Kampf zwischen Tod und Leben

Im Vertrauen auf Gott kann für uns der Krieg zwischen Tod und Leben eindeutig entschieden sein. Zweifeln wir aber an Gottes Güte, dann stellen wir sozusagen den Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen mitten in den Garten, wo eigentlich der Baum des Lebens steht, und wir wissen nicht, wie der Kampf zwischen Gut und Böse letztlich ausgeht.

direkt-predigtAbendmahlsgottesdienst am Ostersonntag, 5. April 2015, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Herzlich willkommen heute am Ostersonntag im Abendmahlsgottesdienst in der Pauluskirche! Ich begrüße Sie mit Worten zum Osterfest aus der Offenbarung 1, 17-18. Jesus Christus spricht:

„Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“

In der Predigt geht es heute um ein Lied von Martin Luther, in dem ein Ringkampf beschrieben wird, ein Kampf zwischen Tod und Leben, in dem das Leben den Sieg davonträgt.

Zu Beginn singen wir das Osterlied 117:
Der schöne Ostertag!
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Wir beten mit Worten aus dem Psalm 30, im Gesangbuch steht er unter der Nr. 715. Ich lese die linksbündigen Verse, lesen Sie bitte die eingerückten Teile:

2 Ich preise dich, Herr; denn du hast mich aus der Tiefe gezogen.

3 Herr, mein Gott, als ich schrie zu dir, da machtest du mich gesund.

5 Lobsinget dem Herrn, ihr seine Heiligen, und preiset seinen heiligen Namen!

6 Denn sein Zorn währet einen Augenblick und lebenslang seine Gnade. Den Abend lang währet das Weinen, aber des Morgens ist Freude.

12 Du hast mir meine Klage verwandelt in einen Reigen, du hast mir den Sack der Trauer ausgezogen und mich mit Freude gegürtet,

13 dass ich dir lobsinge und nicht stille werde. Herr, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit.

Kommt, lasst uns Gott anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Wir kommen vom Karfreitag her. Jesus ist gestorben durch menschliche Schuld. Er stirbt immer wieder in den geringsten unter seinen Geschwistern, die keine Hilfe erfahren. Der Tod belastet uns – wo wir verzweifeln in der Trauer um geliebte Menschen, wo sich jemand nach Ruhe sehnt und meint, sie nur im Tod finden zu können, wo Todesmächte des Bösen und der Gedankenlosigkeit das Leben zerstören.

Mit unseren traurigen Gedanken, aber auch mit unserer Freude, mit unserer Verzweiflung, aber auch mit unserer Hoffnung, mit unserem schlechten Gewissen, aber auch mit unserer Einsatzbereitschaft, mit unserer Ängstlichkeit und Verzagtheit, aber auch mit unserem Gottvertrauen kommen wir zu dir, Gott, und rufen zu dir:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Im Buch des Propheten Jesaja 25, 8 heißt es:

8 Er wird den Tod verschlingen auf ewig. Und Gott der HERR wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen und wird aufheben die Schmach seines Volks in allen Landen; denn der HERR hat’s gesagt.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Gott, unser Vater im Himmel, lass uns hören auf die Osterbotschaft von der Auferstehung deines Sohnes, lass sie eindringen in unser Bewusstsein, lass sie unser Leben verwandeln, so dass wir nicht mehr unter der Macht des Todes stehen, sondern das ewige Leben empfangen. Darum bitten wir dich im Namen Jesu Christi, unseres gekreuzigten und auferstandenen Herrn. „Amen.“

Wir hören die Ostergeschichte aus dem Evangelium nach Markus 16, 1-8:

1 Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben.

2 Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging.

3 Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?

4 Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß.

5 Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich.

6 Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten.

7 Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingehen wird nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.

8 Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Wir singen das Lied 103:

1. Gelobt sei Gott im höchsten Thron samt seinem eingebornen Sohn, der für uns hat genug getan. Halleluja, Halleluja, Halleluja.

