Zwei innere Stimmen im Streit über Schritte zum Frieden

Zwei innere Stimmen streiten über unseren Bibeltext. Da schafft der arme König Frieden durch sein Wort. Die zuversichtliche Stimme sagt: „Sehen wir doch einmal zu, welche Waffen wir vernichten können!“ Doch die besorgte Stimme winkt ab: „Da kannst du zwar jammern. Aber ob weiter aufgerüstet wird oder nicht, darauf hast du doch keinen Einfluss.“

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Zwei Masken der Hoffnung, Stille, Dankbarkeit einerseits – der Sorge, Angst, Rastlosigkeit andererseits (Grafik: pixabay.com)

Gottesdienst am 1. Advent, 27. November 1977, um 9.00 Uhr in Ockstadt, Grabenstraße 7, und um 10.00 Uhr im Kindergarten Friedberg West (und 1. Advent, 2. Dezember 1979 in Weckesheim und Reichelsheim)

Ich begrüße Sie und euch alle herzlich zum Gottesdienst am 1. Advent. Es soll heute um das Thema gehen: Schritte zum Frieden. Zum Frieden mit mir selbst und mit anderen Menschen. Zum Frieden in sozialen Konfliktfeldern und unter den Völkern. Von dem Frieden will ich reden, von dem Frieden wollen wir singen, der uns mit Jesus Christus geschenkt ist.

In diesem Sinne beginnen wir den Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Freut euch und tanzt, ihr Einwohner Zions, heißt es im Prophetenbuch Sacharja, schreit eure Freude laut heraus, ihr Bewohner Jerusalems! Siehe: euer König kommt zu euch; er hat das Recht auf seiner Seite, er hat selbst Hilfe erfahren. Er schafft den Völkern Frieden durch sein Wort!

Eingangslied: Die Nacht ist vorgedrungen (EKG 14, 1-3)

Herr Jesus Christus, eine Sehnsucht ist in mir. Nach Ruhe, nach innerem Frieden, nach einem Ausweg aus all den Forderungen und dem Druck des Alltags. Ich sehne mich nach Nähe zu den Menschen, die um mich sind, ich suche Wege, Freunde zu finden, einen Ausweg brauche ich aus Enttäuschungen. Ich wage kaum zu hoffen, dass diese Welt eine Zukunft hat, in der zwischen Völkern und Rassen Frieden herrscht, in der Gerechtigkeit auch den heute noch Elenden und Ausgebeuteten zukommt. Doch auch danach sehne ich mich!

Herr, lass meine Sehnsucht nicht auslöschen oder abstumpfen. Führe mich mit Menschen zusammen, die mein Verlangen teilen. Zeige uns Schritte auf dem Weg zum Frieden, die wir gehen können. Amen.

Evangelium: Matthäus 21, 1-9

1 Als sie nun in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage an den Ölberg, sandte Jesus zwei Jünger voraus

2 und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt, und gleich werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Füllen bei ihr; bindet sie los und führt sie zu mir!

3 Und wenn euch jemand etwas sagen wird, so sprecht: Der Herr bedarf ihrer. Sogleich wird er sie euch überlassen.

4 Das geschah aber, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht (Sacharja 9, 9):

5 »Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttiers.«

6 Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte,

7 und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider darauf und er setzte sich darauf.

8 Aber eine sehr große Menge breitete ihre Kleider auf den Weg; andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg.

9 Die Menge aber, die ihm voranging und nachfolgte, schrie: Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!

Glaubensbekenntnis
Hauptlied: Macht hoch die Tür (6, 1-3)
Gnade sei mit uns und Friede von Gott, unserem Vater, und Jesus Christus, unserem Herrn. Amen.

Liebe Gemeinde,

zwei Mal im Jahr wird dieser Evangelientext vom Einzug Jesu in Jerusalem kurz vor Jesu Tod gelesen. Es ist ein sehr wichtiger Text. Da kommt Jesus an in Jerusalem. Advent heißt ja Ankunft. Und „er kommt an“ – wie heute gesagt wird – die Leute sind begeistert. Wenig später schreien sie: „Kreuzige ihn!“ – weil sie ihn missverstanden hatten, weil sie sich ihn ganz anders vorgestellt hatten. An diese Ankunft in Jerusalem wird auch im Advent erinnert, jetzt wenn wir an Jesu erste Ankunft auf der Erde, als ein kleines Kind, denken. Und dass wir das jetzt tun, hat auch seinen besonderen Sinn: dass es sich nicht nur lohnt, auf das süße Baby, das Christkind, auf Weihnachten zu warten, sondern dass es sich lohnt, auch auf den Mann Jesus zu warten, auf den Frieden, den er bringt. Dieses Warten hat noch nicht aufgehört, Frieden ist noch nicht da, aber er ist uns verheißen, und er fängt seit Jesus schon an.

