„Tauft sie in den NAMEN!“

In der christlichen Taufe werden wir Nichtjuden in den Namen des jüdischen Gottes hineingetauft. Nach der Auferstehung des gesalbten Königs der Juden weiß Christus, dass er über Israel hinaus zu allen Menschen der Welt gesandt ist. Die Menschen aller Völker, zu denen auch wir gehören, in Deutschland und Eritrea, in Russland und Amerika, gehören zu den Kindern des Einen Gottes.

Ein goldener Schild mit dem Namen des Gottes Israels: JHWH

Ein goldener Schild mit dem Namen des Gottes Israels: JHWH (Bild: pixabay.com)

#predigtTaufgottesdienst am 10. Sonntag nach Trinitatis, den 12. August 2007, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen
Einzug der Täuflinge

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Im Taufgottesdienst taufen wir heute zwei kleine Jungen, …, und einen Erwachsenen, … . Wir heißen die Tauffamilien mit ihren Kindern und Paten und auch den erwachsenen Täufling herzlich in der Pauluskirche willkommen!

Die Taufe steht auch im Mittelpunkt der Predigt. Wir schauen uns an, was Jesus mit dem Satz meint (Matthäus 28, 19):

Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes.

Lied 632, 1-3: Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“

Gott baut unter uns sein Haus aus Bausteinen des Vertrauens und der Liebe, die er uns schenkt und die wir weiter verschenken. Wir schauen Gottes Angesicht, wo wir, selber von Liebe getragen und umfangen, auch für andere Menschen eine Hilfe und ein Halt sind.

Kommt, lasst uns Gott anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Gott, wir bekennen vor dir unser Misstrauen, unseren Unglauben, unser ängstliches Kreisen um uns selbst. Gott, wir bitten dich um Vertrauen und Liebe, um Vergebung und Neuanfang, um Trost und Ermutigung. Wir rufen zu dir, Gott:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Du, Gott Vater, schenkst uns das Leben. Du, Sohn Gottes, befreist uns zur Liebe. Du, Heiliger Geist, verwandelst unser Herz!

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.“

Der Herr sei mit euch! „Und mit deinem Geist!“

Dreieiniger Gott, lass uns mit allen Sinnen wahrnehmen, dass du uns liebst. Lass uns erkennen, wie du für uns da bist, als Vater, im Sohn, durch den Heiligen Geist. Darum bitten wir dich im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir taufen heute zwei Jungen und einen Mann. Wir taufen sie, weil Jesus dazu den Auftrag gibt. Wir hören aus dem Evangelium nach Matthäus 28, 16-20:

16 Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte.

17 Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten.

18 Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.

19 Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes

20 und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Wir singen vor der Taufe das Lied 620: „Gottes Liebe ist wie die Sonne.“ Das hat sich … ausgesucht, der große Bruder von … . Er kennt das Lied aus unserem Kindergarten, und die große Schwester … – die jetzt schon in der Schule ist – kennt es auch:
Gottes Liebe ist wie die Sonne

Liebe Familie …, liebe Familie … und …, liebe Patinnen, lieber Taufzeuge, lieber Herr … und liebe Gemeinde!

Was die Taufe auf den Namen des dreieinigen Gottes bedeutet, darüber werden wir uns nachher in der Predigt noch ausführlich Gedanken machen. Auf jeden Fall hat Taufe mit der Liebe Gottes zu tun, die uns verändert, die unser Leben neu macht, wie wir in dem Lied gesungen haben. Wir können uns dieser Liebe entgegenstrecken, wie sich eine Blume der Sonne entgegenstreckt. Wir können die Liebe in uns aufnehmen und sie auch wieder ausstrahlen, so dass man wirklich merkt, dass wir verwandelte Menschen sind.

Wenn wir ein Kind taufen, dann treffen wir als Eltern die Entscheidung: Wir wollen, dass dieses Kind in der Liebe Gottes aufwächst. Wir möchten, dass es zur Gemeinde von Jesus Christus gehört und dass es spürt: es ist ein Kind Gottes, ein Kind des treuen Gottes, der seine Kinder nie im Stich lässt.

