Kein Himmelszauberer und kein Super-Rambo

In der Schule fragt mich ein zwölfjähriges Mädchen: „Warum tut Gott nichts gegen den Krieg? Warum greift er nicht ein, wenn Kinder geschlagen werden? Wahrscheinlich gibt es ihn gar nicht.“ Ich frage zurück: „Wie soll Gott denn eingreifen?“ „Vielleicht zaubern“, sagt das Mädchen. Die Jungen in der Klasse meinen: „Gott müsste den bösen Menschen das Handwerk legen, so wie Rambo“.

Die aufgeschlagenen Seiten der Bibel versprühen Zaubersterne

Manche würden sich die Bibel als Zauberbuch wünschen (Bild: pixabay.com)

#predigtAbendmahlsgottesdienst am 16. Sonntag nach Trinitatis, 19. September 1999, 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen
Begrüßung
Lied 334: Danke für diesen guten Morgen
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Danke für manche Traurigkeiten, haben wir unter anderem eben gesungen. Wie kann man für Traurigkeiten danken? Dankbar kann man sein, wenn man alles empfinden kann, die Freude wie die Trauer, den Zorn wie die Liebe, das Vertrauen wie die Angst. Wer keinen Schmerz empfinden kann, der macht sich auch zu für die Gefühle des Glücks.

Lieder der Bibel nehmen kein Blatt vor den Mund, äußern Gedanken und Gefühle, in harter Klarheit und Offenheit, ohne Scheu vor Gott und den Menschen. Ein Liederbuch der Bibel sind die Klagelieder. Aus diesem Buch hören wir heute die Klage eines Mannes, gelesen von zwei Konfirmandinnen. Er schüttet sein Herz vor Gott aus, und indem er das tut, klagt er Gott selber an: „Du selber bist es, der mir weh tut“ (Klagelieder 3 – GNB):

1 Ich bin der Mann, der viel gelitten hat unter den zornigen Schlägen des Herrn.

2 Ich bin es, den er vor sich hertrieb, immer tiefer in die dunkelste Nacht.

3 Immer nur mich traf seine Faust, Tag für Tag, ohne einzuhalten.

4 Er lässt meine Haut und mein Fleisch zerfallen und zerbricht mir alle meine Knochen.

5 Von allen Seiten schließt er mich ein, er umstellt mich mit Bitterkeit und Qual.

6 In Finsternis lässt er mich wohnen wie die, die schon seit langem tot sind.

7 Er hat mich ummauert und in Ketten gelegt, aus diesem Gefängnis gibt es keinen Ausweg.

Kann man zu einem solchen Gott beten, der einem Menschen so viel antut? Der Mann in den Klageliedern tut es. Er fühlt sich von Gott geschlagen, und gerade deshalb schreit er zu ihm, ruft ihm seinen ganzen Zorn entgegen. Auch so kann man Gott die Ehre geben, gerade so nimmt man Gott ganz und gar ernst.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Darf man denn Gott anklagen? Muss man nicht sich selber und seine eigene Sünde bekennen? In der Bibel gibt es dafür offenbar keine Regel. Wenn ich mir selber keiner Schuld bewusst bin, wenn ich mich aber von Gott verlassen fühle, dann ist es besser, ich klage Gott an, als wenn ich mich ganz von ihm abwende. Oder soll ich ein Schuldgefühl heucheln, das ich nicht habe? Hören wir auf die Worte des Klageliedes aus der Bibel, vielleicht findet mancher von uns eigene Erfahrungen darin wieder (Klagelieder 3 – GNB):