2. Des Morgens früh am dritten Tag, da noch der Stein am Grabe lag, erstand er frei ohn alle Klag. Halleluja, Halleluja, Halleluja.

3. Der Engel sprach: »Nun fürcht‘ euch nicht; denn ich weiß wohl, was euch gebricht. Ihr sucht Jesus, den find’t ihr nicht.« Halleluja, Halleluja, Halleluja.

4. »Er ist erstanden von dem Tod, hat überwunden alle Not; kommt, seht, wo er gelegen hat.« Halleluja, Halleluja, Halleluja.

5. Nun bitten wir dich, Jesu Christ, weil du vom Tod erstanden bist, verleihe, was uns selig ist. Halleluja, Halleluja, Halleluja.

6. O mache unser Herz bereit, damit von Sünden wir befreit dir mögen singen allezeit: Halleluja, Halleluja, Halleluja.

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, am Gründonnerstag haben wir uns mit einem Lied von Martin Luther auf den Sinn des Abendmahls besonnen. In dieser Osterpredigt möchte ich auf ein weiteres Lied des Reformators eingehen. Es ist das Lied 101, und wir schauen uns nach und nach alle sieben Strophen an, bevor wir sie dann auch singen.

1. Christ lag in Todesbanden, für unsre Sünd gegeben,
der ist wieder erstanden und hat uns bracht das Leben.
Des wir sollen fröhlich sein, Gott loben und dankbar sein
und singen Halleluja. Halleluja.

„Todesbande“, was stellen Sie sich vor, wenn Sie dieses Wort hören? Mir kommt das Bild aus Gullivers Reisen in den Sinn, wo Gulliver von kleinwüchsigen Wesen, die ihn für einen Riesen halten, an Hunderten von Stricken auf dem Boden liegend gefesselt wird. Im übertragenden Sinn können mit den Banden des Todes Zwänge gemeint sein, die menschliches Leben behindern oder zerstören, von der Selbstsucht, die auf Kosten anderer lebt, bis hin zum fanatischen Bekenntnis zur eigenen Religion, die über Leichen geht. Buchstäblich hat Jesus im Grab gelegen, eingewickelt in Leichentücher, nicht nur scheintot, sondern tot, wie wir alle es einmal sein werden.

„Für unsre Sünd gegeben“, damit deutet Martin Luther Jesu Tod. Jesus stirbt keinen natürlichen Tod, unsere Sünden bringen ihn um. Und das Wort „gegeben“ macht deutlich, dass hier nicht nur die Ursache für Jesu Tod genannt ist. Gott selber gibt sich im Christus, im Messias Israels aller Welt hin, um die Sünde zu überwinden.

Kurz und knapp reimen sich dann die Worte „erstanden“ und „Leben“ auf die Aussagen über Tod und Sünde. Für Gott hat der Tod Jesu nicht das letzte Wort, er lässt seinen Sohn „erstehen“, und damit bringt er uns „das Leben“. Schlichte, klare, einfache Worte verwendet Luther. Im Klartext heißt das: Ostern ist nicht nur die Feier der Auferstehung Jesu, sondern auch die Feier unseres eigenen Lebens. Wie auch immer wir uns selber unter Druck fühlen von Trauer und Angst, Schuldgefühl und Verzweiflung – Jesus bringt uns, schenkt uns den Mut zu neuem Leben!

Wenn wir zu dieser Einsicht gelangen, ist das ein Grund zur Freude, zum Loben, Danken und Singen!

2. Den Tod niemand zwingen konnt bei allen Menschenkindern;
das macht alles unsre Sünd, kein Unschuld war zu finden.
Davon kam der Tod so bald und nahm über uns Gewalt,
hielt uns in seim Reich gefangen. Halleluja.