Wenn wir nicht als Kind getauft wurden und uns als Erwachsene dafür entscheiden, getauft zu werden, tun wir das Gleiche, was die ersten Christen taten, als sie sich bewusst für den Glauben an Jesus entschieden.

In beiden Fällen ist die Taufe eine einmalige Handlung. Getauft wird man nur einmal im Leben, weil die Taufe so etwas Ähnliches ist wie eine Geburt: Wir werden nur einmal geboren, unser Leben wird uns geschenkt, dieses eine einmalige Leben. In der Taufe bezeugen wir, dass Gottes Liebe uns verwandelt, dass wir Gottes Kinder sind, ein für alle Mal. Selbst wenn wir Gott untreu werden sollten, bleibt er uns treu.

Für Herrn … wird der Zusammenhang zwischen Geburt und Taufe, Tauftag und Geburtstag unübersehbar bleiben, denn ihn taufen wir heute an seinem 31. Geburtstag. Auch dazu wünschen wir Ihnen herzlich Gottes Segen!

Nun möchte ich etwas zu den drei Taufsprüchen sagen, die Sie für sich selbst bzw. für Ihre Kinder ausgesucht haben. Interessant ist, dass die drei Sprüche sich sehr gut dafür eigenen, die Taufe auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes zu veranschaulichen.

Der Taufspruch für … hat mit dem Vater im Himmel zu tun und steht im Psalm 23, 1:

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

The LORD is my shepherd; and I shall want nothing.

Das heißt: Wenn wir auf Gott vertrauen und uns von ganz oben sagen lassen, wo es im Leben lang geht, werden wir genug haben. Jedenfalls das, was wir wirklich brauchen: Liebe und Vertrauen, die Bereitschaft, füreinander einzustehen und Verantwortung zu übernehmen. Das ist gemeint mit der Taufe auf den Namen des Vaters: Niemand ist unser Herr außer dem Vater im Himmel.

Sie, lieber Herr …, haben sich ein Wort von Jesus, dem Sohn Gottes, als Taufspruch ausgesucht. Es steht im Evangelium nach Lukas 22, 32. Jesus spricht:

Ich … habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre.

Das sagt Jesus damals zu seinem Jünger Petrus, der ihn trotzdem kurz darauf verleugnen wird. Aber das Gebet Jesu für Petrus wird ihn durch sein Versagen hindurchtragen; Petrus findet seinen Glauben und im Vertrauen zu Jesus auch sein Selbstvertrauen wieder und wird tatsächlich zu einem Fels, auf dem Jesus seine Gemeinde aufbauen kann, weil ihn Gottes Liebe verwandelt hat. Das ist gemeint mit der Taufe auf den Namen des Sohnes: Durch Jesus, in dem sich Gottes Liebe vollkommen verkörpert, finden wir Zugang zu Gott, zur Vergebung, zum Leben im Gottvertrauen.

… wird in fünf Tagen seinen 1. Geburtstag feiern, aber schon jetzt ist klar, dass er aufgeweckt ins Leben blickt und voller Tatendrang die Welt erkunden will; laufen kann er schon seit zwei Monaten. Sein Taufspruch steht im Buch des Propheten Jesaja 44, 3. Gott spricht:

Ich will meinen Geist auf deine Kinder gießen und meinen Segen auf deine Nachkommen.

Hier ist vom heiligen Geist Gottes die Rede, den die Kinder im Volk Gottes bekommen sollen. Näher erläutert wird dieser Geist mit dem Wort „Segen“. Der Geist Gottes ist er selbst in uns, seine Liebe in uns. Er verspricht uns, dass er unsere Kinder nicht einfach sich selbst überlassen wird, sondern sich selbst schenkt er ihnen, er will bei ihnen bleiben mit seiner Liebe, seinem Segen. Sie müssen nicht verzweifeln, sie können Lebensmut gewinnen und bewahren, zufrieden leben in Bescheidenheit und mit guten Zielen vor Augen. Das ist gemeint mit der Taufe auf den Namen des Heiligen Geistes: Gottes Liebe in uns verwandelt unser Leben.