8 Ich kann um Hilfe schreien, so viel ich will – mein Rufen dringt nicht durch bis an sein Ohr.

9 Er hat mir den Weg mit Steinen versperrt, so dass ich ständig in die Irre gehe.

10 Wie ein Bär hat er mir aufgelauert, wie ein Löwe in seinem Hinterhalt.

11 Er hat mich vom Weg heruntergezerrt, dann hat er mich zusammengeschlagen.

12 Er hat den Bogen auf mich angelegt und mich als Ziel für seine Pfeile benutzt.

13 Pfeil auf Pfeil hat er abgeschossen und mir den Rücken damit durchbohrt.

14 Die Leute meines Volkes lachen mich aus, täglich singen sie ihr Spottlied über mich.

17 Das ruhige Leben hat er mir genommen; ich weiß nicht mehr, was Glück bedeutet.

18 Ich habe keine Zukunft mehr, vom Herrn ist nichts mehr zu erhoffen.

Der, der da spricht, ist kein gottloser Mensch. Er fühlt sich von Gott verlassen und betet doch zu Gott. So kann auch der beten, der sagt: Ich kann nicht beten. Lasst uns zu Gott rufen:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Vielleicht wird mir bewusst, indem ich Gott anklage, wo meine eigene Verantwortung liegt. Vielleicht fällt mir auf, wo ich mich festklammere an Verzweiflung, statt meine Sorge auf Gott zu werfen. Vielleicht spüre ich, wie viel von dem, was ich Gott vorwerfe, auf mich selbst zurückfällt. Ich denke: Gott, sei mir Sünder gnädig!

Wer ähnlich denkt, wer eigene Schuld bekennen und Gott um Vergebung bitten möchte, der sage laut oder leise oder auch still für sich:

Ja!

Auch der Mann im Klagelied kehrt um in seinem Denken und Fühlen. Weil ihm erlaubt ist, alles zu fühlen, alles zu denken, weil er keine Rücksicht nehmen muss auf Gefühle Gottes, darum kann er mit der Zeit weitergehen auf seinem Weg, andere Gedanken zu fassen, anderen Empfindungen Raum zu geben. Und so betet er weiter (Klagelieder 3 – GNB):

19 An all dieses rastlose Elend zu denken, ist Gift für mich und macht mich bitter.

20 Doch immer wieder muss ich daran denken und bin von Verzweiflung und Schwermut erfüllt.

21 Ich will mich an etwas anderes erinnern, damit meine Hoffnung wiederkommt:

22 Durch Gottes Güte sind wir noch am Leben, denn seine Liebe hört niemals auf;

23 jeden Morgen ist sie neu wieder da, und seine Treue ist unfassbar groß.

24 Ich sage: Der Herr ist mein Ein und Alles; darum setze ich meine Hoffnung auf ihn.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Gott, wenn du mein Ein und Alles bist, dann bin ich nicht verloren, auch wenn ich am Verzweifeln bin. Wenn du mein Ein und Alles bist, dann bin ich selber nicht unwichtig, sondern du siehst mich an als einen wertvollen Menschen. Wenn du mein Ein und Alles bist, dann brauche ich auf Erden nichts und niemanden zu fürchten. Amen.

Jetzt verabschieden wir uns wieder von den Kindern, die mit Daniela zum Kindergottesdienst nach unten gehen. Tschüss!

Und wir hören die Lesung aus dem Evangelium nach Johannes 11, den Anfang der Geschichte von drei Geschwistern, die mit Jesus befreundet waren:

1 Es lag aber einer krank, Lazarus aus Betanien, dem Dorf Marias und ihrer Schwester Marta.

3 Da sandten die Schwestern zu Jesus und ließen ihm sagen: Herr, siehe, der, den du lieb hast, liegt krank.

17 Als Jesus kam, fand er Lazarus schon vier Tage im Grabe liegen.

20 Als Marta nun hörte, dass Jesus kommt, geht sie ihm entgegen; Maria aber blieb daheim sitzen.

21 Da sprach Marta zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben.

22 Aber auch jetzt weiß ich: Was du bittest von Gott, das wird dir Gott geben.

23 Jesus spricht zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen.

24 Marta spricht zu ihm: Ich weiß wohl, dass er auferstehen wird – bei der Auferstehung am Jüngsten Tage.

25 Jesus spricht zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt;

26 und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubst du das?

