der Alevitischen Gemeinde, aus Friedberg. Ein „Dede“ ist ein Geistlicher oder Vorbeter, den an diesem Abend den alevitischen Glauben den Anwesenden näher brachte. Anschließend gab es „Lokmas“ für alle – ein Gebäck, das man aus der Hand essen konnte.

Auf dem Foto (aufgenommen von Matthias Hartmann) von links nach rechts: Cem Aslan (Alevitische Jugend Gießen), Ulrich Müller (Evangelische Thomasgemeinde Gießen), Abderrahim En-Nosse (Islamische Gemeinde Gießen), Andreas Pithan (Katholische Gemeinde St. Albertus), Tim Fink (Pfarrer der Evangelischen Thomasgemeinde Gießen), Tugba Sahin (Türkisch-Islamische Gemeinde Gießen), Helmut Schütz (Pfarrer der Evangelischen Paulusgemeinde Gießen), Metin Erdogan (Alevitische Gemeinde Bergkamen) und Ali Ekber Erden (Alevitische Gemeinde Friedberg).

Auf dem Foto (Autor: Matthias Hartmann) von links nach rechts: Cem Aslan (Alevitische Jugend Gießen), Ulrich Müller (Evangelische Thomasgemeinde Gießen), Abderrahim En-Nosse (Islamische Gemeinde Gießen), Andreas Pithan (Katholische Gemeinde St. Albertus), Tim Fink (Pfarrer der Evangelischen Thomasgemeinde Gießen), Tugba Sahin (Türkisch-Islamische Gemeinde Gießen), Helmut Schütz (Pfarrer der Evangelischen Paulusgemeinde Gießen), Metin Erdogan (Alevitische Gemeinde Bergkamen) und Ali Ekber Erden (Alevitische Gemeinde Friedberg).

„Ich stell mir vor, der Himmel“, gesungen zur Gitarre (Helmut Schütz):

Ich stell mir vor, der Himmel fängt auf der Erde an,
wo Liebe ist und Hoffnung, ganz ohne Glaubenszwang.
Ich stell mir vor, wie wir leben für den heut’gen Tag.

Ich stell mir vor, die Staaten, die schaffen ab ihr Heer.
Sie töten nicht für Ehre und auch für Gott nicht mehr.
Ich stell mir vor, wie wir leben friedlich in der Welt.

Vielleicht bin ich ein Träumer, aber ich bin nicht allein.
Einmal wirst du verstehen, und wir werden einig sein.

Ich stell mir vor, die Habgier ist endlich unmodern.
Es muss kein Kind mehr hungern, und alle teilen gern.
Ich stell mir vor, wie wir leben ohne Hass und Neid.

Vielleicht bin ich ein Träumer, aber ich bin nicht allein.
Einmal wirst du verstehen, und wir werden einig sein.

Begrüßung und Einführung (Helmut Schütz, Evangelische Paulusgemeinde Gießen):

Ich freue mich, Sie alle heute Abend zum Friedensgebet der Religionen begrüßen zu dürfen, das zum zweiten Mal im Thomaszentrum stattfindet. Durch Kontakte im Umfeld unserer Paulusgemeinde und vor allem der Arbeitsgruppe „Interkulturelle und -religiöse Zusammenarbeit“ in der Gießener Nordstadt haben sich Vertreter verschiedener religiöser Gemeinden zusammengefunden, um hier auf je ihre eigene Weise zu Gott um den Frieden zu beten.

Leider mussten der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Herr Dow Aviv, wegen einer Reise und Pater Arsenios Karatzas von der Griechisch-Orthodoxen Gemeinde wegen eines Todesfalls absagen. Auch Tarik Riaz von der Ahmadiyya-Gemeinde kann nicht hier sein. Sie lassen uns aber grüßen und sind uns aus der Ferne herzlich verbunden.

Für die evangelischen Gemeinden in und um Gießen fügt sich dieser Abend auch ein in den Rahmen der Adventsaktion „Flucht und Heimatlosigkeit – Wie soll ich dich empfangen?“

Jesus, die zentrale Gestalt des Christentum, wird ja unterwegs geboren, ist ein Migrant schon als kleines Kind, findet Asyl in Ägypten und wächst auf nicht weit von Syrien. Als Erwachsener ermutigt er dazu, in jedem Menschen, der Hilfe und Heimat sucht, ihn selber, Jesus, zu erkennen und ihm hilfreich zur Seite zu stehen. „Was ihr dem Fremdling tut, das habt ihr mir getan.“

Dass nicht der neue Pfarrer der Thomasgemeinde, sondern ich Sie hier begrüße, hat den einfachen Grund, dass er erst vor wenigen Wochen seine Pfarrstelle hier angetreten hat. Ich gebe das Wort aber jetzt gleich am Anfang an ihn weiter, denn er wird nun die erste Lesung aus einem Buch der Bibel halten.

Lesung aus der Bibel – Jeremia 29, 7 .11-14 (Tim Fink, Pfarrer der Evangelischen Thomasgemeinde):

7 Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum HERRN; denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s auch euch wohl.