Unseren Glauben an den dreieinigen Gott sprechen wir nun aus, stellvertretend auch für unsere Taufkinder, mit den alten Worten des Apostolischen Glaubensbekenntnisses:

Glaubensbekenntnis und Kindertaufen

Lieber …, nun frage ich Sie: Wollen Sie im Namen des dreieinigen Gottes getauft werden, so antworten Sie: „Ja!“

…, ich taufe Sie im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Lieber Herr …, eine wechselvolle Geschichte mit christlicher Gemeinschaft, mit Glauben und Abschied vom Glauben und Wiederfinden des Glaubens haben Sie hinter sich.

Heute haben Sie sich endgültig für die Gemeinschaft mit Gott entschieden, denn Gott hatte schon lange zu Ihnen Ja gesagt.

Das Gebet, das damals Jesus für Petrus gebetet hat, spreche ich Ihnen heute ganz persönlich zu. Jesus spricht (Lukas 22, 32):

Ich … habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre.

Ähnlich wie Petrus später bereit und in der Lage war, Verantwortung für die Gemeinschaft der Christen zu übernehmen, so haben Sie sich bereit erklärt, in der Paulusgemeinde eine verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen. Sie wollen nach den Sommerferien im Konfi-Team mitarbeiten. Ich nutze diese Gelegenheit, um Ihnen dafür zu danken, und möchte Sie offiziell mit diesem wichtigen Dienst in unserer Gemeinde beauftragen.

Gott segne Sie in Ihrem persönlichen Leben, im Beruf und auch in Ihrem Dienst für die Gemeinde Jesu Christi. Amen.

Auch Sie bekommen eine Taufkerze mit auf Ihren Weg, ein Zeichen dafür, dass Gott nicht wie eine finstere bedrückende Wolke über ihnen schwebt, sondern Licht, Wärme und Klarheit in Ihr Leben bringt.

Lied 200, 1+4:

1. Ich bin getauft auf deinen Namen, Gott Vater, Sohn und Heilger Geist; ich bin gezählt zu deinem Samen, zum Volk, das dir geheiligt heißt. Ich bin in Christus eingesenkt, ich bin mit seinem Geist beschenkt.

4. Mein treuer Gott, auf deiner Seite bleibt dieser Bund wohl feste stehn; wenn aber ich ihn überschreite, so lass mich nicht verlorengehn; nimm mich, dein Kind, zu Gnaden an, wenn ich hab einen Fall getan.

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde! „Ich bin getauft auf deinen Namen“, haben wir gesungen. Was bedeutet das? Wenn man jemanden auf einen Namen tauft, müsste er dann nicht diesen Namen tragen, auf den er getauft ist?

Das ist offensichtlich nicht so. Wer getauft wird, wird nicht umbenannt. Früher, als man die kleinen Kinder gleich nach der Geburt taufte, bekamen sie zwar bei der Taufe ihren Namen. Aber schon damals hießen sie nicht alle Jesus oder Christus und erst recht nicht Gott. OK, manche Kinder haben einen Namen, der bedeutet, dass sie zu Christus gehören, ich kenne zum Beispiel ein Mädchen, das Christiane heißt. Aber wir bekommen keinen neuen Namen, wenn wir „auf den Namen Gottes“ getauft werden.

Was meint Jesus, wenn er sagt: „Tauft die Menschen auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“? Ich habe in den griechischen Urtext der Bibel geschaut und gefunden: Da steht gar nicht das Wort „auf“. Da steht das Wort „in“. Was Jesus sagt, müsste man etwas wörtlicher so übersetzen (Matthäus 28, 19):

Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie in den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!

Aber im Deutschen klingt das blöd. Ich kann in die Kirche gehen, ich kann etwas in das Wasser tauchen, aber wie soll ich einen Menschen in einen Namen hinein taufen?