Wir hören als Text zur Predigt Sacharja 9, 9-10:

9 Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.

10 Denn ich will die Wagen wegtun aus Ephraim und die Rosse aus Jerusalem, und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden. Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde.

Amen.

Liebe Gemeinde!

In einer älteren Übersetzung beginnt der eben verlesene Text so: „Frohlocke laut, Tochter Zion!“ So ungebräuchlich die Worte „frohlocken“ und „jauchzen“ heute für das Tanzen und Schreien vor Freude geworden sind, so ungewohnt ist uns auch solche ein öffentlicher Ausdruck der Freude selbst. Wenn wir unter fremden Leuten sind, sind wir beherrscht und ruhig, halten wir uns mit Gefühlsäußerungen zurück. In Ägypten gab es in der vergangenen Woche Grund zu öffentlicher Freude: als Präsident Sadat von seiner mutigen Reise nach Israel zurückkehrte und in Kairo von Tausenden jubelnder Menschen als Held des Friedens begrüßt wurde.

Ein Friedensbringer wird auch in unserem Text aus dem Prophetenbuch Sacharja angekündigt. Ein König, der Frieden schafft durch das Wort. Ein merkwürdiger König, nicht reich gekleidet und kriegerisch ausgerüstet zu Pferde oder im Kriegswagen, sondern ein armer Mann, der auf dem Reittier der unteren Bevölkerungsschichten, einem Eselsfüllen, reitet. Er ist das glatte Gegenteil von einem Herrscher, wie wir ihn uns vorstellen. Dieser König schafft den Völkern Frieden, hören wir. Er braucht weder Reichtum noch Gewalt dazu. Doch es heißt von ihm: er hat das Recht auf seiner Seite. Und: er hat selbst Hilfe erfahren. Das macht seine Stärke aus.

Später lebte einer, auf den diese Beschreibung zutraf. In der Adventszeit feiern wir das Fest der Erwartung dieses armen Königs. Jesus zog auf einem Esel in Jerusalem ein, um dort hingerichtet zu werden. So widersinnig es klingt: von ihm können wir sagen, dass er das Recht auf seiner Seite hatte, dass ihm geholfen wurde. Wer mit Jesus in Berührung kam, hatte Grund zur Freude da er von dem Frieden, in dem er lebte, etwas zu spüren bekam.

Ich wünsche mir für diesen Gottesdienst, dass etwas von dieser Freude hier mitten unter uns Wirklichkeit wird.

Zwei Stimmen gab es in mir, als ich diese Predigt schrieb. Eine zuversichtliche und eine besorgte.

Die eine sagte: „Erzähle doch einfach, wie es ist, wenn du dich auf die Art Jesu einlässt, mit dir selbst und mit anderen umzugehen“.

Aber die andere gab zu bedenken: „Du bist ja selbst nicht zur Ruhe gekommen, du fühlst dich gehetzt. Hast du überhaupt selbst genug inneren Frieden, um anderen vom Frieden zu erzählen? Du wirst am Sonntag von der Freude reden, aber wird das dann mit deinem wirklichen Gefühl übereinstimmen? Wirst du gelöst und frei sein können und dich in der Gemeinde wohlfühlen? Wirst du nicht eher unsicher sein, ob du deine Hörer auch erreichst, und ängstlich, weil du vielleicht nicht allen Erwartungen gerecht wirst?“

Diese besorgte Stimme sieht nur Nacht. Sie sieht nicht, dass die Nacht schon vorgedrungen und der Tag nicht mehr fern ist, wie es in dem Lied von Jochen Klepper heißt. Sie sieht Grund zur Besorgnis auch da, wo keiner vorhanden ist.

Die zuversichtliche Stimme dagegen weiß, dass es berechtigte Sorgen gibt, dass noch manche Nacht auf menschliches Leid und Schuld fallen wird, wie wir nachher singen werden. Aber sie weiß auch, dass ein Licht uns durch die Nacht begleitet.