11 Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, daß ich euch gebe das Ende, des ihr wartet.

12 Und ihr werdet mich anrufen und hingehen und mich bitten, und ich will euch erhören.

13 Ihr werdet mich suchen und finden; denn wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet,

14 so will ich mich von euch finden lassen, spricht der HERR, und will eure Gefangenschaft wenden und euch sammeln aus allen Völkern und von allen Orten, wohin ich euch verstoßen habe, spricht der HERR, und will euch wieder an diesen Ort bringen, von wo ich euch habe wegführen lassen.

Bilder und Musik aus einer Mexikanischen Messe (Ulrich Müller, Vorsitzender des Kirchenvorstands der Evangelischen Thomasgemeinde)
Lied (gemeinsam gesungen zur Gitarre, Helmut Schütz): Friede soll mit euch sein, Friede für alle Zeit!
Gebet aus der Bibel – Psalm 113 (Andreas Pithan, Katholische Pfarrgemeinde St. Albertus):

1 Halleluja! Lobet, ihr Knechte des Herrn, lobt den Namen des Herrn!

2 Der Name des Herrn sei gepriesen von nun an bis in Ewigkeit.

3 Vom Aufgang der Sonne bis zum Untergang sei der Name des Herrn gelobt.

4 Der Herr ist erhaben über alle Völker, seine Herrlichkeit überragt die Himmel.

5 Wer gleicht dem Herrn, unserm Gott, im Himmel und auf Erden,

6 ihm, der in der Höhe thront, der hinabschaut in die Tiefe,

7 der den Schwachen aus dem Staub emporhebt und den Armen erhöht, der im Schmutz liegt?

8 Er gibt ihm einen Sitz bei den Edlen, bei den Edlen seines Volkes.

9 Die Frau, die kinderlos war, läßt er im Hause wohnen; sie wird Mutter und freut sich an ihren Kindern. Halleluja!

Friedensgebet Gießener Muslime (Abderrahim En-Nosse und Tugba Sahin)
Friedensgebet der Alevitischen Gemeinde (Postdedesi Metin Erdogan):

Bismi Sah Halla Halla

Mögen die Zeiten gut sein, das Gute über uns weilen. Das Böse, das über uns weilt, soll vermieden werden. Der Segen der Propheten Adam, Noah, Moses, Jesus, Muhammed und Alis soll über jedem Lebenden sein. Um derer willen, Ya Hak, trenne nicht die Menschen von Liebe, Frieden, Zusammensein und gegenseitiger Anerkennung.

Mögen Hak, Muhammed und Ali und Hizir unsere Wegweiser und unsere Behüter und Helfer sein:

Möge der Segen der 3-Einigkeit, die Weisheit der 12 Imame, die Reinheit der 14 Masumu Pak, die Lebensfreude der 17 Kemerbest (die Generationen), die Vollkommenheit des Bundes der 40 – Licht auf unserm Weg sein, um derer willen, Ya Hizir, stürze uns nicht in Verdammnis, hindere uns, durch unsere Gier, Schlechtes an uns selbst und anderen zu tun.

Führe uns nicht in Versuchung, Schlechtes mit unsern Händen, mit unsrer Zunge und mit unsrer Lende zu tun.

Ya Hak, gebiete Einhalt für das Böse, welches das friedvolle Zusammenleben auf der Erde gefährdet. Hindere uns, dass wir die Gaben, die du uns schenkst, durch unsre Gier und Habsucht verschwenden, so dass unsere Nachkommen Not erleiden müssen. Schenke uns deine Liebe und Segen, so dass wir in religiöser Vielfalt einander respektieren, akzeptieren und tolerieren.

Erhöre unsre Gebete, die wir heute in Einigkeit zu dir sprechen, und lass es ein gutes Zeichen für dauernden Frieden für uns und unsere Nachkommen sein.

Die sprechende Zunge von uns, der Atem vom Heiligen Ali und das Erhören der Gebete von dir, Ya Hak Ya Hizir.

Dank und Abschied (Helmut Schütz)

So wie Muslime und Aleviten auf ihre Weise zu Gott gebetet haben, so sprechen nun wir Christen das Vater unser, mit dem Jesus uns gelehrt hat, um das Reich des Friedens zu bitten:

Vater unser

Damit sind wir fast am Ende unseres Friedensgebetes angelangt. Die alevitische Gemeinde werden Lokmas verteilen, ein Gebäck, das man aus der Hand essen kann und das Gemeinschaft herstellen soll.

Herzlichen Dank für alle Beiträge und Gebete zu dieser Feier!

Eine Bitte an alle: Bitte unterstützen Sie am Ausgang mit Ihrer Spende die Arbeit von William Henderson und seinem Team in der Fachstelle des Diakonischen Werkes für Flüchtlings- und Migrationsberatung. Sie leisten einen unverzichtbaren Beitrag zum Abbau von Vorurteilen und einem friedlichen Zusammenleben in unserer Migrationsgesellschaft.

Lied (gemeinsam gesungen zur Gitarre, Helmut Schütz):Da berühren sich Himmel und Erde

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.