Moment mal! Hängen die beiden Wörter vielleicht zusammen: tauchen und taufen? Am Anfang taufte man die Menschen, indem man sie ganz untertauchte, zum Beispiel in einen Fluss. Als der syrische Oberbefehlshaber Naeman eine schlimme Hautkrankheit hat, sagt ihm der Prophet Elisa, dass er sich sieben Mal im Jordan waschen soll (2. Könige 5, 10). Als er das tatsächlich tut (2. König 5, 14), kommt zum ersten Mal in der Bibel das Wort „baptizo“ vor, das die Christen später für die Taufe verwenden:

Da stieg er hinab und tauchte im Jordan siebenmal unter nach dem Wort des Mannes Gottes.

In der älteren Lutherübersetzung von 1912 hatte sogar gestanden:

Da stieg er ab und taufte sich im Jordan siebenmal, wie der Mann Gottes geredet hatte.

Naeman wird im Jordanwasser getauft, und er wird gesund, seine Haut ist rein.

Später taucht Johannes der Täufer Menschen im Jordan unter: und zwar Menschen, die sich nicht körperlich, sondern seelisch schmutzig fühlen. Sie wollen umkehren von falschen Wegen. Sie sehnen sich nach einer Veränderung in ihrem Leben, nach Gottes Liebe und Vergebung, sie wollen neu anfangen können, und wissen nicht, wie. Johannes sagt ihnen (Matthäus 3, 2):

Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!

Und viele, die es hören (Matthäus 3, 6),

ließen sich taufen von ihm im Jordan und bekannten ihre Sünden.

Als die Menschen dann mit Jesus zusammen kommen, spüren sie, dass Gott da ist. Seine Liebe ist in Jesus greifbar da, zum Anfassen. Er muss einfach der Messias sein, der Sohn Gottes. Er gibt den Menschen, was sie brauchen, er macht ihre Seele satt und lehrt sie zu teilen, damit sie einander auch den körperlichen Hunger stillen. Er vergibt Versagern ihre Schuld und gibt ihnen die Chance ihres Lebens: neu anzufangen, im Gottvertrauen zu leben.

Und jetzt, in seiner letzten Rede im Matthäusevangelium, nimmt Jesus das gleiche Wort, das für das Untertauchen im Jordan benutzt worden war, und sagt: „Tauft sie in den Namen!“ Wer getauft wird, wird zwar heute nicht mehr ganz ins Wasser eingetaucht, sondern bekommt nur drei Mal Wasser über den Kopf geschüttet. Aber dieses Wasser bedeutet: Wer getauft wird, wird ganz eingetaucht „in den Namen“, in einen ganz bestimmten Namen, in den Namen „des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes“.

Wichtig ist: es geht hier um einen Namen, nicht um drei. Im Deutschen ist das nicht eindeutig klar, da könnte das „Taufen in den Namen“ auch bedeuten: „Tauft sie in den drei Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes“. Nein, im Griechischen steht „eis to onoma“, „in den Namen“, Einzahl. Und das hat seinen Grund. Es geht hier um den Einen Namen des Einen Gottes, wie er ihn selbst in seinem auserwählten Volk Israel offenbart hat.

In der christlichen Taufe werden wir Nichtjuden in den Namen des jüdischen Gottes hineingetauft. Wir werden dabei zwar nicht zu Juden, aber wir lassen uns mit hineinnehmen in den Einflussbereich des Gottes Israels. Das ist das Besondere an der Rede, die Jesus als der Auferstandene am Ende des Matthäusevangeliums hält. Vorher ist Jesus nicht über die Grenzen Israels hinausgegangen. Er wusste sich gesandt zu den Kindern seines Volkes. Jetzt, nach der Auferstehung des Christus, des Messias, des von Gott gesalbten Königs der Juden, weiß dieser König, dass er über das Volk Israel hinaus zu allen Menschen der Welt gesandt ist. Die Menschen aller Völker, zu denen auch wir gehören, in Deutschland und Eritrea, in Russland und Amerika, gehören zu den Kindern des Einen Gottes.