27 Sie spricht zu ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis

Wir singen vor der Predigt das Lied 366, 1-5:

1) Wenn wir in höchsten Nöten sein und wissen nicht, wo aus noch ein, und finden weder Hilf noch Rat, ob wir gleich sorgen früh und spat,

2) so ist dies unser Trost allein, dass wir zusammen insgemein dich anrufen, o treuer Gott, um Rettung aus der Angst und Not,

3) und heben unser Aug und Herz zu dir in wahrer Reu und Schmerz und flehen um Begnadigung und aller Strafen Linderung,

4) die du verheißest gnädiglich allen, die darum bitten dich im Namen deins Sohns Jesu Christ, der unser Heil und Fürsprech ist.

5) Drum kommen wir, o Herre Gott, und klagen dir all unsre Not, weil wir jetzt stehn verlassen gar in großer Trübsal und Gefahr.

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde!

Kendralla und Sabrina haben am Donnerstag ganz spontan gesagt: Uns macht es Spaß, in der Kirche Texte zu lesen, und das traf sich gut, denn den heutigen Predigttext versteht man nur, wenn man nicht nur ihn selber liest (Klagelieder 3, 22-23):

22 Die Güte des HERRN ist’s, dass wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende,

23 sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß.

So fängt unser Predigttext an, und wenn man nicht genau hinhört, könnte man denken: Da spricht jemand, dem es gut geht, der Gottes Güte, Barmherzigkeit und Treue in einem ruhigen, schönen Leben erfährt. Aber nein, das sagt ein Mann, der vorher lange und ausführlich geklagt hat, das haben die beiden Mädchen vorhin vorgelesen: Gott lässt mich vom Weg abkommen, er hat mich geschlagen, mich zerfleischt, mir alle Knochen im Leibe zerbrochen. Er hat mich in Ketten gelegt, in Finsternis geführt, und wenn ich bete, stopft er sich vor meinem Gebet die Ohren zu! Kaum zu glauben, dass ein Mensch solche Erfahrungen macht – und dann immer noch nicht aufhört zu beten!

Aber er gibt nicht auf. Es gibt nur eins, das ihm gewiss ist: dass Gott da ist, irgendwo da draußen oder irgendwo hier drinnen, da muss er sein, und wenn er sich auch zeitweise die Ohren zustopft, irgendwann wird er wieder hören.

Und nicht nur dass Gott da ist, ist ihm gewiss, sondern dass Gottes Liebe nicht aufhört. Wie kann er so sicher sein? Er hat doch eben noch gesagt: Gott ist ein Schläger, lässt mich im Stich, hört mir nicht zu!

Diese Woche, in der Schule, hat mich ein zwölfjähriges Mädchen gefragt: „Warum tut Gott nichts gegen den Krieg? Warum greift er nicht ein, wenn Kinder geschlagen werden? Wahrscheinlich gibt es ihn gar nicht.“ Ich frage zurück: „Was soll Gott denn tun, wie soll er eingreifen?“ „Vielleicht zaubern“, sagt das Mädchen. Sie wünscht sich einen Zauber-Gott, der Wunder tut; aber an den kann sie nicht glauben, denn solche Wunder hat sie noch nicht erlebt. Die Jungen in der Klasse meinen: „Gott müsste den bösen Menschen das Handwerk legen, so wie Rambo“. Sie wünschen sich einen Rambo-Gott, einen Rächer der Enterbten, einen „Guten“, der furchtlos und rücksichtslos gegen die „Bösen“ kämpft.