In einer Rückblende wird noch einmal der Tod genauer betrachtet. Von Menschen ist er nicht bezwingbar. Damit ist nicht nur die Tatsache gemeint, dass nun einmal alle Menschen sterben müssen. Luther spricht hier nicht vom biologischen Tod, sondern davon, dass uns unsere Sünde in eine tödliche Gefangenschaft verstrickt. Sünde ist ein Leben ohne Gottvertrauen; statt im Einflussbereich der Liebe Gottes zu leben, also im Reich Gottes, das mitten unter uns beginnen und wachsen will, lebt der Sünder im Reich des Todes, in Sachzwängen, die das Leben stören und zerstören, und er kann nicht anders, als anderen Menschen schuldig zu bleiben, was sie brauchen.

3. Jesus Christus, Gottes Sohn, an unser Statt ist kommen
und hat die Sünd abgetan, damit dem Tod genommen
all sein Recht und sein Gewalt; da bleibt nichts denn Tods Gestalt,
den Stachel hat er verloren. Halleluja.

Was in der ersten Strophe nur knapp angedeutet wurde, hier wird es ausgeführt: Jesus, der Christus, der von Gott gesandte Messias, der von Gottes heiligem Geist vollkommen erfüllte Sohn Gottes, er kam und siegte. In einem Kampf, den wir nicht gewinnen könnten, ist er an unsere Stelle getreten und „hat die Sünd abgetan“. Wie denn? Soll das denn möglich sein? Die Sünde, die zentnerschwer auf unserem Gewissen lastet oder die wir verdrängen, weil wir sie aus eigener Kraft nicht bezwingen können – Jesus kann sie einfach so – abtun? Als wäre sie eine Kleinigkeit, eine Nebensache, nicht der Rede wert? Jesus ist jedenfalls stärker als die Sünde, weil er ohne Sünde ist, weil er eins mit Gott war und blieb, selbst dort, wo er sich von Gott verlassen fühlte.

Und indem Jesus zeigt, was die Sünde ist, nämlich im Grunde „nichts“, weil sie ja nur ein großes Nein gegenüber Gottes Liebe sein will, kann er sie abtun, indem er sein großes Ja zum Leben aller Menschen sogar durch den Tod hindurchträgt und behauptet.

Damit nimmt Jesus dem Tod das Recht, das er durch die Sünde scheinbar an uns hat, und er nimmt ihm die Gewalt, die er über uns ausübt, so lange wir in der Angst vor Vernichtung und Verzweiflung leben. Die Gestalt des Todes bleibt, das heißt, den biologischen Tod müssen wir alle sterben, aber seinen Giftstachel hat der Tod verloren, er kann uns nicht den Sinn des Lebens rauben, wir können selig sterben, im Vertrauen auf die ewige Erfüllung unseres Lebens in und durch Gottes Liebe.

4. Es war ein wunderlich Krieg, da Tod und Leben ‚rungen;
das Leben behielt den Sieg, es hat den Tod verschlungen.
Die Schrift hat verkündet das, wie ein Tod den andern fraß,
ein Spott aus dem Tod ist worden. Halleluja.

Von einem wunderlichen Krieg zwischen Tod und Leben dichtet Martin Luther die mittlere Strophe seines Liedes. „Wunderlich“ nennen wir Menschen, die uns „schräg“ vorkommen, die nicht ganz der Normalität entsprechen. An diesem Krieg zwischen Tod und Leben mag „wunderlich“ sein, dass er von vornherein entschieden sein soll. Und zwar merkwürdigerweise für das Leben. Wenn jeder Mensch sterben muss, wird dann nicht jedes Leben am Ende vom Tod verschlungen und nicht umgekehrt? Für die Bibel, für Martin Luther, für den christlichen Glauben ist aber der Tod der Verlierer, und es kommt gar kein Gedanke daran auf, dass der Tod oder auch der Teufel, der in diesem Lied überhaupt nicht erwähnt wird, eine Art Gegengott sein könnte. In den Mythologien anderer Völker, der Babylonier, der Griechen, der Römer, der Germanen, da hat der Tod göttliche Macht, da kämpfen Götter gegeneinander, und es ist nicht klar, wer die Oberhand dabei behält. Klar ist nur, dass in einer solchen Götterwelt die Menschen auf der Verliererseite stehen. Den Gott der Liebe und des Lebens, den menschenfreundlichen Gott der Bibel, den kann kein Tod und kein Teufel besiegen. In Jesu Tod und Auferstehung ist der Ringkampf mit dem K.O. des Todes zugunsten des Lebens ausgegangen, das Leben hat den Tod verschlungen. Ein Tod hat sozusagen den anderen Tod gefressen, wie Luther sehr drastisch formuliert. Er beruft sich dabei auf die Heilige Schrift, auf das Wort aus Jesaja 25, 8:

„Er wird den Tod verschlingen auf ewig“,

das Paulus in 1. Korinther 15, 55 aufnimmt:

„Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?“

Adam und Eva essen vom Baum des Todes

Adam und Eva essen vom Baum des Todes (Bild: pixabay.com)

Wenn Gott der einzige Gott ist, wenn er den Tod nicht als Gegner fürchten muss, warum findet dieser Ringkampf dann aber überhaupt statt? Diese Frage lässt sich zurückführen auf die Frage: Warum gibt es das Böse in der Welt? Warum lässt Gott es zu? Genau können wir das nicht sagen. Es gibt keine alles erklärende Antwort auf diese Frage. Eine mögliche Antwort hängt mit der Freiheit zusammen, die wir Menschen haben: Wir können uns nicht nur vertrauensvoll für Gott entscheiden, sondern ihn auch ablehnen, uns gegen seine Liebe auflehnen. Einerseits will Gott uns mit seiner Liebe beschenken, er kann und will sie uns aber nicht aufzwingen. Daraus entsteht eine wahrhaft „wunderliche“ Konsequenz: Entscheiden wir uns für das Vertrauen auf Gott, dann kann für uns der Krieg zwischen Tod und Leben eindeutig entschieden sein. Zweifeln wir aber an Gott und seiner Güte, so wie es die Erzählung vom Sündenfall mit dem Baum der Erkenntnis und den Einflüsterungen der Schlange bildhaft darstellt (1. Buch Mose – Genesis 3, 1-6), dann stellen wir sozusagen den Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen mitten in den Garten, wo eigentlich der Baum des Lebens steht, und wir wissen nicht, wie der Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen den Mächten des Lebens und des Todes letztlich ausgeht. Schöner ist es, wenn wir mit dem Lied von Martin Luther den Tod und seine Macht verspotten können, weil wir wissen, dass wir im Tode nicht verloren gehen, sondern in das ewige Leben eingehen, das Gott für uns durch Jesus gewonnen hat.

5. Hier ist das recht Osterlamm, davon wir sollen leben,
das ist an des Kreuzes Stamm in heißer Lieb gegeben.
Des Blut zeichnet unsre Tür, das hält der Glaub dem Tod für,
der Würger kann uns nicht rühren. Halleluja.

Diese Strophe verbindet Bilder aus dem Neuen und dem Alten Testament. Johannes der Täufer nannte Jesus das Lamm, das der Welt Sünde trägt. Beim jüdischen Passahfest werden Lämmer geschlachtet zur Erinnerung an den Auszug aus Ägypten; damals wurde Blut von Lämmern an die Türpfosten der Israeliten gestrichen, darum blieben sie verschont vor dem Todesengel, der die zehnte ägyptische Plage an den erstgeborenen Söhnen vollzog. Wieder reimt sich in dieser Strophe „gegeben“ auf „leben“; aus heißer, wirklich leidenschaftlicher Liebe heraus opfert sich Jesus am Kreuz wie ein Opferlamm für uns; das Blut dieses Lammes wird nun bildlich gesprochen das Zeichen an unserer Tür, dass der Tod und seine Würgeengel hier keinen Zutritt haben. Wie gesagt: Wenn unsere Zeit gekommen ist, müssen wir dennoch sterben. Aber wir gehen nicht verloren, bleiben geborgen in der Liebe Gottes, die in der Liebe Jesu Christi vor aller Augen offenbar wird.