Was hat es nun mit dem Namen dieses Einen Gottes auf sich?

Der Name Gottes ist in der Heiligen Schrift kein Eigenname, den man einfach so ausspricht wie eine magische Beschwörungsformel. So einen Namen trägt Gott in der Bibel nicht. Die Juden haben die vier Buchstaben des Gottesnamens JHWH nie ausgesprochen. Als Gott sich dem Mose offenbart hat, da blieb es ein Geheimnis, was sein Name bedeutet: „Ich geschehe, als der ich geschehe“, so umschreibt Gott seinen Namen (2. Buch Mose – Exodus 3, 14), Luther übersetzt ihn so:

Ich werde sein, der ich sein werde.

Er kann auch bedeuten: „ICH BIN DA“, und zwar „für euch da“. Der Gott mit diesem Namen ist keiner der üblichen Tyrannen, die von Königen zu Hilfe gerufen werden, um ihre Völker besser unterdrücken zu können. Im Gegenteil, der Name des Einen Gottes steht für Befreiung aus Sklaverei – und für die Bewährung dieser Freiheit. Jeder muss sich an die Gebote der Gerechtigkeit halten, auch und gerade diejenigen, die Macht ausüben. Der Name ist also eine Herausforderung für die, die selber sein wollen wie Gott, und ein Trost für Menschen, die am Ende sind. Der Name ist Ermutigung für Mutlose und Zumutung für die, die ihre Nase zu hoch tragen.

Diesen Namen Gottes erläutert Jesus mit einem Zusatz. Er spricht vom „Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes.“

Indem Jesus Gott „Vater“ nennt, wehrt er das Missverständnis ab, als sei der allmächtige Gott unnahbar und bedrohlich. Nein, Gottes Macht ist fürsorglich. Daher ist er auch nicht mit jedem beliebigen menschlichen Vater zu vergleichen, sondern umgekehrt: Nur dann dürfen wir Männer uns Väter nennen, wenn wir für unsere Kinder wirklich da sind, mit der liebevollen Fürsorge, die sie brauchen. „Vater“ ist im Neuen Testament einfach die Umschreibung des Gottesnamens: ICH BIN FÜR EUCH DA.

Aber diesen Gott kennen wir Menschen nicht einfach von alleine. Wenn wir in den Wald gehen, um die Erhabenheit des Schöpfers zu bewundern, dann erfahren wir nicht automatisch, wie barmherzig der Gott Israels ist, was dieser Gott mit den Völkern in aller Welt vor hat, ja, wie er uns selber ansprechen und verwandeln will. Jesus ist der Mensch, durch den wir erfahren, wer Gott wirklich ist. An anderer Stelle im Evangelium nach Matthäus 11, 27–28, sagt Jesus:

Alles ist mir übergeben von meinem Vater; und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will. Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

Wenn wir also nicht nur in den Namen des Vaters, auch „in den Namen des Sohnes“ getauft werden, dann heißt das: Wir erfahren die Fürsorge des Einen Gottes durch diesen einen Menschen Jesus. Gott ist nicht nur oben, er ist auch unten, bei uns. Seine Liebe verkörpert sich vollkommen in Jesus. Warum ausgerechnet in ihm?

Jesus ist erstens der erstgeborene Sohn seines Volkes, er wird Sohn Abrahams genannt, Sohn Davids, Messias, er ist der Gesalbte König Israels. In ihm erfüllen sich die Hoffnungen des Volkes Israel.

Jesus ist zweitens der Menschensohn, von dem im Buch Daniel die Rede ist. Menschensohn, das heißt, Jesus ist nicht nur Sohn seines Volkes, sondern Sohn Adams, Sohn der Menschheit, er vertritt vor Gott uns alle. Von diesem Menschensohn heißt es im Buch Daniel 7, 14: Gott gibt…

ihm Macht, Ehre und Reich, dass ihm alle Völker und Leute aus so vielen verschiedenen Sprachen dienen sollten. Seine Macht ist ewig und vergeht nicht, und sein Reich hat kein Ende.