Ohne Bild gesprochen: ich höre von der zuversichtlichen Stimme den Zuspruch: „Sag dir selbst und sag der Gemeinde im Gottesdienst, dass Friede und Freude in einer weithin friedlosen Welt für uns erreichbar sind. Und versuche, dir und anderen klar zu machen, wie dies geschehen kann. Welche kleinen Schritte wir lernen können. Sag den anderen auch, wie schwer es dir selbst fällt, nicht den Mut zu verlieren“.

Die beiden Stimmen in mir liegen im Streit miteinander. Sie streiten sich auch über unseren Bibeltext. Da schafft der arme König Frieden durch sein Wort. Und er rottet die Waffen aus, die den Frieden bedrohen, statt ihn zu schützen.

Die zuversichtliche Stimme sagt: „Sehen wir doch einmal zu, welche Waffen wir vernichten können – weg mit ihnen, damit sie keinen Schaden mehr anrichten!“ Doch die besorgte Stimme denkt ans Wettrüsten, an die Pläne für die Neutronenbombe, an die mächtigen Industriekonzerne, die an den Waffen verdienen und winkt ab: „Da kannst du zwar jammern. Aber ob weiter aufgerüstet wird oder nicht, darauf hast du doch keinen Einfluss. Wir müssen uns wohl an die Neutronenbombe gewöhnen, wie wir uns an andere Waffen gewöhnt haben“.

Solchen Gedanken, die nicht weiterführen, lässt mich die zuversichtliche Stimme nicht nachhängen. „Fang doch erst mal bei dir selber an“, schlägt sie vor. „Wie?“ denke ich. „Sieh mal“, vernehme ich, „mit welchen Waffen du dich selbst kaputtmachst. Ich denke nur einmal an all die Vorschriften und den Druck, unter den du dich selbst stellst. ‚Sei perfekt, arbeite hart, dann wirst du anerkannt‛, redest du dir ein. ‚Tu immer, was die anderen wollen, dann mögen sie dich – vielleicht‛. Diese Vorschriften, mit denen du dich selbst antreibst, das sind Waffen, die du gegen dich selbst richtest. Jawohl, du selbst zerstörst dich, wenn du die Vorschriften vielleicht auch von anderen eingeimpft bekommen hast“.

„Weg mit dieser Waffe!“ ruft mir meine zuversichtliche Stimme zu. „Sie ist gefährlich. Mach es wie der König im Bibeltext: Lass dir helfen. Lass dir sagen: du bist liebenswert, du bist etwas – bevor du etwas leistest. Tu dann, was du selbst für richtig hältst, und versuche nichts zu tun, was deine Möglichkeiten übersteigt, nur weil es andere von dir fordern. Vertraue auf das Wort, das du von Jesus hören kannst, durch das er deinen inneren Frieden schafft: ‚ich nehme dich an, so wie du bist‛. Ein Mensch ist immer da, der dich mag – wenn du dich selber magst.

So redet meine zuversichtliche Stimme. Und sie fährt fort: „Sieh weiter, welche Waffen deine Beziehungen zu anderen Menschen zerstören. Reagierst du mit Verbitterung, wenn dein Vertrauen in einen vermeintlichen Freund enttäuscht worden ist? Dadurch hinderst du dich an neuen Erfahrungen mit anderen Menschen. Oder: prüfe einmal deine Hemmungen und Ängste fremden Leuten gegenüber. Du denkst, du seist ihnen unterlegen, wenn du neu in eine .Gruppe kommst. Du denkst, ein anderer könnte dich ablehnen, wenn du ihm deine wahren Gefühle sagst. So bist du vorsichtig und hältst eine Beziehung lieber an der Oberfläche. Du meinst, eine neue Enttäuschung könntest du nicht verkraften.

Auch diese Waffen richtest du gegen dich selbst, denn du täuschst dich“, mahnt mich meine zuversichtliche Stimme. „Du suchst ja Freunde, Menschen, die dich verstehen und denen du vertrauen kannst. Dahin wirst du ohne Wagnis, das auch zu neuen Enttäuschungen führen kann, nicht kommen.