Aber in der Wirklichkeit gibt es keine Zauberei und keinen Rambo-Gott. Es gibt auch gar nicht diese klare Unterscheidung zwischen „den“ Guten und „den“ Bösen. Schauen wir uns den Mann an, der die Klagelieder singt: Er gehört zum Volk Gottes, zum Volk Israel. Und sein Volk ist überfallen worden von den Babyloniern. Die Stadt Jerusalem ist dem Erdboden gleichgemacht worden, viele Juden wurden getötet, viele weitere nach Babel verschleppt. Und dieser Mann ist nicht der einzige, der Schläge und Ketten, Gefangenschaft und Verzweiflung erlebt hat. Hätte er nicht allen Grund dazu gehabt, seinen Glauben zu verlieren? Ist das nicht ein machtloser Gott, der es nicht verhindern kann, dass sein Volk überfallen, vernichtet, in die Verbannung geführt wird?

Nein, das denkt dieser Mann nicht. Er denkt vielmehr: Das Böse ist nicht nur bei den Feinden zu Hause. Gott hat vielmehr allen Grund, auch auf sein eigenes Volk zornig zu sein. Auf die Starken, die sich über Schwache lustig machen. Auf die Reichen, die sich an den Armen noch mehr bereichern. Auf die Selbstsicheren, die so tun, als ob sie keine Hilfe brauchen, keine Liebe, keinen Menschen, keinen Gott. Gott hat allen Grund zum Zorn – und in seinem Zorn erscheint Gott den Menschen nun so, als sei er gar nicht mehr da, als höre er nicht, als sei er nur noch grausam, als habe er die Menschen verlassen, die auf ihn vertrauen. Aber das stimmt nicht. Gott ist nicht zornig wie ein blindwütiger Vernichter und Zerstörer.

33 Denn nicht von Herzen plagt und betrübt er die Menschen.

Auch das ist ein Vers aus den Klageliedern. Was ist das dann für ein Zorn, dieser Zorn Gottes? Gott ist zornig wie ein liebender Vater. Er ist nicht zornig, weil seine Liebe aufgehört hat, sondern er ist aus Liebe zornig. Er sieht, wie seine Menschenkinder ins Unglück gerannt sind, obwohl er sie gewarnt hat. Wer kann ihnen nun noch helfen?

Ein Zauber- oder Rambo-Gott? Nein, der würde ihre innere Einstellung nicht ändern. Der Zauberer kann nicht Liebe zaubern, der Rambo kann nur vorübergehend mit Gewalt das Böse stoppen, aber er überschätzt seine Macht. In der Gewalt steckt das Böse immer schon drin.

Nur der wahre Gott, der nur Güte ist, der nur barmherzig und ewig treu ist, der kann helfen. Dieser Gott übt scheinbar keine Macht aus. Er ist mit seinem Volk traurig und verzweifelt, dass es der Eroberungslust der babylonischen Weltmacht zum Opfer fällt. Er lässt die Menschen die zornige Seite seiner Liebe spüren. Sie wollten gottlos leben, nun hält sich Gott vor ihren Gebeten die Ohren zu. Sie waren stolz auf ihre eigene Macht, nun verzweifeln sie, weil ihnen alles genommen wurde. Und Gott wartet.

Er ist kein Himmelszauberer und kein Super-Rambo. Er wartet ab, ob das große Unglück seinem Volk vielleicht ein Anstoß zur Umkehr wird. Wie es gute Eltern tun, hat er seine Kinder immer noch lieb, auch wenn sie ausgeschimpft und bestraft werden mussten. Gott wartet auf Einsicht und Umkehr.

Einsicht, Umkehr. Gibt es so etwas? Der Mann, der die Klagelieder gebetet hat, der kommt zur Einsicht. Der kehrt um. Der erinnert sich auf einmal nicht nur an das Böse, das ihm Gott angetan hat. Ihm fällt ein, dass Gott immer für ihn da ist, auch wenn er das nicht immer spürt. Gott lässt ihn nie allein, auch wenn er sich manchmal einsam fühlt. Und auf einmal klagt er nicht mehr, er fängt an zu loben und zu danken:

24 Der HERR ist mein [Ein und Alles], spricht meine Seele; darum will ich auf ihn hoffen.

25 Denn der HERR ist freundlich dem, der auf ihn harrt, und dem Menschen, der nach ihm fragt.

26 Es ist ein köstlich Ding, geduldig sein und auf die Hilfe des HERRN hoffen.

Wer so auf Gott vertraut, der ist anders stark als ein Rambo, sondern eher so wie Jesus später. Und was tut so ein starker Mann:

30 Er biete die Backe dar dem, der ihn schlägt, und lasse sich viel Schmach antun.

Jesus hat später dieses Wort aufgegriffen, um zu sagen: Wer unter Unrecht leidet, ist mit Recht zornig, aber er soll sich nicht rächen. Dadurch entsteht nichts Gutes, und ihr ändert nichts an dem Bösen, das schon geschehen ist. Wenn überhaupt, könnt ihr das Böse nur überwinden, indem ihr dem Bösen unerwarteterweise etwas Gutes tut.

Es ist dieser Jesus, von dem später das Johannesevangelium gesagt hat, dass er mächtiger ist als der Tod. Nicht weil er den Tod wegzaubert, sondern weil seine Liebe den Tod überdauert. Jesus musste sogar selber sterben, aber seine Mörder konnten nicht seine Liebe töten. An seinem Schicksal wird endgültig klar: Gott ist wirklich kein Zauber-Gott, kein Rambo-Gott. Aber er steht zu uns mit einer Zuverlässigkeit, die nie aufhört, nicht einmal im Tod. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit Freude und mit Frieden im Glauben. Amen.
Fürbittenstille

Wir singen ein Loblied aus neuerer Zeit, das die Erfahrung widerspiegelt, von Gott aus der Tiefe heraufgeholt worden zu sein – zum Leben, das Lied 638:

Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt, damit ich lebe

Lasset uns danksagen dem Herrn, unserm Gott. „Das ist würdig und recht.“

Gott, im Abendmahl sind Klage und Dank vereint. Die Klage: „Das ist mein Leib, das ist mein Blut“, so versuchen blindwütige Menschen deine Liebe zu zerstören, das Sanfte, das Zarte, das diese Welt retten kann, so tötet die Welt den besten Menschen, der je auf ihr gelebt hat.

Und der Dank: „Das ist mein Leib, das ist mein Blut“, genau diese Liebe, die sich selber hingibt, sie kann nicht zerstört werden von bösen Menschen, sondern sie lebt für uns und in uns und macht uns stark, um selber lieben zu können. Zu dir rufen wir und preisen dich, Heiliger Gott:

Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll. Hosianna in der Höhe. Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe.

Vater unser und Abendmahl

Danket dem Herrn, denn er ist freundlich. Halleluja! „Und seine Güte währet ewiglich. Halleluja!“

Gott, wir trauen uns oft nicht, unser Herz auszuschütten, weil wir nicht wissen, ob wir gehört werden oder ob es sich gehört, alle unsere Empfindungen auszudrücken. Wir finden oft keine Worte für unsere Sorgen, für den Druck, unter dem wir stehen, für die sinnlose Langeweile, in der manche von uns von Tag zu Tag dahinleben. Uns geht es doch gut, sagen wir, und manchmal merken wir selbst nicht, dass das nicht stimmt. Hilf uns, Gott, zu spüren, was mit uns los ist, was wir wirklich brauchen. Schenke uns die Offenheit für Menschen, denen wir vertrauen können, für dich, der nur auf unser Gebet wartet, und für uns selbst in unserem inneren Fühlen. So lass uns Leben finden, das uns niemand nehmen kann. Amen.

Zum Schluss singen wir das Lied 383 – eigentlich ein Lied für Kranke, nachdem sie wieder gesund geworden sind, aber auch ein Lied für Gesunde, die sich daran erinnern, Hilfe erfahren zu haben für Leib oder Seele:
Herr, du hast mich angerührt. Lange lag ich krank danieder

Und nun lasst uns mit Gottes Segen in den Sonntag gehen – wer möchte, ist im Anschluss noch herzlich zum Beisammensein mit Kaffee oder Tee im Gemeindesaal eingeladen.

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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