So ist Jesus nicht nur auf die gleiche Weise Gottes Sohn, wie alle menschlichen Geschöpfe Gottes Kinder sind, sondern er hat einen einzigartigen Auftrag, und nur er hat die Vollmacht, ihn auch auszuführen. Nur er ist in der Liebe, im Heiligen Geist, vollkommen eins mit dem Vater im Himmel. Darum kann Jesus auch glaubwürdig die Worte sagen, die wir vorhin gehört haben (Matthäus 28, 20):

Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Mit den gleichen Worten hatte Gott dem Mose seinen Namen offenbart: ICH BIN. Ich bin bei euch. Und so wie Mose ausgesandt wurde, um die Israeliten aus unmenschlichen Zuständen in Ägypten zu befreien, so sendet Jesus seine Jünger in alle Welt, damit alle Menschen befreit werden, befreit von Sünde, befreit zum Gottvertrauen, befreit aus menschenunwürdigen Verhältnissen und unmenschlichem Verhalten befreit zur wahren Menschlichkeit.

Körperlich ist dieser Jesus nicht mehr bei uns. Er ist eins mit dem Vater im Himmel und kann darum allen Menschen überall auf der Welt nahe sein, denn der Himmel ist nur eine Handbreit, nur einen Herzschlag weit entfernt von uns. Diese Nähe Gottes und der Liebe Jesu nennen wir den Heiligen Geist. Darum spricht Jesus von der Taufe in den Namen des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist ist Gott selbst, wie er uns mit Liebe erfüllt, wie er uns bewegt und verwandelt. Er tröstet uns, gibt uns Mut, macht uns stark zu einem Leben in Liebe. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Lied 514, 1+5-7:

1. Gottes Geschöpfe, kommt zuhauf! Halleluja, lasst brausen hoch zum Himmel auf: Halleluja! Du Sonne hell mit goldnem Strahl, Halleluja, Mond leuchtend hoch vom Himmelssaal, Halleluja. Singt ihm Ehre! Singt ihm Ehre! Halleluja.

5. Ihr Herzen, drin die Liebe wohnt, Halleluja, die ihr den Feind verzeihend schont, Halleluja. Ihr, die ihr traget schweres Leid, Halleluja, es Gott zu opfern still bereit, Halleluja. Singt ihm Ehre! Singt ihm Ehre! Halleluja.

6. Du, der empfängt in letzter Not, Halleluja, den Odem mein, o Bruder Tod, Halleluja: Führ Gottes Kinder himmelan, Halleluja, den Weg, den Jesus ging voran, Halleluja. Singt ihm Ehre! Singt ihm Ehre! Halleluja.

7. Ihr Kreaturen, singt im Chor: Halleluja! Hebt euer Herz zu Gott empor, Halleluja. Vater und Sohn und Heilgem Geist, Halleluja, dreieinig, heilig, hochgepreist, Halleluja, sei die Ehre, sei die Ehre! Halleluja.

Dreieiniger Gott, wir beten für die drei, die wir in deinen Namen hineingetauft haben, … . Erfülle ihr Leben mit deiner Liebe!

Vater, Sohn und Heiliger Geist, wir beten für uns alle, die wir in deinen Namen hineingetauft sind, dass wir ihn ernstnehmen, den Namen, dass wir auf Wegen gehen, die du uns zeigst, auf Wegen der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit.

Heiliger, barmherziger Gott, wir sind sterblich, du bist ewig, darum beten wir heute besonders für zwei Verstorbene, die wir in der vergangenen Woche bestattet haben: … . Schenke ihnen Frieden in deiner Ewigkeit, die Erlösung von allem Leid und allem Bösen dieser Erde. Und lass die Trauernden nicht allein in ihrem Schmerz, hilf ihnen, Trost und neuen Mut zum Leben zu finden.

In der Stille bringen wir vor dich, was wir außerdem auf dem Herzen haben:

Gebetsstille und Vater unser
Lied 632, 4-5: Wenn der Trost, den wir geben, uns weiter trägt
Abkündigungen

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. Amen.

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