Du richtest diese Waffen auch gegen den, den du vielleicht schonen willst, wenn du ihm nicht harte Wahrheiten sagst, sondern lieber Konflikte vermeidest. Denn du wirst dem anderen nicht wirklich nahe kommen, wirst ihm weh tun, da er spüren wird, dass du nicht ehrlich bist.“

Der König, der das Wagnis eingeht, ohne Waffen und ohne Reichtum sich für das Recht der Machtlosen und Armen einzusetzen – er hat das Recht auf seiner Seite, er erfährt Hilfe. „Das Beispiel dieses Königs“, so redet mir meine zuversichtliche Stimme zu, „kann auch dir Mut machen, Wagnisse einzugehen. Wenn du einem Menschen näher kommen willst, wenn du Freunde suchst, wirst du nicht von Enttäuschungen verschont bleiben. Aber wenn du dann wirklich einem Menschen ganz nahe kommst, erlebst du ein Vertrauen, das mehr wiegt als jede oberflächliche Beziehung, in der du aus Vorsicht nicht sagst was du fühlst, denkst und willst“.

Und nun nimmt meine zuversichtliche Stimme einen neuen Anlauf: „So, jetzt sieh noch einmal etwas weiter von dir weg, in den Bereich der Politik. Du fühlst dich machtlos dem ausgeliefert, was Rüstungsfirmen und Politiker mit neuen Waffen vorhaben. Lass es gut sein, wenn sich dir keine Gelegenheit bietet, etwas Sinnvolles für die Abrüstung zu unternehmen. Bleib aber wachsam, vielleicht finden sich noch einmal Möglichkeiten für dich, auch auf diesem Gebiet etwas für den Frieden zu tun. Doch jetzt wende dich guten Gewissens anderen Dingen stärker zu.

Übersieh nicht die guten Schritte, die immer wieder erstaunlicherweise möglich werden: die überraschende Reise Sadats nach Israels beispielsweise oder die große Demonstration der Kernkraftwerksgegner in Kalkar vor einiger Zeit, die gewaltlos und friedlich verlief. Solche Schritte sind möglich und du brauchst die Augen nicht davor zu verschließen, dass sie auch notwendig sind – dass ohne Frieden in Nahost der Weltfrieden in Gefahr bleibt, dass durch Atomkraftwerke um kurzfristiger Arbeitsplatzbeschaffung und Energievorteile willen die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder aufs Spiel gesetzt wird“.

So führt mich die zuversichtliche Stimme in mir in das Gebiet der gesellschaftlichen Probleme hinein und will mir zeigen, dass es immer wieder Menschen gibt, die dem Friedenskönig in der Bibel nachleben und auf Reichtum und Gewalt verzichten, um des Friedens und der Gerechtigkeit willen. Menschen, die aus ihrem inneren Frieden heraus Schritte des Friedens in der Welt gehen.

Von einem solchen Schritt las ich vor einigen Tagen einen Bericht. In einer ländlichen Kirchengemeinde in der Dominikanischen Republik, die in Mittelamerika liegt, unterstützten die drei Priester Bauern und Landarbeiter bei ihren Bemühungen um eine Landreform, die sich gegen die großen Landbesitzer richtete. Die Landbevölkerung litt Not, aber die Landherren ließen Militär gegen die Bauern von El Seibo – so hieß der Ort – einsetzen, die eine Landumverteilung erreichen wollten. Anfang Mai dieses Jahres forderte ein einflussreicher Mann des Bezirks die Ausweisung der Priester als unerwünschte Personen. Sie hätten Regierung und Armee missachtet und das Volk aufgewiegelt. Und nun kommt es auf die Reaktion der Bauern an, um deretwillen ich diesen Bericht in die Predigt aufgenommen habe: eine Reaktion, die einen Schritt des Friedens in einer sozialen Kampfsituation darstellt.

Ich lese vor: „Die Bauern wussten, dass jede Demonstration als politischer Akt verboten und zerschlagen würde. So beschlossen sie zur Buße und zur Verteidigung ihrer Priester einen Kreuzweg zu veranstalten, eine Prozession, an der sich über 2000 Personen beteiligten, Männer, Frauen, Jugendliche, Kinder. Auf den Spruchtafeln, die sie trugen, konnte man u, a, lesen: ‚Habt keine Angst, vertraut auf Gott!‛, ‚Es ist wesentlich, dass die Jugend spürt: Christen können Unrecht überwinden‛, ‚Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun‛. Und als Polizei und Militär mit Gewehren und Tränengasbomben auf die Prozession losmarschierten, rief einer aus der Menge: ‚Hier kommt endlich jener Teil der Gemeinde, der noch fehlte!‛ – Der Kreuzweg wurde zu Ende geführt, die Priester arbeiten weiterhin in der Gemeinde.“