6. So feiern wir das hoh Fest mit Herzensfreud und Wonne,
das uns der Herr scheinen lässt. Er ist selber die Sonne,
der durch seiner Gnaden Glanz erleucht‘ unsre Herzen ganz;
der Sünden Nacht ist vergangen. Halleluja.

Hier beschreibt Luther das Osterfest wie eine strahlende Sonne, die es hell macht in unseren Herzen. Die Nacht der Verzweiflung in Sünde und Ausweglosigkeit ist vorbei, der Tag der Gnade und neuen Hoffnung ist angebrochen. Wir erinnern uns: im Osterevangelium nach Markus fliehen die Frauen zuerst mit Zittern und Entsetzen vom Grab. Noch hat die Sonne der Gnade nicht in ihr Herz scheinen können, noch konnte die Osterfreude nicht ihre Trauer und ihr Entsetzen überwinden. Manchmal brauchen wir Geduld, bis endlich auch in uns die Nacht der Verzagtheit und der Mutlosigkeit überwunden ist.

7. Wir essen und leben wohl, zum süßen Brot geladen;
der alte Sau’rteig nicht soll sein bei dem Wort der Gnaden.
Christus will die Kost uns sein und speisen die Seel allein;
der Glaub will keins andern leben. Halleluja.

Was mag hier mit dem Sauerteig gemeint sein? Die Juden aßen beim Passahfest nur ungesäuertes Brot, weil sie beim Auszug aus Ägypten in ihrer Eile keine Zeit hatten, Brot mit Sauerteig zu backen. Als Jesus seinen Jüngern einmal sagt,

„sie sollten sich hüten vor dem Sauerteig … der Pharisäer und Sadduzäer“,

da meinte er nicht den „Sauerteig des Brotes“, sondern ihre „Lehre“, wie es in Matthäus 16, 12 heißt. Beim Evangelisten Lukas 12, 1 sagt Jesus noch schärfer:

„Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer, das ist die Heuchelei.“

Sie hatten Jesus angegriffen, weil er angeblich die Gebote der Reinheit übertreten hätte, Jesus hielt ihnen vor, das Hauptgebot der Barmherzigkeit zu übertreten. Der Apostel Paulus benutzt in 1. Korinther 5 das Bild des Sauerteigs im Zusammenhang mit dem Osterfest, das er als erneuertes Passahfest begreift:

6 Euer Rühmen ist nicht gut. Wisst ihr nicht, dass ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert?

7 Darum schafft den alten Sauerteig weg, damit ihr ein neuer Teig seid, wie ihr ja ungesäuert seid. Denn auch wir haben ein Passalamm, das ist Christus, der geopfert ist.

8 Darum lasst uns das Fest feiern nicht im alten Sauerteig, auch nicht im Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern im ungesäuerten Teig der Lauterkeit und Wahrheit.

Mit dem süßen Brot ist also nicht wörtlich Zuckerbrot oder Kuchen gemeint, sondern die Gnadenspeise der Liebe Gottes, die uns spüren lässt, dass wir es nicht nötig haben, uns zu rühmen, also uns besser hinzustellen, als wir sind. Nein, vielmehr dürfen wir auf Gnade vertrauen und die Liebe Jesu als Brot für unsere Seele in uns aufnehmen, so dass wir aufhören, böse zu denken und schlecht zu handeln, und anfangen, lauter und wahr, also im Sinn der Liebe Jesu zu denken und zu handeln. „Der Glaub will keines anderen leben“, es darf uns genügen, im Vertrauen auf Jesus Christus aus seiner Kraft zu leben.