„Ja, schön“, meldet sich da noch einmal meine besorgte Stimme zu Wort. „Aber wenn es da doch wieder Rückschläge gibt – was sollen wir tun? Denen können wir doch nicht helfen!“ Meine zuversichtliche Stimme meint jedoch: „Ist es nicht auch mal ganz gut, einfach zu erfahren, was andere mit ihrem Glauben erleben? Und wenn du wirklich etwas tun willst – denk doch an die Möglichkeit, Briefe zu schreiben, um die Lage von politisch Verfolgten zu verbessern. Allein macht so etwas Mühe und kostet Überwindung“ – „was hat das schon für einen Zweck“, flüstert meine besorgte Stimme dazwischen, – „aber mit mehreren zusammen spornt man sich gegenseitig an, kann man sich Arbeit abnehmen und sich gegenseitig informieren“. Soweit meine zuversichtliche Stimme. Wer sich für eine Briefaktion interessiert, kann nachher noch mit mir sprechen.

„Ach“, seufzt die besorgte Stimme in mir, „wo bist du hingelangt! Bei dir selbst bist du angefangen, und nun bist du in der weiten Welt gelandet. Mir schwirrt der Kopf. Und du wolltest doch von Freude nicht nur erzählen, sondern sie auch hier mit der Gemeinde erleben!“

Ich muss es Ihnen überlassen, ob die Predigt zu lang oder zu verwirrend war, oder ob sie Ihnen geholfen hat, am Frieden mitzubauen, den wir in der Adventszeit erwarten. Amen.

Predigtlied EKG 8, 5-6+9 (nicht im EG):

5. Frischauf in Gott, ihr Armen, der König sorgt für euch; er will durch sein Erbarmen euch machen groß und reich. Der an das Tier gedacht, der wird euch auch ernähren; was Menschen nur begehren, das steht in seiner Macht.

6. Frisch auf, ihr Hochbetrübten, der König kommt mit Macht; an uns, sein’ Herzgeliebten, hat er schon längst gedacht. Nun wird kein Angst noch Pein noch Zorn hinfort uns schaden, dieweil uns Gott aus Gnaden lässt seine Kinder sein.

9. Nun, Herr, du gibst uns reichlich, wirst selbst doch arm und schwach; du liebest unvergleichlich, du jagst den Sündern nach; drum wolln wir all in ein die Stimmen hoch erschwingen, dir Hosianna singen und ewig dankbar sein.

Abkündigungen
Liedverse: EKG 14, 4-5

Lasst uns beten mit dem Gebet des Franz von Assisi:

O Herr, mach mich zum Werkzeug deines Friedens: dass ich Liebe übe, wo man sich hasst, dass ich verzeihe, wo man sich beleidigt, dass ich verbinde, da wo Streit ist, dass ich die Wahrheit sage, wo der Irrtum herrscht, dass ich den Glauben bringe, wo der Zweifel drückt, dass ich die Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält, dass ich dein Licht anzünde, wo die Finsternis regiert, dass ich Freude mache, wo der Kummer wohnt. Ach Herr, lass du mich trachten, nicht dass ich getröstet werde, sondern dass ich andere tröste, nicht dass ich verstanden werde, sondern dass ich andere verstehe, nicht dass ich geliebt werde, sondern dass ich andere liebe. Denn wer da hingibt, der empfängt, wer sich selbst vergisst, der findet, wer verzeiht, dem wird verziehen, und wer da stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.

Herr, wir beten mit deiner Kirche für alle Menschen. Für den Frieden im Nahen Osten, für die Beendigung von Gewaltherrschaft und Ungerechtigkeit in Südamerika. Wir beten für die politischen Gefangenen in allen Teilen der Welt, dass wir sie nicht vergessen und es lernen, uns für sie einzusetzen. Hilf uns, mit anderen Menschen mitzufühlen, schenke uns die Nähe anderer Menschen und lass uns innerlich zur Ruhe kommen. Wir schließen in unsere Fürbitte ein die Eltern des Jungen …, der im Alter von zwei Monaten gestorben und hier beerdigt worden ist. Schenke ihnen Menschen, Herr, die ihnen im Leid nahe sind. Amen.

Vaterunser und Segen

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