In diesem Sinne dürfen wir heute am Ostersonntag getrost und froh – oder jedenfalls in der Hoffnung auf die wahre Osterfreude – im Heiligen Abendmahl die Gnadenspeise Jesu Christi empfangen. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Vor dem Abendmahl singen wir aus dem Lied 113 die Strophen 4 bis 8:

5. Es war getötet Jesus Christ, und sieh, er lebet wieder. Weil nun das Haupt erstanden ist, stehn wir auch auf, die Glieder. So jemand Christi Worten glaubt, im Tod und Grabe der nicht bleibt; er lebt, ob er gleich stirbet.

6. Wer täglich hier durch wahre Reu mit Christus auferstehet, ist dort vom andern Tode frei, derselb ihn nicht angehet. Genommen ist dem Tod die Macht, Unschuld und Leben wiederbracht und unvergänglich Wesen.

8. O Tod, wo ist dein Stachel nun? Wo ist dein Sieg, o Hölle? Was kann uns jetzt der Teufel tun wie grausam er sich stelle? Gott sei gedankt, der uns den Sieg so herrlich hat in diesem Krieg durch Jesus Christ gegeben!

Christus ist auferstanden! In Brot und Kelch ist er für uns da.

Gott, lass uns nicht um uns selber kreisen in Verzagtheit oder Übermut, in Egoismus oder Gleichgültigkeit. In der Stille bringen wir vor dich, was unsere Seele belastet:

Beichtstille

Wollt Ihr das Leben ergreifen, das euch geschenkt ist durch Jesu Tod und Auferstehung? Wollt ihr im Vertrauen auf die Gnade Gottes Vergebung empfangen für die Lasten, die euch zu schwer zu tragen sind? Dann sagt laut oder leise oder auch still im Herzen: Ja!

Auf euer aufrichtiges Bekenntnis spreche ich euch die Vergebung eurer Sünden zu – im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Der Herr sei mit euch. „Und mit deinem Geiste.“

Erhebet eure Herzen! „Wir erheben sie zum Herren.“

Lasset uns Dank sagen dem Herrn, unserem Gott. „Das ist würdig und recht.“

Würdig und recht ist es, zu glauben, dass der Kampf zwischen Leben und Tod, zwischen Himmel und Hölle, zwischen dir, Gott, und allen Todesmächten längst entschieden ist, und dass wir erlöst werden durch deine freie Gnade und Barmherzigkeit, die wir im Tod und in der Auferstehung Jesu Christi erkennen. Zu dir rufen wir und preisen dich, Heiliger Gott:

Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll. Hosianna in der Höhe. Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe.

Vater unser und Abendmahlsworte

„Christus will die Kost uns sein und speisen die Seel allein“ – nehmt und gebt weiter, was euch gegeben ist – den lebendigen Leib der Liebe Gottes.

Herumreichen des Korbs

Christus ist das Osterlamm, sein Blut wird uns zum Zeichen des Lebens, denn er vergießt es aus Liebe. Nehmt hin den Kelch der der Liebe Jesu Christi.

Austeilen der Kelche

Christus spricht: „Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ Gehet hin im Frieden!

Fürbitten

Wir singen das Lied 107:

1. Wir danken dir, Herr Jesu Christ, dass du vom Tod erstanden bist und hast dem Tod zerstört sein Macht und uns zum Leben wiederbracht. Halleluja.

2. Wir bitten dich durch deine Gnad: nimm von uns unsre Missetat und hilf uns durch die Güte dein, dass wir dein treuen Diener sein. Halleluja.

3. Gott Vater in dem höchsten Thron samt seinem eingebornen Sohn, dem Heilgen Geist in gleicher Weis in Ewigkeit sei Lob und Preis! Halleluja.

Abkündigungen

Geht mit Gottes Segen in das Osterfest:

Der Herr segne euch und behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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